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Hybrid Tweeter Module (DALI)

Was macht DALIs Hybrid Tweeter Module — und was davon ist belegt?

Das Hybrid Tweeter Module ist DALIs Antwort auf eine Schwäche, die jede Hochtonkalotte hat: Je höher der Ton, desto schmaler wird der Bereich, in dem sie ihn noch gleichmäßig verteilt. Statt eine bessere Kalotte zu suchen, setzt DALI zwei verschiedene Wandler übereinander in ein gemeinsames Gehäuse — eine Gewebekalotte und einen flachen Planarwandler. Als Arbeitsbereich des Moduls nennt der Hersteller 2,5 kHz bis über 30 kHz.

Ein Hochtonlautsprecher verteilt hohe Töne umso enger, je höher sie werden — am Ende zielt er fast wie eine Taschenlampe auf einen Punkt. Wer daneben sitzt, hört oben herum weniger. DALI baut deshalb zwei verschiedene kleine Lautsprecher übereinander in ein Bauteil: einen runden für den normalen Hochton und einen flachen, schmalen für ganz oben. Der flache verteilt zur Seite hin breiter. Für Dich soll das heißen, dass auch der zweite und dritte Platz auf dem Sofa noch das Gleiche hören.

Das zugrunde liegende Problem

Wie breit ein Lautsprecher abstrahlt, hängt nicht am Klangideal des Entwicklers, sondern an einem Größenverhältnis: Solange die schwingende Fläche klein gegenüber der Wellenlänge ist, geht der Schall in alle Richtungen; wird sie vergleichbar groß, bündelt sie. Eine Kalotte von 29 oder 35 Millimetern Durchmesser ist bei 3 kHz noch klein gegenüber den gut elf Zentimetern Wellenlänge — bei 20 kHz misst die Welle nur noch etwa 17 Millimeter, und die Kalotte ist im Verhältnis groß geworden. Wie sich das in Zahlen fassen lässt, steht beim Bündelungsmaß.

Für die Planung ist das kein akademischer Punkt. Was seitlich neben der Achse fehlt, fehlt auf den äußeren Plätzen direkt — und es fehlt in dem Anteil, der über Wände und Decke als frühe Reflexion zurückkommt. Ein Raum, der oben herum weniger Energie bekommt, klingt dort stumpfer, ohne dass die Messung auf der Achse davon etwas zeigt.

Woher der zweite Wandler seine Breite hat

Der zweite Wandler im Modul löst das über die Form. Ein Planarwandler ist keine Kalotte, sondern eine flache Folie in einem schmalen Rahmen; DALI gibt für das klassische Modul 17 × 45 Millimeter an, für die neuere EVO-K-Ausführung 10 × 55 Millimeter. Entscheidend ist dabei die kleinere der beiden Abmessungen — 17 beziehungsweise 10 Millimeter. Sie ist deutlich kleiner als der Durchmesser der Kalotte im selben Modul, und damit setzt die Bündelung in dieser Richtung erst bei höheren Frequenzen ein. In der Längsrichtung verhält es sich umgekehrt: Dort ist der Wandler mit 45 oder 55 Millimetern größer als jede Kalotte und bündelt entsprechend früher.

Der Antrieb ist der eines Magnetostaten: Auf einer Trägerfolie liegen Leiterbahnen — DALI schreibt, vier Bahnen bildeten die aktive Membran —, davor und dahinter Permanentmagnete. Dazu kommt laut Hersteller eine rückseitige Kammer mit steifer Verstrebung.

Das ist ausdrücklich kein Bändchen, auch wenn Anzeigen und Gebrauchtangebote das Modul seit Jahren so nennen. Beim Bändchen ist der Leiter selbst die Membran, die Impedanz liegt im Bruchteil-Ohm-Bereich, und ohne Übertrager läuft nichts davon an einem gewöhnlichen Verstärker. Beim Magnetostaten sitzen die Leiter auf einem Träger, und die Last bleibt verstärkerfreundlich. DALI selbst schreibt „magneto static type of tweeter" — die Verwechslung stammt nicht vom Hersteller.

Wie sich die Arbeit im Modul aufteilt

Die Herstellerdokumentation beschreibt das Modul als Ganzes und nennt seinen Arbeitsbereich. Wo innerhalb dieses Bereichs die beiden Elemente einander ablösen, steht dort nicht — wohl aber in den technischen Daten der einzelnen Modelle, und dort erkennt man zugleich zwei Generationen:

RUBIKORE 6EPIKORE 11 (EVO-K)
Gewebekalotte29 mm, ferrofluidfrei35 mm
Planarwandler17 × 45 mm10 × 55 mm
Trennfrequenzen800 / 2.600 / 14.000 Hz170 / 370 / 3.100 / 12.500 Hz
Übertragungsbereich38–34.000 Hz (±3 dB)29–34.000 Hz (±3 dB)

Die jeweils oberste Trennung — 14.000 beziehungsweise 12.500 Hz — ist die einzige Trennung, die innerhalb des Hochtonmoduls liegen kann; alle darunter liegenden ordnen Mittel- und Tieftöner zu. Welches der beiden Elemente oberhalb dieser Grenze arbeitet, schreibt DALI allerdings nirgends aus.

Was DALI beansprucht — und was davon belegt ist

Der Hersteller nennt als eines seiner Gestaltungsmerkmale eine „extremely smooth and wide horizontal dispersion", die das Modul unterstützen soll, und schreibt dem Planarteil eine gute Abstrahlung im oberen Bereich zu. Daraus leitet DALI einen größeren Bereich ab, in dem sich das volle Spektrum hören lässt.

