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Fortgeschritten

Farbraumabdeckung (Performance Level Bild)

Wie viel Prozent eines Farbraums muss ein Projektor oder Display abdecken — und warum zählt diese Zahl in der Bild-Domäne so wenig?

Diese Kategorie beantwortet eine einzige Frage: Wie groß ist der Bereich an Farben, den ein Gerät überhaupt erzeugen kann, gemessen an einem vereinbarten Bezugsraum? Was ein Farbraum ist und wie sich BT.709, DCI-P3 und BT.2020 unterscheiden, klärt der Glossareintrag. Hier steht, wie AVITECT die Abdeckung bewertet — und warum sie das im Vergleich zu anderen Bild-Kennwerten zurückhaltend tut.

Im Register läuft die Kategorie unter dem Kürzel BIL-FARB-R und ist dort ausdrücklich als Proxy geführt. Sie misst etwas, das mit Bildqualität zusammenhängt, ohne sie selbst zu sein: Ein Gerät kann einen weiten Farbraum aufspannen und die Farben darin trotzdem falsch treffen.

Stell Dir einen Malkasten vor. Die Farbraumabdeckung sagt Dir, wie viele Farben er enthält — sie sagt Dir nichts darüber, ob der Maler die richtige davon auswählt. Ein großer Malkasten ist erst dann etwas wert, wenn jemand ihn beherrscht. Genau deshalb zählt diese Angabe im AVITECT-Bewertungssystem weniger als fast alles andere am Bild, obwohl sie in Prospekten oft ganz vorne steht.

Warum das Gewicht so niedrig liegt

Mit einem Gewicht von 4 steht diese Kategorie am unteren Ende der Bild-Domäne, gleichauf mit der Schärfe und Konvergenz und weit hinter dem Raumkontrast mit seinen 15 Punkten. Ob es bei den vier Punkten bleibt, klärt sich erst mit der Kalibrierung. Der Grund für den niedrigen Rang lässt sich in einem Satz sagen: Eine große Abdeckung ist eine Voraussetzung und kein Ergebnis.

Drei Beobachtungen aus der Praxis stützen das. Erstens nutzt kaum ein Filmmaterial die Grenzen eines weiten Farbraums wirklich aus — die allermeisten Bildinhalte liegen im gesättigten Randbereich gar nicht. Zweitens erkaufen sich manche Geräte ihre Abdeckung mit einem Filter, der Licht kostet; die gewonnenen Farben stehen dann einem dunkleren Bild gegenüber, und Helligkeit wiegt in der Bewertung deutlich schwerer. Drittens sagt eine Flächenangabe nichts darüber, ob das Gerät auch genug Helligkeit in die gesättigten Farben bringt — dafür gibt es die Farbhelligkeit als eigene Größe.

Was gemessen wird

Gemessen werden die Primärfarben und der Weißpunkt des Geräts spektral; daraus rechnet die Auswertesoftware die Abdeckung gegen BT.709, DCI-P3 und BT.2020 aus. Bezugsraum für die Wertung ist DCI-P3, der Kinofarbraum. Nach unten sichert BT.709 die Leiter ab: Der Fernsehfarbraum deckt den Fall des ordentlichen Fernsehers ohne weiten Farbraum. Der BT.2020-Anteil wird dokumentiert, bestimmt aber keine Stufe.

Gerechnet wird die Abdeckung als Fläche im CIE-1976-u'v'-Diagramm. Das dreidimensionale Farbvolumen, das die Helligkeit mit einbezieht, wird zusätzlich ausgewiesen, bestimmt aber keine Stufe: Beide Rechenarten sind gebräuchlich und liefern für dasselbe Gerät deutlich verschiedene Prozentwerte, und eine Stufe soll nicht davon abhängen, welche davon jemand wählt. Welches Programm die Fläche berechnet, gehört trotzdem ins Protokoll — verschiedene Programme liegen für dasselbe Gerät um ein bis drei Prozentpunkte auseinander, im ungünstigen Fall also um genau den Abstand, der L4 von L5 trennt.

