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Tiefe
Basis

Luftschall

Was ist Luftschall?

Luftschall ist Schall, der sich als Folge von Druckschwankungen durch die Luft ausbreitet. Alles, was Dein Ohr direkt erreicht, ist Luftschall — Stimmen, Musik, der Ton aus den Lautsprechern.

Wenn eine Lautsprechermembran vor- und zurückgeht, drückt und zieht sie die Luft davor. Diese Druckschwankung läuft durch den Raum bis zu Deinem Trommelfell, und das ist der Schall, den Du hörst. Für die Planung wird der Begriff wichtig, sobald es um Nachbarn geht: Ton, der durch die Luft zur Wand läuft und dort auf die andere Seite gelangt, braucht andere Maßnahmen als ein Basslautsprecher, der seine Erschütterung direkt in den Boden schickt. Beide Wege gibt es, und meist gibt es sie gleichzeitig.

Ausführliche Erklärung

Als eigener Begriff lohnt Luftschall erst im Gegensatzpaar. Innerhalb eines Raums ist ohnehin alles Luftschall, und die Fragen heißen dort Reflexion, Absorption oder Nachhallzeit. Interessant wird die Unterscheidung an der Grenze des Raums: Verlässt der Ton den Raum, weil er die Wand als Ganzes zum Schwingen bringt, oder weil eine Maschine, ein Lautsprechergehäuse oder ein Fuß die Konstruktion direkt anregt?

Die Übertragung nach außen läuft in drei Schritten. Der Luftschall trifft auf das Bauteil und regt es zum Mitschwingen an. Die Schwingung läuft als Körperschall durch das Bauteil hindurch. Auf der anderen Seite strahlt die Fläche wieder Luftschall ab, den der Nachbar hört. Wie viel dabei übrig bleibt, beschreibt das bewertete Schalldämm-Maß R'w — der Kennwert, der in Bauunterlagen steht und beim Eintrag zur Schalldämmung erklärt wird.

Zwei Eigenschaften machen die Sache im Heimkino unbequem. Zum einen werden tiefe Frequenzen deutlich schlechter gedämmt als hohe: Wenn beim Nachbarn nur noch das Wummern ankommt, während Dialoge verschwunden sind, liegt das nicht an der Wiedergabe, sondern an der Frequenzabhängigkeit der Dämmung. Zum anderen sucht sich Luftschall jede Schwachstelle. Eine Tür, ein Lüftungsdurchlass, eine nicht vergossene Steckdose oder ein Spalt untergraben eine sonst gute Wand — der Gesamterfolg richtet sich nach der schwächsten Stelle und nicht nach dem Mittelwert.

Häufiges Missverständnis

Luftschall und Körperschall werden gern als zwei getrennte Wege behandelt, die man einzeln abhaken kann. Tatsächlich wandeln sie sich an jeder Grenzfläche ineinander um: Luftschall regt Bauteile an, Bauteile strahlen wieder Luftschall ab. Deshalb bringt es wenig, nur einen der beiden Wege zu behandeln — ein aufwendig entkoppelter Subwoofer nützt wenig, wenn die Trockenbauwand daneben den Ton ohnehin durchlässt, und umgekehrt.

Nicht zu verwechseln mit

  • Körperschall: Schall, der sich in festen Bauteilen ausbreitet. Er entsteht oft ohne den Umweg über die Luft, etwa beim Auftreten auf einen Boden.
  • Trittschall: Ein Sonderfall des Körperschalls mit eigener Kennzahl und eigenen Prüfverfahren.
  • Luftströmung: Ein tatsächlicher Transport von Luft. Schall transportiert Energie, keine Luft.
  • Absorption im Raum: Sie verändert die Akustik im Raum selbst und hält kaum Schall auf dem Weg nach draußen auf.

In der Planung

Ein Kellerkino soll unter einem Schlafzimmer entstehen. Die Frage des Kunden lautet, ob eine zweite Gipskartonlage auf der Wand reicht.

Zuerst steht die Konzeptfrage, welche Wege überhaupt offen sind: Wand, Decke, Tür, Lüftung und der Bodenaufbau unter dem Subwoofer sind fünf verschiedene Baustellen mit fünf verschiedenen Maßnahmen. Erst danach zählt, ob Masse, Entkopplung oder Abdichtung an der jeweiligen Stelle das Richtige ist — die zweite Gipskartonlage wirkt nur auf einem dieser Wege. Und die Gerätefrage steht wie immer zuletzt.

Verknüpfte Inhalte

Das Gegenstück behandelt der Eintrag zum Körperschall, die Maßnahmen und Kennwerte der Eintrag zu Schalldämmung und Schallschutz. Wie sich Schall in der Luft überhaupt ausbreitet, erklären Schallgeschwindigkeit und Schallschnelle; die Pegelseite steht bei Dezibel.

Quellen

Begriffsabgrenzung und Übertragungswege folgen DIN 1320, DIN 4109 und ISO 717-1.

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