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Einleitung

Der Altitude 32 dekodiert Dolby Atmos mit bis zu 34 Kanälen, DTS:X Pro bis 30.2 und Auro-3D bis 13.1 und korrigiert den Raum mit dem Trinnov Optimizer. Neben analogen hat er digitale AES/EBU-Ausgänge auf DB25-Buchsen, an die aktive Lautsprecher oder externe Wandler direkt angeschlossen werden.

Es gibt ihn in vier Ausbaustufen mit 8 bis 32 analogen und 8 oder 16 digitalen Ausgängen. Rechne für jeden Lautsprecher und Subwoofer einen Ausgang: Ein Kino mit 9.4.6 braucht 19 analoge Ausgänge und damit die Stufe mit 24. Eine kleinere Stufe lässt sich später aufrüsten, mehr als 32 analoge Ausgänge liefert die Erweiterung Altitude 48ext.

Er ist 3,5 Höheneinheiten hoch, 14,5 kg schwer und aktiv gekühlt. Zur Einmessung bringen wir das Messmikrofon mit, es gehört nicht zum Lieferumfang.

Die Highlights des Altitude 32 im Überblick

  • Einmessung

    Trinnov Optimizer

  • Tonformate

    • Dolby Atmos
    • DTS:X Pro
    • Auro-3D
    • Dolby TrueHD
    • DTS-HD Master Audio
    • Dolby Digital
    • Dolby Digital Plus
    • DTS Digital Surround
    • Multichannel PCM
  • Gehäuse

    B × H × T

    442 mm165 mm445 mm

    Gewicht 14,5 kg

Technologien im Altitude 32

Was in den technischen Daten steckt — auf unseren Wissensseiten erklärt und vertieft.

Technische Daten

  • Immersive Audioformate

    Immersive Audio-Formate
    • Dolby Atmos

      Technologie

      Dolby Atmos

      Dolby Atmos ist das objektbasierte Tonformat von Dolby Laboratories. Im Kino läuft es seit Juni 2012, danach kam die Heimfassung über Blu-ray und Streamingdienste hinterher. Der Name steht allerdings für vier verschiedene Dinge, die alle zusammenkommen müssen, bevor etwas davon hörbar wird: eine Mischung, ein Trägerformat, eine Übertragungsstrecke und ein Gerät, das die Objekte auf die vorhandenen Lautsprecher rechnet. Auf Hüllen, in Datenblättern und in Streaming-Apps steht überall dasselbe Wort, und es meint jedes Mal eine andere Station dieser Kette.

      Bei älterem Filmton stand für jedes Geräusch schon beim Mischen fest, aus welcher Box es kommt. Dolby Atmos legt stattdessen fest, an welcher Stelle im Raum es sein soll, und Dein Gerät rechnet aus, welche Deiner Boxen das gemeinsam hinbekommen. Das Wort steht deshalb auf sehr verschiedenen Sachen: auf dem Film, auf der Leitung, auf dem Verstärker und auf Kopfhörern. Überall bedeutet es etwas anderes, und nur wenn die ganze Reihe zusammenpasst, hörst Du am Ende wirklich etwas über Dir. Ein Aufkleber am Gerät sagt Dir also, dass es mitspielen kann — nicht, wie gut es bei Dir klingt.

      Das zugrunde liegende Problem

      Warum die Branche vom Kanal zum Objekt gewechselt ist, steht beim objektbasierten Ton. Dolby stand danach vor einer zweiten Aufgabe, und die ist der Grund für fast alles, was das Format heute ausmacht.

      Im Kino durfte das Format groß ausfallen — Dolby beziffert die Größenordnung mit gut hundert gleichzeitigen Objekten über einem mehrkanaligen Bett, wiedergegeben über einen eigenen Prozessor im Vorführraum. Im Wohnzimmer gab es weder die Bandbreite noch den Prozessor noch die Bereitschaft, dafür die Anlage wegzuwerfen. Ein zweites Format neben dem bestehenden hätte außerdem jeden Anbieter gezwungen, jeden Film zweimal zu liefern.

      Dolbys Antwort setzte deshalb an dem an, was schon da war: an den vorhandenen Codecs, die um die Objektinformation erweitert wurden, an einem eigenen Verpackungsverfahren für die Objekte — und an einem Gerät, das ohnehin getauscht wird, sobald jemand Höhenlautsprecher anschließt. Die gesamte Rechenarbeit liegt seither im AV-Receiver. Was der Kunde dabei behalten kann, ist ausdrücklich Teil des Entwurfs: Dolby hält fest, dass ein spezifikationskonformer Blu-ray-Spieler keine neue Firmware braucht und die vorhandenen HDMI-Kabel ab Version 1.4 genügen.

      Funktionsweise

      Die Mischung. Eine Atmos-Fassung besteht aus einem kanalbasierten Bett und darüber einzelnen Objekten mit Positionsangabe. Für die Heimfassung mischen Studios das Kinomaster meist neu ab; Dolby nennt das einen Nahfeld-Mix. Zwei Filme mit demselben Logo können sich deshalb darin unterscheiden, wie viel überhaupt als Objekt vorliegt.

      Die Verpackung. Damit die Objektzahl eines Kinomasters durch die Bandbreite einer Disc oder einer Streamingleitung passt, verwendet Dolby ein Verfahren, das es Spatial Audio Coding nennt: Es codiert die Objekte unter Berücksichtigung ihrer räumlichen Information gemeinsam. Dolby grenzt es ausdrücklich gegen die früheren Matrixverfahren der Pro-Logic-Familie ab, bei denen Zusatzkanäle in ein vorhandenes Stereosignal eingebettet wurden. Hier wird nichts eingebettet, sondern codiert.

      Der Träger. Ausgeliefert wird über zwei bestehende Codecs, die Dolby dafür erweitert hat: Dolby TrueHD bekam einen vierten Teilstrom, Dolby Digital Plus einen erweiterten Dekoder. Welcher der beiden auf welchem Weg bei Dir ankommt und warum das über die Tonqualität entscheidet, steht bei Dolby Atmos übertragen.

      Der Renderer. Im Heimkino ist die Zuständigkeit eindeutig: Dolby schreibt, Dekodierung und Rendering würden vollständig vom AV-Receiver erledigt. Dort sitzt der Object Audio Renderer, der die eingetragene Lautsprecherkonfiguration mit den Positionsdaten der Objekte zusammenführt und laufend entscheidet, welche Lautsprecher gerade beteiligt sind. Die Konfiguration im Menü ist damit die Arbeitsgrundlage des Geräts und keine Formalie.

      Der Upmixer im selben Gehäuse. Jeder Atmos-Receiver enthält zusätzlich den Dolby-Surround-Upmixer, der Nachfolger der Pro-Logic-II-Familie. Er verteilt kanalbasiertes Material auf alle vorhandenen Lautsprecher einschließlich der Höhenpositionen — und ist damit der häufigste Grund dafür, dass Deckenlautsprecher spielen, obwohl gar keine Atmos-Mischung anliegt. Dolby beschreibt sein Verhalten genau: Er arbeitet im Frequenzbereich, und er speist weder die Wide-Positionen noch den Center-Surround, um das vordere Klangbild zu erhalten. Was ein Upmixer allgemein leistet, steht beim Upmixer.

      Voraussetzungen

      Vier Bedingungen müssen erfüllt sein, und drei davon werden regelmäßig übersehen, weil sie nichts kosten.

      Ein Gerät, das dekodiert und rendert. Im Heimkino ist das der AV-Receiver oder Prozessor. Dolby stellte schon 2018 fest, dass nahezu alle führenden Hersteller mehrere solcher Geräte anbieten — die Verfügbarkeit ist also keine Auswahlfrage mehr, die Ausbaustufe schon.

      Eine Strecke, die den Träger durchlässt. Für den Hinweg vom Zuspieler zum Verstärker genügt nach Dolbys Angabe HDMI ab Version 1.4. Der Rückweg vom Fernseher ist der Fall, in dem es eng wird; die Formatlisten stehen bei eARC und ARC.

      Ein Zuspieler auf Bitstream-Ausgabe. Gibt das Quellgerät bereits fertig dekodiertes Mehrkanal-PCM aus, bekommt der Renderer keine Objekte mehr zu sehen. Bei Blu-ray-Spielern kommt eine zweite Falle dazu: Ist die Betriebsart für Zweitton aktiv, gibt der Spieler ein Dolby-Digital-Signal aus, und nichts an der Anlage wirkt defekt.

      Lautsprecher über Ohrhöhe. Ohne sie rendert das Gerät die Objekte in die vorhandene Ebene, und das Ergebnis unterscheidet sich hörbar wenig von 5.1. Welche Aufbauten Dolby vorsieht, wie hoch und in welchem Winkel gehängt wird, ist eine eigene Frage — sie gehört zu den Lautsprecher-Setups und nicht zum Format.

      Abgrenzung

      Gegen das Prinzip. Objektbasierter Ton ist die Gattung, Dolby Atmos eine Ausprägung davon. Die normative Definition von Objekt, Metadaten und Renderer steht in einer ITU-Empfehlung und gilt für jedes solche Format; sie ist auf der Seite zum objektbasierten Ton belegt.

      Gegen die Trägerformate. Dolby TrueHD und Dolby Digital Plus gibt es auch ohne Atmos, seit Jahren, für rein kanalbasierten Ton. Umgekehrt existiert Atmos nie ohne einen der beiden. Wer „Atmos oder TrueHD?" fragt, stellt eine Frage, die keine Antwort hat.

      Gegen DTS:X. DTS:X ist das konkurrierende objektbasierte Marktformat. Im Prinzip sind beide gleich; planungsrelevant unterscheiden sie sich beim Inhaltsangebot, bei der Trägerlage und bei den Dekodiergrenzen. Diese Unterschiede stehen dort im Einzelnen.

      Gegen Dolby Vision. Beide Namen beginnen mit demselben Wort und tauchen auf denselben Hüllen auf. Dolby Vision betrifft ausschließlich das Bild. Ein Gerät kann das eine ohne das andere führen, und in der Praxis kommt beides regelmäßig getrennt vor.

      Gegen die Ziffernfolge. 7.1.4 beschreibt Deinen Aufbau, nicht die Tonspur; die Zählweise erklärt die Kanal-Notation. Dolby hat diese Schreibweise mit Atmos eingeführt, aber sie beschreibt seither jedes Layout mit Höhenebene, auch ohne Atmos.

      Gegen „Dolby Atmos" auf Kopfhörern und Soundbars. Dieselbe Mischung wird dort mit sehr wenigen Wandlern wiedergegeben, indem Richtungen berechnet statt besetzt werden. Das ist eine zulässige Anwendung des Formats und trotzdem ein anderes Ergebnis als eine besetzte Höhenebene. Beides führt denselben Namen, weil er die Mischung bezeichnet und nicht die Wiedergabe.

      Grenzen

      Der Name sagt nichts über die Ausführung. Zwischen einer Soundbar mit zwei nach oben gerichteten Wandlern und einem Raum mit 24 Lautsprechern am Boden und zehn über Kopf liegt der gesamte Markt — und beide Anlagen dürfen „Dolby Atmos" auf dem Karton führen. Das folgt unmittelbar daraus, dass der Renderer sich an jedes vorhandene Layout anpasst: Wo es keine Mindestbestückung gibt, gibt es auch keine Untergrenze für das Ergebnis. Für die Beratung ist die Angabe damit eine Eintrittskarte und kein Qualitätsmerkmal.

      Die Ausbaugrenzen sind Herstellerangaben. Dolby nennt als obere Grenze 34 Lautsprecher in der Anordnung 24.1.10. Diese Zahl beschreibt, was das Verfahren verarbeitet, und nicht, was ein Raum sinnvoll darstellt. Auch die Marktzahlen im ausgewerteten Dokument — über 500 Kinofilme, über 150 Mischstudios — beschreiben den Stand von Oktober 2016.

      Was das Gerät im Inneren rechnet, ist unveröffentlicht. Wie ein bestimmter Prozessor ein Objekt verteilt, das zwischen unbesetzten Positionen liegt, legt kein Hersteller offen, und eine unabhängige Gegenüberstellung mehrerer Geräte an derselben Tonspur ließ sich am 24.08.2026 nicht finden. Zwei Anlagen mit gleichem Layout können sich darin also unterscheiden, ohne dass jemand sagen kann, um wie viel.

      Die Zuständigkeit verschiebt sich gerade. Die Aussage „der Renderer sitzt im AV-Receiver" stammt aus dem Heimkino-Kontext und stimmt dort. Mit Dolby Atmos FlexConnect hat Dolby im August 2023 einen Aufbau vorgestellt, bei dem der Fernseher die Zusatzlautsprecher einbindet und deren Position mit eingebauten Mikrofonen selbst einmisst; die erste Umsetzung war für die TCL-Fernseher des Jahrgangs 2024 angekündigt. Für die Bauplanung ist das eine andere Anlage: Die Geräteklasse, an der die räumliche Darstellung hängt, steht nicht mehr fest.

      Verknüpfte Inhalte

      Wovon dieses Format eine Ausprägung ist, steht beim objektbasierten Ton. Die Trägerfrage — welcher der beiden Codecs auf welchem Weg ankommt — behandelt Dolby Atmos übertragen, die Formatgrenzen des Tonrückkanals eARC und ARC, und warum der optische Ausgang dabei ausfällt, Was über S/PDIF und TOSLINK passt.

      Welche Lautsprecheraufbauten Dolby vorsieht, behandeln die Atmos-Lautsprecher-Setups; was die Ziffern darin abzählen, die Kanal-Notation und für die mittlere Ziffer der LFE-Kanal. Die Bauform, die Höhe über die Decke spiegelt, steht bei den Aufsatzlautsprechern. Das konkurrierende Marktformat ist DTS:X; das gleichnamige Bildformat desselben Hauses ist Dolby Vision.

      Quellen

      Die Architektur aus Bett und Objekten, die Kinozahlen, der Object Audio Renderer, Spatial Audio Coding, der Dolby-Surround-Upmixer, die Erweiterung der beiden Trägercodecs sowie die Bedingungen am Zuspieler stammen aus dem Dolby-Whitepaper „Dolby Atmos for the Home Theater" vom Oktober 2016, das für diese Seite im Volltext gelesen wurde. Die Aussage, dass Dekodierung und Rendering vollständig im AV-Receiver stattfinden, sowie die Ausbaugrenze von 34 Positionen stehen zusätzlich in den Dolby Atmos Home Theater Installation Guidelines in der Fassung r3.1 vom Dezember 2018. Beides ist Herstellerdarstellung.

      Die Beschreibung von Dolby Atmos FlexConnect samt der akustischen Einmessung über Mikrofone im Fernseher stammt aus einer Dolby-Mitteilung vom 28. August 2023. Alle Angaben zum Marktstand beschreiben den Stand ihres jeweiligen Dokuments und nicht den heutigen.

      Nicht ausgewertet werden konnte die Entwicklerdokumentation von Dolby: Die Domain löst seit dem 06.08.2026 nicht mehr auf, zuletzt geprüft am 24.08.2026. Alle hier ausgewerteten Dolby-Dokumente liegen auf den weiterhin erreichbaren Domains dolby.com und professional.dolby.com.

