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Trinnov 3D Measurement Microphone

Was kann ein Messmikrofon mit vier Kapseln, was ein gewöhnliches nicht kann — und was hängt in einer Trinnov-Anlage daran?

Ein gewöhnliches Messmikrofon beantwortet zwei Fragen: wie laut ein Signal am Messpunkt ankommt und wann. Das Mikrofon von Trinnov beantwortet eine dritte — aus welcher Richtung. Möglich macht das die Bauform: vier Kapseln in einer Tetraeder-Anordnung statt einer einzelnen. Der Schall eines Lautsprechers erreicht die vier Kapseln zu geringfügig verschiedenen Zeitpunkten, und aus diesen Unterschieden rechnet der Prozessor zurück, wo der Lautsprecher steht. An dieser einen Zusatzinformation hängt fast alles, was die Geräte des Hauses von einer gewöhnlichen Einmessung unterscheidet.

Mit einem Ohr hörst Du, wie laut etwas ist. Erst mit zwei Ohren hörst Du auch, woher es kommt — weil der Schall das eine Ohr einen Sekunden- bruchteil früher erreicht als das andere. Dieses Mikrofon macht dasselbe mit vier Aufnehmern statt zwei, und weil sie in alle Richtungen verteilt sitzen, erkennt es nicht nur links und rechts, sondern auch oben und unten. Das Gerät weiß danach, wo Deine Lautsprecher wirklich stehen — und nicht nur, wo sie laut Plan stehen sollten.

Das zugrunde liegende Problem

Eine Einmessung mit einem einzelnen Mikrofon liefert eine Impulsantwort je Lautsprecher: Pegel über die Zeit, daraus Frequenzgang, Laufzeit und Nachhall. Was in dieser Messung fehlt, ist die Geometrie. Das Gerät weiß, dass ein Lautsprecher 4,20 Meter entfernt ist, aber nicht, ob er links vorn oder rechts oben hängt — und es weiß auch nicht, welcher Anteil der gemessenen Energie direkt vom Lautsprecher kommt und welcher über eine Wand.

Beides sind keine akademischen Lücken. Ohne die Positionen kann ein Prozessor eine Tonmischung nicht auf die tatsächliche Aufstellung umrechnen. Und ohne die Trennung von Direktschall und Raumanteil rechnet jede Korrektur beides in einen Topf, obwohl das eine am Lautsprecher liegt und das andere am Raum. Die Einordnung dazu, was ein Messmikrofon allgemein leistet — Klassen, Kalibrierdatei, Freifeld- gegen Diffusfeldentzerrung —, steht im Eintrag Messmikrofon und wird hier nicht wiederholt.

Funktionsweise

Vier Kapseln, ein Tetraeder. Die vier Aufnehmer sitzen abgesetzt vom Gehäuse in einer tetraedrischen Anordnung — dieselbe Grundgeometrie, die auch Ambisonics-Mikrofone anderer Hersteller verwenden. Weil die Abstände zwischen den Kapseln fest und bekannt sind, lässt sich aus den Zeitunterschieden zwischen ihnen die Einfallsrichtung berechnen, in waagerechter wie in senkrechter Ebene.

Was das Gerät am Ende je Lautsprecher hat. Nach der Einmessung liegen für jeden Lautsprecher und jeden Subwoofer vor: Frequenzgang, Phase, Gruppenlaufzeit, Impulsantwort, Abstand, Azimut, Höhenwinkel und der absolute Schalldruck. Die letzten drei Größen sind das, was das Mikrofon zusätzlich beisteuert.

Die Genauigkeit, die der Hersteller angibt.

GrößeAngabe
Ortung in Azimut und Höhenwinkel±2 Grad
Abstandsmessungbesser als 1 cm
Frequenzgang nach Einzelkalibrierung±0,1 dB von 20 Hz bis 24 kHz

Diese Werte sind Herstellerangaben ohne unabhängige Nachmessung. Bemerkenswert an ihnen ist weniger die Zahl als das, was sie voraussetzen: Jedes Exemplar wird ab Werk einzeln vermessen, und die Kompensationsdatei gehört zu genau diesem Mikrofon. Ein Trinnov-Mikrofon ohne seine Datei ist kein kalibriertes Messmittel mehr.

