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Sehwinkel am Referenzsitz (Performance Level Bild)
Wie groß muss mein Bild vom Sitzplatz aus wirken — und ab welchem Sehwinkel erreiche ich welche Performance-Level-Stufe?
Diese Kategorie prüft, wie viel von Deinem Blickfeld das Bild einnimmt, wenn Du auf dem Referenzsitz sitzt. Gemessen wird der horizontale Winkel von Bildkante zu Bildkante; was diese Größe geometrisch ist und wie sie aus Bildbreite und Sitzabstand folgt, klärt der Eintrag zum Sichtwinkel. Diese Seite beantwortet die Bewertungsfrage: welche Gradzahl welche Stufe erreicht und warum die Leiter oben ein Ende hat.
Der Referenzsitz ist der eine Platz, für den geplant wird. Wie gut die übrigen Plätze wegkommen, bewertet eine eigene Kategorie und nicht diese. Im Register läuft der Sehwinkel als BIL-FOV.
Wie groß ein Bild wirkt, entscheidet Dein Abstand davor — die Diagonale allein sagt darüber wenig. Dieselbe Leinwand füllt aus der ersten Reihe Dein halbes Blickfeld und wirkt aus acht Metern wie ein kleines Fenster in der Wand. Für Kino gibt es dabei einen Bereich, in dem der Film Dich umfängt, ohne dass Du den Kopf drehen musst, um die Untertitel zu lesen. Diese Seite legt fest, wie weit Du in diesen Bereich hineinkommen musst, um eine bestimmte Stufe zu erreichen — und ab wann ein noch größeres Bild Dir keinen Zugewinn mehr bringt.
Zwei Achsen statt einer Leiter
Sehwinkel und Schärfe sind zwei Bedingungen, die unabhängig voneinander erfüllt sein müssen. Eine einzige Leiter, die Bildgröße und Bildgüte in einem Wert zusammenzieht, verdeckt genau das.
- Achse 1 — Sehwinkel und Immersion. Wie viel Blickfeld nimmt das Bild ein? Diese Achse steht hier auf der Seite.
- Achse 2 — Schärfe. Wie fein ist das Bild in dem Winkel, den es einnimmt, aufgelöst? Gemessen in Pixel pro Grad. Ab L3 sind mindestens 60 gefordert. Wie scharf ein Gerät sein Raster überhaupt abbildet, steht daneben bei Schärfe und Konvergenz.
Die Trennung hat einen praktischen Grund. Wer nur den Winkel bewertet, belohnt jedes zu große Bild aus zu kurzer Entfernung. Wer nur die Schärfe bewertet, belohnt jedes kleine Bild aus großer Entfernung, weil dort die Bildpunkte automatisch dichter beieinanderliegen. Erst beide Werte zusammen beschreiben, was ein Zuschauer sieht.
Die Leiter L1 bis L5
Die Gradzahlen sind auf 4K-Auflösung gerechnet, weil sie im Heimkino der Ausgangspunkt der Planung ist. Gemessen wird der horizontale Winkel des aktiven 16:9-Bildes vom Referenzsitz aus, also von der Augenposition in Sitzhöhe. Maßgeblich ist die tatsächlich genutzte Bildbreite — bei einer maskierten Leinwand die freigegebene, nicht die verbaute. Der Winkel folgt aus Bildbreite und Augenabstand; Maßband oder Laserdistanzmesser reichen dafür aus, und die Geometrie lässt sich auf etwa ein Grad genau bestimmen. Die Stufen liegen mit drei bis zehn Grad Abstand deutlich darüber.
| Stufe | Sehwinkel am Referenzsitz | Schärfebedingung |
|---|---|---|
| L5 | mindestens 50° ◦ (Deckel — mehr wird nicht besser bewertet) | mindestens 60 Bildpunkte je Grad ◦ |
| L4 | mindestens 40° ◦ | mindestens 60 Bildpunkte je Grad ◦ |
| L3 | mindestens 33° ◦ | mindestens 60 Bildpunkte je Grad ◦ |
| L2 | mindestens 28° ◦ | keine Bedingung |
| L1 | weniger als 28° ◦ | — |
◦ Wert wird derzeit geprüft.
