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MQA (Master Quality Authenticated) — abgekündigt, aber im Gerätebestand beworben

Was war MQA — und was ist ein Gerät mit MQA-Dekodierung heute noch wert?

MQA war ein lizenzpflichtiges Verfahren, das hochauflösende Aufnahmen in Dateien von etwa CD-Größe packte und im Wiedergabegerät wieder auffaltete. Ein zweiter Bestandteil sollte belegen, dass die Datei dem vom Studio freigegebenen Master entspricht. TIDAL, für den MQA jahrelang das Unterscheidungsmerkmal gegenüber allen anderen Diensten war, hat es am 2024-07-24 vollständig entfernt.

Vor einigen Jahren gab es ein Verfahren, das feine Musikaufnahmen so zusammenfalten sollte, dass sie beim Streamen kaum mehr Platz brauchen als eine CD — auffalten musste das Gerät zu Hause, und dafür brauchte es eine Lizenz. Der Anbieter, der es groß gemacht hat, ist 2024 davon abgerückt und liefert seither ein offenes Format. Wenn auf Deinem Streamer oder Wandler noch ein entsprechendes Logo klebt: Das Gerät ist deshalb nicht schlechter geworden. Die Funktion hat nur nichts mehr zu tun.

Ausführliche Erklärung

Was das Verfahren tat

MQA wurde 2014 vorgestellt und von der eigens gegründeten MQA Ltd. lizenziert; entwickelt hat es der britische Ingenieur Bob Stuart, der zuvor die Lautsprecher- und Elektronikmarke Meridian Audio mitgegründet hatte. Zwei Bestandteile machten das Verfahren aus.

Der erste war die Verpackung. Die Signalanteile oberhalb der CD-Grenze wurden in die unteren Bits einer Datei mit CD-naher Größe eingebettet und beim Abspielen von einem lizenzierten Decoder wieder herausgeholt. Ein Gerät ohne Decoder spielte dieselbe Datei ab, ohne zu entfalten — diese Abwärtskompatibilität war das eigentliche Verkaufsargument gegenüber Diensten, die für hohe Auflösung entsprechend hohe Datenraten brauchten.

Der zweite war die Beglaubigung, auf die das Wort „Authenticated" zielt. Eine Signatur in der Datei sollte anzeigen, dass sie auf das vom Studio freigegebene Master zurückgeht; Geräte machten das mit einer eigenen Anzeige sichtbar. Damit wollte MQA eine Frage beantworten, die sonst keine Formatangabe beantwortet — welches Master eigentlich geliefert wird.

Warum es verschwunden ist

Der Bruch kam vom größten Anwender. TIDAL kündigte am 2024-06-17 an, MQA und Sony 360 Reality Audio zu entfernen, und vollzog es am 2024-07-24; an ihre Stelle trat FLAC, ein offenes und lizenzfreies Format. Ein Dienst, der zuvor das Verfahren zum Alleinstellungsmerkmal gemacht hatte, gab damit die Abhängigkeit von einem lizenzierten Format auf.

Über das Verfahren selbst ist in der Fachwelt jahrelang gestritten worden — darüber, wie verlustfrei die Faltung wirklich ist, und darüber, was die Beglaubigung praktisch belegt. Dieser Streit gehört nicht auf eine Begriffsseite und wird hier nicht entschieden. Was sich ohne Wertung sagen lässt: Ein lizenzpflichtiges Format setzt voraus, dass Dienst, Gerätehersteller und Tonträgerhersteller gleichzeitig mitziehen, und diese Voraussetzung ist entfallen.

Was ein Gerät mit MQA-Dekodierung heute leistet

Die Funktion braucht Material, das es beim größten Anbieter nicht mehr gibt. Wo noch MQA-Dateien vorliegen — gekaufte Downloads, ältere Sammlungen —, entfaltet der Decoder sie weiter; ohne Decoder spielen dieselben Dateien in CD-naher Auflösung ab. Ein Bestandsgerät verliert also keine Funktion, es verliert das Angebot dazu.

