DTS Digital Surround ist der ursprüngliche verlustbehaftete Mehrkanalcodec
von DTS. Das zugrunde liegende Verfahren heißt Coherent Acoustics und
wurde 1996 eingeführt; es codiert bis zu fünf Primärkanäle und einen
LFE-Kanal mit konstanter Datenrate, auf der Scheibe bei 44,1 oder 48 kHz.
Der zweite, gebräuchliche Name „DTS-Kern" meint dasselbe Format in seiner
Rolle innerhalb der Familie: In jedem neueren DTS-Datenstrom der
Disc-Generation steckt genau dieser Ton, und die Erweiterungen darüber
sitzen im selben Datenstrom.
In einfachen Worten
Wenn auf einer Filmhülle oder im Display Deines Verstärkers schlicht
„DTS" steht, ist fast immer dieses Format gemeint — das älteste der
Familie und das einzige, das wirklich jedes DTS-fähige Gerät versteht.
Neuere DTS-Tonspuren sind so gebaut, dass dieses alte Format immer
darin enthalten bleibt. Das ist praktisch, weil nie etwas ausfällt: Was
Dein Gerät nicht kann, lässt es einfach liegen und spielt den Rest.
Es ist zugleich die Falle, denn Du merkst nicht, wenn nur noch der Rest
ankommt. Ein Blick aufs Display sagt Dir mehr als jede Angabe auf der
Verpackung.
Die Datenrate des Verfahrens ist keine Willkür, sondern hat einen
historischen Grund, den DTS selbst nennt. Die erste Anwendung auf
optischer Disc war ein 5.1-Kanal-System bei 44,1 oder 48 kHz mit 16 bis
24 Bit und 1,5 Mbit/s — und das war genau die Datenrate, die auf diesen
Medien für zwei Kanäle 16-Bit-PCM ohnehin vorgesehen war. DTS hat also
den vorhandenen Platz eines Stereosignals genommen und sechs Kanäle
hineingelegt. Die Spezifikation datiert nichts und begründet auch
nichts historisch, führt aber genau diese beiden Stereo-Rechnungen als
Tabellenwerte: 1 411,2 kbit/s für zwei Kanäle bei 44,1 kHz und 16 Bit,
1 536 kbit/s für zwei Kanäle bei 48 kHz und 16 Bit.
Daraus folgt der Grundgedanke, den DTS für Coherent Acoustics angibt:
Codiereffizienz in Qualität umsetzen statt in Sparsamkeit, und die
wesentlichen Parameter breit skalierbar halten. Wie weit diese
Skalierung reicht, steht in der Spezifikation: Tabelle 5-7 von
ETSI TS 102 114 führt 29 Zieldatenraten von 32 bis 1 536 kbit/s und
zusätzlich einen offenen Modus. Für Mehrkanal-Filmton sind davon die
oberen Stufen im Gebrauch — 768, 960, 1 152 und 1 344 kbit/s stehen
darin, oben schließt die Tabelle mit 1 408, 1 411,2, 1 472 und
1 536 kbit/s ab. Auf der DVD wurde häufig 768 kbit/s verwendet, um Platz
zu sparen; die Blu-ray Disc arbeitet mit 1 509 kbit/s.
Auf Blu-ray Disc und HD DVD steht das Verfahren dagegen als einziges der
Familie mit dem Vermerk „Mandatory" in der Statustabelle des
Herstellers, bei 5.1 Kanälen und 1 509 kbit/s. Eine Feinheit dieser Zeile
wird oft überlesen: Verpflichtend ist die Dekodierung , und als
Ausgabe verlangt die Tabelle dafür nur zwei Kanäle analog. Die Ausgabe
mit 5.1 Kanälen steht in derselben Tabelle als eigene Zeile — und dort
als optional. Alle DTS-HD-Fassungen und auch die älteren Erweiterungen
sind durchgehend optional.