    • DTS:X Pro

      Technologie

      DTS:X

      DTS:X ist das objektbasierte Tonformat von DTS, angekündigt im April 2015 und seither das zweite objektbasierte Marktformat im Wohnraum. Auf dem Papier leistet es dasselbe wie Dolby Atmos: Ein Tonelement liegt getrennt vor, seine Position steht in Metadaten daneben, und ein Renderer im Wiedergabegerät verteilt es auf die Lautsprecher, die tatsächlich da sind. Der Unterschied zwischen beiden Formaten liegt woanders — in der Herkunft, im Auslieferungsweg und vor allem darin, wie viel es überhaupt zu hören gibt.

      DTS:X macht im Grunde dasselbe wie Dolby Atmos: Der Ton weiß, wo er im Raum sein soll, und Dein Gerät rechnet aus, welche Boxen das erzeugen. Fast jeder Verstärker der letzten zehn Jahre kann beides. Der Unterschied ist, dass Du Dolby Atmos ständig zu hören bekommst und DTS:X selten — es gibt schlicht viel weniger Filme damit. Und wenn eine Leitung in Deiner Anlage zu schwach ist, fällt DTS:X weiter zurück als Dolby Atmos: Du hörst dann nicht etwa nichts, sondern eine sehr alte Fassung, die sich nach normalem Surround anhört. Kaputt wirkt dabei nichts, und genau das macht es schwer zu bemerken.

      Das zugrunde liegende Problem

      Objekt, Metadaten und Renderer als Prinzip behandelt der objektbasierte Ton. DTS stand 2015 vor einer besonderen Ausgangslage, und sie erklärt die Bauform des Formats.

      Der Wettbewerber war drei Jahre früher im Kino und hatte die Deutungshoheit über das Wort „immersiv". Gleichzeitig lag bei DTS ein sehr großer Altbestand: Seit 1996 ist jeder DTS-Datenstrom nach demselben Prinzip gebaut, ein 5.1-Kern mit Erweiterungen darum herum, und dieses Prinzip steckt in jedem Gerät und auf jeder Scheibe mit DTS-Ton. Wer dort ein neues Format danebenstellt, verliert diesen Altbestand.

      DTS hat sich deshalb für den Anbau entschieden: DTS:X setzt nach eigener Darstellung auf DTS-HD Master Audio auf, um abwärtskompatibel zu vorhandenen DTS-Datenströmen und Lautsprecher-Layouts zu bleiben. Das ist der Ursprung beider Eigenschaften, die das Format bis heute prägen — der sanfte Rückfall auf den alten Kern und die Bindung an eine Codec-Familie aus den neunziger Jahren.

      Funktionsweise

      Kein vorgeschriebenes Layout — und ein Umrechner dafür. DTS betont in der Ankündigung, dass DTS:X an keine vorgeschriebene Lautsprecherkonfiguration und an keine feste Kanalzahl gebunden ist, und nennt bis zu 32 Lautsprecherpositionen, ausdrücklich abhängig davon, was das jeweilige Gerät kann. Dazu kommt eine Aussage, die Dolby so nicht macht: Eine für ein bestimmtes Layout erstellte Mischung lässt sich für die Wiedergabe über ein anderes Layout umrechnen. Auf der Produktseite formuliert DTS das als Anpassung an praktisch jedes symmetrische Lautsprecherlayout.

      Zwei Auslieferungswege mit verschiedenen Obergrenzen. Von der Scheibe kommt DTS:X in DTS-HD Master Audio, für Streaming hat DTS einen eigenen Codec entwickelt, der als DTS-UHD in einer eigenen Spezifikation festgelegt ist. Welcher Weg welchen Träger zulässt und wo unterwegs gewechselt wird, steht bei DTS:X übertragen; was den Streamingcodec technisch ausmacht, bei DTS-UHD. Für die Wahl des Formats zählt an dieser Stelle eine Eigenheit, die es bei Dolby nicht gibt: Der Weg entscheidet mit über die Zahl der Höhenpositionen, die das Gerät überhaupt ansteuert.

      Der Upmixer und der Virtualisierer im selben Gehäuse. Unter dem DTS:X-Dach vertreibt DTS zwei weitere Verfahren, die regelmäßig mit dem Format selbst verwechselt werden. DTS Neural:X ist der Upmixer, der kanalbasiertes Material auf ein größeres Layout verteilt; DTS nennt dafür Aufbauten bis 30.2. DTS Virtual:X erzeugt einen räumlichen Eindruck aus wenigen Lautsprechern und zielt auf Soundbars und Fernseher. Beide arbeiten auch dann, wenn keine DTS:X-Mischung anliegt — was ein Upmixer allgemein leistet, steht beim Upmixer.

      Eine offene Autorenplattform. DTS hat das Format von Anfang an mit MDA verbunden, einer nach eigener Angabe lizenzgebührenfreien, offenen Plattform für die Erzeugung objektbasierter Mischungen. Das ist ein Unterschied auf der Produktionsseite und erklärt einen Teil des Marktauftritts, an dem das Wort „open" schon im Titel der Ankündigung steht.

      Voraussetzungen

      Ein Gerät, das DTS:X dekodiert und rendert. Bei AV-Receivern ist das seit Jahren der Regelfall; DTS nennt auf seiner Produktseite eine breite Liste von Herstellern für Fernseher, Soundbars, Spielkonsolen und Receiver. Die Formatunterstützung kommt in dieser Geräteklasse also meistens mit, ohne dass jemand danach fragen muss.

      Eine Strecke, die den jeweiligen Träger durchlässt. Von der Scheibe verlangt der verlustfreie Träger eine HDMI-Verbindung; über den älteren Tonrückkanal und über den optischen Ausgang bleibt nur der alte Kern übrig. Die Formatlisten stehen bei eARC und ARC.

      Inhalte. Das ist die Bedingung, an der es in der Praxis scheitert, und sie ist keine Gerätefrage. Auf der Disc kommt DTS:X vor, aber deutlich seltener als Dolby Atmos. Beim Streaming hängt der Weg an einem einzelnen Programm: DTS:X ist das Tonformat von IMAX Enhanced, und Xperi hat Disney+ im April 2024 als ersten großen Dienst mit diesem Ton angekündigt, mit Start am 15. Mai 2024. Ein zertifiziertes Gerät verlangt DTS dafür nicht, wohl aber eines, das DTS:X entschlüsselt.

      Abgrenzung

      Gegen Dolby Atmos. Beide Formate sind objektbasiert, beide rendern im Wiedergabegerät, beide schreiben kein Layout vor. Planungsrelevant unterscheiden sie sich an drei Stellen.

      Erstens am Angebot. Dolby Atmos ist auf Discs, bei Streamingdiensten, im Rundfunk, in Spielen und in der Musik vertreten; DTS:X kommt auf Discs vor und beim Streaming bislang über ein einzelnes Programm. Für den Kunden heißt das: Die Geräteseite ist bei beiden Formaten erledigt, die Inhaltsseite nicht.

      Zweitens an der Rückfalltiefe. Bei Dolby stehen zwei Träger derselben Generation nebeneinander, und ohne Atmos-Dekoder bleibt eine 5.1- oder 7.1-Mischung übrig. Bei DTS führt der Rückfall bis auf den Kern von 1996 — 5.1, verlustbehaftet, ohne Objekte. Beide Fälle klingen unauffällig, der zweite kostet mehr.

      Drittens an den Dekodiergrenzen. Bei Dolby ist die Zahl der Wiedergabepositionen unabhängig vom Träger. Bei DTS nennt der Hersteller für die beiden Wege verschiedene Obergrenzen — bis 7.1.4 von der Scheibe und bis 5.1.4 beim Streaming. Ein Raum mit sechs Deckenpositionen kann diese Bestückung also je nach Quelle nur teilweise nutzen; die Frage nach der überwiegenden Quelle gehört damit in die Konzeptphase und nicht in die Geräteauswahl.

      Gegen die eigenen Trägerformate. DTS-HD Master Audio und DTS-UHD sind Codecs, DTS:X ist der Inhalt, der darin mitfährt. Ein Gerät kann DTS-HD Master Audio beherrschen, ohne DTS:X zu beherrschen, und der Streamingweg verlangt noch einmal etwas anderes als der Disc-Weg.

      Gegen Neural:X und Virtual:X. Beide führen das DTS-Logo und arbeiten in denselben Geräten, erzeugen aber keine Objekte. Wenn Höhenlautsprecher bei einem alten Actionfilm mitspielen, ist fast immer der Upmixer am Werk.

      Gegen IMAX Enhanced. Das ist ein Prüf- und Lizenzprogramm, das fertige Geräte und Inhalte abnimmt; DTS:X ist der Ton darin. Was das Siegel prüft und welches Gerät für den Zugang zu solchen Inhalten wirklich nötig ist, steht bei IMAX Enhanced.

      Gegen die Ziffernfolge. 7.1.4 beschreibt einen Aufbau und keine Tonspur; gezählt wird nach der Kanal-Notation.

      Grenzen

      Jede Zahl auf dieser Seite kommt vom Hersteller. Die beiden Obergrenzen der Auslieferungswege stehen als Stichpunkte auf einer Produktseite ohne Datum. Die 32 Lautsprecherpositionen aus der Ankündigung von 2015 sind ausdrücklich an die Fähigkeiten des jeweiligen Geräts geknüpft — im selben Absatz schreibt DTS, dass die Receiver jenes Jahrgangs bis zu 11.2 Ausgangskanäle hatten. Zwischen dem, was das Verfahren zulässt, und dem, was ein Gerät ausführt, liegt bei DTS also von Anfang an eine große Spanne.

      Wie DTS:X im Datenstrom untergebracht ist, steht nicht fest belegt. Das einzige öffentlich abrufbare DTS-Dokument mit Architekturtiefe stammt von 2006 und kennt DTS:X noch nicht; die Verbindung beider Stände ruht auf der Herstelleraussage von 2015. Die Spezifikation des Streamingwegs ist über ETSI zugänglich, die des Disc-Wegs nicht in gleicher Weise.

      Auch DTS legt sein Rendering nicht offen. Für die Frage, wie ein Gerät ein Objekt zwischen unbesetzten Positionen aufteilt, gibt es keine Herstellerangabe und keinen methodisch dokumentierten Vergleich mehrerer Prozessoren an derselben DTS:X-Spur. Für die Beratung heißt das, dass Unterschiede zwischen Geräten nur am eigenen Aufbau hörbar werden.

      DTS:X Pro ist eine zweite Stufe mit dünner Quellenlage. Unter diesem Namen führt DTS eine Ausbaustufe für Prozessoren der oberen Klasse mit deutlich mehr Ausgangskanälen. Belegt ist auf der DTS-Produktseite die Angabe, dass Neural:X bis 30.2 unterstützt; eine datierte DTS-Fundstelle zum Umfang von DTS:X Pro selbst wurde nicht gefunden.

      Verknüpfte Inhalte

      Das Prinzip hinter dem Format erklärt die Seite zum objektbasierten Ton; das konkurrierende Marktformat ist Dolby Atmos. In welchem Träger DTS:X ankommt und wo unterwegs gewechselt wird, steht bei DTS:X übertragen, der Streamingcodec im Einzelnen bei DTS-UHD.

      Die Formatgrenzen des Tonrückkanals stehen bei eARC und ARC, die Kapazität des optischen Ausgangs bei Was über S/PDIF und TOSLINK passt. Wie ein Gerät seine Formatfähigkeit an den Zuspieler meldet, klärt die EDID; was eine Angabe wie 7.1.4 abzählt, die Kanal-Notation. Das Prüfprogramm hinter dem Streamingweg ist IMAX Enhanced.

      Quellen

      Die Merkmale des Formats — Objektbasierung, keine vorgeschriebene Lautsprecherkonfiguration, 32 Lautsprecherpositionen je nach Gerät, die Umrechnung einer Mischung auf ein anderes Layout, das Aufsetzen auf DTS-HD Master Audio und die offene Autorenplattform MDA — stammen aus der DTS-Ankündigung vom 9. April 2015. Die beiden Dekodiergrenzen, Neural:X mit bis zu 30.2, Virtual:X und die Herstellerliste stehen auf der DTS:X-Produktseite, die kein Datum nennt. Der eigens für Streaming entwickelte Codec, die Abwärtskompatibilität zu älteren DTS-Geräten und der Start bei Disney+ im Mai 2024 stammen aus einem Xperi-Beitrag vom 15. April 2024. Alles davon ist Herstellerdarstellung.

      Dass für IMAX-Enhanced-Inhalte bei Disney+ ein DTS:X-fähiges Gerät genügt und keine Zertifizierung verlangt wird, steht in einer DTS-FAQ und ist bei IMAX Enhanced im Einzelnen belegt.

      Der Aufbau der älteren DTS-Familie aus Kern und Erweiterungen — samt der Einführung des Codiersystems im Jahr 1996 — ist im DTS-Whitepaper von 2006 belegt und bei DTS:X übertragen im Einzelnen nachgewiesen; die Einordnung des Streamingwegs als eigene Formatgeneration steht in der ETSI-Spezifikation und ist bei DTS-UHD belegt. Alle Marktangaben beschreiben den Stand ihres jeweiligen Dokuments.

    • Auro-3D

      Technologie

      Auro-3D

      Auro-3D ergänzt die klassische Surround-Ebene um Höhenlautsprecher nach dem Auro-Layout. Decoder in AV-Receivern schalten das Format, wenn die Quelle Auro-Bitstreams liefert.

      Neben Dolby Atmos und DTS:X gibt es Auro-3D: auch 3D-Ton, aber mit eigenem Layout- und Mischgedanken. Ob Du ihn hörst, hängt vom Film/Stream und vom Receiver ab — und davon, ob Höhenlautsprecher richtig sitzen.

    • Dolby TrueHD

      Glossar

      Dolby TrueHD

      Dolby TrueHD ist der verlustfreie Mehrkanalcodec von Dolby Laboratories. Er beruht auf Meridian Lossless Packing — Dolby setzt beide Namen in der eigenen Bitstrom-Beschreibung gleich — und arbeitet auf Material, das ursprünglich als lineares PCM vorliegt: Was der Dekoder ausgibt, ist bit-für-bit dasselbe, was der Encoder bekommen hat. Auf der Blu-ray Disc ist das Format zugleich der verlustfreie Träger für Dolby Atmos.

      Es gibt zwei Arten, Ton kleiner zu machen. Die eine wirft weg, was Du vermutlich ohnehin nicht hörst — dabei kommt weniger heraus, als hineinging. Die andere packt nur geschickter, so wie ein Reißverschluss beim Kofferpacken: Nach dem Auspacken ist alles wieder da, Stück für Stück. Dolby TrueHD ist die zweite Art. Sie schafft ungefähr die halbe Größe, garantiert Dir aber genau das, was im Studio abgemischt wurde. Der Preis dafür ist Platz auf der Leitung: Über schmale Wege kommt dieses Format nicht durch, und deshalb ist die Scheibe sein gewohnter Ort.

