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Einleitung

Der VMS14201 ist ein Matrix-Switch für HDMI 2.1: Vier Zuspieler wie Spielkonsole oder PC legst Du frei auf zwei Anzeigen, gemeinsam oder jede mit eigener Quelle. Auch 4K mit 120 Hz und variable Bildrate für Spiele reicht er durch.

Für 4K mit 120 Hz müssen beide angeschlossenen Anzeigen HDMI 2.1 beherrschen, sonst bleibt die zweite währenddessen aus. Herunterrechnen auf Full HD klappt bis 4K mit 60 Hz. Den Ton gibt er zusätzlich optisch oder über Cinch aus, den Fernsehton von Ausgang B holt er per ARC zurück. Eingänge wählst Du per Taste oder Fernbedienung, von selbst schaltet er nicht um.

Technologien in der VMS14201

Was in den technischen Daten steckt — auf unseren Wissensseiten erklärt und vertieft.

Technische Daten

  • Gerät

    Gerätetyp (Signalverteilung)
    Matrix-Schalter

    Glossar

    Matrix und Kreuzschiene

    Eine Matrix ist ein Gerät mit einer festen Zahl von Eingängen und Ausgängen, das jeden Eingang auf jeden Ausgang schalten kann — gleichzeitig und unabhängig voneinander. Eine Acht-mal-acht-Matrix nimmt acht Quellen auf und bedient acht Ziele; jedes Ziel wählt frei, welche Quelle es sieht, und mehrere Ziele dürfen dieselbe wählen.

    Kreuzschiene ist das deutsche Wort dafür und beschreibt den Aufbau genauer als das Fremdwort: eine Anordnung aus Zeilen und Spalten, in der jeder Kreuzungspunkt eine mögliche Verbindung ist.

    Wenn mehrere Zuspieler auf mehrere Bildschirme sollen, braucht es etwas, das die Wege umschaltet. Eine Matrix ist dieser Kasten: vorne die Geräte, hinten die Bildschirme, und jeder Bildschirm bekommt, was er gerade sehen soll. Der Vorteil ist, dass sie einfach tut, was sie tun soll — es gibt nichts einzustellen, was sich verstellen könnte. Der Nachteil ist ihre Größe: Ein Kasten mit acht Anschlüssen hat acht Anschlüsse, und wenn der neunte Fernseher kommt, hilft nur ein neuer Kasten. Wer beim Bauen ahnt, dass noch etwas dazukommt, sollte das vorher wissen.

    Woher der Name kommt

    Die Kreuzschiene ist keine AV-Erfindung. Sie stammt aus der Fernsprechvermittlung: Gotthilf Betulander und Nils Palmgren entwickelten in Schweden in den 1910er Jahren ein Vermittlungssystem auf dieser Grundlage — 1912 als System mit Links und Markern zum Patent angemeldet, ab 1919 als Wähler auf Basis einer echten Kreuzschiene, die mit weniger Relais auskam. Betulanders Unternehmen ging Ende 1919 an Ericsson; zwischen etwa 1950 und 1980 war das Prinzip weltweit die vorherrschende Art, Telefongespräche zu vermitteln.

    Mechanisch lag dabei tatsächlich eine Schiene über der anderen, und wo sich die richtige Zeile und die richtige Spalte trafen, entstand ein Kontakt. Das Bild stimmt bis heute, denn es erklärt die Eigenschaft, auf die es ankommt: Die Zahl der möglichen Verbindungen steht mit dem Bau des Geräts fest. Man kann eine Kreuzschiene anders schalten, aber nicht größer machen.

    Was eine Matrix von ihren Nachbarn unterscheidet

    Drei Gerätearten werden regelmäßig verwechselt, und der Unterschied entscheidet über die Eignung:

    GerätAufbauWas es kann
    Umschalter (Switch)viele Eingänge, ein Ausgangeine Quelle auf ein Ziel, umschaltbar
    Verteiler (Splitter)ein Eingang, viele Ausgängedieselbe Quelle auf alle Ziele gleichzeitig
    Matrixviele Eingänge, viele Ausgängejede Quelle auf jedes Ziel, unabhängig

    Ein Verteiler ist keine kleine Matrix. Er kann nicht auswählen, sondern nur vervielfältigen — und genau das reicht überraschend oft, etwa wenn in zwei Räumen ohnehin immer dasselbe laufen soll. Wer den Unterschied vorher klärt, spart in etlichen Anlagen die Matrix ganz.

    Die Ausgänge einer AV-Matrix führen häufig nicht HDMI direkt, sondern HDBaseT über Category-Verkabelung — dieselbe Bauform, andere Streckentechnik. Für die Entscheidung Matrix gegen Netz spielt das keine Rolle; für die Verkabelungsplanung sehr wohl.

    Die feste Portzahl ist die Eigenschaft, nicht der Mangel

    Hier liegt der Kern der Entscheidung, und er hat zwei Seiten, die zusammengehören.

    Die Grenze ist hart. Acht Ausgänge sind acht Ausgänge. Für den neunten Bildschirm gibt es drei Wege, und keiner ist schön: ein größeres Gerät kaufen, an einen Ausgang einen Verteiler hängen (dann sehen zwei Ziele zwangsweise dasselbe) oder eine zweite Matrix danebenstellen (dann sind die beiden Hälften nicht mehr frei kreuzbar). Das ist der Grund, warum diese Bauart in wachsenden Anlagen unbeliebt ist.

    Die Kehrseite wird selten mitgedacht: Innerhalb ihrer Grenze ist eine Matrix ausgesprochen zuverlässig. Der Weg von Eingang drei zu Ausgang fünf ist eine Eigenschaft des Geräts, keine Einstellung. Es gibt keine Anmeldung, die ablaufen kann, keinen Querier, der ausfällt, keine Warteschlange, die überläuft — die Fehlerarten, die eine Netzverteilung mitbringt, existieren hier schlicht nicht. Wer diese Ruhe gegen Erweiterbarkeit tauscht, sollte wissen, dass er sie tauscht.

    Dazu kommt die Bildqualität. Eine Matrix schaltet das Signal durch; sie komprimiert nicht. Netzverteilungen tun das fast immer, weil die Datenrate eines 4K-Bildes in einen Gigabit-Link nicht hineinpasst — diese Rechnung steht auf der Seite AV over IP und wird hier nicht wiederholt.

    Häufiges Missverständnis

    „Eine Matrix ist die veraltete Lösung." Das stimmt für große und für wachsende Anlagen, und es stimmt für nichts sonst. Vier Quellen auf vier Ziele sind mit einer Matrix billiger, einfacher und störungsärmer als mit acht Netzwerk-Endgeräten und einem Switch, der besondere Anforderungen erfüllen muss. Die Netzverteilung gewinnt dort, wo Ziele hinzukommen sollen, ohne zentrale Geräte zu tauschen — nicht dort, wo sie moderner klingt.

    „Mit einer Matrix bin ich frei, mit AV over IP gebunden." Eher umgekehrt, und das überrascht viele. Eine Matrix ist ein Gerät; fällt es aus, wird es ersetzt, notfalls durch ein Fabrikat einer anderen Marke. Bei der Netzverteilung sind Encoder und Decoder einer Plattform untereinander gebunden und mit fremden nicht kompatibel — dort tauscht man im Zweifel die ganze Endgeräteflotte. Die Bindung an einen Anbieter ist bei der vermeintlich offenen Lösung enger.

    „Der Kasten macht Bild und Ton, also ist er auch für den Ton zuständig." Eine Matrix schaltet, was hineinkommt. Ob im Kino der Ton über denselben Weg läuft oder über eine eigene Kette, ist eine Frage der Konzeption und nicht des Geräts — und in Anlagen mit Mehrkanalton fast immer eine eigene Kette.

    Nicht zu verwechseln mit

    • Umschalter: viele Eingänge, ein Ausgang. Für ein einzelnes Ziel mit mehreren Quellen die richtige und deutlich billigere Antwort.
    • Verteiler: ein Eingang, viele Ausgänge, überall dasselbe Bild. Kein Auswahlgerät.
    • Netzwerk-Switch: verteilt Datenpakete, keine festen Signalwege. Sieht in der Rolle ähnlich aus und arbeitet grundverschieden, siehe Multicast und IGMP.
    • Matrix in einem Audio-DSP: Dort heißt Matrix die Zuordnung von Eingangs- auf Ausgangskanäle mit Pegeln — eine Rechenoperation im Gerät und kein geschalteter Signalweg.

    In der Planung

    Ein Haus mit Kino im Untergeschoss, Fernseher im Wohnzimmer und in der Küche, Quellen zentral im Technikraum. Der Kunde fragt, ob er „so einen Matrix-Kasten" braucht.

    „Matrix oder Netz" ist nicht die Frage, mit der man anfängt. Die Frage lautet: Welche Quelle soll auf welchem Ziel laufen können — und welche Ziele kommen in den nächsten zehn Jahren dazu? Bleibt die Zuordnung klein und fest, gewinnt die Matrix. Steht schon in der Planung ein Ausbau — Außenbereich, Schlafzimmer, Büro —, ist die Grenze der Portzahl kein Nachteil in der Zukunft, sondern ein Fehler in der Gegenwart.

    Die Reihenfolge im Verfahren dreht sich damit um: Festgelegt wird zuerst die Zielzahl im Endausbau, nicht die heutige, und dann geprüft, ob eine Matrix sie abdeckt. Dazu gehört eine ehrliche Zwischenfrage, die selten gestellt wird — wie viele Ziele müssen überhaupt frei wählen? Der Projektor im Kino sieht in der Praxis fast immer dieselbe Quelle, und ein Ziel, das nie umschaltet, braucht keinen Matrixausgang, sondern eine direkte Strecke.

    Beim Gerät selbst bleiben dann weniger Fragen übrig als erwartet: Reichen die Anschlüsse im Endausbau, führen die Ausgänge die Streckentechnik, die verlegt wird, und lässt sich das Gerät noch bedienen, wenn in acht Jahren niemand mehr die App dazu pflegt? Was Bildformate und Kopierschutz angeht, sind das keine Matrixfragen, sondern Kettenfragen — sie stehen bei EDID und HDCP, wo auch der Fall behandelt ist, dass ein einzelner Matrixausgang schwarz bleibt.

    Verknüpfte Inhalte

    Die Alternative und ihre Rechnung — Datenrate, Kompressionsklassen, Anforderungen an den Switch — stehen auf der Seite AV over IP; die Streckentechnik an den Ausgängen behandelt HDBaseT, die direkte HDMI-Strecke die Seite HDMI-Kabelklassen. Warum ein Ziel trotz korrekter Verkabelung schwarz bleiben kann, klären EDID und HDCP — Letzterer ausdrücklich für den Fall einer Matrix mit mehreren Ausgängen. Wo das Gerät steht und was das für Wärme und Lärm bedeutet, steht bei Technikraum für AV-Technik.

    Quellen

    Herkunft und Entwicklung der Kreuzschiene in der Fernsprechvermittlung sind bei Ericsson dokumentiert. Die Gegenrechnung zur Netzverteilung — Datenraten, Kompressionsklassen, Uplink-Budget — stammt aus Crestrons Dokumentation und der SDVoE-Spezifikation und ist auf der Seite AV over IP belegt; die Streckentechnik an den Matrixausgängen bei der HDBaseT Alliance.

    Schaltmatrix (Eingänge × Ausgänge)
    4 × 2
  • HDMI

    HDMI-Version

    Glossar

    HDMI als Schnittstelle

    HDMI — High-Definition Multimedia Interface — ist die Schnittstelle, über die Unterhaltungselektronik Bild, Ton und Steuerbefehle gemeinsam durch ein Kabel schickt. Die erste Fassung erschien im Dezember 2002, herausgegeben von sieben Unternehmen der Unterhaltungselektronik und der Halbleiterindustrie; seit 2011 entwickelt das HDMI Forum die weiteren Fassungen, und der HDMI Licensing Administrator lizenziert sie an die Hersteller.

    Damit ist HDMI die Schnittstelle, an der eine Heimkino- oder HiFi-Anlage tatsächlich zusammenhängt: Fernseher, Projektor, AV-Receiver und Zuspieler haben sie alle, und zwischen ihnen läuft über dieselbe Leitung mehr als das Bild.

    Das Wort, um das sich fast jede Rückfrage dreht, ist die Versionsnummer. Sie bezeichnet eine Fassung der Spezifikation. Was ein einzelnes Gerät davon umgesetzt hat und was eine konkrete Strecke überträgt, sind zwei weitere Fragen mit eigenen Antworten.

    HDMI ist der breite, flache Stecker, mit dem Du Fernseher, Receiver und Zuspieler verbindest. Durch dieses eine Kabel läuft alles gleichzeitig: das Bild, der Ton, und obendrein kleine Befehle, mit denen die Geräte sich gegenseitig einschalten oder umschalten. Alle paar Jahre kommt eine neue Ausbaustufe heraus, damit schärfere und flüssigere Bilder durchpassen — die Nummern 1.4, 2.0, 2.1 und 2.2, die Du auf Kartons siehst. Diese Nummer ist allerdings ein schwaches Versprechen: Ein Hersteller darf sie schon nennen, wenn er nur einen kleinen Teil der neuen Fassung eingebaut hat. Verlass Dich deshalb lieber darauf, was ein Gerät namentlich kann, als auf die Zahl vorn auf der Verpackung.

    Mehrere Dienste auf einer Leitung

    Ein HDMI-Kabel führt kein einzelnes Signal. Es führt mehrere Wege gleichzeitig, die unabhängig voneinander funktionieren oder eben ausfallen — und genau daran hängt fast jedes Fehlerbild in der Praxis. Vier davon prägen die Planung.

    Der Bilddatenweg ist der breiteste Teil. Er arbeitet in einem von zwei Verfahren, dem älteren TMDS oder dem seit der Fassung 2.1 verfügbaren Fixed Rate Link; welches davon läuft und mit welcher Rate, handeln Quelle und Senke beim Einschalten aus. Beides ist unter FRL und TMDS beschrieben, die Aushandlung selbst unter Link Training. Der Ton läuft im Regelfall in diesem Datenstrom mit.

    Daneben liegt ein langsamer Zweidrahtbus. Über ihn liest die Quelle aus, was das Anzeigegerät annimmt — das ist EDID —, und über ihn läuft die Berechtigungsprüfung HDCP. Beide Vorgänge entscheiden darüber, ob überhaupt ein Bild kommt, und beide haben mit der Bandbreite nichts zu tun. Ein schwarzer Bildschirm beim Quellenwechsel stammt fast immer von hier.

    Die Steuerleitung CEC hat eine eigene Ader und ist ein eigenes, sehr langsames Protokoll, mit dem die Geräte einer Kette sich gegenseitig ein- und umschalten; ausgeführt unter HDMI CEC. Und seit der Fassung 1.4 gibt es den Tonrückweg, über den ein Fernseher seinen eigenen Ton an einen Verstärker zurückgibt — ARC und sein Nachfolger eARC, die sich zwei Kontakte mit anderen Funktionen teilen.

    Auf welchen Kontakten das jeweils liegt, steht bei HDMI Type A. Daraus folgt etwas, das jede Fehlersuche abkürzt: „HDMI funktioniert nicht" ist keine brauchbare Fehlerbeschreibung. Bild ohne Ton, Ton ohne Bild, ein Gerät, das sich nicht mitschalten lässt, und ein Bild in schlechterem Format als erwartet sind vier verschiedene Störungen auf vier verschiedenen Wegen im selben Kabel.

    Wer HDMI festlegt

    Die Zuständigkeit hat einmal gewechselt, und das erklärt eine Eigenheit der Versionsnummern.

    Die HDMI Founders — im Jahr 2002 Hitachi, Matsushita Electric (Panasonic), Royal Philips Electronics, Silicon Image, Sony, Thomson und Toshiba — haben die Fassungen 1.0 bis 1.4b herausgegeben. Der Kreis besteht bis heute, teils unter anderen Firmennamen: Neben Philips, Panasonic, Sony und Toshiba stehen dort inzwischen Lattice Semiconductor, Maxell und Vantiva Technologies.

    2011 kam das HDMI Forum dazu, ausdrücklich zu dem Zweck, die Weiterentwicklung auf eine breitere Beteiligung der Industrie zu stellen; die Begründung der Gründer war, dass HDMI die Rolle eines faktischen weltweiten Verbindungsstandards erreicht hatte. Mitglied wird, wer aktiv und wesentlich zur Entwicklung beiträgt — inzwischen sind es rund 85 Unternehmen. Alles ab der Fassung 2.0 stammt vom Forum.

    Lizenziert wird beides von einer Stelle, dem HDMI Licensing Administrator: im Auftrag des Forums für die Fassung 2.2, im Auftrag der Founders für die früheren. Ein Hersteller braucht eine Adopter-Lizenz, um HDMI einzubauen und das Zeichen zu führen.

    Für die Beratung folgt daraus ein unbequemer Punkt: Der Text der aktuellen Fassungen ist kostenpflichtig und Lizenznehmern vorbehalten. Frei abrufbar ist allein die Fassung 1.3a. Wer nachprüfen will, was eine Fassung verlangt und was sie freistellt, ist auf die Darstellungen des Lizenzgebers angewiesen.

    Die Versionsgeschichte in ihren Sprüngen

    Zwanzig Jahre Fassungen lassen sich auf wenige Schritte eindampfen, die in einer Planung wirklich etwas ändern. Die Bandbreitenangaben stammen aus der eigenen Rückschau des Lizenzgebers.

    FassungJahrBandbreiteWas neu hinzukam
    1.020024,95 Gbit/sBild und Ton unkomprimiert über ein Kabel, 1080p bei 60 Bildern
    1.1 und 1.22004, 2005unverändertErweiterungen ohne Bandbreitensprung
    1.3200610,2 Gbit/sVerdopplung der Bandbreite
    1.4200910,2 Gbit/sTonrückkanal ARC, 3D, Auto-Lip-Sync, erweiterte CEC-Befehle, Deep Color, verbesserte Tonformate, Ethernet-Kanal, 4K bei 24 bis 30 Bildern, Micro-Steckverbinder
    2.0201318 Gbit/s4K bei 50 und 60 Bildern, 32 Tonkanäle, dynamische Lippensynchronität
    2.1201748 Gbit/sFixed Rate Link, 8K bei 60 und 4K bei 120 Bildern, Dynamic HDR, eARC, die Spielmerkmale VRR, ALLM, QFT und QMS, Ultra-High-Speed-Kabel
    2.2202596 Gbit/sweiterentwickelter Fixed Rate Link, 4K bei 240 und 8K bei 60 Bildern unkomprimiert, Latency Indication Protocol, Ultra96-Kabel

    Drei Ergänzungen gehören dazu, weil ihre Namen im Handel auftauchen. Die Fassung 1.4a vom März 2010 hat verbindliche 3D-Formate für Rundfunkinhalte nachgereicht. Der erste Nachtrag zur Fassung 2.1 brachte HDMI Cable Power, mit dem ein aktives Kabel seine Versorgung aus dem Steckverbinder zieht statt aus einem eigenen Netzteil — beide Enden müssen es beherrschen, das Kabel und die Quelle. Und die Bezeichnung 2.1a steht für eine überarbeitete Fassung aus dem Jahr 2022. Aus dieser Zeit stammt auch Source-Based Tone Mapping, bei dem die Quelle ihre HDR-Ausgabe an das angeschlossene Anzeigegerät anpasst, statt einen festen Helligkeitsbereich auszugeben; der Lizenzgeber führt das Merkmal heute unter der Fassung 2.2.

    Zwei Muster ziehen sich durch diese Reihe. Erstens ist der Steckverbinder in zwanzig Jahren derselbe geblieben — die Fassung 2.0 sagt ausdrücklich, dass sie weder neue Kabel noch neue Steckverbinder festlegt, und schon vorhandene High-Speed-Kabel übertragen die erhöhte Bandbreite. Zweitens ist jede Fassung abwärtskompatibel: Ein neues Gerät arbeitet mit einem alten zusammen, es einigt sich eben auf weniger.

    Was die Versionsnummer verschweigt

    Ab der Fassung 2.0 sind die meisten Merkmale einer Fassung für den Hersteller freiwillig. Ein Gerät darf HDMI 2.1 führen und weder die volle Bandbreite noch VRR noch eARC beherrschen — es muss die Spezifikation umgesetzt haben, in dem Umfang, den es für richtig hält. Deshalb ist die Nummer als Kaufkriterium schwach, und deshalb lässt die Markenrichtlinie des Lizenzgebers sie in der Vermarktung auch nur begrenzt zu — für Kabel gar nicht. Ein Kabel hat eine Klasse, keine Fassung.

    An ihre Stelle treten drei andere Angaben, und die sind belastbar:

    • Der Funktionsname. Kann ein Gerät ein bestimmtes Merkmal, wird das Merkmal namentlich genannt — eARC, VRR, ALLM, Ultra96. Was hinter dem jüngsten dieser Namen steht, klärt Ultra96 und HDMI 2.2.
    • Die Kabelklasse. Standard, High Speed, Premium High Speed, Ultra High Speed, Ultra96 — jede steht für eine geprüfte Bandbreite an einem Artikel in einer Länge. Was das zusagt und was es kostet, wenn man es überspringt, steht bei den HDMI-Kabelklassen.
    • Die ausgehandelte Rate. Was die fertige Strecke wirklich überträgt, ermitteln die Geräte beim Einschalten selbst und niemand sonst. Fällt das Ergebnis schlecht aus, kommt trotzdem ein Bild, nur in einem sparsameren Format und ohne Meldung.

    Häufiges Missverständnis

    „Ich habe ein HDMI-2.1-Kabel." Kabel haben keine HDMI-Fassungen. Die Angabe auf der Verpackung ist entweder eine Klassenbezeichnung — dann ist sie brauchbar — oder eine Versionsnummer, und die ist auf Kabeln nach der Markenrichtlinie des Lizenzgebers ausgeschlossen. Ein Kabel, das mit einer Zahl wirbt, sagt damit vor allem etwas über seinen Anbieter.

    „Beide Geräte können 2.1, also läuft die volle Bandbreite." Die Fassung ist eine Umsetzungsgrundlage, keine Leistungszusage. Die Bandbreite handelt die Verbindung aus, und die Strecke dazwischen entscheidet mit — Länge, Kabelklasse und jedes Zwischengerät. Ein Verteiler oder Extender in der Mitte handelt eigenständig aus und ist damit ein zweites Nadelöhr.

    „HDMI überträgt Bild und Ton komprimiert." Der Regelfall ist unkomprimiert; das war von Anfang an der Zweck der Schnittstelle. Erst mit der Fassung 2.1 kam mit Display Stream Compression ein optionales Kompressionsverfahren dazu, das eine Quelle einsetzen darf, wenn ein Format die verfügbare Rate übersteigt. Eine getrennte Frage ist die Farbunterabtastung — dort wird Farbauflösung weggelassen, um Datenrate zu sparen, und das passiert still.

    „HDMI ist die Bildverbindung." Bild ist der größte Teil, aber nicht der einzige. Über dieselbe Leitung laufen der Ton, der Tonrückweg vom Fernseher, die Gerätesteuerung, die Fähigkeitsabfrage, die Berechtigungsprüfung und eine kleine Stromversorgung. Wer HDMI plant, plant all das mit.

    Nicht zu verwechseln mit

    • Kabelklasse gegenüber Fassung: Die Klasse gehört einem Artikel in einer Länge und ist geprüft, die Fassung gehört der Spezifikation. Beide werden „HDMI 2.1" genannt, und nur eine davon zu Recht.
    • Type A, C, D und E: Bauformen desselben Anschlusses — die große Standardbuchse, Mini, Micro und die Ausführung für Fahrzeuge. Sie ändern nichts an den Verfahren, siehe HDMI Type A.
    • DVI: der elektrisch verwandte Vorläufer aus der Rechnerwelt. HDMI hat dessen Übertragungsverfahren übernommen und Ton, Steuerkanal und Kopierschutz ergänzt; ein Adapter zwischen beiden überträgt deshalb Bild, aber keinen Ton.
    • DisplayPort: eine eigene Schnittstelle für dieselbe Aufgabe, herausgegeben von einem anderen Gremium und anders gebaut. Sie sitzt an Rechnern und Monitoren, HDMI im Wohnzimmer.
    • HDMI Alt Mode: das HDMI-Signal über einen USB-C-Steckverbinder. Ein anderer Weg für dasselbe Signal.
    • HDBaseT und AV over IP: Transportverfahren, die ein HDMI-Signal über Netzwerkleitungen weitertragen. Sie sind keine HDMI-Fassungen und haben eigene Grenzen.

    In der Planung

    Ein Wohnraum mit Fernseher, AV-Receiver, einem Zuspieler und einer Spielkonsole, dazu ein fest verlegtes Kabel zu einem Projektor an der Decke. Die Frage, die zuerst gestellt wird, gilt weder den Geräten noch der Fassung.

    Welche Formate müssen tatsächlich laufen, und welchen Weg nimmt der Ton? Film in 4K bei 24 Bildern stellt bescheidene Ansprüche; eine Konsole mit 4K bei 120 Bildern ist ein anderer Fall, und der Ton entscheidet sich daran, ob er vom Zuspieler direkt in den Verstärker geht oder vom Fernseher über den Rückkanal zurückkommt. Diese zweite Variante ist der häufigere Wunsch und die anspruchsvollere Lösung, weil sie an beiden Geräten eARC voraussetzt.

    Die Verfahrensfrage schließt sich an: Welche Strecke bekommt welche Aufgabe? Die kurzen Wege im Schrank sind unkritisch. Die feste Strecke zur Decke ist die kritische, weil sie später niemand tauscht — dort entscheiden Kabelklasse, geprüfte Länge und die Frage, ob ein aktives Kabel oder eine Umsetzung auf HDBaseT die bessere Wahl ist. Ein Leerrohr mit Zugreserve macht diese Entscheidung reversibel und ist deshalb fast immer die günstigere Antwort als das teuerste Kabel.

    Erst danach die Geräte. Gefragt sind dann keine Versionsnummern, sondern drei namentliche Fähigkeiten je Gerät: Beherrscht der Eingang die Formate, die er wirklich bekommt? Beherrscht er eARC, falls der Ton diesen Weg nimmt? Und reicht ein Verteiler oder Umschalter in der Mitte die höchste FRL-Rate durch, oder fällt er auf ein älteres Verfahren zurück? Die dritte Frage wird am häufigsten übersehen und kippt am zuverlässigsten eine sonst saubere Planung.

    Verknüpfte Inhalte

    Die Übertragungsverfahren behandelt FRL und TMDS, den Steckverbinder HDMI Type A, die geprüften Kabel die Seite HDMI-Kabelklassen und die jüngste Fassung Ultra96 und HDMI 2.2. Auf derselben Leitung liegen die Gerätesteuerung CEC, der Tonrückweg eARC und ARC, die Fähigkeitsabfrage EDID und die Berechtigungsprüfung HDCP.

    Was die Fassung 2.1 an Bildratenverfahren gebracht hat, steht bei VRR und QMS, die Bild-Ton-Synchronisation über mehrere Geräte beim Latency Indication Protocol, die optionale Kompression bei Display Stream Compression. Sobald eine Strecke länger wird als das, was ein passives Kabel aushält, führen die Wege zu AOC und DAC, zu HDBaseT und zu AV over IP. Die konkurrierende Schnittstelle ist DisplayPort; warum Signalart, Schnittstelle, Medium, Steckverbinder und Port getrennt zu betrachten sind, klärt Signalart, Schnittstelle, Medium, Steckverbinder und Port.

    Quellen

    Die Gründungsgeschichte, die sieben Gründerunternehmen und die Bandbreitenstufen der Fassungen 1.0 bis 2.1a stammen aus der eigenen Rückschau des HDMI Licensing Administrator zum zwanzigsten Jahrestag der Fassung 1.0; dort steht auch das Gründungsjahr 2011 des HDMI Forum. Die heutige Zusammensetzung des Gründerkreises ist der Adopter-Übersicht desselben Hauses entnommen, Zweck und Mitgliedschaft des Forums der Selbstdarstellung des Forums. Die Zuständigkeit für die Lizenzierung — HDMI LA im Auftrag des Forums für die Fassung 2.2, im Auftrag der Founders für die früheren Fassungen — und das Erscheinungsdatum der ersten Spezifikation im Dezember 2002 stehen auf der Spezifikationsseite des Lizenzgebers.

    Die Merkmale der einzelnen Fassungen sind an ihren jeweiligen Bekanntmachungen belegt: die Fassung 1.4 an der Merkmalsseite zu 1.4b, die Fassung 1.4a an der Mitteilung vom März 2010, die Fassung 2.0 an der Mitteilung des HDMI Forum vom September 2013 — aus der auch stammt, dass sie weder neue Kabel noch neue Steckverbinder festlegt —, die Fassung 2.1 an der Mitteilung vom November 2017 und die Fassung 2.2 an der Technologieübersicht des Lizenzgebers sowie an der Angabe des Forums, dass sie am 25. Juni 2025 an die Adopter herausgegeben wurde. HDMI Cable Power und Source-Based Tone Mapping sind an den zugehörigen Merkmalsseiten belegt. Dass Versionsnummern in der Vermarktung nur begrenzt und auf Kabeln gar nicht verwendet werden dürfen, steht in der Bekanntmachung zur überarbeiteten Trademark-Richtlinie vom Mai 2018.

    2.1
    HDCP-Version

    Glossar

    HDCP

    HDCP verschlüsselt Bild und Ton auf der Leitung zwischen zwei Geräten und lässt die sendende Seite vorher prüfen, ob die empfangende dazu berechtigt ist. Entwickelt hat das Verfahren Intel; herausgegeben und lizenziert wird es von der Digital Content Protection LLC, deren Spezifikationen öffentlich abrufbar sind. Der entscheidende Punkt für die Planung steckt nicht in der Kryptografie, sondern in einer schlichten Folge: Jedes Glied der Kette muss mitspielen, und das schwächste entscheidet.

    Filme und Serien sind auf dem Weg vom Abspielgerät zum Bildschirm verschlüsselt, damit sie unterwegs niemand mitschneiden kann. Bevor etwas losgeschickt wird, fragt das eine Gerät beim anderen nach einem Ausweis. Steht in Deiner Anlage noch etwas dazwischen — ein Verstärker, ein Verteiler, ein Umsetzer —, muss jedes dieser Geräte den Ausweis vorzeigen können. Fehlt er an einer Stelle, bleibt der Bildschirm schwarz, und zwar ohne verwertbare Fehlermeldung. Am Gerät liegt es dann selten; an der Kette meistens.

    Ausführliche Erklärung

    Die Prüfung läuft in Stufen ab, und jede kann für sich scheitern. Die aktuelle Fassung für HDMI, Revision 2.3 vom 28. Februar 2018, beschreibt sie so: Zuerst prüft die Quelle das Zertifikat der Gegenstelle und tauscht einen Hauptschlüssel aus. Dann folgt der Locality Check — die Quelle verlangt, dass die Umlaufzeit zwischen zwei Nachrichten nicht mehr als 20 Millisekunden beträgt. Danach wird der Sitzungsschlüssel getauscht, und erst dann darf verschlüsselt gesendet werden. Hängt hinter der Senke noch etwas, meldet dieses Zwischengerät zusätzlich die gesamte nachgelagerte Topologie nach oben.

    Der Locality Check ist bemerkenswert, weil er eine Zeitgrenze in ein Verfahren einzieht, das sonst nur Schlüssel prüft. Er soll verhindern, dass ein geschützter Strom über eine lange Strecke oder ein Netzwerk umgeleitet wird. Für eine reale Anlage heißt das, dass Verzögerung in der Kette kein bloßer Komfortnachteil ist, sondern ein Abbruchkriterium werden kann.

    Die Zahlen, an denen Verteilanlagen scheitern

    Beide Generationen begrenzen, wie tief und wie breit eine Kette werden darf — und die neuere ist die strengere:

    HDCP 1.xHDCP 2.x
    Repeater-Ebenenbis zu siebenbis zu vier
    Geräte insgesamt12832
    Statusmeldung bei ÜberschreitungMAX_CASCADE_EXCEEDED, MAX_DEVS_EXCEEDEDentsprechende Meldung nach oben

    Die Formulierung der 1.4-Spezifikation lässt an der Folge keinen Zweifel: Die Authentifizierung scheitert, wenn die Topologiemaxima überschritten werden. Es fällt also nicht der überzählige Zweig aus, sondern die Verbindung. Wer in einem größeren Haus Quellen über eine Matrix auf mehrere Räume verteilt, dazu Extender einsetzt und im Kinoraum noch einen Videoprozessor dazwischenhängt, sammelt Ebenen schneller ein als gedacht — und der Grund für das schwarze Bild ist dann weder Bandbreite noch Kabel.

    Warum „HDCP 2.2 erforderlich" nicht heißt, was alle denken

    Die verbreitete Erzählung lautet, HDCP 2.2 sei nicht abwärtskompatibel. Das trifft den Mechanismus nicht. Tatsächlich vergibt die oberste Quelle jedem Inhaltsstrom einen Type-Wert, und dieser Wert steuert die Weitergabe. Die Spezifikation ist an dieser Stelle unmissverständlich: Ein Strom vom Typ 0 darf ein Zwischengerät an alle HDCP-Geräte weiterreichen. Ein Strom vom Typ 1 darf ausdrücklich nicht an Geräte weitergegeben werden, die nach HDCP 1.x, 2.0 oder 2.1 arbeiten.

    Damit ist die Versionsabhängigkeit keine technische Unverträglichkeit, sondern eine Regel, die der Rechteinhaber je Inhalt anwendet. Dieselbe Kette kann eine Streaming-Serie problemlos wiedergeben und beim nächsten Titel schwarz bleiben — nicht weil sich etwas geändert hat, sondern weil der zweite Titel als Typ 1 gekennzeichnet ist. Für die Beratung ist das der wichtigere Satz als jede Versionsnummer: Was durchläuft, entscheidet nicht die Anlage allein, sondern die Kennzeichnung des Inhalts an ihr.

    Typische Fehlerbilder

    • Schwarzes Bild, Ton läuft weiter. Klassisch für eine gescheiterte Authentifizierung auf dem Bildweg, während der Ton über einen anderen Pfad geht.
    • Bild kommt, bricht nach Sekunden weg, kommt wieder. Die Prüfung wird zyklisch wiederholt; ein grenzwertiges Glied besteht sie mal und mal nicht.
    • Ein Ausgang einer Matrix bleibt schwarz, die anderen laufen. Ein Gerät an diesem Ausgang meldet einen Stand, der für den gerade laufenden Inhalt nicht genügt.
    • Bild erscheint nur in geringerer Auflösung. Die Quelle weicht auf ein Format aus, für das die Einschränkung nicht gilt.

    Ergänzend kennt HDCP eine Sperrfunktion: Über die System Renewability Message werden Kennungen kompromittierter Geräte verteilt; steht eine Gerätekennung auf dieser Liste, scheitert die Prüfung dauerhaft. In Wohnanlagen ist der Fall selten, aber er erklärt Geräte, die ohne erkennbaren Anlass aufhören zu funktionieren.

    Häufiges Missverständnis

    „HDCP kostet Bildqualität." Die Verschlüsselung selbst greift in das Bild nicht ein — sie überträgt dieselben Daten in verschlüsselter Form. Sichtbar wird HDCP erst über das Ausweichverhalten der Quelle: Wenn die Prüfung für das volle Format scheitert, gibt sie ein kleineres aus, und genau das nimmt man als Qualitätsverlust wahr. Die Ursache liegt eine Ebene tiefer als der Eindruck.

    „HDCP-Fehler heißt defektes Kabel." Ein Kabel kann tatsächlich schuld sein, weil die Prüfung über dieselben schmalen Datenadern läuft wie der Fähigkeitsabgleich. Wahrscheinlicher ist aber, dass ein Glied den geforderten Stand nicht hat oder die Kette zu tief geworden ist. Der verbreitete Reflex, einen weiteren Repeater oder Umsetzer dazwischenzuhängen, verschärft beides — jedes zusätzliche Gerät ist eine weitere Ebene und weitere Verzögerung im Locality Check.

    Nicht zu verwechseln mit

    • EDID: klärt, was gesendet wird. HDCP klärt, ob gesendet werden darf. Beides zeigt sich als schwarzes Bild, verlangt aber gegensätzliche Gegenmaßnahmen.
    • CEC: Steuerbefehle über dieselbe Buchse, ohne jeden Bezug zum Kopierschutz.
    • DRM des Dienstes: Widevine, PlayReady und ähnliche Systeme schützen den Inhalt auf dem Weg ins Gerät. HDCP schützt ihn erst danach, auf der Leitung zum nächsten Gerät. Ein Dienst kann die Auflösung schon vor HDCP begrenzen.
    • Regionalcode: eine Beschränkung der Disc, keine Eigenschaft der Übertragung.