Voraussetzungen

Das richtige Mikrofon zum Prozessor. Es gibt zwei Anschlussarten, und sie sind nicht gegeneinander austauschbar:

ProzessorMikrofonvariante
Altitude32fünfpoliges XLR, wahlweise 4×XLR3
Altitude16fünfpoliges XLR
NOVAausschließlich EtherCon
AltitudeCIausschließlich EtherCon

Die Kalibrierdatei muss ankommen. Bei der Ausführung V9 liegt sie auf einem USB-Stick und wird von Hand in den Prozessor eingespielt; ab V10 ist sie im Mikrofon selbst hinterlegt und wandert bei der Messung automatisch mit. Der ältere Weg ist die Stelle, an der in der Praxis etwas schiefgeht — ein Mikrofon ohne eingespielte Datei misst weiter, nur eben ungenau.

Die Steckerreihenfolge zählt. Bei der Ausführung mit vier einzelnen dreipoligen Steckern müssen diese in exakter Nummernfolge angeschlossen werden. Vertauscht man sie, stimmen die Zeitunterschiede zwischen den Kapseln nicht mehr, und die Ortung liefert falsche Positionen — ohne dass eine Fehlermeldung darauf hinweist.

Abgrenzung

Gegen das Messmikrofon im Allgemeinen. Was ein Messmikrofon von einem Aufnahmemikrofon unterscheidet, wozu eine Kalibrierdatei gehört und wann die günstige Variante reicht, steht unter Messmikrofon. Diese Seite beschreibt allein das, was die vierte Kapsel hinzufügt.

Gegen ein Ambisonics-Aufnahmemikrofon. Die Geometrie ist verwandt, der Zweck nicht. Ein Ambisonics-Mikrofon nimmt ein Schallfeld auf, um es später wiederzugeben; dieses hier misst ein Schallfeld, um daraus Filter zu berechnen. Nach Herstellerangabe stammt die Richtungsmessung aus der Forschung der Gründer zu High-Order Ambisonics, die sie 2001 auf einer Tagung der Audio Engineering Society vorstellten — damals noch mit einem Mikrofon aus 24 Kapseln.

Gegen die Mehrpunktmessung. Mehrere Messpositionen und Richtungserfassung lösen verschiedene Probleme. Die zusätzlichen Positionen sagen, wie sich das Schallfeld über die Sitzfläche verändert; die vier Kapseln sagen, woher es kommt. Beides wird gebraucht, und keines ersetzt das andere.

Grenzen

Ein Messmittel ist keine Korrektur. Das Mikrofon liefert Daten. Was daraus wird, entscheiden Optimizer und Remapping — und deren Grenzen sind nicht die Grenzen des Mikrofons.

Die Bindung an ein System. Das Mikrofon arbeitet mit den Prozessoren seines Herstellers und mit sonst nichts. Es ist kein universelles Messmittel, das sich in einer Messsoftware weiterverwenden ließe.

Ein Exemplar, eine Datei. Geht die Kalibrierdatei verloren oder wird ein Mikrofon zwischen Anlagen getauscht, ohne die Datei mitzunehmen, misst das System weiter und liefert falsche Genauigkeit. Das ist die unangenehmste Fehlerart, weil sie nicht auffällt.

Verknüpfte Inhalte

Was die Richtungsinformation im Korrekturverfahren bewirkt, steht unter Trinnov Optimizer; was sie für die Aufstellung bedeutet, unter Trinnov 3D Loudspeaker Remapping. Die herstellerneutrale Grundlage liefert der Eintrag Messmikrofon, das Verfahren ringsum Raummessung. Der Hersteller selbst steht unter Trinnov Audio.

Quellen

Bauform, Genauigkeitsangaben, Messgrößen und Anschlussvarianten stammen von den Herstellerseiten zum Mikrofon und aus dessen Wissensdatenbank, beide am 15. August 2026 gelesen. Die Einordnung der Anordnung gegenüber Ambisonics-Mikrofonen anderer Hersteller stammt aus einem Fachzeitschriften-Testbericht, am 6. September 2026 am Objekt gelesen; zur mechanischen Halterung der Kapseln sagt er nichts. Die Rückführung auf die Ambisonics-Forschung der Gründer ist eine Angabe des Herstellers. Unabhängige Messungen der drei Genauigkeitsangaben sind nicht auffindbar.

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