      Ausführliche Erklärung

      Was „verlustfrei" hier heißt

      Dolby beschreibt das Verfahren als verlustfreies Codiersystem für hochwertige Audiodaten, die ursprünglich als lineares PCM vorliegen. Die Größenersparnis beziffert die Bitstrom-Beschreibung nüchtern über die Wortbreite: Die Spitzendatenrate sinkt um den Gegenwert von vier Bit oder mehr bei 48 kHz und von acht Bit bei 96 kHz. Ein Signal mit 24 Bit und 96 kHz wird also effektiv auf 16 Bit zusammengedrückt. Daraus rechnet Dolby zwei Beispiele: sechs Kanäle mit 24 Bit und 96 kHz passen in 9,6 Mbit/s, acht Kanäle in 13,8 Mbit/s. Auf der Produktseite steht dieselbe Aussage gröber — Dateien etwa halb so groß wie unkomprimiertes PCM.

      Ein Nebeneffekt des Verfahrens verdient eine eigene Erwähnung, weil er den Unterschied zu einem verlustbehafteten Codec zeigt: Signale, die die verfügbare Bandbreite gar nicht ausnutzen, sparen automatisch Platz. Dolby nennt als Beispiel den Tieffrequenzkanal. Dort steckt schlicht weniger Information, und die Kompression bemerkt das von selbst. Ein verlustbehaftetes Verfahren müsste dafür eine Entscheidung treffen; hier fällt die Ersparnis an, ohne dass jemand etwas festlegt.

      Warum die Datenrate schwankt — und was die 18 Mbit/s bedeuten

      Verlustfreie Kompression erzeugt eine von Natur aus schwankende Datenrate: Leicht zu packende Passagen brauchen wenig Platz, schwierige viel. Für einen Träger mit fester Kapazität ist das ein Problem, und Dolby löst es über einen zwischen Encoder und Decoder synchronisierten FIFO-Puffer. Leichte Abschnitte werden dem Dekoder schneller geliefert, als er sie braucht, und füllen den Puffer vor; kommt dann eine schwierige Passage, darf sie langsamer nachfließen, weil der Vorrat sie überbrückt. Die Mindestgröße dieses Puffers gibt Dolby mit 120 000 Byte an.

      Damit lässt sich die Grenze einhalten, die für Blu-ray-Ströme gilt: Die Spitzendatenrate beträgt 18 Mbit/s. Das ist eine Obergrenze für Spitzen und keine Angabe darüber, wie viel eine Tonspur im Mittel belegt — und es ist erst recht keine Qualitätsangabe. Zwei verlustfreie Formate mit verschiedenen Höchstraten liefern dasselbe Ergebnis; die Zahl sagt nur, wie viel Platz die jeweilige Kompression im ungünstigsten Fall braucht.

      Dolby TrueHD
      Codierungverlustfrei, auf PCM-Material
      Format: Kanälebis 32, jeweils bis 24 Bit
      Format: Abtastraten44,1 bis 192 kHz
      Blu-ray Disc8 Kanäle bei 96 kHz/24 Bit oder 6 Kanäle bei 192 kHz/24 Bit
      Blu-ray Disc: Spitzendatenrate18 Mbit/s
      Größenersparnisrund die Hälfte gegenüber unkomprimiertem PCM
      Abwärtskompatibilitätüber eine getrennte Dolby-Digital-Spur auf der Scheibe

      Die Zeile mit den Kanälen zeigt eine Unterscheidung, die auf Datenblättern regelmäßig verschwimmt: Das Format erlaubt bis zu 32 Kanäle, die Blu-ray-Anwendung acht. Dolby beschreibt für die Scheibe eine eigene Bitstrom-Syntax (FBA), von der die DVD-Audio-Fassung abweicht.

      Drei Mischungen in einem Strom

      Ein einzelner TrueHD-Datenstrom kann nach Dolbys Angabe bis zu drei getrennte Mischungen enthalten: 7.1, 5.1 und Stereo. Der Inhalteanbieter kann jede davon eigens abstimmen, statt sich auf eine automatische Abwärtsmischung zu verlassen. Die Bitstrom-Beschreibung nennt dazu die technische Seite: Ein Zweikanaldekoder mit geringem Rechen- und Speicherbedarf kann aus einem Mehrkanalstrom eine Stereomischung gewinnen — gedacht für einfache und tragbare Geräte.

      Dazu kommen Metadaten aus derselben Familie wie beim älteren Dolby-Codec. Die Dialognormalisierung hält den Sprachpegel konstant, wenn zwischen TrueHD, Dolby Digital und Dolby Digital Plus gewechselt wird; eine Dynamikbegrenzung senkt die Spitzenpegel für leises Hören. Was diese Werte genau steuern, steht bei der Dialognormalisierung.

      Kein Kern für alte Geräte — eine zweite Spur

      An dieser Stelle unterscheidet sich die Dolby-Familie am deutlichsten von der DTS-Familie, und Dolby erklärt die Entscheidung im eigenen Techpaper. Ein verlustbehafteter Kern mit einer verlustfreien Erweiterung darüber beeinträchtige nach Dolbys Darstellung entweder die verlustbehaftete Ebene — weil beim Zurückrechnen Codierartefakte hörbar werden — oder die verlustfreie, weil sie zusätzliche Kanäle mitschleppen muss. Dolby führt deshalb einen eigenständigen verlustfreien Codec ohne verlustbehafteten Unterbau.

      Die Abwärtskompatibilität entsteht dann an anderer Stelle: Auf der Scheibe liegt neben der TrueHD-Spur eine begleitende Dolby-Digital-Kinomischung mit 5.1 Kanälen und 640 kbit/s. Für die Beratung folgt daraus etwas Handfestes. Wenn ein Gerät in der Kette TrueHD nicht durchlässt, greift kein Rückfall innerhalb des Datenstroms — der Zuspieler wechselt auf eine andere Tonspur der Scheibe oder dekodiert selbst und schickt PCM. Was genau passiert, entscheidet die Einstellung im Zuspieler und nicht das Format.

      Als Träger für Dolby Atmos

      Auf der Blu-ray Disc ist Dolby TrueHD der verlustfreie der beiden Trägerformate für Dolby Atmos; der andere ist der verlustbehaftete Nachfolger von Dolby Digital. Die Objektinformation kommt in beiden Fällen unverändert an, der Ton darunter dagegen in verschiedener Qualität. Welcher Weg durch die Anlage welchen Träger zulässt und wo unterwegs gewechselt wird, führt Dolby Atmos übertragen aus; diese Seite beschreibt das Format und wiederholt die Trägerfrage nicht.

      Für die Strecke zählt eine Angabe aus der Formatliste des HDMI-Lizenzgebers: Dolby TrueHD steht in der Liste der neueren Ausbaustufe des Tonrückkanals und fehlt bei der älteren. Die Einzelheiten stehen bei eARC und ARC.

      Außerhalb der Scheibe: der geladene Kauffilm

      Dolby nennt auf der eigenen Produktseite neben der Blu-ray Disc auch gestreamte und heruntergeladene Quellen, ohne dazu einen Dienst zu benennen. Für die heruntergeladene Quelle gibt es einen belegten Fall: Der Filmladen von Kaleidescape verkauft und verleiht Filme als Download, und der Anbieter gibt für diese Dateien verlustfreien Ton an — Dolby Atmos ausdrücklich auf Dolby TrueHD, daneben DTS-HD Master Audio und DTS:X. Die Abspielgeräte der Strato-Reihe geben diese Formate als Bitstrom über HDMI an den Prozessor aus, also in derselben Form wie ein Scheibenlaufwerk. Der Prüfbericht der Fachpublikation ecoustics vom 8. November 2025 hat eine solche Tonspur am Gerät abgespielt und als verlustfreies Dolby TrueHD mit Atmos beschrieben; die Angaben des Anbieters standen am 1. September 2026 so auf dessen Seiten.

      Für die Planung zählt daran das Verfahren, nicht der Laden: Der Film liegt vollständig auf einem Gerät im Haus, bevor er abgespielt wird. Was die Internetleitung im Moment der Wiedergabe hergibt, entscheidet dann nichts mehr — die Spitzenrate muss der lokale Speicher liefern. Ab diesem Gerät gelten dieselben Fragen wie bei einer Scheibe: Bitstream oder eigene Dekodierung, und welche Ausbaustufe der Rückkanal führt, falls der Weg über den Fernseher läuft.

      Häufiges Missverständnis

      „Verlustfrei klingt automatisch besser." Verlustfrei heißt zunächst: identisch mit dem Master. Ob dieser Unterschied im Wohnzimmer ankommt, hängt an Raum, Lautsprechern, Pegel und Material — und daran, wie gut die verlustbehaftete Alternative eingestellt war. Netflix stuft für 5.1 bereits 640 kbit/s nach eigenen und von Dolby beigestellten Hörtests als vom Studiomaster ununterscheidbar ein. Klar, die Garantie hat trotzdem Wert: Bei einem verlustfreien Träger muss niemand über Hörbarkeit diskutieren, weil nichts weggelassen wurde. Nur ist es eine Gewissheit über den Datenstrom und nicht über den Klang im Raum.

      „TrueHD hat einen Kern wie DTS, also kommt notfalls eine kleinere Fassung an." Diese Erwartung stammt aus der anderen Familie und stimmt hier nicht. Im Datenstrom steckt kein verlustbehafteter Unterbau. Was bei einer überforderten Strecke ankommt, ist eine andere Tonspur oder ein anderes Format, das ein Gerät in der Kette erzeugt.

      „Die 18 Mbit/s sind die Datenrate der Tonspur." Es ist die Grenze für Spitzen. Der Puffer im Dekoder ist genau dafür da, dass der mittlere Bedarf darunter bleibt und schwierige Passagen trotzdem vollständig ankommen.

      Nicht zu verwechseln mit

      Dolby Digital Plus ist der verlustbehaftete Codec derselben Familie und der übliche Weg für Streaming und Rundfunk. Eine verlustfreie Erweiterung von Dolby Digital Plus gibt es nicht; siehe Dolby Digital Plus.

      Dolby Atmos benennt keinen Codec. Es ist die Objektinformation, die in diesem Format oder im verlustbehafteten Träger mitreist; das Prinzip dahinter erklärt die Technologieseite zum objektbasierten Ton.

      DTS-HD Master Audio ist das direkte Gegenstück aus der anderen Familie: ebenfalls verlustfrei, ebenfalls der Weg von der Scheibe, ebenfalls Träger für objektbasierten Ton. Der Aufbau ist ein anderer, weil dort eine verlustfreie Schicht auf einem verlustbehafteten Kern sitzt und beides in einem Datenstrom liegt. Was das für den Rückfall bedeutet, steht bei DTS-HD.

      Unkomprimiertes Mehrkanal-PCM ist das, was ein Zuspieler ausgibt, wenn er selbst dekodiert. Es klingt identisch, belegt aber deutlich mehr Bandbreite, und der Verstärker zeigt dann kein Format an. Das allgemeine Prinzip hinter dem Packen ohne Verlust steht bei verlustfreier Kompression.

      Aus der Praxis

      Ein Kunde hat eine gewachsene Blu-ray-Sammlung und einen neuen Prozessor, der TrueHD beherrscht. Trotzdem zeigt das Display bei vielen Scheiben ein anderes Format an. Wie sonst auch gilt zuerst: Welchen Weg nimmt der Ton — und was ist im Zuspieler eingestellt?

      Drei Ursachen kommen in Betracht, und keine davon ist ein Defekt. Erstens kann die Scheibe eine andere Tonspur voreingestellt haben; die begleitende Dolby-Digital-Mischung liegt auf 7.1-Titeln ohnehin daneben, und manche Menüs wählen sie als Standard. Zweitens kann der Zuspieler auf PCM statt auf Bitstream stehen — dann dekodiert er selbst, das Ergebnis ist klanglich gleichwertig, aber der Prozessor zeigt kein Format mehr an und übernimmt auch keine Nachbearbeitung im Datenstromformat. Drittens kann der Ton über den Fernseher zurücklaufen, und die ältere Ausbaustufe des Rückkanals nimmt dieses Format nicht auf.

      Zwei davon lassen sich in fünf Minuten prüfen, bevor über Geräte geredet wird: die Tonspurwahl im Scheibenmenü und die Ausgabeeinstellung im Zuspieler. Bleibt die dritte übrig, ist es keine Einstellungsfrage mehr, sondern eine des Signalwegs — und dann lautet die bessere Frage, ob das Laufwerk überhaupt über den Fernseher laufen muss.

      Verknüpfte Inhalte

      Das Prinzip hinter dem Packen ohne Informationsverlust steht bei verlustfreier Kompression; was Bittiefe und Abtastrate bedeuten, bei Bittiefe und Bitrate und Datenrate.

      Die beiden verlustbehafteten Formate derselben Familie stehen bei Dolby Digital und Dolby Digital Plus, das verlustfreie Gegenstück der anderen Familie bei DTS-HD. In welchem Träger Dolby Atmos über welchen Weg ankommt, behandelt Dolby Atmos übertragen; welche Formate der Tonrückkanal zulässt, eARC und ARC. Wie weit die Tonformate von Scheibe und Stream auseinanderliegen, vergleicht UHD-Blu-ray gegen Streaming.

      Quellen

      Die Gleichsetzung mit Meridian Lossless Packing, die Beschreibung als verlustfreies Codiersystem auf PCM-Material, der Gewinn von vier beziehungsweise acht Bit Wortbreite samt den Beispielrechnungen 9,6 und 13,8 Mbit/s, die Formatgrenzen von 32 Kanälen, 24 Bit und 44,1 bis 192 kHz, die Trennung von FBA- und FBB-Syntax, die FIFO-Glättung mit mindestens 120 000 Byte Puffer sowie die Spitzendatenrate von 18 Mbit/s für Blu-ray-Ströme stammen aus der Dolby-Bitstrom-Beschreibung vom 7. Februar 2018. Die Domain, auf der Dolby das Dokument selbst veröffentlicht hat, ließ sich am 24.08.2026 nicht mehr auflösen; gelesen wurde eine Momentaufnahme vom 30.12.2024 im Webarchiv.

      Die Blu-ray-Werte von acht Kanälen bei 96 kHz und sechs bei 192 kHz, die Angabe zur halben Dateigröße, die drei Mischungen in einem Datenstrom, die Metadaten und die begleitende Dolby-Digital-Spur mit 640 kbit/s stehen auf der Dolby-Produktseite, dort ohne Datumsangabe. Die Begründung gegen einen verlustbehafteten Kern mit verlustfreier Erweiterung steht im Dolby-Techpaper von 2008 und ist eine Herstellerdarstellung; sie beschreibt die eigene Entwurfsentscheidung und ist kein Prüfergebnis.

      Dass Dolby TrueHD auf der Blu-ray Disc der verlustfreie der beiden Atmos-Träger ist, stammt aus dem Dolby-Whitepaper zu Atmos im Heimkino vom Oktober 2016 und ist bei den Atmos-Trägerformaten im Einzelnen belegt. Dass das Format in der Liste der neueren Rückkanal-Ausbaustufe steht, gibt der HDMI-Lizenzgeber an; die Fundstelle wird beim Eintrag zu eARC und ARC geführt.

