Eine Lautsprechermembran soll zwei Dinge zugleich sein, die einander
widersprechen: leicht und biegesteif. RDT III ist Monitor Audios Antwort
darauf für die Mittel- und Tieftöner der oberen Serien — kein Werkstoff,
sondern ein Lagenaufbau. Zwischen zwei sehr dünnen Häuten sitzt ein
Wabenkern aus Nomex; vorn liegt die hauseigene keramikbeschichtete
Aluminium-Magnesium-Legierung C-CAM, hinten ein Kohlefasergewebe. Die
dritte Generation dieser Bauweise steckt in der Hyphn, in der Platinum
Series 3G und in der obersten Stufe der Einbauserie Creator.
In einfachen Worten
Eine Zimmertür ist innen hohl und hat trotzdem mehr Stabilität als ein
gleich schweres Brett: Zwischen zwei dünnen Platten steckt eine
Wabenfüllung, die beide auf Abstand hält. Genau so ist diese Membran
gebaut, nur sehr viel dünner. Sie soll sich nicht verbiegen, während
sie hin und her schwingt — denn was sich verbiegt, gibt einen anderen
Ton ab als den, der hineingeschickt wurde. Für Dich ist das kein
Klangversprechen, sondern der Grund, warum die teureren Modelle bei
hoher Lautstärke sauberer bleiben sollen.
Solange eine Membran als Ganzes vor und zurück geht, gibt sie den
Verlauf des Signals wieder. Oberhalb einer bestimmten Frequenz hört das
auf: Die Membran beginnt in sich zu schwingen, einzelne Bereiche laufen
gegeneinander, und was abgestrahlt wird, hat mit dem Eingangssignal nur
noch teilweise zu tun. Dieser Punkt heißt Membranaufbruch, und wo er
liegt, entscheidet die Biegesteifigkeit im Verhältnis zur Masse.
Für die Biegesteifigkeit einer Platte zählt vor allem die Dicke — sie
geht mit der dritten Potenz ein, wie es der Eintrag zu
Biegewellen ausführt. Eine dicke Membran wäre
also steif, aber schwer, und Masse kostet Wirkungsgrad. Der Ausweg der
Sandwichbauweise: Man legt die tragenden Häute weit auseinander und
füllt den Zwischenraum mit etwas, das fast nichts wiegt. Die Dicke
wächst, die Masse kaum.
Monitor Audio arbeitet seit Jahrzehnten mit Metallmembranen, und die
haben genau eine Schwachstelle — ihr Aufbruch fällt scharf aus, weil das
Material kaum eigene Dämpfung mitbringt. Deshalb ist nicht nur wichtig,
dass die Bauweise den Aufbruch nach oben schiebt, sondern auch, was am
Aufbruchpunkt selbst passiert.
Für die Platinum Series 3G ist die Membran am genauesten beschrieben:
drei Lagen, ein Nomex-Wabenkern zwischen einer sehr dünnen, sehr steifen
keramikbeschichteten Aluminiumlage und zwei Lagen unidirektionaler
Kohlefaser, die um 90 Grad versetzt zueinander verklebt sind. Die
Kreuzlage ist der Punkt, an dem sich RDT III von den Vorgängern
unterscheidet: Unidirektionale Fasern sind nur in Faserrichtung steif,
zwei gekreuzte Lagen ergeben eine Rückhaut, die in beiden Richtungen
arbeitet.
Die Rückhaut übernimmt dabei zwei Aufgaben. Sie versteift, und sie
bedämpft — Kohlefasergewebe in Kunstharz hat einen deutlich höheren
Verlustfaktor als Aluminium. Das ist der Teil, den die reine
Steifigkeitsbetrachtung nicht erfasst: Die Bauweise schiebt den Aufbruch
nicht nur nach oben, sie soll ihn zugleich weniger scharf ausfallen
lassen.
Am fertigen Treiber ist der Wabenkern sichtbar. Bei der Platinum 300 3G
zeichnet sich das Sechseckmuster auf der Membranoberfläche ab; das ist
eine Folge des Aufbaus und keine aufgebrachte Struktur.
