Zum Inhalt
Tastatur
  • Hilfe anzeigen?
  • Untermenü öffnen↓ / Space
  • Untermenü schließenEsc
  • Studio finden→ Studio
Tiefe
Fortgeschritten

PoE-Klassen und thermisches Derating

Welche Leistungsklasse überträgt meine Verkabelung wirklich — und was macht die Wärme im Kabelbündel daraus?

„Kann das Kabel PoE?" ist die falsche Frage, weil praktisch jedes Category-Kabel Strom führen kann. Die richtige lautet: Überträgt diese Strecke diese Leistung — über ihre tatsächliche Länge, mit diesem Leiterwerkstoff, in diesem Bündel, bei dieser Temperatur? Drei Größen entscheiden darüber, und keine davon steht groß auf der Verpackung. Wie PoE grundsätzlich funktioniert, welche Ausbaustufen es gibt und warum das Budget des Switches wichtiger ist als die Zahl am einzelnen Port, steht beim Power over Ethernet; diese Seite ist die Planungsseite dazu.

Wenn ein Netzwerkkabel neben den Daten auch Strom transportiert, wird ein Teil dieses Stroms unterwegs zu Wärme — je länger die Leitung und je dünner der Draht, desto mehr. Liegen viele solcher Kabel in einem dicken Bündel, kommt die Wärme aus der Mitte nicht heraus, und dort wird es wärmer als überall sonst. Warme Kabel leiten schlechter, dadurch entsteht noch mehr Wärme. Deshalb gilt: Je mehr Strom über die Netzwerkleitungen läuft, desto weniger davon gehören in dasselbe Bündel. Das entscheidet sich beim Verlegen und lässt sich später nicht mehr korrigieren.

Typ, Klasse, Budget — welche Zahl wofür steht

Im Gespräch werden drei verschiedene Zahlen als „die PoE-Leistung" bezeichnet, und weil sie sich unterscheiden, entstehen genau dort die Planungsfehler.

Der Typ beschreibt, was die einspeisende Seite kann. Die Klasse ist dagegen das, was das Gerät beim Handschlag anmeldet, und aus ihr folgt, welche Leistung dem Gerät am anderen Ende garantiert wird. Die Differenz zwischen beiden Zahlen ist die Verlustleistung, die der Standard der Verkabelung zugesteht — und genau diese Differenz ist der Planungsgegenstand dieser Seite:

Klasseam Gerät garantiertam Port bereitzustellenDifferenz für die Verkabelung
13,84 W4,00 W0,16 W
26,49 W6,70 W0,21 W
313,00 W14,00 W1,00 W
425,50 W30,00 W4,50 W
540,00 W45,00 W5,00 W
651,00 W60,00 W9,00 W
762,00 W75,00 W13,00 W
871,30 W90,00 W18,70 W

Die Zahlen sind der Ableitungstabelle des Ethernet-Alliance-Papiers entnommen, das die Editoren von IEEE P802.3bt geschrieben haben; die mittlere Spalte heißt dort P_Class_PD, die rechte P_Class. Klasse 0 hat keine eigene Zeile: Sie ist der Rückfall für ein Gerät, das sich nicht klassifiziert, und wird von der ersten Ausbaustufe wie deren Höchstklasse behandelt.

Die letzte Spalte ist die eigentliche Nachricht der Tabelle. In der untersten Klasse darf die Verkabelung 0,16 Watt verbrauchen, in der obersten 18,7 Watt — mehr als die gesamte Leistung, die die erste PoE-Generation überhaupt übertragen hat. Der Standard rechnet also oben mit einer Strecke, die selbst wie ein kleiner Verbraucher wirkt.

