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Höhenkanäle — Top Front, Top Middle, Top Rear, Front Height, Rear Height
Wie heißen die Positionen der Höhenlautsprecher — und wieso steht in einem Datenblatt Top Front, im nächsten Front Height und im dritten Voice of God?
Höhenkanäle sind die Lautsprecher über Ohrhöhe, also das, was die dritte Ziffer der Kanal-Notation zählt. Dolby benennt ihre Positionen nach einem einzigen Winkel im Seitenriss: Er beginnt vorne auf Ohrhöhe bei 0 Grad, steht senkrecht über dem Hörplatz bei 90 Grad und endet hinten bei 180 Grad. Front Height und Rear Height liegen flach an den Wänden, Top Front, Top Middle und Top Rear steil an der Decke. Auro-3D beschreibt seine Höhenebene mit zwei Winkeln statt mit einem und führt zusätzlich eine eigene Position senkrecht über dem Hörplatz, die im Sprachgebrauch Voice of God heißt.
Über Deinem Sofa hängen bei einem Heimkino mit Höhe zwei bis acht Lautsprecher. Jeder Platz hat einen englischen Namen, und die Namen sagen, wie weit vorne oder hinten der Lautsprecher hängt: Was vorne über der Leinwand an der Wand sitzt, heißt anders als das, was genau über Deinem Kopf an der Decke sitzt. Das Dumme daran: Verschiedene Hersteller benutzen dieselben Wörter für leicht verschiedene Plätze. Wenn Du also ein Angebot liest und dort steht Top Front, hilft Dir das allein noch nicht weiter — Du musst wissen, in welchem Winkel der Lautsprecher von Deinem Sitzplatz aus hängen soll. Der Winkel ist die Angabe, die zählt; der Name ist nur die Kurzform dafür.
Ausführliche Erklärung
Ein Winkel im Seitenriss
Dolby beschreibt eine Höhenposition mit einer einzigen Zahl, und zwar in der Seitenansicht des Raums. Die Zahl läuft auf einem Bogen: 0 Grad ist die Blickrichtung zur Bildmitte, 90 Grad ist senkrecht über dem Hörplatz, 180 Grad wäre die Rückwand auf Ohrhöhe. Wie weit die beiden Lautsprecher eines Paares seitlich auseinanderstehen, sagt eine getrennte Regel — das 0,5- bis 0,7-Fache der Breite, die die Anordnung insgesamt aufspannt. Zwei Angaben also, aber jede für sich einfach zu prüfen: eine im Schnitt, eine im Grundriss.
Aus dieser Ordnung folgen die Namen fast von selbst.
| Position | Kürzel | Wo der Lautsprecher hängt |
|---|---|---|
| Front Height | Lfh / Rfh | flach vorne, an der Frontwand senkrecht über den Front-Lautsprechern |
| Top Front | Ltf / Rtf | steil vorne, an der Decke vor dem Hörplatz |
| Top Middle | Ltm / Rtm | senkrecht über dem Hörplatz an der Decke |
| Top Rear | Ltr / Rtr | steil hinten, an der Decke hinter dem Hörplatz |
| Rear Height | Lrh / Rrh | flach hinten, an der Rückwand |
Welches Winkelfenster für welche Position in welchem Aufbau gilt, steht je Layout bei den Dolby-Atmos-Setups und auf deren Detailseiten — dort ist das offizielle Setup-Blatt des jeweiligen Aufbaus die Quelle.
Die Namen wandern mit dem Layout
Ein Name legt keine feste Gradzahl fest, und daran scheitern die meisten Datenblatt-Lesungen. Dieselbe Bezeichnung Top Front hat in einem Aufbau mit sechs Höhenkanälen ein deutlich weiteres Fenster als in einem mit acht: Sobald Front Height den flachen Sektor davor besetzt, rückt Top Front nach oben und wird enger gefasst. Top Middle wiederum steht dort, wo es nur ein einziges Deckenpaar gibt — in den Layouts mit zwei Höhenkanälen — und in denen mit sechs; in den Achter-Layouts fällt es weg. Der Schritt von 9.1.6 auf 11.1.8 stellt die Decke deshalb um: Top Middle verliert seinen Kanal, dafür kommen Front Height und Rear Height an die Wände. Wer das erst beim zweiten Ausbau merkt, hat bereits an der falschen Stelle gebohrt.
Auf der Produktionsseite gilt eine eigene Kürzelfamilie. Das Handbuch des Dolby-Atmos-Renderers, mit dem im Studio gemischt wird, führt Lts/Rts für Left/Right Top Surround — das einzelne Höhenpaar eines 7.1.2-Aufbaus. Dieselbe Trennung zwischen Heim- und Studiobezeichnung gibt es auf Ohrhöhe beim Surround-Split.