Alle vier Gradzahlen sind eine Festlegung von AVITECT und keine Übernahme aus einem Normtext. Daraufhin geprüft und ohne Ertrag geblieben sind die Empfehlung CEB23 in beiden Fassungen und die Richtlinie RP22 von CEDIA und CTA: Eine Quelle, die den Sehwinkel nach Qualität stuft, gibt es bislang nicht.
Die Schärfebedingung rechnet die horizontale Bildpunktzahl des tatsächlich zugespielten Materials gegen den Sehwinkel. Wird sie nicht erfüllt, sinkt die erreichte Stufe um eine. Sie greift damit dort, wo sie soll: bei HD-Material auf großer Fläche. Eine 4K-Vorlage liefert noch bei 64 Grad genug Dichte und läuft nie in die Bedingung.
Scope-Formate gehen nicht in die Wertung ein. Sie dürfen zusätzlich dokumentiert werden; gewertet wird das aktive 16:9-Bild.
Der Deckel bei 50 Grad ist der eigentliche Kern der Leiter. Auf einer 4K-Vorlage bringt ein noch größerer Winkel keinen zusätzlichen Bildinhalt mehr — er verteilt dieselben Bildpunkte auf mehr Blickfeld, und die Struktur des Bildes wird sichtbar, bevor der Eindruck weiter wächst. Ein größeres Bild kauft ab hier keine Stufe mehr.
Als kritisch ist die Kategorie trotzdem nicht eingestuft: Sie kann ein Projekt heben, aber sie kann es nicht allein durchfallen lassen. Mit 14 % steht sie an zweiter Stelle der Bild-Domäne, dicht hinter dem Kontrast. Der Grund liegt im Zuschnitt der Domäne: Neben der Güte des Bildes zählt, wie sehr es Dich einnimmt — und diese zweite Achse, die Immersion, verantwortet der Sehwinkel praktisch allein.
Was die Gradzahlen für den Sitzabstand heißen, zeigt sich am schnellsten an einem Bild von 3 Metern Bildbreite:
| Stufe | Sehwinkel | Sitzabstand bei 3 m Bildbreite |
|---|---|---|
| L5 | 50° | rund 3,2 m |
| L4 | 40° | rund 4,1 m |
| L3 | 33° | rund 5,1 m |
| L2 | 28° | rund 6,0 m |
Die Werte folgen aus der Geometrie und gelten für jede Bildbreite im selben Verhältnis: L5 verlangt knapp den 1,1-fachen, L4 den 1,4-fachen, L3 den 1,7-fachen und L2 den 2,0-fachen Sitzabstand zur Bildbreite. In der Planung ist damit meist der Raum die bindende Größe, denn der Sitzabstand steht durch die Raumtiefe und die Bestuhlung früh fest. Die Stellschraube ist dann die Bildbreite.
Welche Auflösung braucht Dein Sehwinkel
Die Leiter dieser Kategorie bewertet den Winkel. Davon unabhängig steht die Frage, welche Auflösung zu einem gewählten Winkel gehört — je mehr Blickfeld das Bild einnimmt, desto feiner muss es aufgelöst sein, damit seine Struktur unsichtbar bleibt. Das Bulletin CEB23-B, das die amerikanischen Verbände CTA und CEDIA gemeinsam herausgeben, nennt dafür vier Entwurfspaare, die auf einen Bericht der Internationalen Fernmeldeunion zurückgehen:
| Auflösung | Sehwinkel | Sitzabstand |
|---|---|---|
| 7 680 × 4 320 | 96° | 0,75 Bildhöhen |
| 3 840 × 2 160 | 58° | 1,5 Bildhöhen |
| 1 920 × 1 080 | 32° | 3,1 Bildhöhen |
| 1 280 × 720 | 21° | 4,8 Bildhöhen |
Diese Reihe stuft keine Qualität. Sie beantwortet die Planungsfrage in der Gegenrichtung: Wer 58 Grad anstrebt, braucht dafür 4K-Material; wer mit HD zuspielt, ist bei 32 Grad an der Grenze. Auffällig ist die Richtung — hier wächst der empfohlene Winkel mit der Auflösung, während die Leiter dieser Kategorie von der HD-Seite nach unten auf die 4K-Basis gerechnet ist. Dieser Gegensatz ist offen und gehört zu den Punkten, die noch geklärt werden.
