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Fortgeschritten

Front Wide (Lw/Rw) und Surround 1 — die Zusatzkanäle ab 9.x

Was leisten Front-Wide-Lautsprecher — und wie heißt das zusätzliche Surroundpaar eines 11.x-Aufbaus wirklich?

Front Wide (Lw/Rw) ist das Lautsprecherpaar bei 50 bis 70 Grad: Es schließt ab 9.x (zu den Ziffernfolgen siehe Kanal-Notation) die Lücke zwischen den Frontlautsprechern und den Surrounds. Ab 11.x kommt ein weiteres Bodenpaar dazu, das zwischen Surround und Rear Surround bei 117 bis 127 Grad sitzt — Dolby nennt es Surround 1. Das daneben kursierende Kürzel Lxs/Rxs für „Extra Surround" stammt nicht von Dolby.

Stell Dir die Lautsprecher als Ring um Deinen Sitzplatz vor. Vorne stehen drei, an der Seite und hinten je nach Anlage zwei bis vier. Zwischen „vorne" und „neben Dir" bleibt bei den meisten Anlagen ein großes Stück Ring leer — genau dort sitzen die Wide-Lautsprecher. Ein Geräusch, das von der Leinwand zur Seite wandert, muss dann nicht mehr über die Lücke springen. Und in großen Räumen kann man den Ring hinten mit einem weiteren Paar dichter besetzen. Für ein normales Wohnzimmer ist beides kein Muss.

Ausführliche Erklärung

Der breiteste unbesetzte Abschnitt eines 5.x- oder 7.x-Rings liegt vorne seitlich: Die Front endet bei 30 Grad, die Surrounds beginnen frühestens bei 90 Grad — wie sich der Surroundbogen in seitlich und hinten teilt, steht beim Surround-Split. Dazwischen liegen 60 Grad Bogen ohne Lautsprecher — mehr als zwischen allen anderen Nachbarpaaren. Wandert ein Objekt von der Leinwand zur Seite, muss die Wiedergabe diese Strecke als Phantomschallquelle zwischen zwei weit auseinanderliegenden Lautsprechern überbrücken, und genau dort reißt die Ortung am ehesten ab. Das Wide-Paar bei 50 bis 70 Grad halbiert die Strecke: Der Schwenk läuft durch, statt zu springen.

Ihr Signal bekommen die Wides auf zwei verschiedenen Wegen. Die Unterscheidung erklärt, warum dasselbe Paar mal voll mitspielt und mal stumm bleibt.

Bei objektbasiertem Material — Dolby Atmos, DTS:X — liegen Tonobjekte mit Positionsdaten vor. Der Renderer im Gerät rechnet sie auf das Layout um, das tatsächlich konfiguriert ist; stehen Wides im Raum, nutzt er sie. Dolby hält ausdrücklich fest, dass Dekodierung und Rendering vollständig im AV-Receiver stattfinden. Wie dieses Verfahren arbeitet, steht beim objektbasierten Ton.

Eine kanalbasierte Mischung kennt die Wide-Position dagegen nicht. Damit dort etwas ankommt, muss ein Verfahren im Prozessor ein Signal errechnen. Der Upmixer analysiert dafür die vorhandenen Kanäle; DSP-Betriebsarten wie Multi Ch Stereo verteilen nach fester Vorschrift auf alle gewählten Lautsprecher. Bleibt der dritte Fall, ein diskreter Wide-Kanal in der Mischung selbst — kaufbare Tonspuren mit Wide-Kanal gibt es praktisch nicht.

Beim Dolby-Surround-Upmixer hat sich die Antwort im Lauf der Jahre geändert. Die Dolby-Installationsrichtlinien von 2018 halten fest, dass er auf Wides, auf Lautsprecher im Leinwandbereich und auf den Center Surround bewusst nichts legt. Die Gerätedokumentation ab 2020 zeigt ein anderes Bild: Denon führt Front Wide für die Betriebsart Dolby Surround als aktiv, mit der einzigen Einschränkung eines eingeschalteten Speaker Virtualizer; für die Vorgängergeneration kam die Funktion im November 2020 per Firmware; Trinnov nennt sie im Juli 2025 als Bestandteil seiner neuesten Dolby-Implementierung. Ob der Upmixer die Wides bespielt, hängt damit an der Implementierungsgeneration im Gerät und unterscheidet sich je Hersteller um Jahre. Ein öffentliches Dolby-Dokument zu dieser Änderung gibt es nicht; die Aussage stützt sich auf die Dokumentation der Gerätehersteller.

Auro-3D geht einen eigenen Weg. Keines der Auro-Heimlayouts von 9.1 bis 13.1 sieht ein Wide-Paar vor, und der Auro-Matic-Upmix zielt ebenfalls auf Auro-Layouts. Auf Denon-Geräten bleiben vorhandene Wides in allen Auro-Betriebsarten stumm, auch bei zugeschalteter Channel Expansion.

Das zusätzliche Surroundpaar eines 11.x-Aufbaus verdichtet den Bogen seitlich-hinten. Im offiziellen 11.1.8-Layout sitzt es bei 117 bis 127 Grad, zwischen den Surrounds (90 bis 110 Grad) und den Rear Surrounds (135 bis 150 Grad). Der Nutzen ist derselbe wie bei den Wides, nur eine Etage weiter hinten: mehr besetzte Positionen, feinere Überblendungen. Spürbar wird das vor allem in tiefen Räumen und bei mehreren Sitzreihen — je länger die Seitenwand, desto größer die Strecke, die sonst zwischen zwei Surroundpaaren unbesetzt bliebe.

