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Fortgeschritten

Luftschalldämmung zu Nachbarräumen (Performance Level Akustik)

Wie bewertet AVITECT, wie gut ein Raum den Schall zu den Nachbarräumen im selben Haus zurückhält — und ab welcher Stufe lässt sich abends ohne Rücksicht hören?

Ein Heimkino steht selten allein im Haus. Nebenan liegt ein Schlafzimmer, darüber ein Kinderzimmer, gegenüber das Büro — und was im Kinoraum an Pegel entsteht, kommt dort in Resten an. Wie viel davon der Raum zurückhält, beziffert die Luftschalldämmung, im Register AKU-ISO.

Wie Schalldämmung physikalisch funktioniert — Masse, Entkopplung, Dichtheit — steht im Glossareintrag zur Schalldämmung. Auf dieser Seite steht die Bewertung: was gemessen wird, was die Stufen unterscheidet und wie weit die Leiter fertig ist.

Wenn Du abends einen Film mit ordentlichem Pegel schaust, hört das Zimmer nebenan etwas davon. Wie viel, hängt an den Wänden, Decken und Türen zwischen den Räumen. Diese Bewertung sagt, wie gut Dein Raum dichthält — und damit, ob Du zu jeder Tageszeit hören kannst oder ob Du auf die anderen im Haus Rücksicht nehmen musst.

Was gemessen wird

Gemessen wird die Pegeldifferenz zwischen dem Hörraum und einem angrenzenden Raum: Im Kinoraum steht eine Schallquelle, in beiden Räumen wird der Pegel aufgenommen, und aus der Differenz entsteht — über die Frequenz bewertet und auf eine Einzahl verdichtet — der Kennwert. Je nach Verfahren heißt die Größe R'w (bauteilbezogen, mit Flankenanteil) oder DnT,w (auf die Nachhallzeit des Empfangsraums bezogen). Beide werden in Dezibel angegeben, und höhere Werte bedeuten mehr Dämmung.

Die Leiter führt Rw, das bewertete Schalldämm-Maß des trennenden Bauteils. Der Grund: Der Referenzrahmen, an dem die Stufen hängen, weist seine Isolationsstufen in dieser Größe aus (CEDIA/CTA-RP22 § 8.2, S. 94 f.), und die Leiter bleibt damit in der Größe ihrer Quelle. Gemessen wird trotzdem vor Ort — nach dem üblichen Feldverfahren der ISO 16283-1 als DnT,w, mit allen Nebenwegen im fertigen Zustand: Türen eingebaut, Lüftungsdurchführungen vorhanden.

Zwischen beiden Größen liegt ein Abschlag, den RP22 selbst beziffert: DnT,w liegt in aller Regel 4 bis 6 Dezibel unter Rw (§ 8.1.1, S. 94). AVITECT rechnet mit dem Mittelwert dieser Spanne, also −5 dB, und weist im Bericht beide Zahlen aus — den gemessenen Feldwert und den daraus zurückgerechneten Rw-Wert. Wer im Projekt von den −5 dB abweicht, begründet das im Bericht. R'w bleibt für Bauanträge die maßgebliche Größe, gehört aber nicht in dieselbe Tabelle — die Umrechnung dorthin hängt vom Raumvolumen und der Trennfläche ab und ist noch nicht belegt.

Wichtig für die Bewertung ist in beiden Fällen: Bewertet wird die eingebaute Situation. Eine Wand, die im Labor 60 dB erreicht, liefert im Haus deutlich weniger, sobald Schall über Decke, Boden, Estrich, Türen oder Lüftungskanäle daran vorbeiläuft. Genau diese Flankenwege gehören in die Kategorie hinein, denn sie entscheiden im Ergebnis oft mehr als das Wandblatt selbst.

Eine zweite Abgrenzung betrifft die Richtung. Bewertet wird die Innenwirkung, also die Nachbarräume im selben Gebäude. Was der Raum nach außen abstrahlt und was davon an der Grundstücksgrenze oder beim Nachbarhaus ankommt, ist eine eigene Kategorie in der Outdoor-Domäne des Performance-Level-Systems — andere Messgröße, anderer Rechtsrahmen, andere Maßnahmen. Diese Seite behandelt sie nicht.