Auro-3D zählt zwei Winkel
Auro-3D ordnet seine Lautsprecher in Schichten und nicht auf einem Bogen. Die untere Schicht liegt auf Ohrhöhe, darüber liegt die Height-Ebene mit denselben Azimutwinkeln wie unten, angehoben auf 30 Grad Elevation — Height Left (HL), Height Center (HC), Height Right (HR) sowie Height Left und Right Surround (HLs/HRs). Der Hersteller nennt 25 bis 35 Grad als den Bereich, in dem diese Ebene ihre Wirkung entfaltet, und verlangt mindestens 25 Grad Öffnung zur Surround-Ebene darunter. Erst darüber kommt eine dritte Ebene mit einem einzigen Kanal, der schlicht Top (T) heißt und senkrecht über dem Hörplatz sitzt.
Voice of God ist der Spitzname dieses Top-Kanals, und Auro führt ihn im eigenen Handbuch mit. Bemerkenswert ist, wie zurückhaltend der Hersteller ihn dort einordnet: Dieser Kanal sei kein entscheidendes Element der räumlichen Wirkung, sein Nutzen beschränke sich auf Überflüge und ähnliche Effekte. Die eigentliche Arbeit leistet nach dieser Darstellung die Height-Ebene bei 30 Grad, weil in der Natur weder die Quellen noch die wichtigen Reflexionen von direkt oben kommen und unser Gehör für Schall von oben ohnehin unempfindlicher ist — die Begründung deckt sich mit dem, was bei der vertikalen Ortung steht.
In größeren Räumen wird aus dem einen Top-Kanal ein Array aus zwei, vier oder sechs Lautsprechern, die gemeinsam angesteuert werden. Auro bezeichnet deren Reihen mit Top Front, Top Middle und Top Rear — also mit genau den Wörtern, die bei Dolby drei getrennte Kanalpaare meinen.
Die dritte Fassung: das Bezeichnungsschema von CEDIA und CTA
Weil Dolby und Auro-3D verschieden benennen und Planungsunterlagen trotzdem eindeutig sein sollen, führt die Planungsempfehlung CEDIA/CTA-RP22 ein eigenes Schema ein. Es setzt die Funktion nach vorne: F für Front und S für Surround auf Ohrhöhe, T für Top und H für Height in der oberen Ebene, danach die Lage. Aus Front Height wird so HFL/HFR, aus Top Front TFL/TFR, aus Top Middle TML/TMR, aus Top Rear TBL/TBR (dort Top Back) und aus Rear Height HBL/HBR. Der Kanal senkrecht über dem Hörplatz heißt TMC, Top Middle Center — und RP22 führt Voice of God ausdrücklich als seinen Beinamen, sowohl für Auro-3D als auch für DTS:X Pro.
Anhang E derselben Empfehlung stellt diese Bezeichnungen in einer Konkordanz denen von Dolby Atmos, Auro-3D, DTS:X und DTS:X Pro gegenüber, dazu näherungsweise der Rundfunkempfehlung ITU-R BS.2051-3. Für die Planung ist das der praktische Nutzen des Schemas: Ein Plan, der die RP22-Kürzel verwendet, lässt sich in jedes der Formate übersetzen, ohne dass der Winkel noch einmal verhandelt werden muss.
Warum sich die Zahlen beider Herstellersysteme nicht vergleichen lassen
Ein Winkelpaar aus Azimut und Elevation und eine einzelne Gradzahl im Seitenriss beschreiben dieselbe Richtung in verschiedenen Koordinaten; direkt nebeneinanderlegen lassen sich die Angaben deshalb nicht. Rechnet man Auros Werte in Dolbys Seitenriss um, wird der Abstand sichtbar. Die Auro-Height-Ebene mit 30 Grad Azimut und 30 Grad Elevation erscheint im Seitenriss bei rund 34 Grad und liegt damit ungefähr dort, wo Dolby Front Height führt. Die Top-Front-Reihe der Vierer-Anordnung dagegen steht bei 45 Grad Azimut und 65 Grad Elevation, im Seitenriss also bei rund 72 Grad — Dolbys Top Front sitzt im 11.1.8 zwischen 45 und 55 Grad. Zwischen zwei Positionen mit demselben Namen liegen damit gut zwanzig Grad, und das ist im Raum eine gute Armlänge Deckenlänge.
Beim Lesen eines Datenblatts, eines Angebots oder eines Einmess-Menüs gilt deshalb: zuerst klären, welches Format und welches Layout gemeint ist, dann den Winkel suchen. Steht kein Winkel dabei, ist der Name allein noch keine Positionsangabe.
Häufiges Missverständnis
„Height heißt Decke." Das Gegenteil ist der Fall: Front Height und Rear Height gehören bei Dolby an die Wände, senkrecht über die Front-Lautsprecher beziehungsweise an die Rückwand. An die Decke gehören die Positionen mit Top im Namen. Wer die Begriffe vertauscht, plant Deckendurchbrüche für Lautsprecher, die an die Wand gehört hätten — und das ist eine bauliche Entscheidung, die sich später nicht folgenlos zurücknehmen lässt.
