Zum Inhalt
Tastatur
  • Hilfe anzeigen?
  • Untermenü öffnen↓ / Space
  • Untermenü schließenEsc
  • Studio finden→ Studio
Tiefe
Performance

Staffelung mehrerer Sitzreihen: wie hoch das Podest wirklich muss

Wie hoch muss das Podest für eine zweite Sitzreihe — und woraus ergibt sich die Höhe?

Die Podesthöhe ist keine Geschmacksfrage und auch kein Erfahrungswert, den man einmal lernt und dann anwendet. Sie ergibt sich aus einer einzigen Bedingung: Von der hinteren Reihe aus muss der Blick zur Bildunterkante über den Kopf der vorderen Reihe hinweg reichen, und zwar mit Abstand. Diesen Abstand misst der Kinobau als Sichtlinienfreiheit, und aus ihm, dem Reihenabstand, dem Abstand der ersten Reihe zur Leinwand und der Höhe der Bildunterkante folgt die Stufe. Je nachdem, wie hoch das Bild hängt, liegt sie im Wohnkino zwischen etwa siebzehn und siebenundvierzig Zentimetern — bei demselben Raum, denselben Sesseln und demselben Anspruch.

Wenn zwei Sitzreihen hintereinander stehen, sieht die hintere Reihe nur dann das ganze Bild, wenn sie höher sitzt. Wie viel höher, hängt vor allem davon ab, wie hoch die Leinwand hängt: Hängt sie tief, muss die Stufe hoch werden, weil der Blick sonst am Hinterkopf der Leute vorne endet. Hängt sie höher, reicht schon eine kleine Stufe. Und wer sich im Sessel zurücklehnt, rutscht mit den Augen nach unten — dann ist ein Teil der eben noch freien Sicht wieder weg. Deshalb wird die Stufe vor dem Bau ausgerechnet, denn nach dem Estrich ändert sie niemand mehr.

Die Größe, um die es geht

Zeichne den Raum im Schnitt. Von der Augenposition der ersten Reihe geht eine Linie zur Unterkante des Bildes. Von der Augenposition der zweiten Reihe geht eine zweite Linie zum selben Punkt. Der senkrechte Abstand zwischen beiden Linien, gemessen dort, wo die erste Reihe sitzt, ist die Sichtlinienfreiheit. Sie sagt, wie weit die zweite Reihe über die erste hinwegschaut.

Der Kinobau bewertet sie in vier Stufen. Rolv Gjestland, seit 1984 Berater der norwegischen Kino-Organisation Film&Kino und an fast jedem norwegischen Kinoneubau dieser Jahre beteiligt, nennt in seinem Leitfaden für den Kinosaalbau folgende Werte:

SichtlinienfreiheitBewertung
ab 200 mmgut
150 bis unter 200 mmakzeptabel
120 bis unter 150 mmschwach
unter 120 mmnicht akzeptabel

Zwei Dinge an dieser Tabelle sind erklärungsbedürftig. Erstens der Bezugspunkt: gemessen wird zur Bildunterkante, nicht zur Bildmitte. Wer nur die Bildmitte frei sieht, sitzt in einem Kino, in dem die Untertitel im Hinterkopf des Vordermanns verschwinden. Zweitens die Höhe der Werte. Sie decken ausdrücklich den Fall mit ab, dass eine große Person vor einer kleinen sitzt — die Freiheit ist also nicht der Abstand zu einem durchschnittlichen Hinterkopf, sondern die Reserve darüber hinaus. Wer knapp plant, plant für den Idealfall, und der tritt bei sechs oder acht Plätzen selten ein.

Der Stadionbau kennt dasselbe Problem und regelt es über den sogenannten C-Wert; die britische Sportstätten-Leitlinie empfiehlt dafür 90 bis 120 Millimeter und verweist für die Berechnung auf die europäische Norm für Zuschaueranlagen. Die Größenordnung ist dieselbe, der Kinowert der strengere — was plausibel ist, weil im Stadion der Blick auf eine Spielfeldlinie zählt und im Kino die vollständige Bildfläche.

