Ein digitales Videosignal codiert Helligkeit als ganze Zahlen. Welcher
Zahlenwert dabei Schwarz bedeutet und welcher Weiß, ist nicht
selbstverständlich: Im begrenzten Bereich liegt Schwarz bei 16 und
Weiß bei 235, im vollen Bereich bei 0 und 255. Beide Festlegungen sind
genormt, und beide kommen in der Praxis vor.
Stell Dir eine Skala von 0 bis 255 vor, auf der jede Zahl eine
Helligkeitsstufe ist. Es gibt zwei Abmachungen darüber, wo auf dieser
Skala Schwarz liegt: entweder ganz unten bei null oder ein Stück
darüber, bei 16. Beide sind in Ordnung — solange Zuspieler und
Bildschirm dieselbe Abmachung verwenden. Reden sie aneinander vorbei,
kommt trotzdem ein Bild, und genau das macht den Fehler so zäh: Es sieht
nur falsch aus, es fehlt nicht. Entweder wirkt Schwarz milchig grau, oder
die dunklen Bildteile fallen in ein einheitliches Schwarz zusammen und
nehmen alles mit, was darin zu sehen war.
Bei acht Bit je Farbkanal stehen 256 Zahlen zur Verfügung. Wie sie belegt
werden, ist die ganze Frage.
| begrenzter Bereich | voller Bereich |
|---|
| Schwarz | 16 | 0 |
| Weiß | 235 | 255 |
| bei 10 Bit | 64 bis 940 | 0 bis 1023 |
| Herkunft | ITU-R BT.709, BT.2100 (narrow) | ITU-R BT.2100 (full), Computergrafik |
| üblich bei | Filmmaterial, Blu-ray, Streaming, Rundfunk | PC-Grafikausgabe, Spielkonsolen je nach Einstellung |
Die Bezeichnungen wechseln je nach Gerätemenü. „Limited", „Video",
„Normal", „16-235" und „Standard" meinen den begrenzten Bereich; „Full",
„PC", „Erweitert", „0-255" und gelegentlich „Voll" den vollen. Diese
Begriffsvielfalt ist ein guter Teil des Problems, denn zwei Geräte
derselben Kette benennen dieselbe Einstellung oft verschieden.
Die naheliegende Rechnung — 219 Stufen statt 256, also rund 15 Prozent
weniger — führt in die Irre, weil die Werte außerhalb nicht ungenutzt
sind. Sie sind reserviert, und zwar für einen Zweck.
BT.709 ordnet die Codewerte ausdrücklich zu: Als Videodaten gelten bei
acht Bit die Werte 1 bis 254, für die Synchronisation reserviert sind
allein 0 und 255. Alles zwischen 1 und 15 sowie zwischen 236 und 254 ist
also gültiges Videosignal — es liegt nur unterhalb von Referenzschwarz
beziehungsweise oberhalb von Referenzweiß. BT.2100 benennt diese Bereiche
als sub-blacks und super-whites und hält fest, dass ein Signal im
begrenzten Bereich sie ausdrücklich nutzen darf.
Diese Reserve hat zwei Aufgaben. Sie fängt erstens die Überschwinger auf,
die bei jeder Filterung und Skalierung entstehen — ein Bildprozessor, der
eine Kante nachschärft, erzeugt kurzzeitig Werte jenseits der Enden, und
ohne Reserve würden sie abgeschnitten. Und sie erlaubt zweitens, den
Schwarzpegel eines Anzeigegeräts überhaupt einzustellen: Das
PLUGE-Testbild arbeitet mit Feldern knapp unter und knapp über
Referenzschwarz, und BT.2100 begründet damit ausdrücklich, warum
Referenzmonitore Werte unterhalb von Schwarz nicht abschneiden dürfen.