Die vier Typen ordnen sich dazu so: Auf der Geräteseite nimmt die erste Stufe bis 13 Watt auf, die zweite bis 25,5 Watt, die dritte bis 51 Watt und die vierte bis 71,3 Watt. Auf der Portseite ist die Staffelung eine andere und für die Planung die wichtigere: Ein Speisegerät der ersten Stufe gibt höchstens 15,4 Watt ab und stützt höchstens Klasse 3, eines der zweiten Stufe 30 Watt und Klasse 4. Die dritte Stufe gibt es in zwei Bauarten — mit Zwei-Paar-Speisung endet sie bei 30 Watt und Klasse 4, mit Vier-Paar-Speisung bei 60 Watt und Klasse 6. Die vierte Stufe ist immer vierpaarig und reicht bis 90 Watt und Klasse 8; sie muss mindestens Klasse 7 stützen. Ein Port stützt dabei immer auch alle Klassen unterhalb seiner höchsten.

Auch die Spannung ist je Typ verschieden, und sie ist der Grund, warum lange Strecken bei hoher Klasse zuerst scheitern. Am Port gilt mindestens 44 V (Typ 1), 50 V (Typ 2 und 3) beziehungsweise 52 V (Typ 4), nach oben durchgehend 57 V. Am Gerät kommt weniger an; verlangt wird dort je nach Typ und Klasse zwischen 39,9 V und 51,1 V, für die oberste Klasse 8 an einem Typ-4-Gerät 43,0 V. Ein Gerät der ersten Stufe muss dabei mit einem Streckenwiderstand bis 20 Ω zurechtkommen und im ungünstigsten Fall noch bei 37 V arbeiten; ab der dritten Stufe ist diese Anforderung auf 12,5 Ω zurückgenommen.

Die dritte Zahl ist das Budget des Switches: die Summe, die er über alle Ports zusammen abgeben kann. Sie liegt regelmäßig deutlich unter der Summe der Einzelports, und sie ist die Zahl, an der eine Planung zuerst scheitert.

Dazu kommt ein Unterschied, der die ganze Wärmerechnung bestimmt: die Zahl der speisenden Aderpaare. Die beiden unteren Typen speisen über zwei der vier Paare. Vier Paare klingen nach mehr Belastung, sind aber das Gegenteil — derselbe Strom verteilt sich auf doppelt so viel Kupfer, und weil die Verlustleistung quadratisch vom Strom abhängt, sinkt sie deutlich. Ein altes Gerät, das über zwei Paare 30 Watt zieht, belastet die Leitung stärker als ein neues, das dieselbe Leistung über vier Paare bezieht.

Woran die Vier-Paar-Speisung hängt, ist die Klasse und nicht der Typ. Der Standard verlangt sie ab der zugewiesenen Klasse 5; darunter ist sie erlaubt, aber nicht gefordert. Deshalb kann ein Speisegerät der dritten Stufe zweipaarig gebaut sein — dann endet es bei Klasse 4 — und deshalb kann derselbe Port ein älteres zweipaariges Gerät auch vierpaarig versorgen und dessen Kabelverluste dabei halbieren. Für die Planung heißt das: Wie viel Kupfer den Strom führt, entscheidet die Klasse, in der das Gerät am Ende landet — die Typbezeichnung des Switches sagt es nicht.

Der Strom je Aderpaar ist dabei ausdrücklich begrenzt, und zwar nach Klasse gestaffelt: Bei vollkommen symmetrischer Aufteilung fließen höchstens 450 mA (Klasse 5), 600 mA (6), 721 mA (7) und 865 mA (8). Weil sich der Strom nie ganz gleich verteilt, lässt der Standard in einem Paar mehr zu — 550, 682, 784 und 938 mA in denselben vier Klassen; das Speisegerät muss zusätzlich 10 mA Reserve darüber stützen. Für die Klassen 1 bis 4 gibt es keine Unsymmetrie-Anforderung. Die vielfach zitierten 960 mA je Paar stehen so nicht im Standard: Das ist ein kabelseitiger Auslegungswert der Hersteller.

Der Widerstand ist das eigentliche Budget

Alles Weitere folgt aus einer einzigen Größe: dem Gleichstromwiderstand der Strecke, hin und zurück gerechnet. An ihm fällt Spannung ab, und die abfallende Leistung bleibt als Wärme im Kabel.