Die Rechnung

Die Geometrie ist elementar: Beide Sichtlinien enden im selben Punkt an der Bildunterkante, also gilt der Strahlensatz — und damit folgt die Podesthöhe eindeutig aus vier Größen, nämlich der Augenhöhe der vorderen Reihe über der Bildunterkante, den beiden Abständen zur Bildfläche und der gewünschten Sichtlinienfreiheit. Die Gleichung selbst, ihre Herleitung, die Rückrechnung für eine bereits gebaute Stufe und ein durchgerechnetes Beispiel stehen bei Podesthöhe aus der Sichtlinienfreiheit.

Für die Planung zählt weniger die Gleichung als das, was sie über die Bildlage sagt. Derselbe Raum, viermal gerechnet: dedizierter Kinoraum, Bildbreite 2,70 Meter im Format 16:9, also 1,52 Meter Bildhöhe. Die erste Reihe sitzt 3,50 Meter vor der Bildfläche, der Reihenabstand beträgt 1,20 Meter, die Augen liegen 1,20 Meter über dem jeweiligen Fußboden, und die Sichtlinienfreiheit soll die gute Marke von 200 Millimetern erreichen.

Bildunterkante über dem Boden der ersten Reihenötige Podesthöhe
0,60 m0,47 m
0,90 m0,37 m
1,20 m0,27 m
1,50 m0,17 m

Diese vier Zeilen beschreiben denselben Raum, dieselben Sessel und denselben Anspruch. Was sich ändert, ist allein die Höhe des Bildes — und die Stufe wird dabei fast dreimal so hoch. Wer die Podesthöhe diskutiert, ohne die Bildlage festgelegt zu haben, diskutiert deshalb ins Leere.

Umgekehrt gelesen ist die Tabelle eine Warnung: Wer die im Wohnbereich übliche Bauhöhe von 20 Zentimetern setzt und die Bildunterkante tief hängen lässt, landet rechnerisch bei einer Sichtlinienfreiheit um null. Die zweite Reihe sieht die Bildunterkante dann genau so lange, wie niemand vor ihr sitzt, der auch nur einen Zentimeter größer ist.

Ab drei Reihen wird die Rechnung Zeile für Zeile fortgeschrieben, und dabei wachsen die Stufen nach hinten — im Beispiel oben mit der Bildunterkante auf 1,20 Meter auf 27, dann 32, dann 36 Zentimeter, der Zuwachs wird also von Reihe zu Reihe kleiner. Genau das beschreibt der Kinoleitfaden auch qualitativ: Der Anstieg der Stufenhöhen ist vorne größer als hinten und im dunklen Saal beim Gehen kaum zu bemerken. Gleich hohe Stufen sind der einfachere Bau und die schlechtere Lösung, weil die Sichtlinienfreiheit dann mit jeder Reihe abnimmt.

Die Hebel — und welcher wirklich wirkt

Fünf Wege gibt es, die Sichtlinienfreiheit zu verbessern: die Bildunterkante höher setzen, die erste Reihe weiter nach hinten rücken, die Tribüne insgesamt höher bauen, Reihen weglassen oder den Reihenabstand verkleinern. Für den Wohnraum sind davon zwei ernsthaft verfügbar.

Die Höhe der Bildunterkante ist der stärkste Hebel. Die Tabelle oben zeigt es: Neunzig Zentimeter höhere Bildunterkante sparen dreißig Zentimeter Stufe. Warum wirkt das so stark? Weil eine höhere Bildunterkante die Sichtlinien beider Reihen flacher macht und die hintere davon mehr profitiert als die vordere.

