ARC und eARC sind zwei Ausbaustufen desselben Gedankens: Ton, der über
das HDMI-Kabel rückwärts läuft — vom Fernseher zurück zum Verstärker,
statt wie sonst vom Zuspieler zum Fernseher. Welche der beiden Stufen
eine Verbindung beherrscht, ist keine Feinheit für Datenblätter, sondern
entscheidet darüber, welches Tonformat am Ende überhaupt ankommt.
In einfachen Worten
Dein Fernseher ist heute selbst ein Zuspieler — die Apps stecken darin,
der Empfänger fürs Fernsehprogramm auch. Der Ton soll trotzdem aus
Deiner Anlage kommen. Damit dafür kein zweites Kabel nötig ist, darf Ton
über dieselbe Leitung auch in die Gegenrichtung laufen. Von dieser
Rückleitung gibt es eine ältere und eine neuere Fassung, und die ältere
ist eng: Guter Mehrkanalton passt hindurch, der beste nicht. Ob Deine
Geräte die neuere beherrschen, steht meist klein an der Buchse.
Der Rückkanal ist eine Antwort auf eine Verschiebung, die niemand geplant
hat. HDMI war als Einbahnstraße gedacht — Zuspieler links, Bildschirm
rechts. Dann bekamen Fernseher Empfangsteile und Apps und wurden selbst
zur Quelle, und der Ton musste plötzlich zurück. Mit HDMI 1.4 kam 2009
der Audio Return Channel . Die Funktionsbeschreibung des Lizenzgebers
nennt den Zweck damals unverblümt: den Ton aufwärts schicken und die
separate S/PDIF-Verbindung überflüssig machen.
In diesem Satz steckt bereits die Fähigkeitsgrenze. ARC wurde als Ersatz
für eine S/PDIF-Strippe entworfen und kann deshalb auch nur, was eine
solche kann: zwei Kanäle unkomprimiert oder einen komprimierten
Mehrkanal-Bitstrom, also Dolby Digital und DTS. Die verlustfreien
Container von der Blu-ray — Dolby TrueHD und DTS-HD Master Audio —
passen dort nicht hindurch, und zwar nicht wegen einer Geräteschwäche,
sondern weil der Kanal für diese Datenmenge nie ausgelegt war.
eARC kam mit HDMI 2.1, das das HDMI Forum am 28. November 2017
veröffentlicht hat. Es benutzt dieselben beiden Adern im Stecker, die
schon ARC belegt (Utility und Hot Plug Detect), darauf aber ein anderes
Verfahren: eine differenzielle Übertragung für den Ton und ein
Gleichtaktsignal für die Steuerung — ohne den Umweg über CEC, auf den ARC
angewiesen ist. Der Lizenzgeber gibt als Grenzen 192 kHz Abtastrate,
24 Bit, bis zu 32 unkomprimierte Kanäle und eine maximale Audiobandbreite
von 37 Mbit/s an. Damit passen DTS-HD Master Audio, DTS:X, Dolby TrueHD
und Dolby Atmos hindurch.
ARC eARC eingeführt mit HDMI 1.4 (2009) HDMI 2.1 (2017) Steuerung über CEC eigener Gleichtaktkanal unkomprimiert zwei Kanäle bis 32 Kanäle, 192 kHz / 24 Bit komprimiert mehrkanalig Dolby Digital, DTS; Dolby Digital Plus je nach Fernseher dieselben, Dolby Digital Plus durchgehend verlustfrei — Dolby TrueHD, DTS-HD Master Audio objektbasiert Atmos nur im Dolby-Digital-Plus-Träger Atmos und DTS:X in voller Form
Dolby Atmos ist kein eigener Datenstrom, sondern eine Zusatzinformation,
die in zwei verschiedenen Trägern reisen kann: in Dolby Digital Plus,
verlustbehaftet und typisch für Streaming, und in Dolby TrueHD,
verlustfrei und typisch für die Blu-ray. Genau hier trennen sich die
beiden Rückkanäle.
Dolby beschreibt die Lage ohne Umschweife: ARC hat nicht genug
Datenkapazität für Atmos im TrueHD-Träger. Damit Atmos von einer Blu-ray
über ARC beim Verstärker ankommt, muss der Fernseher TrueHD selbst
dekodieren und vor der Ausgabe nach Dolby Digital Plus umkodieren — und
das macht aus einer verlustfreien Tonspur eine verlustbehaftete. Über
eARC entfällt der Umweg, weil TrueHD unverändert durchläuft.
