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Fortgeschritten

Bodeneffekt

Was ist der Bodeneffekt bei der Schallausbreitung im Freien?

Der Bodeneffekt ist die Überlagerung des Direktschalls mit seiner eigenen Reflexion am Boden. Weil der reflektierte Anteil einen Umweg zurücklegt, kommen beide zeitversetzt an und ergeben je nach Frequenz eine Anhebung oder eine Absenkung.

Draußen hörst Du den Ton doppelt: einmal auf geradem Weg und einmal über den Umweg am Boden. Weil der zweite Weg etwas länger ist, kommen beide leicht versetzt an, und bei manchen Tönen heben sie sich dabei gegenseitig auf. Wie stark das passiert, hängt daran, worüber der Schall läuft. Über Pflaster oder Wasser wird fast alles zurückgeworfen und es kommt mehr an; über Rasen schluckt der Boden einen Teil. Deshalb ist derselbe Lautsprecher über eine Wasserfläche viel weiter zu hören als über eine Wiese.

Ausführliche Erklärung

Maßgeblich ist der Laufzeitunterschied zwischen beiden Wegen. Wo der Umweg einer halben Wellenlänge entspricht, treffen die Anteile gegenphasig ein und löschen sich weitgehend aus; wo er einer ganzen Wellenlänge entspricht, addieren sie sich. Dieselbe Mechanik beschreibt der Eintrag zu SBIR für die Wand hinter einem Lautsprecher — draußen tritt an die Stelle des Wandabstands die Höhe von Quelle und Empfänger über dem Boden. Ändert sich eine dieser Höhen, verschiebt sich das gesamte Muster.

Die zweite Größe ist die Bodenart, und sie wirkt auf zwei Wegen zugleich. Harte Flächen wie Pflaster, Beton, verdichtete Erde oder Wasser werfen nahezu vollständig zurück. Weiche, poröse Böden wie Rasen, lockere Erde oder Schnee nehmen einen Teil der Energie auf und drehen zusätzlich die Phase des reflektierten Anteils — und dieser Phasendreh ist der eigentlich wirksame Beitrag. Er verschiebt die Auslöschung dorthin, wo über hartem Boden noch Verstärkung stünde. Das Ergebnis ist keine breitbandige Dämpfung, sondern eine ausgeprägte Absenkung in einem Band im unteren Mittelton; darunter läuft der Bass weitgehend ungestört weiter.

Was der Beitrag im Zusammenspiel mit Luftabsorption, Abschirmung und Wetterlage ausmacht, ordnet die Seite zur Schallausbreitung im Freien ein.

Häufiges Missverständnis

„Rasen schluckt den Schall" ist die verbreitete Kurzformel, und sie setzt den falschen Schwerpunkt. Der Rasen schluckt einen Teil, aber der spürbare Verlust entsteht nicht dabei, sondern durch die Auslöschung — und die trifft nur ein begrenztes Band. Wer daraufhin die Rasenfläche zum Nachbarn hin als Schallschutz einplant, hat für den Tiefton nichts gewonnen, also für genau den Anteil, der über größere Entfernungen ohnehin allein übrig bleibt.

Ein zweiter Punkt betrifft Messungen. Zwei Außenmessungen am selben Ort können deutlich auseinanderliegen, nur weil das Mikrofon einmal auf 1,2 und einmal auf 1,5 Meter stand. Ohne protokollierte Höhe von Quelle und Mikrofon sind Außenwerte deshalb nicht vergleichbar — und das gilt für die eigene Messung genauso wie für Zahlen, die aus einer Nachbarschaftsdiskussion mitgebracht werden.

Nicht zu verwechseln mit

  • SBIR: Physikalisch dieselbe Interferenz zwischen Direktschall und einer Reflexion an einer Grenzfläche, aber im Raum und an der Wand hinter dem Lautsprecher. Dort hängt die Einbruchsfrequenz am Wandabstand, hier an den Höhen über dem Boden.
  • Abschirmung: Eine Wand oder ein Wall unterbricht die Sichtlinie, und der Schall muss über die Kante gebeugt werden. Das ist ein anderer Mechanismus und wirkt vor allem im Hochton.
  • Luftabsorption: Ein Energieverlust auf der Wegstrecke, der mit der Frequenz zunimmt und überall gleichzeitig wirkt. Die Interferenz am Boden vernichtet dagegen nichts — wo an einem Ort ausgelöscht wird, wird an einem anderen verstärkt. Nur der poröse Boden nimmt zusätzlich einen Teil auf.

In der Planung

Ein Grundstück mit Pool zwischen Terrasse und Nachbargrenze, die Außenanlage soll auf der Terrasse spielen. Der Kunde rechnet mit der Wasserfläche als Abstandspuffer.

Zuerst die Konzeptfrage: Welcher Weg liegt zwischen Quelle und Grundstücksgrenze? Wasser ist akustisch ein harter Spiegel und damit der beste Schallweg, den ein Garten zu bieten hat — die Reflexion addiert sich zum Direktschall, statt etwas wegzunehmen. Damit steht die Verfahrensfrage anders als erwartet: Nicht mehr Abstand hilft, sondern die Ausrichtung der Quellen weg von diesem Weg. Erst danach kommt die Gerätefrage, und die fällt in dieser Lage eher auf mehrere leise Quellen nah an den Sitzplätzen als auf eine laute an der Terrassenkante — nicht wegen des Bodens, sondern weil sich damit der Pegel senken lässt, der überhaupt auf die Wasserfläche trifft.

Verknüpfte Inhalte

Die vollständige Ausbreitungsrechnung steht auf der Seite zur Schallausbreitung im Freien, die Grundrechnung auf der Formelseite zum Pegelabfall im Freifeld. Die beiden anderen Beiträge behandeln die Einträge zur Luftabsorption und zur Schallbrechung durch Wind- und Temperaturschichtung. Dieselbe Interferenz im Raum, nur an der Wand hinter dem Lautsprecher, erklärt der Eintrag zu SBIR.

Quellen

Der Bodendämpfungsterm mit Bodenfaktor und Höhenabhängigkeit folgt ISO 9613-2.

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