Der volle Bereich hat diese Reserve nicht. Er nutzt die Skala von Rand zu
Rand — was für einen Computerbildschirm sinnvoll ist, der ein fertig
gerechnetes Bild darstellt und nichts mehr verarbeitet. Für eine
Signalkette mit mehreren Verarbeitungsstufen ist es die ungünstigere Wahl.
Hier lohnt der genaue Blick, weil die verbreitete Erzählung an dieser
Stelle kippt.
Für die Programmproduktion ist der begrenzte Bereich der Regelfall.
BT.2100 stellt beide Darstellungen nebeneinander und hält fest, dass die
schmale weit verbreitet ist und als Vorgabe gilt; die volle wurde erst mit
dieser Empfehlung eingeführt und soll für den Programmaustausch nur
verwendet werden, wenn alle Beteiligten zustimmen. Deutlicher lässt sich
eine Vorgabe kaum formulieren.
Für die Übertragung über HDMI hängt der Vorgabewert an der Art des
Bildformats. CTA-861 unterscheidet zwischen CE-Timings — den
Fernseh- und Filmauflösungen — und IT-Timings, den klassischen
PC-Auflösungen. Bei IT-Timings ist RGB im vollen Bereich der Vorgabewert,
bei CE-Timings RGB im begrenzten. Ohne jede Ankündigung soll ein
Empfänger genau diese Annahme treffen. Die geltende Fassung von 2025
verlangt von neuen Quellen allerdings, den Bereich immer ausdrücklich
zu melden; die stille Vorgabe gilt nur noch für ältere Geräte.
Beides zusammengenommen: Ein Film in 3840×2160 läuft normgemäß im
begrenzten Bereich, die Ausgabe eines Rechners in einer klassischen
Bildschirmauflösung wie 1920×1200 normgemäß im vollen. Wer daraus einen
generellen Vorzug ableitet, hat die Fallunterscheidung übersehen. Zu
beachten ist dabei: Die geläufigen Fernsehauflösungen zählen zu den
CE-Timings, auch wenn ein Rechner sie ausgibt — die Einteilung folgt dem
Bildformat, nicht der Art des Geräts.
Ein dritter Punkt aus BT.2100 wird selten erwähnt und ist praktisch
relevant: Digitale Bildschnittstellen reservieren selbst Codewerte, sodass
ihr zulässiger Videobereich schmaler ist als der eines
Vollbereichssignals. Die Abbildung eines Vollbereichsbildes auf eine
solche Schnittstelle ist damit anwendungsabhängig — der volle Bereich
passt nicht ohne Weiteres durch jede Leitung, für die er gedacht scheint.
Die Quelle teilt der Anzeige mit, was sie sendet. Der Träger dafür ist der
AVI-InfoFrame, ein kleines Datenpaket, das neben
dem Bild mitläuft.
Für RGB-Signale steht dort ein zwei Bit breites Feld mit vier möglichen
Werten: Vorgabe je nach Bildformat, begrenzt, voll, und ein reservierter
vierter Zustand. Für YCbCr-Signale gibt es ein eigenes Feld mit derselben
Aufgabe. Die Norm regelt dabei auch den Fall, dass beide Felder gesetzt
sind: Bei RGB-Übertragung soll die Quelle das YCC-Feld passend mitführen,
und der Empfänger soll es ignorieren.
Damit sind drei Stellen beteiligt, an denen die Einstellung sitzen kann,
und jede kann für sich falsch stehen:
- Das Quellgerät legt fest, in welchem Bereich es ausgibt — bei
Zuspielern, Konsolen und Rechnern meist im Bildmenü unter „HDMI-Bereich",
„RGB-Ausgabebereich" oder ähnlich.
- Das Anzeigegerät legt fest, wie es das Eingangssignal deutet. Die
Einstellung heißt oft „HDMI-Schwarzpegel", „RGB-Bereich" oder
„Eingangspegel" und steht meist auf Automatik.