Zwei Zusammenhänge genügen für die Planung. Erstens hängt die Verlustleistung quadratisch vom Strom ab — die Hälfte des Stroms bedeutet ein Viertel der Verlustwärme. Zweitens wächst der Widerstand mit der Länge und sinkt mit dem Querschnitt. Daraus folgt, dass die Kombination aus langer Strecke, dünner Ader und hoher Leistungsklasse der kritische Fall ist — und nicht jeder einzelne Faktor für sich.

Die Verkabelungsnormung begrenzt den Widerstand deshalb direkt. ISO/IEC 11801 nennt als höchsten Gleichstrom-Schleifenwiderstand eines Kanals 25 Ohm für die Klassen D, E, E_A, F und F_A — also für alles, was heute verlegt wird; ältere Klassen liegen darüber (Klasse C 40 Ohm, B 170 Ohm, A 560 Ohm). Dieselbe Norm verlangt umgekehrt eine Mindest-Strombelastbarkeit von 0,175 A je Leiter für Kanäle der Klassen D, E und F.

Ein Zahlenpaar sorgt hier regelmäßig für Verwirrung: Die Verkabelungsnormung misst die Schleife eines Paares, also zwei Leiter in Reihe, und kommt auf 25 Ohm. IEEE rechnet mit dem Widerstand eines Pairsets, also zweier parallel geschalteter Paare, und nennt 12,5 Ohm. Beide Zahlen beschreiben dieselbe Strecke; sie widersprechen sich nicht, und die Umrechnung zwischen ihnen ist eine Ableitung und kein Normzitat.

Wie schnell dieses Budget aufgebraucht ist, entscheidet der Leiter:

  • AWG 23 gegen AWG 24. Eine Stufe in der AWG-Reihe macht rund ein Viertel Querschnitt aus und entsprechend mehr Widerstand. Bei kurzen Strecken ist das gleichgültig, an der Längengrenze mit hoher Klasse nicht.
  • Litze gegen Massivleiter. Patchkabel sind flexibel, weil sie aus vielen dünnen Einzeldrähten bestehen, und sie haben bei gleicher AWG-Zahl mehr Widerstand als ein Massivleiter. Dünne Schrank-Patchkabel mit 28 AWG sind für kurze Wege gedacht; an einer PoE-Strecke am Rand ihres Budgets sind sie der falsche Ort zu sparen.
  • CCA. Ein Leiter aus kupferbeschichtetem Aluminium hat rund 50 bis 60 Prozent mehr Widerstand als Kupfer und verbraucht das Widerstandsbudget entsprechend schneller — dazu kommt, dass die Verkabelungsnormung ihn für genormte Datenverkabelung ohnehin nicht vorsieht. Die Einzelheiten stehen bei CCA.

Widerstandsunsymmetrie: der stille Fehler

Es gibt einen zweiten Widerstandswert, der in klassischen Messprotokollen nicht auftaucht und bei PoE trotzdem entscheidet: die Unsymmetrie zwischen den beiden Adern eines Paares.

Der Speisestrom teilt sich auf beide Adern eines Paares auf, und er tut das nach ihrem Widerstand. Sind beide Adern gleich, fließt in jeder die Hälfte, und die beiden Anteile heben sich in den Übertragern an den Enden magnetisch auf — das Datensignal merkt vom Strom nichts. Sind sie es nicht, bleibt eine Differenz übrig, und diese Differenz wirkt im Übertrager wie ein Gleichstrom, der den Kern in Richtung Sättigung treibt. Die Folge ist keine Abschaltung, sondern etwas Unangenehmeres: mehr Bitfehler, gelegentliche Neuverbindungen, ein Link, der auf halbe Geschwindigkeit zurückfällt. Fehlerbilder also, die niemand mit der Stromversorgung in Verbindung bringt.

