Purifi ist ein dänisches Entwicklungshaus in Roskilde, das zwei Sorten
von Bauteilen entwickelt: Verstärkermodule unter dem Namen Eigentakt und
Lautsprecherchassis unter dem Namen Ushindi. Beide gehen an andere
Hersteller, die daraus Geräte bauen. Deshalb steht der Name in den
Beschreibungen mehrerer Marken, ohne zu einer davon zu gehören — und
deshalb steht er hier und nicht auf einer Markenseite.
Nicht jeder Lautsprecher- oder Verstärkerhersteller entwickelt alles
selbst. Manche Bauteile kommen von Zulieferern, die nichts anderes
machen als genau dieses eine Bauteil — und manchmal ist so ein
Zulieferer darin besser als jeder, der nebenbei auch noch Gehäuse
baut und Kataloge druckt. Purifi ist so ein Fall: eine kleine dänische
Firma, die Basslautsprecher-Antriebe und Verstärkerbausteine
entwickelt und an andere verkauft. Wenn Du den Namen auf einem
Datenblatt liest, hast Du also nicht das Gerät einer Firma vor Dir,
sondern zwei Firmen in einem Gerät. Ob es deshalb gut klingt, hängt
trotzdem an dem, der es zusammengebaut hat.
Beide Produktlinien greifen dieselbe Größe an, und es ist nicht die,
die in Datenblättern üblicherweise steht.
Der Klirrfaktor beschreibt, was ein Bauteil aus einem einzelnen Ton
macht: Es kommen Vielfache dieses Tons hinzu, die im Original nicht
vorhanden waren. Musik besteht aber selten aus einem Ton. Wenn ein
lauter tiefer Ton und ein leiser mittlerer gleichzeitig anliegen,
entstehen Summen- und Differenztöne, die zu keinem der beiden gehören —
Intermodulation. Beim Chassis ist das hörbar als Aufrauen der Mitten,
sobald der Bass arbeitet, weil die weit ausgelenkte Membran ihre eigenen
Eigenschaften während der Bewegung verändert.
Der Entwickler formuliert dazu einen Einwand gegen die übliche
Messpraxis: Eine Maßnahme könne den Klirr scheinbar verbessern, indem
sie zwei Mechanismen gegeneinander laufen lässt, und verschlechtere
dabei die Intermodulation — die Einzeltonmessung sehe davon nichts. Das
ist die Begründung dafür, warum an dieser Stelle andere Zahlen genannt
werden als anderswo.
Auf der Verstärkerseite liegt die verwandte Schwäche in der
Fehlerkorrektur. Ein schaltender Verstärker — die Bauart, die den
Ausgangsstrom nicht stufenlos regelt, sondern mit hoher Frequenz ein-
und ausschaltet und das Ergebnis glättet — korrigiert seine eigenen
Fehler über eine Gegenkopplung. Deren Wirkung nimmt zu hohen Frequenzen
hin ab, und genau dort steigt der Klirr dann an. Die klassische
Beschwerde über diese Bauart hängt daran.
Der Hersteller benennt drei Mechanismen, gegen die er antritt, und
jedem ist eine eigene Maßnahme zugeordnet.
Die Sicke als Schallquelle. Bei einer üblichen Halbrollsicke ändert
sich die abstrahlende Fläche über dem Hub um bis zu 20 Prozent — der
Rand bewegt sich anders als die Membran und ändert dabei seine Form.
Damit moduliert die Sicke die Mitten im Takt der Bassbewegung. Die
Antwort ist eine rechnerisch entworfene Geometrie mit abwechselnden
Erhebungen und Vertiefungen, die auch optisch sofort auffällt und den
Namen NeutralSurround hat.
Die Antriebsstärke über dem Hub. Verlässt die Schwingspule den
Bereich gleichmäßigen Magnetfeldes, ändert sich die Kraft je Ampere.
Auch das ist eine Modulation der Mitten durch die Bassauslenkung. Der
Hersteller fasst mehrere Eingriffe im Magnetkreis unter dem Namen
PureDrive zusammen, darunter Kurzschlussringe im Luftspalt und eine
Schwingspule mit veränderlicher Wicklungssteigung.
Die magnetische Vorgeschichte des Eisens. Eisen im Magnetkreis
behält einen Teil seiner Magnetisierung, sodass frühere Signale die
späteren beeinflussen. Die neutrale Einordnung dieses Mechanismus steht
unter
Wirbelströme und Hysterese im Lautsprecherantrieb.
Die Chassis reichen von 4 bis 8 Zoll, in den Rollen Mittelton, Tiefton
und langhubiger Tiefton. Der Ansatz zielt auf kleine Membranflächen mit
großem Hub — also darauf, aus einem kompakten Chassis den Pegel eines
deutlich größeren zu holen.
