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UD Waveguide II — Uniform Dispersion Waveguide II
Was macht die Schallführung vor der C-CAM-Kalotte von Monitor Audio, und was hat sich in der zweiten Ausführung geändert?
Vor der Metallkalotte der Monitor-Audio-Serien Bronze und Silver sitzt eine flache Mulde. Uniform Dispersion Waveguide heißt sie, und ihre Aufgabe steckt im Namen: gleichmäßige Abstrahlung. Sie ist kein Horn — sie soll dem Treiber keine höhere Last anbieten, sondern steuern, in welchen Winkel er welche Frequenz abgibt. Die Unterscheidung zwischen diesen beiden Bauaufgaben ist keine Wortklauberei und im Eintrag Horn und Waveguide ausgeführt.
Hohe Töne gehen von einem Lautsprecher nach vorn wie ein Lichtkegel, tiefere breiten sich in alle Richtungen aus. Sitzt Du seitlich, fehlt Dir deshalb ein Teil der Höhen. Die Mulde vor dem Hochtöner soll diesen Unterschied kleiner machen: Sie hält die höchsten Töne etwas breiter zusammen und die tieferen etwas enger. Für Dich heißt das, dass der Klang sich nicht so stark ändert, wenn Du nicht genau in der Mitte sitzt.
Was eine Schallführung an dieser Stelle leisten soll
Am Übergang zwischen Mitteltöner und Hochtöner treffen zwei Bündelungsverläufe aufeinander: Der große Mitteltöner bündelt an seiner oberen Grenze schon kräftig, die kleine Kalotte strahlt an ihrer unteren Grenze noch nahezu rund ab. Das Bündelungsmaß springt dort, und warum das im Raum hörbar wird, obwohl auf Achse nichts davon zu messen ist, führen die beiden Glossareinträge zu Horn und Waveguide und zum Bündelungsmaß aus.
Für diese Seite zählt die Folge daraus: Eine Schallführung verengt die Abstrahlung des Hochtöners im unteren Teil seines Bereichs und gleicht sie damit dem Mitteltöner an. Der Pegelgewinn auf Achse, der dabei abfällt, erlaubt eine tiefere Trennung — was den Sprung ein zweites Mal verkleinert, weil der Mitteltöner dann nicht mehr bis in seinen am stärksten bündelnden Bereich hinauf arbeiten muss.
Die drei Aufgaben, die Monitor Audio nennt
Der Produktleitfaden zur Silver Series 7G formuliert es in drei Punkten, und sie decken sich mit der allgemeinen Auslegung:
- Gleichmäßige Abstrahlcharakteristik.
- Verbesserte Zeitrichtigkeit, sodass die Wellenfronten von Hochtöner und Treibern den Hörer gleichzeitig erreichen.
- Eine tiefere Trennfrequenz und dadurch breitere Richtwirkung.
Der zweite Punkt verdient eine Einordnung. Eine Mulde vor dem Hochtöner setzt dessen Schallentstehungsort etwas nach hinten und verringert damit den Versatz zum tiefer liegenden Mitteltöner. Das ist ein realer, wenn auch kleiner Effekt — die eigentliche Zeitrichtigkeit stellt die Frequenzweiche her, und die hat Monitor Audio für dieselbe Serie ebenfalls neu ausgelegt. Die Schallführung allein leistet das nicht.
Was in der zweiten Ausführung dazukam
Ein Kompressionsring. Über Sicke und Kalotte sitzt ein zusätzlicher Ring, der nach Herstellerangabe die Empfindlichkeit des Hochtöners oberhalb von 10 kHz anhebt. Der Gewinn soll den Frequenzgang glätten und zugleich die Verzerrung senken — das Bauteil nimmt an der obersten Oktave Arbeit ab, die der Wandler sonst über mehr Hub leisten müsste.
Eine daran angepasste Geometrie. Die Kontur der Mulde ist auf den neuen Ring hin überarbeitet. Als Ergebnis nennt Monitor Audio eine geringere Verzerrung über den ganzen Arbeitsbereich, verglichen mit Silver 6G und Bronze 6G.
Ein Gitter, das nicht dazwischenfunkt. Das sechseckig perforierte Abdeckgitter ist ausdrücklich so ausgelegt, dass es die Funktion der Schallführung nicht stört. Das ist der praktisch unterschätzte Teil: Ein Gitter unmittelbar vor einer Schallführung kann deren Wirkung zunichte machen, wenn seine Struktur zu grob sitzt.