    Typischer Fehler

    Ein Haus soll drei Räume aus einem zentralen Rack versorgen — Kino, Wohnzimmer, Küche. Vorhanden sind ein 4K-Zuspieler, eine Matrix, drei Extender-Strecken und im Kino ein Videoprozessor vor dem Projektor. Die Anlage läuft, bis die erste Ultra-HD-Blu-ray eingelegt wird.

    Vor der Matrixfrage liegt eine andere: Welche Inhalte sollen wo laufen — und welche davon sind geschützt? Wenn nur das Kino geschützte 4K-Inhalte bekommt, ist die Aufgabe eine andere, als wenn dieselbe Quelle in allen drei Räumen anliegen soll.

    Die Antwort führt auf zwei Teilfragen. Erstens der Stand: Führt jedes Glied auf dem Weg zum Kino HDCP 2.2 oder 2.3? Ein einziger älterer Extender im Weg reicht, damit ein Typ-1-Inhalt dort nicht ankommt. Zweitens die Tiefe: Matrix, Extender-Empfänger und Videoprozessor sind drei Ebenen — mit einer weiteren Verteilung im Wohnzimmer wird die Grenze von vier schnell erreicht, und dann scheitert nicht der Nebenraum, sondern die Authentifizierung.

    Am Schluss die Gerätewahl, und sie fällt anders aus, als der Reflex nahelegt: Nicht ein zusätzlicher Repeater löst das Problem, sondern eine flachere Kette — der Videoprozessor entfällt oder wandert hinter die Matrix, statt zusätzlich davor.

    Verknüpfte Inhalte

    Warum eine Kette auch ohne Kopierschutzproblem schwarz bleiben kann und wie man beide Ursachen auseinanderhält, steht bei EDID. Dass eine HDBaseT-Strecke die Authentifizierung mitführen und dabei eine Ebene kosten kann, gehört zur Extender-Planung; für sehr lange Strecken sind Aktivkabel und Lichtwellenleiter die Alternativen, die die Kette nicht zusätzlich vertiefen.

    Quellen

    Ablauf der Authentifizierung, die Umlaufzeit von höchstens 20 Millisekunden im Locality Check, die Topologiegrenze von vier Ebenen und 32 Geräten sowie die Type-0- und Type-1-Regel stehen in der HDCP-Spezifikation für HDMI, Revision 2.3 vom 28. Februar 2018. Die Grenzen von sieben Ebenen und 128 Geräten, die Statusbits bei Überschreitung und der Satz, dass die Authentifizierung bei Überschreiten der Topologiemaxima scheitert, stammen aus Revision 1.4 vom 8. Juli 2009. Beide Dokumente wurden für diese Seite im Volltext eingesehen und werden von der Digital Content Protection LLC herausgegeben.

    2.3
    Bandbreite

    Glossar

    Bandbreite

    Bandbreite ist die Breite eines Frequenzbereichs, angegeben in Hertz: obere Grenzfrequenz minus untere Grenzfrequenz. In der Übertragungstechnik steht dasselbe Wort seit Jahrzehnten auch für die Datenrate, angegeben in Bit je Sekunde. Beide Bedeutungen sind gebräuchlich, beide stehen in Datenblättern, und welche gemeint ist, verrät die Einheit hinter der Zahl.

    Das Wort Bandbreite wird für zwei ganz verschiedene Dinge benutzt. Beim Ton beschreibt es, welchen Bereich zwischen tief und hoch ein Gerät oder ein Raum abdeckt — von der tiefsten bis zur höchsten Tonlage, die noch ankommt. Bei Kabeln und beim Internet beschreibt es dagegen, wie viel in einer Sekunde durchgeht. Wenn Du irgendwo eine Bandbreite liest, schau also zuerst auf die Einheit dahinter: Hertz heißt Tonlage, Bit je Sekunde heißt Menge. Verwechselt werden die beiden ständig, auch von Fachleuten.

    Ausführliche Erklärung

    Die Frequenzbreite in Hertz

    In ihrer ursprünglichen Bedeutung ist die Bandbreite eine Differenz zweier Frequenzen. Ein Bereich von 100 bis 1 000 Hz hat eine Bandbreite von 900 Hz. Die Angabe sagt für sich genommen noch nichts darüber, wo dieser Bereich liegt — 20 bis 920 Hz wäre dieselbe Bandbreite an einer ganz anderen Stelle des Spektrums.

    Die zweite Frage ist, wo die Grenzen liegen sollen, denn ein Signal hört an keiner Frequenz schlagartig auf. Der Regelfall in der Akustik und in der Elektrotechnik sind die Halbleistungspunkte: die Frequenzen, an denen die Leistung auf die Hälfte des Maximums gefallen ist, also um 3 dB. Wer die Grenzen anders setzt, bekommt für dasselbe Bauteil eine andere Zahl — deshalb ist eine Bandbreite ohne Angabe des Kriteriums nur eine halbe Angabe.

    Aus dieser Definition folgen drei Größen, die im Heimkino und in der HiFi-Planung ständig vorkommen:

    • Die Breite einer Resonanz. Wie breit eine Raummode ausfällt, hängt allein von ihrer Dämpfung ab; die Rechnung und ihre Folgen stehen bei der Modenbandbreite.
    • Die Güte eines Filters. Sie ist das Verhältnis von Mittenfrequenz zur Breite des Eingriffs, und wie sich beides beim Einstellen bedingt, klärt die parametrische Entzerrung.
    • Das Auswerteraster einer Messung. Ein Terzband ist ein Frequenzband fester relativer Breite; was das für die Ablesbarkeit einer Messung bedeutet, steht bei Oktavband und Terzband.

    Warum dasselbe Wort für Datenraten steht

    Der Sprachgebrauch stammt aus der analogen Übertragung. Dort belegte jeder Kanal ein Stück des Frequenzspektrums: der Fernsprechkanal rund 300 bis 3 400 Hz, ein Fernsehkanal einige Megahertz. Wie viel Information sich durch so einen Kanal schicken lässt, hängt unmittelbar an dieser Breite — je breiter der Kanal, desto mehr Zeichen je Sekunde. Ralph Hartley, Ingenieur bei den Bell Telephone Laboratories, hat diesen Zusammenhang 1928 als erster in eine Formel gefasst; zwanzig Jahre später hat Claude Shannon, ebenfalls bei den Bell Labs, die Obergrenze exakt bestimmt: Die Kapazität eines Kanals ist seine Frequenzbreite mal einem Faktor, der vom Verhältnis zwischen Signal und Rauschen abhängt.

    Solange die Frequenzbreite in Hertz die begrenzende Größe war, meinte „mehr Bandbreite" zwangsläufig auch „mehr Information je Sekunde". Beide Bedeutungen fielen praktisch zusammen, und das Wort ist mitgewandert, als die Technik digital wurde. Geblieben ist die Sache selbst: Eine Funkverbindung mit 80 MHz Kanalbreite schafft mehr als eine mit 20 MHz, und ein längeres Kupferkabel dämpft die hohen Frequenzanteile so weit, dass die erreichbare Datenrate sinkt. Geändert hat sich nur die Einheit, in der die Angabe herausgegeben wird — bei einer Schnittstelle steht heute die fertige Datenrate im Datenblatt und nicht mehr die Frequenzbreite, aus der sie sich ergibt.

    Woran Du im Datenblatt erkennst, welche gemeint ist

    Die Einheit entscheidet, und sie ist zuverlässiger als jede Faustregel:

    AngabeWas gemeint istWo sie auftaucht
    Hertz, Kilohertz, Megahertz als Breite oder SpanneFrequenzbreiteRaumakustik, Filter, Lautsprecher, Funkkanäle
    Bit je Sekunde, meist Gbit/sDatenrateHDMI, DisplayPort, Netzwerk, Übertragungsstrecken
    Hertz oder Megahertz als einzelner WertTakt- oder AbtastfrequenzPixeltakt, Abtastrate, Prozessortakt

    Die dritte Zeile ist die Stolperstelle, weil dort Hertz steht und trotzdem keine Breite gemeint ist. Ein Pixeltakt von 340 MHz ist eine Taktfrequenz und beschreibt, wie schnell einzelne Bildpunkte aufeinanderfolgen; die Frequenzbreite, die das Kabel dafür übertragen können muss, ist eine andere Zahl. Wie sich Taktraten und Datenraten an HDMI-Strecken zueinander verhalten, führen FRL und TMDS aus.

    Für die Praxis genügen zwei Merksätze. In der Akustik ist Bandbreite immer eine Frequenzbreite — eine Datenrate kommt dort nicht vor. An Schnittstellen und im Netzwerk ist umgekehrt fast immer die Datenrate gemeint, auch wenn kein Mensch sie so nennt: Die 48 Gbit/s einer HDMI-Strecke, die 80 Gbit/s eines DisplayPort-Anschlusses und die Angaben zu Ultra96 und HDMI 2.2 heißen im Sprachgebrauch alle Bandbreite und sind alle Datenraten.

    Häufiges Missverständnis

    „Mehr Bandbreite heißt besseres Bild." In der Datenraten-Bedeutung beschreibt die Zahl eine Obergrenze der Strecke und sagt nichts über den Inhalt, der darüber läuft. Ein Kabel mit hoher Reserve überträgt ein schwaches Signal genauso schwach; umgekehrt reicht eine knapp bemessene Strecke, solange das Format darunter bleibt. Was eine Datenrate über Qualität aussagt und was nicht, steht bei Bitrate und Datenrate.

    „Der Lautsprecher geht von 20 Hz bis 40 kHz, das ist die Bandbreite." Ohne Toleranzangabe ist das eine Zahl ohne Aussage. Erst der Zusatz, bei welcher Abweichung gemessen wurde — üblich sind ±3 dB —, macht die Spanne vergleichbar; welche Fallstricke in solchen Angaben stecken, klärt der Frequenzgang.

    „Bandbreite und Kanalbreite sind zwei verschiedene Dinge." Beim Funk fallen sie zusammen, und das ist der ehrlichste Fall von allen: Die 20, 40 oder 80 MHz eines WLAN-Kanals sind eine echte Frequenzbreite, und aus ihr folgt die erreichbare Datenrate. Hier hat das Wort beide Bedeutungen gleichzeitig, weil die eine aus der anderen entsteht.

    Nicht zu verwechseln mit

    • Datenrate: Menge je Zeit in Bit je Sekunde. Umgangssprachlich heißt sie oft Bandbreite; ihre eigenen Fallstricke — Mittelwert gegen Spitze, brutto gegen netto — stehen bei Bitrate und Datenrate.
    • Taktfrequenz und Pixeltakt: ein einzelner Frequenzwert, keine Spanne zwischen zwei Frequenzen.
    • Übertragungsbereich eines Lautsprechers: eine Frequenzbreite, aber nur zusammen mit der Toleranz eine belastbare Angabe.
    • Modenbandbreite: der Sonderfall einer einzelnen Raumresonanz. Die Größe ist dieselbe, das Kriterium ebenfalls; die Rechnung dazu steht bei der Modenbandbreite.
    • Dienstgüte: die Reihenfolge, in der ein Netzwerk Daten abarbeitet. Eine breite Leitung ordnet nichts; wie priorisiert wird, klärt die Dienstgüte.

    In der Planung

    In einer Projektbesprechung steht das Wort zweimal im Protokoll. Einmal sagt der Elektriker, die Leitung ins Wohnzimmer habe zu wenig Bandbreite für den geplanten Projektor. Und einmal steht es im Absatz zur Basskorrektur, wo von zu großer Bandbreite eines Filtereingriffs die Rede ist. Beide Sätze klingen nach demselben Problem und meinen zwei Größen, die nur den Namen gemeinsam haben.

    Zuerst ist deshalb zu klären, welche Größe jeweils gemeint ist und wer sie bemisst. Beim Signalweg geht es um eine Datenrate: Das Zielformat legt fest, wie viel je Sekunde über die Strecke muss, und daran wird der Weg bemessen — mit Reserve, weil die Bruttoangabe einer Schnittstelle nach Leitungscodierung weniger Nutzlast übrig lässt. Bei der Basskorrektur geht es um eine Frequenzbreite: Ein Filter mit geringer Güte greift über einen weiten Bereich ein und nimmt Frequenzen mit, die niemand absenken wollte.

    Daraus ergibt sich die Verfahrenswahl, und sie ist in beiden Fällen eine andere. Für den Signalweg entscheidet die Länge der Strecke, ob eine direkte Verbindung reicht oder ob eine Übertragung über Netzwerkkabel sinnvoll wird; die Grenzen dieser Wege stehen bei HDBaseT. Für die Basskorrektur entscheidet der Vergleich zwischen der Breite des Filters und der Breite der Resonanz, die er treffen soll — ein Eingriff, der deutlich breiter ausfällt als die Mode, senkt den halben Bassbereich mit ab.

    Die Geräteauswahl steht in beiden Fällen am Ende. Weder ein teureres Kabel noch ein Entzerrer mit mehr Filterbändern beantwortet eine Frage, die vorher nicht gestellt wurde. Und wer in einem Protokoll dasselbe Wort für zwei Größen stehen lässt, verschiebt genau diese Frage auf den Montagetag.

    Verknüpfte Inhalte

    Was eine Datenrate im Einzelnen aussagt und woran ihre Angaben scheitern, steht bei Bitrate und Datenrate; wie viel davon auf den Leitungen übrig bleibt, bei DisplayPort, bei FRL und TMDS und für lange Strecken bei HDBaseT. Auf der akustischen Seite führen die Modenbandbreite und die parametrische Entzerrung die Frequenzbreite weiter; wie Resonanzen überhaupt zu ihrer Breite kommen, klärt die Resonanz.

    Quellen

    Die historische Wurzel der Doppelbedeutung — die Frequenzbreite eines Kanals als Maß für die übertragbare Informationsmenge — geht auf zwei Arbeiten aus den Bell Telephone Laboratories zurück: Hartley 1928 für den grundsätzlichen Zusammenhang und Shannon 1948 für die exakte Obergrenze unter Rauschen. Beide sind hier als Erstveröffentlichung angegeben und für diese Seite nicht am Objekt gelesen worden; der Zusammenhang selbst ist Grundlagenwissen der Nachrichtentechnik. Der Frequenzbereich des klassischen Fernsprechkanals steht als historische Größenordnung und nicht als zitierter Normwert.

    40 Gbit/s
    HDMI-Merkmale

    Glossar

    HDMI als Schnittstelle

    HDMI — High-Definition Multimedia Interface — ist die Schnittstelle, über die Unterhaltungselektronik Bild, Ton und Steuerbefehle gemeinsam durch ein Kabel schickt. Die erste Fassung erschien im Dezember 2002, herausgegeben von sieben Unternehmen der Unterhaltungselektronik und der Halbleiterindustrie; seit 2011 entwickelt das HDMI Forum die weiteren Fassungen, und der HDMI Licensing Administrator lizenziert sie an die Hersteller.

    Damit ist HDMI die Schnittstelle, an der eine Heimkino- oder HiFi-Anlage tatsächlich zusammenhängt: Fernseher, Projektor, AV-Receiver und Zuspieler haben sie alle, und zwischen ihnen läuft über dieselbe Leitung mehr als das Bild.

    Das Wort, um das sich fast jede Rückfrage dreht, ist die Versionsnummer. Sie bezeichnet eine Fassung der Spezifikation. Was ein einzelnes Gerät davon umgesetzt hat und was eine konkrete Strecke überträgt, sind zwei weitere Fragen mit eigenen Antworten.

    HDMI ist der breite, flache Stecker, mit dem Du Fernseher, Receiver und Zuspieler verbindest. Durch dieses eine Kabel läuft alles gleichzeitig: das Bild, der Ton, und obendrein kleine Befehle, mit denen die Geräte sich gegenseitig einschalten oder umschalten. Alle paar Jahre kommt eine neue Ausbaustufe heraus, damit schärfere und flüssigere Bilder durchpassen — die Nummern 1.4, 2.0, 2.1 und 2.2, die Du auf Kartons siehst. Diese Nummer ist allerdings ein schwaches Versprechen: Ein Hersteller darf sie schon nennen, wenn er nur einen kleinen Teil der neuen Fassung eingebaut hat. Verlass Dich deshalb lieber darauf, was ein Gerät namentlich kann, als auf die Zahl vorn auf der Verpackung.

    Mehrere Dienste auf einer Leitung

    Ein HDMI-Kabel führt kein einzelnes Signal. Es führt mehrere Wege gleichzeitig, die unabhängig voneinander funktionieren oder eben ausfallen — und genau daran hängt fast jedes Fehlerbild in der Praxis. Vier davon prägen die Planung.

    Der Bilddatenweg ist der breiteste Teil. Er arbeitet in einem von zwei Verfahren, dem älteren TMDS oder dem seit der Fassung 2.1 verfügbaren Fixed Rate Link; welches davon läuft und mit welcher Rate, handeln Quelle und Senke beim Einschalten aus. Beides ist unter FRL und TMDS beschrieben, die Aushandlung selbst unter Link Training. Der Ton läuft im Regelfall in diesem Datenstrom mit.

    Daneben liegt ein langsamer Zweidrahtbus. Über ihn liest die Quelle aus, was das Anzeigegerät annimmt — das ist EDID —, und über ihn läuft die Berechtigungsprüfung HDCP. Beide Vorgänge entscheiden darüber, ob überhaupt ein Bild kommt, und beide haben mit der Bandbreite nichts zu tun. Ein schwarzer Bildschirm beim Quellenwechsel stammt fast immer von hier.

    Die Steuerleitung CEC hat eine eigene Ader und ist ein eigenes, sehr langsames Protokoll, mit dem die Geräte einer Kette sich gegenseitig ein- und umschalten; ausgeführt unter HDMI CEC. Und seit der Fassung 1.4 gibt es den Tonrückweg, über den ein Fernseher seinen eigenen Ton an einen Verstärker zurückgibt — ARC und sein Nachfolger eARC, die sich zwei Kontakte mit anderen Funktionen teilen.

    Auf welchen Kontakten das jeweils liegt, steht bei HDMI Type A. Daraus folgt etwas, das jede Fehlersuche abkürzt: „HDMI funktioniert nicht" ist keine brauchbare Fehlerbeschreibung. Bild ohne Ton, Ton ohne Bild, ein Gerät, das sich nicht mitschalten lässt, und ein Bild in schlechterem Format als erwartet sind vier verschiedene Störungen auf vier verschiedenen Wegen im selben Kabel.

    Wer HDMI festlegt

    Die Zuständigkeit hat einmal gewechselt, und das erklärt eine Eigenheit der Versionsnummern.

    Die HDMI Founders — im Jahr 2002 Hitachi, Matsushita Electric (Panasonic), Royal Philips Electronics, Silicon Image, Sony, Thomson und Toshiba — haben die Fassungen 1.0 bis 1.4b herausgegeben. Der Kreis besteht bis heute, teils unter anderen Firmennamen: Neben Philips, Panasonic, Sony und Toshiba stehen dort inzwischen Lattice Semiconductor, Maxell und Vantiva Technologies.

    2011 kam das HDMI Forum dazu, ausdrücklich zu dem Zweck, die Weiterentwicklung auf eine breitere Beteiligung der Industrie zu stellen; die Begründung der Gründer war, dass HDMI die Rolle eines faktischen weltweiten Verbindungsstandards erreicht hatte. Mitglied wird, wer aktiv und wesentlich zur Entwicklung beiträgt — inzwischen sind es rund 85 Unternehmen. Alles ab der Fassung 2.0 stammt vom Forum.

    Lizenziert wird beides von einer Stelle, dem HDMI Licensing Administrator: im Auftrag des Forums für die Fassung 2.2, im Auftrag der Founders für die früheren. Ein Hersteller braucht eine Adopter-Lizenz, um HDMI einzubauen und das Zeichen zu führen.

    Für die Beratung folgt daraus ein unbequemer Punkt: Der Text der aktuellen Fassungen ist kostenpflichtig und Lizenznehmern vorbehalten. Frei abrufbar ist allein die Fassung 1.3a. Wer nachprüfen will, was eine Fassung verlangt und was sie freistellt, ist auf die Darstellungen des Lizenzgebers angewiesen.

    Die Versionsgeschichte in ihren Sprüngen

    Zwanzig Jahre Fassungen lassen sich auf wenige Schritte eindampfen, die in einer Planung wirklich etwas ändern. Die Bandbreitenangaben stammen aus der eigenen Rückschau des Lizenzgebers.

    FassungJahrBandbreiteWas neu hinzukam
    1.020024,95 Gbit/sBild und Ton unkomprimiert über ein Kabel, 1080p bei 60 Bildern
    1.1 und 1.22004, 2005unverändertErweiterungen ohne Bandbreitensprung
    1.3200610,2 Gbit/sVerdopplung der Bandbreite
    1.4200910,2 Gbit/sTonrückkanal ARC, 3D, Auto-Lip-Sync, erweiterte CEC-Befehle, Deep Color, verbesserte Tonformate, Ethernet-Kanal, 4K bei 24 bis 30 Bildern, Micro-Steckverbinder
    2.0201318 Gbit/s4K bei 50 und 60 Bildern, 32 Tonkanäle, dynamische Lippensynchronität
    2.1201748 Gbit/sFixed Rate Link, 8K bei 60 und 4K bei 120 Bildern, Dynamic HDR, eARC, die Spielmerkmale VRR, ALLM, QFT und QMS, Ultra-High-Speed-Kabel
    2.2202596 Gbit/sweiterentwickelter Fixed Rate Link, 4K bei 240 und 8K bei 60 Bildern unkomprimiert, Latency Indication Protocol, Ultra96-Kabel

    Drei Ergänzungen gehören dazu, weil ihre Namen im Handel auftauchen. Die Fassung 1.4a vom März 2010 hat verbindliche 3D-Formate für Rundfunkinhalte nachgereicht. Der erste Nachtrag zur Fassung 2.1 brachte HDMI Cable Power, mit dem ein aktives Kabel seine Versorgung aus dem Steckverbinder zieht statt aus einem eigenen Netzteil — beide Enden müssen es beherrschen, das Kabel und die Quelle. Und die Bezeichnung 2.1a steht für eine überarbeitete Fassung aus dem Jahr 2022. Aus dieser Zeit stammt auch Source-Based Tone Mapping, bei dem die Quelle ihre HDR-Ausgabe an das angeschlossene Anzeigegerät anpasst, statt einen festen Helligkeitsbereich auszugeben; der Lizenzgeber führt das Merkmal heute unter der Fassung 2.2.

    Zwei Muster ziehen sich durch diese Reihe. Erstens ist der Steckverbinder in zwanzig Jahren derselbe geblieben — die Fassung 2.0 sagt ausdrücklich, dass sie weder neue Kabel noch neue Steckverbinder festlegt, und schon vorhandene High-Speed-Kabel übertragen die erhöhte Bandbreite. Zweitens ist jede Fassung abwärtskompatibel: Ein neues Gerät arbeitet mit einem alten zusammen, es einigt sich eben auf weniger.

    Was die Versionsnummer verschweigt

    Ab der Fassung 2.0 sind die meisten Merkmale einer Fassung für den Hersteller freiwillig. Ein Gerät darf HDMI 2.1 führen und weder die volle Bandbreite noch VRR noch eARC beherrschen — es muss die Spezifikation umgesetzt haben, in dem Umfang, den es für richtig hält. Deshalb ist die Nummer als Kaufkriterium schwach, und deshalb lässt die Markenrichtlinie des Lizenzgebers sie in der Vermarktung auch nur begrenzt zu — für Kabel gar nicht. Ein Kabel hat eine Klasse, keine Fassung.

    An ihre Stelle treten drei andere Angaben, und die sind belastbar:

    • Der Funktionsname. Kann ein Gerät ein bestimmtes Merkmal, wird das Merkmal namentlich genannt — eARC, VRR, ALLM, Ultra96. Was hinter dem jüngsten dieser Namen steht, klärt Ultra96 und HDMI 2.2.
    • Die Kabelklasse. Standard, High Speed, Premium High Speed, Ultra High Speed, Ultra96 — jede steht für eine geprüfte Bandbreite an einem Artikel in einer Länge. Was das zusagt und was es kostet, wenn man es überspringt, steht bei den HDMI-Kabelklassen.
    • Die ausgehandelte Rate. Was die fertige Strecke wirklich überträgt, ermitteln die Geräte beim Einschalten selbst und niemand sonst. Fällt das Ergebnis schlecht aus, kommt trotzdem ein Bild, nur in einem sparsameren Format und ohne Meldung.

    Häufiges Missverständnis

    „Ich habe ein HDMI-2.1-Kabel." Kabel haben keine HDMI-Fassungen. Die Angabe auf der Verpackung ist entweder eine Klassenbezeichnung — dann ist sie brauchbar — oder eine Versionsnummer, und die ist auf Kabeln nach der Markenrichtlinie des Lizenzgebers ausgeschlossen. Ein Kabel, das mit einer Zahl wirbt, sagt damit vor allem etwas über seinen Anbieter.

    „Beide Geräte können 2.1, also läuft die volle Bandbreite." Die Fassung ist eine Umsetzungsgrundlage, keine Leistungszusage. Die Bandbreite handelt die Verbindung aus, und die Strecke dazwischen entscheidet mit — Länge, Kabelklasse und jedes Zwischengerät. Ein Verteiler oder Extender in der Mitte handelt eigenständig aus und ist damit ein zweites Nadelöhr.

    „HDMI überträgt Bild und Ton komprimiert." Der Regelfall ist unkomprimiert; das war von Anfang an der Zweck der Schnittstelle. Erst mit der Fassung 2.1 kam mit Display Stream Compression ein optionales Kompressionsverfahren dazu, das eine Quelle einsetzen darf, wenn ein Format die verfügbare Rate übersteigt. Eine getrennte Frage ist die Farbunterabtastung — dort wird Farbauflösung weggelassen, um Datenrate zu sparen, und das passiert still.

    „HDMI ist die Bildverbindung." Bild ist der größte Teil, aber nicht der einzige. Über dieselbe Leitung laufen der Ton, der Tonrückweg vom Fernseher, die Gerätesteuerung, die Fähigkeitsabfrage, die Berechtigungsprüfung und eine kleine Stromversorgung. Wer HDMI plant, plant all das mit.

    Nicht zu verwechseln mit

    • Kabelklasse gegenüber Fassung: Die Klasse gehört einem Artikel in einer Länge und ist geprüft, die Fassung gehört der Spezifikation. Beide werden „HDMI 2.1" genannt, und nur eine davon zu Recht.
    • Type A, C, D und E: Bauformen desselben Anschlusses — die große Standardbuchse, Mini, Micro und die Ausführung für Fahrzeuge. Sie ändern nichts an den Verfahren, siehe HDMI Type A.
    • DVI: der elektrisch verwandte Vorläufer aus der Rechnerwelt. HDMI hat dessen Übertragungsverfahren übernommen und Ton, Steuerkanal und Kopierschutz ergänzt; ein Adapter zwischen beiden überträgt deshalb Bild, aber keinen Ton.
    • DisplayPort: eine eigene Schnittstelle für dieselbe Aufgabe, herausgegeben von einem anderen Gremium und anders gebaut. Sie sitzt an Rechnern und Monitoren, HDMI im Wohnzimmer.
    • HDMI Alt Mode: das HDMI-Signal über einen USB-C-Steckverbinder. Ein anderer Weg für dasselbe Signal.
    • HDBaseT und AV over IP: Transportverfahren, die ein HDMI-Signal über Netzwerkleitungen weitertragen. Sie sind keine HDMI-Fassungen und haben eigene Grenzen.

    In der Planung

    Ein Wohnraum mit Fernseher, AV-Receiver, einem Zuspieler und einer Spielkonsole, dazu ein fest verlegtes Kabel zu einem Projektor an der Decke. Die Frage, die zuerst gestellt wird, gilt weder den Geräten noch der Fassung.

    Welche Formate müssen tatsächlich laufen, und welchen Weg nimmt der Ton? Film in 4K bei 24 Bildern stellt bescheidene Ansprüche; eine Konsole mit 4K bei 120 Bildern ist ein anderer Fall, und der Ton entscheidet sich daran, ob er vom Zuspieler direkt in den Verstärker geht oder vom Fernseher über den Rückkanal zurückkommt. Diese zweite Variante ist der häufigere Wunsch und die anspruchsvollere Lösung, weil sie an beiden Geräten eARC voraussetzt.

    Die Verfahrensfrage schließt sich an: Welche Strecke bekommt welche Aufgabe? Die kurzen Wege im Schrank sind unkritisch. Die feste Strecke zur Decke ist die kritische, weil sie später niemand tauscht — dort entscheiden Kabelklasse, geprüfte Länge und die Frage, ob ein aktives Kabel oder eine Umsetzung auf HDBaseT die bessere Wahl ist. Ein Leerrohr mit Zugreserve macht diese Entscheidung reversibel und ist deshalb fast immer die günstigere Antwort als das teuerste Kabel.

    Erst danach die Geräte. Gefragt sind dann keine Versionsnummern, sondern drei namentliche Fähigkeiten je Gerät: Beherrscht der Eingang die Formate, die er wirklich bekommt? Beherrscht er eARC, falls der Ton diesen Weg nimmt? Und reicht ein Verteiler oder Umschalter in der Mitte die höchste FRL-Rate durch, oder fällt er auf ein älteres Verfahren zurück? Die dritte Frage wird am häufigsten übersehen und kippt am zuverlässigsten eine sonst saubere Planung.

    Verknüpfte Inhalte

    Die Übertragungsverfahren behandelt FRL und TMDS, den Steckverbinder HDMI Type A, die geprüften Kabel die Seite HDMI-Kabelklassen und die jüngste Fassung Ultra96 und HDMI 2.2. Auf derselben Leitung liegen die Gerätesteuerung CEC, der Tonrückweg eARC und ARC, die Fähigkeitsabfrage EDID und die Berechtigungsprüfung HDCP.

    Was die Fassung 2.1 an Bildratenverfahren gebracht hat, steht bei VRR und QMS, die Bild-Ton-Synchronisation über mehrere Geräte beim Latency Indication Protocol, die optionale Kompression bei Display Stream Compression. Sobald eine Strecke länger wird als das, was ein passives Kabel aushält, führen die Wege zu AOC und DAC, zu HDBaseT und zu AV over IP. Die konkurrierende Schnittstelle ist DisplayPort; warum Signalart, Schnittstelle, Medium, Steckverbinder und Port getrennt zu betrachten sind, klärt Signalart, Schnittstelle, Medium, Steckverbinder und Port.

    Quellen

    Die Gründungsgeschichte, die sieben Gründerunternehmen und die Bandbreitenstufen der Fassungen 1.0 bis 2.1a stammen aus der eigenen Rückschau des HDMI Licensing Administrator zum zwanzigsten Jahrestag der Fassung 1.0; dort steht auch das Gründungsjahr 2011 des HDMI Forum. Die heutige Zusammensetzung des Gründerkreises ist der Adopter-Übersicht desselben Hauses entnommen, Zweck und Mitgliedschaft des Forums der Selbstdarstellung des Forums. Die Zuständigkeit für die Lizenzierung — HDMI LA im Auftrag des Forums für die Fassung 2.2, im Auftrag der Founders für die früheren Fassungen — und das Erscheinungsdatum der ersten Spezifikation im Dezember 2002 stehen auf der Spezifikationsseite des Lizenzgebers.

    Die Merkmale der einzelnen Fassungen sind an ihren jeweiligen Bekanntmachungen belegt: die Fassung 1.4 an der Merkmalsseite zu 1.4b, die Fassung 1.4a an der Mitteilung vom März 2010, die Fassung 2.0 an der Mitteilung des HDMI Forum vom September 2013 — aus der auch stammt, dass sie weder neue Kabel noch neue Steckverbinder festlegt —, die Fassung 2.1 an der Mitteilung vom November 2017 und die Fassung 2.2 an der Technologieübersicht des Lizenzgebers sowie an der Angabe des Forums, dass sie am 25. Juni 2025 an die Adopter herausgegeben wurde. HDMI Cable Power und Source-Based Tone Mapping sind an den zugehörigen Merkmalsseiten belegt. Dass Versionsnummern in der Vermarktung nur begrenzt und auf Kabeln gar nicht verwendet werden dürfen, steht in der Bekanntmachung zur überarbeiteten Trademark-Richtlinie vom Mai 2018.

    • HDR10

      Glossar

      HDR10 und HDR10+

      HDR10 ist das HDR-Format, das jedes Gerät beherrscht: eine feste Kombination aus der PQ-Kurve, zehn Bit Farbtiefe, dem Farbraum-Container BT.2020 und einem Satz Metadaten, der für den ganzen Film gilt. HDR10+ benutzt dieselbe Kombination und legt Angaben je Szene daneben, mit denen ein Wiedergabegerät seine Umrechnung feiner steuern kann.

      Filme mit hohem Helligkeitsumfang bringen eine Notiz mit, wie hell das Bild gemeint ist. Bei HDR10 gibt es genau eine solche Notiz für den ganzen Film — sie gilt für die Kellerszene genauso wie für die Wüstenszene, und Dein Fernseher oder Beamer muss selbst entscheiden, was er daraus macht. HDR10+ schreibt zusätzlich für jede Szene auf, wie hell sie tatsächlich ist. Das Gerät weiß dadurch mehr, muss die Angaben aber nicht benutzen. Und heller wird das Bild dadurch nirgends: Es geht nur darum, das vorhandene Licht besser zu verteilen.

      Ausführliche Erklärung

      HDR10: fünf Angaben, kein Verfahren

      Der Name klingt nach einer Norm, gemeint ist ein Medienprofil. Die Consumer Technology Association — der US-Branchenverband der Unterhaltungselektronik, dessen Spezifikation CTA-861 festlegt, wie Bildsignale über schnelle digitale Schnittstellen wie HDMI angekündigt werden — beschreibt das HDR10 Media Profile in ihren Gerätedefinitionen über genau fünf Angaben:

      AngabeWert
      ÜbertragungsfunktionSMPTE ST 2084 (PQ)
      Farbunterabtastung4:2:0 bei komprimierten Quellen
      Bittiefe10 Bit
      PrimärvalenzenITU-R BT.2020
      MetadatenSMPTE ST 2086 sowie MaxFALL und MaxCLL

      Mehr steht dort nicht. Kein Abbildungsverfahren, keine Prüfstelle, keine Mindesthelligkeit — HDR10 sagt, wie das Signal aussieht, und schweigt darüber, was das Gerät damit anstellt. Genau daraus folgt seine Verbreitung: Wer die fünf Angaben erfüllt, erfüllt das Profil, und niemand muss dafür um Erlaubnis fragen.

      Verbindlich wird HDR10 in derselben Definition, eine Zeile weiter. Ein Fernseher, Monitor oder Projektor darf sich nach dieser Festlegung nur dann HDR-tauglich nennen, wenn er das HDR10-Profil aus dem Netz, über HDMI oder aus anderen Quellen annimmt und verarbeitet. Weitere Profile sind ausdrücklich erlaubt, gefordert ist keines. Deshalb steht HDR10 auf praktisch jedem Datenblatt — es ist der einzige Weg, auf dem sich zwei beliebige HDR-Geräte sicher verstehen.

      Was die statischen Metadaten leisten

      Die beiden Metadatenteile beantworten zwei verschiedene Fragen. SMPTE ST 2086 beschreibt das Mastering-Display, also den Monitor, an dem der Film abgenommen wurde: seine Primärvalenzen und seine kleinste und größte Leuchtdichte. MaxCLL und MaxFALL beschreiben den Inhalt — den hellsten Bildpunkt, der im Film vorkommt, und die höchste mittlere Bildhelligkeit.

      Entscheidend ist die Reichweite dieser Angaben: Sie gelten für den gesamten Titel. Eine Nachtszene und eine Schneelandschaft bekommen dieselbe Auskunft, und was ein Gerät daraus für die konkrete Szene ableitet, bleibt ihm überlassen. Was dabei passiert und warum derselbe Film auf zwei Projektoren verschieden aussieht, steht bei der Tonwertabbildung.

      HDR10+: Beschreibung je Szene

      HDR10+ ändert an den fünf Angaben nichts und legt einen zweiten Metadatenstrom daneben. Dessen Aufbau steht in SMPTE ST 2094-40, im Normtitel „Application #4", genehmigt im April 2020 als Überarbeitung der Fassung von 2016. Die Norm beschreibt eine von mehreren Ausprägungen desselben Grundmodells für dynamische Metadaten — Nummer 40 ist die, auf der HDR10+ aufsetzt. Deshalb steht auf manchen Datenblättern die Normnummer statt des Formatnamens.