Rund um die Membran hat Monitor Audio den Rest des Treibers
mitentwickelt: Neodym-Magnete, ein umgestelltes Antriebssystem und eine
unterhängige, kantengewickelte Schwingspule. Für die Beurteilung der
Bauweise heißt das — die beanspruchte Verbesserung kommt nicht allein
von der Membran, sondern vom Treiber als Ganzem.
Monitor Audio nennt zu RDT III genau eine Zahl: über 8 dB weniger
Verzerrung oberhalb von 300 Hz. Daraus leitet sich die Aussage ab, RDT
III sei die verzerrungsärmste Membranbauweise der Firmengeschichte.
Diese Zahl verdient einen zweiten Blick. Wortgleich — über 8 dB oberhalb
300 Hz, entsprechend 60 Prozent — steht sie schon in der
Bedienungsanleitung der Platinum Series II für RDT II , also für die
Generation davor, die noch ohne die gekreuzte Kohlefaser-Rückhaut
auskam. Zwei aufeinanderfolgende Bauweisen mit derselben Kennzahl zu
belegen, geht rechnerisch nur, wenn die Zahl entweder gegen dieselbe
Vergleichsbasis gemessen wurde oder gar nicht als Fortschritt gemeint
ist. Welches von beidem zutrifft, sagt keine der Quellen.
Was sich dagegen an einer fertigen Box nachlesen lässt, hat Hi-Fi News
an der Hyphn gemessen: über den Mittel- und Hochtonbereich bleibt der
Klirr bei 0,2 bis 0,6 Prozent, im Bass 0,25 Prozent bei 90 dB
Schalldruck. Das sind gute Werte, aber sie gelten für den ganzen
Lautsprecher und trennen den Anteil der Membran nicht heraus.
Serie Bestückung mit RDT III Hyphn sechs Mitteltöner mit 50 mm und vier Basstreiber mit 200 mm je Lautsprecher Platinum Series 3G ein Mitteltöner mit 102 mm, Basstreiber mit 203 mm Creator Series, Stufe 3 Basstreiber der Decken- und Wandmodelle
Der Unterschied zwischen den ersten beiden Zeilen ist mehr als eine
Stückzahl. Sechs kleine Mitteltöner ergeben zusammen etwas mehr Fläche
als der eine große der Platinum, verhalten sich aber anders: Ein kleiner
Membrandurchmesser bündelt später und bricht später auf, was der
Trennung nach oben zugutekommt. Wie die sechs angeordnet sind und was
das für die Abstrahlung bedeutet, ist Gegenstand des
M-Array .
Der Grundgedanke ist über alle drei Stufen derselbe: zwei sehr dünne Häute auf
einem Wabenkern aus Nomex. Geändert hat sich jedes Mal die Rückhaut.
Stufe Vorderhaut Rückhaut zuerst in RDT C-CAM C-CAM Platinum Series, erste Generation RDT II C-CAM Kohlefasergewebe Platinum Series II, Dezember 2015 RDT III C-CAM zwei über Kreuz gelegte Lagen unidirektionaler Kohlefaser Platinum Series 3G, September 2022
Der größere der beiden Schritte ist der erste. Bis zur zweiten Stufe war die
Membran symmetrisch aufgebaut — vorn und hinten dieselbe C-CAM-Haut. Mit RDT II
wurde daraus ein asymmetrischer Verbund, und Monitor Audio begründet das mit
den unterschiedlichen mechanischen Eigenschaften der beiden Häute: Der Aufbau
arbeite dadurch zu höheren Frequenzen hin besser. Für RDT II beziffert der
Hersteller die fertige Membran mit 2 mm Dicke und der 150-fachen Festigkeit
einer üblichen Lautsprechermembran.
Der Schritt zu RDT III teilt diese Kohlefaser-Rückhaut in zwei unidirektionale
Lagen auf, die um 90 Grad versetzt verklebt sind. Von dort stammt auch die
Beobachtung zur 8-dB-Angabe: Sie wurde für RDT II eingeführt und steht seither
unverändert im Katalog.