Warum das zählt

Der praktische Ertrag dieser Kategorie ist eine Zeitangabe. Ein Raum mit schwacher Dämmung funktioniert am Sonntagnachmittag gut und um 22 Uhr nur noch mit halbem Pegel — die Anlage kann alles, der Raum lässt es nicht zu. Wer ein Heimkino baut, um abends Filme zu schauen, kauft mit dieser Kategorie also die Nutzbarkeit zur eigentlich gewünschten Uhrzeit.

Der zweite Punkt ist der Tiefton. Die Bewertung als Einzahl endet üblicherweise im Bereich um 100 Hz nach unten, und genau darunter arbeitet ein Heimkino am stärksten. Ein Raum kann eine ordentliche Kennzahl erreichen und trotzdem Bass ins Nachbarzimmer schicken, weil tiefe Frequenzen die Bauteile in Schwingung versetzen und diese Schwingung als Körperschall weiterläuft. Was davon über die Bauteile selbst wandert, bewertet die Kategorie zu Trittschall und Entkopplung.

Und der dritte Punkt entscheidet über den Zeitpunkt: Dämmung ist eine Rohbaugröße. Masse, entkoppelte Vorsatzschalen, Schallschutztüren und die Führung der Lüftung wollen Platz und gehören in die Planung, bevor gebaut wird. Nachträglich lässt sich einiges nachholen, aber immer teurer und mit Verlust an Raummaß.

Die Leiter L1 bis L5

Angegeben ist das bewertete Schalldämm-Maß Rw des trennenden Bauteils zum angrenzenden schutzbedürftigen Raum; in Klammern steht der Wert, den dieselbe Stufe im Feldverfahren als DnT,w ergibt.

StufeKriterium
L5mindestens Rw 80 dB (im Feld DnT,w 75 dB) — praktisch Raum-in-Raum-Niveau
L4mindestens Rw 70 dB (im Feld DnT,w 65 dB)
L3mindestens Rw 60 dB (im Feld DnT,w 55 dB)
L2mindestens Rw 52 dB (im Feld DnT,w 47 dB)
L1unter Rw 52 dB oder nicht gemessen

L2 liegt der Größenordnung nach auf dem baurechtlichen Mindestniveau, das die DIN 4109 mit R'w ab 53 dB verlangt; das ist eine andere Messgröße und hier nur als Einordnung genannt. L2 dort anzusetzen hat einen einfachen Grund: Was das Baurecht ohnehin verlangt, ist keine Auszeichnung. Ein Raum auf diesem Stand ist regelkonform gebaut und für ein Heimkino mit Filmpegel trotzdem knapp bemessen.

Alle vier Stufenwerte stehen wörtlich in RP22. Abschnitt 8.2 auf Seite 94 f. führt die vier Isolationsstufen als „typical STC or Rw" mit den Einzelwerten 52, 60, 70 und 80 — dazu einen Standardwert 34 für den gewöhnlichen Wohnungsbau, der unterhalb dieser Leiter liegt. Die Klammerwerte der Tabelle entstehen daraus über den Abschlag von 5 Dezibel, den Abschnitt 8.1.1 auf Seite 94 als Mitte der Spanne 4 bis 6 Dezibel hergibt. Belegt sind damit die Rw-Zahlen; die Festlegung auf genau 5 Dezibel ist eine Setzung von AVITECT und steht als solche im Bericht.

Welcher Referenzrahmen die Stufen setzt, ist eine Entscheidung mit Folgen. Zur Wahl stehen die Schallschutzstufen der VDI 4100 mit 56, 59 und 64 dB und die Isolationsstufen der CEDIA/CTA-RP22, die deutlich höher ansetzen. Diese Leiter folgt der zweiten Linie: Ihre Stufen sind am Primärdokument geprüft, während die VDI-Tabellen hinter einer Bezahlschranke liegen und AVITECT bisher nicht im Volltext vorliegen. Für L3 heißt das 60 dB statt der 56 dB der ersten Schallschutzstufe. Gekauft werden die VDI-Tabellen vorerst nicht — die Leiter wird an eigenen Projekten kalibriert statt an der deutschen Normenkette gegengeprüft.

Als kritische Kategorie führt AVITECT die Luftschalldämmung nicht. Eine schwache Wand schränkt ein, wann Du laut hören kannst, sie macht den Raum nicht unbrauchbar; welche Nutzungszeit eine Wand zulässt, steht deshalb als Klartext im Messbericht statt als Deckel über dem Domänenergebnis. Ihr Gewicht liegt bei 8 von 100 Punkten der Domäne — ein Wert, der noch geprüft wird.