      Was mitreist, gehört zu zwei verschiedenen Gattungen, und dieser Unterschied ist der Kern des Formats.

      Beschreibende Statistik. Für jedes Zeitintervall — praktisch: für jede Szene — nennt der Datensatz das Maximum der Farbkomponenten, den Mittelwert der hellsten Komponente je Bildpunkt und eine Häufigkeitsverteilung dieser Werte. In der aktuellen Ausprägung sind das neun Stützstellen: die Werte, unter denen 1, 5, 10, 25, 50, 75, 90, 95 und 99 Prozent aller Bildpunkte der Szene liegen. Dazu kommt der Anteil der wirklich hellen Bildpunkte. Ein Gerät erfährt damit mehr als den Höchstwert der Szene: Es sieht, ob die Helligkeit auf wenigen Spitzlichtern sitzt oder über die halbe Bildfläche geht.

      Eine festgelegte Kurve. Zusätzlich kann eine Tonkurve mitgegeben werden: ein linearer Anfang, ein Knickpunkt und die Stützpunkte einer Bézier-Kurve darüber. Das ist die Fassung, die im Farbabgleich bewusst gesetzt wurde. Die Norm sagt dazu ausdrücklich, dass die Verteilungsangaben als Ersatzmetadaten dienen, wenn diese Kurve fehlt.

      Die Kurve gilt dabei nie im luftleeren Raum: Der Datensatz nennt die Spitzenhelligkeit des Zielgeräts, für die sie gedacht ist. Ein Gerät mit anderer Spitzenhelligkeit muss also weiterhin selbst rechnen — es hat dafür aber die Verteilung der laufenden Szene und eine gesetzte Kurve statt eines einzigen Werts für den ganzen Film.

      Warum ein HDR10+-Film auf jedem HDR10-Gerät läuft

      Die dynamischen Angaben stecken in einer Zusatznachricht des Videostroms, wie sie der HEVC-Codec für herstellerregistrierte Daten vorsieht; ihren Aufbau legt dieselbe CTA-Schnittstellenspezifikation fest, die auch die HDR-Ankündigung auf der HDMI-Verbindung regelt. Je Einzelbild wird höchstens eine solche Nachricht mitgeschickt.

      Diese Bauart erklärt die Abwärtskompatibilität besser als jede Zusage: Ein Decoder, der die Nachricht nicht kennt, überspringt sie — genau dafür ist die Nachrichtenart gemacht. Übrig bleibt ein gewöhnlicher HDR10-Strom, weil das Bild selbst nie etwas anderes war. Die Rundfunk-Spezifikation, die diesen Weg festschreibt, formuliert das als Erwartung, dass keine Kompatibilitätsprobleme auftreten; die Formatorganisation sagt dasselbe kürzer und stellt fest, dass ein reines HDR10-Gerät ein HDR10+-Signal ohne Weiteres als HDR10 abspielt.

      Ein HDR10+-Titel braucht deshalb keine eigene Rückfallebene: Der HDR10-Strom darunter ist bereits eine.

      Wo der Unterschied zu Dolby Vision liegt

      Beide Formate ergänzen HDR10 um Metadaten je Szene. Verschieden ist, wer über die Abbildung entscheidet:

      HDR10HDR10+Dolby Vision
      Metadatenein Satz für den Titelje Szene, in einer Zusatznachrichtje Szene, teils in einer zweiten Bildschicht
      AbbildungsverfahrenSache des GerätsSache des Gerätsvon Dolby vorgeschrieben
      GerätezulassungkeinePrüfung für das KennzeichenZulassung für die Wiedergabe
      ohne Unterstützung im Gerät—bleibt HDR10je nach Profil HDR10, SDR oder nichts

      Die entscheidende Zeile ist die zweite. HDR10+ liefert einem Gerät bessere Informationen und schreibt ihm nicht vor, was es daraus macht; Dolby Vision schreibt beides vor und bindet die Wiedergabe an zugelassene Geräte. Das ist derselbe Zielkonflikt wie überall zwischen offener und geschlossener Festlegung: Verbindlichkeit kostet Reichweite, Offenheit kostet Vorhersagbarkeit.

      Am Gerät schließen die beiden Formate einander nicht aus. Viele Fernseher werten beide aus, andere nur eines — welches, ist eine Frage der Produktdaten und des Firmwarestands.

      Häufiges Missverständnis

      „Die Zehn ist eine Versionsnummer." Sie steht für die Bittiefe — zehn Bit je Farbkanal statt der acht des gewohnten SDR-Materials. Auch das Pluszeichen zählt nichts hoch: Die fünf Angaben bleiben Wort für Wort dieselben, es kommt ein Metadatenstrom dazu.

      „HDR10+ macht das Bild heller." Es verteilt vorhandenes Licht anders. Die PQ-Kurve schreibt weiterhin absolute Leuchtdichten vor, die kaum ein Wiedergabegerät erreicht; die Metadaten verbessern nur die Auskunft darüber, welche Stellen im Bild diese Vorgabe überhaupt ausreizen. Wie viel das ausmacht, hängt vom Abstand zwischen Master und Gerät ab — und der ist bei Projektion am größten.

      „Steht HDR10 auf dem Karton, kann das Gerät HDR." Die Geräteanforderung verlangt vier Dinge: eine Schnittstelle mit HDR-Kennung, die Verarbeitung der statischen Metadaten, die Annahme des HDR10-Profils und das Anwenden einer passenden Übertragungsfunktion. Eine Mindesthelligkeit ist nicht darunter. Ein Gerät kann die Angabe also vollständig erfüllen und trotzdem so wenig Licht haben, dass von der HDR-Wirkung fast nichts übrig bleibt.

      Nicht zu verwechseln mit

      • PQ und HLG: Übertragungsfunktionen, die Codewerte in Helligkeit umrechnen. HDR10 benutzt PQ, aber eine Kurve allein ist noch kein Format — es fehlen Bittiefe, Farbraum und Metadaten. Beide Kurven klärt die Übertragungsfunktion.
      • Tonwertabbildung: Was das Gerät mit den Metadaten macht. Beide Formate legen sie nicht fest — deshalb sagen Formatangaben allein wenig über das Bild.
      • Dolby Vision: Ebenfalls dynamische Metadaten, aber mit vorgeschriebenem Verfahren und Gerätezulassung.
      • BT.2020: Der Farbraum-Container, eine der fünf Angaben des Profils. Kein Gerät stellt ihn vollständig dar.
      • Ultra HD und 4K: Bildauflösung. Sie hat mit dem Helligkeitsumfang nichts zu tun, wird auf Verpackungen aber im selben Atemzug genannt.

      In der Planung

      Ein Kunde bringt einen Fernseher mit HDR10+-Kennzeichen und einen Projektor ohne mit, dazu einen AV-Receiver und eine Matrix im Signalweg. Die Frage lautet, ob die Kette HDR10+ „kann".

      Sie ist in dieser Form nicht beantwortbar, und die Reihenfolge der Klärung entscheidet mehr als die Antwort:

      1. Was liefert die Quelle? Erst hier entscheidet sich, ob überhaupt dynamische Metadaten anliegen — je nach Titel, Dienst und Datenträger.
      2. Was reicht die Kette durch? Ein Zwischengerät, das die Kennung verwirft, lässt die Kette stillschweigend auf HDR10 zurückfallen. Der Mechanismus dahinter steht beim InfoFrame; das Bild ist dann nicht gestört, sondern schlicht anders abgebildet.
      3. Was wertet das Anzeigegerät aus? Die Kennung im Menü und die tatsächliche Verarbeitung sind zweierlei.
      4. Wie groß ist der Abstand zum Master? Auf einem lichtstarken Fernseher im abgedunkelten Raum bleibt für die Metadaten wenig zu tun. Auf drei Meter Bildbreite ist der Abstand riesig — dort wäre der Gewinn am größten, und dort ist die Formatunterstützung am dünnsten.

      Der vierte Punkt ist der, der die Kaufentscheidung dreht. Raumverdunklung und Bildgröße wirken bei HDR um ein Vielfaches stärker als jede Formatliste auf dem Datenblatt; die Rechnung dazu steht bei der Tonwertabbildung.

      Verknüpfte Inhalte

      Warum jedes Gerät die HDR-Vorgabe umrechnen muss und was dabei verloren geht, führt die Wissensseite zu HDR im Heimkino und Tonwertabbildung aus — sie ist die Voraussetzung dieser Seite. Die PQ-Kurve selbst und die Abgrenzung zwischen Kurve und Format gehören zur Übertragungsfunktion; dort steht auch, was HLG anders macht. Das konkurrierende dynamische Format beschreibt Dolby Vision. Zwei der fünf Angaben des HDR10-Profils haben eigene Einträge: Bittiefe und Farbraum. Die Größe, auf die am Ende alles zusammenläuft, klärt die Zielleuchtdichte. Woran die Kennung eines Formats in der Kette scheitert, klärt der InfoFrame.

      Quellen

      Die fünf Angaben des HDR10 Media Profile und die vier Bedingungen, unter denen ein Anzeigegerät HDR-tauglich heißen darf, stammen aus den Gerätedefinitionen der Consumer Technology Association, die für diese Seite am Objekt gelesen wurden; das Merkblatt selbst führt kein aufgedrucktes Datum. Der Aufbau der dynamischen Metadaten — die Verteilungsangaben mit ihren neun Stützstellen, die Kurve aus Knickpunkt und Bézier-Ankern, die Zielhelligkeit und der Vorrang der Kurve vor den Verteilungsangaben — ist an SMPTE ST 2094-40 in der Fassung von 2020 belegt, ebenfalls am Objekt gelesen. Die Übertragung als herstellerregistrierte Zusatznachricht im HEVC-Strom und die Feststellung, dass uninteressierte Empfänger sie überspringen, stehen in der ATSC-Ergänzung vom September 2021, die dafür auf die CTA-Schnittstellenspezifikation von Dezember 2020 verweist; deren Normtext ist kostenpflichtig und wurde nicht eingesehen.

      Dass HDR10+ genau diese Norm benutzt, ist an einer Spezifikation der Alliance for Open Media vom Oktober 2023 gegengelesen, die HDR10+ als Metadaten nach ST 2094-40 und CTA-861 beschreibt — also unabhängig von der Formatorganisation. Deren eigene Darstellung deckt Herkunft, Prüfprogramm und Lizenzbedingungen; diese Angaben sind nirgends gegenlesbar, weil die Systemspezifikation nur angemeldeten Unternehmen offensteht. Öffentlich ist allein die Metadatennorm. Die Angaben zur Ultra HD Blu-ray sind nicht belegt; die maßgebliche Fundstelle war nicht abrufbar und die Aussage steht entsprechend gekennzeichnet.

    • HDR10+

      Glossar

      HDR10 und HDR10+

      HDR10 ist das HDR-Format, das jedes Gerät beherrscht: eine feste Kombination aus der PQ-Kurve, zehn Bit Farbtiefe, dem Farbraum-Container BT.2020 und einem Satz Metadaten, der für den ganzen Film gilt. HDR10+ benutzt dieselbe Kombination und legt Angaben je Szene daneben, mit denen ein Wiedergabegerät seine Umrechnung feiner steuern kann.

      Filme mit hohem Helligkeitsumfang bringen eine Notiz mit, wie hell das Bild gemeint ist. Bei HDR10 gibt es genau eine solche Notiz für den ganzen Film — sie gilt für die Kellerszene genauso wie für die Wüstenszene, und Dein Fernseher oder Beamer muss selbst entscheiden, was er daraus macht. HDR10+ schreibt zusätzlich für jede Szene auf, wie hell sie tatsächlich ist. Das Gerät weiß dadurch mehr, muss die Angaben aber nicht benutzen. Und heller wird das Bild dadurch nirgends: Es geht nur darum, das vorhandene Licht besser zu verteilen.

      Ausführliche Erklärung

      HDR10: fünf Angaben, kein Verfahren

      Der Name klingt nach einer Norm, gemeint ist ein Medienprofil. Die Consumer Technology Association — der US-Branchenverband der Unterhaltungselektronik, dessen Spezifikation CTA-861 festlegt, wie Bildsignale über schnelle digitale Schnittstellen wie HDMI angekündigt werden — beschreibt das HDR10 Media Profile in ihren Gerätedefinitionen über genau fünf Angaben:

      AngabeWert
      ÜbertragungsfunktionSMPTE ST 2084 (PQ)
      Farbunterabtastung4:2:0 bei komprimierten Quellen
      Bittiefe10 Bit
      PrimärvalenzenITU-R BT.2020
      MetadatenSMPTE ST 2086 sowie MaxFALL und MaxCLL

      Mehr steht dort nicht. Kein Abbildungsverfahren, keine Prüfstelle, keine Mindesthelligkeit — HDR10 sagt, wie das Signal aussieht, und schweigt darüber, was das Gerät damit anstellt. Genau daraus folgt seine Verbreitung: Wer die fünf Angaben erfüllt, erfüllt das Profil, und niemand muss dafür um Erlaubnis fragen.

      Verbindlich wird HDR10 in derselben Definition, eine Zeile weiter. Ein Fernseher, Monitor oder Projektor darf sich nach dieser Festlegung nur dann HDR-tauglich nennen, wenn er das HDR10-Profil aus dem Netz, über HDMI oder aus anderen Quellen annimmt und verarbeitet. Weitere Profile sind ausdrücklich erlaubt, gefordert ist keines. Deshalb steht HDR10 auf praktisch jedem Datenblatt — es ist der einzige Weg, auf dem sich zwei beliebige HDR-Geräte sicher verstehen.

      Was die statischen Metadaten leisten

      Die beiden Metadatenteile beantworten zwei verschiedene Fragen. SMPTE ST 2086 beschreibt das Mastering-Display, also den Monitor, an dem der Film abgenommen wurde: seine Primärvalenzen und seine kleinste und größte Leuchtdichte. MaxCLL und MaxFALL beschreiben den Inhalt — den hellsten Bildpunkt, der im Film vorkommt, und die höchste mittlere Bildhelligkeit.

      Entscheidend ist die Reichweite dieser Angaben: Sie gelten für den gesamten Titel. Eine Nachtszene und eine Schneelandschaft bekommen dieselbe Auskunft, und was ein Gerät daraus für die konkrete Szene ableitet, bleibt ihm überlassen. Was dabei passiert und warum derselbe Film auf zwei Projektoren verschieden aussieht, steht bei der Tonwertabbildung.

      HDR10+: Beschreibung je Szene

      HDR10+ ändert an den fünf Angaben nichts und legt einen zweiten Metadatenstrom daneben. Dessen Aufbau steht in SMPTE ST 2094-40, im Normtitel „Application #4", genehmigt im April 2020 als Überarbeitung der Fassung von 2016. Die Norm beschreibt eine von mehreren Ausprägungen desselben Grundmodells für dynamische Metadaten — Nummer 40 ist die, auf der HDR10+ aufsetzt. Deshalb steht auf manchen Datenblättern die Normnummer statt des Formatnamens.

      Was mitreist, gehört zu zwei verschiedenen Gattungen, und dieser Unterschied ist der Kern des Formats.

      Beschreibende Statistik. Für jedes Zeitintervall — praktisch: für jede Szene — nennt der Datensatz das Maximum der Farbkomponenten, den Mittelwert der hellsten Komponente je Bildpunkt und eine Häufigkeitsverteilung dieser Werte. In der aktuellen Ausprägung sind das neun Stützstellen: die Werte, unter denen 1, 5, 10, 25, 50, 75, 90, 95 und 99 Prozent aller Bildpunkte der Szene liegen. Dazu kommt der Anteil der wirklich hellen Bildpunkte. Ein Gerät erfährt damit mehr als den Höchstwert der Szene: Es sieht, ob die Helligkeit auf wenigen Spitzlichtern sitzt oder über die halbe Bildfläche geht.

      Eine festgelegte Kurve. Zusätzlich kann eine Tonkurve mitgegeben werden: ein linearer Anfang, ein Knickpunkt und die Stützpunkte einer Bézier-Kurve darüber. Das ist die Fassung, die im Farbabgleich bewusst gesetzt wurde. Die Norm sagt dazu ausdrücklich, dass die Verteilungsangaben als Ersatzmetadaten dienen, wenn diese Kurve fehlt.

      Die Kurve gilt dabei nie im luftleeren Raum: Der Datensatz nennt die Spitzenhelligkeit des Zielgeräts, für die sie gedacht ist. Ein Gerät mit anderer Spitzenhelligkeit muss also weiterhin selbst rechnen — es hat dafür aber die Verteilung der laufenden Szene und eine gesetzte Kurve statt eines einzigen Werts für den ganzen Film.

      Warum ein HDR10+-Film auf jedem HDR10-Gerät läuft

      Die dynamischen Angaben stecken in einer Zusatznachricht des Videostroms, wie sie der HEVC-Codec für herstellerregistrierte Daten vorsieht; ihren Aufbau legt dieselbe CTA-Schnittstellenspezifikation fest, die auch die HDR-Ankündigung auf der HDMI-Verbindung regelt. Je Einzelbild wird höchstens eine solche Nachricht mitgeschickt.

      Diese Bauart erklärt die Abwärtskompatibilität besser als jede Zusage: Ein Decoder, der die Nachricht nicht kennt, überspringt sie — genau dafür ist die Nachrichtenart gemacht. Übrig bleibt ein gewöhnlicher HDR10-Strom, weil das Bild selbst nie etwas anderes war. Die Rundfunk-Spezifikation, die diesen Weg festschreibt, formuliert das als Erwartung, dass keine Kompatibilitätsprobleme auftreten; die Formatorganisation sagt dasselbe kürzer und stellt fest, dass ein reines HDR10-Gerät ein HDR10+-Signal ohne Weiteres als HDR10 abspielt.

      Ein HDR10+-Titel braucht deshalb keine eigene Rückfallebene: Der HDR10-Strom darunter ist bereits eine.

      Wo der Unterschied zu Dolby Vision liegt

      Beide Formate ergänzen HDR10 um Metadaten je Szene. Verschieden ist, wer über die Abbildung entscheidet:

      HDR10HDR10+Dolby Vision
      Metadatenein Satz für den Titelje Szene, in einer Zusatznachrichtje Szene, teils in einer zweiten Bildschicht
      AbbildungsverfahrenSache des GerätsSache des Gerätsvon Dolby vorgeschrieben
      GerätezulassungkeinePrüfung für das KennzeichenZulassung für die Wiedergabe
      ohne Unterstützung im Gerät—bleibt HDR10je nach Profil HDR10, SDR oder nichts

      Die entscheidende Zeile ist die zweite. HDR10+ liefert einem Gerät bessere Informationen und schreibt ihm nicht vor, was es daraus macht; Dolby Vision schreibt beides vor und bindet die Wiedergabe an zugelassene Geräte. Das ist derselbe Zielkonflikt wie überall zwischen offener und geschlossener Festlegung: Verbindlichkeit kostet Reichweite, Offenheit kostet Vorhersagbarkeit.

      Am Gerät schließen die beiden Formate einander nicht aus. Viele Fernseher werten beide aus, andere nur eines — welches, ist eine Frage der Produktdaten und des Firmwarestands.

      Häufiges Missverständnis

      „Die Zehn ist eine Versionsnummer." Sie steht für die Bittiefe — zehn Bit je Farbkanal statt der acht des gewohnten SDR-Materials. Auch das Pluszeichen zählt nichts hoch: Die fünf Angaben bleiben Wort für Wort dieselben, es kommt ein Metadatenstrom dazu.

      „HDR10+ macht das Bild heller." Es verteilt vorhandenes Licht anders. Die PQ-Kurve schreibt weiterhin absolute Leuchtdichten vor, die kaum ein Wiedergabegerät erreicht; die Metadaten verbessern nur die Auskunft darüber, welche Stellen im Bild diese Vorgabe überhaupt ausreizen. Wie viel das ausmacht, hängt vom Abstand zwischen Master und Gerät ab — und der ist bei Projektion am größten.

      „Steht HDR10 auf dem Karton, kann das Gerät HDR." Die Geräteanforderung verlangt vier Dinge: eine Schnittstelle mit HDR-Kennung, die Verarbeitung der statischen Metadaten, die Annahme des HDR10-Profils und das Anwenden einer passenden Übertragungsfunktion. Eine Mindesthelligkeit ist nicht darunter. Ein Gerät kann die Angabe also vollständig erfüllen und trotzdem so wenig Licht haben, dass von der HDR-Wirkung fast nichts übrig bleibt.

      Nicht zu verwechseln mit

      • PQ und HLG: Übertragungsfunktionen, die Codewerte in Helligkeit umrechnen. HDR10 benutzt PQ, aber eine Kurve allein ist noch kein Format — es fehlen Bittiefe, Farbraum und Metadaten. Beide Kurven klärt die Übertragungsfunktion.
      • Tonwertabbildung: Was das Gerät mit den Metadaten macht. Beide Formate legen sie nicht fest — deshalb sagen Formatangaben allein wenig über das Bild.
      • Dolby Vision: Ebenfalls dynamische Metadaten, aber mit vorgeschriebenem Verfahren und Gerätezulassung.
      • BT.2020: Der Farbraum-Container, eine der fünf Angaben des Profils. Kein Gerät stellt ihn vollständig dar.
      • Ultra HD und 4K: Bildauflösung. Sie hat mit dem Helligkeitsumfang nichts zu tun, wird auf Verpackungen aber im selben Atemzug genannt.

      In der Planung

      Ein Kunde bringt einen Fernseher mit HDR10+-Kennzeichen und einen Projektor ohne mit, dazu einen AV-Receiver und eine Matrix im Signalweg. Die Frage lautet, ob die Kette HDR10+ „kann".

      Sie ist in dieser Form nicht beantwortbar, und die Reihenfolge der Klärung entscheidet mehr als die Antwort:

      1. Was liefert die Quelle? Erst hier entscheidet sich, ob überhaupt dynamische Metadaten anliegen — je nach Titel, Dienst und Datenträger.
      2. Was reicht die Kette durch? Ein Zwischengerät, das die Kennung verwirft, lässt die Kette stillschweigend auf HDR10 zurückfallen. Der Mechanismus dahinter steht beim InfoFrame; das Bild ist dann nicht gestört, sondern schlicht anders abgebildet.
      3. Was wertet das Anzeigegerät aus? Die Kennung im Menü und die tatsächliche Verarbeitung sind zweierlei.
      4. Wie groß ist der Abstand zum Master? Auf einem lichtstarken Fernseher im abgedunkelten Raum bleibt für die Metadaten wenig zu tun. Auf drei Meter Bildbreite ist der Abstand riesig — dort wäre der Gewinn am größten, und dort ist die Formatunterstützung am dünnsten.

      Der vierte Punkt ist der, der die Kaufentscheidung dreht. Raumverdunklung und Bildgröße wirken bei HDR um ein Vielfaches stärker als jede Formatliste auf dem Datenblatt; die Rechnung dazu steht bei der Tonwertabbildung.

      Verknüpfte Inhalte

      Warum jedes Gerät die HDR-Vorgabe umrechnen muss und was dabei verloren geht, führt die Wissensseite zu HDR im Heimkino und Tonwertabbildung aus — sie ist die Voraussetzung dieser Seite. Die PQ-Kurve selbst und die Abgrenzung zwischen Kurve und Format gehören zur Übertragungsfunktion; dort steht auch, was HLG anders macht. Das konkurrierende dynamische Format beschreibt Dolby Vision. Zwei der fünf Angaben des HDR10-Profils haben eigene Einträge: Bittiefe und Farbraum. Die Größe, auf die am Ende alles zusammenläuft, klärt die Zielleuchtdichte. Woran die Kennung eines Formats in der Kette scheitert, klärt der InfoFrame.

      Quellen

      Die fünf Angaben des HDR10 Media Profile und die vier Bedingungen, unter denen ein Anzeigegerät HDR-tauglich heißen darf, stammen aus den Gerätedefinitionen der Consumer Technology Association, die für diese Seite am Objekt gelesen wurden; das Merkblatt selbst führt kein aufgedrucktes Datum. Der Aufbau der dynamischen Metadaten — die Verteilungsangaben mit ihren neun Stützstellen, die Kurve aus Knickpunkt und Bézier-Ankern, die Zielhelligkeit und der Vorrang der Kurve vor den Verteilungsangaben — ist an SMPTE ST 2094-40 in der Fassung von 2020 belegt, ebenfalls am Objekt gelesen. Die Übertragung als herstellerregistrierte Zusatznachricht im HEVC-Strom und die Feststellung, dass uninteressierte Empfänger sie überspringen, stehen in der ATSC-Ergänzung vom September 2021, die dafür auf die CTA-Schnittstellenspezifikation von Dezember 2020 verweist; deren Normtext ist kostenpflichtig und wurde nicht eingesehen.

      Dass HDR10+ genau diese Norm benutzt, ist an einer Spezifikation der Alliance for Open Media vom Oktober 2023 gegengelesen, die HDR10+ als Metadaten nach ST 2094-40 und CTA-861 beschreibt — also unabhängig von der Formatorganisation. Deren eigene Darstellung deckt Herkunft, Prüfprogramm und Lizenzbedingungen; diese Angaben sind nirgends gegenlesbar, weil die Systemspezifikation nur angemeldeten Unternehmen offensteht. Öffentlich ist allein die Metadatennorm. Die Angaben zur Ultra HD Blu-ray sind nicht belegt; die maßgebliche Fundstelle war nicht abrufbar und die Aussage steht entsprechend gekennzeichnet.

    • Dolby Vision

      Technologie

      Dolby Vision

      Dolby Vision ist ein HDR-Format, das Dolby Laboratories im Januar 2014 vorgestellt hat. Es löst ein Problem, das die Wissensseite zur Tonwertabbildung beschreibt: Die PQ-Kurve schreibt jedem Bildpunkt eine absolute Leuchtdichte vor, die kaum ein Wiedergabegerät erreicht — also muss jedes Gerät umrechnen, und wie es das tut, ist bei HDR10 nicht festgelegt. Dolby Vision legt es fest. Das Format liefert szenenweise Metadaten mit, schreibt das Abbildungsverfahren vor und lässt es nur auf Geräten laufen, die Dolby geprüft und zugelassen hat. Der Preis für diese Verbindlichkeit ist die Bindung an Dolby: Ohne zugelassenes Gerät in der Kette gibt es kein Dolby-Vision-Bild, sondern bestenfalls den HDR10-Anteil des Signals.

      Filme mit hohem Helligkeitsumfang bringen eine Anweisung mit, wie hell jede Stelle im Bild sein soll — aber Dein Fernseher oder Beamer schafft diese Vorgaben nie ganz und muss sie herunterrechnen. Beim üblichen Verfahren entscheidet jedes Gerät selbst, wie es das macht, und eine Anweisung gilt für den ganzen Film. Dolby Vision schickt stattdessen für jede Szene eine eigene Anweisung mit und schreibt auch das Herunterrechnen selbst vor — dafür funktioniert es nur auf Geräten, die Dolby dafür freigegeben hat. Eine dunkle Kellerszene und eine Wüstenszene bekommen so jede die Behandlung, die zu ihr passt, statt einen Kompromiss für beide.

      Das zugrunde liegende Problem

      HDR10, der Grundstock jeder UHD-HDR-Auswertung, gibt dem Gerät genau einen Datensatz für den ganzen Film mit: die Eckwerte des Mastering-Displays und zwei Helligkeitskennwerte. Eine Nachtszene und eine Schneelandschaft bekommen dieselbe Auskunft, und was das Gerät daraus macht, entscheidet es allein — mit den Folgen, die auf der Tonwertabbildungs-Seite stehen: Derselbe Film sieht auf zwei Geräten verschieden aus, und keines der Ergebnisse ist verbindlich.

      Dolby Vision setzt an beiden Enden dieses Problems an. Auf der Produktionsseite entsteht beim Farbabgleich eine Analyse je Szene, die der Colorist gezielt übersteuern kann; diese Werte reisen als dynamische Metadaten mit dem Film. Auf der Wiedergabeseite rechnet ein von Dolby vorgeschriebenes Verfahren diese Metadaten gegen die Fähigkeiten des konkreten Geräts. Die Umrechnung bleibt eine Umrechnung — mehr Licht entsteht dabei nicht —, aber sie folgt an beiden Enden derselben Systematik statt der Tagesform eines Geräteherstellers.

      Funktionsweise

      Basisschicht, Erweiterungsschicht, Metadaten

      Ein Dolby-Vision-Strom besteht aus bis zu drei Bestandteilen. Die Basisschicht ist ein gewöhnlicher Videostrom; je nach Profil ist sie für sich allein abspielbar (als HDR10 oder SDR) oder nur zusammen mit den übrigen Bestandteilen zu gebrauchen. Die dynamischen Metadaten beschreiben Szene für Szene, wie das Bild auf ein schwächeres Gerät abzubilden ist. Einige Profile führen zusätzlich eine Erweiterungsschicht: einen zweiten, schmalen Videostrom, der die Differenz zwischen der Basisschicht und dem vollen Master enthält — auf der UHD-Blu-ray ist das der Weg von der 10-Bit-HDR10-Fassung zurück zu den 12 Bit des Masters. Das Zusammensetzen aus Basisschicht, Erweiterungsschicht und Metadaten ist als öffentliche Norm dokumentiert, denn Dolby hat das Verfahren als Compound Content Management in die ETSI eingebracht (GS CCM 001).

      Auf der Disc gibt es die Erweiterungsschicht in zwei Ausprägungen: als volle Schicht mit echtem Differenzsignal (FEL) und als Minimalschicht, deren Differenzsignal null ist und die nur als Träger der Metadaten dient (MEL). Für die Planung ist der Unterschied deshalb von Belang, weil eine volle Erweiterungsschicht einen zweiten Decoder im Zuspieler beschäftigt — nicht jedes Gerät, das Dolby Vision meldet, verarbeitet beide Ausprägungen gleich gut.

      Die Abbildung im zertifizierten Wiedergabegerät

      Die Metadaten sind nur die halbe Technologie. Die andere Hälfte ist das Abbildungsverfahren selbst: Dolbys Content-Mapping-Algorithmen rechnen das Signal auf die Spitzenhelligkeit, den Schwarzwert und den Farbraum des konkreten Geräts um. Dieses Verfahren implementiert nicht jeder Hersteller nach eigenem Gusto — jedes Dolby-Vision-Wiedergabegerät muss eine Zertifizierung mit Dolbys Entwicklungswerkzeugen bestehen, und Dolby gibt die gemeldeten Gerätefähigkeiten frei. Was ein Gerät nach außen als Dolby-Vision-Fähigkeit meldet, ist also eine geprüfte Angabe und keine Selbstauskunft.

      Für die Kette heißt das: Die Metadaten reisen bis zu dem zugelassenen Gerät, das die Abbildung ausführt, und dieses Gerät bildet auf die eigenen Möglichkeiten ab. Ein UHD-Blu-ray-Zuspieler prüft dafür eigens über ein Statusregister, ob am Ende der Kette ein Dolby-Vision-Gerät hängt — meldet sich keines, bleibt der HDR10-Anteil des Signals übrig, sofern das Profil einen hat.

      Profile: welche Basisschicht ohne Dolby Vision übrig bleibt

      Dolby ordnet die zulässigen Stromformen in Profilen. Die für das Heimkino wichtigen unterscheiden sich vor allem darin, was ein Gerät ohne Dolby-Vision-Unterstützung mit der Basisschicht anfangen kann:

      ProfilAufbauBasisschicht allein abspielbar als
      5eine Schicht plus Metadatennichts — die Basisschicht liegt in Dolbys eigenem Signalformat (IPTPQc2) vor
      7Basisschicht plus Erweiterungsschicht plus Metadaten (UHD-Blu-ray)HDR10
      8.1eine Schicht plus MetadatenHDR10
      8.2eine Schicht plus MetadatenSDR

      Profil 5 ist der Streaming-Fall ohne Rückfalloption: Gerät ohne Dolby-Vision-Zulassung, kein brauchbares Bild — die Auswahl der passenden Fassung übernimmt dort der Streaming-Dienst, der einem Gerät ohne Zulassung gar kein Profil-5-Material ausliefert. Profil 8.1 ist der verträgliche Streaming-Fall: Dieselbe Datei ergibt auf einem HDR10-Gerät HDR10 und auf einem zugelassenen Gerät Dolby Vision. Profil 7 ist die Disc.

      Die Variante mit verringerter Verzögerung

      Im Standardmodus verarbeitet das Anzeigegerät die Metadaten selbst — das kostet Rechenzeit im Bildweg. Für Spielkonsolen und andere verzögerungskritische Quellen gibt es deshalb Low-Latency Dolby Vision (LLDV): Der Zuspieler übernimmt die Abbildung, rechnet das Bild auf die Fähigkeiten, die das Anzeigegerät ihm gemeldet hat, und schickt das fertige Ergebnis; die dynamischen Metadaten reisen dann nicht mehr mit. Damit wandert die Arbeit an die Stelle der Kette, die sie am schnellsten erledigt, und das Anzeigegerät muss nur noch anzeigen.

      Für die Projektion hat diese Variante eine Bedeutung über den Spielbetrieb hinaus: Sie ist der dokumentierte Weg, Dolby-Vision-Material in Ketten zu bringen, deren Bildgeber selbst keine Dolby-Vision-Zulassung hat — der Zuspieler bildet ab, die restliche Kette sieht ein gewöhnliches HDR-Signal. Was das für Ketten mit externem Videoprozessor bedeutet, steht im nächsten Abschnitt.

      Voraussetzungen

      • Material. Der Titel muss mit Dolby-Vision-Metadaten gemastert und in einem Dolby-Vision-Profil ausgeliefert sein — auf Disc als Profil 7, im Streaming je nach Dienst.
      • Ein zugelassenes Gerät an der Stelle, die abbildet. Im Normalfall ist das der Fernseher; in Projektionsketten, deren Bildgeber keine Zulassung hat, ein Zuspieler mit LLDV-Unterstützung.
      • Eine Kette, die das Format durchreicht. Zwischengeräte müssen die Signalisierung weitergeben; ein Glied, das sie verwirft, lässt die Kette kommentarlos auf HDR10 oder SDR zurückfallen. Der Mechanismus dahinter steht beim InfoFrame.
      • Kein zusätzlicher Raum- oder Lichtbedarf. Dolby Vision ändert nichts an der Physik der Projektion: Die Leuchtdichte-Rechnung der Tonwertabbildungs-Seite gilt unverändert, nur die Umrechnung wird systematischer.

      Abgrenzung

      Gegen HDR10. Gleiche PQ-Kurve, gleicher Farbraum-Container — der Unterschied liegt in den Metadaten und in der Verbindlichkeit. HDR10 liefert einen statischen Datensatz für den ganzen Film und überlässt die Abbildung dem Gerät; Dolby Vision liefert szenenweise Werte und schreibt das Verfahren vor. HDR10 ist zugleich die Rückfallebene: Auf der Disc und in Profil 8.1 steckt es als Basisschicht in jedem Dolby-Vision-Signal.

      Gegen HDR10+. Auch HDR10+ ergänzt HDR10 um dynamische Metadaten, verzichtet aber auf eine zentrale Gerätezulassung mit vorgeschriebenem Abbildungsverfahren — die Auswertung bleibt Sache des Geräteherstellers. Beide Formate schließen einander am Gerät nicht aus; welche ein konkretes Gerät auswertet, ist eine Produktdatenfrage.

      Kein Marketingbegriff für „helleres Bild". Dolby Vision erhöht weder Lichtstrom noch Kontrast. Es ist eine Vereinbarung darüber, wie das vorhandene Licht verteilt wird — die häufig beworbene Zwölf-Bit-Tiefe beschreibt das Signal und den Rechenweg, kein Panel, das zwölf Bit darstellt. Was Bittiefe im Signal bedeutet, steht im Glossar.

      Nicht dasselbe wie Dolby Atmos. Der Markenname klingt verwandt, gemeint ist dort Ton. Beide teilen nur den Urheber.