Wie viele Fernseher diesen Umweg überhaupt gehen, ist eine Frage des
Gerätestands und keine der Schnittstelle. Dolby hielt im April 2018
fest, dass nur Fernseher mit eigener Atmos-Dekodierung umkodieren, und
schilderte für Dolby Digital Plus über ARC eine Entwicklung: Vor 2016
gaben Fernseher über den Rückkanal nur Dolby Digital weiter, die
meisten jüngeren Geräte reichen auch Dolby Digital Plus durch. Wo der
Gerätemarkt heute steht, sagt der Beitrag nicht. Beantworten lässt sich
das nur am Datenblatt des konkreten Fernsehers.
Praktisch heißt das für die Beratung: „Der Fernseher gibt Atmos aus" ist
keine Antwort. Die Frage lautet, in welchem Träger — und die Antwort
hängt an der Rückkanalstufe, nicht am Preis des Fernsehers.
Für DTS:X gilt dieselbe Mechanik, die Beleglage ist allerdings dünner.
Die Formatliste des Lizenzgebers führt DTS:X ausdrücklich bei eARC auf;
bei ARC fehlt es dort. Wie ein Rückfall aussieht, hat DTS für den
Digitalausgang selbst beschrieben: Über S/PDIF läuft DTS Digital Surround
mit vollen 1,509 Mbit/s bis 5.1 Kanäle, und im Schaubild dazu sitzt im
Zuspieler ein Trans-Coder, der den DTS-HD-Datenstrom auf genau diesen Kern
zurückführt (DTS-HD-Whitepaper, November 2006, Abschnitt 5.5.5). Weil ARC
formatseitig auf dem Niveau von S/PDIF liegt, endet der ältere Rückkanal
bei demselben Kern: 5.1 statt Objektmaterial, ohne Fehlermeldung am Gerät.
Eine Aussage von DTS zum Tonrückkanal selbst gibt es dazu nicht — der
Schluss stammt von AVITECT und stützt sich auf die beiden genannten
Fundstellen.
eARC belegt Adern, die nicht jedes Kabel als geführtes Paar ausführt.
Der Lizenzgeber verweist deshalb auf Kabel mit Ethernet-Kanal —
praktisch ein Premium High Speed HDMI Cable with Ethernet für Anlagen bis
18 Gbit/s Videodatenrate oder ein Ultra High Speed HDMI Cable darüber.
Ein altes Kabel, das ein sauberes Bild liefert, kann eARC trotzdem
verweigern; die Bildübertragung sagt über diese beiden Adern nichts aus.
„Auf beiden Geräten steht HDMI 2.1, also haben wir eARC." HDMI 2.1
ist ein Katalog von Funktionen, aus dem Hersteller einzeln auswählen —
höhere Auflösungen, variable Bildwiederholrate, eARC und weitere. Ein
Gerät darf die Versionsnummer führen und eARC weglassen, und umgekehrt
gibt es eARC an Geräten, die von den Videofunktionen der 2.1-Generation
nichts umsetzen. Verlässlich ist allein die Beschriftung der konkreten
Buchse und die Angabe im Datenblatt, nie die Versionsnummer auf dem
Karton.
„Der Fernseher kann Atmos, also kommt Atmos an." Zwischen der
Quelle und dem Rückkanal sitzt der Fernseher als Verarbeiter, und er gibt
nur weiter, was seine eigene App oder sein eigener Dekoder liefert.
Streaming-Apps im Fernseher liefern Atmos üblicherweise in Dolby Digital
Plus; die verlustfreie Fassung entsteht dort gar nicht erst. Der Weg über
eARC lohnt sich deshalb vor allem für Zuspieler, die am Fernseher hängen
und deren Ton über den Rückkanal zurückmuss — für die
Blu-ray gilt weiterhin, dass der direkte Weg in
den Prozessor der bessere ist.
Die normale HDMI-Verbindung: Sie überträgt Bild und Ton in
Hinrichtung und kennt die Formatgrenzen des Rückkanals nicht. Ein
Zuspieler direkt am AV-Prozessor ist von ARC und eARC unberührt.
CEC: Steuerbefehle über dieselbe Leitung — Einschalten,
Lautstärke, Quellenwahl. ARC hängt daran, eARC nicht mehr; verwechselt
wird beides trotzdem regelmäßig, weil beide über dieselbe Buchse
laufen.
HDMI Ethernet Channel: ein Datenkanal zwischen Geräten. eARC
benutzt Kabel, die für diesen Kanal gebaut sind, überträgt darüber aber
kein Netzwerk.
Optischer Ausgang: die separate S/PDIF-Verbindung, die ARC
ersetzen sollte. Sie liegt formatseitig auf demselben Niveau wie ARC
und ist bis heute der Rückfallweg, wenn ARC an CEC scheitert.