Der Kern ist eine patentierte Fehlerkorrektur, die ihre Wirkung nicht
zu hohen Frequenzen hin verliert. Der Hersteller gibt eine
Schleifenverstärkung von über 75 dB über den gesamten Hörbereich an und
ein Verstärkungs-Bandbreite-Produkt von 110 MHz. Daraus folgt die
eigentliche Aussage: Der Klirr bleibt bei jeder Frequenz und jedem
Pegel niedrig, bis der Verstärker in die Begrenzung läuft — und nicht
nur bei einem Kilohertz und einem Watt, wo die üblichen Datenblattwerte
entstehen.
Zwei weitere Angaben hängen daran. Der Frequenzgang bleibt von der
angeschlossenen Last unabhängig, weil die Ausgangsimpedanz sehr klein
ist; der Hersteller spricht von einem fünfstelligen Dämpfungsfaktor.
Und die Leerlaufverluste sind gering, was in mehrkanaligen Geräten den
Kühlkörper und damit die Bauform bestimmt.
Angeboten werden mehrere Module unterschiedlicher Leistung. Sie haben
alle einen analogen Eingang: Das Signal wird also erst im Modul in die
schaltende Form gebracht. Eine vollständig digitale Verstärkung wie
Equibit verzichtet auf diesen Schritt
und ist damit ein anderer Ansatz.
Für den Leser gibt es hier nichts einzustellen und nichts nachzurüsten.
Wer Purifi-Technik will, wählt ein Gerät, in dem sie steckt. Was der
Gerätehersteller dazu beisteuern muss, ist allerdings erheblich:
- Ein Netzteil, das mithält. Acht Module mit zusammen mehreren
Kilowatt Ausgangsleistung sind für die Stromversorgung die eigentliche
Aufgabe. Lyngdorf setzt in seiner achtkanaligen Endstufe eine eigene
Netzteilentwicklung neben die zugekauften Verstärkermodule — ein gutes
Beispiel dafür, dass das Modul nur ein Teil des Geräts ist.
- Eingangsstufen, Erdung und Aufbau. Ein rauscharmes Modul nützt
wenig hinter einer lauten Eingangsstufe.
- Eine passende Frequenzweiche und ein passendes Gehäuse. Ein
verzerrungsarmes Chassis wird erst im abgestimmten Lautsprecher zu
einem Ergebnis. Was dabei zusammenspielt, behandeln
Frequenzweiche und
Subwoofer-Bauformen.
Gegen die schaltende Verstärkung im Allgemeinen. Eigentakt ist eine
Umsetzung dieser Bauart und nicht ihr Gegenentwurf. Der landläufige Name
„Klasse D" verleitet zu der Annahme, es gehe dabei um eine digitale
Verarbeitung. Das Modul bekommt sein Signal jedoch analog und erzeugt
daraus erst die geschaltete Form; digital ist an dieser Bauart nichts.
Gegen Equibit. Die beiden werden
verwechselt, weil dieselben Namen im Umfeld auftauchen und beide in
Geräten desselben Hauses stecken. Der Unterschied ist deutlich: Equibit
ist eine vollständig digitale Verstärkung: Das digitale Signal wird
ohne Umweg über ein analoges direkt in Leistung umgesetzt. Ein
Eigentakt-Modul hat einen analogen Eingang und ist ein
Verstärkerbaustein im herkömmlichen Sinn, nur mit anderer
Fehlerkorrektur. Dass beide Wege in Dänemark entstanden sind und über
Personen zusammenhängen, macht sie nicht zur selben Sache.
Gegen die Marke, die das Gerät verkauft. Ein Gerät mit
Purifi-Bauteilen ist kein Purifi-Gerät. Der Hersteller entwirft
Schaltung, Netzteil, Gehäuse, Abstimmung und Software drumherum, und
davon hängt das Ergebnis mindestens so stark ab wie vom Bauteil.
Purifi wurde 2019 in Roskilde bei Kopenhagen gegründet und stellte sich
im Mai desselben Jahres zur Messe High End in München erstmals
öffentlich vor. Hinter dem Haus stehen drei Namen, die im Fach bekannt
sind: der belgische Verstärkerentwickler Bruno Putzeys, der zuvor bei
Hypex die Ncore-Module entworfen hatte, der dänische Ingenieur Lars
Risbo, der aus dem Kopenhagener Entwicklungshaus Toccata Technology und
danach von Texas Instruments kam, sowie Peter Lyngdorf als Mitgründer
und Investor. Weitere Anteilseigner führen das Unternehmen operativ.
