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Raumakustik

Wellenlänge

Wie berechnet man die Wellenlänge einer Frequenz?

Eingangsgrößen

SymbolGrößeEinheit
cSchallgeschwindigkeit in Luft m/s
fFrequenz Hz

Größenverzeichnis

Die Wellenlänge übersetzt eine Frequenz in ein Maß, das Du an die Wand halten kannst. Sie ist die Grundlage fast aller raumakustischen Rechnungen: Wo eine Raummode liegt, wie tief ein Absorber bauen muss, ab wann ein Möbelstück den Schall überhaupt beeinflusst.

Schall ist eine Welle in der Luft, und jede Tonhöhe hat eine feste Länge: Hohe Töne messen nur wenige Zentimeter, tiefer Bass mehrere Meter. Das erklärt viel Alltägliches — etwa warum ein dünnes Schaumstoffpaneel Stimmen und Hall beruhigt, gegen Bassdröhnen aber nichts ausrichtet: Es ist schlicht winzig im Vergleich zu einer meterlangen Welle. Mit dieser Formel rechnest Du jedem Ton seine Länge aus und bekommst ein Gefühl dafür, warum der Bass die störrischste Baustelle im Raum ist.

Natürliche Erklärung

Ein Ton ist eine Folge von Druckschwankungen, die sich mit konstanter Geschwindigkeit durch die Luft bewegt. Die Frequenz sagt, wie oft pro Sekunde sich der Druck vollständig durchschwingt. Die Schallgeschwindigkeit sagt, wie weit die Welle in derselben Sekunde kommt. Teilst Du das eine durch das andere, erhältst Du die Strecke, die auf eine vollständige Schwingung entfällt — die Wellenlänge.

Daraus folgt der Zusammenhang, der die ganze Raumakustik strukturiert: Tiefe Töne sind räumlich groß, hohe Töne räumlich klein. Bei 30 Hz misst eine Wellenlänge über elf Meter und ist damit größer als jeder normale Wohnraum. Bei 10 kHz sind es gut drei Zentimeter, kleiner als jedes Möbelstück und kleiner als Dein Kopf. Derselbe Raum verhält sich für diese beiden Frequenzen völlig unterschiedlich, ohne dass sich am Raum etwas ändert.

Warum ist das so wichtig? Weil ein Gegenstand Schall erst dann merklich beeinflusst, wenn er in der Größenordnung der Wellenlänge liegt. Ein Regal streut die Höhen, für den Bass ist es unsichtbar. Ein Absorber wirkt dort, wo er tief genug baut. Und ein Raum wird für tiefe Töne selbst zum Resonator, weil seine Abmessungen und die Wellenlänge zusammenpassen.

Eingangsgrößen und Einheiten

SymbolGrößeEinheit
λWellenlängem
cSchallgeschwindigkeit in Luftm/s
fFrequenzHz

Für c gilt 343 m/s bei 20 °C. Genauer: c ≈ 331,3 m/s + 0,606 m/(s·°C) · θ mit der Temperatur θ in Grad Celsius. Luftfeuchte und Luftdruck wirken im Wohnraum vernachlässigbar. In anderen Medien liegen die Werte völlig anders — in Wasser rund 1480 m/s, in Beton mehrere tausend Meter pro Sekunde. Für Luftschall im Raum ist 343 m/s die richtige Zahl.

Ein Punkt, der oft unterstellt und selten ausgesprochen wird: Die Schallgeschwindigkeit in Luft hängt nicht von der Frequenz ab. Bass und Hochton kommen gleichzeitig bei Dir an. Wäre das anders, würde Musik über Entfernung auseinanderfallen.

Gültiger Bereich und Annahmen

Die Gleichung gilt über den gesamten hörbaren Bereich, und ebenso ober- und unterhalb davon. Von 20 Hz bis 20 kHz spannt sich der Bogen von rund 17 m bis rund 1,7 cm.

FrequenzWellenlängeEinordnung
20 Hz17,2 mgrößer als jeder Wohnraum
30 Hz11,4 mBereich der tiefsten Raummoden
80 Hz4,29 mtypische Übergangsfrequenz zum Subwoofer
250 Hz1,37 mGrenzbereich üblicher poröser Absorber
1 000 Hz0,343 mGrößenordnung eines Lautsprecherchassis
10 000 Hz0,034 mkleiner als der Abstand Deiner Ohren

Vorausgesetzt wird die Ausbreitung in Luft bei Raumtemperatur. Die Formel selbst hat keine Näherungsgrenze — sie ist exakt. Alle Unsicherheit steckt im eingesetzten Wert für c.

