Zum Inhalt
Tastatur
  • Hilfe anzeigen?
  • Untermenü öffnen↓ / Space
  • Untermenü schließenEsc
  • Studio finden→ Studio
Tiefe
Fortgeschritten

Untere Grenzfrequenz (Lautsprecher)

Was bedeutet die untere Grenzfrequenz eines Lautsprechers — und was sagt die Zahl im Datenblatt wirklich aus?

Die untere Grenzfrequenz benennt, bis wohin ein Lautsprecher nach unten noch mitspielt: die Frequenz, bei der sein Pegel um einen festgelegten Betrag unter einen Bezugspegel gefallen ist. Welcher Betrag das ist und unter welchen Bedingungen gemessen wurde, entscheidet darüber, ob sich die Zahl mit einer zweiten vergleichen lässt.

In fast jedem Prospekt steht, wie tief eine Box hinunterspielt. Diese Zahl markiert keine Kante, hinter der plötzlich Stille beginnt — der Ton wird nach unten hin einfach immer leiser, und irgendwo zieht jemand einen Strich. Wo dieser Strich liegt, ist eine Vereinbarung, und verschiedene Hersteller vereinbaren Verschiedenes. Deshalb sagt die Prospektzahl allein wenig darüber, wie tief die Box bei Dir zu Hause spielt. Dein Zimmer verschiebt das Ergebnis noch einmal, und zwar in beide Richtungen.

Ausführliche Erklärung

Wovon abgelesen wird

Ein Lautsprecher hört nach unten hin nicht auf, er wird leiser. Die untere Grenzfrequenz entsteht deshalb aus zwei Festlegungen: einem Bezugspegel, gegen den gemessen wird, und einem Abfallbetrag, bei dem der Strich gezogen wird.

Wie das aussieht, wenn beides sauber definiert ist, zeigt die Messnorm für Wohnraumlautsprecher, die das R3-Audio-Komitee der amerikanischen Consumer Technology Association verantwortet: Bezugspegel ist der Mittelwert der Übertragungsfunktion zwischen 100 Hz und 1 kHz, die untere Grenzfrequenz liegt dort, wo die Kurve 3 dB unter diesem Mittelwert liegt, und die Messung läuft mit mindestens einem Zwölftel Oktave Auflösung. Aus diesem einen Wert leitet die Norm anschließend ihre Trennungs-Kategorien ab: Ein Lautsprecher qualifiziert sich für jede Kategorie — 80, 100, 120 oder 150 Hz —, deren Frequenz über seiner unteren Grenzfrequenz liegt.

Der Abfallbetrag ist keine Naturkonstante. Neben dem 3-dB-Punkt, für den sich die Kurzform f3 eingebürgert hat, ist ein 6-dB-Kriterium in Gebrauch, und der Übertragungsbereich nach IEC 60268-5 arbeitet mit einem noch weiteren Fenster von 10 dB. Was das für die Vergleichbarkeit heißt, löst der Eintrag Frequenzgang im Grundsatz auf: Je weiter das Fenster, desto tiefer die Zahl — ohne dass am Gerät irgendetwas anders wäre. Wer zwei Prospektzeilen nebeneinanderlegt, vergleicht also zuerst zwei Vereinbarungen und erst danach zwei Lautsprecher.

Wo gemessen wird

Die zweite Hälfte der Angabe ist die Messumgebung. Die Messnormen arbeiten reflexionsfrei: Der Lautsprecher steht im schalltoten Raum oder auf einer freien Fläche, das Mikrofon mindestens zwei Meter entfernt, und ausgewiesen wird der äquivalente Pegel bei einem Meter. Für Subwoofer gilt dasselbe Prinzip mit eigenem Aufbau — die zugehörige Norm beschreibt den Ground-Plane-Aufbau, bei dem die Bodenreflexion rechnerisch beherrschbar bleibt.

Im Wohnraum gilt etwas anderes. Unterhalb der Schroeder-Frequenz bildet eine Messung überwiegend den Raum ab und immer weniger den Lautsprecher; die Messnorm sagt das für ihre eigene Raumvorhersage ausdrücklich dazu. Der Druckkammereffekt hebt in einem geschlossenen Zimmer zu tiefen Frequenzen hin an, sodass ein Lautsprecher dort tiefer nutzbar spielt als im Freifeld. An einem konkreten Sitzplatz kann eine Raummode das Gegenteil bewirken und ausgerechnet den Bereich absenken, um den es geht. Die Grenzfrequenz am Hörplatz liegt deshalb mal unter, mal über der Datenblattangabe, und beides ist normal.

Diese zweite Zahl bewertet AVITECT getrennt von der ersten, als Bass-Extension in-room; die Herleitung und die Stufen stehen auf der Seite Bass-Extension in-room. Welches Ablesekriterium AVITECT dabei anlegt, hängt an der Domäne und ist im Performance-Level-Register festgehalten — dort steht der verbindliche Stand, nicht hier.

Die Zahl gilt nur mit dem Pegel dazu

Eine Grenzfrequenz beschreibt erst dann eine Anlagenfähigkeit, wenn dabeisteht, bei welchem Pegel sie gilt. Bei Zimmerlautstärke kommt fast jeder Subwoofer weiter hinunter als bei Referenzpegel, weil Membranhub und Verstärkerleistung dort noch nicht begrenzen. Die Planungsempfehlung für immersive Audiosysteme koppelt ihre Angabe deshalb an einen Mindestpegel, der ohne wahrnehmbare Verzerrung erreicht werden muss.