Die Eckpunkte des DCI-P3-Dreiecks selbst sind normiert und zweifach belegt: Rot x 0,68 / y 0,32, Grün x 0,265 / y 0,69, Blau x 0,15 / y 0,06, übereinstimmend in SMPTE RP 431-2 § 7.8 und SMPTE ST 2113 § 5.1. Beide Normen setzen dieselben Primärvalenzen — der Unterschied liegt im Weißpunkt, und der hängt vom Ausspielweg ab. Für die Projektion gilt der Kino-Weißpunkt P3DCI (x 0,314 / y 0,351, RP 431-2 § 7.3 und ST 2113 § 6.4). Ein Display, das „P3" oder „Display P3" angibt, meint praktisch immer die Fernseh-Variante P3D65 mit dem D65-Weißpunkt (x 0,3127 / y 0,3290, ST 2113 § 6.2). Die Primärvalenzen-Dreiecke sind identisch, die Normierung der Abdeckungsberechnung über den Weißpunkt nicht — eine Abdeckungsmessung an einem Fernseher rechnet gegen P3D65, eine Messung im Kinosaal gegen P3DCI. Welche Variante gemeint ist, gehört ins Protokoll.

Läuft eine Anlage rein im normalen Kontrastumfang, sind die P3-Anforderungen strukturell nicht anwendbar; die Leiter läuft dann über die volle BT.709-Abdeckung.

Prospekte werben inzwischen häufig mit einem BT.2020-Prozentwert, und die Zahl klingt nach dem strengeren Maßstab. Als Leitergröße taugt sie trotzdem nicht: Werte um 90 Prozent BT.2020 liegen mit heutiger Gerätetechnik außer Reichweite, und eine unerreichbare Stufe deckelt jedes Projekt auf L4, ohne etwas über das Projekt zu sagen. Deshalb wird der BT.2020-Anteil hier dokumentiert und nicht bewertet.

Die Leiter L1 bis L5

StufeAnforderung
L5DCI-P3 mindestens 98 % ◦, Berechnungsweg eingefroren, BT.2020-Anteil dokumentiert und eine Wiederholungsmessung als Alterungsnachweis
L4DCI-P3 mindestens 95 % ◦
L3DCI-P3 mindestens 90 % ◦; bei reinem Weg im normalen Kontrastumfang BT.709 mindestens 99 % ◦
L2BT.709 mindestens 95 % ◦
L1BT.709 unter 95 % ◦, oder Bezugsraum und Berechnungsweg sind nicht dokumentiert

◦ Wert wird derzeit geprüft.

Die Bedingungen auf L5 sind keine Formalie. Weil zwischen L4 und L5 nur drei Prozentpunkte liegen und die Auswertesoftware allein schon bis zu drei Prozentpunkte Unterschied macht, hängt die oberste Stufe am festgehaltenen Berechnungsweg. Die Wiederholungsmessung kommt hinzu, weil Lichtquellen über die Betriebsstunden altern und mit ihnen der aufgespannte Farbraum schrumpfen kann.

Wie sicher die Zahlen sind

Am sichersten ist an dieser Kategorie die Einschätzung ihrer Bedeutung: niedriges Gewicht, keine Einstufung als kritisch, die Rolle als Proxy — daran gibt es keinen Zweifel.

An Normen hängen die Farbraumdefinitionen selbst: ITU-R BT.709 und BT.2020 sind veröffentlicht und eindeutig, die DCI-P3-Primärvalenzen stehen jetzt zweifach belegt in SMPTE RP 431-2 § 7.8 und SMPTE ST 2113 § 5.1 — beide am Original gelesen. Die Prozentschwellen darüber sind es nicht: Sie stammen aus der Zertifizierungspraxis der Branche und stehen sämtlich unter Prüfung. Die Werte 90 und 95 Prozent für L3 und L4 sind dort gleich zweifach zu finden.

