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Fortgeschritten

Basisbreite

Was ist die Basisbreite — und woran bemisst sie sich: am Sitzabstand oder am Bild?

Die Basisbreite ist der Abstand zwischen dem linken und dem rechten Frontlautsprecher, gemessen zwischen ihren akustischen Zentren. Sie legt fest, wie weit die Fläche aufgespannt wird, auf der zwischen den beiden Lautsprechern überhaupt Richtungen entstehen können — außerhalb dieser Basis entsteht keine stabile Abbildung mehr, innerhalb entscheidet sie über Breite und Stabilität der Bühne.

Deine beiden vorderen Lautsprecher spannen zwischen sich eine Fläche auf, auf der Stimmen und Instrumente ihren Platz bekommen. Wie weit die beiden auseinanderstehen, entscheidet, wie breit diese Fläche wird. Stehen sie eng beieinander, spielt alles auf einem schmalen Streifen vor Dir. Stehen sie weit auseinander, wird die Fläche breit, und die Mitte kann dabei unscharf werden. Der richtige Abstand hängt davon ab, wie weit Du weg sitzt — und im Heimkino zusätzlich davon, wie breit Dein Bild ist.

Ausführliche Erklärung

Zwei Bezugsgrößen, ein Maß

Die Basisbreite ist keine Zahl für sich. Sie wird immer im Verhältnis zu etwas anderem angegeben, und in der Planung sind das zwei Größen.

Die erste ist der Sitzabstand. Stereoaufnahmen werden auf einen Öffnungswinkel von 60 Grad abgemischt, die beiden Frontkanäle liegen also je 30 Grad links und rechts von der Blickrichtung; so beschreibt es auch die Empfehlung ITU-R BS.775 für die Anordnung der Kanäle. Daraus folgt ein festes Verhältnis: Die Basisbreite misst rund das 1,15-Fache des senkrechten Abstands vom Hörplatz zur Verbindungslinie der beiden Lautsprecher. Bei 3,00 Metern senkrechtem Abstand sind das rund 3,45 Meter Basis.

Die zweite ist die Bildbreite. Sobald ein Bild im Raum ist, hat der Ton einen sichtbaren Bezugsort, und das Gehör zieht die Ortung zum gesehenen Ereignis, solange die Abweichung klein bleibt — rund zehn Grad in der Waagerechten, wie es der Eintrag zur Ton-Bild-Kohärenz ausführt. Ein Effekt, der links im Bild passiert, soll aus der linken Bildhälfte kommen. Deshalb gehören die Frontlautsprecher im Heimkino an die Bildränder, und die Basisbreite ist damit gesetzt, bevor über Winkel gesprochen wird.

Warum Bild und Stereo-Geometrie verschiedene Maße verlangen

Beide Verhältnisse gleichzeitig zu erfüllen, gelingt selten. Ein Fernseher mit 65 Zoll Diagonale ist rund 1,44 Meter breit. Steht die Couch 3,00 Meter davor und stehen die Lautsprecher an den Bildrändern, liegt der Öffnungswinkel bei rund 27 Grad — weniger als die Hälfte dessen, was eine Stereoaufnahme erwartet. Für die 60 Grad müsste die Basis auf rund 3,45 Meter wachsen, also gut das Doppelte der Bildbreite. Selbst bei einer Projektion verschwindet die Differenz nicht: Eine 3,00 Meter breite Bildfläche ergibt bei 3,50 Metern Sitzabstand rund 46 Grad.

Die Richtung ist damit im Wohnraum fast immer dieselbe. Eine Front, die dem Bild folgt, ist für Stereo zu schmal, und eine Front, die der Stereo-Geometrie folgt, schiebt Filmeffekte über den Bildrand hinaus. Wer die Lautsprecher für die Musikwiedergabe weiter auseinanderstellt, kauft Bühnenbreite mit einer Trennung von Ton und Bild an den Bildrändern — das ist eine Abwägung und keine Einstellungssache am Verstärker.

Aufgelöst wird der Widerspruch durch den Center. Er ist eine reale Quelle in der Bildmitte und hält den Dialog dort fest, während die schmale Basis zwischen den Frontkanälen nur noch die Effekte und die Musikanteile aufspannt. Genau deshalb ist die Frage nach der Basisbreite im Mehrkanalsystem entspannter als im reinen Stereoaufbau: Was eine schmale Basis an Mittenstabilität kostet, übernimmt dort ein eigener Lautsprecher.

Wo gemessen wird

Gemessen wird zwischen den akustischen Zentren, also näherungsweise zwischen Mittel- und Hochtöner der beiden Lautsprecher — nicht zwischen den Gehäuseaußenkanten und nicht zwischen den Gehäusemitten, wenn das Chassis außermittig sitzt. Bei zwei Standlautsprechern mit je 30 Zentimetern Gehäusebreite liegen zwischen der Außenkanten- und der Chassismessung schon 30 Zentimeter Unterschied, und bei einer Basis von gut zwei Metern ist das rund ein Siebtel des Maßes.

