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CDX — die Weiche zwischen Biegewelle und Kolben

Was ist an Sonances CDX-Weiche anders als an einer gewöhnlichen passiven Frequenzweiche?

CDX steht bei Sonance für Constant Directivity Crossover, also für eine Weiche, die die Richtwirkung über den Übergang hinweg gleich halten soll. Sie sitzt passiv in jedem vollbereichigen Modell der überputzbaren Serie und teilt das Signal zwischen den beiden Zonen der Schallwand auf — der Biegewellenmembran oben und der kolbenförmig bewegten Fläche darunter, beide beschrieben unter Motion Flex. Was eine Weiche grundsätzlich tut und wie sich passiv von aktiv unterscheidet, steht im Eintrag zur Frequenzweiche.

In einem Lautsprecher steckt fast immer mehr als ein Wandler, und irgendetwas muss entscheiden, wer welchen Teil der Musik bekommt. Bei den unsichtbaren Modellen von Sonance ist diese Entscheidung heikler als sonst, weil die beiden Wandler sehr verschieden arbeiten: Der eine verteilt den Schall über einen riesigen Winkel im Raum, der andere schickt ihn eher nach vorn. Wenn die Übergabe an der falschen Stelle passiert, hörst Du das als Sprung — an einer Stelle im Raum klingt die Musik plötzlich anders als zwei Schritte weiter. Genau das soll die Weiche mit dem Kürzel CDX verhindern.

Das Problem, um das es geht

Eine Weiche muss zwei Dinge gleichzeitig hinbekommen, und das zweite wird oft übersehen. Das erste ist der Frequenzgang auf der Hauptachse: Wo der eine Wandler aufhört, soll der andere in gleicher Höhe anschließen. Das zweite ist der Verlauf der Richtwirkung. Wie der Eintrag zu Richtwirkung und Bündelungsmaß ausführt, bündelt jeder Wandler mit steigender Frequenz zunehmend — und am Übergang zwischen zwei Chassis springt dieser Verlauf typischerweise, weil der kleinere Wandler unten in seinem Band breit abstrahlt, während der größere oben in seinem Band bereits eng geworden ist. Was der Raum dann zurückwirft, hat eine andere Klangfarbe als das, was direkt ankommt.

Bei einem gewöhnlichen Zweiwegelautsprecher ist dieser Sprung ein bekanntes Entwicklungsthema und über Chassisgrößen, Übergangsfrequenz und Waveguide beherrschbar. Bei Motion Flex verschärft sich die Lage aus zwei Gründen. Erstens strahlen die beiden Zonen prinzipbedingt verschieden ab: Eine Biegewellenmembran verteilt breit und diffus, ein steifer Kolben bündelt mit steigender Frequenz nach den gewohnten Gesetzen. Zweitens ist dieser Kolben sehr groß — je nach Modell zwischen 633 und 1573 Quadratzentimeter aktiver Fläche. Eine so große Fläche wird schon bei vergleichsweise tiefen Frequenzen richtend, weil die Wellenlänge früh in den Bereich ihrer Ausdehnung kommt.

Was Sonance beansprucht — und wie weit der Beleg reicht

Die Herstellerangaben zu CDX sind knapp und stehen in zwei Fassungen nebeneinander. Auf den heutigen Produktseiten steht eine Merkmalszeile, die von Wärme und Detail bei allen Lautstärken spricht — eine Aussage über den Klangeindruck, die weder eine Größe nennt noch prüfbar ist. In der Fachpresse zur Markteinführung steht die technisch gehaltvollere Fassung: eine sehr tief liegende Trennung, annähernd 180 Grad horizontale und vertikale Abstrahlung und ein glatter Frequenzgang außerhalb der Achse.

Prüfbar ist davon eine einzige Zeile, und die steht im Datenblatt: 170 Grad hemisphärische Abstrahlung bis 10 Kilohertz für die drei vollbereichigen Modelle. Der Zusatz „bis 10 Kilohertz" ist dabei die aufschlussreichste Angabe. Er sagt zweierlei: Bis dorthin steht Sonance für die Zahl ein — und oberhalb macht er keine Aussage, obwohl gerade das obere Ende der Bereich ist, in dem Bündelung entsteht. Eine Richtwirkung, die bis 10 Kilohertz konstant bleibt, ist ein respektabler Wert; ob sie es darüber bleibt, ist offen.

Ein Punkt bleibt bemerkenswert: Sonance zählt die Weiche als eigenen Bestandteil neben Schallwand und den beiden Wandlern auf. Bei den meisten Herstellern ist die Weiche ein selbstverständlicher Teil des Lautsprechers und wird nicht eigens benannt. Dass sie hier einen eigenen Namen bekommt, ist zumindest ein Hinweis darauf, wie viel Aufwand die Übergabe zwischen zwei so verschiedenen Wandlern verlangt.

