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Fortgeschritten

5.x Surround (Ls/Rs) gegen 7.x Split-Surround (Lss/Rss + Lrs/Rrs)

Warum werden aus den zwei Surroundlautsprechern eines 5.x-Aufbaus bei 7.x vier — und was ändert das für Aufstellung und Klang?

In einem 5.x-Aufbau übernimmt ein einziges Lautsprecherpaar den ganzen Bereich seitlich und hinter Dir — es steht bei 110 bis 120 Grad, also schräg hinter dem Hörplatz. Ab 7.x ist dieser Bogen geteilt: Ein Paar sitzt seitlich bei 90 bis 110 Grad, ein zweites hinten bei 135 bis 150 Grad. Aus einem Sammelkanal je Seite werden zwei getrennt ansteuerbare Richtungen.

Bei fünf Lautsprechern kommt alles, was neben oder hinter Dir passiert, aus einem einzigen Lautsprecher pro Seite. Bei sieben gibt es dafür zwei pro Seite: einen neben Dir, einen hinter Dir. Ein Auto, das im Film an Dir vorbeifährt, wandert dann hörbar von der Seite nach hinten weg, statt einfach irgendwo hinten zu sein. Dafür brauchen die hinteren Lautsprecher Platz — sitzt Dein Sofa direkt an der Wand, haben sie keinen.

Ausführliche Erklärung

Die beiden Surrounds eines 5.x-Aufbaus stehen weiter hinten, als viele erwarten würden: bei 110 bis 120 Grad. Gemessen wird dieser Winkel am Hörplatz gegen die Achse zur Bildmitte, nicht an einer Wand. Von dort versorgen sie gemeinsam alles zwischen „neben Dir" und „hinter Dir". Solange nur dieses eine Paar existiert, entsteht jede Bewegung durch diesen Bogen als Pegelverhältnis zwischen Front und Surround — wo genau auf dem Weg nach hinten ein Geräusch gerade ist, kann die Wiedergabe nicht abbilden, weil dort kein weiterer Lautsprecher steht.

Die Teilung ab 7.x löst genau das. Das seitliche Paar rückt dafür ein Stück nach vorn auf 90 bis 110 Grad, das neue hintere Paar übernimmt den Bereich bei 135 bis 150 Grad. Wandert ein Objekt seitlich nach hinten, wird daraus eine echte Überblendung zwischen zwei benachbarten Paaren statt eines Sprungs. Bei objektbasierten Formaten rechnet der Renderer im Prozessor die Positionsdaten direkt auf die vorhandenen vier Surroundpositionen um; bei einer kanalbasierten 7.1-Mischung liegen Seiten- und Rückkanal schon getrennt in der Tonspur.

Verwirrend wird es bei den Kürzeln, denn dieselben vier Positionen heißen je nach Dokument verschieden. Die Heimkino-Installationsdoku von Dolby schreibt Ls/Rs für das seitliche und Lrs/Rrs für das hintere Paar. Die Produktions- und Studioseite nennt das seitliche Paar dagegen Lss/Rss (Side Surround) — dort steht Ls/Rs für das Sammelpaar des 5.1-Layouts. Pro Tools kürzt das hintere Paar wiederum Lsr/Rsr ab. Ein und dasselbe Kürzel Ls kann also je nach Zusammenhang zwei verschiedene Positionen meinen; beim Lesen von Anleitungen und Einmess-Menüs lohnt der Blick auf den Winkel statt auf den Namen.

Und was passiert mit einer 7.1-Mischung auf einem 5.1-Aufbau? Im Dolby-Atmos-Renderer, mit dem im Studio gemischt und abgehört wird, addiert der Standard-Downmix Seiten- und Rückkanal unverändert auf das eine Surroundpaar — beide Kanäle mit vollem Pegel, keiner bevorzugt. Es geht also kein Inhalt verloren, nur die Richtungstrennung zwischen seitlich und hinten. Das ist die Referenz aus dem Studio; mit welchen Koeffizienten ein Receiver im Wohnzimmer zusammenlegt, legt Dolby dort nicht fest. Deshalb ist 5.x kein unvollständiges 7.x — es ist dieselbe Mischung mit gröberer Auflösung des hinteren Bogens.