      Der Fall außerhalb der Scheibe stützt sich auf zwei Kaleidescape-Seiten, die beide keinen eigenen Stand ausweisen und deshalb nur den Tag ihres Abrufs belegen — den 01.09.2026 —, sowie auf den ecoustics-Prüfbericht vom 8. November 2025, der die Formatangabe unabhängig vom Anbieter gegenprüft. Was die Dolby-Formulierung sonst noch meinen kann, ist damit nicht abschließend beantwortet; für das laufende Streamen verlustfreien Dolby-Tons lag am selben Tag keine Fundstelle vor.

    • DTS-HD Master Audio

      Glossar

      DTS-HD (Master Audio und High Resolution Audio)

      DTS-HD benennt keine einzelne Tonspur. Es ist die Sammelbezeichnung für die Erweiterungen, die DTS ab 2006 auf den Kern von 1996 gesetzt hat, und zwei davon stehen auf Datenblättern: DTS-HD Master Audio arbeitet verlustfrei, DTS-HD High Resolution Audio verlustbehaftet mit konstanter Datenrate. Beide sitzen im selben Datenstrom auf demselben verlustbehafteten 5.1-Kern.

      Auf einer Blu-ray liegt der DTS-Ton wie eine Zwiebel: innen die alte, kleine Fassung, die jedes Gerät versteht, außen eine größere Schale mit allem, was zusätzlich hineinpasst. Von dieser Schale gibt es zwei Sorten — eine, die den Studioton exakt wiederherstellt, und eine sparsamere, die etwas weglässt. Beide heißen im Handel „DTS-HD", und genau darum sagt die Angabe allein noch nichts. Kommt Deine Anlage an die Schale nicht heran, bleibt die alte Fassung übrig, und es klingt weiter ordentlich. Nur eben nach 1996.

      Ausführliche Erklärung

      Die Erweiterungen und die zwei Handelsnamen

      Die Spezifikation ETSI TS 102 114 führt sechs Verfahren neben dem Kern. Vier davon zählt sie als Kern-Erweiterungen: XCH für den hinteren Mittenkanal, X96 für die höhere Abtastrate, XBR für höhere konstante Datenraten und XXCH für zusätzliche Kanäle. Dazu kommen XLL für die verlustfreie Codierung und LBR für sehr niedrige Datenraten. Das Whitepaper von 2006 zählt nur vier Erweiterungen, weil es XCH und X96 unter ihren Handelsnamen DTS-ES und DTS 96/24 dem Kernkapitel zuschlägt; seit 2006 ist kein Codierverfahren hinzugekommen. Neu sind in den jüngeren Fassungen die Anhänge zur Auslieferung über MPEG-DASH und CMAF.

      Für die beiden Namen auf dem Datenblatt zählen zwei davon. XLL codiert verlustfrei mit variabler Datenrate; der normative Anhang der Spezifikation nennt für die zugehörigen Stromkonstruktionen 24 576 kbit/s als Höchstrate, was das Whitepaper für die Blu-ray Disc auf 24,5 Mbit/s rundet und für die HD DVD mit 18,0 Mbit/s angibt. XBR hebt die konstante Datenrate an: Die Spezifikation setzt dafür eine Schwelle statt einer Obergrenze — XBR erlaubt Gesamtraten oberhalb von 1,5 Mbit/s, während darunter ein Kern mit garantiert abwärtskompatiblen 1,5 Mbit/s bestehen bleibt; der Anhang führt 6 144 kbit/s als Höchstrate, im Whitepaper gerundet auf 6,0 Mbit/s für die Blu-ray Disc und 3,0 Mbit/s für die HD DVD. XXCH verbindet den abwärtskompatiblen Kern von höchstens 5.1 mit bis zu 32 zusätzlichen Kanälen. LBR ist das Niedrigraten-Verfahren für Zweitton, Rundfunk und Netzanwendungen, im Handel DTS Express; das Whitepaper führt es unter dem Namen XSA.

      Die beiden Handelsnamen entstehen aus Kombinationen dieser Bausteine: DTS-HD Master Audio ist der Kern plus die verlustfreie Schicht, DTS-HD High Resolution Audio der Kern plus die höherratige, aber weiterhin verlustbehaftete Schicht. DTS selbst bezeichnet High Resolution Audio ausdrücklich als „lossy audio stream" — daran hängt die praktisch wichtigste Unterscheidung dieser Seite.

      DTS-HD Master AudioDTS-HD High Resolution Audio
      ErweiterungXLLXBR
      Codierungverlustfreiverlustbehaftet
      Datenrate laut Spezifikationvariabel, bis 24 576 kbit/skonstant, bis 6 144 kbit/s
      Blu-ray Disc laut Whitepaperbis 24,5 Mbit/süber 1,509 bis 6,0 Mbit/s
      HD DVD laut Whitepaperbis 18,0 Mbit/sbis 3,0 Mbit/s
      Kanäle auf der Scheibebis 7.1 diskret bei 96 kHz/24 Bitbis 7.1 bei 96 kHz/24 Bit
      Zwei Kanälebis 192 kHz/24 Bit—
      Platzbedarf auf der Scheibehochdeutlich geringer

      Die letzte Zeile ist der Grund, warum es beide gibt. DTS beschreibt die Wahl als Frage des Bit-Budgets: Wie viel Platz eine Produktion dem Ton zugesteht, entscheidet über Datenrate, Abtastrate und Bittiefe — und damit darüber, welche der beiden Fassungen auf die Scheibe kommt.

      Wie die verlustfreie Schicht entsteht

      Der Encoder teilt das Signal in zwei Wege. Der eine geht in den Kernencoder und wird anschließend wieder dekodiert. Der andere vergleicht das Original mit diesem dekodierten Kern und erzeugt die Differenz — DTS nennt sie Residuen. Diese Differenz ist genau das, was dem Kern zur Originalfassung fehlt; sie wird verlustfrei codiert und mit dem Kern zusammengepackt. Beim Abspielen läuft dasselbe rückwärts.

      Aus diesem Aufbau folgen zwei Dinge, die auf Datenblättern selten zusammen stehen. Erstens ist die verlustfreie Codierung immer variabel: Wie viel die Differenz braucht, hängt am Material und lässt sich nicht vorher festlegen. Zweitens hängt die verlustfreie Schicht am Kern — sie beschreibt die Abweichung von ihm und ergibt für sich genommen keinen Ton.

      Es gibt eine Ausnahme, und DTS grenzt sie selbst ein: Master Audio lässt sich auch ohne Kern verwenden. Das macht den Datenstrom sparsamer und den Dekoder einfacher, kostet aber die Abwärtskompatibilität — weshalb DTS diesen Fall für Archivierung und Kino nennt und nicht für die Scheibe im Wohnzimmer. Die Spezifikation führt diesen Alleinbetrieb als eigene Stromkonstruktion mit dem Codingname dtsl und schließt genau sie aus dem Profil für die CMAF-Auslieferung aus.

      Wie weit XLL für sich reicht, sagt die Spezifikation ebenfalls: Die Höchstabtastrate beträgt 384 kHz, und oberhalb von 96 kHz teilt das Verfahren das Signal in zwei, oberhalb von 192 kHz in vier Frequenzbänder. Eine Kanalgrenze nennt sie an dieser Stelle nicht — die 7.1 und die 192 kHz aus der Tabelle oben sind Grenzen der Blu-ray Disc und der HD DVD. DTS ordnet die 7.1 in seinem Jahresbericht von 2006 selbst ausdrücklich den Spezifikationen dieser beiden Scheibenformate zu.

      Der Datenstrom ist ein einziger

      Kern und Erweiterungen liegen in einem gemeinsamen Datenstrom, aufgeteilt in fünf Substreams: einen für den Kern und bis zu vier für Erweiterungen. Die Acht-Asset-Grenze gehört dabei den Erweiterungs-Substreams — jeder von ihnen fasst bis zu acht Audio Assets, während die Daten des Kern-Substreams standardmäßig zum ersten Asset zählen. Welche davon zusammen gespielt werden, legen Metadaten fest; DTS nennt eine solche Zusammenstellung eine Presentation, und mehrere davon können in einem Strom liegen.

      Für die Wiedergabe gilt dann eine Regel, die DTS selbst formuliert: Der Dekoder im Heimkino bestimmt die erreichte Qualitätsstufe und wählt immer die höchstmögliche. Die Komplexität liegt im Encoder, nicht im Abspielgerät. Das ist die freundliche Seite. Die unfreundliche steht wenige Kapitel davor, und DTS führt sie als Verkaufsargument: Ein vorhandener Verstärker mit DTS-Dekodierung gibt eine Master-Audio-Spur als Kern mit 1,5 Mbit/s wieder. Er meldet dabei nichts, weil aus seiner Sicht auch nichts fehlt.

      Was die Strecke daraus macht

      DTS hat den Fall früh beschrieben, und die historischen Angaben sind lehrreich, weil sie das Muster zeigen. Über HDMI 1.1 und 1.2 ließ sich der Master-Audio-Bitstrom nicht durchreichen; der Zuspieler musste selbst dekodieren und sechs bis acht Kanäle lineares PCM ausgeben. Für die Ausgabe als Bitstrom war HDMI 1.3 an beiden Geräten nötig. Über den Digitalausgang kommt bis heute nur der Kern an, weil dort ein Trans-Coder im Zuspieler den DTS-HD-Datenstrom darauf zurückführt.

      Heute liegt die Grenze woanders, aber sie funktioniert gleich: DTS-HD Master Audio steht in der Formatliste der neueren Ausbaustufe des Tonrückkanals und fehlt bei der älteren (Einzelheiten bei eARC und ARC). Was in solchen Fällen unterwegs geschieht und an welchen drei Stellen der Träger gewechselt wird, führt DTS:X übertragen aus.

      Als Träger für DTS:X

      Auf der Blu-ray Disc ist DTS-HD Master Audio zugleich der Träger für objektbasierten Ton. DTS gibt in der Ankündigung von 2015 an, DTS:X baue auf dem bestehenden Master Audio auf, um abwärtskompatibel zu vorhandenen DTS-Datenströmen und Lautsprecher-Layouts zu bleiben. Die Objektinformation ist damit eine weitere Schicht über einem Kern, den auch ein Gerät von 2004 noch versteht. Wie die Objektdaten im Datenstrom im Einzelnen untergebracht sind, steht auf dieser Seite nicht — dafür liegt keine Herstellerbeschreibung vor.

      Häufiges Missverständnis

      „Auf dem Datenblatt steht DTS-HD, also ist es verlustfrei." Der Name deckt beide Fassungen ab, und nur eine davon ist verlustfrei. Auf Gerätedatenblättern hat die Angabe außerdem eine andere Bedeutung als auf einer Filmhülle: Beim Gerät sagt sie, was der Dekoder kann, beim Film, was tatsächlich codiert wurde. Die brauchbare Frage lautet in beiden Fällen: Master Audio oder High Resolution Audio?

      „24,5 Mbit/s gegen 18 Mbit/s — dann ist DTS verlustfreier als Dolby." Verlustfrei ist keine Steigerungsform. Beide Verfahren rekonstruieren das Master bit-für-bit; die Zahlen sagen, wie viel Platz die jeweilige Kompression im ungünstigsten Fall braucht, und nicht, wie viel vom Original übrig ist. Wer beide vergleichen will, vergleicht sinnvollerweise die Architektur — und die unterscheidet sich wirklich, weil Dolby seinen verlustfreien Codec bewusst getrennt hält (siehe Dolby TrueHD).

      „Wenn die Anlage die Erweiterung nicht schafft, gibt es eine Fehlermeldung." Das Gegenteil ist der Fall, und es ist Absicht. Der Kern kommt an, das Display zeigt DTS, die Anlage spielt. Wer den Unterschied bemerken will, muss auf die genaue Formatbezeichnung im Display achten oder den Signalweg prüfen.

      Nicht zu verwechseln mit

      DTS Digital Surround ist der Kern, auf dem beide DTS-HD-Fassungen sitzen — ein Bestandteil desselben Datenstroms und kein Vorgängerformat daneben. Was er leistet und woher seine Datenrate stammt, steht bei DTS Digital Surround.

      DTS-UHD gehört einer anderen Generation an. Die Spezifikation ordnet es als drittes Auslieferungsformat ein, während Kern und DTS-HD-Erweiterungen die ersten beiden bilden; sie waren vorrangig für kanalbasierten Ton entworfen. DTS-UHD hat mit dieser Familie den Aufbau nicht gemeinsam und ist der Weg für Streaming — Einzelheiten bei DTS-UHD.

      DTS-HD LBR, im Handel DTS Express, ist das Niedrigraten-Verfahren für Zweitton, Rundfunk und Netzanwendungen. Es gehört zu dieser Familie, ist aber anders angeschlossen als Master Audio und High Resolution Audio: Laut Spezifikation tritt LBR an die Stelle von Kern und Erweiterungen und bleibt dabei im selben Ökosystem. Als Zahlen nennt die Spezifikation 5.1 Kanäle in Rundfunkqualität ab 192 kbit/s und für den LBR-Stromtyp eine Höchstrate von 768 kbit/s; die im Handel verbreitete Angabe von 24 kbit/s je Kanal stammt aus dem Whitepaper von 2006. Die Verwechslung mit dem Streamingformat der dritten Generation liegt nahe, weil beide für schmale Wege gedacht sind.

      DTS:X benennt keinen Codec, sondern objektbasierten Ton, der in einem Träger mitreist. Von der Scheibe ist dieser Träger Master Audio, über Streamingwege ein anderer; die Aufteilung führt DTS:X übertragen aus.

      Dolby TrueHD ist das verlustfreie Gegenstück der anderen Familie, aber anders gebaut: ein eigenständiger Codec ohne verlustbehafteten Unterbau, dessen Abwärtskompatibilität über eine zweite Tonspur auf der Scheibe entsteht.

      Zwei Namen im Tonmenü

      Eine Blu-ray bietet im Tonmenü zwei DTS-Fassungen an, eine als „DTS-HD MA" und eine als „DTS-HD HR" bezeichnet. Der Kunde fragt, welche er nehmen soll und ob der Unterschied überhaupt zählt.

      Die Auswahl entscheidet über die Codierung und nicht über den Geschmack: Master Audio stellt die Studiofassung wieder her, High Resolution Audio lässt weg. Beide bieten bis zu 7.1 Kanäle bei 96 kHz und 24 Bit, unterscheiden sich also nicht in der Layoutgröße. Wenn beide Fassungen auf derselben Scheibe liegen, ist Master Audio die naheliegende Wahl — die Produktion hat den Platz dafür ohnehin schon ausgegeben.

      Interessant wird es beim nächsten Schritt, und der betrifft die Kette: Was die Anlage aus der Auswahl macht, entscheidet die schwächste Stelle der Strecke. Ist der Weg zu schmal, kommt bei beiden Fassungen derselbe 5.1-Kern an — die Auswahl im Menü ändert daran nichts. Welcher Weg welche Fassung durchlässt und an welchen Stellen unterwegs gewechselt wird, steht bei DTS:X übertragen; die Empfehlung zum Signalweg gehört dorthin und wird hier nicht wiederholt.