- Zwischengeräte — Prozessoren, Verteiler, Extender — können den
Bereich umrechnen oder die Ankündigung verändern. Ein Gerät, das das
Bild verarbeitet, muss die Beschreibung passend neu setzen; ein Gerät,
das nur durchreicht, soll sie unangetastet lassen.
Die Automatik funktioniert oft, aber nicht immer: Sie verlässt sich auf
die Ankündigung, und wo ein Zwischengerät sie verwirft oder falsch setzt,
rät das Anzeigegerät.
„Video-Level ist der beschnittene Kompromiss, PC-Level ist das
Original." Das ist die verbreitetste Erzählung zu diesem Thema, und sie
hat die Sache genau verkehrt herum. Der begrenzte Bereich ist für
Bewegtbild der genormte Regelfall — BT.2100 nennt die volle Darstellung
neu und will sie im Programmaustausch nur nach Absprache sehen. Was wie
ein Kompromiss aussieht, ist eine bewusste Konstruktion mit Reserve an
beiden Enden.
Vor allem aber liegt in dieser Erzählung ein Denkfehler über die Kette als
Ganzes. Wenn eine Quelle im begrenzten Bereich ausgibt und die Anzeige ihn
korrekt so interpretiert, geht nichts verloren: Die 219 Stufen werden
auf den vollen Darstellungsumfang des Geräts gespreizt, und Schwarz ist
so schwarz wie das Gerät kann. Der Vorteil des vollen Bereichs entsteht
nur dort, wo das Material selbst in diesem Bereich vorliegt — und
Filmmaterial tut das nicht.
„Ich stelle überall Full ein, dann ist es einheitlich." Das ist ein
brauchbarer Notbehelf und keine Lösung. Er funktioniert, solange jedes
Gerät der Kette die Einstellung anbietet und einhält. Sobald ein Zuspieler
nur begrenzt ausgeben kann, ein Prozessor stillschweigend umrechnet oder
die Automatik eines Geräts nicht abschaltbar ist, bricht die Einheitlichkeit
an einer Stelle, die man nicht sieht. Der zuverlässigere Weg führt über den
Regelfall des Materials — begrenzt für Bewegtbild — und über die Prüfung,
ob jedes Glied der Kette ihn durchhält.
„Das lässt sich mit Helligkeit und Kontrast geraderücken." Nur
scheinbar. Wird ein begrenztes Signal als voll gedeutet, ist Schwarz
angehoben — und der Helligkeitsregler kann es wieder absenken. Das Bild
sieht danach richtig aus und ist es nicht: Die Abstufungen sind gestaucht,
und was zwischen den Enden liegt, sitzt an der falschen Stelle. Im
umgekehrten Fall ist es endgültig, weil dort Werte bereits abgeschnitten
wurden; kein Regler holt eine Zeichnung zurück, die nicht mehr im Signal
ist. Was die beiden Regler tatsächlich tun, steht bei der
Bildkalibrierung.
Der Fehler lässt sich ohne Messtechnik feststellen, und zwar an beiden
Enden der Skala getrennt.
Am unteren Ende dient ein PLUGE-Testbild: Es zeigt Felder knapp unterhalb
und knapp oberhalb von Referenzschwarz vor schwarzem Grund. Richtig
eingestellt verschwindet das Feld unter Schwarz vollständig, während das
darüber gerade eben zu erkennen ist. Sind beide sichtbar, ist Schwarz
angehoben — das Signal ist begrenzt, wird aber als voll gedeutet. Ist auch
das obere Feld unsichtbar, wird abgeschnitten.
Am oberen Ende dient ein Testbild mit abgestuften Weißfeldern oberhalb von
Referenzweiß. Verschmelzen die obersten Stufen zu einer Fläche, gehen
Lichter verloren.
Beides gehört zu jeder Inbetriebnahme, und zwar je Eingang und je Quelle
einzeln: Die Einstellung gilt oft eingangsbezogen, und ein Zuspieler kann
sich anders verhalten als der nächste.