      Grenzen

      • Die Bindung an die Zulassung wirkt in beide Richtungen. Sie macht die Abbildung verbindlich — und sie schließt jede Kette aus, in der kein zugelassenes Gerät an der richtigen Stelle sitzt. Heimkinoprojektoren mit Dolby-Vision-Zulassung sind die Ausnahme; Projektionsketten sind deshalb auf den LLDV-Weg über den Zuspieler oder auf den Rückfall auf HDR10 angewiesen.
      • In Ketten mit externem Videoprozessor steht das Verfahren quer zur Gerätelogik. Der Prozessor will die Abbildung selbst übernehmen, Dolby Vision legt sie in das zugelassene Endgerät. Der dokumentierte Ausweg: Der Zuspieler bildet per LLDV ab, der Prozessor behandelt das Ergebnis wie jedes andere HDR-Signal — mit der Folge, dass die szenenweise Abbildung dann vor dem Glied stattfindet, das den Raum und die Leinwand kennt. Die Planungsfolge dazu steht beim externen Videoprozessor.
      • Szenenweise Metadaten lösen den Zielkonflikt der Abbildung nicht auf. Auch die beste Kurve verteilt nur; was die Tonwertabbildungs-Seite über Bildgröße, Raum und Streulicht sagt, bleibt der wirksamere Hebel.
      • Der Gewinn hängt am Abstand zwischen Master und Gerät. Je näher ein Gerät den gemasterten Leuchtdichten kommt, desto weniger bleibt für die Metadaten zu tun. Den größten Unterschied macht das Verfahren dort, wo der Abstand groß ist — und das ist die Projektion, also genau der Fall mit der dünnsten Gerätezulassung.

      Verknüpfte Inhalte

      Warum HDR-Vorgaben auf der Leinwand nicht ankommen und was eine Abbildungskurve grundsätzlich leisten kann, steht bei HDR im Heimkino und Tonwertabbildung — diese Seite setzt das voraus. Die PQ-Kurve selbst und der Unterschied zwischen Kurve und Format gehören zur Übertragungsfunktion. Wie sich Dolby-Vision-Material in Ketten mit externem Videoprozessor verhält und wann ein solches Gerät überhaupt etwas bringt, klärt der externe Videoprozessor. Die Signalisierung, an der ein Format in der Kette scheitern kann, steht beim InfoFrame; Bittiefe und Farbraum klären die beiden Größen, mit denen Dolby Vision beworben wird.

      Quellen

      Das Schichtenmodell — Basisschicht, Erweiterungsschicht, Composer, Display-Management-Metadaten aus SMPTE ST 2086 und ST 2094-10 — ist an der öffentlichen Norm ETSI GS CCM 001 belegt, in die Dolby das Verfahren eingebracht hat; sie wurde im Volltext gelesen. Profile, Kompatibilitäts-IDs und der Zertifizierungssatz stammen aus Dolbys Profildefinition in der Fassung 1.2.92 von 2017, gelesen über eine Spiegelung, weil developer.dolby.com nicht mehr auflöst; die Tabelle der Profile gibt entsprechend diesen Stand wieder. Die Disc-Seite (Profil 7, MEL/FEL, Statusregister des Zuspielers) ist am UHD-Blu-ray-Leitfaden von Dolby belegt, die Produktionsseite am Farbkorrektur-Leitfaden. Für die Variante mit verringerter Verzögerung liegt keine zugängliche Dolby-Fundstelle vor; sie ist an einem benannten Fachbeitrag von 2020 belegt. Datenstand der Seite: 2026-08-23.

    • ARC
    • VRR
    • ALLM

      Glossar

      ALLM (Auto Low Latency Mode)

      ALLM ist eine Funktion der HDMI-Schnittstelle, mit der eine Quelle dem Bildgerät mitteilt, dass sie jetzt einen Modus mit möglichst geringer Verzögerung braucht. Der Fernseher oder Projektor schaltet daraufhin selbst um und kehrt zurück, sobald die Quelle das Signal zurücknimmt. Eingeführt wurde die Funktion mit HDMI 2.1.

      Wenn Du an einer Konsole spielst, soll das Bild so schnell wie möglich auf dem Schirm sein — jede Verzögerung zwischen Knopfdruck und Bild stört. Dafür haben Fernseher einen Spielmodus, den man sonst im Menü suchen und danach wieder ausschalten muss. Diese Funktion nimmt Dir das ab: Die Konsole sagt dem Fernseher Bescheid, der schaltet allein um, und wenn Du danach einen Film startest, geht er von selbst zurück. Du musst nichts einstellen — wenn beide Geräte mitspielen.

      Ausführliche Erklärung

      Die Richtung ist eindeutig: Die Quelle schaltet die Senke. Eine Konsole, ein Rechner oder ein anderes Zuspielgerät sendet das Signal an das Bildgerät, und dieses wechselt in seine Betriebsart mit niedriger Verzögerung. Braucht die Quelle den Modus nicht mehr — etwa beim Wechsel auf einen Film —, nimmt sie das Signal zurück, und das Bildgerät kehrt in seine vorherige Einstellung zurück. Umgekehrt fordert ein Fernseher nichts an; er meldet lediglich, dass er die Funktion beherrscht.

      Übertragen wird es als ein einzelnes Bit. Die Quelle setzt es in einem Zusatzdatenpaket, das die HDMI-Verbindung neben dem Bild überträgt; die Senke hinterlegt ihre Fähigkeit dazu in den Kenndaten, die sie beim Verbinden ausliest. Der Normtext dazu ist kostenpflichtig und nicht öffentlich — die Stelle im Datenpaket ist über zwei unabhängige Implementierungen aus dem Treiberumfeld belegt, nicht über die Spezifikation selbst.

      Was umgeschaltet wird, entscheidet das Bildgerät. Die öffentliche Merkmalsbeschreibung sagt nur, dass Verarbeitungsschritte entfallen können. Welche das sind, wie tief die Verzögerung dabei sinkt und ob der Modus als eigener Bildmodus oder als Zusatz zu jedem Bildmodus arbeitet, legt der Hersteller fest. Eine Zahl nennt die Spezifikation nicht.

      Ein einheitlicher Name fehlt. Es gibt kein Logo und keine vorgeschriebene Menübezeichnung; jedes Haus benennt die Funktion, wie es möchte. Wer sie im Menü sucht, findet sie unter wechselnden Namen.

      Häufiges Missverständnis

      „HDMI 2.1 heißt ALLM." Das ist der verbreitetste Kurzschluss zu diesem Begriff, und er stimmt nicht. Sämtliche mit HDMI 2.1 eingeführten Merkmale sind optional — die HDMI Licensing Administrator hat das ausdrücklich für ALLM bestätigt. Ein Gerät darf einen HDMI-2.1-Anschluss ausweisen, ohne ALLM zu beherrschen, und muss dann angeben, welche Merkmale es tatsächlich unterstützt. Auch der Kabelhersteller hilft hier nicht weiter: ALLM überträgt ein einzelnes Bit und braucht dafür keine zusätzliche Bandbreite.

      „ALLM macht das Bild schneller." Es erzeugt keine niedrige Verzögerung, es ruft die vorhandene Betriebsart des Bildgeräts auf. Wie schnell ein Gerät danach ist, hängt allein an diesem Gerät — ein träges Bildgerät bleibt auch mit ALLM träge.

      Nicht zu verwechseln mit

      • VRR (Variable Refresh Rate): lässt die Quelle Einzelbilder liefern, so schnell sie kann, statt in einem festen Takt. Betrifft die Bildwiederholrate, nicht die Bildverarbeitung.
      • QFT (Quick Frame Transport): überträgt ein Einzelbild schneller über das Kabel und verkürzt so die Zeit zwischen fertigem Bild in der Quelle und vollständiger Darstellung. Betrifft die Leitung, nicht das Gerät.
      • QMS (Quick Media Switching): lässt die schwarze Pause entfallen, wenn eine Quelle ihr Videoformat wechselt. Nutzt denselben Mechanismus wie VRR.
      • Spielmodus: die Betriebsart im Bildgerät selbst. ALLM ist der Fernbefehl dorthin, nicht die Betriebsart.
      • Eingangsverzögerung: die messbare Größe, die der aufgerufene Modus senken soll. ALLM ist der Schalter, nicht der Wert.

      Alle vier HDMI-Funktionen sind einzeln optional. Ein Gerät kann VRR beherrschen und ALLM nicht — oder umgekehrt.

      In der Planung

      Jedes Glied der Kette muss mitspielen. Quelle und Bildgerät müssen ALLM beherrschen; sitzt ein AV-Receiver oder eine Soundbar dazwischen, muss dieses Gerät das Signal durchreichen.

      Die Abschaltung ist nicht immer vollständig. Auf der PlayStation 5 wird eine abgeschaltete ALLM-Einstellung im VRR-Betrieb überstimmt; wer den Modus sicher vermeiden will, muss auch VRR abschalten. Ähnliche Kopplungen sind bei anderen Quellen möglich.

      Für Filmwiedergabe ist der Modus nicht gedacht. Der Spielmodus kostet Farbtreue und Verarbeitungsschritte. Genau deshalb ist die automatische Rücknahme der eigentliche Gewinn: Sie verhindert, dass ein einmal von Hand eingeschalteter Spielmodus dauerhaft im Betrieb bleibt.

      Verknüpfte Inhalte

      Die Schnittstelle selbst samt ihrer Versionsgeschichte erklärt HDMI. Die Größe, auf die der aufgerufene Modus wirkt, beschreibt die Eingangsverzögerung.

      Quellen

      Definition, Wirkbeschreibung, Signalrichtung und die Rücknahme durch die Quelle stammen von der öffentlichen Merkmalsseite der HDMI Licensing Administrator; die Einführung mit HDMI 2.1 aus der Pressemitteilung des HDMI Forum vom 2017-11-28; die Definitionen von VRR, QMS und QFT von den zugehörigen Merkmalsseiten. Der Übertragungsweg als Bit in einem Zusatzdatenpaket ist über zwei Implementierungsquellen aus dem Treiberumfeld belegt, weil der Normtext kostenpflichtig ist. Die Optionalität aller HDMI-2.1-Merkmale gibt eine Auskunft der HDMI Licensing Administrator wieder, die über einen Fachartikel vom 2021-12-13 zugänglich ist. Die Kopplung von ALLM an VRR stammt aus der PS5-Hilfe des Herstellers. Die Aussage zur Durchreichung durch Audiogeräte stammt aus einem Fachartikel vom 2024-08-08 und ist im Text als solche gekennzeichnet. Datenstand 2026-08-27.

    • HDCP 2.3

      Glossar

      HDCP

      HDCP verschlüsselt Bild und Ton auf der Leitung zwischen zwei Geräten und lässt die sendende Seite vorher prüfen, ob die empfangende dazu berechtigt ist. Entwickelt hat das Verfahren Intel; herausgegeben und lizenziert wird es von der Digital Content Protection LLC, deren Spezifikationen öffentlich abrufbar sind. Der entscheidende Punkt für die Planung steckt nicht in der Kryptografie, sondern in einer schlichten Folge: Jedes Glied der Kette muss mitspielen, und das schwächste entscheidet.

      Filme und Serien sind auf dem Weg vom Abspielgerät zum Bildschirm verschlüsselt, damit sie unterwegs niemand mitschneiden kann. Bevor etwas losgeschickt wird, fragt das eine Gerät beim anderen nach einem Ausweis. Steht in Deiner Anlage noch etwas dazwischen — ein Verstärker, ein Verteiler, ein Umsetzer —, muss jedes dieser Geräte den Ausweis vorzeigen können. Fehlt er an einer Stelle, bleibt der Bildschirm schwarz, und zwar ohne verwertbare Fehlermeldung. Am Gerät liegt es dann selten; an der Kette meistens.

      Ausführliche Erklärung

      Die Prüfung läuft in Stufen ab, und jede kann für sich scheitern. Die aktuelle Fassung für HDMI, Revision 2.3 vom 28. Februar 2018, beschreibt sie so: Zuerst prüft die Quelle das Zertifikat der Gegenstelle und tauscht einen Hauptschlüssel aus. Dann folgt der Locality Check — die Quelle verlangt, dass die Umlaufzeit zwischen zwei Nachrichten nicht mehr als 20 Millisekunden beträgt. Danach wird der Sitzungsschlüssel getauscht, und erst dann darf verschlüsselt gesendet werden. Hängt hinter der Senke noch etwas, meldet dieses Zwischengerät zusätzlich die gesamte nachgelagerte Topologie nach oben.

      Der Locality Check ist bemerkenswert, weil er eine Zeitgrenze in ein Verfahren einzieht, das sonst nur Schlüssel prüft. Er soll verhindern, dass ein geschützter Strom über eine lange Strecke oder ein Netzwerk umgeleitet wird. Für eine reale Anlage heißt das, dass Verzögerung in der Kette kein bloßer Komfortnachteil ist, sondern ein Abbruchkriterium werden kann.

      Die Zahlen, an denen Verteilanlagen scheitern

      Beide Generationen begrenzen, wie tief und wie breit eine Kette werden darf — und die neuere ist die strengere:

      HDCP 1.xHDCP 2.x
      Repeater-Ebenenbis zu siebenbis zu vier
      Geräte insgesamt12832
      Statusmeldung bei ÜberschreitungMAX_CASCADE_EXCEEDED, MAX_DEVS_EXCEEDEDentsprechende Meldung nach oben

      Die Formulierung der 1.4-Spezifikation lässt an der Folge keinen Zweifel: Die Authentifizierung scheitert, wenn die Topologiemaxima überschritten werden. Es fällt also nicht der überzählige Zweig aus, sondern die Verbindung. Wer in einem größeren Haus Quellen über eine Matrix auf mehrere Räume verteilt, dazu Extender einsetzt und im Kinoraum noch einen Videoprozessor dazwischenhängt, sammelt Ebenen schneller ein als gedacht — und der Grund für das schwarze Bild ist dann weder Bandbreite noch Kabel.

      Warum „HDCP 2.2 erforderlich" nicht heißt, was alle denken

      Die verbreitete Erzählung lautet, HDCP 2.2 sei nicht abwärtskompatibel. Das trifft den Mechanismus nicht. Tatsächlich vergibt die oberste Quelle jedem Inhaltsstrom einen Type-Wert, und dieser Wert steuert die Weitergabe. Die Spezifikation ist an dieser Stelle unmissverständlich: Ein Strom vom Typ 0 darf ein Zwischengerät an alle HDCP-Geräte weiterreichen. Ein Strom vom Typ 1 darf ausdrücklich nicht an Geräte weitergegeben werden, die nach HDCP 1.x, 2.0 oder 2.1 arbeiten.

      Damit ist die Versionsabhängigkeit keine technische Unverträglichkeit, sondern eine Regel, die der Rechteinhaber je Inhalt anwendet. Dieselbe Kette kann eine Streaming-Serie problemlos wiedergeben und beim nächsten Titel schwarz bleiben — nicht weil sich etwas geändert hat, sondern weil der zweite Titel als Typ 1 gekennzeichnet ist. Für die Beratung ist das der wichtigere Satz als jede Versionsnummer: Was durchläuft, entscheidet nicht die Anlage allein, sondern die Kennzeichnung des Inhalts an ihr.

      Typische Fehlerbilder

      • Schwarzes Bild, Ton läuft weiter. Klassisch für eine gescheiterte Authentifizierung auf dem Bildweg, während der Ton über einen anderen Pfad geht.
      • Bild kommt, bricht nach Sekunden weg, kommt wieder. Die Prüfung wird zyklisch wiederholt; ein grenzwertiges Glied besteht sie mal und mal nicht.
      • Ein Ausgang einer Matrix bleibt schwarz, die anderen laufen. Ein Gerät an diesem Ausgang meldet einen Stand, der für den gerade laufenden Inhalt nicht genügt.
      • Bild erscheint nur in geringerer Auflösung. Die Quelle weicht auf ein Format aus, für das die Einschränkung nicht gilt.

      Ergänzend kennt HDCP eine Sperrfunktion: Über die System Renewability Message werden Kennungen kompromittierter Geräte verteilt; steht eine Gerätekennung auf dieser Liste, scheitert die Prüfung dauerhaft. In Wohnanlagen ist der Fall selten, aber er erklärt Geräte, die ohne erkennbaren Anlass aufhören zu funktionieren.

      Häufiges Missverständnis

      „HDCP kostet Bildqualität." Die Verschlüsselung selbst greift in das Bild nicht ein — sie überträgt dieselben Daten in verschlüsselter Form. Sichtbar wird HDCP erst über das Ausweichverhalten der Quelle: Wenn die Prüfung für das volle Format scheitert, gibt sie ein kleineres aus, und genau das nimmt man als Qualitätsverlust wahr. Die Ursache liegt eine Ebene tiefer als der Eindruck.

      „HDCP-Fehler heißt defektes Kabel." Ein Kabel kann tatsächlich schuld sein, weil die Prüfung über dieselben schmalen Datenadern läuft wie der Fähigkeitsabgleich. Wahrscheinlicher ist aber, dass ein Glied den geforderten Stand nicht hat oder die Kette zu tief geworden ist. Der verbreitete Reflex, einen weiteren Repeater oder Umsetzer dazwischenzuhängen, verschärft beides — jedes zusätzliche Gerät ist eine weitere Ebene und weitere Verzögerung im Locality Check.

      Nicht zu verwechseln mit

      • EDID: klärt, was gesendet wird. HDCP klärt, ob gesendet werden darf. Beides zeigt sich als schwarzes Bild, verlangt aber gegensätzliche Gegenmaßnahmen.
      • CEC: Steuerbefehle über dieselbe Buchse, ohne jeden Bezug zum Kopierschutz.
      • DRM des Dienstes: Widevine, PlayReady und ähnliche Systeme schützen den Inhalt auf dem Weg ins Gerät. HDCP schützt ihn erst danach, auf der Leitung zum nächsten Gerät. Ein Dienst kann die Auflösung schon vor HDCP begrenzen.
      • Regionalcode: eine Beschränkung der Disc, keine Eigenschaft der Übertragung.

      Typischer Fehler

      Ein Haus soll drei Räume aus einem zentralen Rack versorgen — Kino, Wohnzimmer, Küche. Vorhanden sind ein 4K-Zuspieler, eine Matrix, drei Extender-Strecken und im Kino ein Videoprozessor vor dem Projektor. Die Anlage läuft, bis die erste Ultra-HD-Blu-ray eingelegt wird.

      Vor der Matrixfrage liegt eine andere: Welche Inhalte sollen wo laufen — und welche davon sind geschützt? Wenn nur das Kino geschützte 4K-Inhalte bekommt, ist die Aufgabe eine andere, als wenn dieselbe Quelle in allen drei Räumen anliegen soll.

      Die Antwort führt auf zwei Teilfragen. Erstens der Stand: Führt jedes Glied auf dem Weg zum Kino HDCP 2.2 oder 2.3? Ein einziger älterer Extender im Weg reicht, damit ein Typ-1-Inhalt dort nicht ankommt. Zweitens die Tiefe: Matrix, Extender-Empfänger und Videoprozessor sind drei Ebenen — mit einer weiteren Verteilung im Wohnzimmer wird die Grenze von vier schnell erreicht, und dann scheitert nicht der Nebenraum, sondern die Authentifizierung.

      Am Schluss die Gerätewahl, und sie fällt anders aus, als der Reflex nahelegt: Nicht ein zusätzlicher Repeater löst das Problem, sondern eine flachere Kette — der Videoprozessor entfällt oder wandert hinter die Matrix, statt zusätzlich davor.

      Verknüpfte Inhalte

      Warum eine Kette auch ohne Kopierschutzproblem schwarz bleiben kann und wie man beide Ursachen auseinanderhält, steht bei EDID. Dass eine HDBaseT-Strecke die Authentifizierung mitführen und dabei eine Ebene kosten kann, gehört zur Extender-Planung; für sehr lange Strecken sind Aktivkabel und Lichtwellenleiter die Alternativen, die die Kette nicht zusätzlich vertiefen.

      Quellen

      Ablauf der Authentifizierung, die Umlaufzeit von höchstens 20 Millisekunden im Locality Check, die Topologiegrenze von vier Ebenen und 32 Geräten sowie die Type-0- und Type-1-Regel stehen in der HDCP-Spezifikation für HDMI, Revision 2.3 vom 28. Februar 2018. Die Grenzen von sieben Ebenen und 128 Geräten, die Statusbits bei Überschreitung und der Satz, dass die Authentifizierung bei Überschreiten der Topologiemaxima scheitert, stammen aus Revision 1.4 vom 8. Juli 2009. Beide Dokumente wurden für diese Seite im Volltext eingesehen und werden von der Digital Content Protection LLC herausgegeben.

    ARC/eARC

    Glossar

    eARC und ARC

    ARC und eARC sind zwei Ausbaustufen desselben Gedankens: Ton, der über das HDMI-Kabel rückwärts läuft — vom Fernseher zurück zum Verstärker, statt wie sonst vom Zuspieler zum Fernseher. Welche der beiden Stufen eine Verbindung beherrscht, ist keine Feinheit für Datenblätter, sondern entscheidet darüber, welches Tonformat am Ende überhaupt ankommt.

    Dein Fernseher ist heute selbst ein Zuspieler — die Apps stecken darin, der Empfänger fürs Fernsehprogramm auch. Der Ton soll trotzdem aus Deiner Anlage kommen. Damit dafür kein zweites Kabel nötig ist, darf Ton über dieselbe Leitung auch in die Gegenrichtung laufen. Von dieser Rückleitung gibt es eine ältere und eine neuere Fassung, und die ältere ist eng: Guter Mehrkanalton passt hindurch, der beste nicht. Ob Deine Geräte die neuere beherrschen, steht meist klein an der Buchse.

    Ausführliche Erklärung

    Der Rückkanal ist eine Antwort auf eine Verschiebung, die niemand geplant hat. HDMI war als Einbahnstraße gedacht — Zuspieler links, Bildschirm rechts. Dann bekamen Fernseher Empfangsteile und Apps und wurden selbst zur Quelle, und der Ton musste plötzlich zurück. Mit HDMI 1.4 kam 2009 der Audio Return Channel. Die Funktionsbeschreibung des Lizenzgebers nennt den Zweck damals unverblümt: den Ton aufwärts schicken und die separate S/PDIF-Verbindung überflüssig machen.

    In diesem Satz steckt bereits die Fähigkeitsgrenze. ARC wurde als Ersatz für eine S/PDIF-Strippe entworfen und kann deshalb auch nur, was eine solche kann: zwei Kanäle unkomprimiert oder einen komprimierten Mehrkanal-Bitstrom, also Dolby Digital und DTS. Die verlustfreien Container von der Blu-ray — Dolby TrueHD und DTS-HD Master Audio — passen dort nicht hindurch, und zwar nicht wegen einer Geräteschwäche, sondern weil der Kanal für diese Datenmenge nie ausgelegt war.

    eARC kam mit HDMI 2.1, das das HDMI Forum am 28. November 2017 veröffentlicht hat. Es benutzt dieselben beiden Adern im Stecker, die schon ARC belegt (Utility und Hot Plug Detect), darauf aber ein anderes Verfahren: eine differenzielle Übertragung für den Ton und ein Gleichtaktsignal für die Steuerung — ohne den Umweg über CEC, auf den ARC angewiesen ist. Der Lizenzgeber gibt als Grenzen 192 kHz Abtastrate, 24 Bit, bis zu 32 unkomprimierte Kanäle und eine maximale Audiobandbreite von 37 Mbit/s an. Damit passen DTS-HD Master Audio, DTS:X, Dolby TrueHD und Dolby Atmos hindurch.

    ARCeARC
    eingeführt mitHDMI 1.4 (2009)HDMI 2.1 (2017)
    Steuerung überCECeigener Gleichtaktkanal
    unkomprimiertzwei Kanälebis 32 Kanäle, 192 kHz / 24 Bit
    komprimiert mehrkanaligDolby Digital, DTS; Dolby Digital Plus je nach Fernseherdieselben, Dolby Digital Plus durchgehend
    verlustfrei—Dolby TrueHD, DTS-HD Master Audio
    objektbasiertAtmos nur im Dolby-Digital-Plus-TrägerAtmos und DTS:X in voller Form

    Der Atmos-Fall, an dem sich alles entscheidet

    Dolby Atmos ist kein eigener Datenstrom, sondern eine Zusatzinformation, die in zwei verschiedenen Trägern reisen kann: in Dolby Digital Plus, verlustbehaftet und typisch für Streaming, und in Dolby TrueHD, verlustfrei und typisch für die Blu-ray. Genau hier trennen sich die beiden Rückkanäle.

    Dolby beschreibt die Lage ohne Umschweife: ARC hat nicht genug Datenkapazität für Atmos im TrueHD-Träger. Damit Atmos von einer Blu-ray über ARC beim Verstärker ankommt, muss der Fernseher TrueHD selbst dekodieren und vor der Ausgabe nach Dolby Digital Plus umkodieren — und das macht aus einer verlustfreien Tonspur eine verlustbehaftete. Über eARC entfällt der Umweg, weil TrueHD unverändert durchläuft.

    Wie viele Fernseher diesen Umweg überhaupt gehen, ist eine Frage des Gerätestands und keine der Schnittstelle. Dolby hielt im April 2018 fest, dass nur Fernseher mit eigener Atmos-Dekodierung umkodieren, und schilderte für Dolby Digital Plus über ARC eine Entwicklung: Vor 2016 gaben Fernseher über den Rückkanal nur Dolby Digital weiter, die meisten jüngeren Geräte reichen auch Dolby Digital Plus durch. Wo der Gerätemarkt heute steht, sagt der Beitrag nicht. Beantworten lässt sich das nur am Datenblatt des konkreten Fernsehers.

    Praktisch heißt das für die Beratung: „Der Fernseher gibt Atmos aus" ist keine Antwort. Die Frage lautet, in welchem Träger — und die Antwort hängt an der Rückkanalstufe, nicht am Preis des Fernsehers.

    Für DTS:X gilt dieselbe Mechanik, die Beleglage ist allerdings dünner. Die Formatliste des Lizenzgebers führt DTS:X ausdrücklich bei eARC auf; bei ARC fehlt es dort. Wie ein Rückfall aussieht, hat DTS für den Digitalausgang selbst beschrieben: Über S/PDIF läuft DTS Digital Surround mit vollen 1,509 Mbit/s bis 5.1 Kanäle, und im Schaubild dazu sitzt im Zuspieler ein Trans-Coder, der den DTS-HD-Datenstrom auf genau diesen Kern zurückführt (DTS-HD-Whitepaper, November 2006, Abschnitt 5.5.5). Weil ARC formatseitig auf dem Niveau von S/PDIF liegt, endet der ältere Rückkanal bei demselben Kern: 5.1 statt Objektmaterial, ohne Fehlermeldung am Gerät. Eine Aussage von DTS zum Tonrückkanal selbst gibt es dazu nicht — der Schluss stammt von AVITECT und stützt sich auf die beiden genannten Fundstellen.

    Was das Kabel beisteuert

    eARC belegt Adern, die nicht jedes Kabel als geführtes Paar ausführt. Der Lizenzgeber verweist deshalb auf Kabel mit Ethernet-Kanal — praktisch ein Premium High Speed HDMI Cable with Ethernet für Anlagen bis 18 Gbit/s Videodatenrate oder ein Ultra High Speed HDMI Cable darüber. Ein altes Kabel, das ein sauberes Bild liefert, kann eARC trotzdem verweigern; die Bildübertragung sagt über diese beiden Adern nichts aus.

    Häufiges Missverständnis

    „Auf beiden Geräten steht HDMI 2.1, also haben wir eARC." HDMI 2.1 ist ein Katalog von Funktionen, aus dem Hersteller einzeln auswählen — höhere Auflösungen, variable Bildwiederholrate, eARC und weitere. Ein Gerät darf die Versionsnummer führen und eARC weglassen, und umgekehrt gibt es eARC an Geräten, die von den Videofunktionen der 2.1-Generation nichts umsetzen. Verlässlich ist allein die Beschriftung der konkreten Buchse und die Angabe im Datenblatt, nie die Versionsnummer auf dem Karton.

    „Der Fernseher kann Atmos, also kommt Atmos an." Zwischen der Quelle und dem Rückkanal sitzt der Fernseher als Verarbeiter, und er gibt nur weiter, was seine eigene App oder sein eigener Dekoder liefert. Streaming-Apps im Fernseher liefern Atmos üblicherweise in Dolby Digital Plus; die verlustfreie Fassung entsteht dort gar nicht erst. Der Weg über eARC lohnt sich deshalb vor allem für Zuspieler, die am Fernseher hängen und deren Ton über den Rückkanal zurückmuss — für die Blu-ray gilt weiterhin, dass der direkte Weg in den Prozessor der bessere ist.

    Nicht zu verwechseln mit

    • Die normale HDMI-Verbindung: Sie überträgt Bild und Ton in Hinrichtung und kennt die Formatgrenzen des Rückkanals nicht. Ein Zuspieler direkt am AV-Prozessor ist von ARC und eARC unberührt.
    • CEC: Steuerbefehle über dieselbe Leitung — Einschalten, Lautstärke, Quellenwahl. ARC hängt daran, eARC nicht mehr; verwechselt wird beides trotzdem regelmäßig, weil beide über dieselbe Buchse laufen.
    • HDMI Ethernet Channel: ein Datenkanal zwischen Geräten. eARC benutzt Kabel, die für diesen Kanal gebaut sind, überträgt darüber aber kein Netzwerk.
    • Optischer Ausgang: die separate S/PDIF-Verbindung, die ARC ersetzen sollte. Sie liegt formatseitig auf demselben Niveau wie ARC und ist bis heute der Rückfallweg, wenn ARC an CEC scheitert.

    In der Planung

    Ein Wohnzimmer, Fernseher an der Wand, AV-Receiver im Sideboard, dazu eine Blu-ray-Maschine und zwei Streaming-Zuspieler. Die Konzeptfrage kommt vor jeder Buchse: Wo wird umgeschaltet? Zwei Antworten sind möglich, und sie führen zu völlig verschiedenen Anforderungen.

    Läuft alles zuerst in den AV-Receiver und von dort ein Kabel zum Fernseher, überträgt der Rückkanal nur noch den Ton der Fernseher-Apps und des Empfangsteils. Diese Apps liefern ohnehin verlustbehaftet — ARC genügt, und die Entscheidung fällt an anderer Stelle. Ist dagegen der Fernseher die Drehscheibe, weil alle Zuspieler dort stecken und nur ein Kabel nach unten geht, muss jeder Ton den Rückweg nehmen. Dann ist eARC keine Ausstattungsfrage mehr, sondern Voraussetzung — auf beiden Seiten und im Kabel.

    Die Wahl des Geräts fällt in dieser Reihenfolge anders aus: Im zweiten Fall scheidet ein günstiger Receiver ohne eARC aus, obwohl er klanglich genügen würde. Im ersten Fall ist derselbe Receiver eine saubere Lösung.

    Ein zweites Argument spricht für dieselbe Weiche, und es hat mit dem Format nichts zu tun: die Lippensynchronität. Läuft das Bild aus dem Fernseher und der Ton über den Rückkanal aus einem anderen Gerät, muss die Kette die Laufzeiten beider Wege gegeneinander ausgleichen. Die HDMI-Spezifikation sieht dafür einen Parameter vor, über den jedes Gerät seine Verzögerung meldet und das erste Gerät der Kette alle gemeldeten Werte ausgleicht. Dolby beschreibt jedoch, dass die empfangenden Geräte diesen Parameter meist gar nicht führen und die Quellgeräte ihn auch dann nicht auswerten, wenn er vorliegt; die Empfehlung des Herstellers ist deshalb, das Heimkino zwischen Quelle und Fernseher zu setzen. Das ist derselbe Aufbau, zu dem schon die Trägerfrage rät — hier aus einem zweiten Grund. Der Befund stammt vom April 2018, und ob er heute noch so gilt, ist an keiner neueren Fundstelle geprüft.

    Verknüpfte Inhalte

    Warum ARC formatseitig auf dem Niveau einer S/PDIF-Verbindung liegt, steht bei S/PDIF und TOSLINK — und woran die Formatgrenze dieser Schnittstelle rechnerisch hängt, auf der Seite zu Was über S/PDIF und TOSLINK passt. Welcher Träger Dolby Atmos über welchen Weg bringt und was das für die Gerätekette bedeutet, führt Dolby Atmos übertragen aus. Das Gegenstück für DTS:X — welcher Träger die Objektinformation mitbringt und wo sie unterwegs liegen bleibt — steht bei DTS:X übertragen. Welche Kanäle die Zahlen einer Formatangabe abzählen, klärt die Kanal-Notation. Dass eine HDMI-Verbindung neben Ton auch Fähigkeitsdaten und einen Kopierschutz aushandelt — und dass „kein Ton" häufig dort seine Ursache hat — behandeln EDID und HDCP.

    Quellen

    Die Formatgrenzen von eARC (192 kHz, 24 Bit, bis 32 unkomprimierte Kanäle, DTS-HD Master Audio, DTS:X, Dolby TrueHD, Dolby Atmos) und die maximale Audiobandbreite von 37 Mbit/s stammen vom HDMI Licensing Administrator; das Veröffentlichungsdatum von HDMI 2.1 und die Zuordnung von eARC zu diesem Katalog aus der Pressemitteilung des HDMI Forum vom 28. November 2017. Dass ARC ausdrücklich als Ersatz für die separate S/PDIF-Verbindung entworfen wurde, steht in den HDMI-1.4-Funktionsbeschreibungen. Die Aussage zum Atmos-Träger, zur Umkodierung im Fernseher und zur Lippensynchronität stammt aus dem Dolby-Blogbeitrag „Dolby Audio over HDMI Part 3: Reality" vom 10. April 2018, der als Archivfassung vom 16. Januar 2021 im Volltext gelesen wurde; sein Datenstand begrenzt alles, was er über den Gerätemarkt sagt. Der Rückfall auf den 5.1-Kern mit 1,509 Mbit/s und der Trans-Coder im Zuspieler stehen im DTS-HD-Whitepaper von November 2006, das diesen Weg für den S/PDIF-Ausgang beschreibt.

    ARC
    HDMI-CEC

    Glossar

    HDMI CEC

    CEC ist der Steuerkanal im HDMI-Kabel. Auf einer eigenen Ader — Pin 13 — schicken die angeschlossenen Geräte einander kurze Befehle: einschalten, auf diesen Eingang umschalten, alle in Bereitschaft. Es ist ein Bussystem, an dem bis zu fünfzehn Geräte gleichzeitig hängen können, und es arbeitet unabhängig vom Bild.

    Wenn Du den Player einschaltest und der Fernseher springt von selbst an und auf den richtigen Eingang — dann steckt genau diese Funktion dahinter. Die Geräte reden über eine dünne Extraleitung im Kabel miteinander. Der Haken: Jeder Hersteller hat dafür einen eigenen Werbenamen erfunden, und keiner muss die Funktion überhaupt einbauen. Deshalb klappt es bei manchen Geräten sofort, bei anderen halb und bei manchen gar nicht. Das liegt nicht an Deiner Verkabelung.

    Warum die Leitung Pflicht ist und die Funktion nicht

    Der wichtigste Satz zu CEC steht in der HDMI-Spezifikation, und er wird selten zitiert: Die Anforderungen an die Leitung gelten für alle Produkte, auch für solche, die das Protokoll gar nicht umsetzen — das Protokoll dagegen ist optional. Damit ist in einem Satz erklärt, warum die Sache sich in der Praxis so sperrig anfühlt.

    Was Pflicht ist, betrifft nur die Physik. Ein Gerät muss die CEC-Adern all seiner HDMI-Buchsen miteinander verbinden, damit ein Befehl von einem Ende der Kette zum anderen kommt; zwischen zwei Buchsen dürfen höchstens 5 Ω liegen. Und ein ausgeschaltetes Gerät darf die Verständigung der übrigen nicht stören — der zulässige Leckstrom im stromlosen Zustand liegt bei 1,8 µA. Diese zweite Forderung ist der Grund, warum ein einziger schlechter Verteiler oder Adapter einen ganzen Bus lahmlegen kann, ohne dass am Bild irgendetwas auffällt.

    Was optional ist, betrifft alles Weitere. Die Spezifikation stellt den Konformitätsstufen ihres CEC-Teils ausdrücklich voran, dass die dortigen Muss-Regeln erst greifen, wenn ein Gerät CEC überhaupt unterstützt — und innerhalb des Funktionskapitels sogar erst dann, wenn es die jeweilige Einzelfunktion umgesetzt hat. Es gibt also drei Ebenen von „optional" übereinander: das Protokoll, die Funktion, die Auslegung im Einzelfall.

    Wie ein Gerät seinen Platz in der Kette findet

    CEC arbeitet mit zwei Adressen nebeneinander, und die Trennung erklärt einige Fehlerbilder.

