Zum Inhalt
Tastatur
  • Hilfe anzeigen?
  • Untermenü öffnen↓ / Space
  • Untermenü schließenEsc
  • Studio finden→ Studio
Tiefe
Fortgeschritten

Antennen- und SAT-Verteilung im Haus

Warum reicht für Satellitenempfang eine einzige Antennenleitung je Zimmer nicht — und was muss das Koaxialkabel können?

Auf dem ersten Blick ist die Antennenverkabelung das einfachste Gewerk im Haus: ein Koaxialkabel je Dose, fertig. Genau diese Vorstellung führt zu Anlagen, die nach dem Einzug nicht das können, was sie sollen.

Der Grund ist eine Eigenheit des Satellitenempfangs. Ein Satellit liefert sein Programmangebot nicht als einen Datenstrom aus, sondern verteilt es auf vier Ebenen — und ein Empfänger sieht immer nur eine davon zur Zeit. Was das für die Zahl der Leitungen bedeutet, entscheidet sich im Rohbau und lässt sich später nur mit Aufwand korrigieren.

Über ein Antennenkabel kommen zwei verschiedene Dinge ins Haus: das normale Fernseh- und Radiosignal aus der Luft und das Signal von der Satellitenschüssel. Beide teilen sich das Kabel, brauchen aber unterschiedliche Frequenzen — und das Satellitensignal braucht ungefähr doppelt so viel Platz. Der zweite Punkt ist wichtiger: Die Schüssel liefert nicht alle Programme auf einmal, sondern in vier Portionen, und Dein Receiver kann immer nur eine davon empfangen. Wenn also mehrere Geräte im Haus gleichzeitig verschiedene Sender zeigen sollen, muss die Anlage dafür vorbereitet sein. Nachträglich ist das die teure Variante.

Zwei Signalwelten auf einem Kabeltyp

Was über ein Koaxialkabel in einem Wohnhaus läuft, sind zwei getrennte Frequenzbereiche.

Unterhalb von etwa 900 Megahertz liegen die terrestrischen Signale und das Kabelfernsehen: UKW-Radio, das digitale Radio DAB, das Antennenfernsehen und die Signale eines Kabelnetzbetreibers. Diese Signale kommen so, wie sie sind, an der Dose an.

Zwischen 950 und 2150 Megahertz liegt die Satelliten-Zwischenfrequenz. Sie entsteht erst am Spiegel: Der Signalumsetzer im Brennpunkt — der LNB — empfängt das Satellitensignal zwischen 10,7 und 12,75 Gigahertz und mischt es auf diesen niedrigeren Bereich herunter. Über ein Kabel ließen sich zwölf Gigahertz sonst nicht über zwanzig Meter transportieren.

Genau in dieser Umsetzung steckt die Anlagenlogik. Der Bereich von 950 bis 2150 Megahertz ist rund 1200 Megahertz breit, das Satellitenangebot ist es nicht. Der LNB setzt deshalb in zwei Schritten um: Für das untere Empfangsband arbeitet er mit einer Oszillatorfrequenz von 9,75 Gigahertz, für das obere mit 10,6 Gigahertz — welches gerade gilt, sagt der Empfänger dem LNB über ein Steuersignal von 22 Kilohertz. Dazu kommt die Polarisation: Horizontal und vertikal ausgesendete Programme belegen dieselben Frequenzen, und welche Ebene der LNB durchreicht, wählt der Empfänger über die Höhe der Speisespannung.

Zwei Bänder mal zwei Polarisationen ergeben vier Ebenen, und über ein einzelnes Kabel geht immer nur eine davon. Das ist der ganze Kern des Themas.

Vier Ebenen, viele Geräte: der Multischalter

Aus den vier Ebenen folgen die beiden Bauarten, zwischen denen eine Anlage wählt.

Ein Quad-LNB hat vier Ausgänge und liefert an jedem davon eine vollständige, unabhängig gewählte Ebene. Vier Ausgänge bedeuten vier Empfänger — mehr geht nicht, und jeder Ausgang muss mit einer eigenen Leitung bis zum Gerät durchlaufen.

Ein Quattro-LNB sieht gleich aus und arbeitet anders: Seine vier Ausgänge führen fest die vier Ebenen, jeder eine. Er speist keinen Empfänger, sondern einen Multischalter, und dieser gibt jedem angeschlossenen Teilnehmer die Ebene, die dessen Empfänger gerade anfordert. Damit ist die Zahl der Teilnehmer nicht mehr auf vier begrenzt, sondern auf die Ausgänge des Schalters.

Für die Planung zählt dabei nicht die Zahl der Geräte, sondern die Zahl der Empfangsteile. Ein Fernseher mit zwei Tunern belegt zwei Ausgänge, ein Rekorder mit vier belegt vier. Wer bei der Rohbauplanung Geräte zählt statt Tuner, plant zu knapp — und zwar systematisch.

