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Permanent Link und Channel
Was ist der Unterschied zwischen Permanent Link und Channel im Messprotokoll — und was sagt der Bericht damit eigentlich zu?
Wer ein Messprotokoll einer Netzwerkverkabelung in die Hand bekommt, findet oben eine Angabe, ohne die der Rest nicht lesbar ist: die Prüfart. Sie sagt, welches Stück der Verkabelung überhaupt vermessen wurde.
Der Permanent Link ist die feste Gebäudestrecke — laut Norm der Übertragungsweg zwischen der Anschlussdose und dem Etagenverteiler. Die Anschlüsse an beiden Enden gehören dazu, die Patch- und Anschlussschnüre nicht.
Der Channel ist die Gesamtstrecke im Betrieb: der durchgehende Weg zwischen zwei Geräten, einschließlich der Schnüre an beiden Enden. Nur die Anschlüsse in die Geräte hinein zählen nicht mit.
Eine Netzwerkleitung im Haus besteht aus zwei Teilen: dem festen Stück in der Wand, das dort dreißig Jahre liegt, und den beweglichen Kabeln, die Du an beiden Enden einsteckst. Bei der Abnahme kann man beides zusammen messen oder nur das feste Stück. Das feste Stück allein zu messen ist die strengere Prüfung — und die sinnvollere, denn nur das kann später niemand mehr austauschen. Ein Steckerkabel wechselt man in zwei Minuten. Eine Wand nicht.
Was jeweils dazugehört
Die Norm leitet ihre Grenzwerte aus einem gedachten Maximalausbau ab, und der macht den Unterschied greifbar:
| Permanent Link | Channel | |
|---|---|---|
| feste Leitung | bis 90 m Massivleiter | bis 90 m Massivleiter |
| Schnüre | keine | bis 10 m insgesamt |
| Anschlüsse | bis drei | bis vier |
| Gesamtlänge | bis 90 m | bis 100 m |
Die dritte Zeile ist der Kern. Jede Steckstelle ist eine Stoßstelle im Wellenwiderstand und eine Stelle, an der Paare kurz aufgedreht sind; jede kostet Reflexion und Nebensprechabstand. Der Channel enthält eine mehr als der Permanent Link, dazu zehn Meter Kabel in Litzenbauform, die stärker dämpft.
Der dritte Fall im Bunde ist der CP-Link: Wo zwischen Verteiler und Dose ein Sammelpunkt sitzt — üblich in Großraumbüros mit Möbelverkabelung, im Wohnbau selten —, wird das Stück bis dorthin getrennt bewertet.
Warum die engeren Grenzwerte die strengere Prüfung sind
Hier steckt die Zahl, die den Unterschied erklärt. Für eine Strecke der Klasse D bei 100 MHz gilt:
| Permanent Link | Channel | |
|---|---|---|
| Einfügedämpfung höchstens | 20,4 dB | 24,0 dB |
| NEXT mindestens | 32,3 dB | 30,1 dB |
Beide Grenzen sind für den Permanent Link enger — er darf weniger dämpfen und muss besseres Nebensprechverhalten zeigen. Das ist keine Schikane, sondern Arithmetik: Was für die Gesamtstrecke am Ende herauskommen soll, muss der feste Teil mit Reserve mitbringen, weil die Schnüre ihren Anteil noch dazulegen.
Daraus folgt die Regel, die im Streitfall zählt: Ein bestandener Permanent Link ist die stärkere Aussage. Wenn eine Strecke die Permanent-Link-Grenzen reißt und man daraufhin gegen die Channel-Grenzen misst und besteht, hat man nicht den Fehler behoben, sondern den Maßstab gewechselt. Für den Betrieb heute mag das reichen. Für die Zusage, dass die Leitung eine Klasse erfüllt, reicht es nicht — und für die Frage, ob ein anderes Patchkabel die Strecke später kippt, erst recht nicht.
Umgekehrt hat der Channel seine eigene Berechtigung: Er ist die einzige Prüfart, die das misst, was der Nutzer tatsächlich benutzt. Wo eine Anlage mit fest zugeordneten Schnüren betrieben wird und diese Schnüre Teil der Lieferung sind, ist er die ehrlichere Angabe.
Was ein Durchgangsprüfer nicht findet
Dies ist der Punkt, an dem sich „funktioniert" und „ist abgenommen" trennen, und er wird in der Praxis regelmäßig übersprungen.
Ein Durchgangsprüfer — das kleine Gerät mit den zwei Hälften, das an beiden Enden eingesteckt wird — prüft die Verdrahtung: Ist jede Ader durchgehend, sitzt sie auf dem richtigen Kontakt, gibt es keinen Kurzschluss? Das ist nützlich und findet die groben Fehler. Es ist keine Messung von Übertragungseigenschaften, und drei Dinge sieht es prinzipiell nicht:
- Gespaltene Paare. Werden zwei Adern als Paar benutzt, die nicht miteinander verdrillt sind, meldet der Prüfer acht Adern in richtiger Reihenfolge. Die Verbindung kommt zustande, der Mechanismus des Kabels ist trotzdem außer Kraft — ausgeführt bei T568A und T568B.
- Zu weit aufgedrehte Paare. Ein paar Zentimeter offene Verdrillung an der Klemmstelle ändern an der Durchgängigkeit nichts und am Nebensprechen viel, siehe Twisted Pair.
- Bauteile der falschen Stufe. Ein Modul einer niedrigeren Kategorie in einer sonst hochwertigen Strecke ist elektrisch durchgängig. Dass die Strecke damit eine Klasse tiefer liegt, zeigt erst die Messung, siehe Kabelkategorien.