Die Verbindung zu Toccata Technology ist mehr als eine Randnotiz: Aus
demselben Haus stammt das Verfahren, das heute als
Equibit in den Verstärkern von
Lyngdorf arbeitet. Beide dänischen Ansätze zur schaltenden Verstärkung
gehen damit auf dieselben Leute zurück, und das erklärt, warum die Wege
sich immer wieder kreuzen.
Die ersten beiden Produkte waren ein 400-Watt-Verstärkermodul und ein
Sechseinhalb-Zoll-Chassis. Die Chassisentwicklung lief über ein
Gemeinschaftsunternehmen, weshalb die Chassis lange unter der Abkürzung
PTT geführt wurden; die zugehörige Technik heißt heute Ushindi.
Belegt sind zwei Beispiele aus dem eigenen Bestand, und beide stammen
von derselben Marke — was angesichts der Beteiligung Peter Lyngdorfs an
beiden Häusern niemanden überrascht, aber genannt gehört. Die
achtkanalige Endstufe von Lyngdorf Audio
arbeitet mit Eigentakt-Modulen und einem hauseigenen Netzteil; der
Standlautsprecher derselben Marke setzt Ushindi-Chassis mit eloxierter
Aluminiummembran ein. Auch NAD führt Eigentakt in seiner
obersten Baureihe.
Die Zahlen kommen vom Entwickler. Sämtliche Verzerrungsangaben
stammen von dem Haus, das die Bauteile verkauft. Sie sind
ungewöhnlich detailliert und nennen anders als üblich auch die
Intermodulation, aber sie sind keine unabhängige Messung. Wer sie mit
den Datenblattwerten anderer Chassis vergleicht, vergleicht zudem
Messbedingungen, die nirgends einheitlich festgelegt sind.
Ein gutes Bauteil ist kein gutes Gerät. Das ist die praktisch
wichtigste Einschränkung. Ein Lautsprecher mit hervorragendem Chassis
und misslungener Abstimmung klingt schlechter als ein durchdachter mit
gewöhnlichen Chassis, und ein Verstärkermodul entscheidet weder über die
Stromversorgung noch über die Eingangsstufe. Die Bauteilherkunft ist ein
Hinweis darauf, worauf ein Hersteller Wert legt — sie ist kein
Kaufkriterium für sich.
Im Tiefstbass gelten andere Grenzen. Der Ansatz zielt auf kleine
Membranflächen mit großem Hub. Das verschiebt die Grenze, ab der
Verschiebevolumen fehlt, es hebt sie nicht auf; die physikalische
Abwägung zwischen Tiefgang, Wirkungsgrad und Gehäusegröße bleibt
bestehen und steht unter
Subwoofer-Bauformen.
Der Bestand an Geräten ist überschaubar. Die Bauteile sind teuer und
finden sich vor allem in oberen Preisklassen. Wer sie sucht, hat eine
kurze Liste — und die Nähe zwischen dem Zulieferer und einzelnen
Herstellern gehört bei der Bewertung mitgelesen.
Der Mechanismus hinter der magnetischen Vorgeschichte steht unter
Wirbelströme und Hysterese im Lautsprecherantrieb,
die Kenngrößen eines Chassis unter
Thiele-Small-Parameter. Der
dänische Gegenentwurf auf der Verstärkerseite ist
Equibit. Die beiden Marken, an denen
sich der Einsatz im Bestand nachvollziehen lässt, sind
Lyngdorf Audio und NAD.
Die Beschreibung der drei Verzerrungsmechanismen und der ihnen
zugeordneten Maßnahmen, die Baugrößen der Chassis und sämtliche Klirr-
und Intermodulationswerte stammen von den Technologieseiten des
Entwicklers, ebenso die Angaben zu Schleifenverstärkung,
Verstärkungs-Bandbreite-Produkt, Lastunabhängigkeit und
Leerlaufverlusten der Verstärkermodule; beide Seiten wurden am
18. August 2026 gelesen. Es handelt sich durchgehend um Angaben des
Herstellers, und dieser verkauft die beschriebenen Bauteile.
Gründungsjahr, Sitz, die erste öffentliche Vorstellung 2019, die
Herkunft der Gründer und die beiden Erstprodukte gibt der Hersteller
selbst nirgends an; sie folgen einem Bericht von Joao Martins in
audioXpress vom 18. April 2019 und damit einer einzelnen
Fachpressequelle. Die beiden Einsatzbeispiele mit Eigentakt-Modulen und
Ushindi-Chassis stammen von den Produktseiten des Geräteherstellers, am
18. August 2026 gelesen; die Verwendung in der obersten Baureihe von NAD
gibt dieser Hersteller auf seiner Startseite an, dort am 17. August 2026
gelesen.
Unabhängige Nachmessungen der genannten Verzerrungswerte sind nicht
Bestandteil dieser Seite.