Inhalt anzeigen
- Tiefe
- Performance
M-Array — die ringförmige Treiberanordnung der Hyphn
Wie funktioniert die M-Array-Anordnung der Monitor Audio Hyphn, und wie nah kommt sie einer echten Punktschallquelle?
Ein Lautsprecher mit getrennten Treibern hat ein Problem, das er nicht loswird: Hochton und Mittelton entstehen an verschiedenen Orten. In der Hyphn löst Monitor Audio das anders als üblich — der MPD-III-Hochtöner sitzt in der Mitte, und sechs kleine Mitteltöner stehen ringförmig um ihn herum auf derselben ebenen Fläche. Die Anordnung heißt M-Array und ist bisher das einzige Modell des Hauses, in dem sie steckt.
Steht ein Sänger auf der Bühne, kommt seine Stimme von einer Stelle — nicht die hellen Anteile von oben und die dunklen von unten. Ein Lautsprecher hat dafür meist mehrere Treiber übereinander, und je nach Sitzhöhe passt deren Zusammenspiel unterschiedlich gut. Hier sitzt der Hochtöner in der Mitte und ist von kleinen Mitteltönern umringt, sodass beides vom selben Fleck zu kommen scheint. Für Dich soll das heißen, dass die Abbildung sich weniger ändert, wenn Du Dich bewegst.
Warum die Anordnung überhaupt ein Thema ist
Sitzen Hoch- und Mitteltöner übereinander, überlagern sich ihre Beiträge im Übergangsbereich mit einem Laufzeitunterschied, der vom Winkel abhängt. Auf Achse kann das sauber addieren, ein Stück darüber oder darunter nicht mehr — es entsteht eine Auslöschung, die mit der Sitzhöhe wandert. Je größer der Abstand zwischen den Treibern und je tiefer die Trennung, desto ausgeprägter der Effekt.
Der bekannteste Ausweg ist das Koaxialchassis: Der Hochtöner sitzt in der Mitte des Mitteltöners, beide strahlen aus derselben Achse ab. Der Preis dafür ist ebenso bekannt — die Mitteltonmembran bildet zugleich die Schallführung des Hochtöners, und sie steht dabei nicht still.
Der Aufbau
Je Lautsprecher arbeiten elf Treiber. In der vorderen Einheit, die zwischen den beiden Gehäusesäulen sitzt, ein MPD-III-Hochtöner, umgeben von sechs Mitteltönern mit 50 mm Membrandurchmesser in RDT-III-Bauweise. In den beiden Säulen je zwei Basstreiber mit 200 mm, nach innen gerichtet und paarweise gegeneinander arbeitend, sodass sich ihre Rückstoßkräfte aufheben. Getrennt wird bei 350 Hz und 3,7 kHz.
Die sechs kleinen Mitteltöner ergeben zusammen etwas mehr Fläche als der eine 102-mm-Mitteltöner der Platinum Series 3G. Der Gewinn liegt nicht in der Fläche, sondern in der Größe der einzelnen Membran: Ein kleiner Durchmesser bündelt später und bricht später auf, was Bandbreite nach oben und Spielraum bei der Weichenauslegung schafft.
Warum kein Koaxialchassis
Monitor Audio begründet den eigenen Weg mit einem Einwand gegen die Koaxialbauweise: Bei einem klassischen Doppelkonus-Koaxialtreiber verändert die Auslenkung der Mitteltonmembran fortwährend die Schallführung des Hochtöners, und daraus entstehe Intermodulation. Beim M-Array liege der Waveguide des Hochtöners fest, und die Mitteltöner bildeten um ihn herum eine ebene Schallwand — ohne zusätzliche Intermodulation, und der Mitteltöner könne seinen vollen Bereich nutzen.
Der Einwand ist sachlich nachvollziehbar und beschreibt einen realen Mechanismus. Er ist zugleich eine Herstellerposition, und die Gegenseite hat ihre eigenen Argumente — ein Koaxialchassis liefert eine echte koinzidente Quelle, das M-Array nicht.
Was der Laborbericht dazu sagt
Paul Miller hat die Anordnung für Hi-Fi News gemessen und eingeordnet. Seine Einschätzung fällt differenziert aus, und genau das macht sie brauchbar.
Keine koinzidente Quelle, aber eine gleichmäßige. Das M-Array sei kein Einpunkt-Array wie ein Koaxialchassis. Die Symmetrie der Anordnung sorge jedoch für gleichbleibende Abstrahlung in der Horizontalen wie in der Vertikalen — und darauf kommt es beim Sitzplatz an.
Der Bass hängt hinterher, und das ist unkritisch. Die Schallzentren der vier Basstreiber liegen im Zwischenraum der beiden Säulen, ein Stück hinter der Ebene des M-Array. Unterhalb der Trennung bei 350 Hz sind die Wellenlängen jedoch lang und die Abstrahlung zunehmend kugelförmig, sodass das wirksame Schallzentrum der vier Treiber der Ebene des M-Array nahe genug kommt.