Was diese drei gemeinsam haben, ist ihre Tücke: Sie fallen nicht sofort auf. Eine Strecke mit gespaltenem Paar läuft mit langsamen Verfahren klaglos und fällt in dem Moment aus, in dem eine Kamera oder ein AV-Gerät mehr verlangt — also Monate nach der Abnahme, wenn niemand mehr an die Verkabelung denkt und die Fehlersuche beim neuen Gerät beginnt.
Die Zertifizierungsmessung misst dagegen Einfügedämpfung, Nebensprechen, Rückflussdämpfung und Laufzeiten über den vollen Frequenzbereich der Klasse und vergleicht sie gegen die Grenzwertkurve. Sie kostet etwa eine Minute je Strecke und ist der Unterschied zwischen einer Vermutung und einer Zusage.
Häufiges Missverständnis
„Der Techniker hat die Dosen geprüft." Die Frage, die diesen Satz klärt, ist kurz: mit welchem Gerät und gegen welche Prüfart? „Geprüft" heißt auf jeder zweiten Baustelle „ein Rechner bekam eine Verbindung". Das ist eine Funktionsprüfung des Tages, keine Aussage über die Strecke.
„Wir messen Channel, das ist praxisnäher." Praxisnäher ist es tatsächlich — und für die Abnahme einer Installation trotzdem meist die falsche Wahl. Der Installateur verantwortet den festen Teil. Misst man den Channel, misst man seine Arbeit zusammen mit Schnüren, die morgen jemand austauscht, und das Ergebnis ist keinem von beiden zuzuordnen. Wer den Channel als Nachweis akzeptiert, sollte wissen, dass er die schwächeren Grenzwerte akzeptiert.
„Das Messprotokoll sagt Cat 6A." Kategorien beschreiben Bauteile, Strecken haben Klassen. Ein Protokoll bescheinigt eine Klasse — Klasse D bis Klasse II —, gemessen in einer Prüfart, und die Kategorie der verbauten Komponenten ist eine Voraussetzung dafür, kein Ergebnis. Die Unterscheidung steht bei den Kabelkategorien.
Nicht zu verwechseln mit
- Durchgangsprüfung: prüft die Verdrahtung, nicht die Übertragung. Notwendig, aber keine Zertifizierung.
- Qualifizierungsmessung: ein Gerät prüft, ob eine Strecke ein bestimmtes Verfahren schafft — etwa Gigabit-Ethernet. Das ist eine Aussage über heute und nicht über die Norm.
- Streckenklasse: was gemessen wird. Prüfart ist, wogegen gemessen wird. Beides steht im Protokollkopf und wird verwechselt.
- MPTL: eine Strecke, die ohne Dose direkt am Endgerät endet, etwa bei Kameras und Access Points. Weder klassischer Permanent Link noch Channel und deshalb eine eigene Prüfart.
In der Abnahme
Ein Neubau mit zweiundzwanzig Netzwerkdosen. In der Ausschreibung stand „Verkabelung Cat 6A". Der Elektriker legt die Rechnung, die Dosen funktionieren, ein Protokoll gibt es nicht — es war nie vereinbart.
Was hier fehlt, ist keine Messung, sondern eine Vereinbarung. Die Entscheidung, ob eine Abnahmemessung stattfindet, fällt vor dem ersten Meter Kabel, nicht am Ende; danach ist sie eine Nachforderung, die jemand bezahlen muss und die niemand bestellt hat. Zur Vereinbarung gehören drei Angaben, und alle drei kosten in der Ausschreibung eine Zeile: die Klasse, gegen die gemessen wird, die Prüfart, und dass das Protokoll je Strecke übergeben wird.
Steht das fest, ist der Rest Handwerk. Gemessen wird jede Strecke einzeln, in der vereinbarten Prüfart, mit einem Gerät der zur Klasse passenden Genauigkeitsstufe; die Temperatur gehört ins Protokoll, weil die Einfügedämpfung von ihr abhängt. Durchgefallene Strecken werden nachgearbeitet und erneut gemessen — und nicht gegen die schwächere Prüfart nachgemessen.
Für den Bestand, bei dem all das nicht passiert ist, bleiben drei Wege, und keiner ist umsonst: nachmessen, mit ausdrücklichem Vorbehalt übernehmen oder erneuern. Welcher davon der richtige ist, hängt daran, was künftig über die Leitung laufen soll.
Verknüpfte Inhalte
Was in einem Protokoll gemessen wird, steht bei Einfügedämpfung, Nebensprechen und Rückflussdämpfung; die Größe, die im Protokoll je Strecke nicht auftaucht und trotzdem entscheidet, ist Fremdübersprechen. Warum das feste Kabel und die Schnüre zwei Bauformen sind, klärt Massivleiter und Litze; was Kategorie von Klasse unterscheidet, die Kabelkategorien. Die Fehler, die erst eine Messung sichtbar macht, stehen bei T568A und T568B und Twisted Pair.
Quellen
Die Definitionen von Channel und Permanent Link, die Zusammensetzung beider im Maximalausbau (90 m Massivleiterkabel plus 10 m Schnüre und vier Anschlüsse gegenüber 90 m und drei Anschlüssen), die Längen von 90 und 100 Metern sowie die Grenzwerte der Klasse D bei 100 MHz für beide Prüfarten stammen aus ISO/IEC 11801 in der Ausgabe von 2002, die für diese Seite im Volltext eingesehen wurde. Die Abgrenzung des Begriffs link und die Bauteilanforderungen, aus denen die Streckengrenzwerte abgeleitet werden, stehen in ANSI/TIA/EIA-568-B.2 von 2001, ebenfalls am Objekt gelesen.