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DALI (Bussystem)

Was ist DALI — und warum ist damit nicht der Lautsprecherhersteller gemeint?

DALI ist die Abkürzung für Digital Addressable Lighting Interface, einen digitalen Bus für die Lichtsteuerung, festgelegt in der Normenreihe IEC 62386. Über zwei Adern werden Leuchten einzeln angesprochen, gedimmt und abgefragt. Der Name ist doppelt belegt, und die Verwechslung passiert in Planungsunterlagen regelmäßig: DALI heißt auch ein dänischer Lautsprecherhersteller — Danish Audiophile Loudspeaker Industries, 1983 von Peter Lyngdorf gegründet, Sitz in Nørager. Beide kommen in AVITECT-Projekten vor, und miteinander zu tun haben sie nichts. Steht DALI in einer Elektroplanung, ist der Lichtbus gemeint; steht es auf einer Lautsprecherliste, der Hersteller.

Normalerweise entscheidet die Verkabelung, welche Lampen zusammen geschaltet werden — der Schalter hängt an genau diesen Leuchten. Bei DALI ist das anders: Alle Leuchten hängen an einer gemeinsamen Leitung, und jede hat eine eigene Nummer. Wer mit wem zusammen hell wird, entscheidet danach die Software. Willst Du zwei Jahre später eine andere Aufteilung, muss niemand die Wand aufstemmen. Der Preis dafür ist, dass eine solche Anlage einmal eingerichtet werden muss und dass jemand diese Einrichtung dokumentiert haben sollte.

Ausführliche Erklärung

Der Kern ist ein Zweidraht-Bus, auf dem Daten und Busversorgung zugleich liegen. Ein separates Kabel für die Stromversorgung der Bus-Elektronik gibt es nicht; ein Busnetzteil speist typisch 16 Volt mit bis zu 250 Milliampere ein, und daraus leben alle Teilnehmer mit. Die Kommunikation läuft in beide Richtungen: Ein Betriebsgerät nimmt nicht nur Befehle entgegen, es antwortet auch auf Abfragen und meldet Zustände zurück.

Eine DALI-Linie fasst 64 Betriebsgeräte — also Vorschaltgeräte und LED-Treiber — und daneben 64 Steuergeräte wie Sensoren und Bedienstellen. Innerhalb dieser Linie lassen sich die Leuchten in 16 Gruppen zusammenfassen und in 16 Szenen abrufen. Das ist die eigentliche Leistung des Systems: Welche Leuchte zu welcher Gruppe gehört, entscheidet nicht die Verkabelung, sondern die Adressierung. Eine Umgruppierung ist eine Softwareänderung.

Die Datenrate liegt bei 1200 Bit pro Sekunde, und das ist kein Versäumnis, sondern eine Auslegungsentscheidung. Für einen Dimmbefehl reicht sie mit großem Abstand, und die niedrige Rate erlaubt genau die anspruchslose Verkabelung, die den Reiz des Systems ausmacht. Sie bedeutet aber auch, dass DALI kein Datennetz ist. Wer darüber noch etwas anderes transportieren möchte, plant am System vorbei.

Die Kabelfrage

Hier sitzt die Fehlannahme, die in Ausschreibungen am meisten Geld kostet. Ein proprietäres DALI-Kabel ist nicht erforderlich. Die DALI Alliance stellt ausdrücklich fest, dass Daten und Busversorgung über dasselbe Aderpaar laufen, ohne dass es ein eigenes Buskabel braucht — verlangt sind zwei Leiter mit geeigneten elektrischen und installationstechnischen Eigenschaften, nicht ein bestimmtes Produkt. Als Planungsreferenz nennt die Alliance einen empfohlenen Höchstabstand von 300 Metern zwischen den beiden am weitesten voneinander entfernten Geräten, bei 1,5 Quadratmillimeter Querschnitt und 250 Milliampere Busstrom. Die aufsummierte Leitungslänge darf darüber liegen, solange dieser Abstand eingehalten wird.

Zwei Eigenschaften machen die Installation zusätzlich anspruchslos. Die Polarität des Aderpaars muss nicht beachtet werden — vertauschte Adern sind kein Fehler. Und Abschlusswiderstände gibt es nicht; zulässig sind Linien, Sterne und Mischformen. Wer von RS-485 kommt, muss sich das ausdrücklich abgewöhnen: Dort erzwingt die Physik die Kette und den Abschluss an beiden Enden, hier gilt beides nicht.

DALI und DALI-2

Die zweite Generation, DALI-2, ist keine neue Verkabelung, sondern eine Erweiterung und Verschärfung der Norm. Sie nimmt die Steuergeräte — Sensoren, Bedienpanels, Applikationscontroller — mit in die Festlegung auf, die vorher weitgehend Herstellersache waren, und sie verlangt für das Logo eine Prüfung mit unabhängiger Verifikation. Für die Planung ist das der greifbare Unterschied: Ein DALI-2-Logo steht für geprüfte Zusammenarbeit, die Angabe „DALI-kompatibel" auf einem Datenblatt für eine Herstelleraussage.

