Inhalt anzeigen
- Tiefe
- Fortgeschritten
TPCD (Thin-Ply Carbon Diaphragm)
Was ist TPCD, woraus besteht der Werkstoff, und warum setzt Perlisten ihn sowohl im Mittelton als auch im Bass ein?
TPCD steht für Thin-Ply Carbon Diaphragm, zu Deutsch etwa dünnschichtige Kohlenstofffasermembran. So bezeichnet Perlisten Audio die Membranen aus mehrlagigem Kohlenstofffasergewebe, die im Mittelton als Kalotten und im Bass als Konusse arbeiten — unter anderem in den Mitteltonkalotten des DPC-Arrays (Directivity Pattern Control), die den Beryllium-Hochtöner flankieren.
Eine Lautsprechermembran soll leicht sein, damit sie schnell folgt, und trotzdem steif, damit sie sich nicht verbiegt. Perlisten baut sie deshalb aus vielen hauchdünnen Lagen eines speziellen Kohlenstofffasergewebes — ähnlich wie ein Blatt Papier aus mehreren feinen Faserschichten stabiler wird als eine einzelne Lage. Der Werkstoff heißt bei Perlisten TPCD und steckt sowohl in den mittleren Tönen als auch im Bass desselben Lautsprechers.
Woraus er besteht
Grundlage von TPCD ist ein Gewebe der Marke TeXtreme: Kohlenstofffasern, die statt zu einem klassischen Rundfaden zu einem breiten, flachen Band gespreizt werden, bevor sie zu einer Lagenstärke unter 0,05 Millimetern verwoben werden. Hersteller dieses Ausgangsgewebes ist das schwedische Unternehmen Oxeon mit Sitz in Borås; gegenüber klassischem Kohlenstofffasergewebe gibt Oxeon rund 25 Prozent weniger Gewicht, deutlich weniger Kreuzungspunkte im Gewebe und die doppelte Zugfestigkeit an.
Perlisten nennt für TPCD einen „einzigartigen Prozess“, bei dem mehrere Lagen dieses Gewebes gestapelt werden, und beziffert den Gewichtsvorteil gegenüber üblichem Kohlenstofffasergewebe gleicher Dicke mit rund 30 Prozent bei zugleich höherer Festigkeit. Perlisten nennt für die Herkunft des Ausgangsmaterials „Partnerschaften mit Unternehmen in den USA und Schweden“, ohne sie namentlich zu benennen.
Welche Eigenschaften daraus folgen
Ein Mitteltonwandler muss zwei gegensätzliche Anforderungen erfüllen: leicht genug sein, um schnell zu beschleunigen, und steif genug, damit er sich nicht vor der eigenen Aufbruchfrequenz verbiegt. Ein dünnschichtiges, mehrlagiges Gewebe erreicht dieses Verhältnis anders als eine homogene Metallkalotte: Perlisten beschreibt, dass die Webstruktur Aufbruchmoden verteilt, statt sie an einer scharfen Resonanz zu bündeln, und dabei die nutzbare Bandbreite erweitert.
Im DPC-Array ist genau das der praktische Nutzen: Die beiden TPCD-Mitteltonkalotten sollen den Übergang zum Beryllium-Hochtöner mehr als eine Oktave tiefer legen, als es mit größeren Konusmembranen möglich wäre — ohne dass die Kalotten in ihrem oberen Übertragungsbereich bereits eng bündeln, ein Effekt, den größere Membranflächen mit sich bringen. Für die Frequenzweiche bedeutet das mehr Spielraum bei der Wahl der Übergangsfrequenz.
Wer ihn verwendet
TPCD ist das Merkmal eines einzelnen, noch jungen Hauses. Anders als Beryllium ist es kein Werkstoff, den mehrere Hersteller unter eigenem Namen einkaufen — das darunterliegende TeXtreme-Gewebe ist zwar herstellerneutral erhältlich, die konkrete Verarbeitung zu TPCD-Kalotten und -Konussen führt bislang nur Perlisten.