    Die physische Adresse beschreibt, wo ein Gerät in der Kette hängt — vier Ziffern, die den Weg von der Wurzel aus abbilden. Wurzel ist die Senke, in der Regel der Fernseher, mit 0.0.0.0. Was an dessen erstem Eingang hängt, ist 1.0.0.0, was wiederum an dessen erstem Eingang hängt, 1.1.0.0. Vergeben wird diese Adresse nicht über CEC selbst, sondern über den Datenkanal, über den auch das EDID gelesen wird — die Quelle entnimmt ihre eigene physische Adresse den Daten, die die Senke bereitstellt. Deshalb hat auch ein Gerät ohne CEC eine physische Adresse, und deshalb wirft ein kaputter EDID-Pfad die Gerätesteuerung mit um.

    Die logische Adresse ist eher eine Rolle als eine Adresse: 0 ist der Fernseher, 5 die Audioanlage, dazwischen liegen Aufnahmegeräte, Empfänger und Abspielgeräte, 15 steht für „unregistriert" und dient zugleich als Rundruf. Ein Gerät sucht sich beim Start die Rolle, die zu seiner Gattung passt und noch frei ist. Bringt ein Gerät mehrere Funktionen mit, darf es mehrere Rollen belegen.

    Daraus folgt eine unangenehme Eigenschaft: Rolle und Ort sind zwei verschiedene Angaben, und beide müssen stimmen. Ein Umbau in der Kette ändert die physischen Adressen aller nachgelagerten Geräte. Melden sich die Geräte danach nicht neu, zeigt die Steuerung auf einen Platz, an dem nichts mehr steht.

    Warum es langsam ist

    CEC ist nach heutigen Maßstäben extrem langsam, und das ist kein Mangel der Umsetzung, sondern gewollt. Die nominale Dauer eines Datenbits liegt bei 2,4 ms — das ergibt gut 400 Bit pro Sekunde. Eine Nachricht besteht aus einem Kopfbyte und höchstens fünfzehn Datenbytes. Die Spezifikation nennt als wünschenswerte Antwortzeit 200 ms und als gefordertes Maximum eine ganze Sekunde.

    Für den Zweck reicht das: Ein Einschaltbefehl braucht keine Bandbreite. Spürbar wird es trotzdem, denn beim Einschalten einer Kette laufen viele dieser Nachrichten nacheinander über dieselbe Ader. Die zwei bis drei Sekunden, die zwischen dem Druck auf die Fernbedienung und dem Bild liegen, sind zum Teil genau das — und zum Teil die Aushandlung von HDCP, die parallel läuft.

    Was CEC kann

    Die Spezifikation trennt Funktionen für den Anwender von unterstützenden Funktionen. Zu den ersten gehören One Touch Play (ein Gerät startet die Wiedergabe und macht sich zur aktiven Quelle), System Standby (alle Geräte gehen mit einem Druck in Bereitschaft), die Steuerung eines Abspielgeräts, die Steuerung eines fremden Tuners, die Bedienung eines fremden Menüs und das Durchreichen von Fernbedienungsbefehlen. Zu den unterstützenden Funktionen zählen die Übermittlung des Gerätenamens für die Eingangsliste des Fernsehers, die Abfrage des Betriebszustands, die Steuerung von Umschaltern und die herstellereigenen Sonderbefehle.

    Die Lautstärkeregelung über den Verstärker ist der interessanteste Fall, weil sie den Wildwuchs zeigt. In der Fassung 1.3 gibt es dafür kein eigenes Merkmal — es gibt die logische Rolle „Audiosystem" und es gibt Fernbedienungscodes für lauter und leiser, die durchgereicht werden können. Als benannte Funktion System Audio Control führen erst spätere Fassungen sie. Wer sich fragt, warum die Lautstärkeregelung über CEC bei alten und neuen Geräten so unterschiedlich sicher läuft: Das ist der Grund.

    Häufiges Missverständnis

    „Mein Fernseher hat kein CEC, er hat Anynet+." Das ist derselbe Standard unter anderem Namen. Samsung nennt es Anynet+, Sony BRAVIA Link, LG SimpLink, Panasonic VIERA Link, Philips EasyLink, Pioneer nannte es Kuro Link — und diese Liste ist nicht vollständig. Die Namen suggerieren ein Merkmal der Marke, das nur innerhalb der Marke funktioniert. Technisch ist es ein gemeinsames Protokoll, und Geräte verschiedener Hersteller reden durchaus miteinander.

    Der Marketingname hat aber einen wahren Kern: Die Spezifikation erlaubt herstellereigene Befehle auf demselben Bus. Was ein Hersteller über den genormten Umfang hinaus anbietet, funktioniert tatsächlich nur zwischen seinen eigenen Geräten. Der Name steht also für eine Mischung aus Standard und Zutat, und niemand schreibt dazu, wo die Grenze verläuft.

    „Wenn alle Geräte CEC können, steuert das dann alles." Diese Erwartung hält der Praxis selten stand, und die Gründe sind der Reihe nach abzuarbeiten. Erstens ist jede Einzelfunktion für sich optional — ein Gerät kann One Touch Play beherrschen und System Standby nicht. Zweitens ließ die lange verbreitete Fassung 1.4 dem Umsetzenden nach Einschätzung von Hans Verkuil, der das CEC-Rahmenwerk im Linux-Kernel gebaut hat, zu viel Spielraum; erst Fassung 2.0 ist strenger. Drittens sitzt in einer Kinokette zwischen den Geräten oft Technik, die den Bus nicht sauber weiterreicht — Verteiler, Extender, Umschalter.

    Das Ergebnis ist ein Verhalten, das der Anwender als Zufall erlebt: Manchmal schaltet alles mit, manchmal bleibt ein Gerät an, manchmal schaltet sich der Fernseher ungefragt selbst ein, weil ein Zuspieler beim Aufwachen einen Rundruf abgesetzt hat. Klar, mit passendem Gerätesatz läuft CEC über Jahre unauffällig — verlassen kann man sich darauf bei der Planung trotzdem nicht.

    „CEC ist eine Steuerung." Es ist ein Steuerkanal, aber kein Steuerungssystem. Es kennt keine Szenen, keine Rückmeldung über den tatsächlichen Zustand jenseits einiger weniger Abfragen, keine Zeitsteuerung und keine Bedienoberfläche. Wo eine Anlage verlässlich auf Knopfdruck in einen definierten Zustand fahren soll, ist das die Aufgabe einer echten Steuerung über IP oder RS-232; der 12-Volt-Trigger macht dasselbe für einen einzelnen Schaltvorgang, dafür aber zuverlässig.

    Woher es kommt

    CEC ist älter als HDMI. Das Protokoll geht auf AV.link zurück, den Steuerkanal der SCART-Verbindung, festgeschrieben in der CENELEC-Normenreihe EN 50157. Als HDMI entstand, wurde die Idee samt eigener Ader übernommen. Das erklärt einiges am Zuschnitt — die Sprache der Funktionen stammt aus einer Zeit, in der ein Videorekorder das zweitwichtigste Gerät im Wohnzimmer war, und der Bus wurde für eine Handvoll Geräte entworfen, nicht für eine Kinokette mit Verteiler, Videoprozessor und Nebenraum.

    Nicht zu verwechseln mit

    • EDID: Der Fähigkeitsabgleich vor dem Bild. Er läuft von der Senke zur Quelle und sagt, was gesendet werden kann. CEC steuert Geräte und sagt nichts über Formate — beide teilen sich allerdings die Adressvergabe, siehe EDID.
    • HDCP: Die Berechtigungsprüfung. Sie entscheidet, ob gesendet werden darf, und erzeugt eigene Verzögerungen beim Einschalten, siehe HDCP.
    • InfoFrame: Begleitdaten, die die Quelle mit jedem Bild mitschickt. Sie beschreiben das laufende Signal, nicht die Geräte, siehe InfoFrame.
    • ARC und eARC: Der Tonrückkanal vom Fernseher zum Verstärker. ARC wird über CEC gesteuert und erbt damit dessen Unwägbarkeiten; eARC hat einen eigenen Steuerweg und ist genau deshalb robuster, siehe eARC und ARC.
    • Steuerungssystem: IP- oder RS-232-Steuerung mit eigener Logik, Szenen und Rückmeldung. Eine andere Klasse von Werkzeug, kein besseres CEC.

    In der Planung

    Ein Wohnzimmer mit Fernseher, AV-Receiver im Sideboard, einem Streaming-Zuspieler und einer Spielkonsole. Der Kunde wünscht sich, dass eine Taste reicht.

    Bevor Geräte ausgewählt werden: Wie viel Verlass muss auf dem Einschalten liegen? Für eine Anlage, die im Alltag von mehreren Personen bedient wird und bei der ein halb hochgefahrener Zustand nur ärgerlich ist, darf CEC die Antwort sein. Für ein dediziertes Kino, in dem eine Bedienung vor Gästen funktionieren muss, ist eine Funktion, die laut Spezifikation optional ist und deren Umsetzung kein Hersteller zusagt, keine Grundlage.

    Das Vorgehen fällt in beiden Fällen anders aus. Soll CEC die Arbeit machen, gehört die Kette kurz gehalten: so wenige Zwischengeräte wie möglich, und jedes davon vorher darauf angesehen, ob es den Bus durchreicht. Soll eine echte Steuerung die Arbeit machen, wird CEC an den Geräten besser abgeschaltet — sonst arbeiten zwei Instanzen gegeneinander, und das Bild davon kennt jeder, der schon einmal einen Fernseher beobachtet hat, der sich nach dem Ausschalten von selbst wieder einschaltet.

    Erst danach steht die Gerätefrage: Der Verteiler oder Extender in der Mitte entscheidet über den CEC-Erfolg mehr als Fernseher und Receiver an den Enden.

    Verknüpfte Inhalte

    Warum ein Gerät seine Adresse aus einem Datenblatt der Gegenstelle bekommt und was passiert, wenn dieser Pfad gestört ist, steht bei EDID. Warum das Einschalten einer Kette auch ohne CEC Zeit braucht, klärt HDCP. Dass der Tonrückkanal in seiner älteren Form auf CEC aufsetzt und in der neueren nicht mehr, behandeln eARC und ARC. Die verlässlichen Alternativen für das Schalten einer Anlage sind RS-232 und der 12-Volt-Trigger.

    Quellen

    Die Trennung zwischen verpflichtender Leitung und optionalem Protokoll, die elektrischen Anforderungen, die Adressvergabe, die Bit- und Antwortzeiten sowie der Funktionsumfang stammen aus der HDMI-Spezifikation in der Fassung 1.3, die für diese Seite im Volltext eingesehen wurde. Pin-Zuordnung, Datenrate, Paketaufbau und die Liste der Handelsnamen sind zusätzlich an einem Foliensatz von Hans Verkuil belegt.

    Nein

    Bild

    Maximale Auflösung
    8K/60 Hz
    HDR-Formate
    • HDR10

      Glossar

      HDR10 und HDR10+

      HDR10 ist das HDR-Format, das jedes Gerät beherrscht: eine feste Kombination aus der PQ-Kurve, zehn Bit Farbtiefe, dem Farbraum-Container BT.2020 und einem Satz Metadaten, der für den ganzen Film gilt. HDR10+ benutzt dieselbe Kombination und legt Angaben je Szene daneben, mit denen ein Wiedergabegerät seine Umrechnung feiner steuern kann.

      Filme mit hohem Helligkeitsumfang bringen eine Notiz mit, wie hell das Bild gemeint ist. Bei HDR10 gibt es genau eine solche Notiz für den ganzen Film — sie gilt für die Kellerszene genauso wie für die Wüstenszene, und Dein Fernseher oder Beamer muss selbst entscheiden, was er daraus macht. HDR10+ schreibt zusätzlich für jede Szene auf, wie hell sie tatsächlich ist. Das Gerät weiß dadurch mehr, muss die Angaben aber nicht benutzen. Und heller wird das Bild dadurch nirgends: Es geht nur darum, das vorhandene Licht besser zu verteilen.

      Ausführliche Erklärung

      HDR10: fünf Angaben, kein Verfahren

      Der Name klingt nach einer Norm, gemeint ist ein Medienprofil. Die Consumer Technology Association — der US-Branchenverband der Unterhaltungselektronik, dessen Spezifikation CTA-861 festlegt, wie Bildsignale über schnelle digitale Schnittstellen wie HDMI angekündigt werden — beschreibt das HDR10 Media Profile in ihren Gerätedefinitionen über genau fünf Angaben:

      AngabeWert
      ÜbertragungsfunktionSMPTE ST 2084 (PQ)
      Farbunterabtastung4:2:0 bei komprimierten Quellen
      Bittiefe10 Bit
      PrimärvalenzenITU-R BT.2020
      MetadatenSMPTE ST 2086 sowie MaxFALL und MaxCLL

      Mehr steht dort nicht. Kein Abbildungsverfahren, keine Prüfstelle, keine Mindesthelligkeit — HDR10 sagt, wie das Signal aussieht, und schweigt darüber, was das Gerät damit anstellt. Genau daraus folgt seine Verbreitung: Wer die fünf Angaben erfüllt, erfüllt das Profil, und niemand muss dafür um Erlaubnis fragen.

      Verbindlich wird HDR10 in derselben Definition, eine Zeile weiter. Ein Fernseher, Monitor oder Projektor darf sich nach dieser Festlegung nur dann HDR-tauglich nennen, wenn er das HDR10-Profil aus dem Netz, über HDMI oder aus anderen Quellen annimmt und verarbeitet. Weitere Profile sind ausdrücklich erlaubt, gefordert ist keines. Deshalb steht HDR10 auf praktisch jedem Datenblatt — es ist der einzige Weg, auf dem sich zwei beliebige HDR-Geräte sicher verstehen.

      Was die statischen Metadaten leisten

      Die beiden Metadatenteile beantworten zwei verschiedene Fragen. SMPTE ST 2086 beschreibt das Mastering-Display, also den Monitor, an dem der Film abgenommen wurde: seine Primärvalenzen und seine kleinste und größte Leuchtdichte. MaxCLL und MaxFALL beschreiben den Inhalt — den hellsten Bildpunkt, der im Film vorkommt, und die höchste mittlere Bildhelligkeit.

      Entscheidend ist die Reichweite dieser Angaben: Sie gelten für den gesamten Titel. Eine Nachtszene und eine Schneelandschaft bekommen dieselbe Auskunft, und was ein Gerät daraus für die konkrete Szene ableitet, bleibt ihm überlassen. Was dabei passiert und warum derselbe Film auf zwei Projektoren verschieden aussieht, steht bei der Tonwertabbildung.

      HDR10+: Beschreibung je Szene

      HDR10+ ändert an den fünf Angaben nichts und legt einen zweiten Metadatenstrom daneben. Dessen Aufbau steht in SMPTE ST 2094-40, im Normtitel „Application #4", genehmigt im April 2020 als Überarbeitung der Fassung von 2016. Die Norm beschreibt eine von mehreren Ausprägungen desselben Grundmodells für dynamische Metadaten — Nummer 40 ist die, auf der HDR10+ aufsetzt. Deshalb steht auf manchen Datenblättern die Normnummer statt des Formatnamens.

      Was mitreist, gehört zu zwei verschiedenen Gattungen, und dieser Unterschied ist der Kern des Formats.

      Beschreibende Statistik. Für jedes Zeitintervall — praktisch: für jede Szene — nennt der Datensatz das Maximum der Farbkomponenten, den Mittelwert der hellsten Komponente je Bildpunkt und eine Häufigkeitsverteilung dieser Werte. In der aktuellen Ausprägung sind das neun Stützstellen: die Werte, unter denen 1, 5, 10, 25, 50, 75, 90, 95 und 99 Prozent aller Bildpunkte der Szene liegen. Dazu kommt der Anteil der wirklich hellen Bildpunkte. Ein Gerät erfährt damit mehr als den Höchstwert der Szene: Es sieht, ob die Helligkeit auf wenigen Spitzlichtern sitzt oder über die halbe Bildfläche geht.

      Eine festgelegte Kurve. Zusätzlich kann eine Tonkurve mitgegeben werden: ein linearer Anfang, ein Knickpunkt und die Stützpunkte einer Bézier-Kurve darüber. Das ist die Fassung, die im Farbabgleich bewusst gesetzt wurde. Die Norm sagt dazu ausdrücklich, dass die Verteilungsangaben als Ersatzmetadaten dienen, wenn diese Kurve fehlt.

      Die Kurve gilt dabei nie im luftleeren Raum: Der Datensatz nennt die Spitzenhelligkeit des Zielgeräts, für die sie gedacht ist. Ein Gerät mit anderer Spitzenhelligkeit muss also weiterhin selbst rechnen — es hat dafür aber die Verteilung der laufenden Szene und eine gesetzte Kurve statt eines einzigen Werts für den ganzen Film.

      Warum ein HDR10+-Film auf jedem HDR10-Gerät läuft

      Die dynamischen Angaben stecken in einer Zusatznachricht des Videostroms, wie sie der HEVC-Codec für herstellerregistrierte Daten vorsieht; ihren Aufbau legt dieselbe CTA-Schnittstellenspezifikation fest, die auch die HDR-Ankündigung auf der HDMI-Verbindung regelt. Je Einzelbild wird höchstens eine solche Nachricht mitgeschickt.

      Diese Bauart erklärt die Abwärtskompatibilität besser als jede Zusage: Ein Decoder, der die Nachricht nicht kennt, überspringt sie — genau dafür ist die Nachrichtenart gemacht. Übrig bleibt ein gewöhnlicher HDR10-Strom, weil das Bild selbst nie etwas anderes war. Die Rundfunk-Spezifikation, die diesen Weg festschreibt, formuliert das als Erwartung, dass keine Kompatibilitätsprobleme auftreten; die Formatorganisation sagt dasselbe kürzer und stellt fest, dass ein reines HDR10-Gerät ein HDR10+-Signal ohne Weiteres als HDR10 abspielt.

      Ein HDR10+-Titel braucht deshalb keine eigene Rückfallebene: Der HDR10-Strom darunter ist bereits eine.

      Wo der Unterschied zu Dolby Vision liegt

      Beide Formate ergänzen HDR10 um Metadaten je Szene. Verschieden ist, wer über die Abbildung entscheidet:

      HDR10HDR10+Dolby Vision
      Metadatenein Satz für den Titelje Szene, in einer Zusatznachrichtje Szene, teils in einer zweiten Bildschicht
      AbbildungsverfahrenSache des GerätsSache des Gerätsvon Dolby vorgeschrieben
      GerätezulassungkeinePrüfung für das KennzeichenZulassung für die Wiedergabe
      ohne Unterstützung im Gerät—bleibt HDR10je nach Profil HDR10, SDR oder nichts

      Die entscheidende Zeile ist die zweite. HDR10+ liefert einem Gerät bessere Informationen und schreibt ihm nicht vor, was es daraus macht; Dolby Vision schreibt beides vor und bindet die Wiedergabe an zugelassene Geräte. Das ist derselbe Zielkonflikt wie überall zwischen offener und geschlossener Festlegung: Verbindlichkeit kostet Reichweite, Offenheit kostet Vorhersagbarkeit.

      Am Gerät schließen die beiden Formate einander nicht aus. Viele Fernseher werten beide aus, andere nur eines — welches, ist eine Frage der Produktdaten und des Firmwarestands.

      Häufiges Missverständnis

      „Die Zehn ist eine Versionsnummer." Sie steht für die Bittiefe — zehn Bit je Farbkanal statt der acht des gewohnten SDR-Materials. Auch das Pluszeichen zählt nichts hoch: Die fünf Angaben bleiben Wort für Wort dieselben, es kommt ein Metadatenstrom dazu.

      „HDR10+ macht das Bild heller." Es verteilt vorhandenes Licht anders. Die PQ-Kurve schreibt weiterhin absolute Leuchtdichten vor, die kaum ein Wiedergabegerät erreicht; die Metadaten verbessern nur die Auskunft darüber, welche Stellen im Bild diese Vorgabe überhaupt ausreizen. Wie viel das ausmacht, hängt vom Abstand zwischen Master und Gerät ab — und der ist bei Projektion am größten.

      „Steht HDR10 auf dem Karton, kann das Gerät HDR." Die Geräteanforderung verlangt vier Dinge: eine Schnittstelle mit HDR-Kennung, die Verarbeitung der statischen Metadaten, die Annahme des HDR10-Profils und das Anwenden einer passenden Übertragungsfunktion. Eine Mindesthelligkeit ist nicht darunter. Ein Gerät kann die Angabe also vollständig erfüllen und trotzdem so wenig Licht haben, dass von der HDR-Wirkung fast nichts übrig bleibt.

      Nicht zu verwechseln mit

      • PQ und HLG: Übertragungsfunktionen, die Codewerte in Helligkeit umrechnen. HDR10 benutzt PQ, aber eine Kurve allein ist noch kein Format — es fehlen Bittiefe, Farbraum und Metadaten. Beide Kurven klärt die Übertragungsfunktion.
      • Tonwertabbildung: Was das Gerät mit den Metadaten macht. Beide Formate legen sie nicht fest — deshalb sagen Formatangaben allein wenig über das Bild.
      • Dolby Vision: Ebenfalls dynamische Metadaten, aber mit vorgeschriebenem Verfahren und Gerätezulassung.
      • BT.2020: Der Farbraum-Container, eine der fünf Angaben des Profils. Kein Gerät stellt ihn vollständig dar.
      • Ultra HD und 4K: Bildauflösung. Sie hat mit dem Helligkeitsumfang nichts zu tun, wird auf Verpackungen aber im selben Atemzug genannt.

      In der Planung

      Ein Kunde bringt einen Fernseher mit HDR10+-Kennzeichen und einen Projektor ohne mit, dazu einen AV-Receiver und eine Matrix im Signalweg. Die Frage lautet, ob die Kette HDR10+ „kann".

      Sie ist in dieser Form nicht beantwortbar, und die Reihenfolge der Klärung entscheidet mehr als die Antwort:

      1. Was liefert die Quelle? Erst hier entscheidet sich, ob überhaupt dynamische Metadaten anliegen — je nach Titel, Dienst und Datenträger.
      2. Was reicht die Kette durch? Ein Zwischengerät, das die Kennung verwirft, lässt die Kette stillschweigend auf HDR10 zurückfallen. Der Mechanismus dahinter steht beim InfoFrame; das Bild ist dann nicht gestört, sondern schlicht anders abgebildet.
      3. Was wertet das Anzeigegerät aus? Die Kennung im Menü und die tatsächliche Verarbeitung sind zweierlei.
      4. Wie groß ist der Abstand zum Master? Auf einem lichtstarken Fernseher im abgedunkelten Raum bleibt für die Metadaten wenig zu tun. Auf drei Meter Bildbreite ist der Abstand riesig — dort wäre der Gewinn am größten, und dort ist die Formatunterstützung am dünnsten.

      Der vierte Punkt ist der, der die Kaufentscheidung dreht. Raumverdunklung und Bildgröße wirken bei HDR um ein Vielfaches stärker als jede Formatliste auf dem Datenblatt; die Rechnung dazu steht bei der Tonwertabbildung.

      Verknüpfte Inhalte

      Warum jedes Gerät die HDR-Vorgabe umrechnen muss und was dabei verloren geht, führt die Wissensseite zu HDR im Heimkino und Tonwertabbildung aus — sie ist die Voraussetzung dieser Seite. Die PQ-Kurve selbst und die Abgrenzung zwischen Kurve und Format gehören zur Übertragungsfunktion; dort steht auch, was HLG anders macht. Das konkurrierende dynamische Format beschreibt Dolby Vision. Zwei der fünf Angaben des HDR10-Profils haben eigene Einträge: Bittiefe und Farbraum. Die Größe, auf die am Ende alles zusammenläuft, klärt die Zielleuchtdichte. Woran die Kennung eines Formats in der Kette scheitert, klärt der InfoFrame.

      Quellen

      Die fünf Angaben des HDR10 Media Profile und die vier Bedingungen, unter denen ein Anzeigegerät HDR-tauglich heißen darf, stammen aus den Gerätedefinitionen der Consumer Technology Association, die für diese Seite am Objekt gelesen wurden; das Merkblatt selbst führt kein aufgedrucktes Datum. Der Aufbau der dynamischen Metadaten — die Verteilungsangaben mit ihren neun Stützstellen, die Kurve aus Knickpunkt und Bézier-Ankern, die Zielhelligkeit und der Vorrang der Kurve vor den Verteilungsangaben — ist an SMPTE ST 2094-40 in der Fassung von 2020 belegt, ebenfalls am Objekt gelesen. Die Übertragung als herstellerregistrierte Zusatznachricht im HEVC-Strom und die Feststellung, dass uninteressierte Empfänger sie überspringen, stehen in der ATSC-Ergänzung vom September 2021, die dafür auf die CTA-Schnittstellenspezifikation von Dezember 2020 verweist; deren Normtext ist kostenpflichtig und wurde nicht eingesehen.

      Dass HDR10+ genau diese Norm benutzt, ist an einer Spezifikation der Alliance for Open Media vom Oktober 2023 gegengelesen, die HDR10+ als Metadaten nach ST 2094-40 und CTA-861 beschreibt — also unabhängig von der Formatorganisation. Deren eigene Darstellung deckt Herkunft, Prüfprogramm und Lizenzbedingungen; diese Angaben sind nirgends gegenlesbar, weil die Systemspezifikation nur angemeldeten Unternehmen offensteht. Öffentlich ist allein die Metadatennorm. Die Angaben zur Ultra HD Blu-ray sind nicht belegt; die maßgebliche Fundstelle war nicht abrufbar und die Aussage steht entsprechend gekennzeichnet.

    • HDR10+

      Glossar

      HDR10 und HDR10+

      HDR10 ist das HDR-Format, das jedes Gerät beherrscht: eine feste Kombination aus der PQ-Kurve, zehn Bit Farbtiefe, dem Farbraum-Container BT.2020 und einem Satz Metadaten, der für den ganzen Film gilt. HDR10+ benutzt dieselbe Kombination und legt Angaben je Szene daneben, mit denen ein Wiedergabegerät seine Umrechnung feiner steuern kann.

      Filme mit hohem Helligkeitsumfang bringen eine Notiz mit, wie hell das Bild gemeint ist. Bei HDR10 gibt es genau eine solche Notiz für den ganzen Film — sie gilt für die Kellerszene genauso wie für die Wüstenszene, und Dein Fernseher oder Beamer muss selbst entscheiden, was er daraus macht. HDR10+ schreibt zusätzlich für jede Szene auf, wie hell sie tatsächlich ist. Das Gerät weiß dadurch mehr, muss die Angaben aber nicht benutzen. Und heller wird das Bild dadurch nirgends: Es geht nur darum, das vorhandene Licht besser zu verteilen.

      Ausführliche Erklärung

      HDR10: fünf Angaben, kein Verfahren

      Der Name klingt nach einer Norm, gemeint ist ein Medienprofil. Die Consumer Technology Association — der US-Branchenverband der Unterhaltungselektronik, dessen Spezifikation CTA-861 festlegt, wie Bildsignale über schnelle digitale Schnittstellen wie HDMI angekündigt werden — beschreibt das HDR10 Media Profile in ihren Gerätedefinitionen über genau fünf Angaben:

      AngabeWert
      ÜbertragungsfunktionSMPTE ST 2084 (PQ)
      Farbunterabtastung4:2:0 bei komprimierten Quellen
      Bittiefe10 Bit
      PrimärvalenzenITU-R BT.2020
      MetadatenSMPTE ST 2086 sowie MaxFALL und MaxCLL

      Mehr steht dort nicht. Kein Abbildungsverfahren, keine Prüfstelle, keine Mindesthelligkeit — HDR10 sagt, wie das Signal aussieht, und schweigt darüber, was das Gerät damit anstellt. Genau daraus folgt seine Verbreitung: Wer die fünf Angaben erfüllt, erfüllt das Profil, und niemand muss dafür um Erlaubnis fragen.

      Verbindlich wird HDR10 in derselben Definition, eine Zeile weiter. Ein Fernseher, Monitor oder Projektor darf sich nach dieser Festlegung nur dann HDR-tauglich nennen, wenn er das HDR10-Profil aus dem Netz, über HDMI oder aus anderen Quellen annimmt und verarbeitet. Weitere Profile sind ausdrücklich erlaubt, gefordert ist keines. Deshalb steht HDR10 auf praktisch jedem Datenblatt — es ist der einzige Weg, auf dem sich zwei beliebige HDR-Geräte sicher verstehen.

      Was die statischen Metadaten leisten

      Die beiden Metadatenteile beantworten zwei verschiedene Fragen. SMPTE ST 2086 beschreibt das Mastering-Display, also den Monitor, an dem der Film abgenommen wurde: seine Primärvalenzen und seine kleinste und größte Leuchtdichte. MaxCLL und MaxFALL beschreiben den Inhalt — den hellsten Bildpunkt, der im Film vorkommt, und die höchste mittlere Bildhelligkeit.

      Entscheidend ist die Reichweite dieser Angaben: Sie gelten für den gesamten Titel. Eine Nachtszene und eine Schneelandschaft bekommen dieselbe Auskunft, und was ein Gerät daraus für die konkrete Szene ableitet, bleibt ihm überlassen. Was dabei passiert und warum derselbe Film auf zwei Projektoren verschieden aussieht, steht bei der Tonwertabbildung.

      HDR10+: Beschreibung je Szene

      HDR10+ ändert an den fünf Angaben nichts und legt einen zweiten Metadatenstrom daneben. Dessen Aufbau steht in SMPTE ST 2094-40, im Normtitel „Application #4", genehmigt im April 2020 als Überarbeitung der Fassung von 2016. Die Norm beschreibt eine von mehreren Ausprägungen desselben Grundmodells für dynamische Metadaten — Nummer 40 ist die, auf der HDR10+ aufsetzt. Deshalb steht auf manchen Datenblättern die Normnummer statt des Formatnamens.

      Was mitreist, gehört zu zwei verschiedenen Gattungen, und dieser Unterschied ist der Kern des Formats.

      Beschreibende Statistik. Für jedes Zeitintervall — praktisch: für jede Szene — nennt der Datensatz das Maximum der Farbkomponenten, den Mittelwert der hellsten Komponente je Bildpunkt und eine Häufigkeitsverteilung dieser Werte. In der aktuellen Ausprägung sind das neun Stützstellen: die Werte, unter denen 1, 5, 10, 25, 50, 75, 90, 95 und 99 Prozent aller Bildpunkte der Szene liegen. Dazu kommt der Anteil der wirklich hellen Bildpunkte. Ein Gerät erfährt damit mehr als den Höchstwert der Szene: Es sieht, ob die Helligkeit auf wenigen Spitzlichtern sitzt oder über die halbe Bildfläche geht.

      Eine festgelegte Kurve. Zusätzlich kann eine Tonkurve mitgegeben werden: ein linearer Anfang, ein Knickpunkt und die Stützpunkte einer Bézier-Kurve darüber. Das ist die Fassung, die im Farbabgleich bewusst gesetzt wurde. Die Norm sagt dazu ausdrücklich, dass die Verteilungsangaben als Ersatzmetadaten dienen, wenn diese Kurve fehlt.

      Die Kurve gilt dabei nie im luftleeren Raum: Der Datensatz nennt die Spitzenhelligkeit des Zielgeräts, für die sie gedacht ist. Ein Gerät mit anderer Spitzenhelligkeit muss also weiterhin selbst rechnen — es hat dafür aber die Verteilung der laufenden Szene und eine gesetzte Kurve statt eines einzigen Werts für den ganzen Film.

      Warum ein HDR10+-Film auf jedem HDR10-Gerät läuft

      Die dynamischen Angaben stecken in einer Zusatznachricht des Videostroms, wie sie der HEVC-Codec für herstellerregistrierte Daten vorsieht; ihren Aufbau legt dieselbe CTA-Schnittstellenspezifikation fest, die auch die HDR-Ankündigung auf der HDMI-Verbindung regelt. Je Einzelbild wird höchstens eine solche Nachricht mitgeschickt.

      Diese Bauart erklärt die Abwärtskompatibilität besser als jede Zusage: Ein Decoder, der die Nachricht nicht kennt, überspringt sie — genau dafür ist die Nachrichtenart gemacht. Übrig bleibt ein gewöhnlicher HDR10-Strom, weil das Bild selbst nie etwas anderes war. Die Rundfunk-Spezifikation, die diesen Weg festschreibt, formuliert das als Erwartung, dass keine Kompatibilitätsprobleme auftreten; die Formatorganisation sagt dasselbe kürzer und stellt fest, dass ein reines HDR10-Gerät ein HDR10+-Signal ohne Weiteres als HDR10 abspielt.

      Ein HDR10+-Titel braucht deshalb keine eigene Rückfallebene: Der HDR10-Strom darunter ist bereits eine.

      Wo der Unterschied zu Dolby Vision liegt

      Beide Formate ergänzen HDR10 um Metadaten je Szene. Verschieden ist, wer über die Abbildung entscheidet:

      HDR10HDR10+Dolby Vision
      Metadatenein Satz für den Titelje Szene, in einer Zusatznachrichtje Szene, teils in einer zweiten Bildschicht
      AbbildungsverfahrenSache des GerätsSache des Gerätsvon Dolby vorgeschrieben
      GerätezulassungkeinePrüfung für das KennzeichenZulassung für die Wiedergabe
      ohne Unterstützung im Gerät—bleibt HDR10je nach Profil HDR10, SDR oder nichts

      Die entscheidende Zeile ist die zweite. HDR10+ liefert einem Gerät bessere Informationen und schreibt ihm nicht vor, was es daraus macht; Dolby Vision schreibt beides vor und bindet die Wiedergabe an zugelassene Geräte. Das ist derselbe Zielkonflikt wie überall zwischen offener und geschlossener Festlegung: Verbindlichkeit kostet Reichweite, Offenheit kostet Vorhersagbarkeit.

      Am Gerät schließen die beiden Formate einander nicht aus. Viele Fernseher werten beide aus, andere nur eines — welches, ist eine Frage der Produktdaten und des Firmwarestands.

      Häufiges Missverständnis

      „Die Zehn ist eine Versionsnummer." Sie steht für die Bittiefe — zehn Bit je Farbkanal statt der acht des gewohnten SDR-Materials. Auch das Pluszeichen zählt nichts hoch: Die fünf Angaben bleiben Wort für Wort dieselben, es kommt ein Metadatenstrom dazu.

      „HDR10+ macht das Bild heller." Es verteilt vorhandenes Licht anders. Die PQ-Kurve schreibt weiterhin absolute Leuchtdichten vor, die kaum ein Wiedergabegerät erreicht; die Metadaten verbessern nur die Auskunft darüber, welche Stellen im Bild diese Vorgabe überhaupt ausreizen. Wie viel das ausmacht, hängt vom Abstand zwischen Master und Gerät ab — und der ist bei Projektion am größten.

      „Steht HDR10 auf dem Karton, kann das Gerät HDR." Die Geräteanforderung verlangt vier Dinge: eine Schnittstelle mit HDR-Kennung, die Verarbeitung der statischen Metadaten, die Annahme des HDR10-Profils und das Anwenden einer passenden Übertragungsfunktion. Eine Mindesthelligkeit ist nicht darunter. Ein Gerät kann die Angabe also vollständig erfüllen und trotzdem so wenig Licht haben, dass von der HDR-Wirkung fast nichts übrig bleibt.

      Nicht zu verwechseln mit

      • PQ und HLG: Übertragungsfunktionen, die Codewerte in Helligkeit umrechnen. HDR10 benutzt PQ, aber eine Kurve allein ist noch kein Format — es fehlen Bittiefe, Farbraum und Metadaten. Beide Kurven klärt die Übertragungsfunktion.
      • Tonwertabbildung: Was das Gerät mit den Metadaten macht. Beide Formate legen sie nicht fest — deshalb sagen Formatangaben allein wenig über das Bild.
      • Dolby Vision: Ebenfalls dynamische Metadaten, aber mit vorgeschriebenem Verfahren und Gerätezulassung.
      • BT.2020: Der Farbraum-Container, eine der fünf Angaben des Profils. Kein Gerät stellt ihn vollständig dar.
      • Ultra HD und 4K: Bildauflösung. Sie hat mit dem Helligkeitsumfang nichts zu tun, wird auf Verpackungen aber im selben Atemzug genannt.

      In der Planung

      Ein Kunde bringt einen Fernseher mit HDR10+-Kennzeichen und einen Projektor ohne mit, dazu einen AV-Receiver und eine Matrix im Signalweg. Die Frage lautet, ob die Kette HDR10+ „kann".