Entstehen kann die Unsymmetrie überall dort, wo die beiden Adern eines Paares unterschiedlich behandelt werden: schlecht aufgelegte Kontakte, gequetschte Adern, minderwertige Anschlussmodule, und besonders an Klemmstellen, die nur einseitig sauber sitzen. Bei PoE-Strecken wiegt die Konfektionierung deshalb mindestens so viel wie das Kabel.

Der Grenzwert steht in der Verkabelungsnormung, nicht im PoE-Standard — diese Arbeitsteilung erklärt, warum die Zahl so oft an der falschen Stelle gesucht wird. ISO/IEC 11801 begrenzt die Gleichstrom-Widerstandsunsymmetrie zwischen den beiden Adern eines Paares auf 3 Prozent oder 0,200 Ohm, je nachdem was größer ist, und zwar für alle Kabelklassen. IEEE 802.3bt legt dagegen die Stromunsymmetrie an der Schnittstelle fest — das sind die oben genannten Milliampere-Werte je Klasse. Die Literatur wirft beides regelmäßig zusammen.

Für die Unsymmetrie zwischen zwei Paaren gibt ISO/IEC 11801 keinen Wert an; die Norm führt den Punkt als noch festzulegen. Wer in Messprotokollen oder Herstellerunterlagen dennoch eine Zahl dafür findet, findet je nach Herkunft 6 bis 7,5 Prozent und 50 bis 200 Milliohm — eine Spanne aus Entwurfsständen, keinen Normwert. Die Abnahme sollte den Punkt deshalb als Messwert protokollieren und nicht gegen eine Grenze prüfen.

Wärme im Bündel, und warum daraus eine kürzere Strecke wird

Jetzt kommen die beiden Größen zusammen. Die Verlustleistung wird zu Wärme. In einem einzeln geführten Kabel gibt sie an die Umgebung ab; in der Mitte eines dicken Bündels kann sie das nicht, weil die äußeren Kabel isolieren. Die Temperatur im Bündelkern steigt also, und zwar mit der Zahl der stromführenden Kabel.

Von dort läuft eine Kette, deren Glieder alle bekannt sind:

  1. Die Temperatur steigt, weil die Verlustwärme nicht abfließt.
  2. Der Widerstand von Kupfer steigt mit der Temperatur — rund 0,39 Prozent je Kelvin. Zwanzig Kelvin Erwärmung bedeuten damit knapp acht Prozent mehr Widerstand.
  3. Mehr Widerstand bedeutet mehr Verlustleistung bei gleichem Strom, also noch etwas mehr Wärme. Die Rückkopplung ist gedämpft und läuft nicht davon, sie verschiebt aber den Arbeitspunkt.
  4. Unabhängig davon steigt die Einfügedämpfung des Kabels mit der Temperatur — die Datenübertragung wird schlechter, nicht nur die Stromversorgung. Die Verkabelungsnormung beziffert diesen Zuschlag: bei ungeschirmten Kabeln 0,4 Prozent je Grad zwischen 20 und 40 °C und 0,6 Prozent je Grad zwischen 40 und 60 °C, bei geschirmten durchgehend 0,2 Prozent je Grad von 20 bis 60 °C. Der Zuschlag wächst bei ungeschirmten Kabeln in der Hitze also zusätzlich an, bei geschirmten bleibt er konstant.

Punkt vier ist der Grund für das Derating: Weil die zulässige Dämpfung über die Strecke festliegt, muss die Strecke kürzer werden, wenn dieselbe Dämpfung schon auf weniger Metern erreicht ist. Die Verkabelungsnormung beantwortet das über Tabellen, die aus Bündelgröße und Umgebungstemperatur eine zulässige Kanallänge machen. Das Kanalmodell dahinter — 90 Meter Verlegekabel plus Patchkabel auf 100 Meter Gesamtstrecke — steht bei den Kabelkategorien.

Zwei Punkte werden dabei regelmäßig übersehen. Der erste: Die Umgebungstemperatur zählt zusätzlich zur Bündelerwärmung. Ein Bündel in einer Betondecke bei 20 °C und dasselbe Bündel in einem Dachbodenschacht im August sind zwei verschiedene Fälle. Der zweite: Category-Kabel haben eine obere Betriebstemperatur, üblicherweise 60 °C. Diese Grenze steht neben der Dämpfung und beendet die Rechnung, sobald sie erreicht ist.

