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Automation und Regel

Was ist eine Automation — und was unterscheidet sie von einer Szene?

Eine Automation ist eine gespeicherte Regel, die von selbst läuft: Ein Ereignis löst sie aus, eine Bedingung entscheidet, ob sie diesmal gilt, und eine Aktion führt sie aus. Der Unterschied zur Szene liegt im ersten Teil — eine Szene geht an, weil jemand sie auslöst, eine Automation wartet auf ihr Ereignis.

Manches im Haus soll ohne Dich passieren: Das Außenlicht geht an, wenn es dunkel wird. Die Heizung geht herunter, wenn niemand mehr da ist. Damit das klappt, braucht die Technik drei Angaben — wann sie hinsehen soll, ob sie es diesmal wirklich machen darf, und was dann geschehen soll. Der mittlere Punkt wird am häufigsten vergessen, und dann geht das Außenlicht auch mittags an.

Ausführliche Erklärung

Auslöser, Bedingung und Aktion

Jede Automation besteht aus denselben drei Teilen, gleichgültig, wie die jeweilige Oberfläche sie nennt. Der Auslöser sagt, wann die Anlage überhaupt hinsieht. Die Bedingung entscheidet in genau diesem Moment, ob die Regel diesmal gilt. Die Aktion ist das, was dann geschieht.

Der Unterschied zwischen den ersten beiden Teilen wird oft übersehen und ist der häufigste Grund für eine Regel, die nie anspringt. Ein Auslöser ist ein Moment: Es wird 22 Uhr, ein Fenster geht auf, der Projektor schaltet ein. Eine Bedingung ist ein Zustand, der in diesem Moment abgefragt wird: Ist jemand zu Hause? Ist es draußen dunkel? Läuft gerade ein Film? Wer „es ist dunkel" als Auslöser einträgt, wartet vergeblich — ein Zustand tritt nicht ein, er besteht bereits. Ausgelöst wird durch den Übergang, geprüft wird der Zustand.

Daraus folgt eine praktische Regel für die Einrichtung: Erst den Moment suchen, dann die Einschränkungen dazu. Wer umgekehrt anfängt, landet bei Regeln, die im Minutentakt prüfen, ob die Welt sich verändert hat — das funktioniert, belastet aber Bus und Steuerung ohne Not.

Woher der Auslöser kommt

Vier Sorten Auslöser kommen in Wohnhäusern regelmäßig vor, und sie unterscheiden sich vor allem in ihrer Verlässlichkeit.

Zeit ist der einfachste Fall, und hier steckt eine Entscheidung, die im Sommer niemandem auffällt: Eine feste Uhrzeit passt für Vorgänge, die am Kalender hängen — Nachtabsenkung, Bewässerung, Ruhezeiten. Alles, was mit Licht zu tun hat, gehört an den Sonnenstand, denn zwischen Juni und Dezember liegen beim Sonnenuntergang mehrere Stunden. Eine Beschattung, die um 20 Uhr schließt, ist im Winter vier Stunden zu spät.

Sensoren melden Bewegung, Präsenz, Helligkeit, Temperatur oder ein offenes Fenster. Die wichtigste Unterscheidung liegt zwischen einem Bewegungsmelder, der auf Ortsveränderung anspricht, und einem Präsenzmelder, der auch jemanden erkennt, der still im Sessel sitzt. Genau daran entscheidet sich, ob das Licht beim Lesen ausgeht.

Gerätezustände sind die Sorte, die ein Heimkino braucht: Der Projektor geht an, also fährt die Leinwand herunter und das Licht dimmt. Das setzt voraus, dass das Gerät seinen Zustand meldet — die Steuerung muss ihn erfahren, nicht vermuten. Woher diese Rückmeldung kommt, klärt der Gerätetreiber; der einfachste Fall ist ein Schaltausgang, wie ihn Trigger (12 Volt) beschreibt.

Anwesenheit — erkannt am Telefon im WLAN oder an einer Ortsgrenze — ist der unzuverlässigste der vier. Ein Telefon meldet sich verspätet am Netz an, ein Akku geht leer, ein Gast hat gar keine Kennung im System. Anwesenheit eignet sich deshalb als Bedingung („nur wenn niemand da ist") deutlich besser als als Auslöser für alles, was jemandem im Haus auffallen würde.