Ein Wohnzimmer, Fernseher an der Wand, AV-Receiver im Sideboard, dazu
eine Blu-ray-Maschine und zwei Streaming-Zuspieler. Die Konzeptfrage
kommt vor jeder Buchse: Wo wird umgeschaltet? Zwei Antworten sind
möglich, und sie führen zu völlig verschiedenen Anforderungen.
Läuft alles zuerst in den AV-Receiver und von dort ein Kabel zum
Fernseher, überträgt der Rückkanal nur noch den Ton der Fernseher-Apps
und des Empfangsteils. Diese Apps liefern ohnehin verlustbehaftet — ARC
genügt, und die Entscheidung fällt an anderer Stelle. Ist dagegen der
Fernseher die Drehscheibe, weil alle Zuspieler dort stecken und nur ein
Kabel nach unten geht, muss jeder Ton den Rückweg nehmen. Dann ist eARC
keine Ausstattungsfrage mehr, sondern Voraussetzung — auf beiden Seiten
und im Kabel.
Die Wahl des Geräts fällt in dieser Reihenfolge anders aus: Im zweiten
Fall scheidet ein günstiger Receiver ohne eARC aus, obwohl er klanglich
genügen würde. Im ersten Fall ist derselbe Receiver eine saubere Lösung.
Ein zweites Argument spricht für dieselbe Weiche, und es hat mit dem
Format nichts zu tun: die Lippensynchronität. Läuft das Bild aus dem
Fernseher und der Ton über den Rückkanal aus einem anderen Gerät, muss die
Kette die Laufzeiten beider Wege gegeneinander ausgleichen. Die
HDMI-Spezifikation sieht dafür einen Parameter vor, über den jedes Gerät
seine Verzögerung meldet und das erste Gerät der Kette alle gemeldeten
Werte ausgleicht. Dolby beschreibt jedoch, dass die empfangenden Geräte
diesen Parameter meist gar nicht führen und die Quellgeräte ihn auch dann
nicht auswerten, wenn er vorliegt; die Empfehlung des Herstellers ist
deshalb, das Heimkino zwischen Quelle und Fernseher zu setzen. Das ist
derselbe Aufbau, zu dem schon die Trägerfrage rät — hier aus einem zweiten
Grund. Der Befund stammt vom April 2018, und ob er heute noch so gilt, ist
an keiner neueren Fundstelle geprüft.
Warum ARC formatseitig auf dem Niveau einer S/PDIF-Verbindung liegt,
steht bei S/PDIF und TOSLINK — und woran die Formatgrenze dieser
Schnittstelle rechnerisch hängt, auf der Seite zu
Was über S/PDIF und TOSLINK
passt . Welcher Träger
Dolby Atmos über welchen Weg bringt und was das für die Gerätekette
bedeutet, führt Dolby Atmos
übertragen aus. Das Gegenstück für
DTS:X — welcher Träger die Objektinformation mitbringt und wo sie
unterwegs liegen bleibt — steht bei DTS:X
übertragen . Welche Kanäle die
Zahlen einer Formatangabe abzählen, klärt die Kanal-Notation. Dass eine
HDMI-Verbindung neben Ton auch Fähigkeitsdaten und einen Kopierschutz
aushandelt — und dass „kein Ton" häufig dort seine Ursache hat —
behandeln EDID und HDCP.
Die Formatgrenzen von eARC (192 kHz, 24 Bit, bis 32 unkomprimierte
Kanäle, DTS-HD Master Audio, DTS:X, Dolby TrueHD, Dolby Atmos) und die
maximale Audiobandbreite von 37 Mbit/s stammen vom HDMI Licensing
Administrator; das Veröffentlichungsdatum von HDMI 2.1 und die
Zuordnung von eARC zu diesem Katalog aus der Pressemitteilung des HDMI
Forum vom 28. November 2017. Dass ARC ausdrücklich als Ersatz für die
separate S/PDIF-Verbindung entworfen wurde, steht in den
HDMI-1.4-Funktionsbeschreibungen. Die Aussage zum Atmos-Träger, zur
Umkodierung im Fernseher und zur Lippensynchronität stammt aus dem
Dolby-Blogbeitrag „Dolby Audio over HDMI Part 3: Reality" vom
10. April 2018, der als Archivfassung vom 16. Januar 2021 im Volltext
gelesen wurde; sein Datenstand begrenzt alles, was er über den
Gerätemarkt sagt. Der Rückfall auf den
5.1-Kern mit 1,509 Mbit/s und der Trans-Coder im Zuspieler stehen im
DTS-HD-Whitepaper von November 2006, das diesen Weg für den
S/PDIF-Ausgang beschreibt.