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Trittschall
Was ist Trittschall?
Trittschall ist der Sonderfall des Körperschalls, bei dem eine Decke mechanisch angeregt wird — durch Schritte, gerückte Stühle, fallende Gegenstände — und die Schwingung im darunterliegenden Raum wieder als Luftschall abgestrahlt wird. Er hat eigene Messverfahren und einen eigenen Kennwert.
Wenn über Dir jemand durch die Wohnung läuft, hörst Du das nicht durch die Luft, sondern über die Decke selbst: Jeder Schritt versetzt sie in Schwingung, und bei Dir im Zimmer wird daraus wieder Geräusch. Deshalb bringt es auch nichts, die Decke von unten mit etwas Weichem zu bekleben — die Schwingung steckt dann schon im Bauteil. Am besten wird der Schritt oben abgefangen, bevor er die Decke überhaupt erreicht: mit einem Boden, der auf einer nachgiebigen Schicht liegt, statt fest aufzusitzen.
Ausführliche Erklärung
Gemessen wird Trittschall nicht mit Menschen, sondern mit einem Norm-Hammerwerk: einem Gerät mit definierten Hämmern, definierter Fallhöhe und definiertem Takt, das im Raum darüber aufgestellt wird. Unten wird der entstehende Schalldruckpegel aufgenommen und auf eine Bezugsabsorption normiert — daher der Name Norm-Trittschallpegel. Aus dem frequenzabhängigen Verlauf macht ISO 717-2 eine Einzahlangabe, den bewerteten Norm-Trittschallpegel Ln,w; am fertigen Bau, wo auch die Flanken mitübertragen, steht der Strich für die Bauwerte: L'n,w.
Bei dieser Kennzahl ist eine Eigenheit wichtig, an der sich regelmäßig Missverständnisse festmachen: Sie beschreibt, wie viel unten ankommt, und nicht, wie viel gedämmt wird. Der kleinere Wert ist deshalb der bessere — genau umgekehrt zum Schalldämm-Maß R'w für Luftschall, bei dem größere Werte für besseren Schutz stehen. Für Bodenauflagen wie Teppich oder Trittschalldämmung wird zusätzlich das Trittschallverbesserungsmaß ΔLw angegeben, das sagt, um wie viele Dezibel eine Auflage den Wert der Rohdecke senkt.
Die Gegenmaßnahmen greifen an drei Stellen an, und ihre Reihenfolge entspricht ihrer Wirksamkeit. Am wirkungsvollsten ist der Bodenaufbau darüber, weil er die Anregung abfängt, bevor sie die Decke erreicht: ein schwimmender Estrich auf Trittschalldämmung, also eine schwere Platte auf einem federnden Element, ohne starre Verbindung zu Wänden und Rohdecke. An zweiter Stelle steht die Decke selbst, deren Masse und Aufbau bestimmen, wie viel Schwingung sie aufnimmt und abstrahlt. An dritter Stelle steht eine federnd abgehängte Unterdecke im Raum darunter, die als zweite Schale wirkt — sie hilft, ist aber die aufwendigste und die empfindlichste gegenüber Ausführungsfehlern.
Für Heimkino und HiFi ist der Begriff aus zwei Richtungen relevant. Zum einen wird der Raum selbst zur Quelle, wenn ein Subwoofer ohne Zwischenlage auf dem Estrich steht oder ein Podest für die zweite Sitzreihe starr mit dem Boden verbunden ist. Das ist zwar Körperschall und im Normsinn kein Trittschall, nimmt aber genau dieselben Wege und verlangt dieselbe Antwort, nämlich Entkopplung. Zum anderen sind die tiefen Frequenzen der schwierige Teil: Poltern und dumpfe Stöße liegen unterhalb des Bereichs, den die bewertete Einzahlangabe stark gewichtet, sodass eine Decke mit gutem Kennwert im Alltag trotzdem auffällig sein kann.
Häufiges Missverständnis
Ein dicker Teppich gilt als Lösung für Trittschall, und für einen Teil des Problems stimmt das sogar: Weiche Bodenbeläge dämpfen die Anregung im mittleren und hohen Frequenzbereich wirksam, was in der Einzahlangabe deutlich zu Buche schlägt. Das tieffrequente Poltern eines festen Tritts lassen sie dagegen weitgehend durch, weil sie dafür weder Masse noch Federweg mitbringen. Wer den Kennwert mit einem Belag verbessert, hat deshalb nicht zwangsläufig das Geräusch beseitigt, das ihn gestört hat.
Nicht zu verwechseln mit
- Körperschall allgemein: Der Oberbegriff für Schall in festen Bauteilen. Trittschall ist der Fall der mechanischen Anregung einer Decke, mit eigenem Prüfverfahren.
- Luftschall: Er wird über das Schalldämm-Maß beurteilt und verhält sich an denselben Bauteilen anders.
- Schalldämm-Maß R'w: Ebenfalls in Dezibel, aber mit umgekehrter Leserichtung — dort ist größer besser.
- Erschütterung: Schwingungen unterhalb des Hörbereichs, die eher gespürt als gehört und mit eigenen Verfahren beurteilt werden.
In der Planung
Ein Heimkino soll im Obergeschoss eines Reihenhauses entstehen, darunter liegt das Schlafzimmer. Der Kunde plant einen schweren Estrich, weil Masse als das wirksame Mittel gilt.
Geh zuerst die Wege durch, die bespielt werden: Luftschall durch die Decke, Trittschall aus der Nutzung und Körperschall aus den Subwoofern sind drei verschiedene Aufgaben mit drei verschiedenen Antworten. Daraus ergeben sich die Mittel — schwimmender Aufbau statt mehr Masse allein, Entkopplung der Bassquellen, und eine ehrliche Betrachtung der Flankenwege, die entkoppelte Aufbauten in der Praxis begrenzen. Materialien und Geräte danach.
Verknüpfte Inhalte
Der Oberbegriff und die Ausbreitungswege stehen bei Körperschall, das Unterbrechen dieser Wege bei Entkopplung. Das Gegenstück behandelt Luftschall, die Kennwerte zwischen Räumen die Schalldämmung, und warum Masse für Luftschall funktioniert, rechnet das Massegesetz vor.
Quellen
Prüfverfahren, Kennwert und Bewertung folgen DIN 4109, ISO 717-2 sowie ISO 10140-5 und ISO 16283-2.