      Am Gerät bleiben zwei Fragen: Beherrscht der Prozessor die verlustfreie Erweiterung als Bitstrom — oder gibt der Zuspieler stattdessen Mehrkanal-PCM aus, was klanglich gleichwertig ist, aber die Nachbearbeitung im Prozessor verändert? Und steht der Zuspieler überhaupt auf Bitstream-Ausgabe?

      Verknüpfte Inhalte

      Der Kern unter beiden Fassungen steht bei DTS Digital Surround, das davon unabhängige Streamingformat bei DTS-UHD. Welcher Träger DTS:X über welchen Weg bringt und wo unterwegs gewechselt wird, behandelt DTS:X übertragen.

      Das verlustfreie Gegenstück der Dolby-Familie ist Dolby TrueHD, das verlustbehaftete oberhalb des Basiscodecs Dolby Digital Plus. Warum über den Digitalausgang nur der Kern passt, rechnet Was über S/PDIF und TOSLINK passt vor; welche Formate der Tonrückkanal zulässt, steht bei eARC und ARC.

      Das allgemeine Prinzip hinter der verlustfreien Schicht erklärt verlustfreie Kompression; was Bittiefe und Datenrate aussagen, Bittiefe und Bitrate und Datenrate. Wie weit die Tonformate von Scheibe und Stream auseinanderliegen, vergleicht UHD-Blu-ray gegen Streaming.

      Quellen

      Die Namen und die Zahlen des Verfahrens stehen seit dem 01.09.2026 auf der Spezifikation ETSI TS 102 114 in der Fassung V1.6.1 vom August 2019, die für diesen Nachzug am Objekt gelesen wurde. Aus ihr stammen die Erweiterungsliste XCH, X96, XBR, XXCH, XLL und LBR (Abschnitte 6.1, 8 und 9), die Schwelle von 1,5 Mbit/s bei XBR (Abschnitt 6.3.1), die Reichweite von XXCH mit bis zu 32 zusätzlichen Kanälen über einem Kern von höchstens 5.1 (Abschnitte 4.1 und 6.5.1), die bitgenaue Rekonstruktion, die Höchstabtastrate von 384 kHz und die Bandteilung bei XLL samt seinem Alleinbetrieb (Abschnitte 8.1 und 8.2.5), die Stromkonstruktion mit dem Codingname dtsl und ihr Ausschluss aus dem CMAF-Profil (Anhänge E und H), die Höchstraten 24 576 kbit/s, 6 144 kbit/s und 768 kbit/s (Anhang H), die Aufteilung in bis zu vier Erweiterungs-Substreams mit je bis zu acht Audio Assets (Abschnitte 7.3.1 und 7.5.2) sowie die Einordnung von LBR als Verfahren, das an die Stelle von Kern und Erweiterungen tritt (Abschnitt 9.1). ETSI schützt das Dokument urheberrechtlich; hier stehen deshalb Zahlenwerte, Tabellen- und Abschnittsnummern, keine Passagen im Wortlaut.

      Aus dem DTS-Whitepaper zu DTS-HD Audio vom November 2006, das für diese Seite im Volltext gelesen wurde, bleibt das, worüber die Spezifikation nichts sagt: die Zusammensetzung der beiden Handelsnamen, das Residuen-Verfahren der verlustfreien Schicht, die Regel, dass verlustfreie Codierung immer variabel arbeitet, die Trägergrenzen der Blu-ray Disc und der HD DVD (24,5 und 6,0 gegen 18,0 und 3,0 Mbit/s, die 7.1 Kanäle, 96 und 192 kHz), der Einstiegswert von 24 kbit/s je Kanal für den Zweitton, die Bezeichnung von High Resolution Audio als verlustbehaftet, die Presentations, die historischen HDMI-Angaben und der Trans-Coder-Weg über den Digitalausgang. Es ist eine Herstellerdarstellung mit Datenstand November 2006. Dass DTS die 7.1 selbst den Spezifikationen von Blu-ray Disc und HD DVD zuordnet, steht im Jahresbericht (Form 10-K) des Unternehmens für das Geschäftsjahr 2006.

      Dass DTS:X auf Master Audio aufsetzt, steht in der DTS-Ankündigung vom April 2015 und ist bei den DTS:X-Trägerformaten im Einzelnen belegt. Die Einordnung als zweite von drei Generationen der DTS-Auslieferungsformate stammt aus ETSI TS 103 491 und ist beim Eintrag zu DTS-UHD belegt. Dass Master Audio in der Formatliste der neueren Rückkanal-Ausbaustufe steht, gibt der HDMI-Lizenzgeber an; die Fundstelle wird beim Eintrag zu eARC und ARC geführt.

    • Dolby Digital

      Glossar

      Dolby Digital (AC-3)

      Dolby Digital ist der ältere verlustbehaftete Mehrkanalcodec von Dolby Laboratories. Sein technischer Name ist AC-3, und unter diesem Namen ist er in ETSI TS 102 366 spezifiziert: Das Verfahren codiert ein bis 5.1 Kanäle aus einer PCM-Darstellung in einen seriellen Bitstrom mit Datenraten von 32 bis 640 kbit/s. Wichtiger als jede dieser Zahlen ist seine Rolle in der Kette — er ist das Format, das überall ankommt.

      Raumklang muss klein genug sein, um auf eine Scheibe oder durch eine Leitung zu passen. Dolby Digital war die erste Verpackung, die das für fünf Lautsprecher und einen Basskanal geschafft hat, und sie ist bis heute die einzige, die wirklich jedes Gerät auspacken kann. Deshalb greift Deine Anlage darauf zurück, wenn irgendwo unterwegs etwas Größeres nicht durchpasst. Du merkst davon nichts: Es klingt weiter nach Raumklang, nur eben nach dem von früher. Wer wissen will, was wirklich ankommt, schaut aufs Display des Verstärkers und nicht auf die Verpackung des Films.

      Ausführliche Erklärung

      Was in einem AC-3-Datenstrom steckt

      Das Verfahren kommt aus dem Kino. Dolby nennt „Batman Returns" von 1992 als den ersten Spielfilm, der in Dolby Digital in die Lichtspielhäuser kam; auf 35-mm-Kopien lag die Tonspur zwischen den Perforationslöchern, neben der analogen Spur. Erst danach wanderte es in die DVD, in den digitalen Rundfunk und schließlich auf die Blu-ray Disc.

      Die Spezifikation zieht die Grenzen eng, und genau das war die Absicht. Ein AC-3-Strom arbeitet bei Abtastraten von 32, 44,1 oder 48 kHz und kennt 19 feste Datenraten zwischen 32 und 640 kbit/s — dazwischen gibt es nichts. Die Kanalbelegung reicht von einem einzelnen Kanal bis zu drei vorderen und zwei hinteren, dazu wahlweise der Tieffrequenzkanal, der als „.1" gezählt wird, weil er ungefähr ein Zehntel der Bandbreite eines Vollbereichskanals braucht (Näheres beim LFE-Kanal).

      Wie stark dabei zusammengedrückt wird, macht die Beispielrechnung der Spezifikation anschaulich: Ein 5.1-Programm mit 48 kHz und 18 Bit ergibt unkomprimiert gut 5 Mbit/s; als AC-3 mit 384 kbit/s bleibt davon etwa ein Dreizehntel übrig. Diese Ersparnis ist der ganze Zweck des Verfahrens, und sie ist nur zu haben, indem Signalanteile weggelassen werden, die das Gehör bei gleichzeitig lauteren Anteilen ohnehin kaum wahrnimmt. Was einmal weg ist, kommt beim Dekodieren auch nicht zurück.

      Warum auf der DVD 448 steht und auf der Blu-ray 640

      Welche Datenrate ein konkreter Film bekommt, entscheidet das Format, auf dem er liegt — der Codec lässt jeden der Werte zu. Dolby nennt für 5.1-Ton auf der DVD 384 oder 448 kbit/s und auf der Blu-ray Disc 640 kbit/s. Der Grund steht im Dolby-Techpaper zu Dolby Digital Plus: Die DVD kann Dolby-Digital-Datenströme über 448 kbit/s gar nicht aufnehmen, die Blu-ray gibt erstmals die vollen 640 kbit/s her.

      In der Beratung ist das ein regelmäßig gebrauchtes Argument: Derselbe Film läuft in demselben Format auf der Blu-ray mit rund vierzig Prozent mehr Datenrate als auf der DVD, ohne dass sich am Verfahren etwas geändert hätte — nach Dolbys Angabe klingt die höhere Rate auf vorhandenen Anlagen entsprechend besser. Klar, gemessen hat das niemand für den konkreten Raum, und gegenüber dem Sprung auf einen verlustfreien Träger ist es ein kleiner Schritt. Aber es ist einer, für den niemand ein neues Gerät braucht.

      Dolby Digital in der Praxis
      Codierungverlustbehaftet
      Kanäle1.0 bis 5.1, diskret
      Abtastraten32, 44,1 oder 48 kHz
      Datenraten laut Spezifikation32 bis 640 kbit/s in 19 Stufen
      DVD, 5.1384 oder 448 kbit/s
      Blu-ray Disc, 5.1640 kbit/s
      Über den Digitalausgangvollständig, ohne Einschränkung

      Die Metadaten fahren mit

      Ein AC-3-Strom transportiert neben dem Ton einen Satz von Anweisungen aus der Produktion. Dolby nennt das Metadaten, und zwei davon merkt jeder Zuhörer, ohne sie zu kennen. Die Dialognormalisierung hält den wahrgenommenen Sprachpegel über verschiedene Programme hinweg gleich — was sie genau macht, steht bei der Dialognormalisierung. Die Abwärtsmischung sorgt dafür, dass aus derselben 5.1-Fassung auf einer Stereoanlage oder einem Fernseher etwas Sinnvolles wird; die Regeln dafür behandelt der Downmix.

      Diese Metadaten sind der Grund, warum ein einziger Datenstrom für Mono, Stereo und 5.1 genügt. Sie sind zugleich die Erklärung für einen häufigen Reklamationsgrund: Wenn Dialoge zu leise wirken, liegt das oft an einem Metadatenwert und nicht am Lautsprecher davor.

      Warum jede Strecke dieses Format durchlässt

      Für die Übertragung über eine Zweikanal-Digitalverbindung hat die Normreihe IEC 61937 dem Verfahren den Datentyp 1 zugewiesen, mit einer Wiederholperiode von 1 536 Rahmen — und ein AC-3-Syncframe umfasst genau 1 536 Abtastwerte je Kanal. Rahmenzahl und Abtastwertzahl fallen also zusammen, die Verbindung läuft mit derselben Frequenz wie der Ton darin. Deshalb kommt Dolby Digital über jeden optischen oder koaxialen Digitalausgang, den es je gab, und deshalb auch über die ältere Ausbaustufe des Tonrückkanals. Die Rechnung dazu steht bei Was über S/PDIF und TOSLINK passt.

      Häufiges Missverständnis

      „Dolby Digital ist das Basisformat, also die schlechte Wahl." Der erste Halbsatz stimmt, der zweite verkürzt. Ein 5.1-Ton mit 640 kbit/s von einer gut abgemischten Blu-ray ist in einem normalen Wohnraum eine tadellose Grundlage; der Abstand zum verlustfreien Träger ist real, aber er entscheidet sich an Raum, Pegel und Material und nicht an der Zahl im Datenblatt. Problematisch wird das Format erst dort, wo es unbemerkt an die Stelle eines besseren tritt — und das ist eine Frage des Signalwegs.

      „Wenn der Verstärker Dolby Digital anzeigt, liegt Dolby Digital auf der Scheibe." Die Anzeige liest die Formatkennung des ankommenden Datenstroms aus. Sie beweist, was gesendet wurde, und sagt nichts darüber, was die Quelle hergegeben hätte. Ein Zuspieler mit eingeschalteter Dolby-Digital-Compatible-Output-Betriebsart erzeugt genau diesen Strom mit 640 kbit/s selbst — aus einem beliebigen anderen Format. Am Gerät wirkt dabei nichts defekt.

      „AC-3 ist ein anderer Codec als Dolby Digital." Es sind zwei Namen für dieselbe Sache: AC-3 die technische Bezeichnung der Spezifikation, Dolby Digital der Handelsname. In Datenblättern und in Normtexten stehen beide nebeneinander.

      Nicht zu verwechseln mit

      Dolby Digital Plus (E-AC-3) ist der Nachfolgecodec. Er baut auf denselben Grundlagen auf, spannt aber einen viel größeren Datenratenbereich und mehr Kanäle. Über den optischen Ausgang kommt er nicht — die Einzelheiten stehen bei Dolby Digital Plus.

      Dolby TrueHD ist ein eigenständiger, verlustfreier Codec und mit AC-3 technisch nicht verwandt. Auf einer Blu-ray liegen beide oft nebeneinander, weil der Inhalteanbieter eine begleitende Dolby-Digital-Spur mitgibt; Näheres bei Dolby TrueHD.

      Dolby Surround und Dolby Pro Logic sind keine Codecs. Sie beschreiben ein älteres Verfahren, bei dem zusätzliche Kanäle in eine Stereospur hineingerechnet und beim Abspielen wieder herausgeholt werden. Dolby Digital überträgt seine Kanäle dagegen getrennt.

      Dolby Atmos bezeichnet eine Zusatzinformation über Klangobjekte, die in einem Trägerformat mitreist. Dolby Digital gehört nicht zu den vorgesehenen Trägern; welche es sind, führt Dolby Atmos übertragen aus.

      DTS Digital Surround ist das Gegenstück aus der anderen Familie — ebenfalls verlustbehaftet, ebenfalls 5.1, ebenfalls überall vorhanden, aber mit deutlich höherer Datenrate und anderem Aufbau. Der Vergleich steht bei DTS Digital Surround.

      Wenn das Display den älteren Namen zeigt

      Ein Kunde meldet, sein neuer Prozessor zeige bei einer bestimmten Blu-ray nur „Dolby Digital", obwohl auf der Hülle ein größeres Format steht. Vor jeder Einstellung klärt sich, welchen Weg der Ton nimmt.

      Drei Stellen kommen in Frage, und alle drei erzeugen dasselbe Bild. Steht der Zuspieler auf PCM statt auf Bitstream, dekodiert er selbst und schickt etwas anderes los. Läuft der Ton über den Fernseher zurück und dessen Rückkanal ist die ältere Ausbaustufe, endet die Kette bei den Formaten, die auch eine Zweikanalverbindung schafft. Und ist im Zuspieler die Betriebsart für einen kompatiblen Digitalausgang aktiv, erzeugt er den 640-kbit/s-Strom sogar absichtlich.

      Das Gerät kommt erst am Ende ins Spiel, und die Frage an das Datenblatt ist konkreter als „welche Formate kann es": Welche Ausbaustufe des Rückkanals führen Fernseher und Prozessor, und auf welcher Einstellung wird der Zuspieler übergeben? Ob ein vorhandenes Gerät ein fehlendes Format überhaupt noch nachgerüstet bekommen kann, ist eine eigene Frage und hängt nicht allein an der Rechenleistung — sie steht bei Warum ein Gerät ein neues Tonformat nicht bekommt.

