Die Bauform beschreibt, wie eine Projektionsfläche im Raum untergebracht
ist und wie sie plan gehalten wird — fest gespannt im Rahmen, aus einer
Kassette an der Decke, aus dem Boden aufsteigend oder als einfache
Rollo-Ausführung. Sie ist unabhängig von der Oberfläche und wird
getrennt von ihr entschieden.
Eine Leinwand kann fest an der Wand hängen wie ein großes Bild, aus
der Decke herunterfahren oder aus einem Möbel nach oben aufsteigen. Der
Unterschied ist mehr als Geschmack: Eine fest gespannte Fläche ist
immer glatt, eine hängende Bahn wellt sich leicht — und Wellen sieht
man im Bild. Wenn die Fläche verschwinden soll, wenn nicht geschaut
wird, braucht der Raum dafür Platz, Strom und eine Öffnung, und das
muss vor dem Bau feststehen. Deshalb gehört diese Entscheidung an den
Anfang und nicht ans Ende.
Zwei Fragen entscheiden über die Bauform, und beide haben wenig mit
Optik zu tun. Die erste: Darf die Bildfläche dauerhaft sichtbar bleiben?
Die zweite: Wie plan lässt sich die Fläche halten, wenn sie beweglich
ist? Aus der ersten folgt, welche Bauformen überhaupt in Frage kommen,
aus der zweiten, was sie an Aufwand mitbringen.
Das Tuch wird umlaufend auf einen Rahmen gespannt und bleibt dort. Nichts
fährt, nichts verstellt sich, die Fläche ist dauerhaft plan — deshalb
ist der Rahmen für jede anspruchsvolle Projektion der Bezugspunkt, an
dem sich die beweglichen Bauformen messen lassen müssen. Der Rahmen
selbst ist meist samtschwarz kaschiert, was Streulicht an den Rändern
schluckt und die Bildkante schärfer wirken lässt.
Der Einwand gegen ihn ist ein gestalterischer: Im Wohnraum steht
dauerhaft eine große dunkle Fläche an der Wand. Deshalb wird der Rahmen
dort gern bündig in eine Nische oder hinter eine Blende gesetzt, was
wiederum in die Bauplanung gehört.
Der zweite Weg aus diesem Einwand ist die
rahmenlose Leinwand: Dort läuft das
Tuch um die Rahmenkante nach hinten, von vorn ist nur die Bildfläche
zu sehen, und die Aufgabe des Samts übernimmt die dunkle, matte Wand
ringsum — im Wohnraum ist das der Regelfall.
Die Fläche hängt aufgerollt in einer Kassette und fährt auf Befehl nach
unten. Die Kassette sitzt sichtbar unter der Decke, in einer Abhangdecke
verborgen oder in einer Deckenaussparung; verborgen eingebaut
verschwindet die Bildfläche im Ruhezustand vollständig.
Der wunde Punkt ist die Planlage. Eine frei hängende Bahn mit
Gewichtsleiste am unteren Ende wird nie so glatt wie ein gespanntes
Tuch: Sie bekommt leichte Längswellen, und die Ränder ziehen sich ein.
Für ein gemütliches Wohnzimmerbild reicht das; je größer die Fläche und
je flacher das Licht auftrifft, desto sichtbarer wird es. Die Antwort
darauf ist die seitliche Spannung — Bänder, Federn oder Seile ziehen die
Bahn zu beiden Seiten und halten sie in der Ebene. Daran hängt der
Preisunterschied zwischen einer einfachen Motorleinwand und einer für
ein Mehrfaches davon, und im Zweifel ist genau hier gespart worden.
Hier steht die Kassette am Boden oder in ihm, und die Fläche fährt nach
oben aus. Der Grund dafür ist fast immer baulich: Es gibt keine
Deckenbefestigung, keine Abhangdecke, oder die Bildfläche soll vor einer
Glasfront erscheinen, an der oben nichts angebracht werden kann.
Bodenleinwände sind konstruktiv aufwendiger, weil die Bahn gegen die
Schwerkraft geführt und dabei gespannt werden muss; sie kommen deshalb
in aller Regel mit seitlicher Führung.
Die einfachste Form: eine Bahn in einem Gehäuse, von Hand gezogen oder
mit Federzug. Sie hat ihren Platz dort, wo gelegentlich projiziert wird
und die Bildqualität nicht die Hauptrolle spielt — im Besprechungsraum,
im Ferienhaus, als Übergangslösung. Für ein geplantes Heimkino bleibt
sie ein Provisorium.
Zwei Eigenschaften entscheiden über jede bewegliche Ausführung, und
beide stehen selten im Prospekt. Die erste ist die seitliche Spannung,
weil ohne sie die Fläche nicht plan wird. Die zweite ist die
Wiederholgenauigkeit der unteren Endlage: Das Bild steht auf der Fläche
immer an derselben Stelle, also muss die Fläche immer an dieselbe Stelle
fahren. Ein Endschalter mit mechanischem Anschlag hält das über Jahre,
eine rein zeitgesteuerte Abschaltung wandert mit Temperatur und Alter
des Tuchs. Wandert die Endlage um zwei Zentimeter, sitzt der schwarze
Rand nicht mehr um das Bild, und genau das fällt bei jedem Filmstart
auf.