- Gamma: Der Verlauf zwischen Schwarz und Weiß. Der Signalwertebereich
legt fest, wo die Enden liegen, das Gamma, wie sich
die Stufen dazwischen verteilen.
- Helligkeits- und Kontrastregler: Bedienelemente am Gerät. Sie
verschieben die Lage der Enden in der Wiedergabe und ändern nichts an
der Codierung des Signals.
- Bittiefe: Wie viele Stufen es gibt, nicht wie sie zugeordnet sind —
siehe Bittiefe. Beide Größen wirken zusammen: Im
begrenzten Bereich stehen bei acht Bit 219 Stufen für den Nutzbereich
zur Verfügung, bei zehn Bit das Vierfache.
- Dynamikumfang: Was das Anzeigegerät zwischen hellstem und dunkelstem
Punkt tatsächlich darstellen kann. Das ist eine Geräteeigenschaft, keine
Codierung.
Ein Kino mit Projektor, AV-Prozessor und zwei Quellen: ein
Blu-ray-Spieler und ein Medienrechner. Der Kunde meldet, Filme von der
Disc sähen flau aus, dieselben Filme vom Rechner dagegen richtig. Er
vermutet den Projektor.
Was hier zuerst zu klären ist, betrifft nicht das Gerät, sondern die
Verständigung zwischen zwei Geräten. Der Blu-ray-Spieler gibt Filmmaterial
normgemäß im begrenzten Bereich aus. Der Medienrechner läuft mit einer
PC-Auflösung und damit normgemäß im vollen. Steht der Projektor fest auf
„voll", passt er zum Rechner und nicht zur Disc — und genau das ist das
beschriebene Bild: flau bei der einen Quelle, richtig bei der anderen.
Das Verfahren dahinter ist ein Durchgang je Signalweg statt einer
Einstellung für alles. Am Projektor die Automatik prüfen und, wenn sie
unzuverlässig arbeitet, je Eingang fest einstellen; die Quellen so
konfigurieren, dass jede den zu ihrem Material passenden Bereich ausgibt;
Zwischengeräte daraufhin ansehen, ob sie die Ankündigung durchreichen. Erst
danach ist eine Aussage über den
Schwarzwert des Projektors überhaupt belastbar —
wer vorher misst, misst einen Übertragungsfehler und hält ihn für eine
Geräteeigenschaft.
Zwei Quellen mit unterschiedlichem Bereich sind übrigens kein Fehler,
sondern der Normalfall. Die Kette muss ihn nur je Quelle richtig
auflösen.
Wie die Quelle den Bereich ankündigt und warum eine Ankündigung keine
Anweisung ist, steht beim InfoFrame; welche
Fähigkeiten die Gegenrichtung meldet, beim EDID. Was ein
angehobenes Schwarz sonst noch für Ursachen haben kann und warum der
Raumanteil meist überwiegt, führt der
Schwarzwert aus. Wie viele Stufen zwischen den
Enden liegen, klärt die Bittiefe, wie sie verteilt
sind das Gamma.
Die Codewerte beider Bereiche und die Zuordnung der Randwerte stammen aus
ITU-R BT.709-6, §§ 4.5 bis 4.7, und aus ITU-R BT.2100-3, Tabelle 9 samt
den Anmerkungen 9a und 9b; beide Empfehlungen wurden für diese Seite am
Objekt gelesen. Die Feststellung, dass die schmale Darstellung als Vorgabe
gilt und die volle für den Programmaustausch der Zustimmung aller
Beteiligten bedarf, steht wörtlich in BT.2100-3 vor Tabelle 9. Die
Begründung über PLUGE-Testsignale stammt aus Anmerkung 5h derselben
Empfehlung. Die Vorgabewerte je Timing-Art, die Pegelfestlegungen und die
Felder des AVI-InfoFrame stammen aus CTA-861-G und sind an der
geltenden Fassung ANSI/CTA-861-J von 2025 am Original bestätigt.