      Verknüpfte Inhalte

      Warum dieses Format über jede Zweikanal-Digitalstrecke passt und der Nachfolger nicht, rechnet Was über S/PDIF und TOSLINK passt an der Norm vor; die Schnittstelle selbst beschreibt S/PDIF, ihre optische Ausführung TOSLINK. Welche Formate der Tonrückkanal in welcher Ausbaustufe zulässt, steht bei eARC und ARC.

      Was die Ziffern einer Angabe wie 5.1 abzählen, klärt die Kanal-Notation; was in der „.1" steckt, der LFE-Kanal. Was eine Datenrate überhaupt aussagt, behandelt Bitrate und Datenrate.

      Quellen

      Der Kanalumfang von einem bis 5.1 Kanälen und der Datenratenbereich von 32 bis 640 kbit/s stammen aus ETSI TS 102 366 in der Fassung V1.3.1 vom August 2014, die für diese Seite in der Einleitung und im ersten Abschnitt am Objekt gelesen wurde. Die einzelnen 19 Datenratenstufen, die drei Abtastraten und die Kanalkonfigurationen stehen im AES-Konferenzbeitrag von acht Dolby-Entwicklern um Louis D. Fielder, vorgetragen im Oktober 2004 in San Francisco.

      Die Werte 384 und 448 kbit/s für die DVD sowie 640 kbit/s für die Blu-ray Disc gibt Dolby in der Spezifikationstabelle seiner Produktseite an; dass die DVD keine Ströme über 448 kbit/s aufnehmen kann und dass Blu-ray-Abspielgeräte lediglich Dolby-Digital-Kompatibilität mitbringen müssen, steht im Dolby-Techpaper von 2008. Beides ist Herstellerdarstellung, ebenso die Angabe, dass die höhere Datenrate auf vorhandenen Anlagen besser klingt.

      Dass „Batman Returns" 1992 der erste Spielfilm in Dolby Digital war, gibt Dolby in einer eigenen Pressemitteilung an; die Lage der Tonspur auf der 35-mm-Kopie beschreibt Dolby auf seiner Produktseite. Für beide Angaben wurde keine unabhängige Gegenprüfung gesucht — sie ordnen den Begriff zeitlich ein und begründen keine Aussage der Seite.

      Der Datentyp 1 und die Wiederholperiode von 1 536 Rahmen stammen aus IEC 61937-3 und sind auf der Seite zu den Zweikanalschnittstellen im Einzelnen belegt.

    • Dolby Digital Plus

      Glossar

      Dolby Digital Plus (E-AC-3)

      Dolby Digital Plus ist der verlustbehaftete Nachfolger von Dolby Digital. Technisch heißt das Verfahren Enhanced AC-3, kurz E-AC-3, und es steht im Anhang E derselben Spezifikation wie sein Vorgänger. Die acht Dolby-Entwickler um Louis D. Fielder, die es 2004 auf der AES-Convention in San Francisco vorstellten, beschrieben es als Erweiterung des bestehenden Standards unter Beibehaltung seiner Metadaten, seiner Filterbank und seiner Rahmenstruktur — mit einem Datenratenbereich von 32 kbit/s bis 6,144 Mbit/s statt der 32 bis 640 kbit/s des Vorgängers.

      Dieses Format ist die Verpackung, in der Raumklang aus dem Internet bei Dir ankommt — bei Filmen genauso wie beim Fernsehen über die Leitung. Es kann viel mehr als sein Vorgänger, wird in der Praxis aber meistens sehr sparsam eingestellt, weil eine Internetleitung nicht beliebig viel hergibt. Das Nützlichste daran merkt man nie: Wenn Deine Anlage die neue Verpackung nicht kennt, kann das sendende Gerät sie in die alte umpacken, ohne den Ton dabei auseinanderzunehmen. Deshalb bleibt bei Dir immer etwas Vernünftiges übrig, auch mit älteren Geräten.

      Ausführliche Erklärung

      Zwei Richtungen zugleich: sparsamer und größer

      Der Vorgänger hatte eine feste Treppe von 19 Datenraten zwischen 32 und 640 kbit/s. Dolby Digital Plus spannt denselben Bogen weiter und macht ihn zugleich feiner: Die Ratensteuerung arbeitet im günstigsten Fall in Schritten von einem Drittel Bit je Sekunde — der AES-Beitrag nennt dafür 32 kHz Abtastrate und einen Rahmen aus sechs Blöcken; mit höherer Abtastrate wird die Schrittweite gröber, mit längerem Rahmen feiner. Nach oben endet der Bereich bei 6,144 Mbit/s.

      Möglich wird der obere Teil durch einen Eingriff in die Rahmenstruktur. Ein AC-3-Rahmen besteht immer aus sechs Transformationsblöcken; E-AC-3 erlaubt zusätzlich Rahmen aus einem, zwei oder drei Blöcken. Das klingt nach einer Nebensächlichkeit, hat aber einen handfesten Zweck: In Formaten, die die Datenmenge je Rahmen begrenzen, lassen sich damit Raten über 640 kbit/s überhaupt erst unterbringen.

      Nach unten zählt die andere Hälfte. Die neuen Werkzeuge — eine verbesserte Filterbank, feinere Quantisierung, erweiterte Kanalkopplung, Spectral Extension und eine Vorrauschbehandlung bei Transienten — sind dafür da, bei kleinen Raten mehr herauszuholen. Dolby beziffert das Ergebnis für die eigene Familie mit ungefähr der halben Datenrate bei vergleichbarer Qualität; das ist eine Herstellerangabe und keine Messgröße.

      Der Aufbau: ein Kern mit 5.1 und Erweiterungen darüber

      Für mehr als 5.1 Kanäle hätte es zwei Wege gegeben. Der eine ist das Rematrizieren: Aus einer Stereomischung und Zusatzströmen wird beim Abspielen wieder eine größere Mischung gerechnet. Dolby verwarf ihn mit einer nachvollziehbaren Begründung — beim Zurückrechnen landen Codierartefakte und Nutzsignal auf verschiedenen Lautsprechern, und was vorher verdeckt war, wird dabei hörbar.

      Der gewählte Weg steht in der Norm als Substream-Struktur. Ein E-AC-3-Bitstrom enthält mindestens einen unabhängig dekodierbaren Substream mit der Nummer 0; jeder Dekoder muss ihn beherrschen und alle weiteren überspringen können. Führt ein Programm mehr als 5.1 Kanäle, enthält Substream 0 eine vollständige 5.1-Abmischung, und abhängige Substreams ersetzen oder ergänzen einzelne Kanäle darin. Bei einer 7.1-Mischung heißt das konkret: Im Kern stehen die beiden Surround-Kanäle als Mischung aus Surround und Back, in der Erweiterung stehen die vier getrennt. Ein 5.1-Dekoder liest nur den Kern und hört eine saubere 5.1-Fassung; ein 7.1-Dekoder ersetzt die beiden gemischten Kanäle durch die vier eigenen.

      Auf der Blu-ray ist es enger als das Format erlaubt

      Die Formatgrenze von 6,144 Mbit/s spielt auf der Scheibe keine Rolle. Dolby nennt dort 640 kbit/s für den Kernrahmen und 1,024 Mbit/s für den Erweiterungsrahmen, zusammen also 1,7 Mbit/s; ein Ausbau auf vier Erweiterungsrahmen und damit 4,7 Mbit/s stand 2008 als Möglichkeit im Raum, falls das Format je mehr als acht diskrete Kanäle vorsehen sollte.

      Ein Detail dieser Auslegung erklärt eine Fähigkeit, die sonst rätselhaft wirkt: Weil die Blu-ray keine Paketbeschränkung kennt, arbeitet das Verfahren dort immer mit vollen Sechs-Block-Rahmen — genau wie Dolby Digital. Kern- und Erweiterungsrahmen haben deshalb denselben Aufbau, und der Kernrahmen lässt sich ohne jede Umwandlung an den Digitalausgang weiterreichen.

      Dolby Digital Plus
      Codierungverlustbehaftet
      Datenraten laut Format32 kbit/s bis 6,144 Mbit/s, feinstufig
      Blu-ray Disc640 kbit/s Kernrahmen + 1,024 Mbit/s Erweiterungsrahmen
      Kanälebis 7.1 auf der Blu-ray Disc; Format bis 15.1
      Abtastraten32, 44,1 oder 48 kHz
      Rahmenlänge1, 2, 3 oder 6 Blöcke
      Über den optischen Ausgangnein (siehe unten)

      Umpacken statt neu codieren

      Die wichtigste Eigenschaft für die Praxis ist der Rückweg. Weil beide Verfahren dieselbe Filterbank, dieselbe Blockausrichtung, dasselbe Bitzuteilungsverfahren und dieselbe Rahmenstruktur verwenden, lässt sich ein E-AC-3-Strom in einen AC-3-Strom umpacken, ohne ihn zwischendurch nach PCM zu dekodieren und neu zu codieren. Der AES-Beitrag nennt die dafür zuständige Stufe einen besonderen Transcoder, der die Quantisierung der Transformationskoeffizienten möglichst unangetastet lässt — genau daran hängt es, dass beim Umpacken kaum etwas verlorengeht. Das Ergebnis ist immer ein Strom mit 640 kbit/s, notfalls durch Auffüllen.

      Diesen Weg nimmt jeder Kabel- oder Satellitenempfänger, der einen Digitalausgang hat, und jeder Blu-ray-Zuspieler mit Dolby-Digital-Compatible-Output. Er ist der Grund, warum ein zwanzig Jahre alter Verstärker an einer modernen Quelle immer noch sinnvoll läuft.

      Warum nicht durch die optische Buchse

      Für die Übertragung über eine Zweikanal-Digitalverbindung hat die Normreihe IEC 61937 dem Verfahren den Datentyp 21 zugewiesen, mit einer Wiederholperiode von 6 144 Rahmen — dem Vierfachen dessen, was für AC-3 gilt. Die Verbindung muss dafür mit der vierfachen Rahmenfrequenz laufen, bei 48-kHz-Material also mit 192 kHz, und daran endet der optische Weg. Die Rechnung und die Bauteilgrenze stehen bei Was über S/PDIF und TOSLINK passt und werden hier nicht wiederholt.

      Häufiges Missverständnis

      „Plus heißt besser als Dolby Digital." Das Format kann mehr — mehr Kanäle, mehr Datenrate, feinere Steuerung. Was davon ankommt, entscheidet aber der Absender. Netflix fährt 5.1 auf einer Leiter von 192 bis 640 kbit/s und passt die Stufe seit 2019 laufend an die Netzlage an; dieselbe Szene kann heute mit 640 und morgen mit 192 kbit/s ankommen, ohne dass die Anlage etwas anzeigt. Ein 640-kbit/s-Strom im alten Format von einer Blu-ray kann also durchaus mehr Substanz haben als ein 192-kbit/s-Strom im neuen. Die Formatbezeichnung allein beantwortet die Qualitätsfrage nicht.

      „Wenn Atmos angezeigt wird, ist der Ton so gut wie auf der Scheibe." Dolby Atmos reist in einem Träger mit, und Dolby Digital Plus ist der verlustbehaftete der beiden vorgesehenen. Netflix nennt für seine höchste Atmos-Stufe 768 kbit/s; auf der Scheibe liegt dieselbe Objektinformation im verlustfreien Träger mit einem Vielfachen davon. Die Anzeige am Verstärker beschreibt die Objektinformation und sagt über den Träger darunter nichts. Was daraus für die Gerätekette folgt, führt Dolby Atmos übertragen aus.

      „Mein Verstärker kann Dolby Digital, dann kann er auch Plus." Die Abwärtsrichtung stimmt und die Aufwärtsrichtung nicht: Ein DD+-Dekoder versteht auch AC-3, umgekehrt gilt das nicht. Wo der Verstärker das neuere Format nicht beherrscht, muss ein Gerät davor umpacken — und ob es das tut, steht im Datenblatt des Zuspielers und nicht in dem des Verstärkers.

      Nicht zu verwechseln mit

      Dolby Digital (AC-3) ist der Vorgänger und zugleich das Ziel des Umpackens. Er bleibt in jeder Kette der Rückfallweg; Einzelheiten bei Dolby Digital.

      Dolby TrueHD ist ein getrennter, verlustfreier Codec ohne technische Verwandtschaft. Es gibt keine verlustfreie Erweiterung von Dolby Digital Plus — Dolby hat sich ausdrücklich dagegen entschieden und begründet das im eigenen Techpaper. Was daraus folgt, steht bei Dolby TrueHD.

      DTS-HD High Resolution Audio ist das nächstliegende Gegenstück aus der anderen Familie: ebenfalls verlustbehaftet, ebenfalls oberhalb des jeweiligen Basiscodecs angesiedelt. Der Aufbau ist trotzdem ein anderer, weil DTS seine Erweiterung auf einen verlustbehafteten Kern setzt; siehe DTS-HD.

      Dolby Atmos benennt keinen Codec. Es ist die Objektinformation, die in diesem Format oder in Dolby TrueHD mitreist; das Prinzip dahinter erklärt die Technologieseite zum objektbasierten Ton.

      Warum derselbe Film zweimal verschieden klingt

      Ein Kunde beschreibt eine Beobachtung, die zunächst nach einem Defekt klingt: Dieselbe Serienfolge über denselben Dienst wirkt an manchen Abenden voller als an anderen, und die Anzeige am Verstärker ändert sich dabei nicht.

      Die Erklärung liegt in einer Eigenschaft dieses Formats, die bei den älteren Codecs so nicht vorkommt: Weil die Datenrate feinstufig steuerbar ist, können Dienste den Ton auf einer Leiter ausspielen und die Stufe laufend an die Leitung anpassen. Netflix beschreibt genau das seit 2019 und nennt für 5.1 eine Leiter von 192 bis 640 kbit/s. Die Formatkennung im Datenstrom bleibt dabei dieselbe, deshalb steht am Verstärker immer derselbe Name.

      Für die Beratung folgt daraus etwas Unbequemes: Der Ton eines Dienstes lässt sich nicht als feste Größe planen, wie es bei einer Scheibe geht. Was sich planen lässt, ist die Kette darum herum — eine belastbare Anbindung, ein Weg, der das Format überhaupt durchlässt, und ein Verstärker, der es selbst dekodiert, statt sich etwas umpacken zu lassen.

      Am Gerät bleibt eine Frage übrig, die häufig übersehen wird: Wo im Signalweg wird dekodiert? Solange ein Fernseher oder Empfänger den Datenstrom entgegennimmt und selbst etwas anderes weitergibt, hängt das Ergebnis an diesem Gerät und nicht am Prozessor dahinter.

      Verknüpfte Inhalte

      Der Vorgänger, auf den dieses Format zurückfällt, steht bei Dolby Digital; das verlustfreie Gegenstück derselben Familie bei Dolby TrueHD. Warum die Rahmenfrequenz den optischen Weg verschließt, rechnet Was über S/PDIF und TOSLINK passt an der Norm vor.

      In welchem Träger Dolby Atmos über welchen Weg ankommt, behandelt Dolby Atmos übertragen; wie weit die Tonformate von Scheibe und Stream auseinanderliegen, vergleicht UHD-Blu-ray gegen Streaming. Warum ein einziger Datenstrom für Stereo und Mehrkanal genügt, klären Downmix und Dialognormalisierung.