Die Messwerte.
| Größe | Messwert |
|---|---|
| Frequenzgangfehler | ±2,2 dB und ±2,4 dB (200 Hz bis 20 kHz) |
| Kanalgleichheit des Paars | 0,7 dB |
| Kennschalldruck | 86,5 dB (1 kHz, 2,83 V, 1 m) |
| Impedanzminimum | 3,61 Ohm bei 2,1 kHz |
| Tiefgang | 26 Hz (−6 dB bezogen auf 200 Hz) |
| Klirr bei 100 Hz, 1 kHz und 10 kHz | 0,25, 0,18 und 0,60 Prozent |
Die Paargleichheit von 0,7 dB ist der interessanteste Wert. Bei elf Treibern je Box und zweiundzwanzig im Paar so eng beieinander zu bleiben, ist ein Fertigungsergebnis und keine Konstruktionsidee — es zeigt, dass die Anordnung serienreif beherrscht wird.
Nicht spurlos bleibt die Konstruktion: Der Laborbericht nennt eine deutliche Überhöhung bei 2,8 kHz, die einer Eigenresonanz zugeordnet wird, und einen schwächeren Aufbruch bei etwa 10 kHz.
Wo M-Array sitzt
Bisher in genau einem Modell, der Hyphn. Nach Angabe des technischen Leiters von Monitor Audio arbeitet das Haus daran, die Fertigungskosten zu senken, um die Anordnung in andere Serien zu übernehmen; die Bauteile — Mittelton-Pod, Mittelton-Flügel, rückwärtige Kammer sowie Mittelton- und Basstreiberchassis — entstehen aus Aluminiumguss und sind spanend nachbearbeitet.
Abgrenzung
Gegen das Koaxialchassis. Dort entsteht eine echte koinzidente Quelle, hier eine Annäherung über Symmetrie. Die Nachteile verteilen sich umgekehrt: Intermodulation dort, ein Restversatz hier.
Gegen die konventionelle Anordnung übereinander. Die bleibt bei Monitor Audio in allen anderen Serien die Regel, auch in der Platinum Series 3G. Das M-Array ist kein Serienstandard, sondern ein Einzelfallaufwand.
Gegen die Bassanordnung. Die kraftkompensierenden Basstreiberpaare sind eine eigene Konstruktionsentscheidung, kein Teil des M-Array — sie lösen ein Gehäuseproblem und kein Abstrahlproblem.
Gegen den Line-Array-Gedanken. Sechs Mitteltöner in einer Reihe wären eine Zeile mit ganz anderem Abstrahlverhalten. Der Ring ist das Gegenteil davon: Er soll gerade keine Vorzugsrichtung ausbilden.
Grenzen
Die Anordnung ist an ein einziges Modell gebunden. Wer sie will, kauft die Hyphn, und die ist als Zweikanal-Lautsprecher ausgelegt. Center und Surroundmodelle gibt es nicht.
Sechs Mitteltöner sind sechs Quellen. Oberhalb einer bestimmten Frequenz sind ihre Abstände nicht mehr klein gegen die Wellenlänge, und dann tragen sie nicht mehr wie eine Quelle bei. Die Trennung bei 3,7 kHz begrenzt das nach oben; wie weit die Gleichmäßigkeit außerhalb der gemessenen Achse reicht, ist nicht dokumentiert.
Die Überhöhung bei 2,8 kHz liegt im empfindlichsten Bereich des Gehörs. Der Laborbericht ordnet sie als Eigenresonanz ein und beurteilt sie im Gesamtbild als gutartig. Sie bleibt trotzdem der Punkt, an dem eine sonst sehr gleichmäßige Messung eine Auffälligkeit zeigt.
Verknüpfte Inhalte
Die Treiber, aus denen die Anordnung besteht, stehen unter MPD III und RDT III; das Modell selbst unter Monitor Audio Hyphn. Warum die Bündelung am Übergang über den Raumeindruck entscheidet, führt Bündelungsmaß aus, und was zwischen zwei Quellen entsteht, die dasselbe abgeben, der Kammfiltereffekt.
Quellen
Aufbau, Trennfrequenzen und Treibergrößen sind doppelt belegt: über die Herstellerankündigung und über den Testbericht von Hi-Fi News. Die Einordnung gegenüber Koaxialchassis und die Aussage zur Lage der Basstreiber-Schallzentren stammen aus dem Kasten „Point Source" desselben Berichts, die Messwerte aus dessen Laborteil. Der Einwand gegen die Koaxialbauweise und die Absicht, die Anordnung in weitere Serien zu übernehmen, sind Aussagen des Herstellers, im Bericht zitiert.