Der Haken sitzt an der Decke. Ein Bild von 1,52 Meter Höhe, dessen Unterkante auf 1,50 Meter liegt, endet oben bei gut drei Metern — in einem Raum mit 2,50 Meter Deckenhöhe gibt es diese Variante nicht. Rechnet man Rahmen und einen Rest Abstand mit, bleibt dort für die Bildunterkante etwa 0,85 Meter, und damit ist die Zeile der Tabelle festgelegt, in der man sich bewegt. Die Raumhöhe entscheidet also über die Podesthöhe, bevor irgendjemand über Podeste gesprochen hat.

Zugleich zieht die hohe Bildunterkante die erste Reihe in eine ungünstigere Haltung. Für sie steigt der vertikale Blickwinkel, und genau dieser Winkel ist die Größe, die die Bildhöhe und den vertikalen Sichtwinkel begrenzt. Der Kinobau zieht die Grenze bei 25 Grad von der ersten Reihe zur Bildmitte. Im Beispielraum kommt selbst die höchste Tabellenzeile nur auf knapp 17 Grad und bleibt damit klar darunter. Der engere Korridor der Betrachtungsnorm von 15 Grad ist bei dieser Bildlage allerdings schon überschritten — die beiden Maßstäbe fallen hier also auseinander, und welcher gilt, ist eine Entscheidung über den Anspruch und nicht über die Geometrie. Eng wird es in kurzen Räumen mit großem Bild, und dort ist die erste Reihe der Platz, der zuerst verloren geht.

Der Abstand der ersten Reihe zur Leinwand ist der zweite Hebel, und er wirkt in dieselbe Richtung wie die Bildgröße: Rückt die erste Reihe weiter weg, sinkt die nötige Stufe. Er kostet allerdings Raumtiefe, die in den meisten Projekten schon vergeben ist.

Die anderen drei Wege sind im Wohnkino kaum Hebel. Die Tribüne höher zu bauen heißt, den Projektionswinkel zu vergrößern — mit Folgen für die Trapezkorrektur und den verfügbaren Lens Shift; der Kinoleitfaden nennt außerdem den Ton, der unter der wachsenden Bauhöhe leidet. Reihen wegzulassen ist bei zwei Reihen keine Option. Und der Reihenabstand hängt an den Sesseln, die ihn vorgeben, statt sich nach ihm zu richten.

Was Sessel mit Liegefunktion daran ändern

Im gewerblichen Kino sind Liegesessel eine Ausstattungsvariante, im Wohnkino sind sie der Normalfall — und sie greifen an zwei Stellen in die Staffelung ein.

Die erste ist die Augenhöhe. Wer die Rückenlehne zurückstellt, sitzt mit den Augen 50 bis 150 Millimeter tiefer, und der Kopf wandert dabei 50 bis 250 Millimeter nach hinten. Für die Sichtlinie ist der Fall entscheidend, in dem die hintere Reihe zurückgelehnt sitzt und die vordere aufrecht: Dann sinkt die Sichtlinienfreiheit ungefähr im Verhältnis der beiden Abstände zur Bildfläche mit — im Beispielraum kosten 150 Millimeter Augenhöhe rund 110 Millimeter Freiheit. Das ist mehr als die Hälfte des gesamten Budgets von 200 Millimetern, und es beschreibt die übliche Sitzhaltung nach zwanzig Minuten Film. Der Kopfversatz nach hinten gleicht einen kleinen Teil davon wieder aus, weil er den Abstand zur Bildfläche vergrößert.

Die zweite Stelle ist der Reihenabstand. Ein Liegesessel ist in Ruhelage 900 bis 1 400 Millimeter tief und ausgefahren über 1 800 Millimeter; die letzte Reihe braucht ohnehin 250 bis 400 Millimeter mehr Tiefe als die übrigen, weil die Lehne nach hinten arbeitet. Der Reihenabstand wird damit vom Möbel bestimmt und steht als Planungsgröße praktisch nicht mehr zur Verfügung. Wer ihn trotzdem verkleinern will, um die Stufe niedriger zu halten, verliert die Beinfreiheit, für die die Sessel gekauft wurden.