Eine Zahl steht zu keiner dieser Aussagen. Kein Abstrahlwinkel, kein Verlauf des Bündelungsmaßes, kein Diagramm — beziffert sind allein der Arbeitsbereich des Moduls und die Trennfrequenzen der Modelle. Der Belegstand ist damit zweistufig, und die beiden Stufen sollte man nicht gegeneinander eintauschen:

EbeneBelegstand
Aufbau, Abmessungen, Arbeitsbereich, TrennfrequenzenHerstellerdokumentation, am Objekt geprüft
Wirkung auf die AbstrahlungHerstellerangabe ohne Maß, keine Messung

Was sich unabhängig davon sagen lässt, folgt aus der Geometrie und nicht aus der Marke: Ein schmaler flacher Wandler strahlt quer zu seiner Längsrichtung breiter ab als eine Kalotte vergleichbarer Fläche. Dass das die erklärte Wirkung stützt, ist Physik. Wie groß der Effekt am realen Hörplatz ausfällt, ist damit nicht gesagt.

Voraussetzungen

Das Modul ist ein Bauteil, keine Ausstattung: keine Lizenz, keine Firmware, keine Einrichtung. Wer ein Modell damit kauft, hat es; wer eines ohne kauft, kann es nicht nachrüsten. Die Frage in der Beratung ist deshalb nie „mit oder ohne", sondern ab welcher Serie.

Zwei Bausteine der Marke reichen unterschiedlich weit nach unten in die Palette, und das wird regelmäßig verwechselt: Der Magnetwerkstoff im Antrieb steckt von den Einsteigerserien bis zum Flaggschiff, das Hochtonmodul erst ab der Mittelklasse — dort dann auch in den Einbauserien für Wand und Decke. Welche Serien es aktuell führen, nennt DALI in der Sound Academy und im Katalog.

Abgrenzung

Gegen das Bändchen. Der häufigste Irrtum, oben ausgeführt: anderer Aufbau, andere Impedanz, andere Anschlussbedingungen. Die Frage nach dem Übertrager klärt es in einem Satz.

Gegen den Air Motion Transformer. Verwandter Antrieb an einer Folie, aber gefaltete Membran, die Luft zwischen ihren Falten herauspresst, statt sich als Ganzes zu bewegen.

Gegen den Flächenwandler. Ebenfalls flach, aber ein anderes Prinzip: verteilte Eigenformen und absichtlich diffuse Abstrahlung. Akustisch das Gegenteil dessen, was hier passiert.

Gegen den Magnetwerkstoff im Antrieb. Das eine ist ein Hochtonmodul, das andere ein Werkstoff im Polkern der Tief- und Mitteltöner sowie in den Weichenkernen. In Prospekten stehen beide unter derselben Überschrift, sie sitzen aber an verschiedenen Stellen des Lautsprechers und lösen verschiedene Probleme — und sie reichen unterschiedlich weit nach unten in die Palette.

Grenzen

Unterhalb von 2,5 kHz ändert das Modul nichts. Dort entscheiden Mitteltöner, Schallwandbreite und Weiche darüber, wie breit abgestrahlt wird — und genau in diesem Bereich sitzt der Baffle Step und ein guter Teil dessen, was ein Raum aus einem Lautsprecher macht. Ein breit abstrahlender Hochton auf einem eng abstrahlenden Mittelton ergibt keinen gleichmäßigen Verlauf, sondern eine Stufe.

Über die vertikale Abstrahlung sagt der Hersteller nichts. Beansprucht ist ausdrücklich die horizontale Gleichmäßigkeit. Ein schmaler, längs stehender Wandler bündelt in seiner Längsrichtung — bei zwei Sitzreihen auf unterschiedlicher Höhe wäre das die interessante Größe, und dazu liegt nichts vor.

Zwei Generationen sind nicht dieselbe Sache. Zwischen dem klassischen Modul und der EVO-K-Ausführung unterscheiden sich beide Elemente in den Abmessungen, die Kalotte zusätzlich in der Kühlung (ferrofluidfrei). Ein Höreindruck von einem Modell überträgt sich deshalb nicht ohne Weiteres auf ein anderes.

Verknüpfte Inhalte

Was Bündelung überhaupt ist und wie man sie in Zahlen fasst, steht beim Bündelungsmaß; warum sie über die Sitz-zu-Sitz-Varianz entscheidet, dort. Die beiden verwandten Folienbauarten führen die Einträge zu Elektrostat und Magnetostat und zum Bändchenhochtöner aus, die gefaltete Variante der Air Motion Transformer.

Der zweite Weg zu einem gleichmäßigen Abstrahlverhalten geht nicht über den Wandler, sondern über die Schallführung — so löst es Perlistens DPC-Array, mit einem anderen Ziel und einem anderen Preis.

Quellen

Aufbau, Antriebsart und Arbeitsbereich des Moduls stammen aus DALIs Sound Academy, die Abmessungen und Trennfrequenzen aus den technischen Daten von RUBIKORE 6 und EPIKORE 11, die Bezeichnung EVO-K und die Angaben zur EPIKORE-Serie zusätzlich aus der Herstellermitteilung vom

  1. Oktober 2024. Alle Angaben sind Herstellerdokumentation. Zur Wirkung auf die Abstrahlung gibt es außer der Herstellerangabe keine Quelle; eine Messung veröffentlicht DALI nicht.
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