DTS Digital Surround Codierung verlustbehaftet, konstante Datenrate Kanäle bis zu fünf Primärkanäle plus LFE-Kanal, also 5.1 Abtastraten neun Stufen von 8 bis 48 kHz; auf der Scheibe 44,1 oder 48 kHz Bittiefe 16, 20 oder 24 Bit Zieldatenraten 29 Stufen von 32 bis 1 536 kbit/s DVD, verbreitet 768 kbit/s Blu-ray Disc und HD DVD Dekodierung verpflichtend, 1 509 kbit/s Mit der Erweiterung DTS-ES 6.1 Kanäle bei 48 kHz/24 Bit Mit der Erweiterung DTS 96/24 5.1 Kanäle bei 96 kHz/24 Bit Über den Digitalausgang vollständig
Der Aufbau ist das eigentliche Kennzeichen der DTS-Familie, und DTS
nennt ihn als bewusste Konstruktionsentscheidung: Die
Kern-plus-Erweiterung-Architektur sichere die vollständige
Abwärtskompatibilität zu allen Dekodern, gleich welche Verbesserung noch
kommt. Der Kern führt die 5.1 Kanäle; Erweiterungen enthalten
zusätzliche Kanäle, Daten für höhere Abtastraten oder — im Wortlaut von
2006 — Verbesserungen, die noch niemand erdacht hat. Alle Dekoder
verwenden den Kern, fortgeschrittene zusätzlich die Erweiterungsdaten,
und wer eine Erweiterung nicht versteht, ignoriert sie.
Entscheidend ist der Zusatz, dass Kern und Erweiterung in einem
einzigen Datenstrom liegen. DTS begründet das unter anderem damit, dass
diese Kombination in der Regel weniger Platz braucht als eine ältere
Tonspur und eine hochauflösende Spur nebeneinander.
Wo genau die Grenze zwischen beidem verläuft, legt die Spezifikation an
der Mechanik fest. Der Kern führt bis zu fünf Primärkanäle mit
Frequenzanteilen unterhalb von 24 kHz und dazu höchstens einen
LFE-Kanal; alles darüber ist erweitertes Audio. Zeigt das Feld AMODE
mehr als fünf Kanäle neben dem LFE an, liegen die zusätzlichen Kanäle
getrennt davon in den erweiterten Datenfeldern. Der Kern selbst wird
immer ohne Bezug auf die Erweiterung codiert — das ist die
technische Fassung des Versprechens, dass ihn jedes Gerät bekommt.
Zwei Erweiterungen sind so alt, dass sie schon zum Kern-Kapitel gehören.
DTS-ES — in der Spezifikation XCH — fügt einen hinteren Mittenkanal
hinzu und kommt damit auf 6.1 Kanäle bei 48 kHz und 24 Bit; damit ein
älteres Gerät nichts verliert, steckt der Downmix dieses Kanals auf die
beiden Surroundkanäle mit festen Koeffizienten bereits im Kern. DTS
96/24 — in der Spezifikation X96 — hebt die Abtastrate für 5.1 Kanäle
auf 96 kHz und überträgt dafür die Hochtonanteile als Residuen zum Kern.
Beide bleiben innerhalb der Kernrate von höchstens 1 509 kbit/s — sie
erweitern also die Anwendung, ohne die Datenrate zu sprengen. Was darüber
liegt, gehört zur nächsten Generation und steht bei
DTS-HD .
Wenn eine Strecke nur eine begrenzte Datenrate hergibt, kommt der Kern
an. DTS hat den Fall für den Digitalausgang ausdrücklich beschrieben:
Über S/PDIF läuft DTS Digital Surround mit den vollen 1,5 Mbit/s bis 5.1
Kanäle, und im Schaubild dazu sitzt im Zuspieler ein Trans-Coder, der
den größeren DTS-HD-Datenstrom auf genau diesen Kern zurückführt. Im
Diagramm der Blu-ray-Datenraten ist die Grenze der Zweikanalschnittstelle
folgerichtig bei 1,5 Mbit/s eingezeichnet.
Auch die ältere Ausbaustufe des Tonrückkanals endet hier, allerdings über
einen Umweg im Beleg: Sie wurde laut HDMI-Lizenzgeber ausdrücklich als
Ersatz für eine S/PDIF-Verbindung entworfen und kann formatseitig
deshalb dasselbe. Eine Aussage von DTS zum Tonrückkanal selbst liegt
nicht vor; dieser Schluss stammt von AVITECT und steht mit seiner
Beleglage bei eARC und ARC .
Was diesen Rückfall in der Praxis gefährlich macht, ist seine
Geräuschlosigkeit. Kein Gerät meldet einen Fehler, keine Lampe geht aus,
und die Anzeige stimmt sogar: Es kommt DTS an. Nur eben der Kern.
„DTS hat die höhere Datenrate als Dolby Digital, also klingt es
besser." Die Zahlen stimmen — 1 509 gegenüber höchstens 640 kbit/s —
und der Schluss geht trotzdem zu weit. Es sind zwei verschiedene
Codierverfahren, und eine Datenrate lässt sich nur innerhalb desselben
Verfahrens vergleichen. Dazu kommt, dass beide Tonspuren im Studio
getrennt abgemischt werden: Was ein Hörer wahrnimmt, geht möglicherweise
auf die Abmischung zurück und nicht auf den Codec. Klar, mehr Datenrate
schadet nie — aber sie ist ein Argument und kein Beweis, und für einen
belastbaren Vergleich müsste dasselbe Material über beide Wege
nebeneinander laufen.