Für Kaufentscheidungen folgt daraus zweierlei. Ein vorhandenes Gerät ist kein Grund zum Tausch, denn alles, was es sonst kann, kann es unverändert. Und ein Aufpreis für MQA-Dekodierung bei einem Neugerät lässt sich heute nicht mehr begründen. Über einen Streamer oder Wandler entscheiden die Zuspielwege, die er beherrscht, und die Auflösungen, die er verarbeitet.

Häufiges Missverständnis

„Die MQA-Anzeige leuchtet, also höre ich hochauflösend." Die Anzeige meldete, dass eine MQA-Datei erkannt und entfaltet wurde. Welche Auflösung dabei herauskam und aus welchem Master sie stammte, war der Anzeige nicht zu entnehmen — das war Teil der Auseinandersetzung um das Verfahren.

„Ohne MQA-Gerät bekomme ich bei TIDAL schlechteren Ton." Das Gegenteil ist der Stand seit dem Formatwechsel: Der Dienst liefert FLAC, und das liest jedes aktuelle Gerät ohne Lizenz. Wer sein Abo wegen MQA abgeschlossen hatte, hat den Grund verloren, nicht die Qualität.

„Meine MQA-Käufe sind jetzt wertlos." Die Dateien bleiben abspielbar. Ohne Decoder liefern sie CD-nahe Auflösung, mit Decoder das, was sie vorher lieferten.

Nicht zu verwechseln mit

  • Hi-Res Audio: Eine Kennzeichnung für Aufnahmen und Geräte oberhalb der CD-Auflösung. MQA war ein Verfahren, das dieses Ziel auf einem eigenen Weg erreichen wollte, und keine Kennzeichnung.
  • Verlustfreie Kompression: FLAC und ALAC stellen die Ausgangsdatei Bit für Bit wieder her und brauchen dafür keine Lizenz. Genau dieser Unterschied hat den Ausschlag gegeben.
  • Sony 360 Reality Audio: Wurde bei TIDAL gleichzeitig entfernt und wird deshalb oft in einem Atemzug genannt, ist aber ein Raumklangformat und kein Auflösungsverfahren — die eigene Seite erklärt es und seine auffallend ähnliche Beratungslage.
  • Kopierschutz: Die Signatur in der Datei beglaubigte die Herkunft und sperrte nichts. Eine MQA-Datei ließ sich auf jedem Gerät abspielen.

Aus der Praxis

Ein Kunde meldet sich, weil sein Netzwerkspieler „MQA" auf der Front stehen hat und die Anzeige seit einiger Zeit dunkel bleibt. Er vermutet einen Defekt und fragt nach einem Nachfolgegerät.

Bevor über ein Gerät gesprochen wird, gehört geklärt, was die Anlage leisten soll und was heute tatsächlich fehlt. Im Regelfall fehlt nichts — der Dienst hat das Format gewechselt, das Gerät ist unverändert. Daran schließt der Weg an: Wie kommt der Dienst ins Gerät, und welche Auflösung lässt dieser Weg durch? Hier liegt der Hebel, wenn wirklich etwas verbessert werden soll. Ein neues Gerät steht danach oft gar nicht mehr zur Debatte, und wenn doch, dann aus einem anderen Grund als dem erloschenen Logo.

Verknüpfte Inhalte

Was die Schwelle zur hochauflösenden Wiedergabe ausmacht, steht beim Eintrag zu Hi-Res Audio; wie ein offenes Format dieselbe Aufgabe ohne Lizenz löst, bei der verlustfreien Kompression. Welchen Weg das Signal in die Anlage nimmt, klären die Zuspielprotokolle, und was am Ende daraus wird, der Digital-Analog-Wandler. Welcher Dienst heute welche Formate führt, hält das Register der Musikstreaming-Dienste fest.

Quellen

Der Formatwechsel bei TIDAL ist über eine benannte Fachpublikation belegt; eine Primärquelle beim Anbieter war nicht abrufbar. Die Verfahrensbeschreibung folgt der Darstellung des Urhebers.

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