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Single Apparent Source (KEF)
Was ist KEFs Single Apparent Source, was fügt die Anordnung dem Uni-Q hinzu — und was davon ist belegt?
Stand: 06.10.2026
Single Apparent Source, kurz SAS, bezeichnet bei KEF die Anordnung der Chassis in einem ganzen Dreiwege-Lautsprecher: Um das Uni-Q, das Mittel- und Hochton abstrahlt, sitzen vier gleiche Basschassis gleich weit entfernt und symmetrisch verteilt. KEF zeigte das Konzept 2009 auf der High End in München mit dem Konzeptmodell Concept Blade; heute führen es die Blade-Modelle. KEFs Ziel ist ein Lautsprecher, der über den gesamten Frequenzbereich wie eine einzige Schallquelle wirkt.
Bei vielen Standlautsprechern sitzen die Töner für Bass, Mitten und Höhen an verschiedenen Stellen der Front. Dein Ohr bekommt den Schall deshalb von leicht unterschiedlichen Orten, und wie gut das zusammenpasst, hängt davon ab, wo Du sitzt. Hier sitzen die Bässe symmetrisch rundherum um den Töner für Mitten und Höhen. Dadurch scheint der Klang aus einer gemeinsamen Mitte zu kommen. Je besser das gelingt, desto weniger hörst Du drei Einzelteile und desto mehr einen Lautsprecher.
Wo die Quellen eines Dreiwege-Lautsprechers auseinanderliegen
Bei einem herkömmlichen Lautsprecher strahlen mehrere Chassis in verschiedenen Frequenzbereichen von verschiedenen Stellen ab. KEF nennt in seiner technischen Veröffentlichung zu Blade drei Folgen dieser räumlichen Trennung: Der Schall kommt aus unterschiedlichen Richtungen an, die Klangfarbe ändert sich durch Auslöschung und Interferenz zwischen den Quellen, und die Anfänge von Impulsen liegen zeitlich nicht genau übereinander.
Das Uni-Q löst diese Aufgabe für Mittel- und Hochton, weil beide Chassis am selben Ort sitzen. Wie das funktioniert, steht unter Uni-Q und, herstellerneutral, unter Koaxialchassis. Zwischen dem Mitteltöner und dem Bass bleibt ein Abstand. In den Reference-Modellen setzt KEF die 6,5-Zoll-Basschassis deshalb so dicht wie möglich an den Mitteltöner des Uni-Q und ordnet sie in den Standmodellen symmetrisch nach dem Schema an, das der US-Ingenieur Joseph D’Appolito 1983 beschrieben hat (D’Appolito-Anordnung), damit in der Senkrechten keine Keulen und Einbrüche an der Übernahme zum Bass entstehen. Die Blade-Modelle gehen darüber hinaus.
Wie die Anordnung aufgebaut ist
Vier gleiche Basschassis. Sie sitzen gleich weit vom Uni-Q entfernt und sind waagerecht wie senkrecht symmetrisch um dessen Achse verteilt. Zusammen bilden sie nach KEFs Darstellung aus einiger Entfernung eine scheinbare Schallquelle für den Basbereich.
Dieselbe Achse wie das Uni-Q. Die Basquelle liegt waagerecht und senkrecht auf derselben Achse wie das Uni-Q. Die akustischen Zentren beider Quellen liegen in Achsrichtung nur einen Bruchteil der Wellenlängen auseinander, die die Basschassis abstrahlen. Aus einer gewissen Entfernung verschmelzen sie deshalb zu einer einzigen scheinbaren Quelle.
Das Vorbild stammt aus der Beschallung. KEF verweist darauf, dass große Hörner in Beschallungsanlagen aus genügender Entfernung wegen der Krümmung der Wellenfront als ein Punkt wahrgenommen werden. Single Apparent Source überträgt diese Beobachtung auf vier Basschassis rund um das Uni-Q.
Das Gehäuse ist in Kammern geteilt. Das Uni-Q sitzt in einem eigenen Topf mit abgestimmtem Innenvolumen, die beiden Basschassis-Paare in je einer eigenen Kammer gleichen Volumens, jede mit eigenem Bassreflexport. KEF berechnet Größe und Form der Kammern so, dass die Resonanzen stehender Wellen weit über dem Arbeitsbereich der Basschassis liegen.
