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Fortgeschritten

Ultra96 und HDMI 2.2

Was steckt hinter der Bezeichnung Ultra96 — und bedeutet sie an einem Gerät wirklich 96 Gbit/s?

HDMI 2.2 ist eine Fassung der HDMI-Spezifikation, angekündigt am 6. Januar 2025 in Las Vegas. Ultra96 ist der Name, unter dem ihre Bandbreite am Markt auftritt — und dieser Name meint zwei verschiedene Dinge, je nachdem, worauf er steht.

Auf einem Kabel bezeichnet Ultra96 eine Klasse, die bis 96 Gbit/s geprüft wird. Auf einem Gerät ist es ein Funktionsname für eine Leistungsgruppe — und die reicht von 64 über 80 bis 96 Gbit/s.

Diese zweite Bedeutung ist der Grund für diesen Eintrag.

Alle paar Jahre bekommt HDMI eine neue Ausbaustufe, damit schärfere und flüssigere Bilder durchpassen. Die aktuelle heißt 2.2, und das Wort für ihre Bandbreite ist Ultra96. Auf einem Kabel bedeutet das genau eine Sache: Es ist für die höchste Stufe geprüft. Auf einem Gerät bedeutet es leider weniger — dort steht es für eine ganze Gruppe, und ein Gerät aus der unteren Hälfte darf es genauso führen. Wenn Du heute baust, ist das trotzdem kein Grund zur Eile. Wichtiger als das neueste Gerät ist ein Leerrohr, durch das in zehn Jahren ein neues Kabel passt.

Was in der Fassung 2.2 steckt

Drei Punkte macht der HDMI Licensing Administrator kenntlich, und sie hängen zusammen.

Die Bandbreite steigt auf bis zu 96 Gbit/s. Möglich macht sie eine weiterentwickelte Fixed-Rate-Link-Technik — dasselbe Verfahren, hinter dem schon die Sprünge zuvor standen und das bei FRL und TMDS erklärt ist.

Die Formate, die daraus folgen, reichen weit über den Wohnbereich hinaus: 4K bei 240 Hz und 8K bei 60 Hz unkomprimiert mit voller Farbauflösung bei 10 und 12 Bit, dazu Auflösungen bis 12K bei 120 Hz und 16K bei 60 Hz. Die Anwendungsfelder, die das HDMI Forum in der Ankündigung nennt, sagen mehr über den Zweck als jede Zahl: erweiterte und virtuelle Realität, Lichtfeld-Anzeigen, medizinische Bildgebung, Bildverarbeitung in der Fertigung, großflächige Beschilderung. Ein Wohnzimmer kommt darin nicht vor, und das ist keine Nachlässigkeit.

Das Latency Indication Protocol ist die einzige Neuerung, die im Wohnbereich unmittelbar etwas verändern kann: ein Verfahren zur Bild-Ton-Synchronisation über mehrere Geräte hinweg, gedacht für Ketten mit AV-Receiver oder Soundbar. Es hat einen eigenen Eintrag, weil es eine eigene Nutzerfrage beantwortet — siehe Latency Indication Protocol.

Die Spezifikation ist abwärtskompatibel zu ihren Vorgängerinnen. Ein vorhandenes Gerät wird durch sie nicht schlechter.

Der Funktionsname und was er verschweigt

Hier liegt der praktische Kern, und er ist in einem Satz gesagt: Ultra96 an einem Gerät heißt nicht 96 Gbit/s.

Der HDMI Licensing Administrator vergibt den Namen an Produkte, die maximal 64, 80 oder 96 Gbit/s nach der HDMI-2.2-Spezifikation unterstützen. Alle drei dürfen dasselbe Wort führen — auf dem Anschluss, in der Anleitung, im Bildschirmmenü, in der Werbung und auf der Verpackung. Welche der drei Stufen ein konkretes Gerät beherrscht, sagt der Name nicht.

Das ist ein Rückschritt gegenüber der Absicht, die hinter den Funktionsnamen stand. Sie wurden eingeführt, weil Versionsnummern nichts über Fähigkeiten aussagten — ein Gerät mit „HDMI 2.1" auf dem Karton konnte praktisch jede Bandbreite haben, weil die meisten Merkmale einer Spezifikation optional sind. Der Funktionsname sollte das ersetzen. Bei Ultra96 ersetzt er es nur zum Teil: Die Spanne ist kleiner geworden, verschwunden ist sie nicht.

Für die Beschaffung folgt daraus eine schlichte Konsequenz. Wer eine Bandbreite braucht, fragt sie in Gbit/s ab und lässt sich das schriftlich geben. Der Funktionsname ist eine Vorauswahl, kein Nachweis.

Auf dem Kabel ist der Name dagegen eindeutig, weil dahinter eine Prüfung steht. Was diese Prüfung zusagt, woran man sie erkennt und warum sie an Modell und Länge hängt, steht auf der Seite HDMI-Kabelklassen und wird hier nicht wiederholt.