      Sie ist in dieser Form nicht beantwortbar, und die Reihenfolge der Klärung entscheidet mehr als die Antwort:

      1. Was liefert die Quelle? Erst hier entscheidet sich, ob überhaupt dynamische Metadaten anliegen — je nach Titel, Dienst und Datenträger.
      2. Was reicht die Kette durch? Ein Zwischengerät, das die Kennung verwirft, lässt die Kette stillschweigend auf HDR10 zurückfallen. Der Mechanismus dahinter steht beim InfoFrame; das Bild ist dann nicht gestört, sondern schlicht anders abgebildet.
      3. Was wertet das Anzeigegerät aus? Die Kennung im Menü und die tatsächliche Verarbeitung sind zweierlei.
      4. Wie groß ist der Abstand zum Master? Auf einem lichtstarken Fernseher im abgedunkelten Raum bleibt für die Metadaten wenig zu tun. Auf drei Meter Bildbreite ist der Abstand riesig — dort wäre der Gewinn am größten, und dort ist die Formatunterstützung am dünnsten.

      Der vierte Punkt ist der, der die Kaufentscheidung dreht. Raumverdunklung und Bildgröße wirken bei HDR um ein Vielfaches stärker als jede Formatliste auf dem Datenblatt; die Rechnung dazu steht bei der Tonwertabbildung.

      Verknüpfte Inhalte

      Warum jedes Gerät die HDR-Vorgabe umrechnen muss und was dabei verloren geht, führt die Wissensseite zu HDR im Heimkino und Tonwertabbildung aus — sie ist die Voraussetzung dieser Seite. Die PQ-Kurve selbst und die Abgrenzung zwischen Kurve und Format gehören zur Übertragungsfunktion; dort steht auch, was HLG anders macht. Das konkurrierende dynamische Format beschreibt Dolby Vision. Zwei der fünf Angaben des HDR10-Profils haben eigene Einträge: Bittiefe und Farbraum. Die Größe, auf die am Ende alles zusammenläuft, klärt die Zielleuchtdichte. Woran die Kennung eines Formats in der Kette scheitert, klärt der InfoFrame.

      Quellen

      Die fünf Angaben des HDR10 Media Profile und die vier Bedingungen, unter denen ein Anzeigegerät HDR-tauglich heißen darf, stammen aus den Gerätedefinitionen der Consumer Technology Association, die für diese Seite am Objekt gelesen wurden; das Merkblatt selbst führt kein aufgedrucktes Datum. Der Aufbau der dynamischen Metadaten — die Verteilungsangaben mit ihren neun Stützstellen, die Kurve aus Knickpunkt und Bézier-Ankern, die Zielhelligkeit und der Vorrang der Kurve vor den Verteilungsangaben — ist an SMPTE ST 2094-40 in der Fassung von 2020 belegt, ebenfalls am Objekt gelesen. Die Übertragung als herstellerregistrierte Zusatznachricht im HEVC-Strom und die Feststellung, dass uninteressierte Empfänger sie überspringen, stehen in der ATSC-Ergänzung vom September 2021, die dafür auf die CTA-Schnittstellenspezifikation von Dezember 2020 verweist; deren Normtext ist kostenpflichtig und wurde nicht eingesehen.

      Dass HDR10+ genau diese Norm benutzt, ist an einer Spezifikation der Alliance for Open Media vom Oktober 2023 gegengelesen, die HDR10+ als Metadaten nach ST 2094-40 und CTA-861 beschreibt — also unabhängig von der Formatorganisation. Deren eigene Darstellung deckt Herkunft, Prüfprogramm und Lizenzbedingungen; diese Angaben sind nirgends gegenlesbar, weil die Systemspezifikation nur angemeldeten Unternehmen offensteht. Öffentlich ist allein die Metadatennorm. Die Angaben zur Ultra HD Blu-ray sind nicht belegt; die maßgebliche Fundstelle war nicht abrufbar und die Aussage steht entsprechend gekennzeichnet.

    • Dolby Vision

      Technologie

      Dolby Vision

      Dolby Vision ist ein HDR-Format, das Dolby Laboratories im Januar 2014 vorgestellt hat. Es löst ein Problem, das die Wissensseite zur Tonwertabbildung beschreibt: Die PQ-Kurve schreibt jedem Bildpunkt eine absolute Leuchtdichte vor, die kaum ein Wiedergabegerät erreicht — also muss jedes Gerät umrechnen, und wie es das tut, ist bei HDR10 nicht festgelegt. Dolby Vision legt es fest. Das Format liefert szenenweise Metadaten mit, schreibt das Abbildungsverfahren vor und lässt es nur auf Geräten laufen, die Dolby geprüft und zugelassen hat. Der Preis für diese Verbindlichkeit ist die Bindung an Dolby: Ohne zugelassenes Gerät in der Kette gibt es kein Dolby-Vision-Bild, sondern bestenfalls den HDR10-Anteil des Signals.

      Filme mit hohem Helligkeitsumfang bringen eine Anweisung mit, wie hell jede Stelle im Bild sein soll — aber Dein Fernseher oder Beamer schafft diese Vorgaben nie ganz und muss sie herunterrechnen. Beim üblichen Verfahren entscheidet jedes Gerät selbst, wie es das macht, und eine Anweisung gilt für den ganzen Film. Dolby Vision schickt stattdessen für jede Szene eine eigene Anweisung mit und schreibt auch das Herunterrechnen selbst vor — dafür funktioniert es nur auf Geräten, die Dolby dafür freigegeben hat. Eine dunkle Kellerszene und eine Wüstenszene bekommen so jede die Behandlung, die zu ihr passt, statt einen Kompromiss für beide.

      Das zugrunde liegende Problem

      HDR10, der Grundstock jeder UHD-HDR-Auswertung, gibt dem Gerät genau einen Datensatz für den ganzen Film mit: die Eckwerte des Mastering-Displays und zwei Helligkeitskennwerte. Eine Nachtszene und eine Schneelandschaft bekommen dieselbe Auskunft, und was das Gerät daraus macht, entscheidet es allein — mit den Folgen, die auf der Tonwertabbildungs-Seite stehen: Derselbe Film sieht auf zwei Geräten verschieden aus, und keines der Ergebnisse ist verbindlich.

      Dolby Vision setzt an beiden Enden dieses Problems an. Auf der Produktionsseite entsteht beim Farbabgleich eine Analyse je Szene, die der Colorist gezielt übersteuern kann; diese Werte reisen als dynamische Metadaten mit dem Film. Auf der Wiedergabeseite rechnet ein von Dolby vorgeschriebenes Verfahren diese Metadaten gegen die Fähigkeiten des konkreten Geräts. Die Umrechnung bleibt eine Umrechnung — mehr Licht entsteht dabei nicht —, aber sie folgt an beiden Enden derselben Systematik statt der Tagesform eines Geräteherstellers.

      Funktionsweise

      Basisschicht, Erweiterungsschicht, Metadaten

      Ein Dolby-Vision-Strom besteht aus bis zu drei Bestandteilen. Die Basisschicht ist ein gewöhnlicher Videostrom; je nach Profil ist sie für sich allein abspielbar (als HDR10 oder SDR) oder nur zusammen mit den übrigen Bestandteilen zu gebrauchen. Die dynamischen Metadaten beschreiben Szene für Szene, wie das Bild auf ein schwächeres Gerät abzubilden ist. Einige Profile führen zusätzlich eine Erweiterungsschicht: einen zweiten, schmalen Videostrom, der die Differenz zwischen der Basisschicht und dem vollen Master enthält — auf der UHD-Blu-ray ist das der Weg von der 10-Bit-HDR10-Fassung zurück zu den 12 Bit des Masters. Das Zusammensetzen aus Basisschicht, Erweiterungsschicht und Metadaten ist als öffentliche Norm dokumentiert, denn Dolby hat das Verfahren als Compound Content Management in die ETSI eingebracht (GS CCM 001).

      Auf der Disc gibt es die Erweiterungsschicht in zwei Ausprägungen: als volle Schicht mit echtem Differenzsignal (FEL) und als Minimalschicht, deren Differenzsignal null ist und die nur als Träger der Metadaten dient (MEL). Für die Planung ist der Unterschied deshalb von Belang, weil eine volle Erweiterungsschicht einen zweiten Decoder im Zuspieler beschäftigt — nicht jedes Gerät, das Dolby Vision meldet, verarbeitet beide Ausprägungen gleich gut.

      Die Abbildung im zertifizierten Wiedergabegerät

      Die Metadaten sind nur die halbe Technologie. Die andere Hälfte ist das Abbildungsverfahren selbst: Dolbys Content-Mapping-Algorithmen rechnen das Signal auf die Spitzenhelligkeit, den Schwarzwert und den Farbraum des konkreten Geräts um. Dieses Verfahren implementiert nicht jeder Hersteller nach eigenem Gusto — jedes Dolby-Vision-Wiedergabegerät muss eine Zertifizierung mit Dolbys Entwicklungswerkzeugen bestehen, und Dolby gibt die gemeldeten Gerätefähigkeiten frei. Was ein Gerät nach außen als Dolby-Vision-Fähigkeit meldet, ist also eine geprüfte Angabe und keine Selbstauskunft.

      Für die Kette heißt das: Die Metadaten reisen bis zu dem zugelassenen Gerät, das die Abbildung ausführt, und dieses Gerät bildet auf die eigenen Möglichkeiten ab. Ein UHD-Blu-ray-Zuspieler prüft dafür eigens über ein Statusregister, ob am Ende der Kette ein Dolby-Vision-Gerät hängt — meldet sich keines, bleibt der HDR10-Anteil des Signals übrig, sofern das Profil einen hat.

      Profile: welche Basisschicht ohne Dolby Vision übrig bleibt

      Dolby ordnet die zulässigen Stromformen in Profilen. Die für das Heimkino wichtigen unterscheiden sich vor allem darin, was ein Gerät ohne Dolby-Vision-Unterstützung mit der Basisschicht anfangen kann:

      ProfilAufbauBasisschicht allein abspielbar als
      5eine Schicht plus Metadatennichts — die Basisschicht liegt in Dolbys eigenem Signalformat (IPTPQc2) vor
      7Basisschicht plus Erweiterungsschicht plus Metadaten (UHD-Blu-ray)HDR10
      8.1eine Schicht plus MetadatenHDR10
      8.2eine Schicht plus MetadatenSDR

      Profil 5 ist der Streaming-Fall ohne Rückfalloption: Gerät ohne Dolby-Vision-Zulassung, kein brauchbares Bild — die Auswahl der passenden Fassung übernimmt dort der Streaming-Dienst, der einem Gerät ohne Zulassung gar kein Profil-5-Material ausliefert. Profil 8.1 ist der verträgliche Streaming-Fall: Dieselbe Datei ergibt auf einem HDR10-Gerät HDR10 und auf einem zugelassenen Gerät Dolby Vision. Profil 7 ist die Disc.

      Die Variante mit verringerter Verzögerung

      Im Standardmodus verarbeitet das Anzeigegerät die Metadaten selbst — das kostet Rechenzeit im Bildweg. Für Spielkonsolen und andere verzögerungskritische Quellen gibt es deshalb Low-Latency Dolby Vision (LLDV): Der Zuspieler übernimmt die Abbildung, rechnet das Bild auf die Fähigkeiten, die das Anzeigegerät ihm gemeldet hat, und schickt das fertige Ergebnis; die dynamischen Metadaten reisen dann nicht mehr mit. Damit wandert die Arbeit an die Stelle der Kette, die sie am schnellsten erledigt, und das Anzeigegerät muss nur noch anzeigen.

      Für die Projektion hat diese Variante eine Bedeutung über den Spielbetrieb hinaus: Sie ist der dokumentierte Weg, Dolby-Vision-Material in Ketten zu bringen, deren Bildgeber selbst keine Dolby-Vision-Zulassung hat — der Zuspieler bildet ab, die restliche Kette sieht ein gewöhnliches HDR-Signal. Was das für Ketten mit externem Videoprozessor bedeutet, steht im nächsten Abschnitt.

      Voraussetzungen

      • Material. Der Titel muss mit Dolby-Vision-Metadaten gemastert und in einem Dolby-Vision-Profil ausgeliefert sein — auf Disc als Profil 7, im Streaming je nach Dienst.
      • Ein zugelassenes Gerät an der Stelle, die abbildet. Im Normalfall ist das der Fernseher; in Projektionsketten, deren Bildgeber keine Zulassung hat, ein Zuspieler mit LLDV-Unterstützung.
      • Eine Kette, die das Format durchreicht. Zwischengeräte müssen die Signalisierung weitergeben; ein Glied, das sie verwirft, lässt die Kette kommentarlos auf HDR10 oder SDR zurückfallen. Der Mechanismus dahinter steht beim InfoFrame.
      • Kein zusätzlicher Raum- oder Lichtbedarf. Dolby Vision ändert nichts an der Physik der Projektion: Die Leuchtdichte-Rechnung der Tonwertabbildungs-Seite gilt unverändert, nur die Umrechnung wird systematischer.

      Abgrenzung

      Gegen HDR10. Gleiche PQ-Kurve, gleicher Farbraum-Container — der Unterschied liegt in den Metadaten und in der Verbindlichkeit. HDR10 liefert einen statischen Datensatz für den ganzen Film und überlässt die Abbildung dem Gerät; Dolby Vision liefert szenenweise Werte und schreibt das Verfahren vor. HDR10 ist zugleich die Rückfallebene: Auf der Disc und in Profil 8.1 steckt es als Basisschicht in jedem Dolby-Vision-Signal.

      Gegen HDR10+. Auch HDR10+ ergänzt HDR10 um dynamische Metadaten, verzichtet aber auf eine zentrale Gerätezulassung mit vorgeschriebenem Abbildungsverfahren — die Auswertung bleibt Sache des Geräteherstellers. Beide Formate schließen einander am Gerät nicht aus; welche ein konkretes Gerät auswertet, ist eine Produktdatenfrage.

      Kein Marketingbegriff für „helleres Bild". Dolby Vision erhöht weder Lichtstrom noch Kontrast. Es ist eine Vereinbarung darüber, wie das vorhandene Licht verteilt wird — die häufig beworbene Zwölf-Bit-Tiefe beschreibt das Signal und den Rechenweg, kein Panel, das zwölf Bit darstellt. Was Bittiefe im Signal bedeutet, steht im Glossar.

      Nicht dasselbe wie Dolby Atmos. Der Markenname klingt verwandt, gemeint ist dort Ton. Beide teilen nur den Urheber.

      Grenzen

      • Die Bindung an die Zulassung wirkt in beide Richtungen. Sie macht die Abbildung verbindlich — und sie schließt jede Kette aus, in der kein zugelassenes Gerät an der richtigen Stelle sitzt. Heimkinoprojektoren mit Dolby-Vision-Zulassung sind die Ausnahme; Projektionsketten sind deshalb auf den LLDV-Weg über den Zuspieler oder auf den Rückfall auf HDR10 angewiesen.
      • In Ketten mit externem Videoprozessor steht das Verfahren quer zur Gerätelogik. Der Prozessor will die Abbildung selbst übernehmen, Dolby Vision legt sie in das zugelassene Endgerät. Der dokumentierte Ausweg: Der Zuspieler bildet per LLDV ab, der Prozessor behandelt das Ergebnis wie jedes andere HDR-Signal — mit der Folge, dass die szenenweise Abbildung dann vor dem Glied stattfindet, das den Raum und die Leinwand kennt. Die Planungsfolge dazu steht beim externen Videoprozessor.
      • Szenenweise Metadaten lösen den Zielkonflikt der Abbildung nicht auf. Auch die beste Kurve verteilt nur; was die Tonwertabbildungs-Seite über Bildgröße, Raum und Streulicht sagt, bleibt der wirksamere Hebel.
      • Der Gewinn hängt am Abstand zwischen Master und Gerät. Je näher ein Gerät den gemasterten Leuchtdichten kommt, desto weniger bleibt für die Metadaten zu tun. Den größten Unterschied macht das Verfahren dort, wo der Abstand groß ist — und das ist die Projektion, also genau der Fall mit der dünnsten Gerätezulassung.

      Verknüpfte Inhalte

      Warum HDR-Vorgaben auf der Leinwand nicht ankommen und was eine Abbildungskurve grundsätzlich leisten kann, steht bei HDR im Heimkino und Tonwertabbildung — diese Seite setzt das voraus. Die PQ-Kurve selbst und der Unterschied zwischen Kurve und Format gehören zur Übertragungsfunktion. Wie sich Dolby-Vision-Material in Ketten mit externem Videoprozessor verhält und wann ein solches Gerät überhaupt etwas bringt, klärt der externe Videoprozessor. Die Signalisierung, an der ein Format in der Kette scheitern kann, steht beim InfoFrame; Bittiefe und Farbraum klären die beiden Größen, mit denen Dolby Vision beworben wird.

      Quellen

      Das Schichtenmodell — Basisschicht, Erweiterungsschicht, Composer, Display-Management-Metadaten aus SMPTE ST 2086 und ST 2094-10 — ist an der öffentlichen Norm ETSI GS CCM 001 belegt, in die Dolby das Verfahren eingebracht hat; sie wurde im Volltext gelesen. Profile, Kompatibilitäts-IDs und der Zertifizierungssatz stammen aus Dolbys Profildefinition in der Fassung 1.2.92 von 2017, gelesen über eine Spiegelung, weil developer.dolby.com nicht mehr auflöst; die Tabelle der Profile gibt entsprechend diesen Stand wieder. Die Disc-Seite (Profil 7, MEL/FEL, Statusregister des Zuspielers) ist am UHD-Blu-ray-Leitfaden von Dolby belegt, die Produktionsseite am Farbkorrektur-Leitfaden. Für die Variante mit verringerter Verzögerung liegt keine zugängliche Dolby-Fundstelle vor; sie ist an einem benannten Fachbeitrag von 2020 belegt. Datenstand der Seite: 2026-08-23.

    • HLG
  • Audio-Ausgabe

    Digitale Ausgänge
    • Optisch (Toslink)

      Glossar

      TOSLINK

      TOSLINK ist kein eigenes Tonformat, sondern eine Bauweise: die optische Ausführung von S/PDIF. Übertragen werden dieselben Daten wie über die koaxiale Variante, nur nicht als Spannung durch Kupfer, sondern als rotes Licht durch einen Kunststoff-Lichtleiter. Der Name geht auf Toshiba zurück, das Verfahren ist als JEITA-Norm festgeschrieben.

      Die eckige Buchse mit der kleinen Klappe, aus der es rot leuchtet, wenn das Gerät an ist — das ist TOSLINK. Darin steckt kein Draht, sondern ein dünner Kunststofffaden, durch den Licht läuft. Weil kein Strom fließt, gibt es zwischen den beiden Geräten keine elektrische Verbindung, und typische Brummprobleme können über diesen Weg gar nicht erst entstehen. Dafür darf das Kabel nicht besonders lang sein und nicht scharf geknickt werden. Und es überträgt genau denselben Ton wie das koaxiale Kabel daneben — nicht mehr.

      Ausführliche Erklärung

      Im Sendemodul sitzt eine rote Leuchtdiode mit einer Spitzenwellenlänge von 650 nm, im Empfänger eine Fotodiode. Dazwischen liegt ein Kunststoff-Lichtleiter, üblicherweise mit rund 1 mm Kerndurchmesser. Der Steckverbinder ist die quadratische Bauform nach EIAJ RC-5720B, die elektrische und optische Schnittstelle folgt der JEITA-Norm CP-1212 für Digitalaudio in Consumer-Geräten. Ein rein optisches Bauteil ist das nicht: Es sind zwei Wandlungen, elektrisch nach optisch und wieder zurück, und die Grenzen der Strecke stehen im Datenblatt dieser Module, nicht in einer Audio-Norm.

      Drei dieser Grenzen sind planungsrelevant, und alle drei lassen sich am verbreiteten Toshiba-Modul TOTX147 nachlesen.

      Erstens die Länge. Toshiba gibt für dieses Modul mit passendem Empfänger und einfacher Kunststofffaser eine Übertragungsdistanz von 0,2 bis 5 m an. Fünf Meter sind damit keine Schätzung, sondern der spezifizierte Wert einer üblichen Bauteilpaarung. Längere Konfektionen sind zu kaufen und funktionieren oft — aber sie funktionieren außerhalb dessen, was der Hersteller zusichert, und ob sie es tun, hängt an den Modulen beider Geräte.

      Zweitens die Datenrate. Dasselbe Datenblatt nennt maximal 7,5 Mbit/s für ein Biphase-Signal. Aus dem Rahmenaufbau von S/PDIF ergibt sich, was das bedeutet: Ein Abtastframe belegt 64 Zeitschlitze, macht 3,072 Mbit/s bei 48 kHz, 6,144 Mbit/s bei 96 kHz — und 12,288 Mbit/s bei 192 kHz. Die letzte Zahl liegt über der Angabe des Moduls. Dass viele Geräte über TOSLINK bei 96 kHz aufhören, ist deshalb keine Willkür der Hersteller, sondern eine Eigenschaft der verbauten Optik.

      Drittens die Mechanik. Kunststofffaser überträgt Licht durch Totalreflexion an der Grenzfläche zwischen Kern und Mantel. Wird die Faser zu eng gebogen, trifft ein Teil des Lichts diese Grenzfläche zu steil und tritt aus — der Pegel am Empfänger sinkt. Ein scharfer Knick kann die Faser dauerhaft schädigen, ohne dass man es von außen sieht. Ein Lichtleiter ist deshalb nichts, was man in einer Wanddose eng zurücklegt oder mit Zug durch ein enges Leerrohr zieht.

      Was diese drei Einschränkungen aufwiegt, ist eine einzige Eigenschaft: Zwischen Sender und Empfänger besteht keine elektrische Verbindung. Über diesen Signalweg kann sich keine Masseschleife schließen, und eingestreute elektromagnetische Störungen erreichen die Faser gar nicht erst. In Anlagen, in denen Geräte an verschiedenen Stromkreisen hängen oder in denen eine Antennen- oder Netzwerkzuleitung eine Verbindung nach außen herstellt, ist das der Grund, warum TOSLINK überhaupt gewählt wird.

      Häufiges Missverständnis

      „Optisch löst Brummprobleme." Das gilt genau dann, wenn die Schleife tatsächlich über diesen Signalweg läuft — und das ist häufig nicht der Fall. Eine Masseschleife braucht zwei leitende Verbindungen zwischen denselben Geräten. Trennt man die eine auf und lässt die andere stehen, etwa den Antennenanschluss des Fernsehers oder den Schirm einer Netzwerkleitung, bleibt das Brummen. Der optische Weg ist ein Werkzeug gegen ein bestimmtes Problem, kein allgemeines Entstörmittel; die Frage davor lautet immer, über welche zwei Pfade sich die Schleife schließt.

      Dazu kommt eine Nebenannahme, die selten stimmt: dass die koaxiale Variante zwangsläufig elektrisch durchverbunden ist. S/PDIF über Kupfer war von vornherein mit einem Übertrager am Ausgang gedacht und wäre damit ebenfalls getrennt — nur bauen längst nicht alle Geräte ihn ein. Optisch ist also der sichere Weg, nicht der einzige.

      Der zweite verbreitete Satz lautet: „Optisch klingt schlechter, wegen Jitter." Richtig daran ist, dass jede Wandlung von elektrisch nach optisch und zurück Unsicherheit in die Flankenlage einträgt. Die Daten selbst sind davon nicht betroffen — sie kommen an oder gar nicht. Ob die verbleibende Taktunsicherheit hörbar wird, hängt daran, wie der Empfänger seinen Takt zurückgewinnt. Geräte, die den Datenstrom puffern und mit einem asynchronen Sample-Rate-Converter (ASRC) wandeln, entkoppeln sich davon weitgehend: Am Ausgang eines solchen Wandlers läuft ein freilaufender Quarzoszillator, der mit dem ankommenden Takt nichts mehr zu tun hat — der Eingangsjitter der optischen Strecke erreicht das Ausgangssignal dadurch praktisch nicht mehr.

      Eine perfekte Lösung ist das trotzdem nicht. Die Wandlung selbst — ob D/A-Wandlung oder Resampling im ASRC — bringt eigene Unsicherheit und eigenen Jitter mit, unabhängig davon, was auf der Zuleitung ankam. Die Entkopplung verschiebt das Problem vom Kabel ins Gerät, sie löst es nicht auf.

      Nicht zu verwechseln mit

      • S/PDIF koaxial: dieselben Daten über 75-Ohm-Kupfer, mit größerer Reichweite und ohne die Längenbegrenzung der Kunststofffaser.
      • Glasfaser im Datennetz: andere Fasertypen, andere Wellenlängen, andere Steckverbinder — mit TOSLINK nur das Wort „optisch" gemeinsam.
      • Optische HDMI-Kabel (AOC): HDMI-Stecker mit Faser im Inneren, für lange Bild- und Tonstrecken. Kein S/PDIF.
      • ADAT Lightpipe: benutzt denselben Steckverbinder, überträgt aber ein anderes Format mit acht Kanälen. Der Stecker sagt auch hier nichts über das Signal.

      Typischer Fehler

      Ein Wohnzimmer brummt. Fernseher, Streamer und ein aktiver Subwoofer hängen an derselben Anlage, der Ton kommt über den koaxialen Digitalausgang des Fernsehers, und im Netz steht, optisch löse das Problem. Der Kunde kauft ein optisches Kabel, steckt um — und das Brummen bleibt.

      Bevor irgendwo umgesteckt wird: Über welche zwei Wege ist der Ring geschlossen? Meist läuft der zweite Weg gar nicht über das Tonkabel, sondern über den Antennen- oder Kabelanschluss des Fernsehers oder über die Cinch-Leitung zum aktiven Subwoofer, deren Schirm zwei Schutzleiter miteinander verbindet. Solange dieser zweite Pfad steht, ändert der optische Ersatz für den ersten nichts.

      Die Abhilfe ist damit festgelegt: den Ring an genau einer Stelle auftrennen, und zwar an der, über die er tatsächlich läuft — Mantelstromfilter im Antennenweg, galvanische Trennung im Subwoofer-Signalweg, oder eben der optische Digitalausgang, wenn die Schleife dort verläuft. Erst danach kommt die Gerätefrage, und die ist dann klein: ein Bauteil für unter fünfzig Euro statt eines neuen Verstärkers.

      Zwei Dinge sollte man bei dieser Gelegenheit gleich mit klären, weil sie sonst als Folgeproblem wiederkommen: ob die gewünschten Tonformate über S/PDIF überhaupt ankommen — bei objektbasiertem Ton tun sie das nicht — und wie lang die optische Strecke werden soll. Fünf Meter sind die spezifizierte Grenze, und ein Leerrohr mit engen Bögen ist für Kunststofffaser der falsche Weg.

      Verknüpfte Inhalte

      Was über diese Schnittstelle überhaupt übertragen wird und wo ihre Formatgrenze liegt, steht bei S/PDIF; die professionelle Ausprägung derselben Datenstruktur bei AES3. Warum Fasern nicht beliebig eng gebogen werden dürfen, behandelt der Eintrag zum Mindestbiegeradius, die Unterschiede zu den Fasern in Datennetzen der Eintrag zum Lichtwellenleiter.

      Quellen

      Wellenlänge, Fasertyp, Steckverbindernorm, Übertragungsdistanz und Datenrate stammen aus dem Toshiba-Datenblatt zum Sendemodul TOTX147, das für diese Seite am Objekt gelesen wurde. Die Zuordnung der optischen Variante zu S/PDIF und zur Normreihe IEC 60958 folgt RaneNote 149; die Rechnung von der Abtastrate zur Datenrate dem Rahmenaufbau aus dem AES3-Normtext. Der Entkopplungsmechanismus eines asynchronen Sample-Rate-Converters gegen Eingangsjitter und die Einschränkung durch die eigene Unsicherheit der Wandlung folgen Dunn (Audio Precision / Nanophon, TN-23 Jitter Theory).

    Immersive Audio-Formate
    • Dolby Atmos

      Technologie

      Dolby Atmos

      Dolby Atmos ist das objektbasierte Tonformat von Dolby Laboratories. Im Kino läuft es seit Juni 2012, danach kam die Heimfassung über Blu-ray und Streamingdienste hinterher. Der Name steht allerdings für vier verschiedene Dinge, die alle zusammenkommen müssen, bevor etwas davon hörbar wird: eine Mischung, ein Trägerformat, eine Übertragungsstrecke und ein Gerät, das die Objekte auf die vorhandenen Lautsprecher rechnet. Auf Hüllen, in Datenblättern und in Streaming-Apps steht überall dasselbe Wort, und es meint jedes Mal eine andere Station dieser Kette.

      Bei älterem Filmton stand für jedes Geräusch schon beim Mischen fest, aus welcher Box es kommt. Dolby Atmos legt stattdessen fest, an welcher Stelle im Raum es sein soll, und Dein Gerät rechnet aus, welche Deiner Boxen das gemeinsam hinbekommen. Das Wort steht deshalb auf sehr verschiedenen Sachen: auf dem Film, auf der Leitung, auf dem Verstärker und auf Kopfhörern. Überall bedeutet es etwas anderes, und nur wenn die ganze Reihe zusammenpasst, hörst Du am Ende wirklich etwas über Dir. Ein Aufkleber am Gerät sagt Dir also, dass es mitspielen kann — nicht, wie gut es bei Dir klingt.

      Das zugrunde liegende Problem

      Warum die Branche vom Kanal zum Objekt gewechselt ist, steht beim objektbasierten Ton. Dolby stand danach vor einer zweiten Aufgabe, und die ist der Grund für fast alles, was das Format heute ausmacht.

      Im Kino durfte das Format groß ausfallen — Dolby beziffert die Größenordnung mit gut hundert gleichzeitigen Objekten über einem mehrkanaligen Bett, wiedergegeben über einen eigenen Prozessor im Vorführraum. Im Wohnzimmer gab es weder die Bandbreite noch den Prozessor noch die Bereitschaft, dafür die Anlage wegzuwerfen. Ein zweites Format neben dem bestehenden hätte außerdem jeden Anbieter gezwungen, jeden Film zweimal zu liefern.

      Dolbys Antwort setzte deshalb an dem an, was schon da war: an den vorhandenen Codecs, die um die Objektinformation erweitert wurden, an einem eigenen Verpackungsverfahren für die Objekte — und an einem Gerät, das ohnehin getauscht wird, sobald jemand Höhenlautsprecher anschließt. Die gesamte Rechenarbeit liegt seither im AV-Receiver. Was der Kunde dabei behalten kann, ist ausdrücklich Teil des Entwurfs: Dolby hält fest, dass ein spezifikationskonformer Blu-ray-Spieler keine neue Firmware braucht und die vorhandenen HDMI-Kabel ab Version 1.4 genügen.

      Funktionsweise

      Die Mischung. Eine Atmos-Fassung besteht aus einem kanalbasierten Bett und darüber einzelnen Objekten mit Positionsangabe. Für die Heimfassung mischen Studios das Kinomaster meist neu ab; Dolby nennt das einen Nahfeld-Mix. Zwei Filme mit demselben Logo können sich deshalb darin unterscheiden, wie viel überhaupt als Objekt vorliegt.

      Die Verpackung. Damit die Objektzahl eines Kinomasters durch die Bandbreite einer Disc oder einer Streamingleitung passt, verwendet Dolby ein Verfahren, das es Spatial Audio Coding nennt: Es codiert die Objekte unter Berücksichtigung ihrer räumlichen Information gemeinsam. Dolby grenzt es ausdrücklich gegen die früheren Matrixverfahren der Pro-Logic-Familie ab, bei denen Zusatzkanäle in ein vorhandenes Stereosignal eingebettet wurden. Hier wird nichts eingebettet, sondern codiert.

      Der Träger. Ausgeliefert wird über zwei bestehende Codecs, die Dolby dafür erweitert hat: Dolby TrueHD bekam einen vierten Teilstrom, Dolby Digital Plus einen erweiterten Dekoder. Welcher der beiden auf welchem Weg bei Dir ankommt und warum das über die Tonqualität entscheidet, steht bei Dolby Atmos übertragen.

      Der Renderer. Im Heimkino ist die Zuständigkeit eindeutig: Dolby schreibt, Dekodierung und Rendering würden vollständig vom AV-Receiver erledigt. Dort sitzt der Object Audio Renderer, der die eingetragene Lautsprecherkonfiguration mit den Positionsdaten der Objekte zusammenführt und laufend entscheidet, welche Lautsprecher gerade beteiligt sind. Die Konfiguration im Menü ist damit die Arbeitsgrundlage des Geräts und keine Formalie.

      Der Upmixer im selben Gehäuse. Jeder Atmos-Receiver enthält zusätzlich den Dolby-Surround-Upmixer, der Nachfolger der Pro-Logic-II-Familie. Er verteilt kanalbasiertes Material auf alle vorhandenen Lautsprecher einschließlich der Höhenpositionen — und ist damit der häufigste Grund dafür, dass Deckenlautsprecher spielen, obwohl gar keine Atmos-Mischung anliegt. Dolby beschreibt sein Verhalten genau: Er arbeitet im Frequenzbereich, und er speist weder die Wide-Positionen noch den Center-Surround, um das vordere Klangbild zu erhalten. Was ein Upmixer allgemein leistet, steht beim Upmixer.

      Voraussetzungen

      Vier Bedingungen müssen erfüllt sein, und drei davon werden regelmäßig übersehen, weil sie nichts kosten.

      Ein Gerät, das dekodiert und rendert. Im Heimkino ist das der AV-Receiver oder Prozessor. Dolby stellte schon 2018 fest, dass nahezu alle führenden Hersteller mehrere solcher Geräte anbieten — die Verfügbarkeit ist also keine Auswahlfrage mehr, die Ausbaustufe schon.

      Eine Strecke, die den Träger durchlässt. Für den Hinweg vom Zuspieler zum Verstärker genügt nach Dolbys Angabe HDMI ab Version 1.4. Der Rückweg vom Fernseher ist der Fall, in dem es eng wird; die Formatlisten stehen bei eARC und ARC.

      Ein Zuspieler auf Bitstream-Ausgabe. Gibt das Quellgerät bereits fertig dekodiertes Mehrkanal-PCM aus, bekommt der Renderer keine Objekte mehr zu sehen. Bei Blu-ray-Spielern kommt eine zweite Falle dazu: Ist die Betriebsart für Zweitton aktiv, gibt der Spieler ein Dolby-Digital-Signal aus, und nichts an der Anlage wirkt defekt.

      Lautsprecher über Ohrhöhe. Ohne sie rendert das Gerät die Objekte in die vorhandene Ebene, und das Ergebnis unterscheidet sich hörbar wenig von 5.1. Welche Aufbauten Dolby vorsieht, wie hoch und in welchem Winkel gehängt wird, ist eine eigene Frage — sie gehört zu den Lautsprecher-Setups und nicht zum Format.

      Abgrenzung

      Gegen das Prinzip. Objektbasierter Ton ist die Gattung, Dolby Atmos eine Ausprägung davon. Die normative Definition von Objekt, Metadaten und Renderer steht in einer ITU-Empfehlung und gilt für jedes solche Format; sie ist auf der Seite zum objektbasierten Ton belegt.

      Gegen die Trägerformate. Dolby TrueHD und Dolby Digital Plus gibt es auch ohne Atmos, seit Jahren, für rein kanalbasierten Ton. Umgekehrt existiert Atmos nie ohne einen der beiden. Wer „Atmos oder TrueHD?" fragt, stellt eine Frage, die keine Antwort hat.

      Gegen DTS:X. DTS:X ist das konkurrierende objektbasierte Marktformat. Im Prinzip sind beide gleich; planungsrelevant unterscheiden sie sich beim Inhaltsangebot, bei der Trägerlage und bei den Dekodiergrenzen. Diese Unterschiede stehen dort im Einzelnen.

      Gegen Dolby Vision. Beide Namen beginnen mit demselben Wort und tauchen auf denselben Hüllen auf. Dolby Vision betrifft ausschließlich das Bild. Ein Gerät kann das eine ohne das andere führen, und in der Praxis kommt beides regelmäßig getrennt vor.

      Gegen die Ziffernfolge. 7.1.4 beschreibt Deinen Aufbau, nicht die Tonspur; die Zählweise erklärt die Kanal-Notation. Dolby hat diese Schreibweise mit Atmos eingeführt, aber sie beschreibt seither jedes Layout mit Höhenebene, auch ohne Atmos.

      Gegen „Dolby Atmos" auf Kopfhörern und Soundbars. Dieselbe Mischung wird dort mit sehr wenigen Wandlern wiedergegeben, indem Richtungen berechnet statt besetzt werden. Das ist eine zulässige Anwendung des Formats und trotzdem ein anderes Ergebnis als eine besetzte Höhenebene. Beides führt denselben Namen, weil er die Mischung bezeichnet und nicht die Wiedergabe.