Warum die Anordnung ein schlankes Gehäuse verlangt
Die Wirkung hängt nach KEF unmittelbar davon ab, wie dicht die Chassis in allen Achsen beieinandersitzen. Die seitlich abstrahlenden Basschassis müssen daher so nah wie möglich am Uni-Q liegen, und das setzt ein schmales Gehäuse voraus. Die geschwungene Form der Blade, an der KEF mit dem New Yorker Büro ECCO Design gearbeitet hat, ist schlank genug dafür. KEF führt zusätzlich an, dass das gekrümmte Gehäuse keine scharfen Kanten besitzt und die Beugung an Gehäusekanten dadurch geringer ausfällt als bei einem ebenso schmalen, aber eckigen Gehäuse.
Kraftkompensation als Nebenwirkung
Bei den Blade-Modellen sind die Basschassis paarweise Rücken an Rücken verschraubt und mit demselben bituminösen Dämpfungsmaterial verbunden, das KEF in anderen Gehäusen als Sandwichdämpfung einsetzt. Die Rückstoßkraft des einen Chassis hebt die des anderen auf. KEF nennt das einen zusätzlichen Vorteil der Anordnung. Zusammen mit dem gekrümmten Gehäuse und dessen glasfaserverstärktem Verbundwerkstoff komme die Blade deshalb mit wenig Versteifung aus, und es bleibe mehr Innenvolumen. Das Prinzip steht unter Kraftkompensation.
Grenzen
Die Wirkung gilt in einiger Entfernung. KEFs Beschreibung sagt ausdrücklich, dass die vier Basschassis aus Distanz als eine Quelle erscheinen. Ab welchem Abstand das gilt, nennt KEF nicht.
Die Anordnung ändert den Raum nicht. Im Tiefton bestimmen Raummoden den Pegelverlauf am Hörplatz, und eine symmetrische Quelle verschiebt sie nicht. Eine ausgewogene Basswiedergabe hängt weiterhin von Aufstellung und Raum ab.
Die Bauform setzt ein Dreiwege-System voraus. KEF beschreibt Single Apparent Source als Erweiterung des Uni-Q auf die Basschassis eines Dreiwege-Systems. In einem Zweiwege-Lautsprecher übernimmt das Uni-Q den Bass selbst, und es gibt keine Basschassis, die sich um die Mitte anordnen ließen.
Abgrenzung
Gegen das Uni-Q. Das Uni-Q ist ein Chassis und deckt Mittel- und Hochton ab. Single Apparent Source ist die Anordnung des Gesamtsystems und setzt das Uni-Q voraus; KEF nennt das Uni-Q-Chassis als Voraussetzung.
Gegen die D’Appolito-Anordnung. Die D’Appolito-Anordnung ordnet die Chassis symmetrisch in der Senkrechten an und hält damit die Interferenzeinbrüche in der senkrechten Abstrahlung von der Hörachse fern. Single Apparent Source verteilt die Basschassis waagerecht und senkrecht symmetrisch um das Uni-Q. KEF selbst führt die Reference 5 Meta mit einer abgewandelten D’Appolito-Anordnung und stellt Single Apparent Source darüber.
Gegen die „scheinbare Quelle“ im Stereobild. Der Name klingt nach der Phantomschallquelle, meint aber etwas anderes: Scheinbar ist hier der gemeinsame Ursprung des Schalls aus einem einzelnen Lautsprecher. Wo zwischen zwei Lautsprechern ein Sänger erscheint, bestimmen weiterhin Aufnahme und Aufstellung.
Kompatible Produkte und Plattformen
Die Anordnung führen die Blade One Meta und die Blade Two Meta, beide mit demselben Uni-Q mit MAT; die beiden Modelle unterscheiden sich in der Größe der Basschassis. Als Aktivlautsprecher mit dieser Anordnung nennt KEF die LS60 Wireless.
Verknüpfte Inhalte
Das Chassis, das Single Apparent Source voraussetzt, erklärt Uni-Q, das herstellerneutrale Prinzip der gemeinsamen Achse Koaxialchassis. Warum eine symmetrische Anordnung Keulen vermeidet, steht unter D’Appolito-Anordnung, was gegenüberliegende Chassis am Gehäuse bewirken unter Kraftkompensation. Das Maß für die Richtwirkung steht unter Bündelungsmaß, die Frage nach dem besten Platz unter Sweet Spot.
Quellen
Stand Oktober 2026. Aufbau, Bestückung, Kammerteilung und Kraftkompensation stammen aus KEFs technischer Veröffentlichung zu Blade und Reference; die Anordnung der Reference-Modelle aus dem Reference-Whitepaper. Die Aussagen zu Klangeigenschaften und die Nennung der LS60 Wireless kommen von der Herstellerseite zu Single Apparent Source.