Daraus folgt eine unbequeme Reihenfolge: Der Sessel wird vor dem Podest festgelegt, nicht danach. Wird das Podest zuerst gebaut und der Sessel später ausgesucht, ist die Sichtlinie ein Zufallsergebnis.

Häufige Missverständnisse

„Wenn die Reihen versetzt stehen, schaut man zwischen den Köpfen durch." Das ist der verbreitetste Irrtum zum Thema, und er hält der Prüfung nicht stand. Das Blickfeld zwischen zwei Köpfen beträgt nur 15 bis 30 Grad und deckt die Bildbreite eines Kinos nicht ab; wer seitlich sitzt, hat den Kopf des Vordermanns ohnehin genau in der Blickrichtung zur Bildmitte. Dazu kommt, dass zwei Menschen, die vor Dir sitzen, im Lauf des Films die Köpfe aneinanderlehnen und die Lücke schließen. Das Versetzen kostet außerdem je nach Anordnung einen Sitzplatz pro Reihe. Es verbessert die Sicht nicht.

„Zwanzig Zentimeter Podest sind Standard." Zwanzig Zentimeter sind eine bequeme Bauhöhe, kein Planungsergebnis. Ob sie reichen, entscheidet die Bildunterkante: Liegt sie hoch, sind zwanzig Zentimeter großzügig; liegt sie tief, bleibt von der Sichtlinienfreiheit nichts übrig. Die Zahl ist als Ergebnis brauchbar und als Ausgangspunkt wertlos.

„Höher ist immer besser." Für die Sicht ja, für alles andere nicht. Mit der Bauhöhe wächst der Projektionswinkel und damit die Verzerrung, die Leinwand darf zum Ausgleich höchstens drei Grad geneigt werden, und die zweite Reihe rückt näher an Decke und Rückwand — akustisch die ungünstigste Ecke des Raums. Ab etwa 400 Millimetern Stufenhöhe braucht der Zugang drei Stufen statt zwei, was den Gang im dunklen Raum umständlicher macht.

„Die hintere Reihe ist die schlechtere." Fürs Bild stimmt das selten. Sie sitzt weiter weg, der vertikale Blickwinkel ist kleiner, die Haltung entspannter — im gewerblichen Kino sind die hinteren Plätze aus gutem Grund die begehrten. Was sie schlechter macht, ist der Ton: Die Nähe zur Rückwand verändert den Bass, und die Unterschiede zwischen den Plätzen sind das Thema der Sitz-zu-Sitz-Varianz. Ab zwei Reihen lohnt sich deshalb der Blick auf die aufwendigeren Bassverfahren, wie das DBA sie beschreibt.

Das Podest ist auch ein Bauteil

Die Sichtlinie legt die Höhe fest, danach fangen die Fragen erst an.

Ein Podest ist ein Hohlkörper unter dem Fußboden, und ein Hohlkörper im Kinoraum ist eine akustische Größe. Im gewerblichen Kinobau wird der Raum darunter oft bewusst als Luftkammer genutzt, mit Gittern in den Stufen, durch die die Zuluft nahe an den Plätzen austritt. Im Wohnkino ist der Hohlraum meist ungeplant — und dann ein Resonanzkörper, der genau in dem Frequenzbereich mitschwingt, um den im Kinoraum am meisten Aufwand getrieben wird.

Sollen die Sessel auf der Stufenkante montiert werden statt auf dem Boden, verlangt das eine Stufenhöhe ab etwa 200 Millimetern und einen Aufbau, der die Last aufnimmt. Liegesessel brauchen zusätzlich Strom, und die Leitung wandert in oder unter das Podest — vor dem Bau eine Kleinigkeit, danach eine Baustelle.

Und schließlich die Stufe selbst: Sie liegt in einem Raum, der während der Nutzung dunkel ist. Der Kinobau löst das mit markierten, beleuchteten Stufen, mit einer tiefen Stufe auf Reihenhöhe vor dem Zugang zur Sitzreihe und mit Handläufen an der Wand.