Ob sich die Teilung lohnt, entscheidet die Raumgeometrie. Das hintere Paar braucht 135 bis 150 Grad, und die erreicht es nur mit Abstand hinter dem Sitzplatz. Steht das Sofa an der Rückwand, landen die Rear Surrounds unmittelbar hinter den Köpfen: Sie werden als einzelne, nahe Schallquelle hörbar, statt den Raum nach hinten zu öffnen. In dieser Lage ist das Geld in vier gut gesetzten Surroundpositionen schlechter angelegt als in einem sauberen 5.x mit guten Höhenkanälen.

Häufiges Missverständnis

„Surroundlautsprecher gehören an die Rückwand." Diese Vorstellung stammt aus der Zeit der Effektkanäle und führt bei 5.x in die Irre: Dort stehen die Surrounds seitlich schräg hinter Dir, nicht hinter Dir an der Wand. Wer sie trotzdem an die Rückwand hängt, baut unbeabsichtigt ein Layout mit Loch — der Bereich direkt neben dem Hörplatz bleibt unbesetzt, und alles Seitliche klebt hinten. Erst ab 7.x gibt es ein Paar, das wirklich an die Rückwand gehört.

Nicht zu verwechseln mit

  • Bipol/Dipol: eine Abstrahlform der Surroundlautsprecher, keine Kanalfrage. Auch ein 5.x kann mit Dipolen bestückt sein, auch ein 7.x mit Direktstrahlern.
  • 6.x mit Center Surround: ein einzelner Kanal bei 180 Grad direkt hinter dem Hörplatz — eine andere Lösung für den hinteren Bogen als das Paar bei 135 bis 150 Grad.
  • Höhenkanäle: Die Teilung des Surroundbogens spielt sich auf Ohrhöhe ab; die dritte Ziffer der Notation zählt eine eigene Ebene.
  • Endstufenkanäle: Was der Verstärker antreiben kann, sagt nicht, welche Positionen der Raum sinnvoll hergibt.

In der Planung

Ein Raum mit 4,2 Metern Tiefe, das Sofa aus Platzgründen 40 Zentimeter vor der Rückwand: Der Wunsch ist 7.2.4. Die Winkel, die der Raum erreicht, entscheiden — die Kanalzahl folgt. Für die Rear Surrounds bleibt hinter den Köpfen weniger als ein Meter — zu wenig, um bei 135 bis 150 Grad noch als Richtung statt als naher Einzellautsprecher zu wirken. Das Verfahren der Wahl: das seitliche Paar sauber auf 90 bis 110 Grad setzen, auf das hintere Paar verzichten und in vier Höhenkanäle investieren — also 5.2.4. Die Geräteentscheidung fällt danach von selbst: Ein Receiver mit neun Endstufen ist für diesen Raum nicht nötig.

Verknüpfte Inhalte

Wie die Ziffernfolgen insgesamt zu lesen sind, steht bei der Kanal-Notation. Das Zusatzpaar zwischen Front und Surround sowie das zusätzliche Surroundpaar großer Aufbauten erklärt der Eintrag zu Front Wide und Surround 1. Welche Abstrahlform seitliche Surrounds haben sollten, klärt der Eintrag zu Bipol- und Dipol-Surrounds; das zugrundeliegende Prinzip steht bei der Dipol-Abstrahlung. Wie ein Renderer Objekte überhaupt auf vorhandene Positionen rechnet, erklärt der Eintrag zum objektbasierten Ton.

Quellen

Die Winkelfenster und die Heimkino-Kanalnamen stammen aus den Dolby-Atmos-Installationsrichtlinien für Heimkinos, die Studio-Kürzel und die Downmix-Koeffizienten aus dem Handbuch des Dolby-Atmos-Renderers.

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