Was daraus für die Kabelwahl folgt

Die Reihenfolge ist bei PoE dieselbe wie sonst: Erst steht fest, was die Strecke leisten muss, dann folgt das Material.

Vollkupfer, nicht CCA. Der Grund liegt im Widerstandsbudget; für genormte Verkabelung ist CCA ohnehin nicht vorgesehen.

Die dickere Ader an den langen Strecken. Wo hohe Klassen über lange Wege gehen — Kameras an der Grundstücksgrenze, Zugangspunkte im Dachgeschoss —, ist AWG 23 die ruhigere Entscheidung.

Kleinere Bündel statt größerer Kabel. Das ist der Punkt, den man nur im Rohbau umsetzen kann. Zwei getrennte Trassen mit je zwanzig Kabeln verhalten sich thermisch anders als eine mit vierzig, und der Unterschied kostet in der Zeichnung fast nichts. Die Trasse als Planungsgegenstand — Kapazität, Belegung, Reserve — behandeln die Kabelwege und die EMV-Trennung.

Was dagegen nicht hilft: eine höhere Kategorie zu kaufen in der Annahme, sie trage automatisch mehr Strom. Kategorie beschreibt das Übertragungsverhalten, nicht den Leiterwiderstand — ein Cat-6A-Kabel mit AWG 24 hat mehr Widerstand als ein Cat-6-Kabel mit AWG 23.

Ein Punkt für geschirmte Kabel — aber ein anderer als der bekannte. Verbreitet ist die Begründung, der Schirm führe die Wärme aus dem Bündel ab. Belegbar ist etwas anderes: Der Temperaturzuschlag auf die Dämpfung fällt bei geschirmten Kabeln kleiner aus und wächst in der Hitze nicht weiter an (0,2 Prozent je Grad durchgehend gegen 0,4 und 0,6 Prozent). Bei 60 °C läuft das auf ungefähr die Hälfte des Zuschlags hinaus. Wo die Längenkürzung an der Dämpfung hängt, ist das ein handfester Vorteil des geschirmten Kabels — er entsteht nur am Dämpfungsverhalten und nicht an der Wärmeableitung.

Audio-Endpunkte: eine Last, die mit dem Pegel schwankt

Eine Kamera zieht über den Tag ungefähr dasselbe, ein Zugangspunkt schwankt mit der Zahl der angemeldeten Geräte, aber in engen Grenzen. Netzwerkgespeiste Audio-Endpunkte verhalten sich anders: Deckenlautsprecher mit eingebautem Verstärker, Wandbediengeräte mit eigenem Lautsprecher, kleine Zonenverstärker. Was sie aufnehmen, hängt davon ab, wie laut sie gerade spielen — zwischen Ruhezustand und voller Lautstärke liegt bei ihnen die größte Spanne, die in einer PoE-Anlage vorkommt. Drei Dinge folgen daraus für die Planung.

Geplant wird mit der angemeldeten Klasse. Beim Handschlag meldet der Endpunkt seine Klasse an, und danach richtet der Switch sein Budget ein — unabhängig davon, wie wenig das Gerät in der stillen Stunde tatsächlich zieht. Wer die Summe aus dem Typenschild oder aus einer im Betrieb abgelesenen Aufnahme bildet, rechnet deshalb mit einer Zahl, die im lauten Moment nicht mehr gilt.

Die Spitzen fallen zusammen. Bei gemischter Technik an einem Switch verteilen sich die Lastspitzen über den Tag. In einer Audiozone entfällt diese Verteilung: Läuft in acht Räumen dieselbe Musik, erreichen acht Verstärker ihre Spitze im selben Takt. Damit verschiebt sich auch der Wärmefall im Bündel — Kabel, die gleichzeitig unter Volllast stehen, sind genau die Situation, für die es das Derating gibt. Was aus Strom, Streckenlänge und Querschnitt an Widerstand und Spannungsabfall wird, rechnen die Formelseiten zum Schleifenwiderstand und zum Spannungsabfall auf Gleichstromleitungen.