Ebenso wenig sagt der Zahlenwert etwas darüber, wie es unterhalb weitergeht. Ein geschlossenes Gehäuse fällt flach ab und profitiert dadurch besonders vom Anstieg im Zimmer; eine Bassreflexkonstruktion fällt unterhalb ihrer Abstimmung steil ab und braucht dort einen Schutzfilter. Zwei Lautsprecher mit derselben f3 verhalten sich eine Oktave tiefer also völlig verschieden — die Mechanik dahinter steht bei Bassreflex und geschlossenem Gehäuse.

Häufiges Missverständnis

„Der spielt bis 35 Hz" ist der Satz, mit dem die meisten Leser ankommen. Solange Ablesekriterium und Messbedingung fehlen, ist er eine Zusicherung ohne Inhalt: Dieselbe Box lässt sich mit einem weiteren Fenster problemlos als 30-Hz-Lautsprecher ausweisen, und ob die 35 Hz bei Zimmerlautstärke oder bei Kinopegel gelten, steht meistens nirgends.

Das zweite Missverständnis betrifft die Richtung, in die der Raum wirkt. Viele haben gehört, dass ein Zimmer im Bass „hilft", und erwarten deshalb pauschal mehr Tiefgang als im Datenblatt. Diese Anhebung setzt einen einigermaßen geschlossenen Raum voraus; in einem zur Küche offenen Wohnbereich bleibt sie weitgehend aus. Und selbst wo sie eintritt, entscheidet die Sitzposition mit: In einer Auslöschung sitzt Du unterhalb dessen, was der Hersteller ausweist, obwohl der Raumanstieg gleichzeitig wirkt.

Nicht zu verwechseln mit

  • Übergangsfrequenz: Der gewählte Trennpunkt zum Subwoofer. Die untere Grenzfrequenz sagt, wie tief ein Lautsprecher spielen kann; die Übergangsfrequenz sagt, wo Du trennst.
  • Resonanzfrequenz des Chassis (fs): Eine Eigenschaft des einzelnen Treibers, gemessen ohne Gehäuse, und einer der Thiele-Small-Parameter. Sie geht in die Auslegung ein und ist keine Angabe über das fertige System.
  • Abstimmfrequenz eines Bassreflexgehäuses: Die Resonanz aus Rohrluftmasse und Gehäusevolumen. Sie liegt typischerweise in der Nähe der unteren Grenzfrequenz, beschreibt aber die Konstruktion und nicht den Pegelverlauf.
  • Übertragungsbereich: Dieselbe Ablesemechanik mit einem bewusst weiten 10-dB-Fenster, gedacht als Reichweitenangabe.
  • Schroeder-Frequenz: Eine Grenze des Raums, unabhängig davon, welcher Lautsprecher darin steht.

In der Planung

Ein Paar Standlautsprecher, im Prospekt mit 35 Hz ausgewiesen, soll in einem geschlossenen Wohnzimmer Filmton wiedergeben. Die Konzeptfrage steht vor jeder Gerätefrage: Wie tief muss dieses System im fertigen Raum spielen, und bei welchem Pegel? Ein Kinoabend mit Referenzpegel verlangt Tiefgang unter Last, ruhiges Musikhören verlangt ihn nicht.

Erst danach kommt die Verfahrensfrage. Reicht der eigene Tiefgang der Lautsprecher für das Ziel, oder übernimmt ein Subwoofer den Bereich darunter? Weil die Prospektzahl das nicht beantwortet, ist der nächste Schritt entweder eine Herstellerkurve mit Toleranz und Messbedingung oder eine Messung am Hörplatz. Steht fest, wo die Lautsprecher wirklich abfallen, ergibt sich daraus die Übergangsfrequenz — das Vorgehen beschreibt das Kapitel Subwoofer integrieren.

Die Geräteauswahl steht am Ende dieser Kette. Und sie entscheidet weniger über das Ergebnis als die Aufstellung: Ein Subwoofer mit beeindruckender Datenblattangabe in einer ungünstigen Ecke liefert am Sitzplatz weniger als ein bescheidener an der richtigen Stelle.

Verknüpfte Inhalte

Die allgemeine Größe dahinter erklärt Frequenzgang, die Bewertung im fertigen Raum Bass-Extension in-room. Warum ein Gehäuseprinzip den Verlauf unterhalb der Grenze bestimmt, steht bei Bassreflex und geschlossenem Gehäuse, der Anstieg im Zimmer bei Druckkammereffekt und Room Gain. Ob im konkreten Fall überhaupt ein Subwoofer nötig ist, klärt Braucht es einen Subwoofer?; die Trennung selbst beschreiben Übergangsfrequenz und Bassmanagement.

Quellen

Ablesekriterium, Bezugsband und Messabstand stammen aus den CTA-Messnormen für Wohnraumlautsprecher und für Subwoofer, die Kopplung an einen Mindestpegel aus der CEDIA/CTA-Planungsempfehlung für immersive Audiosysteme. Der Übertragungsbereich mit seinem 10-dB-Fenster ist in IEC 60268-5 festgelegt; dieser Normtext ist kostenpflichtig und war beim Erstellen dieser Seite nicht eingesehen — die Definition wird von der Seite Frequenzgang übernommen.

Tastaturkürzel