„Auf dem Display steht DTS, also kommt die volle Tonspur an." Der
Kern heißt ebenfalls DTS, und er kommt fast immer an — das ist der Sinn
der Konstruktion. Die beantwortbare Frage lautet, in welcher Fassung:
Kern allein, oder Kern samt Erweiterung? Unterscheidet ein Gerät die
beiden Fälle, schreibt es die Erweiterung im Display dazu; ob es das tut,
steht im Handbuch des Modells.
„DTS im Kino und DTS auf der Scheibe sind dasselbe Verfahren." Der
Firmenname steht über beidem, die Technik dahinter ist eine andere, und
das Unternehmen hat beide Geschäfte in seinem Jahresbericht von 2006
nebeneinander beschrieben. Gegründet wurde DTS 1990; 1993 stieg unter
anderem Universal City Studios ein, und im selben Jahr entstand die
erste DTS-Tonspur für „Jurassic Park". Das Kinosystem arbeitet mit zwei
Medien: Der Ton liegt auf CD-ROM, ein firmeneigener Zeitcode wird auf
die Filmkopie gedruckt und hält Ton und Bild zusammen, und
übereinstimmende elektronische Seriennummern ordnen Scheibe und Kopie
einander zu. Den Umweg begründet DTS praktisch — Ton auf einem optischen
Medium nutzt sich mit der Kopie nicht ab, fasst mehr Daten und lässt
sich gegen eine andere Sprachfassung tauschen, ohne die Kopie zu
wechseln. Wiedergegeben wird über sechs oder mehr diskrete Lautsprecher,
und ein DTS-ES-Dekoder leitet daraus im Kino einen hinteren Mittenkanal
ab.
Der eigentliche Unterschied steckt eine Ebene tiefer: Codiert ist dieser
Kinoton mit apt-X, einem Verfahren von Audio Processing Technology
Limited, das DTS dafür weltweit und zeitlich unbegrenzt lizenziert hat —
dasselbe Verfahren, dessen Familie heute in den
Bluetooth-Audiocodecs steckt. Coherent
Acoustics kam erst 1996 und für das Wohnzimmer. Gemeinsam haben Kino- und
Scheiben-DTS den Firmennamen und das Ziel diskreter Kanäle; das
Codierverfahren ist bei beiden ein anderes.
DTS-HD Master Audio und DTS-HD High Resolution Audio sind
Erweiterungen über diesem Kern und keine eigenständigen Formate daneben.
Was die beiden unterscheidet und wie weit sie über den Kern hinausgehen,
steht bei DTS-HD .
DTS-UHD gehört gar nicht zu dieser Familie. Es ist eine eigene
Spezifikation für den Streamingweg mit eigenem Rahmenaufbau — die dritte
Generation der DTS-Auslieferungsformate, während Kern und
DTS-HD-Erweiterungen die erste und zweite bilden. Näheres bei
DTS-UHD .
DTS:X benennt keinen Codec. Es ist objektbasierter Ton, der in einem
Träger mitreist; DTS gibt an, dass DTS:X auf DTS-HD Master Audio aufsetzt
und dadurch abwärtskompatibel zu vorhandenen DTS-Datenströmen bleibt.
Welcher Träger auf welcher Strecke ankommt, führt DTS:X
übertragen aus.
DTS Neural:X ist ein Upmixer und kein Übertragungsformat. Er verteilt
vorhandene Kanäle auf mehr Lautsprecher, statt zusätzliche Kanäle zu
übertragen; siehe Upmixer .
Ein Kunde ruft an, weil seine DVD-Sammlung im neuen Kino „dünner klingt
als früher". Noch vor dem Gerät:
Welche Fassung liegt auf der Scheibe, und was macht die Kette daraus?
Bei DVDs ist die Antwort oft schon auf dem Medium selbst zu finden. Viele
Filme wurden mit 768 kbit/s codiert, um Platz für das Bild zu sparen —
das ist knapp die Hälfte der vollen Rate, und der Unterschied ist mit
einem guten Center hörbar. Wer denselben Film als Blu-ray hat, bekommt
den Kern dort verpflichtend mit 1 509 kbit/s.