Für L5 gilt 98 Prozent. Ein Prozentpunkt mehr oder weniger liegt ohnehin unter der Streuung der Auswertesoftware und würde die Stufe nicht trennen.

Bezugsraum und Streichung des BT.2020-Ziels sind ebenfalls noch nicht abschließend geklärt. Sie ändern sich, sobald die Gerätetechnik den oberen Bereich anders ausfüllt als heute.

Was daraus für die Planung folgt

Die praktische Konsequenz ist unbequemer, als die niedrige Gewichtung vermuten lässt: Die Farbraumabdeckung gehört zu den wenigen Bild-Kennwerten, die sich nachträglich gar nicht verbessern lassen. Sie steckt in der Lichtquelle und im Farbfilter des Geräts. Kalibrierung kann den Raum verkleinern, um genauer zu werden, aber niemals vergrößern.

Damit fällt die Entscheidung bei der Gerätewahl, und sie fällt als Abwägung. Ein Filterrad, das die Abdeckung erhöht, kostet Lichtleistung, und Lichtleistung zahlt auf schwerer gewichtete Kategorien ein. Wer zwischen zwei Geräten steht, gewinnt in dieser Bewertung mehr durch das hellere Gerät als durch das mit dem weiteren Farbraum — solange das hellere die Grundabdeckung des Quellmaterials erreicht.

So lässt sich das planen

Diese Kategorie hat den kürzesten Planungsweg im ganzen Bildbereich: Der Prozentwert für die DCI-P3-Abdeckung steht im Datenblatt und geht unverändert auf die Leiter. Kein Raummaß, keine Umrechnung, keine Abhängigkeit von einer Nachbarkategorie.

Genau deshalb steht hier trotzdem eine Obergrenze bei L4, obwohl die Kategorie als leicht planbar gilt. Unsicher ist die Ablesung nicht, unsicher ist die abgelesene Zahl: Die Hersteller sagen selten dazu, nach welchem Verfahren sie die Fläche im Farbdiagramm berechnet haben, und zwischen zwei gebräuchlichen Verfahren liegen ein bis drei Prozentpunkte. Ein Datenblattwert von 95 Prozent kann nach anderer Rechnung 92 Prozent sein — und diese Differenz kostet eine Stufe. Nennt das Datenblatt gar keinen Abdeckungswert, bleibt die Kategorie im Profil ohne Stufe, mit Verweis auf die fehlende Angabe.

Auflösen lässt sich der Vorbehalt allein durch eine eigene Messung der Grundfarben, und die verlangt ein Spektroradiometer. Sie wird als einzelne Position kalkuliert und nicht zusammen mit der übrigen Bild-Domäne. Geplant ist der Normalfall dieser Angabe, gemessen die Ausnahme auf Bestellung.

Verknüpfte Inhalte

Die Grundlagen zu BT.709, DCI-P3 und BT.2020 stehen im Eintrag zum Farbraum. Ob die Farben innerhalb dieser Grenzen auch getroffen werden, bewertet die Farbgenauigkeit; wie viel Licht in den gesättigten Farben ankommt, klärt die Farbhelligkeit.

Wo die vier Punkte dieser Kategorie in der Bildwertung stehen, steht auf Performance Level: Bild & Licht. Warum eine Voraussetzung überhaupt eine eigene Leiter bekommt und wie die Gewichte zueinander stehen, behandelt Performance Level.

Quellen

Gewicht, Einordnung als Proxy und Leiterwerte stammen von AVITECT. Sie werden derzeit geprüft. Die DCI-P3-Primärvalenzen sind durch SMPTE RP 431-2 und SMPTE ST 2113 am Original belegt; die Prozentschwellen darüber und die Zertifizierungsvorgaben, aus denen sie stammen, sind für diese Seite nicht am Original nachgeschlagen.

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