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T568A und T568B
Was unterscheidet T568A von T568B — und welche der beiden Belegungen soll ich nehmen?
T568A und T568B sind die beiden zulässigen Belegungen der acht Kontakte eines 8P8C-Steckverbinders in der strukturierten Gebäudeverkabelung. Beide stehen in derselben Norm, beide leisten dasselbe, und sie unterscheiden sich in genau einem Punkt: Das orange und das grüne Paar tauschen die Plätze.
In einer Netzwerkdose sitzen acht Drähte in vier Farbpaaren, und es gibt zwei erlaubte Reihenfolgen, sie aufzulegen. Welche man nimmt, ist egal — die Verbindung wird davon weder schneller noch besser. Wichtig ist nur, dass im ganzen Haus dieselbe Reihenfolge verwendet wird und dass beide Enden einer Leitung gleich angeschlossen sind. Wer das mischt, baut Dosen, die manchmal funktionieren und manchmal nicht — und die Suche danach dauert länger als das saubere Auflegen gedauert hätte. Deshalb gehört die gewählte Variante aufgeschrieben und in den Verteiler geklebt.
Der Unterschied in einer Tabelle
Die Kontakte sind von 1 bis 8 durchnummeriert. Die Farben sind in beiden Varianten dieselben, ebenso das blaue Paar in der Mitte und das braune außen.
| Kontakt | T568A | T568B |
|---|---|---|
| 1 | weiß-grün | weiß-orange |
| 2 | grün | orange |
| 3 | weiß-orange | weiß-grün |
| 4 | blau | blau |
| 5 | weiß-blau | weiß-blau |
| 6 | orange | grün |
| 7 | weiß-braun | weiß-braun |
| 8 | braun | braun |
Entscheidend ist, was dabei gleich bleibt: In beiden Varianten liegen die Paare auf den Kontakten 1/2, 3/6, 4/5 und 7/8. Diese vier Kontaktpaarungen sind die eigentliche Festlegung — sie stammen aus der Zeit des zweipaarigen Ethernet, das die Kontakte 1/2 und 3/6 nutzte, und sie sind der Grund, warum das mittlere Paar auf 4/5 auseinandergezogen über das Paar auf 3/6 hinweggeführt wird.
Warum es zwei gibt
Als die erste Ausgabe der Verkabelungsnorm 1991 erschien, war das Belegungsschema von AT&T unter der Bezeichnung 258A am Markt bereits verbreitet — es ist das, was heute T568B heißt. Aufgenommen wurde es, weil man einen großen vorhandenen Bestand nicht für falsch erklären wollte.
T568A hat dagegen ein eigenes Argument, und es stammt aus der Telefonie: Es bleibt zu den ein- und zweipaarigen USOC-Belegungen abwärtskompatibel, mit denen analoge Anschlüsse im nordamerikanischen Wohnbau aufgelegt wurden. Ein Telefonstecker in einer T568A-Dose findet damit sein Paar, in einer T568B-Dose nicht. Aus diesem Grund empfiehlt die Normenreihe T568A für die Etagenverkabelung und behandelt T568B als die Variante, die zulässig bleibt, wo vorhandene Systeme sie erfordern; für den Wohnbereich steht dieselbe Empfehlung in der zugehörigen Wohngebäudenorm.
Im deutschsprachigen Raum zählt dieses Argument wenig, weil analoge Telefonie hier nie über diese Dosen lief. Praktisch begegnet man beiden Varianten, und die Frage bleibt eine Festlegung ohne technischen Gewinn auf einer der beiden Seiten.
Der Fehler, der wirklich weh tut
Die Wahl zwischen A und B ist harmlos. Gefährlich ist die dritte Möglichkeit: die Belegung, bei der zwei Drähte eines Paares auf zwei Kontakte gehen, die kein Paar bilden. Das passiert, wenn jemand nach der Telefonlogik auflegt — dort liegen die Paare symmetrisch um die Mitte, also auf 4/5, 3/6, 2/7 und 1/8. Die ersten beiden stimmen mit Ethernet überein, die letzten beiden nicht: Auf den Kontakten 1 und 2 liegen dann Adern aus zwei verschiedenen Paaren.
Was daraus wird, nennt man ein gespaltenes Paar. Die beiden Adern, die das Gerät als Paar auswertet, sind nicht miteinander verdrillt, sondern laufen über die ganze Strecke getrennt. Damit ist genau der Mechanismus außer Kraft, für den das Kabel gebaut wurde — nachzulesen bei Twisted Pair —, und das Tückische ist, dass die Verbindung trotzdem zustande kommt. Ein einfacher Durchgangsprüfer meldet acht Adern in richtiger Reihenfolge und findet den Fehler nicht; die Strecke läuft mit langsamen Verfahren unauffällig und fällt aus, sobald mehr verlangt wird.