Voraussetzungen

CDX arbeitet passiv im Lautsprecher und braucht darum weder eine Konfiguration noch eine Stromversorgung. Zwei Randbedingungen gehören trotzdem dazu.

Die Weiche sieht als Gegenüber die Nennimpedanz von 6 Ohm, und der Kabelwiderstand kommt dazu. Sonance verlangt deshalb, dass der gesamte Leitungswiderstand unter 10 Prozent der Lautsprecherimpedanz bleibt, also unter 0,6 Ohm — bei den langen Wegen einer Zonenverkabelung ist das eine echte Auslegungsgröße und nicht der übliche Kabelhinweis.

Im Surroundbetrieb kommt eine zweite Trennung dazu, die nicht in der Weiche sitzt: Sonance schreibt für diesen Fall einen Subwoofer und ein Hochpassfilter bei 80 Hertz auf den unsichtbaren Kanälen vor. CDX regelt die Übergabe innerhalb des Lautsprechers, die Übergabe an den Subwoofer regelt der Prozessor.

Abgrenzung

Gegen die Frequenzweiche als Begriff. Passiv und aktiv, Übergangsfrequenz, Flankensteilheit und die Impedanzabhängigkeit passiver Netzwerke sind herstellerneutrale Grundlagen und stehen im Glossar. CDX ist eine konkrete Auslegung dieser Bauteilgruppe für einen sehr speziellen Fall, keine andere Gattung von Weiche.

Gegen Richtwirkung als Größe. Wie Bündelung gemessen und beziffert wird und warum ihr Verlauf über der Frequenz zählt, steht unter Richtwirkung und Bündelungsmaß. CDX ist der Anspruch, diesen Verlauf über einen Übergang hinweg gleichmäßig zu halten.

Gegen ein Waveguide. Der verbreitete Weg zu gleichmäßiger Richtwirkung führt über die Geometrie vor dem Wandler. Dieser Weg ist hier verschlossen, weil vor der Fläche nichts sitzen darf außer Spachtel und Farbe. Was bleibt, ist die Auslegung im Signal.

Gegen die DSP-Presets der Hausendstufen. Die gleichen Frequenzgang nach Art und Dicke des Finishs aus und arbeiten vor dem Verstärker. Sie haben mit der Weiche im Lautsprecher nichts zu tun und ersetzen sie auch nicht.

Grenzen

Eine passive Weiche kann Richtwirkung nur steuern, nicht erzeugen. Wie breit ein Wandler abstrahlt, entscheiden seine Fläche und sein Wirkprinzip. Die Weiche legt allein fest, in welchem Band welcher Wandler arbeitet — sie verteilt vorhandenes Abstrahlverhalten, mehr nicht.

Oberhalb von 10 Kilohertz endet die Angabe. Was dort geschieht, sagt der Hersteller nicht, und niemand hat es veröffentlicht.

Der beanspruchte Vorteil ist am schwächsten belegt. Für die Bauform gibt es Zahlen, für die Wirkung eine Merkmalszeile über Wärme und Detail. Das ist eine Klangbeschreibung und kein Nachweis.

Verknüpfte Inhalte

Die beiden Wandler, zwischen denen diese Weiche vermittelt, stehen unter Motion Flex. Die Grundlagen zur Weiche selbst erklärt der Eintrag zur Frequenzweiche, die Größe hinter dem Anspruch der Eintrag zu Richtwirkung und Bündelungsmaß. Warum eine breit abstrahlende Fläche im Raum anders wirkt als ein gerichteter Lautsprecher, ordnen die unsichtbaren Lautsprecher ein. Die Marke steht unter Sonance.

Quellen

Die Abstrahlangabe mit ihrem Frequenzbezug und die Vorgaben zu Leitungswiderstand und Hochpassfilter stammen aus der Einbauanleitung der Invisible Series mit Stand 12. Oktober 2020. Die heutige Merkmalszeile zu CDX steht auf den Produktseiten des Herstellers, geprüft am 18. August 2026. Die Auflösung der Abkürzung und die ausführlichere Fassung des Anspruchs sind über die Fachpresse zur Markteinführung überliefert und in keinem heute abrufbaren Herstellerdokument enthalten. Die Zusammenhänge zwischen Bündelungsverlauf, Diffusfeld und Klangfarbe folgen der Standardliteratur. Auslegungsdaten der Weiche sind nirgends veröffentlicht.

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