Eine belüftete Sicke. Die Rückseite der Sicke ist um die Magnetstruktur herum zur Hauptkammer hin geöffnet, damit sich dort keine Energie aufstaut.
Was belegt ist — und was nicht
Alle vier Punkte oben sind am Herstellerdokument belegt, mit Schnittzeichnung. Belegt ist damit der Aufbau.
Nicht belegt ist die Wirkung. Monitor Audio nennt für den UD Waveguide II keinen Abstrahlwinkel, keine Grad-Angabe über der Frequenz, kein Bündelungsmaß und keinen Verzerrungswert — sondern durchgehend Vergleiche gegen die eigenen Vorgängerserien in der Form „geringer als bei". Eine solche Aussage lässt sich weder nachrechnen noch mit den Angaben anderer Hersteller vergleichen.
Wo der UD Waveguide sitzt
| Serie | Ausführung |
|---|---|
| Silver Series 7G | UD Waveguide II vor der 25-mm-C-CAM-Goldkalotte, alle Modelle |
| Bronze Series 7G | UD Waveguide II, dieselbe Hochtönerarchitektur |
| Creator Series, Stufe 2 | UD Waveguide II vor der C-CAM-Kalotte |
| Creator Series, Stufe 3 | UD Waveguide II an der Koaxialeinheit des Deckenmodells |
| Creator Series, Stufe 1 | erste Ausführung des UD Waveguide |
Aus der Tabelle folgt ein Beratungspunkt, den die Preisstaffel verdeckt: Bronze und Silver teilen sich die Hochtönerarchitektur. Was die beiden Serien im Hochton unterscheidet, ist nach heutigem Belegstand nicht der Wandler und nicht die Schallführung. Wer den Unterschied zwischen ihnen begründen will, argumentiert über Membranprägung, Modellumfang und Gehäuse — nicht über den Hochtöner.
Abgrenzung
Gegen das Horn. Ein Horn lädt den Treiber akustisch an und hebt den Wirkungsgrad um Größenordnungen; dafür braucht es Mundfläche und eine passende Öffnungsrate. Diese Mulde ist wenige Zentimeter tief und verfolgt das nicht.
Gegen den MPD III. Auch der gefaltete Hochtöner der oberen Serien sitzt in einer Schallführung, aber in einer eigenen — und er löst das Bündelungsproblem zusätzlich über die Form seiner Abstrahlfläche. Zwei Wege zum selben Ziel, nicht zwei Stufen desselben Wegs.
Gegen das Koaxialchassis. Andere Hersteller setzen den Hochtöner in den Mitteltöner hinein und machen dessen Membran zur Schallführung. Das löst den Bündelungssprung an der Wurzel und handelt sich dafür andere Nachteile ein — Monitor Audio führt genau diese Nachteile als Begründung für den eigenen Weg an, nachzulesen beim M-Array.
Grenzen
Eine Schallführung verkleinert den Sprung, sie beseitigt ihn nicht. Solange Hoch- und Mitteltöner verschieden groß sind und übereinander sitzen, bleibt ein Rest.
Beugung an der Schallwandkante wirkt weiter. Was am Gehäuserand passiert, liegt außerhalb der Reichweite dieser Mulde; dazu gehören der Baffle Step und die Beugung an Kanten und Ecken.
Ohne Zahlen bleibt der Nutzen unprüfbar. Für die Beratung heißt das: Die Schallführung ist ein Konstruktionsmerkmal, über das sich sinnvoll sprechen lässt — aber kein Argument, das sich beziffern ließe.
Verknüpfte Inhalte
Der Unterschied zwischen akustischer Ankopplung und Richtwirkungssteuerung steht unter Horn und Waveguide, das Maß dafür unter Bündelungsmaß. Warum die Kante der Schallwand mitspielt, führen Baffle Step und Beugung aus. Der andere Hochtönerweg desselben Hauses steht unter MPD III, die Membranen dahinter unter RST II.
Quellen
Aufbau, Kompressionsring, Gitterauslegung, belüftete Sicke und die drei zugeschriebenen Wirkungen stammen aus dem Produktleitfaden des Herstellers zur Silver Series 7G, samt Schnittzeichnung am Objekt gelesen. Die Ankündigung über die Fachpresse bestätigt die Einführung mit der siebten Generation. Die Einsatzorte außerhalb der Silver-Serie sind über die Serienseiten im Bestand mit Belegstand 6. August 2026 erfasst. Sämtliche Wirkungsaussagen sind Herstellerangaben ohne Zahlenwert; eine unabhängige Messung liegt nicht vor.