Die Portklasse entscheidet über den erreichbaren Pegel mit. Ein Verstärker gibt nur ab, was er vorher beziehen darf. Hersteller binden ihre Pegelangaben deshalb an eine Ausbaustufe: Beim Sonos Era 100 Pro gelten die veröffentlichten Maximalpegel ausdrücklich für PoE+ mit 30 Watt, für den Betrieb an einfachem PoE mit 15,4 Watt steht kein Pegelwert in der Dokumentation. Damit wird beim Festlegen des Switches entschieden, wie laut die Anlage später werden kann — Monate bevor jemand über Lautsprecher spricht, und hinterher nur mit einem anderen Switch zu ändern.

Grenzen und Sonderfälle

Bestandsverkabelung. Eine vorhandene Cat-5e-Strecke überträgt PoE, aber die Frage ist, welche Klasse. Ohne Kenntnis von Aderstärke, Leiterwerkstoff und Bündelsituation ist das nicht zu beantworten, und eine Messung des Schleifenwiderstands je Paar sagt mehr als jeder Aufdruck. Bei alten Installationen kommt hinzu, dass die Anschlussmodule nie für Stromfluss über die Kontakte ausgelegt wurden.

Das Ausstecken unter Last. Wird ein Stecker unter Strom gezogen, entsteht am letzten Kontakt ein kleiner Lichtbogen, der die Kontaktfläche angreift. Bei kleinen Leistungen ist das folgenlos, bei den hohen Klassen nicht mehr. Steckverbinder werden dafür in Leistungsstufen eingeteilt.

PoE als Ersatz für eine Zuleitung. Wo ein Gerät wirklich Leistung braucht — Endstufen, Aktivlautsprecher —, gehört es an eine eigene Zuleitung, auch wenn die oberste Klasse zahlenmäßig in die Nähe kommt. Das ist im Glossareintrag ausgeführt.

Die Verfügbarkeit. PoE verlagert die Stromversorgung aller angeschlossenen Geräte in den Technikschrank. Fällt der Switch aus, fällt alles gleichzeitig aus — Kameras, Panels, Türsprechstelle. Umgekehrt hält eine unterbrechungsfreie Versorgung am Switch dieselbe Gruppe gemeinsam am Leben. Der Zuschnitt dieser Gruppe gehört deshalb in die Planung: Wer alle Räume einer Etage an denselben Verteiler hängt, hat die Musik dieser Etage an ein Gerät gebunden. Was der Technikraum dafür braucht, steht beim Technikraum für die AV-Technik.

Außenbereich. Ein Kabelbündel in einem sonnenbeschienenen Rohr an der Südfassade hat eine andere Umgebungstemperatur als eines in der Decke. Der Derating-Fall verschärft sich dort, und die Kabelbauart ist ohnehin eine andere.

In der Planung

Ein Einfamilienhaus im Rohbau: vier Außenkameras, drei Zugangspunkte, zwei Bedienpanels, eine Türsprechstelle, dazu perspektivisch PoE-Beleuchtung im Flur. Die Leitungen laufen sternförmig vom Technikraum aus, und für die letzten fünfzehn Meter zur Fassade ist ein gemeinsames Rohr vorgesehen.

Die Konzeptfrage steht vor jeder Produktfrage und lautet: Welche Geräte sollen dauerhaft ohne eigene Steckdose auskommen — heute und in fünf Jahren —, und welche Leistung ziehen sie zusammen?