Grenzen und Sonderfälle

Die Zahlen stammen aus dem gewerblichen Kinobau. Ein Kinosaal wird für unbekannte Gäste ausgelegt, ein Wohnkino für eine bekannte Familie. Die Geometrie ist dieselbe, der Anspruch an die Reserven muss es nicht sein. Was sich nicht übertragen lässt, sind die Vorgaben zu Flucht- und Rettungswegen, Gangbreiten und Bestuhlungsdichte — sie gelten für Versammlungsstätten und nicht für einen Wohnraum.

Die Augenhöhe ist die unsicherste Eingangsgröße. Sämtliche Zahlen oben rechnen mit 1 200 Millimetern vom Boden bis zum Auge. Das ist der Rechenwert des Kinobaus, keine Messung an Deinem Sessel; woraus er sich zusammensetzt und wie weit er streut, behandelt die Seite zur Bildhöhe. Für die Staffelung ist das weniger kritisch als für die Montagehöhe, weil beide Reihen mit derselben Größe rechnen und sich ein Teil des Fehlers heraushebt — sofern in beiden Reihen dieselben Sessel stehen. Stehen vorne ein Sofa und hinten Kinosessel, ist genau das nicht der Fall.

Kinder sind der Fall, der jede Rechnung schlägt. Der Kinobau begegnet ihm mit ausleihbaren Sitzkissen und nicht mit Bauhöhe. Für ein Familienkino ist das die ehrlichere Lösung als ein Podest, das für die kleinste denkbare Person ausgelegt ist.

Rollstuhlplätze und Sonderreihen haben eigene Anforderungen an Sichtlinie und Zugang, die diese Seite nicht behandelt. Sie sind im Wohnkino selten Thema und im gewerblichen Bau geregelt.

In der Planung

Ein dedizierter Kinoraum im Untergeschoss, 6,50 Meter tief, 2,50 Meter lichte Höhe. Der Kunde möchte acht Plätze in zwei Reihen und Sessel mit Liegefunktion. Der Trockenbauer fragt, wie hoch er das Podest aufbauen soll.

Bevor irgendeine Zahl fällt, steht die Frage nach dem Bild: Wie hoch darf die Bildunterkante überhaupt liegen? Die lichte Höhe von 2,50 Metern und eine Bildhöhe von 1,52 Metern lassen nach Abzug von Rahmen und Luft etwa 0,85 Meter — damit steht die maßgebliche Zeile der Rechnung fest, bevor über das Podest gesprochen wird. Wäre der Raum höher, wäre die Stufe niedriger. Eine Entscheidung im Rohbau bestimmt hier also über eine, die erst im Ausbau getroffen wird.

Dann die Verfahrensfrage: Welcher Sessel? Seine Tiefe legt den Reihenabstand fest, und seine Liegefunktion legt fest, wie viel Sichtlinienfreiheit zusätzlich einzuplanen ist. Mit der ersten Reihe 3,50 Meter vor der Bildfläche, 1,20 Meter Reihenabstand und der Bildunterkante auf 0,85 Meter ergibt die Formel für die guten 200 Millimeter eine Stufe von rund 39 Zentimetern. Das wäre die Antwort für aufrecht sitzende Gäste — mit zurückgelehnten Lehnen bliebe davon eine Freiheit um 90 Millimeter übrig, und die liegt unter der Grenze des Vertretbaren. Wird der Verlust vorab eingerechnet und mit 300 Millimetern geplant, kommt die Stufe auf rund 52 Zentimeter. Das ist die Zahl, mit der der Trockenbauer arbeiten kann, und sie zieht zwei Folgen nach sich: Der Zugang braucht drei Stufen statt zwei, weil er über 400 Millimeter hinausgeht, und über der hinteren Reihe bleiben von den 2,50 Metern lichter Höhe noch knapp zwei. Beides ist der Preis der tiefen Bildlage, und die wiederum ist der Preis der Raumhöhe.