So lässt sich das planen

Die Stufe lässt sich am Bauteilkatalog ablesen, ohne Rechnung. Für die Trennfläche zum schutzbedürftigen Nachbarraum zählt das Schalldämm-Maß Rw des schwächsten Bauteils — eine Tür mit Rw 32 dB deckelt eine Wand mit Rw 60 dB, gleich wie gut die Wand gemauert ist. Die Werte stammen aus dem Bauteilkatalog der DIN 4109 oder aus dem Prüfzeugnis des Herstellers, und die Leiter liest sie unmittelbar ab. Ein Abschlag gehört dazu: Über die Flanken — Decke, Boden, anschließende Wände — gehen im Feld typisch 2 bis 5 dB verloren; die Umrechnung auf den Feldwert mit −5 dB steht schon in der Tabelle.

Weil der Wert im Katalog steht, ist die Kategorie leicht planbar, und die Prognose darf jede Stufe ausweisen, auch L5 für einen Raum-in-Raum-Aufbau. Gemessen wird sie dagegen schwer: Die Abnahme verlangt eine Sendeseite im Kino und eine Empfangsseite im Nachbarraum, also Zugang zu beiden Räumen und einen Termin, an dem beide still sind. Deshalb steht der Nachweis als Einzelposition im Angebot und in keinem Messpaket. Im Regelfall bleibt die Luftschalldämmung ein geplantes Level — „L3 (geplant)" für eine Vorsatzschale mit Rw 60 dB — und wird nur dann zum gemessenen, wenn Du die Messung im Nachbarraum beauftragst. Liegt für einen Aufbau kein Prüfzeugnis vor, steht die Kategorie auf n/p — mit dem Namen des Bauteils, dessen Zeugnis fehlt.

Wie sicher die Zahlen sind

Alle fünf Stufen haben einen Wert, keine ist fortgeschrieben — in der Akustik-Domäne ist das die Ausnahme. L2 bis L5 gehen auf die Isolationsstufen der CEDIA/CTA-RP22 zurück, nachgelesen in Abschnitt 8.2 auf Seite 94 f. der Fassung 1.2. Sie stehen mittlerweile in derselben Messgröße wie dort, in Rw, und stimmen damit Zahl für Zahl mit dem Dokument überein. Was noch gesetzt und nicht belegt ist, ist der Umrechnungsschritt zum Feldwert: RP22 gibt eine Spanne von 4 bis 6 Dezibel an, AVITECT rechnet mit ihrer Mitte. Für L2 kommt der baurechtliche Mindestwert der DIN 4109 als zweiter Anhaltspunkt dazu, wenn auch wieder in einer anderen Messgröße.

Die Wahl zwischen den beiden Referenzrahmen ist eine Entscheidung von AVITECT und kein belegter Wert. Sie hat für Kunden eine spürbare Folge: Derselbe Raum landet je nach Rahmen auf verschiedenen Stufen, und wer eine Zahl aus einem Schallschutznachweis mitbringt, kann sie nicht ohne Weiteres in diese Leiter übertragen.

Was die Leiter unterhalb von 100 Hz aussagt, ist wenig — die bewertete Einzahl endet dort. Genau darunter arbeitet ein Heimkino am stärksten, und deshalb bewertet die Kategorie zu Trittschall und Entkopplung diesen Bereich getrennt.

Verknüpfte Inhalte

Wie Schalldämmung physikalisch funktioniert und warum Masse, Entkopplung und Dichtheit zusammen gehören, erklärt der Glossareintrag zur Schalldämmung. Welchen Anteil die Dämmung am Akustik-Ergebnis hat und welche Kennwerte daneben zählen, führt Performance Level Akustik auf. Wofür das Bewertungssystem insgesamt gebaut ist und wo seine Grenzen liegen, erklärt Performance Level.

Quellen

Stufenwerte und Gewicht stammen von AVITECT. Sie werden derzeit geprüft. Die Isolationsstufen hinter L2 bis L5 sind am Primärdokument gelesen — CEDIA/CTA-RP22 v1.2, Abschnitt 8.2 auf Seite 94 f. für die Rw-Werte und Abschnitt 8.1.1 auf Seite 94 für den Abschlag zum Feldwert. DIN 4109 und VDI 4100 sind für diese Seite nicht eingesehen worden.

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