Der Weg dorthin ist unspektakulär: Vor jeder Gerätediskussion wird
geprüft, was die Quelle überhaupt hergibt. Erst
danach lohnt der Blick auf die Strecke — ob der Ton über den Fernseher
zurückläuft, ob der Zuspieler auf Bitstream steht, ob die Anlage die
Erweiterung überhaupt bekommt. Und erst ganz zuletzt kommt die Frage, ob
ein neues Gerät hilft. Warum ein vorhandenes Gerät ein fehlendes Format
nicht einfach als Aktualisierung bekommt, steht bei
Warum ein Gerät ein neues Tonformat nicht
bekommt .
Die Erweiterungen über diesem Kern behandelt
DTS-HD , den davon unabhängigen Streamingweg
DTS-UHD . Welcher Träger DTS:X über welchen Weg
bringt, steht bei DTS:X übertragen .
Das direkte Gegenstück aus der Dolby-Familie ist Dolby
Digital ; warum beide über jede
Zweikanal-Digitalstrecke passen und die jeweiligen Nachfolger nicht,
rechnet Was über S/PDIF und TOSLINK
passt an der Norm
vor. Welche Formate der Tonrückkanal in welcher Ausbaustufe zulässt,
steht bei eARC und ARC .
Was die Ziffern einer Angabe wie 5.1 oder 6.1 abzählen, klärt die
Kanal-Notation ; was in der „.1" steckt, der
LFE-Kanal .
Die Zahlen des Verfahrens stehen seit dem 01.09.2026 auf der
Spezifikation ETSI TS 102 114 in der Fassung V1.6.1 vom August 2019, die
für diesen Nachzug am Objekt gelesen wurde. Aus ihr stammen die 29
Zieldatenraten von 32 bis 1 536 kbit/s samt den Stereo-PCM-Werten
1 411,2 und 1 536 kbit/s (Tabelle 5-7), die neun Abtastraten von 8 bis
48 kHz (Tabelle 5-5), die Bittiefen 16, 20 und 24 Bit (Tabelle 5-17),
die Kanalgrenze des Kerns aus fünf Primärkanälen und einem LFE-Kanal
samt der Behandlung weiterer Kanäle im erweiterten Audio (Abschnitte 4.1
und 5.4.3) sowie die Einordnung von XCH und X96 als Kern-Erweiterungen
mit den festen Downmix-Koeffizienten und den Residuen für die höhere
Abtastrate (Abschnitte 6.1 und 6.2.1). ETSI schützt das Dokument
urheberrechtlich; hier stehen deshalb Zahlenwerte, Tabellen- und
Abschnittsnummern, keine Passagen im Wortlaut.
Aus dem DTS-Whitepaper zu DTS-HD Audio vom November 2006 bleibt das,
worüber die Spezifikation nichts sagt, weil es die Scheibe betrifft und
nicht das Verfahren: das Einführungsjahr 1996, die Herleitung der
1,5 Mbit/s aus der für zwei Kanäle 16-Bit-PCM verfügbaren Rate, die
1 509 kbit/s der Blu-ray Disc und die 768 kbit/s der DVD, die
Pflichtstellung der Coherent-Acoustics-Dekodierung auf Blu-ray Disc und
HD DVD samt der Einschränkung auf zwei Kanäle analog als verlangte
Ausgabe sowie der Trans-Coder-Weg über den Digitalausgang. Es ist eine
Herstellerdarstellung mit Datenstand November 2006 — also aus der Zeit
vor DTS:X und vor dem Streamingformat der dritten Generation.
Die Angaben zum Kinoverfahren — Gründung 1990, Beteiligung 1993, die
erste Tonspur zu „Jurassic Park", der Aufbau aus CD-ROM und
aufgedrucktem Zeitcode und die Codierung mit dem lizenzierten apt-X —
stammen aus dem Jahresbericht (Form 10-K) von DTS, Inc. für das
Geschäftsjahr 2006, eingereicht bei der US-Börsenaufsicht im März 2007.
Ein Beleg auf den eigenen Seiten von DTS oder Xperi ließ sich am
01.09.2026 nicht finden: Der Webauftritt führt keine Historien- oder
Firmenseite mehr, und keiner der 375 Beiträge behandelt das Verfahren
von 1993.
Dass DTS:X auf DTS-HD Master Audio aufsetzt und dadurch
abwärtskompatibel bleibt, steht in der DTS-Ankündigung vom April 2015
und ist bei den DTS:X-Trägerformaten im Einzelnen belegt. Dass die
ältere Ausbaustufe des Tonrückkanals als Ersatz für eine
S/PDIF-Verbindung entworfen wurde, gibt der HDMI-Lizenzgeber in seinen
Funktionsbeschreibungen an; die Fundstelle wird beim Eintrag zu eARC und
ARC geführt.