Gemessen wird deshalb am Ort des Hochtöners, und zwar auf beiden Seiten gleich. Eine ungleiche Messung fällt später als schiefe Mitte auf, deren Ursache niemand mehr findet, weil das Bandmaß längst weggeräumt ist.

Häufiges Missverständnis

Die verbreitete Faustregel lautet, die Basisbreite entspreche dem Hörabstand. Sie stimmt, solange mit Hörabstand die Strecke vom Hörplatz zum einzelnen Lautsprecher gemeint ist — im gleichseitigen Dreieck sind beide Strecken gleich lang. Gemeint ist im Gespräch aber meistens der senkrechte Abstand zur Front, und der ist im selben Dreieck rund 13 Prozent kürzer. Wer die Regel mit dieser zweiten Bedeutung anwendet, stellt die Lautsprecher zu eng und wundert sich über eine schmale Bühne.

Ebenso verbreitet ist die Annahme, eine breitere Basis ergebe immer die größere Bühne. Über die 60 Grad hinaus wächst zunächst nur der Abstand, nicht der Eindruck von Raum: Die Mitte wird unsicher, Stimmen wirken gedehnt, und ab einem gewissen Punkt hört man zwei Lautsprecher an ihren jeweiligen Orten. Was eine Bühne wirklich tief und breit macht, hängt an der Symmetrie der beiden Seiten und am Verhalten der ersten Seitenreflexionen — beides bleibt wirksam, wenn der Abstand längst ausgereizt ist.

Nicht zu verwechseln mit

  • Stereodreieck: Die vollständige Geometrie aus Basis, Hörabstand und Einwinkelung. Die Basisbreite ist eine ihrer Seiten.
  • Hörabstand: Die Strecke zwischen Hörplatz und Lautsprecher. Sie steht mit der Basisbreite in einem Verhältnis, ist aber nicht dasselbe Maß.
  • Bildbreite: Das Maß der Bildfläche. Im Heimkino gibt sie die Basisbreite vor, im Musikraum kommt sie nicht vor.
  • Sweet Spot: Der Bereich, in dem der Hörer sitzen muss. Die Basisbreite beeinflusst seine Größe, beschreibt ihn aber nicht.

In der Planung

Ein Wohnzimmer von 4,50 Metern Breite, ein 75-Zoll-Fernseher an der Stirnwand, die Couch 3,20 Meter davor, genutzt für Filmabende und für Musik am Wochenende. Die Frage, die zuerst beantwortet gehört, ist keine Lautsprecherfrage: Soll diese Front dem Bild folgen oder der Stereo-Geometrie?

Fällt die Entscheidung für das Bild, endet die Front bei rund 1,66 Metern Basis, und ein realer Center ist dann Voraussetzung dieser Auslegung: ohne ihn sitzt der Dialog auf einer schmalen Phantommitte, die bei jedem seitlichen Platz wandert. Die Musikwiedergabe bekommt eine kompaktere Bühne, was bei diesem Sitzabstand hörbar ist und bewusst in Kauf genommen wird. Fällt die Entscheidung für die Musik, wandern die Lautsprecher auf rund 3,70 Meter auseinander — in einem 4,50 Meter breiten Raum bleiben damit nur noch rund 40 Zentimeter bis zur Seitenwand, und die seitliche Reflexion kommt entsprechend kurz nach dem Direktschall am Hörplatz an. Dieser Aufbau verlangt gleiche Wandabstände auf beiden Seiten und eine Behandlung der Erstreflexionspunkte; Effekte am Bildrand lösen sich außerdem sichtbar vom Geschehen. Erst nach dieser Festlegung wird über Bauform und Modell gesprochen: Eine Front am Bildmaß erlaubt schmale Gehäuse oder eine passive LCR-Bar, eine weit gestellte Front verlangt Platz neben dem Möbel.

Die dritte Möglichkeit — beides zugleich über zwei Lautsprecherpaare — ist technisch machbar und verdoppelt die Fläche, die an der Stirnwand gebraucht wird. Sie kommt in der Praxis nur infrage, wenn die Wand ohnehin gebaut wird.

Verknüpfte Inhalte

Wie aus zwei Lautsprechern eine Richtung entsteht, steht bei der Phantomschallquelle; die vollständige Aufstellungsgeometrie beschreibt das Stereodreieck. Warum der Ton der Bildmitte aus der Bildmitte kommen muss, führt die Ton-Bild-Kohärenz aus, und was am Hörplatz davon ankommt, der Sweet Spot.

Quellen

Der Öffnungswinkel von 60 Grad und die Anordnung der Frontkanäle folgen ITU-R BS.775, die Aussagen zur Stabilität der Mitte und zur Rolle des Centers Toole. Die Verhältniszahlen 1,15 und 13 Prozent sowie die Winkelangaben zu Bildbreiten und Sitzabständen sind aus der Geometrie gerechnet und brauchen keinen weiteren Beleg.

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