Über die Stufen selbst entscheidet CEB23-B nicht: Das Dokument legt keine Qualitätsstufen für den Sehwinkel fest und sieht ihn als Deine Entscheidung. Es verweist dafür auf das Kundengespräch und nennt den bevorzugten Sitzabstand ausdrücklich eine Präferenz. Zum Wert von 58 Grad für 4K schreibt es, dass er in Wohnräumen sehr unüblich ist und den Zuschauer näher an die Bildfläche rückt, als es in der Mehrzahl der Anlagen der Fall ist. Das ist die Denkweise, aus der auch der Deckel bei 50 Grad kommt.
Warum die alte Reihe nicht mehr gilt
Daneben ist eine zweite Reihe im Umlauf: 30, 36, 40 und 43 Grad. Sie ist auf HD-Auflösung gerechnet. Bei 1 920 × 1 080 Bildpunkten ist die Grenze früher erreicht, ab der die Bildstruktur sichtbar wird; entsprechend endet die Reihe schon bei 43 Grad. Woher ihre vier Zahlen im Einzelnen stammen, ist bis heute ungeklärt.
Diese Reihe dokumentiert damit den HD-Fall. Für die Bewertung eines Projekts ist die 4K-Reihe maßgeblich. Wer eine ältere Planungsunterlage mit den Werten 30/36/40/43 in der Hand hält, hat den HD-Stand vor sich.
Wie sicher die Zahlen sind
Dass der Sehwinkel eine eigene Kategorie verdient und mit 14 % zu den schweren der Bild-Domäne gehört, steht fest. Die vier Gradzahlen stehen auf schwächerem Grund: Sie sind eine Festlegung von AVITECT und werden derzeit geprüft. Keine der vier Stufen hängt an einer Norm.
Den Deckel auf L5 stützt eine Einordnung, keine Zahl. CEB23-B nennt für 4K einen Sehwinkel von 58 Grad und schreibt dazu, dieser Wert sei in Wohnräumen sehr unüblich; die EBU-Empfehlung von anderthalb Bildhöhen Sitzabstand käme rechnerisch auf rund 61 Grad, und bei diesem Winkel verlangt übliches Filmmaterial ständiges Kopfwenden. Beides erklärt die Denkweise hinter dem Deckel; die Zahl 50 begründet es nicht.
Diese Einordnung ist inzwischen besser abgesichert. Der 58-Grad-Wert stand bisher in einem Branchenbulletin, das ihn seinerseits aus einem ITU-Bericht zitiert. Die ITU-Empfehlung zum HDR-Fernsehen nennt in ihrer Referenzumgebung dieselbe Geometrie unmittelbar: für 4K einen Prüfabstand von anderthalb bis gut drei Bildhöhen, für 8K von knapp einer bis gut drei. Aus dem jeweils engsten Abstand ergeben sich rund 58 und 96 Grad. Der Wert steht damit in einer Empfehlung und nicht mehr nur in einem Bericht — an der Leiter ändert das nichts, denn auch diese Empfehlung stuft den Sehwinkel nicht nach Qualität.
Die Schwelle von 60 Bildpunkten je Grad steht demgegenüber belegt da. Sie ist die Dichte, die in ITU-R BT.2035 bereits steckt: 1 920 Bildpunkte auf einen Entwurfs-Sehwinkel von 31 Grad sind rund 62 je Grad, und die UHD-Empfehlung trifft dieselbe Größenordnung. Die Fundstelle ist am Originaltext geprüft und stimmt. Aus den ITU-Prüfabständen für 4K und 8K folgen rechnerisch rund 66 und 80 Bildpunkte je Grad; die Schwelle von 60 liegt unter beiden Werten und gerät mit ihnen nicht in Konflikt. Wie fein die Bedingung darüber hinaus gestuft wird, steht noch nicht fest — CEB23-B liegt dazu inzwischen vor und behandelt die Auflösung nur beschreibend, ohne eine einzige Zahl.