Häufiges Missverständnis

„Ich brauche ein HDMI-2.2-Kabel." Diese Bezeichnung gibt es nicht, und sie hat einen Vorläufer, der dasselbe Muster zeigt: das „HDMI-2.1-Kabel", das es ebenfalls nie gab. Kabel tragen Klassennamen, Spezifikationen tragen Versionsnummern. Das Kabel für die HDMI-2.2-Anwendungen heißt Ultra96.

„Ultra96 ist das bessere Ultra High Speed." In der Sache stimmt das, und für eine Kaufentscheidung führt es in die Irre. Das Ultra-High-Speed-Kabel deckt Konfigurationen bis 48 Gbit/s ab, und das ist alles, was heute im Wohnbereich abgerufen wird. Ein Ultra96-Kabel an einer Kette, in der kein Gerät mehr als 48 Gbit/s liefert oder annimmt, ist eine Reserve — kein besseres Bild.

„8K auf der Verpackung heißt HDMI 2.2." Auflösungsangaben auf Kartons sind Marketing und keine Schnittstellenangabe. 8K bei 60 Hz war schon mit 48 Gbit/s möglich; was die Fassung 2.2 hinzufügt, sind höhere Bildraten, größere Farbtiefen ohne Kompression und Auflösungen, für die es im Wohnbereich keine Inhalte gibt.

Nicht zu verwechseln mit

  • Ultra High Speed HDMI Cable: die Klasse darunter, bis 48 Gbit/s. Für nahezu jede heutige Wohnraumanwendung ausreichend.
  • Der Funktionsname gegen die Kabelklasse: dasselbe Wort mit zwei Bedeutungen — am Kabel eine geprüfte Bandbreite, am Gerät eine Leistungsgruppe von 64 bis 96 Gbit/s.
  • HDMI 2.1: die vorherige Fassung mit bis zu 48 Gbit/s. Beide sind Spezifikationen und keine Produkteigenschaften.
  • DSC: Kompression, mit der auch ältere Fassungen hohe Auflösungen übertragen. Sie erklärt, warum eine Formatangabe allein nichts über die nötige Bandbreite sagt.

In der Planung

Ein Kellerkino wird gebaut, der Projektor kommt an die Decke, rund vierzehn Meter vom Technikschrank entfernt. Der Kunde hat gelesen, dass es HDMI 2.2 gibt, und fragt, ob er darauf warten soll.

Die Frage, um die es wirklich geht, ist nicht die nach der Fassung, sondern: Was von dem, was hier gebaut wird, lässt sich in zehn Jahren noch tauschen — und was nicht? Geräte werden getauscht, und zwar mehrfach; ein Projektor überlebt selten zwei Bandbreitensprünge. Die Strecke in der Decke wird nicht getauscht, jedenfalls nicht ohne Aufwand, der niemandem gefällt.

Damit fällt die Antwort nüchtern aus und hat mit HDMI 2.2 wenig zu tun. Was heute Geld wert ist, ist ein Leerrohr, durch das der dickste vorkommende Steckerkopf passt, ein Zugdraht, der drinbleibt, und großzügige Bögen. Wer das hat, kann jeden künftigen Sprung nachziehen — ob er Ultra96 heißt oder anders. Wer es nicht hat, hat die Bandbreitenfrage nicht gelöst, sondern nur verschoben. Was dabei zu beachten ist, steht bei Leerrohr als Planungsgröße.

Bei den Geräten gibt es entsprechend wenig zu entscheiden: Die Spezifikation ist abwärtskompatibel, die Formate jenseits von 48 Gbit/s haben im Wohnbereich derzeit keine Inhalte, und ein Gerät, das den Funktionsnamen führt, muss die höchste Stufe nicht beherrschen. Warten ist damit ebenso wenig begründbar wie Eile.

Verknüpfte Inhalte

Welche Kabelklassen es gibt, was ihre Zertifizierung zusagt und warum sie an Modell und Länge hängt, steht auf der Seite HDMI-Kabelklassen — dort ist Ultra96 als Kabelklasse eingeordnet. Wie die Bandbreite technisch zustande kommt, erklärt FRL und TMDS; die einzige wohnraumrelevante Neuerung der Fassung 2.2 behandelt Latency Indication Protocol. Für lange Strecken sind AOC und DAC und die Leerrohrplanung unter Leerrohr als Planungsgröße die Anschlusspunkte; warum ein Bild trotz passender Strecke schwarz bleiben kann, klären EDID und HDCP.

Quellen

Der Funktionsname und seine Bandbreitengruppe von 64, 80 oder 96 Gbit/s, die Verwendungsorte des Namens und die Voraussetzung des Ultra96-Kabels stammen von der Merkmalsseite des HDMI Licensing Administrator. Bandbreite, Formate, Abwärtskompatibilität und die Einordnung des Latency Indication Protocol stehen in dessen Technologieübersicht zur HDMI-2.2-Spezifikation. Ankündigungsdatum, Ankündigungsort und die genannten Anwendungsfelder stammen aus der Pressemitteilung des HDMI Forum vom 6. Januar 2025.

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