Daraus folgt die Verkabelungsform, die eine Anlage zukunftsfähig macht: sternförmig vom Technikraum zu jeder Dose, mit einer Leitung je Empfangsteil. Der Multischalter steht dort, wo auch der Netzwerkverteiler steht, siehe Technikraum für die AV-Technik.

Einkabel: wenn nur eine Leitung da ist

Im Bestand ist die Sternverkabelung selten vorhanden, und aufstemmen ist keine Option. Dafür gibt es Einkabelsysteme, und sie drehen das Prinzip um.

Statt eine ganze Ebene durchzureichen, weist die Anlage jedem Empfänger ein eigenes schmales Frequenzfenster auf der gemeinsamen Leitung zu — ein Teilnehmerband. Der Empfänger sagt über Steuerbefehle, welchen Transponder er hören will; die Anlage setzt genau diesen in sein Fenster um. Mehrere Geräte teilen sich damit eine Leitung, ohne sich zu stören.

Zwei Normen stehen dahinter. EN 50494 ist die ältere Fassung mit einer begrenzten Zahl von Teilnehmerbändern je Leitung. EN 50607 — im Handel als JESS oder Unicable 2 geführt — erweitert das auf bis zu 32 Empfänger je Leitung, arbeitet mit feinerer Frequenzabstimmung und erlaubt der Anlage, sich beim Empfänger zurückzumelden.

Die Einschränkung, die dazugehört: Ein Empfänger muss das Verfahren beherrschen, und er muss dieselbe Fassung beherrschen wie die Anlage. Ältere Geräte können das nicht, und ein Gerät für EN 50494 arbeitet an einer reinen EN-50607-Anlage nicht ohne Weiteres. Für den Neubau bleibt die Sternverkabelung deshalb die robustere Antwort — sie legt sich auf kein Verfahren fest.

Was das Kabel leisten muss

Aus den beiden Frequenzbereichen folgen zwei Anforderungen, die ein älteres Antennenkabel häufig nicht erfüllt.

Bandbreite bis 2150 Megahertz. Ein Kabel, das für terrestrischen Empfang gebaut wurde, endet weit darunter. Es funktioniert an einer SAT-Anlage scheinbar — nur fallen die Programme im oberen Band aus, und das sind nicht die unwichtigen. Weil die Dämpfung mit der Frequenz steigt, ist das obere Band immer der Auslegungsfall: Wer eine Anlage gegen 2150 Megahertz rechnet, hat den Rest mit erledigt.

Schirmung. Der Außenleiter eines Koaxialkabels ist Rückleiter und Schirm zugleich; Einzelheiten stehen beim Koaxialkabel. EN 50117 teilt Kabel nach der Wirksamkeit dieser Schirmung in Klassen ein, im Handel als C, B, A, A+ und A++ geführt. Der Grund, warum das hier mehr zählt als bei anderen Signalen: Eine schlecht geschirmte Antennenleitung strahlt nicht nur empfindlich ein, sie strahlt auch ab — und was sie abstrahlt, liegt in Frequenzbereichen, die anderen Diensten gehören.

Dazu kommt ein dritter Punkt, der keine Kabeleigenschaft ist: Die Stecker entscheiden mit. Ein F-Stecker, der nur aufgesteckt statt sauber verpresst oder verschraubt ist, öffnet den Schirm an genau der Stelle, an der es am meisten stört — dieselbe Kette wie bei der Datenverkabelung, nachzulesen bei der Schirmauflegung.

Erdung ist kein Nebenaspekt

Eine Satellitenantenne steht auf dem Dach, also am exponiertesten Punkt des Gebäudes, und über das Koaxialkabel geht eine leitende Verbindung von dort bis in die Wohnräume. Sicherheitsanforderungen an Antennenanlagen — Erdung, Potentialausgleich, Anschluss an eine vorhandene Blitzschutzanlage — regelt EN 60728-11.

Häufige Missverständnisse

„Ein Kabel je Raum reicht." Für terrestrischen Empfang ja. Für Satellitenempfang gilt eine Leitung je Empfangsteil, und moderne Geräte haben mehr als eines. Der Fehler fällt erst auf, wenn zwei Geräte gleichzeitig verschiedene Sender zeigen sollen.

„Antennenkabel ist Antennenkabel." Der Unterschied liegt in der oberen Grenzfrequenz und in der Schirmungsklasse. Ein Kabel für terrestrischen Empfang an einer SAT-Anlage lässt Teile des Angebots verschwinden, ohne komplett auszufallen — das schwierigste Fehlerbild überhaupt.

„Der Verteiler aus dem Baumarkt tut es auch." Ein passiver Verteiler teilt das Signal und schwächt es dabei; ein Multischalter wählt eine Ebene aus und verstärkt. Beide sehen ähnlich aus, und der eine ersetzt den anderen nicht.

„50-Ohm-Kabel passt doch auch." Es passt mechanisch und arbeitet nicht zusammen. Warum, steht beim Wellenwiderstand.

„Unicable ist die moderne Lösung." Es ist die Lösung für vorhandene Einzelleitungen und eine Festlegung auf ein Verfahren, das jedes Endgerät beherrschen muss. Im Neubau ist die Sternverkabelung weniger elegant und deutlich haltbarer.

