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Fortgeschritten

Akustisch transparente Leinwand

Was ist eine akustisch transparente Leinwand — und was kostet sie an Bild und Ton?

Eine akustisch transparente Leinwand ist eine Projektionsfläche, durch die Schall hindurchtritt. Sie erlaubt es, die Frontlautsprecher hinter das Bild zu setzen, statt sie darunter, darüber oder daneben unterzubringen — die Stimmen kommen dann von dort, wo die Gesichter zu sehen sind.

Im Kino stehen die Lautsprecher hinter der Leinwand. Damit das funktioniert, muss die Leinwand Schall durchlassen, ohne dass man das Bild dabei verliert. Gelöst wird das mit einem feinen Gewebe oder mit sehr vielen winzigen Löchern. Beides ist ein Kompromiss: Ein bisschen Ton bleibt unterwegs hängen, und ein bisschen Licht geht durch die Fläche hindurch statt zu Dir zurück. Dafür sitzt die Stimme genau beim Mund des Schauspielers, und das merkt man sofort — vor allem, wenn es einmal nicht so ist.

Ausführliche Erklärung

Zwei Bauarten teilen sich den Markt. Die gewebte Leinwand besteht aus einem feinen Textil, dessen Fadenzwischenräume den Schall durchlassen. Die perforierte Leinwand ist eine geschlossene Folie oder ein Vinyl, in das viele kleine Löcher gestanzt oder gebohrt sind. Beide arbeiten nach demselben Grundgedanken — ein Teil der Fläche ist offen — und unterscheiden sich in den Nebenwirkungen.

Der akustische Preis ist ein Pegelverlust, der zu hohen Frequenzen hin zunimmt. Er ist im Regelfall entzerrbar, solange er glatt verläuft: Die Einmessung hebt den Hochton entsprechend an, und die dafür nötige Reserve muss der Lautsprecher haben. Nicht entzerren lässt sich, was nicht glatt verläuft — und genau das entsteht, wenn der Schall zwischen der Rückseite der Leinwand und der Lautsprecherfront hin- und herläuft und zeitversetzt noch einmal durch die Fläche tritt: Die Überlagerung mit dem Direktschall macht den Verlauf wellig. Deshalb geben Hersteller einen Mindestabstand zwischen Lautsprecher und Bildfläche an.

Der optische Preis unterscheidet die beiden Bauarten. Eine perforierte Fläche hat ein regelmäßiges Lochraster, und ein regelmäßiges Raster kann sich mit dem Pixelraster des Projektors überlagern — sichtbar als Moiré, ein wanderndes Streifenmuster, das sich vom feinen, stillstehenden Punktraster des Fliegengittereffekts unterscheidet. Je höher die Auflösung und je kürzer der Sitzabstand, desto eher tritt das auf. Gewebte Flächen haben dieses Problem kaum, zeigen dafür bei genauem Hinsehen die Textur des Gewebes und lassen sich schwerer perfekt plan spannen.

Aus der Durchlässigkeit folgt eine Anforderung, die in der Planung gern vergessen wird: Was Schall durchlässt, lässt auch Licht durch. Der Bereich hinter der Leinwand muss deshalb dunkel und matt sein — schwarz ausgeführt, bedämpft, ohne blanke Lautsprecherfronten oder Chromringe. Sonst wird das durchgetretene Licht zurückgeworfen und hebt den Schwarzwert genau dort an, wo das Bild am empfindlichsten ist. Aus demselben Grund gehört hinter eine solche Leinwand keine weiße Wand.

Klar, akustisch transparent ist die technisch saubere Lösung für die Frontkanäle; sie ist trotzdem nicht überall die richtige. Im Wohnzimmer mit Restlicht steht sie in Konkurrenz zur winkelselektiven ALR-Fläche, und die beiden schließen sich weitgehend aus: Eine ALR-Oberfläche lebt von einer geschlossenen optischen Struktur, die keinen Schall durchlässt.

Häufiges Missverständnis

„Akustisch transparent" wird oft als „akustisch neutral" gelesen, und das trifft nicht zu. Die Fläche dämpft, sie reflektiert einen Teil zurück, und sie tut beides frequenzabhängig. „Transparent" beschreibt die Bauabsicht, nicht das Messergebnis — die Leinwand ist ein Bauteil im Signalweg und will bei der Einmessung berücksichtigt werden.

Ein zweiter Fehlschluss steckt in der Reihenfolge. Viele wählen zuerst die Leinwand und stellen danach fest, dass die Frontlautsprecher nicht hinter sie passen. Tatsächlich entscheidet die Lautsprecherebene über die Leinwandgröße und die Bauart: Ob Hochtöner auf Ohrhöhe stehen und wie viel Tiefe die Konstruktion vor der Wand braucht, ist die erste Frage, nicht die letzte.

Nicht zu verwechseln mit

  • Akustisch wirksame Stoffbespannung: Ein Bespannstoff vor Absorbern an der Wand. Er behandelt den Raum und zeigt kein Bild; eine Bildfläche muss ganz andere optische Eigenschaften erfüllen.
  • ALR-Leinwand: Winkelselektiv gegen Fremdlicht, in aller Regel geschlossen und damit nicht schalldurchlässig.
  • Akustik-Vorwand: Die bedämpfte Vorsatzschale, in der die Lautsprecher sitzen können. Sie ist der Aufbau dahinter, nicht die Bildfläche.

In der Planung

Ein dedizierter Kinoraum, 4,80 Meter breit, drei Frontlautsprecher sollen auf einer Ebene stehen. Der Leinwandtyp folgt aus der Frage nach dem „Wo": Wo liegt die akustische Ebene der Frontkanäle — und wie viel Raumtiefe darf sie kosten?

Steht diese Ebene fest, folgt daraus das Verfahren: Die Bildfläche wird davor gesetzt, mit dem vom Hersteller geforderten Abstand, und der Zwischenraum wird geschwärzt und bedämpft. Erst danach wird die Bildbreite festgelegt, denn sie muss in die verbleibende Breite zwischen den Seitenwänden und über die Lautsprecher hinweg passen. Steht die Wahl zwischen Gewebe und Perforation an, entscheidet der Sitzabstand: Bei kurzen Abständen und hoher Auflösung ist die gewebte Fläche der sicherere Weg. Konkrete Produkte kommen zuletzt — und dann mit der Anforderung, dass Hersteller Angaben zum Pegelverlust und zum Mindestabstand liefern.

Verknüpfte Inhalte

Warum eine Baffle Wall ohne akustisch transparente Bildfläche nicht funktioniert, steht dort; wie sich die Fläche gegen Fremdlicht verhält, klärt der Eintrag zum Leinwand-Gain, die winkelselektive Alternative der Eintrag zur ALR-Leinwand. Wie eine solche Fläche im Raum untergebracht wird — fest im Rahmen, aus der Decke oder aus dem Boden —, führen die Leinwandbauformen aus. Die Auswahl im Gesamtzusammenhang behandelt das Guide-Kapitel zur Leinwand.

Quellen

Die Beschreibung der Bauarten folgt Herstellerangaben und ist als solche gekennzeichnet.

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