Was daraus für die Planung folgt
Die Reihenfolge ist immer dieselbe. Zuerst steht der Sitzabstand, denn er folgt aus der Raumtiefe, der Reihenzahl und der Bestuhlung — und er lässt sich später kaum noch verschieben. Danach ergibt sich die Bildbreite, die für die angestrebte Stufe nötig ist. Erst zum Schluss kommt die Frage, mit welchem Gerät und welcher Leinwand sich diese Breite erreichen lässt. Wer umgekehrt mit einem Wunschgerät anfängt, landet regelmäßig bei einem Bild, das für den Raum zu klein oder zu groß ausfällt.
So lässt sich das planen
Der Winkel steht schon am Plan fest, lange vor dem ersten Messtermin. Zwei Maße genügen dafür: die tatsächlich genutzte Bildbreite und der Abstand vom Auge zur Bildfläche. Daraus folgt
Sehwinkel = 2 · arctan(Bildbreite / (2 · Sitzabstand)).
Bei 3 Metern Bildbreite und 4,1 Metern Sitzabstand ergibt das rund 40 Grad, also L4. Weil beide Eingangsgrößen im Grundriss stehen, gehört diese Kategorie zu den wenigen, deren Stufe sich vor dem Bau zusagen lässt; die Abnahme rechnet später dieselbe Formel mit Maßband und Laserdistanzmesser nach. Auch die Schärfebedingung ist am Plan zu prüfen — die horizontale Bildpunktzahl der geplanten Zuspielung geteilt durch den geplanten Winkel.
Weil beide Maße im Grundriss stehen und keine Schätzung dazwischen liegt, gehört der Sehwinkel zu den leicht planbaren Kategorien. Das hat eine Folge, die sonst kaum eine Bildkategorie hat: Für die Vorhersage gibt es hier keine Obergrenze. Auch L5 lässt sich vor dem Bau zusagen, weil die Abnahme später nichts anderes tut, als dieselben zwei Maße nachzumessen. Ohne Sitzplan oder ohne festgelegte Bildbreite fällt die Zusage allerdings ganz aus — das Profil weist die Kategorie dann als „keine Prognose möglich" aus und benennt, welches der beiden Maße fehlt.
Auch die Abnahme kostet hier fast nichts: Maßband und Laserdistanzmesser genügen, der Nachweis gehört zum Standardumfang und steht bei der Übergabe im Kurzprotokoll. Der Ausweis lautet im Normalfall „geplant", und erst eine beauftragte Abnahme macht daraus „gemessen".
Ein Punkt fällt in der Praxis zusammen mit dieser Kategorie an, gehört aber nicht hierher: Auf welcher Höhe das Bild hängt, entscheidet über den vertikalen Winkel und über die Nackenhaltung — beides steht bei Bildhöhe und vertikaler Sichtwinkel. Und ob die hinteren Plätze überhaupt freie Sicht haben, prüft die Sichtlinienfreiheit.
Verknüpfte Inhalte
Die geometrische Grundlage steht im Eintrag zum Sichtwinkel, die zweite Achse dieser Kategorie bei Schärfe und Konvergenz.
Womit sich die 14 % dieser Kategorie in der Bildnote verrechnen, führt Performance Level: Bild & Licht auf. Warum am Ende ein Profil je Domäne steht und keine Gesamtnote, beantwortet Performance Level.
Quellen
Leiter, Deckel, Gewichtung und die Aufteilung auf zwei Achsen stammen von AVITECT. Sie werden derzeit geprüft. ITU-R BT.2035 und ITU-R BT.2100 sind am Original gelesen, CEB23-B von 2017 ebenfalls und CEB23-A von 2012 am gespiegelten Volltext; die übrigen genannten Dokumente sind es nicht.