Bedingungen und ihre Verschachtelung

Bedingungen lassen sich verknüpfen, und genau hier wird aus einer verständlichen Anlage eine, die nach drei Jahren niemand mehr anfasst. Die Prüfung dafür ist einfach: Lässt sich die Regel in einem Satz vorlesen, ohne dass der Zuhörer nachfragt? „Wenn es nach Sonnenuntergang im Flur Bewegung gibt und niemand schläft, Licht auf dreißig Prozent" — das geht. Vier verschachtelte Ebenen mit gemischtem Und und Oder gehen nicht mehr.

Der Ausweg ist Zerlegung in mehrere kleine Regeln, und der bringt ein eigenes Problem mit: Zwei Regeln können dasselbe Gerät gegenläufig schalten, und dann entscheidet die Reihenfolge, was der Bewohner sieht. Der klassische Fall sind eine Regel für die Dämmerung und eine für die Abwesenheit, die sich abends überschneiden. Zu jeder Anlage mit mehr als einer Handvoll Regeln gehört deshalb eine Festlegung, welche Regel bei Widerspruch die Führung hat — dieselbe Frage, die beim Gateway über Systemgrenzen hinweg gestellt wird.

Ab hier wird aus einer Automation eine Wartungsaufgabe. Wer die Regeln schreibt, muss sie in fünf Jahren noch lesen können — oder jemand anderes muss es. Weil im Alltag meist dieselbe Person davorsitzt, die sie geschrieben hat, wird dieser Aufwand regelmäßig unterschätzt.

Automation und Szene gehören getrennt

Eine Automation ruft eine Szene auf. Das eine ist der Auslöser, das andere der Zielzustand, und beide getrennt zu halten ist eine Planungsentscheidung mit spürbaren Folgen.

Steht der Zielzustand ausgeschrieben in der Regel selbst — Licht auf dreißig Prozent, Beschattung auf halb, Verstärker auf Eingang drei —, dann steht er in jeder Regel noch einmal, die dasselbe erreichen soll. Ändert sich die gewünschte Beleuchtung, wird sie an zehn Stellen geändert, und beim zweiten Mal wird eine übersehen. Ruft die Regel dagegen die Szene „Abend" auf, wird die Szene einmal angepasst, und alle Auslöser stimmen weiter.

Umgekehrt gilt dasselbe: Derselbe Zielzustand hat oft mehrere Auslöser — den Taster an der Tür, die Dämmerung, das Ende eines Films. Getrennt gehalten sind das drei kleine Regeln auf eine Szene. Zusammengeschrieben sind es drei Kopien desselben Zustands.

Wenn die Automation dem Bewohner die Kontrolle nimmt

Der Satz, der eine Anlage im Alltag zum Ärgernis macht, lautet: „Das Licht geht aus, während ich lese." Technisch ist alles richtig — der Bewegungsmelder hat keine Bewegung gesehen, die Nachlaufzeit ist abgelaufen, die Regel hat ausgeführt, was in ihr steht. Für den Menschen im Sessel ist es trotzdem ein Fehler.

Drei Festlegungen halten Automationen erträglich, und sie gehören vor die Geräteauswahl:

Erstens hat eine Handbedienung Vorrang. Wer am Taster oder in der App etwas verstellt, setzt die zuständige Automation für eine festgelegte Zeit außer Kraft. Ohne diesen Vorrang bedient der Bewohner gegen seine eigene Anlage.

Zweitens braucht jede selbsttätige Aktion einen offensichtlichen Weg zurück, und zwar dort, wo sie auffällt. Ein Wandtaster im Raum ist der richtige Ort; ein Telefon, das erst entsperrt und geladen werden will, ist es nicht.

Drittens — und das ist die Festlegung, die am meisten spart —, richtet sich die Zurückhaltung eines Auslösers nach der Schwere seiner Folge. Eine Umwälzpumpe darf nach Zeitplan laufen, weil ihr Schalten niemandem auffällt. Eine Beschattung, die einen Raum verdunkelt, in dem jemand sitzt, gehört an einen Auslöser mit Präsenzprüfung oder an eine Ankündigung. Je sichtbarer die Aktion, desto strenger die Bedingung.