Abgrenzung
TPCD ist die Verarbeitung, nicht das Ausgangsgewebe. TeXtreme ist eine Gewebemarke des schwedischen Herstellers Oxeon und für viele Branchen erhältlich, von der Luftfahrt bis zum Sportgerät. TPCD bezeichnet Perlistens eigene mehrlagige Verarbeitung dieses Gewebes zu Lautsprechermembranen — ähnlich wie bei Continuum von Bowers & Wilkins beschreibt der Markenname eine Rezeptur und Bauform, nicht ein neu erfundenes Grundmaterial.
TPCD sitzt sowohl im Mittelton als auch im Bass — das ist die Ausnahme, nicht die Regel. Bei den meisten Herstellern besteht der Tieftöner aus einem anderen Werkstoff als die Mitteltonkalotte, weil Fläche und Auslenkung andere Anforderungen stellen. Perlisten setzt TPCD nach eigener Angabe in beiden Bauteilen ein, in unterschiedlicher Dimensionierung (28 Millimeter im Mittelton, 180 Millimeter im Bass der S7t).
Nicht zu verwechseln mit Beryllium im selben Array. Im DPC-Array übernimmt Beryllium den Hochton, TPCD den Mittelton — zwei verschiedene Werkstoffklassen (Metall gegen Fasergewebe) in derselben Baugruppe, keine austauschbaren Varianten desselben Prinzips.
Grenzen
Die erste Grenze ist die Prüfbarkeit. Zusammensetzung im Detail, Lagenaufbau, Harzsystem und Formverfahren sind unveröffentlicht; belegt sind nur die Gewichts- und Festigkeitsvergleiche des Ausgangsgewebes und die qualitative Wirkungsbeschreibung von Perlisten selbst. Ein unabhängiger Werkstoffvergleich mit Beryllium oder Diamant liegt nicht vor.
Zweitens ist Perlisten eine junge Marke ohne die Serienbreite etablierter Hersteller: TPCD kommt bislang nur in der S- und der R-Serie vor, ein Ersatzteilmarkt in der Tiefe, wie ihn Jahrzehnte alte Werkstoffbezeichnungen haben, existiert dafür noch nicht.
Drittens ist der Werkstoff für den Kunden weder sichtbar noch von der benachbarten Beryllium-Kalotte optisch zu unterscheiden — als eigenständiges Kaufargument ist er auf eine Erklärung angewiesen, nicht auf den Augenschein.
Verknüpfte Inhalte
Der Hersteller hinter dem Werkstoff ist Perlisten Audio, verbaut im DPC-Array neben dem Beryllium-Hochtöner. Die Gegenentwürfe im Bestand sind Beryllium und die Diamantkalotte — beide steife, kristalline oder metallische Hochtonwerkstoffe — sowie Continuum, das denselben Gewebe-Ansatz mit einer anderen Rezeptur und einem anderen Ziel verfolgt: Dämpfung statt verschobener Aufbruchfrequenz.
Der Membranaufbruch erklärt den Mechanismus, den TPCD über die Webstruktur verteilt; Dämpfung und Verlustfaktor ordnet das gegenüber einem rein steifen Werkstoff ein. Die Frequenzweiche ist der Ort, an dem die tiefere Übergangsfrequenz zur planbaren Größe wird, und das Bündelungsmaß beschreibt, was eine größere Membranfläche im oberen Übertragungsbereich sonst kostet.
Quellen
- Perlisten Audio, Speaker technology — TPCD-Beschreibung, Gewichts- und Festigkeitsvergleich, Wirkung der Webstruktur auf den Aufbruch.
- Perlisten Audio, S7t (Produktseite) — volle Auflösung der Abkürzung, Bestückung im Mittelton und im Bass, Entwicklungsdauer des DPC-Arrays, Hinweis auf Fertigungspartner.
- Oxeon AB, TeXtreme, Technology — Herkunft und Kennwerte des Ausgangsgewebes.
Alle Angaben zu Zusammensetzung, Verfahren und Wirkung sind Herstellerangaben; eine unabhängige Werkstoffmessung liegt nicht vor. Die Zuordnung des schwedischen Fertigungspartners zu Oxeon ist eine Schlussfolgerung aus dem übereinstimmenden Markennamen, keine Herstellerbestätigung.