      Grenzen

      Der Name sagt nichts über die Ausführung. Zwischen einer Soundbar mit zwei nach oben gerichteten Wandlern und einem Raum mit 24 Lautsprechern am Boden und zehn über Kopf liegt der gesamte Markt — und beide Anlagen dürfen „Dolby Atmos" auf dem Karton führen. Das folgt unmittelbar daraus, dass der Renderer sich an jedes vorhandene Layout anpasst: Wo es keine Mindestbestückung gibt, gibt es auch keine Untergrenze für das Ergebnis. Für die Beratung ist die Angabe damit eine Eintrittskarte und kein Qualitätsmerkmal.

      Die Ausbaugrenzen sind Herstellerangaben. Dolby nennt als obere Grenze 34 Lautsprecher in der Anordnung 24.1.10. Diese Zahl beschreibt, was das Verfahren verarbeitet, und nicht, was ein Raum sinnvoll darstellt. Auch die Marktzahlen im ausgewerteten Dokument — über 500 Kinofilme, über 150 Mischstudios — beschreiben den Stand von Oktober 2016.

      Was das Gerät im Inneren rechnet, ist unveröffentlicht. Wie ein bestimmter Prozessor ein Objekt verteilt, das zwischen unbesetzten Positionen liegt, legt kein Hersteller offen, und eine unabhängige Gegenüberstellung mehrerer Geräte an derselben Tonspur ließ sich am 24.08.2026 nicht finden. Zwei Anlagen mit gleichem Layout können sich darin also unterscheiden, ohne dass jemand sagen kann, um wie viel.

      Die Zuständigkeit verschiebt sich gerade. Die Aussage „der Renderer sitzt im AV-Receiver" stammt aus dem Heimkino-Kontext und stimmt dort. Mit Dolby Atmos FlexConnect hat Dolby im August 2023 einen Aufbau vorgestellt, bei dem der Fernseher die Zusatzlautsprecher einbindet und deren Position mit eingebauten Mikrofonen selbst einmisst; die erste Umsetzung war für die TCL-Fernseher des Jahrgangs 2024 angekündigt. Für die Bauplanung ist das eine andere Anlage: Die Geräteklasse, an der die räumliche Darstellung hängt, steht nicht mehr fest.

      Verknüpfte Inhalte

      Wovon dieses Format eine Ausprägung ist, steht beim objektbasierten Ton. Die Trägerfrage — welcher der beiden Codecs auf welchem Weg ankommt — behandelt Dolby Atmos übertragen, die Formatgrenzen des Tonrückkanals eARC und ARC, und warum der optische Ausgang dabei ausfällt, Was über S/PDIF und TOSLINK passt.

      Welche Lautsprecheraufbauten Dolby vorsieht, behandeln die Atmos-Lautsprecher-Setups; was die Ziffern darin abzählen, die Kanal-Notation und für die mittlere Ziffer der LFE-Kanal. Die Bauform, die Höhe über die Decke spiegelt, steht bei den Aufsatzlautsprechern. Das konkurrierende Marktformat ist DTS:X; das gleichnamige Bildformat desselben Hauses ist Dolby Vision.

      Quellen

      Die Architektur aus Bett und Objekten, die Kinozahlen, der Object Audio Renderer, Spatial Audio Coding, der Dolby-Surround-Upmixer, die Erweiterung der beiden Trägercodecs sowie die Bedingungen am Zuspieler stammen aus dem Dolby-Whitepaper „Dolby Atmos for the Home Theater" vom Oktober 2016, das für diese Seite im Volltext gelesen wurde. Die Aussage, dass Dekodierung und Rendering vollständig im AV-Receiver stattfinden, sowie die Ausbaugrenze von 34 Positionen stehen zusätzlich in den Dolby Atmos Home Theater Installation Guidelines in der Fassung r3.1 vom Dezember 2018. Beides ist Herstellerdarstellung.

      Die Beschreibung von Dolby Atmos FlexConnect samt der akustischen Einmessung über Mikrofone im Fernseher stammt aus einer Dolby-Mitteilung vom 28. August 2023. Alle Angaben zum Marktstand beschreiben den Stand ihres jeweiligen Dokuments und nicht den heutigen.

      Nicht ausgewertet werden konnte die Entwicklerdokumentation von Dolby: Die Domain löst seit dem 06.08.2026 nicht mehr auf, zuletzt geprüft am 24.08.2026. Alle hier ausgewerteten Dolby-Dokumente liegen auf den weiterhin erreichbaren Domains dolby.com und professional.dolby.com.

    • Dolby TrueHD

      Glossar

      Dolby TrueHD

      Dolby TrueHD ist der verlustfreie Mehrkanalcodec von Dolby Laboratories. Er beruht auf Meridian Lossless Packing — Dolby setzt beide Namen in der eigenen Bitstrom-Beschreibung gleich — und arbeitet auf Material, das ursprünglich als lineares PCM vorliegt: Was der Dekoder ausgibt, ist bit-für-bit dasselbe, was der Encoder bekommen hat. Auf der Blu-ray Disc ist das Format zugleich der verlustfreie Träger für Dolby Atmos.

      Es gibt zwei Arten, Ton kleiner zu machen. Die eine wirft weg, was Du vermutlich ohnehin nicht hörst — dabei kommt weniger heraus, als hineinging. Die andere packt nur geschickter, so wie ein Reißverschluss beim Kofferpacken: Nach dem Auspacken ist alles wieder da, Stück für Stück. Dolby TrueHD ist die zweite Art. Sie schafft ungefähr die halbe Größe, garantiert Dir aber genau das, was im Studio abgemischt wurde. Der Preis dafür ist Platz auf der Leitung: Über schmale Wege kommt dieses Format nicht durch, und deshalb ist die Scheibe sein gewohnter Ort.

      Ausführliche Erklärung

      Was „verlustfrei" hier heißt

      Dolby beschreibt das Verfahren als verlustfreies Codiersystem für hochwertige Audiodaten, die ursprünglich als lineares PCM vorliegen. Die Größenersparnis beziffert die Bitstrom-Beschreibung nüchtern über die Wortbreite: Die Spitzendatenrate sinkt um den Gegenwert von vier Bit oder mehr bei 48 kHz und von acht Bit bei 96 kHz. Ein Signal mit 24 Bit und 96 kHz wird also effektiv auf 16 Bit zusammengedrückt. Daraus rechnet Dolby zwei Beispiele: sechs Kanäle mit 24 Bit und 96 kHz passen in 9,6 Mbit/s, acht Kanäle in 13,8 Mbit/s. Auf der Produktseite steht dieselbe Aussage gröber — Dateien etwa halb so groß wie unkomprimiertes PCM.

      Ein Nebeneffekt des Verfahrens verdient eine eigene Erwähnung, weil er den Unterschied zu einem verlustbehafteten Codec zeigt: Signale, die die verfügbare Bandbreite gar nicht ausnutzen, sparen automatisch Platz. Dolby nennt als Beispiel den Tieffrequenzkanal. Dort steckt schlicht weniger Information, und die Kompression bemerkt das von selbst. Ein verlustbehaftetes Verfahren müsste dafür eine Entscheidung treffen; hier fällt die Ersparnis an, ohne dass jemand etwas festlegt.

      Warum die Datenrate schwankt — und was die 18 Mbit/s bedeuten

      Verlustfreie Kompression erzeugt eine von Natur aus schwankende Datenrate: Leicht zu packende Passagen brauchen wenig Platz, schwierige viel. Für einen Träger mit fester Kapazität ist das ein Problem, und Dolby löst es über einen zwischen Encoder und Decoder synchronisierten FIFO-Puffer. Leichte Abschnitte werden dem Dekoder schneller geliefert, als er sie braucht, und füllen den Puffer vor; kommt dann eine schwierige Passage, darf sie langsamer nachfließen, weil der Vorrat sie überbrückt. Die Mindestgröße dieses Puffers gibt Dolby mit 120 000 Byte an.

      Damit lässt sich die Grenze einhalten, die für Blu-ray-Ströme gilt: Die Spitzendatenrate beträgt 18 Mbit/s. Das ist eine Obergrenze für Spitzen und keine Angabe darüber, wie viel eine Tonspur im Mittel belegt — und es ist erst recht keine Qualitätsangabe. Zwei verlustfreie Formate mit verschiedenen Höchstraten liefern dasselbe Ergebnis; die Zahl sagt nur, wie viel Platz die jeweilige Kompression im ungünstigsten Fall braucht.

      Dolby TrueHD
      Codierungverlustfrei, auf PCM-Material
      Format: Kanälebis 32, jeweils bis 24 Bit
      Format: Abtastraten44,1 bis 192 kHz
      Blu-ray Disc8 Kanäle bei 96 kHz/24 Bit oder 6 Kanäle bei 192 kHz/24 Bit
      Blu-ray Disc: Spitzendatenrate18 Mbit/s
      Größenersparnisrund die Hälfte gegenüber unkomprimiertem PCM
      Abwärtskompatibilitätüber eine getrennte Dolby-Digital-Spur auf der Scheibe

      Die Zeile mit den Kanälen zeigt eine Unterscheidung, die auf Datenblättern regelmäßig verschwimmt: Das Format erlaubt bis zu 32 Kanäle, die Blu-ray-Anwendung acht. Dolby beschreibt für die Scheibe eine eigene Bitstrom-Syntax (FBA), von der die DVD-Audio-Fassung abweicht.

      Drei Mischungen in einem Strom

      Ein einzelner TrueHD-Datenstrom kann nach Dolbys Angabe bis zu drei getrennte Mischungen enthalten: 7.1, 5.1 und Stereo. Der Inhalteanbieter kann jede davon eigens abstimmen, statt sich auf eine automatische Abwärtsmischung zu verlassen. Die Bitstrom-Beschreibung nennt dazu die technische Seite: Ein Zweikanaldekoder mit geringem Rechen- und Speicherbedarf kann aus einem Mehrkanalstrom eine Stereomischung gewinnen — gedacht für einfache und tragbare Geräte.

      Dazu kommen Metadaten aus derselben Familie wie beim älteren Dolby-Codec. Die Dialognormalisierung hält den Sprachpegel konstant, wenn zwischen TrueHD, Dolby Digital und Dolby Digital Plus gewechselt wird; eine Dynamikbegrenzung senkt die Spitzenpegel für leises Hören. Was diese Werte genau steuern, steht bei der Dialognormalisierung.

      Kein Kern für alte Geräte — eine zweite Spur

      An dieser Stelle unterscheidet sich die Dolby-Familie am deutlichsten von der DTS-Familie, und Dolby erklärt die Entscheidung im eigenen Techpaper. Ein verlustbehafteter Kern mit einer verlustfreien Erweiterung darüber beeinträchtige nach Dolbys Darstellung entweder die verlustbehaftete Ebene — weil beim Zurückrechnen Codierartefakte hörbar werden — oder die verlustfreie, weil sie zusätzliche Kanäle mitschleppen muss. Dolby führt deshalb einen eigenständigen verlustfreien Codec ohne verlustbehafteten Unterbau.

      Die Abwärtskompatibilität entsteht dann an anderer Stelle: Auf der Scheibe liegt neben der TrueHD-Spur eine begleitende Dolby-Digital-Kinomischung mit 5.1 Kanälen und 640 kbit/s. Für die Beratung folgt daraus etwas Handfestes. Wenn ein Gerät in der Kette TrueHD nicht durchlässt, greift kein Rückfall innerhalb des Datenstroms — der Zuspieler wechselt auf eine andere Tonspur der Scheibe oder dekodiert selbst und schickt PCM. Was genau passiert, entscheidet die Einstellung im Zuspieler und nicht das Format.

      Als Träger für Dolby Atmos

      Auf der Blu-ray Disc ist Dolby TrueHD der verlustfreie der beiden Trägerformate für Dolby Atmos; der andere ist der verlustbehaftete Nachfolger von Dolby Digital. Die Objektinformation kommt in beiden Fällen unverändert an, der Ton darunter dagegen in verschiedener Qualität. Welcher Weg durch die Anlage welchen Träger zulässt und wo unterwegs gewechselt wird, führt Dolby Atmos übertragen aus; diese Seite beschreibt das Format und wiederholt die Trägerfrage nicht.

      Für die Strecke zählt eine Angabe aus der Formatliste des HDMI-Lizenzgebers: Dolby TrueHD steht in der Liste der neueren Ausbaustufe des Tonrückkanals und fehlt bei der älteren. Die Einzelheiten stehen bei eARC und ARC.

      Außerhalb der Scheibe: der geladene Kauffilm

      Dolby nennt auf der eigenen Produktseite neben der Blu-ray Disc auch gestreamte und heruntergeladene Quellen, ohne dazu einen Dienst zu benennen. Für die heruntergeladene Quelle gibt es einen belegten Fall: Der Filmladen von Kaleidescape verkauft und verleiht Filme als Download, und der Anbieter gibt für diese Dateien verlustfreien Ton an — Dolby Atmos ausdrücklich auf Dolby TrueHD, daneben DTS-HD Master Audio und DTS:X. Die Abspielgeräte der Strato-Reihe geben diese Formate als Bitstrom über HDMI an den Prozessor aus, also in derselben Form wie ein Scheibenlaufwerk. Der Prüfbericht der Fachpublikation ecoustics vom 8. November 2025 hat eine solche Tonspur am Gerät abgespielt und als verlustfreies Dolby TrueHD mit Atmos beschrieben; die Angaben des Anbieters standen am 1. September 2026 so auf dessen Seiten.

      Für die Planung zählt daran das Verfahren, nicht der Laden: Der Film liegt vollständig auf einem Gerät im Haus, bevor er abgespielt wird. Was die Internetleitung im Moment der Wiedergabe hergibt, entscheidet dann nichts mehr — die Spitzenrate muss der lokale Speicher liefern. Ab diesem Gerät gelten dieselben Fragen wie bei einer Scheibe: Bitstream oder eigene Dekodierung, und welche Ausbaustufe der Rückkanal führt, falls der Weg über den Fernseher läuft.

      Häufiges Missverständnis

      „Verlustfrei klingt automatisch besser." Verlustfrei heißt zunächst: identisch mit dem Master. Ob dieser Unterschied im Wohnzimmer ankommt, hängt an Raum, Lautsprechern, Pegel und Material — und daran, wie gut die verlustbehaftete Alternative eingestellt war. Netflix stuft für 5.1 bereits 640 kbit/s nach eigenen und von Dolby beigestellten Hörtests als vom Studiomaster ununterscheidbar ein. Klar, die Garantie hat trotzdem Wert: Bei einem verlustfreien Träger muss niemand über Hörbarkeit diskutieren, weil nichts weggelassen wurde. Nur ist es eine Gewissheit über den Datenstrom und nicht über den Klang im Raum.

      „TrueHD hat einen Kern wie DTS, also kommt notfalls eine kleinere Fassung an." Diese Erwartung stammt aus der anderen Familie und stimmt hier nicht. Im Datenstrom steckt kein verlustbehafteter Unterbau. Was bei einer überforderten Strecke ankommt, ist eine andere Tonspur oder ein anderes Format, das ein Gerät in der Kette erzeugt.

      „Die 18 Mbit/s sind die Datenrate der Tonspur." Es ist die Grenze für Spitzen. Der Puffer im Dekoder ist genau dafür da, dass der mittlere Bedarf darunter bleibt und schwierige Passagen trotzdem vollständig ankommen.

      Nicht zu verwechseln mit

      Dolby Digital Plus ist der verlustbehaftete Codec derselben Familie und der übliche Weg für Streaming und Rundfunk. Eine verlustfreie Erweiterung von Dolby Digital Plus gibt es nicht; siehe Dolby Digital Plus.

      Dolby Atmos benennt keinen Codec. Es ist die Objektinformation, die in diesem Format oder im verlustbehafteten Träger mitreist; das Prinzip dahinter erklärt die Technologieseite zum objektbasierten Ton.

      DTS-HD Master Audio ist das direkte Gegenstück aus der anderen Familie: ebenfalls verlustfrei, ebenfalls der Weg von der Scheibe, ebenfalls Träger für objektbasierten Ton. Der Aufbau ist ein anderer, weil dort eine verlustfreie Schicht auf einem verlustbehafteten Kern sitzt und beides in einem Datenstrom liegt. Was das für den Rückfall bedeutet, steht bei DTS-HD.

      Unkomprimiertes Mehrkanal-PCM ist das, was ein Zuspieler ausgibt, wenn er selbst dekodiert. Es klingt identisch, belegt aber deutlich mehr Bandbreite, und der Verstärker zeigt dann kein Format an. Das allgemeine Prinzip hinter dem Packen ohne Verlust steht bei verlustfreier Kompression.

      Aus der Praxis

      Ein Kunde hat eine gewachsene Blu-ray-Sammlung und einen neuen Prozessor, der TrueHD beherrscht. Trotzdem zeigt das Display bei vielen Scheiben ein anderes Format an. Wie sonst auch gilt zuerst: Welchen Weg nimmt der Ton — und was ist im Zuspieler eingestellt?

      Drei Ursachen kommen in Betracht, und keine davon ist ein Defekt. Erstens kann die Scheibe eine andere Tonspur voreingestellt haben; die begleitende Dolby-Digital-Mischung liegt auf 7.1-Titeln ohnehin daneben, und manche Menüs wählen sie als Standard. Zweitens kann der Zuspieler auf PCM statt auf Bitstream stehen — dann dekodiert er selbst, das Ergebnis ist klanglich gleichwertig, aber der Prozessor zeigt kein Format mehr an und übernimmt auch keine Nachbearbeitung im Datenstromformat. Drittens kann der Ton über den Fernseher zurücklaufen, und die ältere Ausbaustufe des Rückkanals nimmt dieses Format nicht auf.

      Zwei davon lassen sich in fünf Minuten prüfen, bevor über Geräte geredet wird: die Tonspurwahl im Scheibenmenü und die Ausgabeeinstellung im Zuspieler. Bleibt die dritte übrig, ist es keine Einstellungsfrage mehr, sondern eine des Signalwegs — und dann lautet die bessere Frage, ob das Laufwerk überhaupt über den Fernseher laufen muss.

      Verknüpfte Inhalte

      Das Prinzip hinter dem Packen ohne Informationsverlust steht bei verlustfreier Kompression; was Bittiefe und Abtastrate bedeuten, bei Bittiefe und Bitrate und Datenrate.

      Die beiden verlustbehafteten Formate derselben Familie stehen bei Dolby Digital und Dolby Digital Plus, das verlustfreie Gegenstück der anderen Familie bei DTS-HD. In welchem Träger Dolby Atmos über welchen Weg ankommt, behandelt Dolby Atmos übertragen; welche Formate der Tonrückkanal zulässt, eARC und ARC. Wie weit die Tonformate von Scheibe und Stream auseinanderliegen, vergleicht UHD-Blu-ray gegen Streaming.

      Quellen

      Die Gleichsetzung mit Meridian Lossless Packing, die Beschreibung als verlustfreies Codiersystem auf PCM-Material, der Gewinn von vier beziehungsweise acht Bit Wortbreite samt den Beispielrechnungen 9,6 und 13,8 Mbit/s, die Formatgrenzen von 32 Kanälen, 24 Bit und 44,1 bis 192 kHz, die Trennung von FBA- und FBB-Syntax, die FIFO-Glättung mit mindestens 120 000 Byte Puffer sowie die Spitzendatenrate von 18 Mbit/s für Blu-ray-Ströme stammen aus der Dolby-Bitstrom-Beschreibung vom 7. Februar 2018. Die Domain, auf der Dolby das Dokument selbst veröffentlicht hat, ließ sich am 24.08.2026 nicht mehr auflösen; gelesen wurde eine Momentaufnahme vom 30.12.2024 im Webarchiv.

      Die Blu-ray-Werte von acht Kanälen bei 96 kHz und sechs bei 192 kHz, die Angabe zur halben Dateigröße, die drei Mischungen in einem Datenstrom, die Metadaten und die begleitende Dolby-Digital-Spur mit 640 kbit/s stehen auf der Dolby-Produktseite, dort ohne Datumsangabe. Die Begründung gegen einen verlustbehafteten Kern mit verlustfreier Erweiterung steht im Dolby-Techpaper von 2008 und ist eine Herstellerdarstellung; sie beschreibt die eigene Entwurfsentscheidung und ist kein Prüfergebnis.

      Dass Dolby TrueHD auf der Blu-ray Disc der verlustfreie der beiden Atmos-Träger ist, stammt aus dem Dolby-Whitepaper zu Atmos im Heimkino vom Oktober 2016 und ist bei den Atmos-Trägerformaten im Einzelnen belegt. Dass das Format in der Liste der neueren Rückkanal-Ausbaustufe steht, gibt der HDMI-Lizenzgeber an; die Fundstelle wird beim Eintrag zu eARC und ARC geführt.

      Der Fall außerhalb der Scheibe stützt sich auf zwei Kaleidescape-Seiten, die beide keinen eigenen Stand ausweisen und deshalb nur den Tag ihres Abrufs belegen — den 01.09.2026 —, sowie auf den ecoustics-Prüfbericht vom 8. November 2025, der die Formatangabe unabhängig vom Anbieter gegenprüft. Was die Dolby-Formulierung sonst noch meinen kann, ist damit nicht abschließend beantwortet; für das laufende Streamen verlustfreien Dolby-Tons lag am selben Tag keine Fundstelle vor.

    • DTS-HD Master Audio

      Glossar

      DTS-HD (Master Audio und High Resolution Audio)

      DTS-HD benennt keine einzelne Tonspur. Es ist die Sammelbezeichnung für die Erweiterungen, die DTS ab 2006 auf den Kern von 1996 gesetzt hat, und zwei davon stehen auf Datenblättern: DTS-HD Master Audio arbeitet verlustfrei, DTS-HD High Resolution Audio verlustbehaftet mit konstanter Datenrate. Beide sitzen im selben Datenstrom auf demselben verlustbehafteten 5.1-Kern.

      Auf einer Blu-ray liegt der DTS-Ton wie eine Zwiebel: innen die alte, kleine Fassung, die jedes Gerät versteht, außen eine größere Schale mit allem, was zusätzlich hineinpasst. Von dieser Schale gibt es zwei Sorten — eine, die den Studioton exakt wiederherstellt, und eine sparsamere, die etwas weglässt. Beide heißen im Handel „DTS-HD", und genau darum sagt die Angabe allein noch nichts. Kommt Deine Anlage an die Schale nicht heran, bleibt die alte Fassung übrig, und es klingt weiter ordentlich. Nur eben nach 1996.

      Ausführliche Erklärung

      Die Erweiterungen und die zwei Handelsnamen

      Die Spezifikation ETSI TS 102 114 führt sechs Verfahren neben dem Kern. Vier davon zählt sie als Kern-Erweiterungen: XCH für den hinteren Mittenkanal, X96 für die höhere Abtastrate, XBR für höhere konstante Datenraten und XXCH für zusätzliche Kanäle. Dazu kommen XLL für die verlustfreie Codierung und LBR für sehr niedrige Datenraten. Das Whitepaper von 2006 zählt nur vier Erweiterungen, weil es XCH und X96 unter ihren Handelsnamen DTS-ES und DTS 96/24 dem Kernkapitel zuschlägt; seit 2006 ist kein Codierverfahren hinzugekommen. Neu sind in den jüngeren Fassungen die Anhänge zur Auslieferung über MPEG-DASH und CMAF.

      Für die beiden Namen auf dem Datenblatt zählen zwei davon. XLL codiert verlustfrei mit variabler Datenrate; der normative Anhang der Spezifikation nennt für die zugehörigen Stromkonstruktionen 24 576 kbit/s als Höchstrate, was das Whitepaper für die Blu-ray Disc auf 24,5 Mbit/s rundet und für die HD DVD mit 18,0 Mbit/s angibt. XBR hebt die konstante Datenrate an: Die Spezifikation setzt dafür eine Schwelle statt einer Obergrenze — XBR erlaubt Gesamtraten oberhalb von 1,5 Mbit/s, während darunter ein Kern mit garantiert abwärtskompatiblen 1,5 Mbit/s bestehen bleibt; der Anhang führt 6 144 kbit/s als Höchstrate, im Whitepaper gerundet auf 6,0 Mbit/s für die Blu-ray Disc und 3,0 Mbit/s für die HD DVD. XXCH verbindet den abwärtskompatiblen Kern von höchstens 5.1 mit bis zu 32 zusätzlichen Kanälen. LBR ist das Niedrigraten-Verfahren für Zweitton, Rundfunk und Netzanwendungen, im Handel DTS Express; das Whitepaper führt es unter dem Namen XSA.

      Die beiden Handelsnamen entstehen aus Kombinationen dieser Bausteine: DTS-HD Master Audio ist der Kern plus die verlustfreie Schicht, DTS-HD High Resolution Audio der Kern plus die höherratige, aber weiterhin verlustbehaftete Schicht. DTS selbst bezeichnet High Resolution Audio ausdrücklich als „lossy audio stream" — daran hängt die praktisch wichtigste Unterscheidung dieser Seite.

      DTS-HD Master AudioDTS-HD High Resolution Audio
      ErweiterungXLLXBR
      Codierungverlustfreiverlustbehaftet
      Datenrate laut Spezifikationvariabel, bis 24 576 kbit/skonstant, bis 6 144 kbit/s
      Blu-ray Disc laut Whitepaperbis 24,5 Mbit/süber 1,509 bis 6,0 Mbit/s
      HD DVD laut Whitepaperbis 18,0 Mbit/sbis 3,0 Mbit/s
      Kanäle auf der Scheibebis 7.1 diskret bei 96 kHz/24 Bitbis 7.1 bei 96 kHz/24 Bit
      Zwei Kanälebis 192 kHz/24 Bit—
      Platzbedarf auf der Scheibehochdeutlich geringer

      Die letzte Zeile ist der Grund, warum es beide gibt. DTS beschreibt die Wahl als Frage des Bit-Budgets: Wie viel Platz eine Produktion dem Ton zugesteht, entscheidet über Datenrate, Abtastrate und Bittiefe — und damit darüber, welche der beiden Fassungen auf die Scheibe kommt.

      Wie die verlustfreie Schicht entsteht

      Der Encoder teilt das Signal in zwei Wege. Der eine geht in den Kernencoder und wird anschließend wieder dekodiert. Der andere vergleicht das Original mit diesem dekodierten Kern und erzeugt die Differenz — DTS nennt sie Residuen. Diese Differenz ist genau das, was dem Kern zur Originalfassung fehlt; sie wird verlustfrei codiert und mit dem Kern zusammengepackt. Beim Abspielen läuft dasselbe rückwärts.

      Aus diesem Aufbau folgen zwei Dinge, die auf Datenblättern selten zusammen stehen. Erstens ist die verlustfreie Codierung immer variabel: Wie viel die Differenz braucht, hängt am Material und lässt sich nicht vorher festlegen. Zweitens hängt die verlustfreie Schicht am Kern — sie beschreibt die Abweichung von ihm und ergibt für sich genommen keinen Ton.

      Es gibt eine Ausnahme, und DTS grenzt sie selbst ein: Master Audio lässt sich auch ohne Kern verwenden. Das macht den Datenstrom sparsamer und den Dekoder einfacher, kostet aber die Abwärtskompatibilität — weshalb DTS diesen Fall für Archivierung und Kino nennt und nicht für die Scheibe im Wohnzimmer. Die Spezifikation führt diesen Alleinbetrieb als eigene Stromkonstruktion mit dem Codingname dtsl und schließt genau sie aus dem Profil für die CMAF-Auslieferung aus.

      Wie weit XLL für sich reicht, sagt die Spezifikation ebenfalls: Die Höchstabtastrate beträgt 384 kHz, und oberhalb von 96 kHz teilt das Verfahren das Signal in zwei, oberhalb von 192 kHz in vier Frequenzbänder. Eine Kanalgrenze nennt sie an dieser Stelle nicht — die 7.1 und die 192 kHz aus der Tabelle oben sind Grenzen der Blu-ray Disc und der HD DVD. DTS ordnet die 7.1 in seinem Jahresbericht von 2006 selbst ausdrücklich den Spezifikationen dieser beiden Scheibenformate zu.

      Der Datenstrom ist ein einziger

      Kern und Erweiterungen liegen in einem gemeinsamen Datenstrom, aufgeteilt in fünf Substreams: einen für den Kern und bis zu vier für Erweiterungen. Die Acht-Asset-Grenze gehört dabei den Erweiterungs-Substreams — jeder von ihnen fasst bis zu acht Audio Assets, während die Daten des Kern-Substreams standardmäßig zum ersten Asset zählen. Welche davon zusammen gespielt werden, legen Metadaten fest; DTS nennt eine solche Zusammenstellung eine Presentation, und mehrere davon können in einem Strom liegen.

      Für die Wiedergabe gilt dann eine Regel, die DTS selbst formuliert: Der Dekoder im Heimkino bestimmt die erreichte Qualitätsstufe und wählt immer die höchstmögliche. Die Komplexität liegt im Encoder, nicht im Abspielgerät. Das ist die freundliche Seite. Die unfreundliche steht wenige Kapitel davor, und DTS führt sie als Verkaufsargument: Ein vorhandener Verstärker mit DTS-Dekodierung gibt eine Master-Audio-Spur als Kern mit 1,5 Mbit/s wieder. Er meldet dabei nichts, weil aus seiner Sicht auch nichts fehlt.

      Was die Strecke daraus macht

      DTS hat den Fall früh beschrieben, und die historischen Angaben sind lehrreich, weil sie das Muster zeigen. Über HDMI 1.1 und 1.2 ließ sich der Master-Audio-Bitstrom nicht durchreichen; der Zuspieler musste selbst dekodieren und sechs bis acht Kanäle lineares PCM ausgeben. Für die Ausgabe als Bitstrom war HDMI 1.3 an beiden Geräten nötig. Über den Digitalausgang kommt bis heute nur der Kern an, weil dort ein Trans-Coder im Zuspieler den DTS-HD-Datenstrom darauf zurückführt.

      Heute liegt die Grenze woanders, aber sie funktioniert gleich: DTS-HD Master Audio steht in der Formatliste der neueren Ausbaustufe des Tonrückkanals und fehlt bei der älteren (Einzelheiten bei eARC und ARC). Was in solchen Fällen unterwegs geschieht und an welchen drei Stellen der Träger gewechselt wird, führt DTS:X übertragen aus.

      Als Träger für DTS:X

      Auf der Blu-ray Disc ist DTS-HD Master Audio zugleich der Träger für objektbasierten Ton. DTS gibt in der Ankündigung von 2015 an, DTS:X baue auf dem bestehenden Master Audio auf, um abwärtskompatibel zu vorhandenen DTS-Datenströmen und Lautsprecher-Layouts zu bleiben. Die Objektinformation ist damit eine weitere Schicht über einem Kern, den auch ein Gerät von 2004 noch versteht. Wie die Objektdaten im Datenstrom im Einzelnen untergebracht sind, steht auf dieser Seite nicht — dafür liegt keine Herstellerbeschreibung vor.

      Häufiges Missverständnis

      „Auf dem Datenblatt steht DTS-HD, also ist es verlustfrei." Der Name deckt beide Fassungen ab, und nur eine davon ist verlustfrei. Auf Gerätedatenblättern hat die Angabe außerdem eine andere Bedeutung als auf einer Filmhülle: Beim Gerät sagt sie, was der Dekoder kann, beim Film, was tatsächlich codiert wurde. Die brauchbare Frage lautet in beiden Fällen: Master Audio oder High Resolution Audio?

      „24,5 Mbit/s gegen 18 Mbit/s — dann ist DTS verlustfreier als Dolby." Verlustfrei ist keine Steigerungsform. Beide Verfahren rekonstruieren das Master bit-für-bit; die Zahlen sagen, wie viel Platz die jeweilige Kompression im ungünstigsten Fall braucht, und nicht, wie viel vom Original übrig ist. Wer beide vergleichen will, vergleicht sinnvollerweise die Architektur — und die unterscheidet sich wirklich, weil Dolby seinen verlustfreien Codec bewusst getrennt hält (siehe Dolby TrueHD).

      „Wenn die Anlage die Erweiterung nicht schafft, gibt es eine Fehlermeldung." Das Gegenteil ist der Fall, und es ist Absicht. Der Kern kommt an, das Display zeigt DTS, die Anlage spielt. Wer den Unterschied bemerken will, muss auf die genaue Formatbezeichnung im Display achten oder den Signalweg prüfen.

      Nicht zu verwechseln mit

      DTS Digital Surround ist der Kern, auf dem beide DTS-HD-Fassungen sitzen — ein Bestandteil desselben Datenstroms und kein Vorgängerformat daneben. Was er leistet und woher seine Datenrate stammt, steht bei DTS Digital Surround.

      DTS-UHD gehört einer anderen Generation an. Die Spezifikation ordnet es als drittes Auslieferungsformat ein, während Kern und DTS-HD-Erweiterungen die ersten beiden bilden; sie waren vorrangig für kanalbasierten Ton entworfen. DTS-UHD hat mit dieser Familie den Aufbau nicht gemeinsam und ist der Weg für Streaming — Einzelheiten bei DTS-UHD.

      DTS-HD LBR, im Handel DTS Express, ist das Niedrigraten-Verfahren für Zweitton, Rundfunk und Netzanwendungen. Es gehört zu dieser Familie, ist aber anders angeschlossen als Master Audio und High Resolution Audio: Laut Spezifikation tritt LBR an die Stelle von Kern und Erweiterungen und bleibt dabei im selben Ökosystem. Als Zahlen nennt die Spezifikation 5.1 Kanäle in Rundfunkqualität ab 192 kbit/s und für den LBR-Stromtyp eine Höchstrate von 768 kbit/s; die im Handel verbreitete Angabe von 24 kbit/s je Kanal stammt aus dem Whitepaper von 2006. Die Verwechslung mit dem Streamingformat der dritten Generation liegt nahe, weil beide für schmale Wege gedacht sind.

      DTS:X benennt keinen Codec, sondern objektbasierten Ton, der in einem Träger mitreist. Von der Scheibe ist dieser Träger Master Audio, über Streamingwege ein anderer; die Aufteilung führt DTS:X übertragen aus.

      Dolby TrueHD ist das verlustfreie Gegenstück der anderen Familie, aber anders gebaut: ein eigenständiger Codec ohne verlustbehafteten Unterbau, dessen Abwärtskompatibilität über eine zweite Tonspur auf der Scheibe entsteht.

      Zwei Namen im Tonmenü

      Eine Blu-ray bietet im Tonmenü zwei DTS-Fassungen an, eine als „DTS-HD MA" und eine als „DTS-HD HR" bezeichnet. Der Kunde fragt, welche er nehmen soll und ob der Unterschied überhaupt zählt.

      Die Auswahl entscheidet über die Codierung und nicht über den Geschmack: Master Audio stellt die Studiofassung wieder her, High Resolution Audio lässt weg. Beide bieten bis zu 7.1 Kanäle bei 96 kHz und 24 Bit, unterscheiden sich also nicht in der Layoutgröße. Wenn beide Fassungen auf derselben Scheibe liegen, ist Master Audio die naheliegende Wahl — die Produktion hat den Platz dafür ohnehin schon ausgegeben.

      Interessant wird es beim nächsten Schritt, und der betrifft die Kette: Was die Anlage aus der Auswahl macht, entscheidet die schwächste Stelle der Strecke. Ist der Weg zu schmal, kommt bei beiden Fassungen derselbe 5.1-Kern an — die Auswahl im Menü ändert daran nichts. Welcher Weg welche Fassung durchlässt und an welchen Stellen unterwegs gewechselt wird, steht bei DTS:X übertragen; die Empfehlung zum Signalweg gehört dorthin und wird hier nicht wiederholt.

      Am Gerät bleiben zwei Fragen: Beherrscht der Prozessor die verlustfreie Erweiterung als Bitstrom — oder gibt der Zuspieler stattdessen Mehrkanal-PCM aus, was klanglich gleichwertig ist, aber die Nachbearbeitung im Prozessor verändert? Und steht der Zuspieler überhaupt auf Bitstream-Ausgabe?

      Verknüpfte Inhalte

      Der Kern unter beiden Fassungen steht bei DTS Digital Surround, das davon unabhängige Streamingformat bei DTS-UHD. Welcher Träger DTS:X über welchen Weg bringt und wo unterwegs gewechselt wird, behandelt DTS:X übertragen.

      Das verlustfreie Gegenstück der Dolby-Familie ist Dolby TrueHD, das verlustbehaftete oberhalb des Basiscodecs Dolby Digital Plus. Warum über den Digitalausgang nur der Kern passt, rechnet Was über S/PDIF und TOSLINK passt vor; welche Formate der Tonrückkanal zulässt, steht bei eARC und ARC.