Warum ist die Benennung so uneinheitlich? Dolbys eigene Dokumente vergeben die Zusatznamen nicht deckungsgleich: Die Installationsrichtlinien von 2018 führen gleich mehrere mögliche Zusatzpaare — Surround 1 dort bei etwa 75 Grad zwischen Wide und Surround, Surround 2 bei 105 Grad, dahinter Rear Surround 1 und 2. Der aktuelle 11.1.8-Setup-Guide nennt das eine Zusatzpaar seines Layouts dagegen Surround 1 und setzt es auf 117 bis 127 Grad. Gerätemenüs und Fachtexte erfinden weitere Etiketten, darunter „Extra Surround" mit Kürzeln wie Lxs/Rxs. Beim Planen zählt deshalb der Winkel, auf dem ein Paar steht und eingemessen wird, und nicht das Etikett, das ein Gerätemenü ihm gibt.

Nach oben ist das Format großzügiger, als es je ein Wohnraum braucht: Bis zu 34 Lautsprecherpositionen sind vorgesehen, etwa als 24.1.10. Ausgebaut wird grundsätzlich paarweise; einzeln stehen nur Center und Center Surround. Elf Bodenkanäle setzen allerdings einen Prozessor und Endstufen voraus, die so viele Wege getrennt ansteuern — auch deshalb gehört die Gerätefrage ans Ende der Planung, nicht an den Anfang.

Häufiges Missverständnis

„Für Wides bräuchte es Filme in 9.1 — die gibt es nicht, also sind die Kanäle nutzlos." Der erste Teil stimmt, der Schluss nicht. Es gibt tatsächlich keine 9.1-Tonspuren im Handel, aber die Wides warten auch nicht auf eine: Bei objektbasierten Formaten entscheidet der Renderer anhand der Positionsdaten, welche Lautsprecher ein Objekt wiedergeben — die Tonspur muss das Layout gar nicht kennen. Bei altem Material hängt die Antwort am Gerät: Aktuelle Prozessoren geben im Dolby-Surround-Betrieb auch auf die Wides aus, ältere Generationen lassen sie aus. Was das eigene Gerät tut, steht in seiner Kanaltabelle zu den Klangprogrammen — bei Auro-3D bleibt das Paar in jedem Fall stumm.

Nicht zu verwechseln mit

  • Front Height (Lfh/Rfh): Höhenlautsprecher oben an der Frontwand. Wides bleiben auf Ohrhöhe; die beiden werden in Gerätemenüs häufig nebeneinander angeboten und deshalb verwechselt.
  • Left/Right Center und Screen-Lautsprecher: Zusatzpaare innerhalb der Front für sehr breite Leinwände — sie verdichten die Front, nicht den Bogen zur Seite.
  • Center Spread: eine zuschaltbare Upmixer-Funktion, die das Frontbild verbreitert. Sie ist ein Rechenverfahren, kein Lautsprecherpaar.

In der Planung

Ein dedizierter Kinoraum, sieben Meter tief, zwei Sitzreihen: Sieh nach, welche Abschnitte des Rings unterbesetzt sind. Entlang der langen Seitenwände entsteht vorne die 60-Grad-Lücke zwischen Front und Surround, und hinten liegen die Surroundwinkel der beiden Reihen weit auseinander — dieselbe Seitenwandposition erscheint der vorderen Reihe unter einem anderen Winkel als der hinteren. Das Verfahren: zuerst das 7.x-Gerüst mit Höhenkanälen sauber setzen, dann die Wides bei 50 bis 70 Grad auf die Hauptreihe ausrichten, und erst wenn beides steht, das Paar Surround 1 zwischen Surround und Rear Surround ergänzen, damit beide Reihen seitlich lückenlos angebunden sind. Zuletzt die Geräteentscheidung: elf Bodenkanäle plus Höhen verlangen einen Prozessor jenseits der Receiver-Klasse — ob sich das lohnt, hat die Raumanalyse zu diesem Zeitpunkt längst beantwortet.

Verknüpfte Inhalte

Wie die Ziffernfolgen zu lesen sind, steht bei der Kanal-Notation. Die Teilung des Surroundbogens in seitlich und hinten — das Fundament, auf dem Wides und Surround 1 aufsetzen — erklärt der Eintrag zum Surround-Split. Warum zwei weit auseinanderstehende Lautsprecher eine Ortung zwischen sich erzeugen, steht bei der Phantomschallquelle; wie ein Renderer Objekte auf die vorhandenen Positionen rechnet, beim objektbasierten Ton. Was ein Upmixer aus kanalbasiertem Material errechnet und wo die Grenze zum Downmix liegt, steht bei diesen beiden Einträgen. Wohin die Frontkanäle gehen, wenn hinter der Bildfläche gar kein Lautsprecher stehen kann — beim Fernseher und bei der LED-Wand —, klärt Ton bei geschlossener Bildfläche.

Quellen

Die Winkelfenster und die Zusatzpaare stammen aus den Dolby-Atmos-Installationsrichtlinien für Heimkinos; das 11.1.8-Layout mit dem Kanalnamen Surround 1 aus dem offiziellen Dolby-Setup-Guide zu diesem Aufbau. Was heutige Geräte je Betriebsart auf die Wides legen, stammt aus den Kanaltabellen von Denon sowie aus den Release-Angaben von Trinnov und StormAudio; die Auro-Layouts aus den Auro-3D-Setup-Guidelines.

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