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Tiefe
Fortgeschritten

Tripole (M&K Sound)

Was ist ein Tripole-Surroundlautsprecher — und wann ist er die bessere Wahl als ein Direktstrahler oder ein Dipol?

Ein Tripole-Surroundlautsprecher strahlt von drei Seiten seines Gehäuses ab. Vorn sitzt ein gewöhnlicher Direktstrahler aus Tief-Mitteltöner und Kalotte, auf den beiden Seitenflächen ein gegenphasig beschaltetes Treiberpaar, das sich wie ein Dipol verhält. Beide arbeiten gleichzeitig. Der Direktanteil ortet Effekte, der Seitenanteil erzeugt das umhüllende Feld — und der Lautsprecher entscheidet damit eine Frage nicht, die sonst vor dem Kauf entschieden werden muss.

Hinter Dir im Kino soll zweierlei passieren: Manchmal soll ein Geräusch genau von einer Stelle kommen, ein Schritt oder eine Tür, meistens soll es Dich aber einhüllen wie Regen oder eine Menschenmenge. Lautsprecher, die geradeaus strahlen, können das Erste gut und das Zweite schlecht; Lautsprecher, die den Schall über die Wände schicken, können es umgekehrt. Diese Bauform macht beides gleichzeitig — vorn geradeaus, an den Seiten über die Wände. Dafür will sie sorgfältiger aufgehängt werden als eine gewöhnliche Box.

Die Aufgabe, an der sich die Bauformen scheiden

Ein Surroundkanal hat zwei Aufträge, die sich widersprechen. Er soll einzelne Effekte ortbar machen — dafür braucht es Direktschall aus einer klaren Richtung. Und er soll ein Umfeld erzeugen, das den ganzen Raum füllt und in dem der einzelne Lautsprecher verschwindet — dafür braucht es das Gegenteil.

Im Kinosaal fällt der Widerspruch nicht auf, weil dort eine ganze Reihe von Surroundlautsprechern an den Wänden hängt. Zu Hause stehen für dieselbe Aufgabe zwei Geräte zur Verfügung, und der Hörplatz liegt oft näher an einem davon als die Leinwand entfernt ist. Aus dieser Enge kommen die beiden üblichen Antworten:

Der Direktstrahler ortet gut und passt in der Klangfarbe zu den Frontlautsprechern, wenn er baugleich ist. Er ist aber genau deshalb auch ortbar, wenn er es nicht sein soll: Bei kurzem Abstand hört man das Gerät statt der Szene. Sein Hörbereich ist eng.

Der Dipol löscht in Richtung des Hörplatzes aus und schickt seine Energie an Seiten- und Rückwand, von wo sie verzögert und aus vielen Richtungen zurückkommt. Das ergibt ein weites Fenster und ein diffuses Feld — und verlangt reflektierende Wände. Die Physik dahinter, die Achtercharakteristik und die seitliche Null, steht unter Dipol-Abstrahlung. Der Preis ist die Ortungsschärfe und eine Klangfarbe, die von der Front abweicht, weil ein großer Teil des Schalls den Umweg über die Wand nimmt.

Dass die THX-Stufe Ultra seinerzeit Dipole als Surroundlautsprecher verlangt habe, steht in der Broschüre von M&K und ist die dortige Begründung dafür, warum sich die Bauform im Heimkino durchgesetzt hat. Wie THX die Stufen abgrenzt, steht auf der Seite zur Zertifizierung; die Anforderungslisten selbst gibt THX nur an Partner heraus.

Wie der Tripole beide Wege zugleich geht

M&K Sound beschreibt den Tripole als zwei Lautsprecher in einem Gehäuse.

Vorn ein Direktstrahler. Auf der Frontfläche sitzen ein Tief-Mitteltöner und eine Gewebekalotte, getrennt von einer Phase-Focused-Weiche. Dieser Teil ist in Bestückung und Abstimmung dem entsprechenden Frontlautsprecher des Hauses gleich — daher stimmt die Klangfarbe, wenn ein Effekt von vorn nach hinten wandert.

Seitlich ein Dipol. Auf den beiden Seitenflächen arbeiten Papierchassis mit einer dämpfenden Beschichtung, deren Paar gegenphasig beschaltet ist. Sie laufen nach Herstellerangabe ab etwa 300 Hz aufwärts ohne eigene Weiche im Mittelton. Wo kein Filter sitzt, dreht auch keines die Phase; der Übergangsbereich zum Direktstrahler bleibt damit unangetastet. Die größeren Modelle führen je Seite zwei dieser Treiber in getrennten Kammern.

Warum die Bauform über die Sitzreihe hinweg gleich klingt. Die Begründung des Herstellers ist geometrisch: Wer sich aus der Hauptrichtung einer Schallwand herausbewegt, gerät in die Hauptrichtung einer der anderen. Wenn sich Richtwirkung und Klangfarbe der drei Flächen ähneln, ändert sich beim Platzwechsel weniger als bei einem Lautsprecher mit nur einer Abstrahlfläche.