      Quellen

      Der Datenratenbereich von 32 kbit/s bis 6,144 Mbit/s, die feinstufige Ratensteuerung, die kürzeren Rahmen aus einem, zwei oder drei Blöcken, die neuen Codierwerkzeuge und die Beschreibung des Umpackens nach AC-3 stammen aus dem AES-Konferenzbeitrag von acht Dolby-Entwicklern um Louis D. Fielder, vorgetragen im Oktober 2004 in San Francisco und für diese Seite in den Abschnitten 1 bis 3.1.1 am Objekt gelesen.

      Die Substream-Struktur — mindestens ein unabhängig dekodierbarer Substream, ein 5.1-Downmix in Substream 0 bei größeren Programmen, abhängige Substreams darüber — steht in ETSI TS 102 366, Anhang E, Abschnitt E.2.8. Die Blu-ray-Werte 640 kbit/s und 1,024 Mbit/s, die Sechs-Block-Rahmen auf der Scheibe, der direkte Weg des Kernrahmens zum Digitalausgang und die Begründung gegen eine verlustfreie Erweiterung stehen im Dolby-Techpaper von 2008 und sind Herstellerdarstellung. Kanalzahl, Abwärtskompatibilität und die Angabe „32 kbit/s bis 6 Mbit/s" nennt Dolby zusätzlich auf der eigenen Technologieseite, dort ohne Datumsangabe.

      Der Datentyp 21 und die Wiederholperiode von 6 144 Rahmen stammen aus IEC 61937-3 und sind auf der Seite zu den Zweikanalschnittstellen im Einzelnen belegt. Die Bitratenleiter von 192 bis 640 kbit/s für 5.1 und die Obergrenze von 768 kbit/s für Atmos sind Angaben von Netflix und stehen auf der Vergleichsseite zu Disc und Streaming.

    • DTS Digital Surround

      Glossar

      DTS Digital Surround (DTS-Kern)

      DTS Digital Surround ist der ursprüngliche verlustbehaftete Mehrkanalcodec von DTS. Das zugrunde liegende Verfahren heißt Coherent Acoustics und wurde 1996 eingeführt; es codiert bis zu fünf Primärkanäle und einen LFE-Kanal mit konstanter Datenrate, auf der Scheibe bei 44,1 oder 48 kHz. Der zweite, gebräuchliche Name „DTS-Kern" meint dasselbe Format in seiner Rolle innerhalb der Familie: In jedem neueren DTS-Datenstrom der Disc-Generation steckt genau dieser Ton, und die Erweiterungen darüber sitzen im selben Datenstrom.

      Wenn auf einer Filmhülle oder im Display Deines Verstärkers schlicht „DTS" steht, ist fast immer dieses Format gemeint — das älteste der Familie und das einzige, das wirklich jedes DTS-fähige Gerät versteht. Neuere DTS-Tonspuren sind so gebaut, dass dieses alte Format immer darin enthalten bleibt. Das ist praktisch, weil nie etwas ausfällt: Was Dein Gerät nicht kann, lässt es einfach liegen und spielt den Rest. Es ist zugleich die Falle, denn Du merkst nicht, wenn nur noch der Rest ankommt. Ein Blick aufs Display sagt Dir mehr als jede Angabe auf der Verpackung.

      Ausführliche Erklärung

      Woher die 1,5 Mbit/s kommen

      Die Datenrate des Verfahrens ist keine Willkür, sondern hat einen historischen Grund, den DTS selbst nennt. Die erste Anwendung auf optischer Disc war ein 5.1-Kanal-System bei 44,1 oder 48 kHz mit 16 bis 24 Bit und 1,5 Mbit/s — und das war genau die Datenrate, die auf diesen Medien für zwei Kanäle 16-Bit-PCM ohnehin vorgesehen war. DTS hat also den vorhandenen Platz eines Stereosignals genommen und sechs Kanäle hineingelegt. Die Spezifikation datiert nichts und begründet auch nichts historisch, führt aber genau diese beiden Stereo-Rechnungen als Tabellenwerte: 1 411,2 kbit/s für zwei Kanäle bei 44,1 kHz und 16 Bit, 1 536 kbit/s für zwei Kanäle bei 48 kHz und 16 Bit.

      Daraus folgt der Grundgedanke, den DTS für Coherent Acoustics angibt: Codiereffizienz in Qualität umsetzen statt in Sparsamkeit, und die wesentlichen Parameter breit skalierbar halten. Wie weit diese Skalierung reicht, steht in der Spezifikation: Tabelle 5-7 von ETSI TS 102 114 führt 29 Zieldatenraten von 32 bis 1 536 kbit/s und zusätzlich einen offenen Modus. Für Mehrkanal-Filmton sind davon die oberen Stufen im Gebrauch — 768, 960, 1 152 und 1 344 kbit/s stehen darin, oben schließt die Tabelle mit 1 408, 1 411,2, 1 472 und 1 536 kbit/s ab. Auf der DVD wurde häufig 768 kbit/s verwendet, um Platz zu sparen; die Blu-ray Disc arbeitet mit 1 509 kbit/s.

      Auf Blu-ray Disc und HD DVD steht das Verfahren dagegen als einziges der Familie mit dem Vermerk „Mandatory" in der Statustabelle des Herstellers, bei 5.1 Kanälen und 1 509 kbit/s. Eine Feinheit dieser Zeile wird oft überlesen: Verpflichtend ist die Dekodierung, und als Ausgabe verlangt die Tabelle dafür nur zwei Kanäle analog. Die Ausgabe mit 5.1 Kanälen steht in derselben Tabelle als eigene Zeile — und dort als optional. Alle DTS-HD-Fassungen und auch die älteren Erweiterungen sind durchgehend optional.

      DTS Digital Surround
      Codierungverlustbehaftet, konstante Datenrate
      Kanälebis zu fünf Primärkanäle plus LFE-Kanal, also 5.1
      Abtastratenneun Stufen von 8 bis 48 kHz; auf der Scheibe 44,1 oder 48 kHz
      Bittiefe16, 20 oder 24 Bit
      Zieldatenraten29 Stufen von 32 bis 1 536 kbit/s
      DVD, verbreitet768 kbit/s
      Blu-ray Disc und HD DVDDekodierung verpflichtend, 1 509 kbit/s
      Mit der Erweiterung DTS-ES6.1 Kanäle bei 48 kHz/24 Bit
      Mit der Erweiterung DTS 96/245.1 Kanäle bei 96 kHz/24 Bit
      Über den Digitalausgangvollständig

      Kern und Erweiterungen — in einem Datenstrom

      Der Aufbau ist das eigentliche Kennzeichen der DTS-Familie, und DTS nennt ihn als bewusste Konstruktionsentscheidung: Die Kern-plus-Erweiterung-Architektur sichere die vollständige Abwärtskompatibilität zu allen Dekodern, gleich welche Verbesserung noch kommt. Der Kern führt die 5.1 Kanäle; Erweiterungen enthalten zusätzliche Kanäle, Daten für höhere Abtastraten oder — im Wortlaut von 2006 — Verbesserungen, die noch niemand erdacht hat. Alle Dekoder verwenden den Kern, fortgeschrittene zusätzlich die Erweiterungsdaten, und wer eine Erweiterung nicht versteht, ignoriert sie.

      Entscheidend ist der Zusatz, dass Kern und Erweiterung in einem einzigen Datenstrom liegen. DTS begründet das unter anderem damit, dass diese Kombination in der Regel weniger Platz braucht als eine ältere Tonspur und eine hochauflösende Spur nebeneinander.

      Wo genau die Grenze zwischen beidem verläuft, legt die Spezifikation an der Mechanik fest. Der Kern führt bis zu fünf Primärkanäle mit Frequenzanteilen unterhalb von 24 kHz und dazu höchstens einen LFE-Kanal; alles darüber ist erweitertes Audio. Zeigt das Feld AMODE mehr als fünf Kanäle neben dem LFE an, liegen die zusätzlichen Kanäle getrennt davon in den erweiterten Datenfeldern. Der Kern selbst wird immer ohne Bezug auf die Erweiterung codiert — das ist die technische Fassung des Versprechens, dass ihn jedes Gerät bekommt.

      Zwei Erweiterungen sind so alt, dass sie schon zum Kern-Kapitel gehören. DTS-ES — in der Spezifikation XCH — fügt einen hinteren Mittenkanal hinzu und kommt damit auf 6.1 Kanäle bei 48 kHz und 24 Bit; damit ein älteres Gerät nichts verliert, steckt der Downmix dieses Kanals auf die beiden Surroundkanäle mit festen Koeffizienten bereits im Kern. DTS 96/24 — in der Spezifikation X96 — hebt die Abtastrate für 5.1 Kanäle auf 96 kHz und überträgt dafür die Hochtonanteile als Residuen zum Kern. Beide bleiben innerhalb der Kernrate von höchstens 1 509 kbit/s — sie erweitern also die Anwendung, ohne die Datenrate zu sprengen. Was darüber liegt, gehört zur nächsten Generation und steht bei DTS-HD.

      Der Rückfall, den DTS selbst beschreibt

      Wenn eine Strecke nur eine begrenzte Datenrate hergibt, kommt der Kern an. DTS hat den Fall für den Digitalausgang ausdrücklich beschrieben: Über S/PDIF läuft DTS Digital Surround mit den vollen 1,5 Mbit/s bis 5.1 Kanäle, und im Schaubild dazu sitzt im Zuspieler ein Trans-Coder, der den größeren DTS-HD-Datenstrom auf genau diesen Kern zurückführt. Im Diagramm der Blu-ray-Datenraten ist die Grenze der Zweikanalschnittstelle folgerichtig bei 1,5 Mbit/s eingezeichnet.

      Auch die ältere Ausbaustufe des Tonrückkanals endet hier, allerdings über einen Umweg im Beleg: Sie wurde laut HDMI-Lizenzgeber ausdrücklich als Ersatz für eine S/PDIF-Verbindung entworfen und kann formatseitig deshalb dasselbe. Eine Aussage von DTS zum Tonrückkanal selbst liegt nicht vor; dieser Schluss stammt von AVITECT und steht mit seiner Beleglage bei eARC und ARC.

      Was diesen Rückfall in der Praxis gefährlich macht, ist seine Geräuschlosigkeit. Kein Gerät meldet einen Fehler, keine Lampe geht aus, und die Anzeige stimmt sogar: Es kommt DTS an. Nur eben der Kern.

      Häufiges Missverständnis

      „DTS hat die höhere Datenrate als Dolby Digital, also klingt es besser." Die Zahlen stimmen — 1 509 gegenüber höchstens 640 kbit/s — und der Schluss geht trotzdem zu weit. Es sind zwei verschiedene Codierverfahren, und eine Datenrate lässt sich nur innerhalb desselben Verfahrens vergleichen. Dazu kommt, dass beide Tonspuren im Studio getrennt abgemischt werden: Was ein Hörer wahrnimmt, geht möglicherweise auf die Abmischung zurück und nicht auf den Codec. Klar, mehr Datenrate schadet nie — aber sie ist ein Argument und kein Beweis, und für einen belastbaren Vergleich müsste dasselbe Material über beide Wege nebeneinander laufen.

      „Auf dem Display steht DTS, also kommt die volle Tonspur an." Der Kern heißt ebenfalls DTS, und er kommt fast immer an — das ist der Sinn der Konstruktion. Die beantwortbare Frage lautet, in welcher Fassung: Kern allein, oder Kern samt Erweiterung? Unterscheidet ein Gerät die beiden Fälle, schreibt es die Erweiterung im Display dazu; ob es das tut, steht im Handbuch des Modells.

      „DTS im Kino und DTS auf der Scheibe sind dasselbe Verfahren." Der Firmenname steht über beidem, die Technik dahinter ist eine andere, und das Unternehmen hat beide Geschäfte in seinem Jahresbericht von 2006 nebeneinander beschrieben. Gegründet wurde DTS 1990; 1993 stieg unter anderem Universal City Studios ein, und im selben Jahr entstand die erste DTS-Tonspur für „Jurassic Park". Das Kinosystem arbeitet mit zwei Medien: Der Ton liegt auf CD-ROM, ein firmeneigener Zeitcode wird auf die Filmkopie gedruckt und hält Ton und Bild zusammen, und übereinstimmende elektronische Seriennummern ordnen Scheibe und Kopie einander zu. Den Umweg begründet DTS praktisch — Ton auf einem optischen Medium nutzt sich mit der Kopie nicht ab, fasst mehr Daten und lässt sich gegen eine andere Sprachfassung tauschen, ohne die Kopie zu wechseln. Wiedergegeben wird über sechs oder mehr diskrete Lautsprecher, und ein DTS-ES-Dekoder leitet daraus im Kino einen hinteren Mittenkanal ab.

      Der eigentliche Unterschied steckt eine Ebene tiefer: Codiert ist dieser Kinoton mit apt-X, einem Verfahren von Audio Processing Technology Limited, das DTS dafür weltweit und zeitlich unbegrenzt lizenziert hat — dasselbe Verfahren, dessen Familie heute in den Bluetooth-Audiocodecs steckt. Coherent Acoustics kam erst 1996 und für das Wohnzimmer. Gemeinsam haben Kino- und Scheiben-DTS den Firmennamen und das Ziel diskreter Kanäle; das Codierverfahren ist bei beiden ein anderes.

      Nicht zu verwechseln mit

      DTS-HD Master Audio und DTS-HD High Resolution Audio sind Erweiterungen über diesem Kern und keine eigenständigen Formate daneben. Was die beiden unterscheidet und wie weit sie über den Kern hinausgehen, steht bei DTS-HD.

      DTS-UHD gehört gar nicht zu dieser Familie. Es ist eine eigene Spezifikation für den Streamingweg mit eigenem Rahmenaufbau — die dritte Generation der DTS-Auslieferungsformate, während Kern und DTS-HD-Erweiterungen die erste und zweite bilden. Näheres bei DTS-UHD.

      DTS:X benennt keinen Codec. Es ist objektbasierter Ton, der in einem Träger mitreist; DTS gibt an, dass DTS:X auf DTS-HD Master Audio aufsetzt und dadurch abwärtskompatibel zu vorhandenen DTS-Datenströmen bleibt. Welcher Träger auf welcher Strecke ankommt, führt DTS:X übertragen aus.

      DTS Neural:X ist ein Upmixer und kein Übertragungsformat. Er verteilt vorhandene Kanäle auf mehr Lautsprecher, statt zusätzliche Kanäle zu übertragen; siehe Upmixer.

      Aus der Praxis

      Ein Kunde ruft an, weil seine DVD-Sammlung im neuen Kino „dünner klingt als früher". Noch vor dem Gerät: Welche Fassung liegt auf der Scheibe, und was macht die Kette daraus?

      Bei DVDs ist die Antwort oft schon auf dem Medium selbst zu finden. Viele Filme wurden mit 768 kbit/s codiert, um Platz für das Bild zu sparen — das ist knapp die Hälfte der vollen Rate, und der Unterschied ist mit einem guten Center hörbar. Wer denselben Film als Blu-ray hat, bekommt den Kern dort verpflichtend mit 1 509 kbit/s.