      Das allgemeine Prinzip hinter der verlustfreien Schicht erklärt verlustfreie Kompression; was Bittiefe und Datenrate aussagen, Bittiefe und Bitrate und Datenrate. Wie weit die Tonformate von Scheibe und Stream auseinanderliegen, vergleicht UHD-Blu-ray gegen Streaming.

      Quellen

      Die Namen und die Zahlen des Verfahrens stehen seit dem 01.09.2026 auf der Spezifikation ETSI TS 102 114 in der Fassung V1.6.1 vom August 2019, die für diesen Nachzug am Objekt gelesen wurde. Aus ihr stammen die Erweiterungsliste XCH, X96, XBR, XXCH, XLL und LBR (Abschnitte 6.1, 8 und 9), die Schwelle von 1,5 Mbit/s bei XBR (Abschnitt 6.3.1), die Reichweite von XXCH mit bis zu 32 zusätzlichen Kanälen über einem Kern von höchstens 5.1 (Abschnitte 4.1 und 6.5.1), die bitgenaue Rekonstruktion, die Höchstabtastrate von 384 kHz und die Bandteilung bei XLL samt seinem Alleinbetrieb (Abschnitte 8.1 und 8.2.5), die Stromkonstruktion mit dem Codingname dtsl und ihr Ausschluss aus dem CMAF-Profil (Anhänge E und H), die Höchstraten 24 576 kbit/s, 6 144 kbit/s und 768 kbit/s (Anhang H), die Aufteilung in bis zu vier Erweiterungs-Substreams mit je bis zu acht Audio Assets (Abschnitte 7.3.1 und 7.5.2) sowie die Einordnung von LBR als Verfahren, das an die Stelle von Kern und Erweiterungen tritt (Abschnitt 9.1). ETSI schützt das Dokument urheberrechtlich; hier stehen deshalb Zahlenwerte, Tabellen- und Abschnittsnummern, keine Passagen im Wortlaut.

      Aus dem DTS-Whitepaper zu DTS-HD Audio vom November 2006, das für diese Seite im Volltext gelesen wurde, bleibt das, worüber die Spezifikation nichts sagt: die Zusammensetzung der beiden Handelsnamen, das Residuen-Verfahren der verlustfreien Schicht, die Regel, dass verlustfreie Codierung immer variabel arbeitet, die Trägergrenzen der Blu-ray Disc und der HD DVD (24,5 und 6,0 gegen 18,0 und 3,0 Mbit/s, die 7.1 Kanäle, 96 und 192 kHz), der Einstiegswert von 24 kbit/s je Kanal für den Zweitton, die Bezeichnung von High Resolution Audio als verlustbehaftet, die Presentations, die historischen HDMI-Angaben und der Trans-Coder-Weg über den Digitalausgang. Es ist eine Herstellerdarstellung mit Datenstand November 2006. Dass DTS die 7.1 selbst den Spezifikationen von Blu-ray Disc und HD DVD zuordnet, steht im Jahresbericht (Form 10-K) des Unternehmens für das Geschäftsjahr 2006.

      Dass DTS:X auf Master Audio aufsetzt, steht in der DTS-Ankündigung vom April 2015 und ist bei den DTS:X-Trägerformaten im Einzelnen belegt. Die Einordnung als zweite von drei Generationen der DTS-Auslieferungsformate stammt aus ETSI TS 103 491 und ist beim Eintrag zu DTS-UHD belegt. Dass Master Audio in der Formatliste der neueren Rückkanal-Ausbaustufe steht, gibt der HDMI-Lizenzgeber an; die Fundstelle wird beim Eintrag zu eARC und ARC geführt.

    • Dolby Digital Plus

      Glossar

      Dolby Digital Plus (E-AC-3)

      Dolby Digital Plus ist der verlustbehaftete Nachfolger von Dolby Digital. Technisch heißt das Verfahren Enhanced AC-3, kurz E-AC-3, und es steht im Anhang E derselben Spezifikation wie sein Vorgänger. Die acht Dolby-Entwickler um Louis D. Fielder, die es 2004 auf der AES-Convention in San Francisco vorstellten, beschrieben es als Erweiterung des bestehenden Standards unter Beibehaltung seiner Metadaten, seiner Filterbank und seiner Rahmenstruktur — mit einem Datenratenbereich von 32 kbit/s bis 6,144 Mbit/s statt der 32 bis 640 kbit/s des Vorgängers.

      Dieses Format ist die Verpackung, in der Raumklang aus dem Internet bei Dir ankommt — bei Filmen genauso wie beim Fernsehen über die Leitung. Es kann viel mehr als sein Vorgänger, wird in der Praxis aber meistens sehr sparsam eingestellt, weil eine Internetleitung nicht beliebig viel hergibt. Das Nützlichste daran merkt man nie: Wenn Deine Anlage die neue Verpackung nicht kennt, kann das sendende Gerät sie in die alte umpacken, ohne den Ton dabei auseinanderzunehmen. Deshalb bleibt bei Dir immer etwas Vernünftiges übrig, auch mit älteren Geräten.

      Ausführliche Erklärung

      Zwei Richtungen zugleich: sparsamer und größer

      Der Vorgänger hatte eine feste Treppe von 19 Datenraten zwischen 32 und 640 kbit/s. Dolby Digital Plus spannt denselben Bogen weiter und macht ihn zugleich feiner: Die Ratensteuerung arbeitet im günstigsten Fall in Schritten von einem Drittel Bit je Sekunde — der AES-Beitrag nennt dafür 32 kHz Abtastrate und einen Rahmen aus sechs Blöcken; mit höherer Abtastrate wird die Schrittweite gröber, mit längerem Rahmen feiner. Nach oben endet der Bereich bei 6,144 Mbit/s.

      Möglich wird der obere Teil durch einen Eingriff in die Rahmenstruktur. Ein AC-3-Rahmen besteht immer aus sechs Transformationsblöcken; E-AC-3 erlaubt zusätzlich Rahmen aus einem, zwei oder drei Blöcken. Das klingt nach einer Nebensächlichkeit, hat aber einen handfesten Zweck: In Formaten, die die Datenmenge je Rahmen begrenzen, lassen sich damit Raten über 640 kbit/s überhaupt erst unterbringen.

      Nach unten zählt die andere Hälfte. Die neuen Werkzeuge — eine verbesserte Filterbank, feinere Quantisierung, erweiterte Kanalkopplung, Spectral Extension und eine Vorrauschbehandlung bei Transienten — sind dafür da, bei kleinen Raten mehr herauszuholen. Dolby beziffert das Ergebnis für die eigene Familie mit ungefähr der halben Datenrate bei vergleichbarer Qualität; das ist eine Herstellerangabe und keine Messgröße.

      Der Aufbau: ein Kern mit 5.1 und Erweiterungen darüber

      Für mehr als 5.1 Kanäle hätte es zwei Wege gegeben. Der eine ist das Rematrizieren: Aus einer Stereomischung und Zusatzströmen wird beim Abspielen wieder eine größere Mischung gerechnet. Dolby verwarf ihn mit einer nachvollziehbaren Begründung — beim Zurückrechnen landen Codierartefakte und Nutzsignal auf verschiedenen Lautsprechern, und was vorher verdeckt war, wird dabei hörbar.

      Der gewählte Weg steht in der Norm als Substream-Struktur. Ein E-AC-3-Bitstrom enthält mindestens einen unabhängig dekodierbaren Substream mit der Nummer 0; jeder Dekoder muss ihn beherrschen und alle weiteren überspringen können. Führt ein Programm mehr als 5.1 Kanäle, enthält Substream 0 eine vollständige 5.1-Abmischung, und abhängige Substreams ersetzen oder ergänzen einzelne Kanäle darin. Bei einer 7.1-Mischung heißt das konkret: Im Kern stehen die beiden Surround-Kanäle als Mischung aus Surround und Back, in der Erweiterung stehen die vier getrennt. Ein 5.1-Dekoder liest nur den Kern und hört eine saubere 5.1-Fassung; ein 7.1-Dekoder ersetzt die beiden gemischten Kanäle durch die vier eigenen.

      Auf der Blu-ray ist es enger als das Format erlaubt

      Die Formatgrenze von 6,144 Mbit/s spielt auf der Scheibe keine Rolle. Dolby nennt dort 640 kbit/s für den Kernrahmen und 1,024 Mbit/s für den Erweiterungsrahmen, zusammen also 1,7 Mbit/s; ein Ausbau auf vier Erweiterungsrahmen und damit 4,7 Mbit/s stand 2008 als Möglichkeit im Raum, falls das Format je mehr als acht diskrete Kanäle vorsehen sollte.

      Ein Detail dieser Auslegung erklärt eine Fähigkeit, die sonst rätselhaft wirkt: Weil die Blu-ray keine Paketbeschränkung kennt, arbeitet das Verfahren dort immer mit vollen Sechs-Block-Rahmen — genau wie Dolby Digital. Kern- und Erweiterungsrahmen haben deshalb denselben Aufbau, und der Kernrahmen lässt sich ohne jede Umwandlung an den Digitalausgang weiterreichen.

      Dolby Digital Plus
      Codierungverlustbehaftet
      Datenraten laut Format32 kbit/s bis 6,144 Mbit/s, feinstufig
      Blu-ray Disc640 kbit/s Kernrahmen + 1,024 Mbit/s Erweiterungsrahmen
      Kanälebis 7.1 auf der Blu-ray Disc; Format bis 15.1
      Abtastraten32, 44,1 oder 48 kHz
      Rahmenlänge1, 2, 3 oder 6 Blöcke
      Über den optischen Ausgangnein (siehe unten)

      Umpacken statt neu codieren

      Die wichtigste Eigenschaft für die Praxis ist der Rückweg. Weil beide Verfahren dieselbe Filterbank, dieselbe Blockausrichtung, dasselbe Bitzuteilungsverfahren und dieselbe Rahmenstruktur verwenden, lässt sich ein E-AC-3-Strom in einen AC-3-Strom umpacken, ohne ihn zwischendurch nach PCM zu dekodieren und neu zu codieren. Der AES-Beitrag nennt die dafür zuständige Stufe einen besonderen Transcoder, der die Quantisierung der Transformationskoeffizienten möglichst unangetastet lässt — genau daran hängt es, dass beim Umpacken kaum etwas verlorengeht. Das Ergebnis ist immer ein Strom mit 640 kbit/s, notfalls durch Auffüllen.

      Diesen Weg nimmt jeder Kabel- oder Satellitenempfänger, der einen Digitalausgang hat, und jeder Blu-ray-Zuspieler mit Dolby-Digital-Compatible-Output. Er ist der Grund, warum ein zwanzig Jahre alter Verstärker an einer modernen Quelle immer noch sinnvoll läuft.

      Warum nicht durch die optische Buchse

      Für die Übertragung über eine Zweikanal-Digitalverbindung hat die Normreihe IEC 61937 dem Verfahren den Datentyp 21 zugewiesen, mit einer Wiederholperiode von 6 144 Rahmen — dem Vierfachen dessen, was für AC-3 gilt. Die Verbindung muss dafür mit der vierfachen Rahmenfrequenz laufen, bei 48-kHz-Material also mit 192 kHz, und daran endet der optische Weg. Die Rechnung und die Bauteilgrenze stehen bei Was über S/PDIF und TOSLINK passt und werden hier nicht wiederholt.

      Häufiges Missverständnis

      „Plus heißt besser als Dolby Digital." Das Format kann mehr — mehr Kanäle, mehr Datenrate, feinere Steuerung. Was davon ankommt, entscheidet aber der Absender. Netflix fährt 5.1 auf einer Leiter von 192 bis 640 kbit/s und passt die Stufe seit 2019 laufend an die Netzlage an; dieselbe Szene kann heute mit 640 und morgen mit 192 kbit/s ankommen, ohne dass die Anlage etwas anzeigt. Ein 640-kbit/s-Strom im alten Format von einer Blu-ray kann also durchaus mehr Substanz haben als ein 192-kbit/s-Strom im neuen. Die Formatbezeichnung allein beantwortet die Qualitätsfrage nicht.

      „Wenn Atmos angezeigt wird, ist der Ton so gut wie auf der Scheibe." Dolby Atmos reist in einem Träger mit, und Dolby Digital Plus ist der verlustbehaftete der beiden vorgesehenen. Netflix nennt für seine höchste Atmos-Stufe 768 kbit/s; auf der Scheibe liegt dieselbe Objektinformation im verlustfreien Träger mit einem Vielfachen davon. Die Anzeige am Verstärker beschreibt die Objektinformation und sagt über den Träger darunter nichts. Was daraus für die Gerätekette folgt, führt Dolby Atmos übertragen aus.

      „Mein Verstärker kann Dolby Digital, dann kann er auch Plus." Die Abwärtsrichtung stimmt und die Aufwärtsrichtung nicht: Ein DD+-Dekoder versteht auch AC-3, umgekehrt gilt das nicht. Wo der Verstärker das neuere Format nicht beherrscht, muss ein Gerät davor umpacken — und ob es das tut, steht im Datenblatt des Zuspielers und nicht in dem des Verstärkers.

      Nicht zu verwechseln mit

      Dolby Digital (AC-3) ist der Vorgänger und zugleich das Ziel des Umpackens. Er bleibt in jeder Kette der Rückfallweg; Einzelheiten bei Dolby Digital.

      Dolby TrueHD ist ein getrennter, verlustfreier Codec ohne technische Verwandtschaft. Es gibt keine verlustfreie Erweiterung von Dolby Digital Plus — Dolby hat sich ausdrücklich dagegen entschieden und begründet das im eigenen Techpaper. Was daraus folgt, steht bei Dolby TrueHD.

      DTS-HD High Resolution Audio ist das nächstliegende Gegenstück aus der anderen Familie: ebenfalls verlustbehaftet, ebenfalls oberhalb des jeweiligen Basiscodecs angesiedelt. Der Aufbau ist trotzdem ein anderer, weil DTS seine Erweiterung auf einen verlustbehafteten Kern setzt; siehe DTS-HD.

      Dolby Atmos benennt keinen Codec. Es ist die Objektinformation, die in diesem Format oder in Dolby TrueHD mitreist; das Prinzip dahinter erklärt die Technologieseite zum objektbasierten Ton.

      Warum derselbe Film zweimal verschieden klingt

      Ein Kunde beschreibt eine Beobachtung, die zunächst nach einem Defekt klingt: Dieselbe Serienfolge über denselben Dienst wirkt an manchen Abenden voller als an anderen, und die Anzeige am Verstärker ändert sich dabei nicht.

      Die Erklärung liegt in einer Eigenschaft dieses Formats, die bei den älteren Codecs so nicht vorkommt: Weil die Datenrate feinstufig steuerbar ist, können Dienste den Ton auf einer Leiter ausspielen und die Stufe laufend an die Leitung anpassen. Netflix beschreibt genau das seit 2019 und nennt für 5.1 eine Leiter von 192 bis 640 kbit/s. Die Formatkennung im Datenstrom bleibt dabei dieselbe, deshalb steht am Verstärker immer derselbe Name.

      Für die Beratung folgt daraus etwas Unbequemes: Der Ton eines Dienstes lässt sich nicht als feste Größe planen, wie es bei einer Scheibe geht. Was sich planen lässt, ist die Kette darum herum — eine belastbare Anbindung, ein Weg, der das Format überhaupt durchlässt, und ein Verstärker, der es selbst dekodiert, statt sich etwas umpacken zu lassen.

      Am Gerät bleibt eine Frage übrig, die häufig übersehen wird: Wo im Signalweg wird dekodiert? Solange ein Fernseher oder Empfänger den Datenstrom entgegennimmt und selbst etwas anderes weitergibt, hängt das Ergebnis an diesem Gerät und nicht am Prozessor dahinter.

      Verknüpfte Inhalte

      Der Vorgänger, auf den dieses Format zurückfällt, steht bei Dolby Digital; das verlustfreie Gegenstück derselben Familie bei Dolby TrueHD. Warum die Rahmenfrequenz den optischen Weg verschließt, rechnet Was über S/PDIF und TOSLINK passt an der Norm vor.

      In welchem Träger Dolby Atmos über welchen Weg ankommt, behandelt Dolby Atmos übertragen; wie weit die Tonformate von Scheibe und Stream auseinanderliegen, vergleicht UHD-Blu-ray gegen Streaming. Warum ein einziger Datenstrom für Stereo und Mehrkanal genügt, klären Downmix und Dialognormalisierung.

      Quellen

      Der Datenratenbereich von 32 kbit/s bis 6,144 Mbit/s, die feinstufige Ratensteuerung, die kürzeren Rahmen aus einem, zwei oder drei Blöcken, die neuen Codierwerkzeuge und die Beschreibung des Umpackens nach AC-3 stammen aus dem AES-Konferenzbeitrag von acht Dolby-Entwicklern um Louis D. Fielder, vorgetragen im Oktober 2004 in San Francisco und für diese Seite in den Abschnitten 1 bis 3.1.1 am Objekt gelesen.

      Die Substream-Struktur — mindestens ein unabhängig dekodierbarer Substream, ein 5.1-Downmix in Substream 0 bei größeren Programmen, abhängige Substreams darüber — steht in ETSI TS 102 366, Anhang E, Abschnitt E.2.8. Die Blu-ray-Werte 640 kbit/s und 1,024 Mbit/s, die Sechs-Block-Rahmen auf der Scheibe, der direkte Weg des Kernrahmens zum Digitalausgang und die Begründung gegen eine verlustfreie Erweiterung stehen im Dolby-Techpaper von 2008 und sind Herstellerdarstellung. Kanalzahl, Abwärtskompatibilität und die Angabe „32 kbit/s bis 6 Mbit/s" nennt Dolby zusätzlich auf der eigenen Technologieseite, dort ohne Datumsangabe.

      Der Datentyp 21 und die Wiederholperiode von 6 144 Rahmen stammen aus IEC 61937-3 und sind auf der Seite zu den Zweikanalschnittstellen im Einzelnen belegt. Die Bitratenleiter von 192 bis 640 kbit/s für 5.1 und die Obergrenze von 768 kbit/s für Atmos sind Angaben von Netflix und stehen auf der Vergleichsseite zu Disc und Streaming.

    • DTS Digital Surround

      Glossar

      DTS Digital Surround (DTS-Kern)

      DTS Digital Surround ist der ursprüngliche verlustbehaftete Mehrkanalcodec von DTS. Das zugrunde liegende Verfahren heißt Coherent Acoustics und wurde 1996 eingeführt; es codiert bis zu fünf Primärkanäle und einen LFE-Kanal mit konstanter Datenrate, auf der Scheibe bei 44,1 oder 48 kHz. Der zweite, gebräuchliche Name „DTS-Kern" meint dasselbe Format in seiner Rolle innerhalb der Familie: In jedem neueren DTS-Datenstrom der Disc-Generation steckt genau dieser Ton, und die Erweiterungen darüber sitzen im selben Datenstrom.

      Wenn auf einer Filmhülle oder im Display Deines Verstärkers schlicht „DTS" steht, ist fast immer dieses Format gemeint — das älteste der Familie und das einzige, das wirklich jedes DTS-fähige Gerät versteht. Neuere DTS-Tonspuren sind so gebaut, dass dieses alte Format immer darin enthalten bleibt. Das ist praktisch, weil nie etwas ausfällt: Was Dein Gerät nicht kann, lässt es einfach liegen und spielt den Rest. Es ist zugleich die Falle, denn Du merkst nicht, wenn nur noch der Rest ankommt. Ein Blick aufs Display sagt Dir mehr als jede Angabe auf der Verpackung.

      Ausführliche Erklärung

      Woher die 1,5 Mbit/s kommen

      Die Datenrate des Verfahrens ist keine Willkür, sondern hat einen historischen Grund, den DTS selbst nennt. Die erste Anwendung auf optischer Disc war ein 5.1-Kanal-System bei 44,1 oder 48 kHz mit 16 bis 24 Bit und 1,5 Mbit/s — und das war genau die Datenrate, die auf diesen Medien für zwei Kanäle 16-Bit-PCM ohnehin vorgesehen war. DTS hat also den vorhandenen Platz eines Stereosignals genommen und sechs Kanäle hineingelegt. Die Spezifikation datiert nichts und begründet auch nichts historisch, führt aber genau diese beiden Stereo-Rechnungen als Tabellenwerte: 1 411,2 kbit/s für zwei Kanäle bei 44,1 kHz und 16 Bit, 1 536 kbit/s für zwei Kanäle bei 48 kHz und 16 Bit.

      Daraus folgt der Grundgedanke, den DTS für Coherent Acoustics angibt: Codiereffizienz in Qualität umsetzen statt in Sparsamkeit, und die wesentlichen Parameter breit skalierbar halten. Wie weit diese Skalierung reicht, steht in der Spezifikation: Tabelle 5-7 von ETSI TS 102 114 führt 29 Zieldatenraten von 32 bis 1 536 kbit/s und zusätzlich einen offenen Modus. Für Mehrkanal-Filmton sind davon die oberen Stufen im Gebrauch — 768, 960, 1 152 und 1 344 kbit/s stehen darin, oben schließt die Tabelle mit 1 408, 1 411,2, 1 472 und 1 536 kbit/s ab. Auf der DVD wurde häufig 768 kbit/s verwendet, um Platz zu sparen; die Blu-ray Disc arbeitet mit 1 509 kbit/s.

      Auf Blu-ray Disc und HD DVD steht das Verfahren dagegen als einziges der Familie mit dem Vermerk „Mandatory" in der Statustabelle des Herstellers, bei 5.1 Kanälen und 1 509 kbit/s. Eine Feinheit dieser Zeile wird oft überlesen: Verpflichtend ist die Dekodierung, und als Ausgabe verlangt die Tabelle dafür nur zwei Kanäle analog. Die Ausgabe mit 5.1 Kanälen steht in derselben Tabelle als eigene Zeile — und dort als optional. Alle DTS-HD-Fassungen und auch die älteren Erweiterungen sind durchgehend optional.

      DTS Digital Surround
      Codierungverlustbehaftet, konstante Datenrate
      Kanälebis zu fünf Primärkanäle plus LFE-Kanal, also 5.1
      Abtastratenneun Stufen von 8 bis 48 kHz; auf der Scheibe 44,1 oder 48 kHz
      Bittiefe16, 20 oder 24 Bit
      Zieldatenraten29 Stufen von 32 bis 1 536 kbit/s
      DVD, verbreitet768 kbit/s
      Blu-ray Disc und HD DVDDekodierung verpflichtend, 1 509 kbit/s
      Mit der Erweiterung DTS-ES6.1 Kanäle bei 48 kHz/24 Bit
      Mit der Erweiterung DTS 96/245.1 Kanäle bei 96 kHz/24 Bit
      Über den Digitalausgangvollständig

      Kern und Erweiterungen — in einem Datenstrom

      Der Aufbau ist das eigentliche Kennzeichen der DTS-Familie, und DTS nennt ihn als bewusste Konstruktionsentscheidung: Die Kern-plus-Erweiterung-Architektur sichere die vollständige Abwärtskompatibilität zu allen Dekodern, gleich welche Verbesserung noch kommt. Der Kern führt die 5.1 Kanäle; Erweiterungen enthalten zusätzliche Kanäle, Daten für höhere Abtastraten oder — im Wortlaut von 2006 — Verbesserungen, die noch niemand erdacht hat. Alle Dekoder verwenden den Kern, fortgeschrittene zusätzlich die Erweiterungsdaten, und wer eine Erweiterung nicht versteht, ignoriert sie.

      Entscheidend ist der Zusatz, dass Kern und Erweiterung in einem einzigen Datenstrom liegen. DTS begründet das unter anderem damit, dass diese Kombination in der Regel weniger Platz braucht als eine ältere Tonspur und eine hochauflösende Spur nebeneinander.

      Wo genau die Grenze zwischen beidem verläuft, legt die Spezifikation an der Mechanik fest. Der Kern führt bis zu fünf Primärkanäle mit Frequenzanteilen unterhalb von 24 kHz und dazu höchstens einen LFE-Kanal; alles darüber ist erweitertes Audio. Zeigt das Feld AMODE mehr als fünf Kanäle neben dem LFE an, liegen die zusätzlichen Kanäle getrennt davon in den erweiterten Datenfeldern. Der Kern selbst wird immer ohne Bezug auf die Erweiterung codiert — das ist die technische Fassung des Versprechens, dass ihn jedes Gerät bekommt.

      Zwei Erweiterungen sind so alt, dass sie schon zum Kern-Kapitel gehören. DTS-ES — in der Spezifikation XCH — fügt einen hinteren Mittenkanal hinzu und kommt damit auf 6.1 Kanäle bei 48 kHz und 24 Bit; damit ein älteres Gerät nichts verliert, steckt der Downmix dieses Kanals auf die beiden Surroundkanäle mit festen Koeffizienten bereits im Kern. DTS 96/24 — in der Spezifikation X96 — hebt die Abtastrate für 5.1 Kanäle auf 96 kHz und überträgt dafür die Hochtonanteile als Residuen zum Kern. Beide bleiben innerhalb der Kernrate von höchstens 1 509 kbit/s — sie erweitern also die Anwendung, ohne die Datenrate zu sprengen. Was darüber liegt, gehört zur nächsten Generation und steht bei DTS-HD.

      Der Rückfall, den DTS selbst beschreibt

      Wenn eine Strecke nur eine begrenzte Datenrate hergibt, kommt der Kern an. DTS hat den Fall für den Digitalausgang ausdrücklich beschrieben: Über S/PDIF läuft DTS Digital Surround mit den vollen 1,5 Mbit/s bis 5.1 Kanäle, und im Schaubild dazu sitzt im Zuspieler ein Trans-Coder, der den größeren DTS-HD-Datenstrom auf genau diesen Kern zurückführt. Im Diagramm der Blu-ray-Datenraten ist die Grenze der Zweikanalschnittstelle folgerichtig bei 1,5 Mbit/s eingezeichnet.

      Auch die ältere Ausbaustufe des Tonrückkanals endet hier, allerdings über einen Umweg im Beleg: Sie wurde laut HDMI-Lizenzgeber ausdrücklich als Ersatz für eine S/PDIF-Verbindung entworfen und kann formatseitig deshalb dasselbe. Eine Aussage von DTS zum Tonrückkanal selbst liegt nicht vor; dieser Schluss stammt von AVITECT und steht mit seiner Beleglage bei eARC und ARC.

      Was diesen Rückfall in der Praxis gefährlich macht, ist seine Geräuschlosigkeit. Kein Gerät meldet einen Fehler, keine Lampe geht aus, und die Anzeige stimmt sogar: Es kommt DTS an. Nur eben der Kern.

      Häufiges Missverständnis

      „DTS hat die höhere Datenrate als Dolby Digital, also klingt es besser." Die Zahlen stimmen — 1 509 gegenüber höchstens 640 kbit/s — und der Schluss geht trotzdem zu weit. Es sind zwei verschiedene Codierverfahren, und eine Datenrate lässt sich nur innerhalb desselben Verfahrens vergleichen. Dazu kommt, dass beide Tonspuren im Studio getrennt abgemischt werden: Was ein Hörer wahrnimmt, geht möglicherweise auf die Abmischung zurück und nicht auf den Codec. Klar, mehr Datenrate schadet nie — aber sie ist ein Argument und kein Beweis, und für einen belastbaren Vergleich müsste dasselbe Material über beide Wege nebeneinander laufen.

      „Auf dem Display steht DTS, also kommt die volle Tonspur an." Der Kern heißt ebenfalls DTS, und er kommt fast immer an — das ist der Sinn der Konstruktion. Die beantwortbare Frage lautet, in welcher Fassung: Kern allein, oder Kern samt Erweiterung? Unterscheidet ein Gerät die beiden Fälle, schreibt es die Erweiterung im Display dazu; ob es das tut, steht im Handbuch des Modells.

      „DTS im Kino und DTS auf der Scheibe sind dasselbe Verfahren." Der Firmenname steht über beidem, die Technik dahinter ist eine andere, und das Unternehmen hat beide Geschäfte in seinem Jahresbericht von 2006 nebeneinander beschrieben. Gegründet wurde DTS 1990; 1993 stieg unter anderem Universal City Studios ein, und im selben Jahr entstand die erste DTS-Tonspur für „Jurassic Park". Das Kinosystem arbeitet mit zwei Medien: Der Ton liegt auf CD-ROM, ein firmeneigener Zeitcode wird auf die Filmkopie gedruckt und hält Ton und Bild zusammen, und übereinstimmende elektronische Seriennummern ordnen Scheibe und Kopie einander zu. Den Umweg begründet DTS praktisch — Ton auf einem optischen Medium nutzt sich mit der Kopie nicht ab, fasst mehr Daten und lässt sich gegen eine andere Sprachfassung tauschen, ohne die Kopie zu wechseln. Wiedergegeben wird über sechs oder mehr diskrete Lautsprecher, und ein DTS-ES-Dekoder leitet daraus im Kino einen hinteren Mittenkanal ab.

      Der eigentliche Unterschied steckt eine Ebene tiefer: Codiert ist dieser Kinoton mit apt-X, einem Verfahren von Audio Processing Technology Limited, das DTS dafür weltweit und zeitlich unbegrenzt lizenziert hat — dasselbe Verfahren, dessen Familie heute in den Bluetooth-Audiocodecs steckt. Coherent Acoustics kam erst 1996 und für das Wohnzimmer. Gemeinsam haben Kino- und Scheiben-DTS den Firmennamen und das Ziel diskreter Kanäle; das Codierverfahren ist bei beiden ein anderes.

      Nicht zu verwechseln mit

      DTS-HD Master Audio und DTS-HD High Resolution Audio sind Erweiterungen über diesem Kern und keine eigenständigen Formate daneben. Was die beiden unterscheidet und wie weit sie über den Kern hinausgehen, steht bei DTS-HD.

      DTS-UHD gehört gar nicht zu dieser Familie. Es ist eine eigene Spezifikation für den Streamingweg mit eigenem Rahmenaufbau — die dritte Generation der DTS-Auslieferungsformate, während Kern und DTS-HD-Erweiterungen die erste und zweite bilden. Näheres bei DTS-UHD.

      DTS:X benennt keinen Codec. Es ist objektbasierter Ton, der in einem Träger mitreist; DTS gibt an, dass DTS:X auf DTS-HD Master Audio aufsetzt und dadurch abwärtskompatibel zu vorhandenen DTS-Datenströmen bleibt. Welcher Träger auf welcher Strecke ankommt, führt DTS:X übertragen aus.

      DTS Neural:X ist ein Upmixer und kein Übertragungsformat. Er verteilt vorhandene Kanäle auf mehr Lautsprecher, statt zusätzliche Kanäle zu übertragen; siehe Upmixer.

      Aus der Praxis

      Ein Kunde ruft an, weil seine DVD-Sammlung im neuen Kino „dünner klingt als früher". Noch vor dem Gerät: Welche Fassung liegt auf der Scheibe, und was macht die Kette daraus?

      Bei DVDs ist die Antwort oft schon auf dem Medium selbst zu finden. Viele Filme wurden mit 768 kbit/s codiert, um Platz für das Bild zu sparen — das ist knapp die Hälfte der vollen Rate, und der Unterschied ist mit einem guten Center hörbar. Wer denselben Film als Blu-ray hat, bekommt den Kern dort verpflichtend mit 1 509 kbit/s.

      Der Weg dorthin ist unspektakulär: Vor jeder Gerätediskussion wird geprüft, was die Quelle überhaupt hergibt. Erst danach lohnt der Blick auf die Strecke — ob der Ton über den Fernseher zurückläuft, ob der Zuspieler auf Bitstream steht, ob die Anlage die Erweiterung überhaupt bekommt. Und erst ganz zuletzt kommt die Frage, ob ein neues Gerät hilft. Warum ein vorhandenes Gerät ein fehlendes Format nicht einfach als Aktualisierung bekommt, steht bei Warum ein Gerät ein neues Tonformat nicht bekommt.

      Verknüpfte Inhalte

      Die Erweiterungen über diesem Kern behandelt DTS-HD, den davon unabhängigen Streamingweg DTS-UHD. Welcher Träger DTS:X über welchen Weg bringt, steht bei DTS:X übertragen.

      Das direkte Gegenstück aus der Dolby-Familie ist Dolby Digital; warum beide über jede Zweikanal-Digitalstrecke passen und die jeweiligen Nachfolger nicht, rechnet Was über S/PDIF und TOSLINK passt an der Norm vor. Welche Formate der Tonrückkanal in welcher Ausbaustufe zulässt, steht bei eARC und ARC.

      Was die Ziffern einer Angabe wie 5.1 oder 6.1 abzählen, klärt die Kanal-Notation; was in der „.1" steckt, der LFE-Kanal.

      Quellen

      Die Zahlen des Verfahrens stehen seit dem 01.09.2026 auf der Spezifikation ETSI TS 102 114 in der Fassung V1.6.1 vom August 2019, die für diesen Nachzug am Objekt gelesen wurde. Aus ihr stammen die 29 Zieldatenraten von 32 bis 1 536 kbit/s samt den Stereo-PCM-Werten 1 411,2 und 1 536 kbit/s (Tabelle 5-7), die neun Abtastraten von 8 bis 48 kHz (Tabelle 5-5), die Bittiefen 16, 20 und 24 Bit (Tabelle 5-17), die Kanalgrenze des Kerns aus fünf Primärkanälen und einem LFE-Kanal samt der Behandlung weiterer Kanäle im erweiterten Audio (Abschnitte 4.1 und 5.4.3) sowie die Einordnung von XCH und X96 als Kern-Erweiterungen mit den festen Downmix-Koeffizienten und den Residuen für die höhere Abtastrate (Abschnitte 6.1 und 6.2.1). ETSI schützt das Dokument urheberrechtlich; hier stehen deshalb Zahlenwerte, Tabellen- und Abschnittsnummern, keine Passagen im Wortlaut.

      Aus dem DTS-Whitepaper zu DTS-HD Audio vom November 2006 bleibt das, worüber die Spezifikation nichts sagt, weil es die Scheibe betrifft und nicht das Verfahren: das Einführungsjahr 1996, die Herleitung der 1,5 Mbit/s aus der für zwei Kanäle 16-Bit-PCM verfügbaren Rate, die 1 509 kbit/s der Blu-ray Disc und die 768 kbit/s der DVD, die Pflichtstellung der Coherent-Acoustics-Dekodierung auf Blu-ray Disc und HD DVD samt der Einschränkung auf zwei Kanäle analog als verlangte Ausgabe sowie der Trans-Coder-Weg über den Digitalausgang. Es ist eine Herstellerdarstellung mit Datenstand November 2006 — also aus der Zeit vor DTS:X und vor dem Streamingformat der dritten Generation.

      Die Angaben zum Kinoverfahren — Gründung 1990, Beteiligung 1993, die erste Tonspur zu „Jurassic Park", der Aufbau aus CD-ROM und aufgedrucktem Zeitcode und die Codierung mit dem lizenzierten apt-X — stammen aus dem Jahresbericht (Form 10-K) von DTS, Inc. für das Geschäftsjahr 2006, eingereicht bei der US-Börsenaufsicht im März 2007. Ein Beleg auf den eigenen Seiten von DTS oder Xperi ließ sich am 01.09.2026 nicht finden: Der Webauftritt führt keine Historien- oder Firmenseite mehr, und keiner der 375 Beiträge behandelt das Verfahren von 1993.

      Dass DTS:X auf DTS-HD Master Audio aufsetzt und dadurch abwärtskompatibel bleibt, steht in der DTS-Ankündigung vom April 2015 und ist bei den DTS:X-Trägerformaten im Einzelnen belegt. Dass die ältere Ausbaustufe des Tonrückkanals als Ersatz für eine S/PDIF-Verbindung entworfen wurde, gibt der HDMI-Lizenzgeber in seinen Funktionsbeschreibungen an; die Fundstelle wird beim Eintrag zu eARC und ARC geführt.

    • Stereo PCM
    • Multichannel PCM
  • Bedienung & Integration

    Fernbedienung im Lieferumfang
    Ja
  • Netzspannung
    12 V DC (Steckernetzteil)
    Leistungsaufnahme Betrieb
    3,6 W

Anschlüsse

Rückansicht des FeinTech VMS14201 HDMI 2.1 Matrix Switch 4x2 mit Audio-Extractor, der Anschlüsse zeigt.

Rückansicht des FeinTech VMS14201 HDMI 2.1 Matrix Switch 4x2 mit Audio-Extractor, der Anschlüsse zeigt.

  • Eingänge / I/O

    • HDMI-Eingänge×4

    Ausgänge

    • HDMI-Ausgänge×2

    • Analog-Ausgang RCA

    • Optischer Ausgang

    • Netzeingang 12V DC

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