Bewegliche Bauformen sind Gewerke und keine Lieferungen. Gebraucht
werden ein Platz für die Kassette samt Revisionszugang, eine Steckdose
in Kassettennähe, eine Steuerleitung oder eine Funkanbindung, und eine
Öffnung, deren Maße vor dem Innenausbau feststehen. Beim Einbau in eine
Abhangdecke kommt die Abhanghöhe dazu, beim Einbau in den Boden die
Aussparung im Aufbau — beides ist nach dem Estrich nicht mehr
verhandelbar.
Zwei Punkte werden dabei regelmäßig übersehen. Der Motor macht ein
Geräusch, und wenn die Leinwand während eines Films fährt, hört man ihn;
die Steuerung fährt deshalb besser vor dem Start als beim Umschalten.
Und die Fläche braucht eine Freigabe im Bewegungsraum: Ein Vorhang, eine
Lampe oder eine Deckenleiste im Weg beschädigt auf Dauer die Bahn.
„Die Leinwand nehmen wir am Schluss" ist der verbreitetste Satz zu
diesem Thema, und er kostet regelmäßig Geld. Bauform und Bildgröße legen
fest, wo das Gerät stehen muss, wie hoch die Kassette hängt und welche
Öffnungen der Innenausbau braucht. Wer sie ans Ende stellt, entscheidet
sie in Wahrheit vorher — nur eben unbewusst, über Deckenaufbau und
Möbelplanung.
Ebenso hartnäckig ist die Gleichsetzung von Motorleinwand und Komfort.
Der Motor ist der einfache Teil; entschieden wird über Planlage, Endlage
und Einbau. Eine gute feste Fläche schlägt eine mittelmäßige bewegliche
im Bild jedes Mal — wer den Motor kauft und an der Spannung spart, hat
Komfort gegen Bildqualität getauscht, ohne es zu merken.
- Leinwandoberfläche: Gain, Winkelselektivität und
Schalldurchlässigkeit sind Eigenschaften des Tuchs. Sie werden
getrennt entschieden — mit einer Ausnahme, die aus der Bauform folgt:
Was starr sein muss, gibt es nicht als Rollware.
- Maskierung: Bewegliche schwarze
Blenden, die das sichtbare Bildfeld an ein anderes Seitenverhältnis
anpassen. Sie sitzt auf oder vor der Fläche und ist eine eigene
Mechanik.
- Media Wall und
Akustik-Vorwand: Bauliche
Konstruktionen vor der Frontwand, in denen Lautsprecher und Technik
verschwinden. Die Bildfläche ist Teil davon, aber die Konstruktion
bestimmt sie nicht.
- Bildgröße: Wie groß das Bild wird, folgt aus Sitzabstand,
Sichtwinkel und Aufstellung. Die Bauform sagt nur, wie die Fläche
dieser Größe in den Raum kommt.
Ein Wohnzimmer mit Betondecke ohne Abhangdecke, Bildbreite rund 2,60
Meter, und der ausdrückliche Wunsch, dass im Alltag keine Bildfläche zu
sehen ist. Zuerst die Konzeptfrage: Was soll der Raum können, wenn niemand
schaut? Die Verfahrenswahl folgt danach — und sie ist hier eng, weil die
Decke keine Kassette aufnimmt, ohne dass abgehängt wird.
Damit stehen zwei Wege offen. Entweder wird über der Fensterfront ein
Deckensegment abgehängt, das die Kassette aufnimmt; dann ist die
Motorleinwand mit seitlicher Spannung die saubere Lösung, und der
Innenausbau bekommt Öffnungsmaß, Revisionszugang und Steckdose in die
Planung geschrieben. Oder die Fläche steigt aus einem Möbel unter dem
Bildort auf; dann fällt der Deckeneingriff weg, und dafür wird das Möbel
zum Teil der Bildgeometrie, mit fester Position und tragfähiger
Aufstellfläche. Zwischen beiden entscheidet nicht die Leinwand, sondern
das, was am Bau noch möglich ist. Die Gerätewahl kommt danach — sie
hängt an Bildbreite und Aufstellort, und beide sind mit dieser
Entscheidung bereits festgelegt.
Welche Oberfläche zur Nutzung passt, führen die
ALR-Leinwand, die
akustisch transparente Leinwand
und die Fresnel-Leinwand aus; wie hell
eine Fläche das Licht zurückgibt, der
Leinwand-Gain. Warum die Ultrakurzdistanz
besonders harte Anforderungen an Planlage und Endlage stellt, steht beim
Laser TV. Wie sich das Bildfeld an andere
Seitenverhältnisse anpassen lässt, klärt die
anamorphe Projektion; womit sich
Leinwand und Maskierung an die Anlage koppeln lassen, der Eintrag zum
12-Volt-Trigger.
Die Angaben zu Spannsystemen, Endlagen und Einbauvorgaben folgen
Herstellerunterlagen; die Auswahl der behandelten Punkte geht auf die
AVITECT-Sichtung zurück, in der Boden- und Motorleinwand als fehlende
Planungssubstanz benannt wurden.