Grenzen und Sonderfälle

SAT über Netzwerk verschiebt die Frage. Geräte, die Satellitensignale in das IP-Netz einspeisen, machen aus der Koaxialplanung eine Netzwerkplanung — mit allen Konsequenzen für Bandbreite und Vermittlung. Die Zahl der Tuner bleibt trotzdem die begrenzende Größe, sie sitzt nur an einer anderen Stelle. Was das Netz dafür leisten muss, steht bei den BASE-T-Übertragungsverfahren und den Heimnetzwerk-Grundlagen.

Mehrere Satellitenpositionen vervielfachen die Ebenen. Wer zwei Positionen empfangen will, hat acht Ebenen und braucht einen Multischalter, der beide führt. Das ist eine Entscheidung über die Anlagengröße und nicht über den Spiegel.

Im Mehrfamilienhaus gelten andere Maßstäbe. Dort kommen Verstärkerplanung, Pegelabgleich über alle Etagen und eine Abnahme mit Messempfänger dazu — ein eigenes Gewerk mit eigenem Nachweis.

Kabelanschluss und Satellit schließen sich nicht aus. Beide lassen sich über dieselbe Hausverteilung führen, solange die Frequenzbereiche getrennt bleiben und die Komponenten beide Bereiche durchreichen.

In der Planung

Ein Neubau mit vier Räumen, in denen Fernsehen vorgesehen ist, dazu ein Heimkino im Untergeschoss. Der Bauherr fragt in der Rohbauphase, wie viele Antennendosen er braucht.

Die Frage ist zu diesem Zeitpunkt die falsche. Zuerst ist zu klären, ob überhaupt über Satellit empfangen werden soll oder über Kabelanschluss und Internet — das entscheidet, ob eine Anlagenlogik mit vier Ebenen nötig ist oder gar keine. Fällt die Entscheidung für Satellit, folgt die zweite Frage: Wie viele Empfangsteile werden im Haus gleichzeitig arbeiten? Ein Fernseher mit Doppeltuner, ein Rekorder und ein zweites Gerät im Gästezimmer sind schnell sechs.

Daraus folgt das Verfahren, und es ist erfreulich mechanisch: eine Leitung je Empfangsteil, sternförmig vom Technikraum, Kabel mit Bandbreite bis über zwei Gigahertz und ordentlicher Schirmungsklasse, Multischalter mit Reserveausgängen im Technikraum. Dazu ein Leerrohr je Strecke, weil die Anlage dieses Haus überleben wird und die Übertragungswege sich ändern werden — siehe Leerrohr als Planungsgröße.

Erst danach kommen die Geräte. Welcher Spiegel, welcher LNB, welcher Multischalter — das sind Katalogfragen, sobald die Zahl der Ebenen und der Empfangsteile feststeht. Und weil sich beim Heimkino im Untergeschoss ohnehin die Frage stellt, ob dort überhaupt ein Tuner sitzt oder alles über das Netzwerk kommt, wird diese eine Strecke zusätzlich mit zwei Netzwerkleitungen bedacht.

Verknüpfte Inhalte

Warum der Außenleiter eines Koaxialkabels Rückleiter und Schirm zugleich ist und was daraus folgt, steht beim Koaxialkabel; warum 75 und 50 Ohm nicht zusammenarbeiten, beim Wellenwiderstand. Wie ein Schirm angeschlossen wird, damit er wirkt, behandelt die Schirmauflegung.

Wo Multischalter und Netzwerkverteiler zusammenkommen, steht beim Technikraum für die AV-Technik; was das Netz leisten muss, wenn Fernsehsignale darüber laufen, bei den BASE-T-Übertragungsverfahren und den Heimnetzwerk-Grundlagen.

Quellen

Der Frequenzplan — Oszillatorfrequenzen des Universal-LNB, die beiden Empfangsbänder, die Zwischenfrequenz von 950 bis 2150 Megahertz sowie die Umschaltung von Band und Polarisation über Steuersignal und Speisespannung — stammt aus deutschsprachigen enzyklopädischen Darstellungen zur Sat-ZF-Verteilung und zum rauscharmen Signalumsetzer. Eine Norm wurde dafür nicht eingesehen.

Die Unterscheidung der Einkabelverfahren nach EN 50494 und EN 50607 sowie die Angabe von bis zu 32 Empfängern je Leitung stammen aus Hersteller- und Fachhandelsdarstellungen; die Normtexte lagen nicht vor.

Die Einteilung von Koaxialkabeln in Schirmungsklassen steht in EN 50117; die Klassenbezeichnungen stammen aus Herstellerdarstellungen, die Dezibel-Grenzen je Klasse sind nicht belegt und deshalb hier nicht genannt. Sicherheitsanforderungen an Antennenanlagen einschließlich Erdung und Potentialausgleich regelt EN 60728-11; auch dieser Normtext lag nicht vor.

Tastaturkürzel