      Der Weg dorthin ist unspektakulär: Vor jeder Gerätediskussion wird geprüft, was die Quelle überhaupt hergibt. Erst danach lohnt der Blick auf die Strecke — ob der Ton über den Fernseher zurückläuft, ob der Zuspieler auf Bitstream steht, ob die Anlage die Erweiterung überhaupt bekommt. Und erst ganz zuletzt kommt die Frage, ob ein neues Gerät hilft. Warum ein vorhandenes Gerät ein fehlendes Format nicht einfach als Aktualisierung bekommt, steht bei Warum ein Gerät ein neues Tonformat nicht bekommt.

      Verknüpfte Inhalte

      Die Erweiterungen über diesem Kern behandelt DTS-HD, den davon unabhängigen Streamingweg DTS-UHD. Welcher Träger DTS:X über welchen Weg bringt, steht bei DTS:X übertragen.

      Das direkte Gegenstück aus der Dolby-Familie ist Dolby Digital; warum beide über jede Zweikanal-Digitalstrecke passen und die jeweiligen Nachfolger nicht, rechnet Was über S/PDIF und TOSLINK passt an der Norm vor. Welche Formate der Tonrückkanal in welcher Ausbaustufe zulässt, steht bei eARC und ARC.

      Was die Ziffern einer Angabe wie 5.1 oder 6.1 abzählen, klärt die Kanal-Notation; was in der „.1" steckt, der LFE-Kanal.

      Quellen

      Die Zahlen des Verfahrens stehen seit dem 01.09.2026 auf der Spezifikation ETSI TS 102 114 in der Fassung V1.6.1 vom August 2019, die für diesen Nachzug am Objekt gelesen wurde. Aus ihr stammen die 29 Zieldatenraten von 32 bis 1 536 kbit/s samt den Stereo-PCM-Werten 1 411,2 und 1 536 kbit/s (Tabelle 5-7), die neun Abtastraten von 8 bis 48 kHz (Tabelle 5-5), die Bittiefen 16, 20 und 24 Bit (Tabelle 5-17), die Kanalgrenze des Kerns aus fünf Primärkanälen und einem LFE-Kanal samt der Behandlung weiterer Kanäle im erweiterten Audio (Abschnitte 4.1 und 5.4.3) sowie die Einordnung von XCH und X96 als Kern-Erweiterungen mit den festen Downmix-Koeffizienten und den Residuen für die höhere Abtastrate (Abschnitte 6.1 und 6.2.1). ETSI schützt das Dokument urheberrechtlich; hier stehen deshalb Zahlenwerte, Tabellen- und Abschnittsnummern, keine Passagen im Wortlaut.

      Aus dem DTS-Whitepaper zu DTS-HD Audio vom November 2006 bleibt das, worüber die Spezifikation nichts sagt, weil es die Scheibe betrifft und nicht das Verfahren: das Einführungsjahr 1996, die Herleitung der 1,5 Mbit/s aus der für zwei Kanäle 16-Bit-PCM verfügbaren Rate, die 1 509 kbit/s der Blu-ray Disc und die 768 kbit/s der DVD, die Pflichtstellung der Coherent-Acoustics-Dekodierung auf Blu-ray Disc und HD DVD samt der Einschränkung auf zwei Kanäle analog als verlangte Ausgabe sowie der Trans-Coder-Weg über den Digitalausgang. Es ist eine Herstellerdarstellung mit Datenstand November 2006 — also aus der Zeit vor DTS:X und vor dem Streamingformat der dritten Generation.

      Die Angaben zum Kinoverfahren — Gründung 1990, Beteiligung 1993, die erste Tonspur zu „Jurassic Park", der Aufbau aus CD-ROM und aufgedrucktem Zeitcode und die Codierung mit dem lizenzierten apt-X — stammen aus dem Jahresbericht (Form 10-K) von DTS, Inc. für das Geschäftsjahr 2006, eingereicht bei der US-Börsenaufsicht im März 2007. Ein Beleg auf den eigenen Seiten von DTS oder Xperi ließ sich am 01.09.2026 nicht finden: Der Webauftritt führt keine Historien- oder Firmenseite mehr, und keiner der 375 Beiträge behandelt das Verfahren von 1993.

      Dass DTS:X auf DTS-HD Master Audio aufsetzt und dadurch abwärtskompatibel bleibt, steht in der DTS-Ankündigung vom April 2015 und ist bei den DTS:X-Trägerformaten im Einzelnen belegt. Dass die ältere Ausbaustufe des Tonrückkanals als Ersatz für eine S/PDIF-Verbindung entworfen wurde, gibt der HDMI-Lizenzgeber in seinen Funktionsbeschreibungen an; die Fundstelle wird beim Eintrag zu eARC und ARC geführt.

    • Multichannel PCM
  • Raumkorrektur

    Raumkorrektursystem
    Trinnov Optimizer

    Technologie

    Trinnov Optimizer

    Der Optimizer ist das älteste Verfahren des Hauses und die Grundlage aller späteren: Vorgestellt wurde er 2005 auf einer Tagung der Audio Engineering Society, zu einer Zeit, in der eine Einmessung im Wesentlichen hieß, den Frequenzgang glattzuziehen. Sein Unterschied zu jener Praxis liegt in der Zeit. Der Optimizer misst je Lautsprecher die vollständige Impulsantwort, trennt mithilfe des vierkapseligen Messmikrofons den Direktschall vom Raumanteil und korrigiert außer dem Frequenzgang auch Laufzeit, Phase und Gruppenlaufzeit.

    Zwei Dinge machen den Klang in einem Zimmer aus: welche Töne wie laut ankommen — und wann sie ankommen. Die meisten Einmessungen kümmern sich nur um das Erste und drehen zu laute Töne leiser. Dieses Verfahren schaut zusätzlich auf die Uhr: Es erkennt, welcher Schall direkt vom Lautsprecher kommt und welcher erst über eine Wand, und richtet die Lautsprecher zeitlich aufeinander aus. Für Dich soll das vor allem heißen, dass Stimmen und Instrumente an einem klar umrissenen Ort stehen, statt zwischen den Boxen zu verschwimmen.

    Das zugrunde liegende Problem

    Was am Sitzplatz ankommt, ist die Summe aus zwei ganz verschiedenen Beiträgen: dem Schall, der auf direktem Weg vom Lautsprecher kommt, und allem, was vorher an Wänden, Decke und Einrichtung war. Der erste Anteil sagt etwas über den Lautsprecher aus, der zweite über den Raum. Eine Messung mit einem einzelnen Mikrofon sieht beide als eine einzige Kurve.

    Daraus folgt der Kernfehler der reinen Frequenzgangkorrektur: Sie senkt eine Überhöhung ab, ohne zu wissen, ob der Lautsprecher an dieser Stelle zu laut ist oder ob eine Raummode sie erzeugt. Im ersten Fall ist die Absenkung richtig. Im zweiten korrigiert sie ein Symptom, das nur an diesem Punkt so aussieht, und schwächt zugleich den Direktschall, der gar nicht schuld war. Dazu kommt der Teil des Problems, den ein Equalizer grundsätzlich nicht erreicht: das modale Ausschwingen — ein Ton klingt nach, und Lautstärke hat damit nichts zu tun.

    Die Übersicht über die Verfahrensfamilien und den herstellerneutralen Begriff liefert der Eintrag Raumkorrektur; diese Seite beschreibt die eine Umsetzung.

    Funktionsweise

    Gemessen wird mit vier Kapseln. Die Grundlage ist das 3D-Messmikrofon: Es liefert je Lautsprecher Frequenzgang, Phase, Gruppenlaufzeit, Impulsantwort, absoluten Schalldruck — und zusätzlich Abstand, Azimut und Höhenwinkel. Aus dieser Richtungsinformation gewinnt der Optimizer die Trennung, um die es geht: welcher Anteil der Energie am Messpunkt direkt eingetroffen ist und welcher als Raumantwort.

    Gerechnet wird in fünf getrennten Kategorien. Der Hersteller nennt sie einzeln: aktive Frequenzweichen, das Verhalten des Lautsprechers selbst, frühe Reflexionen, Raummoden und der Energiefrequenzgang des Raums. Diese Trennung ist der Punkt, an dem sich das Verfahren von einer einzigen Gesamtkurve löst — was am Lautsprecher liegt, wird anders behandelt als das, was der Raum hinzufügt.

    Korrigiert wird in Zeit und Frequenz. Neben der Entzerrung stehen Laufzeit- und Phasenausrichtung einschließlich der Gruppenlaufzeit sowie der Abgleich der einzelnen Treiber und der Lautsprecher untereinander. Umgesetzt wird das mit einer Kombination aus FIR- und IIR-Filtern: FIR für Amplitude und Phase, IIR als minimalphasige Ergänzung im Tiefton.

    Eingestellt wird über Zielkurve und Gewichtung. Die Zielkurve ist je Kanal frei bestimmbar, nicht eine feste Vorgabe des Herstellers. Und die Messpositionen gehen gewichtet in die Rechnung ein: Der Einrichtende entscheidet, welcher Platz wie stark zählt. Beides ist Einrichtungsarbeit und der Grund, warum der Hersteller ein eigenes, zweistufiges Zertifizierungsprogramm für Fachbetriebe betreibt.

    Voraussetzungen

    • Das zugehörige Messmikrofon samt seiner Kalibrierdatei. Ohne die Richtungsinformation fällt die Trennung von Direktschall und Raumanteil weg, und übrig bleibt eine gewöhnliche Korrektur.
    • Mehrere Messpositionen. Ein einzelner Punkt liefert eine Optimierung für einen einzelnen Punkt; wie stark sich das Schallfeld über die Sitzfläche verändert, zeigt erst die Mehrpunktmessung.
    • Ein Prozessor des Hauses. Der Optimizer ist an die Geräte seines Herstellers gebunden und wird nicht als Lizenz an Dritte gegeben.
    • Fachgerechte Einmessung. Zielkurve, Gewichtung und die Grenzen der Korrektur sind Entscheidungen, keine Automatik.

    Abgrenzung

    Gegen die Raumkorrektur im Allgemeinen. Was Raumkorrektur ist, welche Familien es gibt und wo ihre gemeinsamen Grenzen liegen, steht herstellerneutral unter Raumkorrektur. Dort gehört auch die Einordnung hin, wenn ein Vergleich mehrere Verfahren umfasst.

    Gegen Dirac Live ART. Die beiden Verfahren setzen an verschiedenen Stellen an. ART lässt die vorhandenen Lautsprecher gemeinsam gegen das Nachschwingen des Raums arbeiten und wirkt zwischen 20 und 150 Hz; der Optimizer korrigiert jeden Kanal für sich über den ganzen Bereich und stützt sich dabei auf die gemessene Geometrie. Der Belegstand unterscheidet sich ebenfalls: Für ART liegen eine begutachtete Arbeit und ein Patent zum Wirkprinzip vor, für den Optimizer die Herstellerdokumentation und die Tagungsbeiträge des Hauses. Ein Sieger folgt daraus nicht — die Verfahren beantworten verschiedene Fragen.

    Gegen WaveForming. Das Basskorrekturverfahren desselben Hauses arbeitet mit mindestens vier Subwoofern und formt das Schallfeld im Tiefton geometrisch. Der Optimizer bleibt darunter die allgemeine Korrektur; die beiden schließen einander nicht aus, sondern arbeiten in verschiedenen Bereichen.

    Gegen das Remapping. Die Umrechnung der Lautsprecherpositionen ist eine eigene Fähigkeit und in 3D Loudspeaker Remapping beschrieben. Sie nutzt dieselbe Messung, beantwortet aber die Frage „wo steht der Lautsprecher" und nicht „wie klingt er".

    Grenzen

    Die Nachhallzeit in Mitten und Höhen bleibt. Das sagt der Hersteller selbst, und es ist die wichtigste Grenze des Verfahrens: Ein Filter kann den Frequenzgang glätten und die Zeitverhältnisse ordnen, aber es kann dem Raum keine Energie entziehen. Wo es zu lange nachhallt, helfen Absorption und Diffusion — Bauteile, keine Rechenleistung. Der Hersteller formuliert das als Grundsatz: Digitale Verarbeitung ergänzt gute passive Raumplanung und ersetzt sie nicht.

    Korrigiert ist, wo gemessen wurde. Die Optimierung gilt für die gewichteten Messpositionen. Was zwischen ihnen und dahinter passiert, ist Ergebnis und nicht Vorgabe — dieselbe Einschränkung wie bei jedem mehrpunktbasierten Verfahren.

    Zeitkorrektur hat Nebenwirkungen. Eine Korrektur, die auch die Phase angeht, arbeitet mit langen Filtern; Vorschwinger vor dem eigentlichen Impuls sind die bekannte Nebenwirkung. Wie stark sie ausfallen, hängt an der eingestellten Filterlänge und ist damit eine Einrichtungsentscheidung.

    Keine bezifferte Wirkung. Der Hersteller beschreibt ausführlich, was gemessen und korrigiert wird, nennt für das Ergebnis aber keine Messzahl. Eine unabhängige Vorher/Nachher-Messung des Optimizers ist öffentlich nicht auffindbar (Stand 15. August 2026). Das widerlegt nichts — es heißt, dass für die Wirkung bislang nur der Hersteller spricht.

    Verknüpfte Inhalte

    Die Messgrundlage steht unter Trinnov 3D Measurement Microphone, die Umrechnung der Positionen unter 3D Loudspeaker Remapping. Der herstellerneutrale Begriff liegt bei Raumkorrektur, das konkurrierende Verfahren im Tiefton bei Dirac Live ART. Warum sich eine Raumantwort nicht einfach umkehren lässt, erklärt Minimalphasigkeit; was Filter dabei leisten, FIR- und IIR-Filter. Der Hersteller steht unter Trinnov Audio.

    Quellen

    Messgrößen, die fünf getrennt bearbeiteten Kategorien, die Funktionsliste und die Vorstellung im Jahr 2005 stammen von der Herstellerseite zum Optimizer; die Trennung von Direktschall und Raumantwort, die gewichtete Mehrpunktmessung und die ausdrückliche Feststellung, dass die Nachhallzeit in Mitten und Höhen nicht sinkt, von der Erläuterungsseite desselben Herstellers. Der Grundsatz, dass digitale Verarbeitung passive Raumplanung ergänzt und nicht ersetzt, steht auf der Übersichtsseite zur aktiven Akustik. Alle drei sind am 15. August 2026 gelesen. Die Filterangaben stammen aus einer Gerätebedienungsanleitung, die nur mittelbar erfasst wurde und im Text gekennzeichnet ist. Für die Wirkung des Verfahrens nennt der Hersteller keine Zahl, und eine unabhängige Messung ist nicht auffindbar.

  • Gehäusemaße

    Höhe
    165 mm
    Breite
    442 mm
    Tiefe
    445 mm
    Gewicht
    14,5 kg

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Angaben zur Produktsicherheit

Herstellerinformation

Firma
Trinnov Audio
Postanschrift
rue Edmond Michelet 593360 Neuilly-Plaisance
Telefon
+33 (0)1 84 23 40 34

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