Häufiges Missverständnis

„Smart Home heißt, dass alles von selbst geht." Wer Anlagen nach ein paar Jahren wiedersieht, findet meist wenige und unspektakuläre Regeln, die durchgehalten haben: Außenlicht nach Sonnenstand, Beschattung gegen Hitze, Heizung nach Zeitplan, ein Alles-aus beim Verlassen des Hauses. Das Aufwendige wird nach einigen Wochen abgeschaltet, weil es öfter im Weg steht, als dass es hilft.

Das spricht nicht gegen Automation, verschiebt aber die Frage vor dem Kauf. Sie lautet nicht, was möglich ist, sondern was dauerhaft ohne Nachdenken laufen soll. Alles, was der Bewohner bewusst auslösen will, ist eine Szene und braucht einen Taster.

Nicht zu verwechseln mit

  • Szene, Aktivität und Makro: Der ausgelöste Zielzustand. Eine Szene beschreibt, wie der Raum sein soll, und wartet darauf, aufgerufen zu werden — von einem Menschen oder von einer Automation.
  • Preset: Ein gespeicherter Betriebszustand eines Geräts. Eine Automation kann ein Preset aufrufen; für sich genommen läuft ein Preset nie von selbst an.
  • Zeitschaltuhr: Ein Auslöser ohne Bedingung, fest im Gerät verdrahtet. Sie schaltet den Weihnachtsbaum um 17 Uhr ein, auch wenn die Familie verreist ist — die Prüfung, ob es diesmal gilt, kennt sie gar nicht.
  • Aktor und Sensor: Die Rollen der beteiligten Geräte. Der Sensor liefert den Auslöser, der Aktor führt die Aktion aus; die Regel dazwischen ist die Automation.

In der Planung

Ein Einfamilienhaus im Rohbau, der Bauherr formuliert seinen Wunsch als „das Licht soll automatisch gehen".

Am Anfang steht eine Frage über den Alltag im Haus, noch nicht über Technik: Welche Vorgänge sollen ohne Bedienung ablaufen, und was passiert, wenn jemand im Raum anderer Meinung ist? Beim Durchgehen der Räume bleibt selten das ganze Haus übrig. Außenbereich und Flur eignen sich, weil sich dort niemand länger aufhält. Arbeitszimmer, Leseecke und Schlafzimmer sind die Räume, in denen selbsttätiges Licht regelmäßig stört.

Im Flur reicht Bewegung als Auslöser mit einer Helligkeitsschwelle als Bedingung. Im Arbeitszimmer wird Präsenz gebraucht, weil dort jemand eine Stunde still sitzt. Der Außenbereich hängt am Sonnenstand und nicht an der Uhr. Und in jedem dieser Räume gilt der Vorrang der Handbedienung, was voraussetzt, dass es überhaupt einen Taster gibt — eine Anlage, die nur über Automationen und ein Telefon bedienbar ist, hat diesen Ausweg nicht.

Die Geräteauswahl steht ganz am Ende und wird durch die beiden Schritte davor kurz: Der Präsenzmelder fürs Arbeitszimmer misst die Helligkeit im selben Gehäuse und spart einen zweiten Sensor. Die Schaltleistung liegt beim Aktor im Verteiler, und jeder Stromkreis, der einmal getrennt geschaltet werden soll, braucht seine eigene Leitung dorthin — die bauliche Konsequenz, die Aktor und Sensor ausführt. Das ist die Sorte Entscheidung, die im Rohbau fällt und sich später nur mit Stemmarbeiten korrigieren lässt.

Verknüpfte Inhalte

Was eine Automation aufruft, steht bei Szene, Aktivität und Makro; wer meldet und wer schaltet, bei Aktor und Sensor. Ob eine Anlage überhaupt eine zentrale Instanz für Regeln braucht, ordnet die Wissensseite zum Steuerungssystem ein. Wer welche Regeln ändern darf, gehört zu den Zugriffsstufen. Über Systemgrenzen hinweg begrenzt das Gateway, was als Auslöser oder Aktion überhaupt zur Verfügung steht; bei mehreren Räumen gilt zusätzlich der Zonenbegriff aus Zone.

Quellen

Für „Automation" und „Regel" gibt es keine Norm und keine herstellerübergreifende Festlegung. Die Dreiteilung in Auslöser, Bedingung und Aktion findet sich in den Regelwerken der gängigen Plattformen wieder, jeweils mit eigenen Wörtern; die Einordnung hier ist eine AVITECT-Ordnung, die den gemeinsamen Kern benennt.

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