Die Kinoserie Cinergy ist die einzige Serie, für die Monitor Audio je eine
Stufe mit Ziffer genannt hat: Die Ankündigung zur Vorstellung im Mai 2022
spricht von „RDT II drivers". Auf den heutigen Produktseiten der Modelle steht
dagegen nur noch „RDT Driver" ohne Ziffer.
Damit steht für die Cinergy die Bauweise fest — Wabenkern aus Nomex zwischen
zwei Häuten —, die Stufe aber nicht. Traf die Ankündigung von 2022 auch für die
heute ausgelieferten Modelle zu, dann ist die Rückhaut ein Kohlefasergewebe;
belegt ist das für den Auslieferungsstand nicht.
Gegen den Werkstoff. C-CAM ist die Legierung, aus der die vordere
Haut besteht — ein Stoff, den man in Kilogramm einkauft. RDT III ist die
Art, wie diese Haut mit Wabenkern und Kohlefaser zu einer Membran wird.
Derselbe Werkstoff steckt auch in Membranen ohne jeden Lagenaufbau, etwa
in den Außenlautsprechern der Marke.
Gegen RST II . Dort ist die
Membran eine einzelne C-CAM-Lage, die über ein eingeprägtes Muster
versteift wird — Geometrie statt Aufbau. Der Unterschied ist nicht
gradueller Natur: eine Lage mit Struktur gegen drei Lagen mit Kern.
Gegen HDT . Die Gold Series 6G
liegt dazwischen und verfolgt ein drittes Ziel — nicht den Aufbruch
möglichst weit nach oben schieben, sondern seine Symmetrie brechen.
Gegen bedämpfte Kunststoff- und Papiermembranen. Andere Hersteller
fangen den Aufbruch ab, statt ihn zu verschieben. Beide Wege sind
gangbar, sie verlangen nur unterschiedliche Konstruktionen um den
Treiber herum. Eine Rangfolge lässt sich daraus nicht ableiten.
Die Bauweise ist teuer und deshalb nach unten begrenzt. RDT III
bleibt den obersten Serien vorbehalten. Wer die Sandwichmembran will,
kauft nicht eine Ausstattungsoption, sondern eine Preisklasse.
Ein hoher Aufbruchpunkt ist nur die halbe Miete. Was oberhalb der
Trennfrequenz noch an Resonanz übrig bleibt, entscheidet die
Frequenzweiche mit. Die Platinum Series 3G
setzt an derselben Stelle einen zweiten Baustein an, den
Dynamic Coupling Filter — was schon
zeigt, dass die Membran allein das Problem nicht schließt.
Der Beleg endet beim Aufbau. Dokumentiert sind Lagen, Werkstoffe und
Einsatzorte. Für die Wirkung gibt es eine einzige Zahl, und die ist
weder in ihrer Bezugsgröße erklärt noch unabhängig nachgeprüft.
Warum eine Membran überhaupt aufbricht und was Biegesteifigkeit damit zu
tun hat, führen Biegewellen und
dynamische Steifigkeit aus. Die
beiden anderen Membranbauweisen des Hauses stehen unter
RST II und
HDT , die Anordnung, in der sechs
RDT-III-Mitteltöner gemeinsam arbeiten, unter
M-Array . Die Marke selbst und
ihre Serien stehen unter Monitor Audio .
Der Lagenaufbau ist doppelt belegt: über die Beschreibung des Herstellers
zur Hyphn und über die ausführlichere Darstellung im Testbericht zur
Platinum 300 3G, den Monitor Audio selbst als Nachdruck verbreitet.
Treibergrößen, Trennfrequenzen und Portabstimmung stammen aus demselben
Nachdruck, die Messwerte der Hyphn aus dem Laborbericht von Hi-Fi News.
Die 8-dB-Angabe ist eine reine Herstellerangabe und steht seit der
Bedienungsanleitung der Platinum Series II unverändert im Katalog.
Die Herstellerseite war am 7. August 2026 nicht abrufbar: Sie
antwortete auf jeden Abruf mit einem leeren Rumpf. Der Wortlaut zur
Hyphn ist deshalb nur mittelbar erfasst und beim nächsten Anfassen der
Seite am Objekt zu bestätigen.