Grenzen

Die Formel beschreibt eine ideale, ungestörte Welle. Was sie nicht liefert, ist die Wirkung dieser Welle im konkreten Raum. Ob eine Frequenz laut oder leise bei Dir ankommt, hängt an Reflexionen, Überlagerungen und Absorption, nicht an der Wellenlänge allein.

Bei der Absorberauslegung wird sie regelmäßig überstrapaziert. Die Faustregel, ein poröser Absorber wirke ab etwa einem Viertel der Wellenlänge Bautiefe, trifft die Größenordnung — sie ignoriert aber den Strömungswiderstand des Materials, die Montage mit oder ohne Wandabstand und die Kantenwirkung. Sie sagt Dir, ob ein Vorhaben grundsätzlich aussichtslos ist, und ersetzt keine Auslegung.

Der Hinweis auf die halbe Wellenlänge bei Raummoden gilt ebenfalls nur für den einfachen Fall zweier paralleler, schallharter Flächen. Schrägen, offene Durchgänge und mitschwingende Leichtbauwände verschieben das Bild.

Rechenbeispiel

Der multifunktionale Raum von den anderen Formelseiten ist 5,60 m lang. Seine tiefste axiale Längsmode liegt bei 30,6 Hz. Wie groß ist diese Welle?

text λ = 343 / 30,6 = 11,2 m

Elf Meter, also das Doppelte der Raumlänge. Genau das ist der Punkt: Die halbe Wellenlänge misst 5,60 m und passt damit exakt einmal zwischen Vorder- und Rückwand. Deshalb resoniert der Raum bei dieser Frequenz.

Zweite Rechnung, für die Übergangsfrequenz zum Subwoofer:

text λ = 343 / 80 = 4,29 m

Auch bei 80 Hz ist die Welle noch größer als jede Raumabmessung außer der Länge. Ein Subwoofer strahlt in diesem Bereich praktisch gleichmäßig in alle Richtungen ab, weil sein Gehäuse gegenüber 4,29 m verschwindend klein ist. Genau deshalb ist seine Position im Raum so wirkungsvoll und seine Ausrichtung fast egal.

Dritte Rechnung, für die Absorberplanung:

text 250 Hz: λ = 343 / 250 = 1,37 m → λ/4 = 0,34 m

Ein poröser Absorber, der bei 250 Hz noch merklich wirken soll, braucht also rund 34 cm Bautiefe — oder deutlich weniger Material mit entsprechendem Wandabstand, weil er dann im Bereich der größten Schallschnelle sitzt, also dort, wo die Luftteilchen am stärksten schwingen. Für Dich heißt das vor allem: Ein 5 cm dickes Paneel bewegt in diesem Frequenzbereich sehr wenig. Es wirkt oberhalb von etwa 1 kHz, und genau dort ist im Wohnraum selten das Problem.

Daraus wird eine Planungsreihenfolge. Erst die Konzeptfrage, in welchem Frequenzbereich der Raum überhaupt auffällt. Dann die Verfahrensfrage, ob das über Geometrie, über Absorption oder über mehrere Bassquellen zu lösen ist. Erst dann geht es um konkrete Bauteile und ihre Maße.

Verknüpfte Inhalte

Wie aus der Wellenlänge die Modenfrequenzen eines Raums werden, steht bei den axialen Raummoden; das Phänomen selbst erklärt der Glossareintrag zur Raummode. Warum dieselbe Schallgeschwindigkeit auch die Delay-Einstellung im AV-Prozessor bestimmt, steht bei der Schalllaufzeit. Für die Wahl der Trennfrequenz zum Subwoofer ist der Glossareintrag zur Übergangsfrequenz der Einstieg, für Absorber und Diffusoren die zugehörigen Glossareinträge.

Quellen

Der Zusammenhang λ = c / f ist elementare Wellenphysik; die Werte für die Schallgeschwindigkeit in Luft folgen der Standardliteratur.

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