Daraus folgt das Verfahren:

  1. Geräteliste mit Klasse je Gerät, Summe bilden, Reserve aufschlagen. Erst diese Zahl bestimmt das nötige Budget des Switches.
  2. Je Strecke die Länge festhalten und die kritischen herausziehen: lange Wege mit hoher Klasse. Für diese die Aderstärke anheben, statt sie später zu messen.
  3. Bündel prüfen — wie viele stromführende Kabel liegen im selben Rohr, und wo liegt dieses Rohr? Hier entscheidet sich das Derating, und hier ist die Änderung noch kostenlos.
  4. Konfektionierung festlegen: wer legt auf, mit welchen Modulen, und was wird gemessen. Der Schleifenwiderstand je Paar und die Unsymmetrie gehören ins Messprotokoll, nicht nur die Übertragungswerte.

Erst danach fällt die Geräteentscheidung, und sie ist der einfachste Teil.

Verknüpfte Inhalte

Wie der Handschlag zwischen Switch und Gerät abläuft, warum passives PoE in eine fremde Installation nicht gehört und was das Budget des Switches bedeutet, steht bei Power over Ethernet. Warum ein CCA-Leiter das Widerstandsbudget schneller verbraucht, klärt CCA; wie Querschnitt und AWG-Zahl zusammenhängen, der Leiterquerschnitt, und warum ein Patchkabel bei gleicher Zahl mehr Widerstand hat, Massivleiter und Litze. Das Kanalmodell und die Streckenklassen stehen bei den Kabelkategorien, die Trasse mit Kapazität und Belegung bei den Kabelwegen und der EMV-Trennung. Wofür das Netz im Haus insgesamt gebaut wird, behandeln die Heimnetzwerk-Grundlagen; dass HDBaseT über dieselbe Verkabelung läuft und teilweise ebenfalls Leistung überträgt, gehört in dieselbe Trassenrechnung.

Quellen

Die Klassen- und Spannungswerte, die Vier-Paar-Regel ab Klasse 5 und die Stromgrenzen je Aderpaar stehen in IEEE 802.3bt-2018. Der Normtext selbst lag nicht vor; wiedergegeben sind sie nach dem Übersichtspapier der Ethernet Alliance, das der Chefredakteur und der Kommentarredakteur von IEEE P802.3bt geschrieben haben und das zu jeder Aussage die Klausel nennt. Das Papier sagt selbst, dass es den Normtext nicht ersetzt — die Werte sind hier also belastbar wiedergegeben, aber aus zweiter Hand.

Der Schleifenwiderstand von 25 Ohm, die Widerstandsunsymmetrie von 3 Prozent oder 0,200 Ohm innerhalb eines Paares und die Mindest-Strombelastbarkeit von 0,175 A je Leiter stammen aus ISO/IEC 11801:2002+A1:2008, gelesen an einem Normfaksimile der Abschnitte 6.4.7 bis 6.4.9, das die IEEE-802.3-Arbeitsgruppe verteilt hat. Ob ANSI/TIA-568.2-D dieselben Werte führt, ist nicht geprüft. Der Temperaturzuschlag auf die Einfügedämpfung folgt ANSI/TIA-568-C.2 § 6.4.7, im Wortlaut zitiert auf dem öffentlichen Reflektor derselben Arbeitsgruppe.

Das Kanalmodell folgt ISO/IEC 11801-1 beziehungsweise DIN EN 50173-1, die Derating-Systematik ANSI/TIA TSB-184-A und ISO/IEC TS 29125. Diese drei Dokumente wurden nicht am Objekt gelesen; sie sind kostenpflichtig und lagen nicht vor. Deshalb steht hier keine zulässige Bündelgröße und keine gekürzte Kanallänge — die Systematik ist beschrieben, diese Zahlen sind es bewusst nicht. Der Temperaturkoeffizient von Kupfer ist eine Stoffkonstante aus der allgemeinen Fachliteratur.

Den Weg zu diesen Fundstellen hat eine eigene AVITECT-Recherche vom August 2026 gebahnt; jede von ihnen ist für die vorliegende Fassung noch einmal selbst geöffnet worden.

Die Widerstandsverhältnisse von CCA gegenüber Kupfer und die AWG-Stufung sind aus den AVITECT-Glossareinträgen übernommen, die ihrerseits Herstellerangaben führen.

Tastaturkürzel