Häufiges Missverständnis

Das erste betrifft das Kabel und wurde oben behandelt: Die Vorstellung vom besonderen DALI-Kabel hält sich hartnäckig, und sie stammt nicht von der Alliance. Wer sie in eine Ausschreibung schreibt, kauft ein Produktmerkmal, das die Norm nicht verlangt.

Das zweite ist folgenreicher. DALI wird gern als Smart-Home-System verstanden, das KNX oder eine Gebäudesteuerung ersetzen könnte. Das ist es nicht. DALI adressiert Leuchten, sonst nichts — keine Jalousie, keine Heizung, keine Szene über mehrere Gewerke hinweg. In einer realen Installation sitzt der DALI-Bus deshalb fast immer hinter einem Gateway an KNX oder an einer Steuerplattform, und dort entsteht auch die Verknüpfung mit dem Kinobetrieb. Wer DALI als Gesamtsystem plant, merkt spätestens beim ersten „Licht runter, wenn der Film startet", dass eine Ebene fehlt.

Und ein drittes, das keine technische Frage ist: Auf Angebotslisten steht DALI in beiden Bedeutungen nebeneinander, einmal für die Lichtsteuerung und einmal für die Lautsprecher. Wer beides im selben Projekt hat, schreibt besser die volle Bezeichnung aus.

Nicht zu verwechseln mit

  • DALI, der Lautsprecherhersteller: Danish Audiophile Loudspeaker Industries, dänischer Lautsprecherbauer. Gleicher Name, kein Zusammenhang — die häufigste Verwechslung überhaupt bei diesem Begriff.
  • 0-10-V- und 1-10-V-Steuerung: analoge Dimmsteuerung über eine Steuerspannung. Polaritätsempfindlich, ohne Adressierung, ohne Rückmeldung — hier zählt die Verkabelung wieder, weil sie die Gruppierung festlegt.
  • KNX: ein Gebäudebus für alle Gewerke. DALI ist der Lichtbus darunter, üblicherweise über ein Gateway angebunden.
  • DMX512: Lichtprotokoll auf RS-485-Elektrik, aus der Bühnentechnik kommend. Schnell und für Effektlicht gemacht, aber ohne Rückkanal und ohne die Adressverwaltung von DALI.
  • DALI+: die Übertragung von DALI-Befehlen über Funk oder IP statt über das Aderpaar. Dieselbe Sprache, anderes Medium.

In der Planung

Ein dedizierter Kinoraum bekommt indirekte Deckenbeleuchtung, Stufenleuchten am Podest und ein Wandlicht. Vor jeder Produktentscheidung liegt eine Zählaufgabe: Wie viele unabhängig dimmbare Gruppen braucht der Raum, und welche Zustände soll er kennen — Eintreten, Vorfilm, Film, Pause, Aufräumen?

Bleiben es drei feste Gruppen mit drei Szenen, tut es eine dimmbare Kreiseinteilung; die zusätzliche Bus-Ebene bringt dann nichts, was den Aufwand rechtfertigt. Sobald einzelne Leuchten getrennt ansteuerbar sein sollen oder die Aufteilung später noch einmal wechseln darf, wird DALI zur passenden Ebene — und zwar je Leuchte, nicht je Kreis, sonst verschenkt man genau die Eigenschaft, für die man bezahlt. Erst danach kommen Treiber, Leuchten und Gateway.

Ein letzter Punkt gehört in dieselbe Phase, weil er später nicht mehr nachholbar ist: Wer adressiert den Bus, und wo landet die Adressliste? Eine DALI-Linie ohne dokumentierte Zuordnung von Kurzadresse zu Leuchte ist bei jeder Erweiterung ein Neuanfang. Die Liste gehört in die Anlagendokumentation, nicht auf den Laptop des Inbetriebnehmers.

Verknüpfte Inhalte

Warum der Verzicht auf Abschlusswiderstände hier möglich ist und bei RS-485 nicht, klärt der Eintrag zu RS-485 und RS-422. Die einfachste Kopplung ohne Adressierung behandelt der 12-Volt-Trigger. Für Querschnitt und Kabelbezeichnung siehe Leiterquerschnitt und AWG, für die Anforderungen an das Brandverhalten von Leitungen den zugehörigen Eintrag.

Quellen

Die Angaben zu Adressierung, Gruppen, Szenen, Busspannung, Busstrom, Datenrate, Polarität, Topologie und Leitungslänge stammen aus der öffentlichen Dokumentation der DALI Alliance, die Festlegungen selbst aus der Normenreihe IEC 62386. Die Auflösung und Herkunft des gleichlautenden Lautsprecher-Markennamens ist bei DALI Speakers belegt.

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