„Voice of God ist die Königsdisziplin." Der Name legt nahe, dieser Kanal sei die eigentliche Höhe. Auro sieht das anders und schreibt das auch so: Der Top-Kanal dient Überflügen und Effekten, während die Räumlichkeit aus der Ebene bei 30 Grad kommt. Der Begriff stammt aus dem Studiojargon und beschreibt eine Wirkung, keinen Qualitätsrang.
Nicht zu verwechseln mit
- Screen-Lautsprecher und Left/Right Center: Zusatzpaare innerhalb der Front, die eine sehr breite Bildfläche verdichten. Sie stehen auf Ohrhöhe und zählen in die erste Ziffer der Notation; was sie leisten, steht bei den Screen-Kanälen.
- Front Wide (Lw/Rw): ebenfalls Ohrhöhe, zwischen Front und Surround. Beide Paare sitzen vorne und werden deshalb leicht verwechselt; die Unterschiede klärt der Eintrag zu Front Wide.
- Aufsatzlautsprecher: eine Bauform, die den Höhenkanal über die Decke spiegelt. Sie beantwortet die Frage, auf welchem Weg der Schall kommt, und nicht die, welche Position gemeint ist; Bedingungen und Grenzen stehen bei den Aufsatzlautsprechern.
- Die dritte Ziffer der Notation: Sie zählt Höhenkanäle. Welche Positionen die vier Kanäle eines 5.1.4 einnehmen, sagt sie nicht.
- Height Center (HC): bei Auro-3D der Höhenkanal über der Bildmitte, nicht der Center auf Ohrhöhe.
In der Planung
Ein Kunde bringt ein Angebot mit, in dem vier Positionen als „Height" geführt sind, dazu eine Skizze ohne Winkel. Zu klären ist zuerst der Aufbau: Welches Layout ist gemeint, und wo sollen die vier Lautsprecher im Seitenriss stehen? Vier Höhenkanäle sind bei Dolby üblicherweise Top Front und Top Rear an der Decke — es könnten aber ebenso Front Height und Rear Height an den Wänden sein, und in einem Auro-Aufbau wäre es die Height-Ebene bei 30 Grad, also wieder etwas anderes.
Erst wenn die Positionen feststehen, folgt die Verfahrensfrage: Decke oder Wand. Das entscheidet die Bausubstanz mit — eine Betondecke mit Fußbodenheizung darüber, ein Unterzug an genau der Stelle, eine Dachschräge. Und erst danach die Geräte. Wer die Reihenfolge umdreht und mit einem gekauften Set aus vier Deckenlautsprechern beginnt, hat die Positionsfrage bereits beantwortet, ohne sie gestellt zu haben.
Ein zweiter Fall aus derselben Familie: Wenn der Ausbau auf acht Höhenkanäle später einmal kommen soll, gehört die Umstellung an der Decke schon in die erste Planung. Sonst sitzen die Bohrungen für Top Middle an einer Stelle, die der Zielaufbau nicht mehr besetzt.
Verknüpfte Inhalte
Die Ziffernfolgen selbst erklärt die Kanal-Notation. Die beiden Nachbareinträge zur Ohrhöhen-Ebene sind der Surround-Split und Front Wide; die Zusatzpaare im Leinwandbereich behandeln die Screen-Kanäle. Die Winkelfenster je Aufbau führen die Dolby-Atmos-Setups. Warum das Gehör Höhe gröber auflöst als Richtung nach links und rechts, erklärt die vertikale Ortung; wie ein Renderer Objekte auf die vorhandenen Positionen verteilt, der objektbasierte Ton. Die Bauform, die Höhe ohne Deckendurchbruch erzeugt, sind die Aufsatzlautsprecher.
Quellen
Die Kanalnamen der Auro-3D-Höhenebene, die Bezeichnung Voice of God für den Top-Kanal und dessen Einordnung durch den Hersteller stammen aus der AURO-3D-Setup-Richtlinie in der Fassung vom Mai 2024, die für diesen Eintrag im Volltext eingesehen wurde; von dort kommen auch die Winkelangaben der Height- und der Top-Ebene sowie die Reihen der Mehrfach-Top-Anordnung. Die Dolby-Namen, die Kürzel und die Systematik des Seitenriss-Winkels stammen aus den Dolby-Atmos-Installationsrichtlinien in der Revision 3.1, die Höhenbestückung des 11.1.8 aus dem zugehörigen Setup-Blatt und das Studio-Kürzel Lts/Rts aus dem Handbuch des Dolby-Atmos-Renderers. Das eigene Bezeichnungsschema von CEDIA und CTA, die Einordnung von Voice of God als Beiname des Kanals Top Middle Center und die Konkordanz über die Formate hinweg stehen in CEDIA/CTA-RP22 v1.2 vom September 2023, Abschnitt 5.3 und Anhang E. Die Umrechnung der Auro-Winkelpaare in den Seitenriss ist eine eigene Rechnung mit den Nennwerten der Auro-Tabelle als Eingangswerten.