Zuletzt die Geräte. Der Projektor sieht die Podesthöhe als Projektionswinkel wieder: Je höher die hintere Reihe sitzt, desto weiter muss das Objektiv das Bild versetzen können. Ob das gewählte Gerät den nötigen Versatz optisch schafft, entscheidet der Lens Shift. Reicht er nicht, bleibt die Trapezkorrektur, und die kostet Auflösung — als gleichwertiger Ersatz für den optischen Versatz taugt sie nie.

Verknüpfte Inhalte

Die Gleichung hinter allen Zahlen dieser Seite, mit Herleitung, Eingangsgrößen, Gültigkeitsbereich und Rückrechnung für eine bereits gebaute Stufe, steht bei Podesthöhe aus der Sichtlinienfreiheit.

Die Größe, aus der diese Seite ihre Eingangswerte bezieht — die Augenhöhe im Sitzen und der vertikale Winkelkorridor —, steht bei Bildhöhe und vertikalem Sichtwinkel. Dort ist auch begründet, warum der Korridor der Norm weiter ist als die verbreitete Regel und warum die Haltung im Wohnraum meist enger begrenzt als die Optik.

Wie groß das Bild vom jeweiligen Platz aus wirkt, ist eine andere Größe und heißt Sichtwinkel; sie entscheidet über den Abstand der ersten Reihe mit. Welche Bildgrößen und Sitzabstände AVITECT je Stufe ansetzt und ab wann mehrere Reihen typisch sind, führen die Heimkino-Systemstufen aus.

Auf der Tonseite gehören zwei Einträge dazu: die Sitz-zu-Sitz-Varianz als Maß dafür, wie unterschiedlich der Bass über die Plätze ausfällt, und das DBA als das Verfahren, dessen Aufwand sich nach der AVITECT-Praxisposition erst ab mehreren Reihen rechnet. Wo im Raum der eine gute Platz liegt, wenn man ihn nicht vervielfachen kann, steht beim Sweet Spot.

Quellen

Die Sichtlinienfreiheit mit ihren vier Bewertungsstufen, die Angabe von 1 200 Millimetern als Rechengröße für die Augenhöhe, die fünf Hebel zu ihrer Verbesserung, die Zahlen zu Reihenabstand, Sitztiefen, Stufenaufteilung, Sitzmontage und Liegefunktion sowie die Feststellung, dass versetzte Sitzreihen die Sicht nicht verbessern, stammen aus Rolv Gjestlands Leitfaden für den Kinosaalbau in der Fassung vom Oktober 2019, der für diese Seite im Volltext gelesen wurde. Der Architektur-Teil des Best-Practices-Leitfadens des European Digital Cinema Forum von September 2019 enthält dieselben Angaben; er stammt nach eigenem Vorwort vom selben Autor und ist deshalb keine unabhängige Bestätigung.

Der C-Wert des Stadionbaus mit dem empfohlenen Bereich von 90 bis 120 Millimetern stammt aus der ergänzenden Leitlinie der britischen Sportstätten-Aufsicht von Juli 2022, ebenfalls im Volltext gelesen. Die europäische Norm für Zuschaueranlagen, auf die sie für die Berechnung verweist, lag nicht vor.

Die Zahlen der Beispieltabelle sind mit der Gleichung der Formelseite Podesthöhe aus der Sichtlinienfreiheit gerechnet; dort steht auch die Herleitung aus dem Strahlensatz und der Definition der Sichtlinienfreiheit. Sie deckt sich mit der Stufenformel des Kinoleitfadens und reproduziert dessen qualitative Aussage, dass die Stufenhöhen nach hinten zunehmen und der Zuwachs dabei kleiner wird. Nachrechnen lässt sich alles mit einem Taschenrechner.

Tastaturkürzel