Der Wirkungsgrad gibt an, welcher Anteil der elektrischen Leistung ein
Lautsprecher in Schall umsetzt. Er liegt bei üblichen HiFi-Lautsprechern
im Bereich weniger Prozent — der Rest wird Wärme. In Datenblättern steht
stattdessen fast immer der Kennschalldruckpegel: der Schalldruck in einem
Meter Abstand bei einer definierten Eingangsspannung, angegeben in
Dezibel.
Lautsprecher sind erstaunlich schlechte Wandler: Von dem, was der
Verstärker liefert, wird nur ein winziger Teil zu Musik, fast alles
wird Wärme. Wie gut ein Modell darin ist, steht als Dezibel-Zahl im
Datenblatt. Ein Lautsprecher mit einer höheren Zahl braucht für
dieselbe Lautstärke einen kleineren Verstärker. Das sagt aber nichts
darüber, wie gut er klingt — nur, wie viel Kraft er dafür braucht.
Die beiden Begriffe messen dasselbe aus verschiedenen Blickwinkeln. Der
Wirkungsgrad ist ein physikalisches Verhältnis in Prozent und für den
Alltag wenig griffig. Der Kennschalldruckpegel dagegen sagt Dir direkt,
wie laut es in einem Meter Abstand wird — und ist damit die Zahl, mit der
sich rechnen lässt.
Rechnen heißt hier vor allem: abschätzen, wie viel Verstärkerleistung ein
Lautsprecher braucht. Der Zusammenhang ist unbequem, weil er
logarithmisch verläuft. Eine Verdopplung der Leistung bringt drei Dezibel
mehr Pegel, und deutlich lauter empfindet das Gehör erst einen Zuwachs
von rund zehn Dezibel — dafür wäre die zehnfache Leistung nötig. Ein
Lautsprecher mit drei Dezibel mehr Kennschalldruckpegel spart also die
Hälfte der Verstärkerleistung ein, und das ist mehr wert, als die kleine
Zahl vermuten lässt.
Der Haken liegt in den Messbedingungen. Die verbreitete Angabe bezieht
sich auf 2,83 Volt in einem Meter Abstand. Bei einem
Acht-Ohm-Lautsprecher entspricht das genau einem Watt, bei einem
Vier-Ohm-Lautsprecher aber zwei Watt — dieselbe Spannung liefert dort die
doppelte Leistung, und die Angabe fällt entsprechend etwa drei Dezibel
günstiger aus. Wer zwei Modelle mit unterschiedlicher Impedanz über die
Datenblattzahl vergleicht, vergleicht deshalb nicht dasselbe. Dazu kommt,
dass Hersteller unterschiedlich mitteln, in unterschiedlichen
Frequenzbereichen und teilweise im Raum statt reflexionsarm messen.
Hinter der Zahl steht außerdem ein Zielkonflikt, an dem sich nichts
drehen lässt: Wirkungsgrad, Tiefgang und Gehäusevolumen lassen sich nicht
gleichzeitig maximieren. Wer bei kleiner Box tief spielen will, zahlt mit
Wirkungsgrad; wer hohen Wirkungsgrad und Tiefgang will, braucht Volumen.
Genau deshalb sind kompakte Lautsprecher mit beeindruckender
Tiefgangangabe fast immer die leistungshungrigen.
Ein hoher Kennschalldruckpegel ist praktisch, sagt aber nichts
über den erreichbaren Maximalpegel aus. Wie laut ein Lautsprecher
wirklich werden kann, bestimmen Belastbarkeit, Membranhub und
Verzerrungsverhalten, nicht seine Empfindlichkeit bei einem Watt.
Verbreitet ist die Lesart „hoher Wirkungsgrad heißt guter Lautsprecher".
Der Wirkungsgrad ist eine Auslegungsentscheidung, keine Qualitätsnote.
Kino- und Beschallungslautsprecher sind bewusst hoch ausgelegt, weil
dort große Pegel und lange Wege gefragt sind; kompakte Wohnraumboxen
tauschen Wirkungsgrad gegen Tiefgang bei kleiner Bauform.
Hartnäckig ist auch die Umkehrung: „Mein Verstärker hat genug Watt,
dann ist die Empfindlichkeit egal." Das stimmt für den mittleren Pegel
und geht bei Spitzen schief. Ein unempfindlicher Lautsprecher zieht bei
dynamischen Passagen ein Vielfaches der mittleren Leistung, und genau
dort geht einem knappen Verstärker die Reserve aus.
- Maximalpegel: Was der Lautsprecher aushält, nicht was er aus einem
Watt macht.
- Verstärkerleistung: Die andere Seite derselben Rechnung.
- Impedanz: Bestimmt, wie viel Leistung bei gegebener Spannung
fließt — und verzerrt genau deshalb den Vergleich zweier Datenblätter.
Ein Kunde besitzt einen hochwertigen Röhrenverstärker mit rund zehn Watt
pro Kanal und möchte dazu passende Lautsprecher. Die Frage nach dem
„besten" Lautsprecher hilft hier nicht weiter — zuerst muss klar sein,
welcher Pegel im Raum gebraucht wird und was der Verstärker dafür
liefern kann.
Bei zehn Watt und einem Hörabstand von drei Metern kommt man mit einem
Lautsprecher um 86 Dezibel Kennschalldruckpegel bereits an die Grenze,
sobald es um Dynamikspitzen geht. Sinnvoll ist deshalb, die
Auswahl von vornherein auf empfindlichere Konstruktionen einzugrenzen —
und dabei zu akzeptieren, dass diese bei gleicher Baugröße weniger tief
spielen. Konkrete Modelle kommen zuletzt ins Gespräch. Der Weg
andersherum — erst der Lautsprecher, dann die Frage nach dem Pegel —
endet regelmäßig damit, dass der schöne Verstärker ersetzt werden muss.
Wie viel Pegel daraus im Raum wird, steht bei Verstärkerleistung; warum
die Ohm-Angabe die Vergleichbarkeit stört, bei Impedanz. Die
Dezibel-Rechnung selbst behandelt der Eintrag zu Dezibel.
Die Messbedingungen folgen IEC 60268-5, die Einordnung der
Herstellerangaben Toole.