Dieselbe Logik erklärt, warum die Farbfolge überhaupt in einer Norm steht: Nicht weil Farben elektrisch etwas bedeuten, sondern weil die Zuordnung von Adern zu Kontakten die Paarbildung festlegt.
Häufiges Missverständnis
„B ist der neuere Standard und deshalb besser." Beide stehen seit derselben Ausgabe nebeneinander, und die Norm empfiehlt eher die umgekehrte Richtung. Der Eindruck entsteht durch den Markt: Vorkonfektionierte Patchkabel und Fertigdosen sind häufig nach T568B belegt, und was man ständig sieht, wirkt wie der Regelfall.
Falsch eingeschätzt wird zweitens die gemischte Strecke. Wer ein Ende nach A und das andere nach B auflegt, hat kein defektes Kabel gebaut, sondern eine Kreuzverbindung — die beiden getauschten Paare kreuzen sich, was bei den alten zweipaarigen Verfahren genau die Verbindung zweier gleichartiger Geräte gerade brauchte. Heutige Anschlüsse erkennen eine solche Kreuzung in der Regel selbst und gleichen sie aus, weshalb die Strecke meistens läuft. Das ist keine Entwarnung: Sie läuft, bis ein Gerät die Automatik nicht mitbringt oder bis jemand die Dokumentation braucht, und dann sucht man einen Fehler, den man selbst eingebaut hat.
Nicht zu verwechseln mit
- ANSI/TIA-568 als Normenreihe: Sie regelt die gesamte strukturierte Verkabelung — Kategorien, Streckenlängen, Prüfverfahren. T568A und T568B sind darin nur die Belegungstabellen.
- Kabelkategorie: Cat 5e bis Cat 8 beschreiben die Übertragungseigenschaften und sind von der Belegung unabhängig; siehe Kabelkategorien.
- USOC-Belegung: die Telefonlogik mit symmetrisch um die Mitte liegenden Paaren. Für Ethernet unbrauchbar, weil sie Paare spaltet.
- Crossover-Kabel: eine absichtlich gekreuzte Strecke für die direkte Verbindung zweier gleichartiger Geräte. Sie sieht wie eine gemischte Auflegung aus, ist aber ein bewusstes Bauteil und war schon vor der Selbsterkennung moderner Anschlüsse ein Auslaufmodell.
Typischer Fehler
Ein Umbau übernimmt zwölf vorhandene Dosen und ergänzt acht neue. Die alten hat vor Jahren ein anderer Betrieb aufgelegt, die neuen legt der Elektriker heute auf — und beide entscheiden für sich, welchen Farbcode sie nehmen. Im Verteiler treffen dann zwei Schemata aufeinander, ohne dass es jemand aufgeschrieben hat.
A oder B entscheidet sich hier nicht: Was ist im Bestand tatsächlich verbaut? Solange das nicht geprüft ist, ist jede Festlegung nur eine dritte Variante im Haus. Ein Blick auf die Klemmen einer geöffneten Bestandsdose beantwortet das in einer Minute.
Ist sie beantwortet, ist der Rest kurz: Die im Bestand vorgefundene Belegung wird für das ganze Projekt übernommen, sofern nichts dagegen spricht; jede neue Strecke wird an beiden Enden gleich aufgelegt; die gewählte Variante steht im Belegungsplan und als Aufkleber im Verteiler. Wo Bestand und Neubau nicht zusammenpassen und das Umlegen zu teuer ist, wird die Ausnahme dokumentiert statt stillschweigend gemischt. Für die Abnahme heißt das: Ein Durchgangsprüfer reicht nicht, weil er gespaltene Paare nicht sieht — die Prüfung muss die Paarzuordnung messen.
Verknüpfte Inhalte
Was der Steckverbinder selbst ist und warum seine Bauform nichts über das anliegende Signal aussagt, steht bei 8P8C (RJ45). Warum die Paarbildung über die Störfestigkeit entscheidet und wie weit ein Paar an der Klemmstelle aufgedreht werden darf, klärt Twisted Pair. Die Leistungsstufen derselben Anschlusstechnik führen die Kabelkategorien, die Störung zwischen benachbarten Strecken das Fremdübersprechen.
Quellen
Beide Belegungen sind in der Normenreihe ANSI/TIA-568 festgelegt, die Empfehlung für den Wohnbereich in ANSI/TIA-570; der achtpolige Steckverbinder selbst in IEC 60603-7 beziehungsweise ISO/IEC 8877.