Das Montagefenster steht in der Broschüre. Der Hersteller gibt einen Winkel von 0° bis 24° zwischen Lautsprecher und Ohrhöhe an. Wie hoch der Lautsprecher dafür hängen darf, hängt vom Abstand zum Sitzplatz ab: Je näher die Wand, desto tiefer muss er sitzen. Der Hochtöner soll dabei immer näher am Hörer sein als der Tieftöner — hängt der Lautsprecher über den Köpfen, gehört er an die Unterkante der Frontfläche. Das ist keine Feinheit: Diese Regel entscheidet, ob die Abstimmung der Weiche am Hörplatz überhaupt greift.

Was der Raum dafür mitbringen muss

Reflektierende Seiten- und Rückwände. Der Dipolanteil arbeitet über die Wand; das setzt eine Fläche voraus, die zurückwirft. In einem Raum mit breitbandiger Absorption rund um die Sitzgruppe bleibt vom Tripole der Direktstrahler übrig, und dann ist die Bauform ein teurer Umweg. Diese Abhängigkeit gilt für jede reflexionsbasierte Bauform und ist unter Dipol-Abstrahlung und beim Erstreflexionspunkt beschrieben.

Platz für Versuche. Der Hersteller benennt selbst als Nachteil, dass die Aufstellung kritischer ausfällt, weil zwei Lautsprecher mit verschiedenen Ansprüchen in einem Gehäuse sitzen. Wandhalterung und Kabelweg sollten das zulassen — die endgültige Position steht bei dieser Bauform seltener vorher fest als bei einem Direktstrahler.

Ein Bassmanagement. Die Modelle spielen bis etwa 80 Hz herunter und brauchen darunter einen Subwoofer; die Übernahme regelt der Prozessor. Wie das gesetzt wird, steht unter Übergangsfrequenz.

Abgrenzung

Gegen den Dipol. Ein Dipol hat zwei gegenphasige Flächen und dazwischen eine Null, die auf den Hörplatz gerichtet wird. Der Tripole hat dieselben zwei Flächen und zusätzlich eine dritte, die direkt abstrahlt — die Null wird damit gezielt aufgefüllt. Der Tripole ist also kein anderes Prinzip als der Dipol, sondern ein Dipol, dessen Null bewusst nicht mehr leer bleibt.

Gegen den Bipol. Beim Bipol laufen die Seiten gleichphasig, deshalb entsteht keine Null: Seine Abstrahlung ist breit und kennt die Auslöschung nicht, die den Dipol ausmacht. Von außen sehen beide Bauformen ähnlich aus, im Raum verhalten sie sich aber verschieden. Der Unterschied ist unter Dipol-Abstrahlung ausgeführt.

Gegen den Direktstrahler mit Diffusor. Eine Streuscheibe vor einem Chassis verändert die Abstrahlung, erzeugt aber keinen zweiten Schallanteil mit eigenem Weg über die Wand. Der Tripole erzeugt zwei akustisch verschiedene Wege in denselben Raum.

Gegen die Zahl der Kanäle. Drei Abstrahlflächen sind ein Lautsprecher an einem Kanal, keine drei Kanäle. Was hinter den Kanalbezeichnungen steckt, steht unter Kanal-Notation.

Grenzen

Zwei Lautsprecher, ein Ort. Der Direktanteil will auf den Hörplatz zielen, der Dipolanteil will Wandfläche links und rechts. In einem schmalen Raum, in einer Nische oder direkt in einer Ecke lässt sich beides nicht gleichzeitig bedienen. Diese Bauform stellt damit höhere Ansprüche an die Position als der Direktstrahler, den sie ersetzen soll.

Die Ortung bleibt weicher als beim Direktstrahler. Der diffuse Anteil verschwindet nicht, wenn eine Szene ihn gerade nicht braucht. Für Anlagen, die überwiegend objektbasierten Ton mit vielen gezielt platzierten Effekten wiedergeben, ist das eine Abwägung und keine ausgemachte Sache; die Wiedergabeform selbst ist unter objektbasiertem Ton beschrieben.

Keine veröffentlichten Messdaten. Weder Polardiagramme noch das Pegelverhältnis der Anteile liegen vor. Die Bewertung stützt sich damit auf die Beschreibung des Herstellers und auf das, was sich aus der Physik der Dipolabstrahlung ableiten lässt.

Der Umschalter älterer Modelle ist kein Merkmal der heutigen. Ältere M&K-Surroundmodelle ließen sich zwischen Betriebsarten umschalten. Für die aktuell geführten Tripole-Modelle ist eine solche Umschaltung in den geprüften Produktunterlagen nicht ausgewiesen.

Verknüpfte Inhalte

Die Physik der beiden gegenphasigen Flächen steht unter Dipol-Abstrahlung, das Verhältnis von direktem und diffusem Anteil unter Direktschall und Diffusfeld und beim Hallradius. Wo die Reflexionen entstehen, die diese Bauform braucht, steht beim Erstreflexionspunkt. Die Weiche des Direktstrahlers auf der Vorderseite ist unter Phase-Focused Crossover beschrieben, die Stufen der Zertifizierung unter THX.

Quellen

Aufbau, Übernahmebereich, Montagefenster und die Abwägung gegen Monopol und Dipol stammen aus der technischen Broschüre von M&K Sound, die Bestückungs- und Messwertangaben von den Produktseiten des Herstellers. Die herstellerneutrale Einordnung der Dipolabstrahlung folgt dem AVITECT-Glossar. Eine unabhängige Messung der beschriebenen Eigenschaften liegt nicht vor.

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