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4,4-mm-Pentaconn und Bantam/TT-Patchstecker

Warum gibt es zwei völlig verschiedene 4,4-mm-Stecker — und woran erkenne ich, welcher vor mir liegt?

Zwei Steckverbinder mit demselben Nennmaß von 4,4 Millimetern, aus zwei verschiedenen Welten und ohne jede funktionale Gemeinsamkeit. Der Bantam — auch TT für Tiny Telephone — ist der Patchstecker professioneller Rangierfelder und dreipolig. Der Pentaconn ist ein fünfpoliger Kopfhöreranschluss für symmetrisch angesteuerte Hörer und seit 2016 in JEITA RC-8141C festgelegt. Dass beide dasselbe Nennmaß haben, ist historischer Zufall und der Grund für diesen Eintrag.

In der Studiotechnik gibt es kleine Klinkenstecker, mit denen man Signale in einem Steckfeld umsortiert — wie eine alte Telefonvermittlung. Und es gibt seit einigen Jahren einen Kopfhörerstecker für hochwertige Anlagen, der genauso dick ist und völlig anders funktioniert. Er hat fünf Kontakte statt drei, weil er für jeden Ohrkanal zwei getrennte Leitungen führt. Man sieht den Unterschied an den schwarzen Ringen am Stecker: drei Kontakte heißt zwei Ringe, fünf Kontakte heißt vier. Verwechseln lohnt sich nicht, denn im ungünstigen Fall legt man damit die Ausgänge eines Verstärkers zusammen.

Ausführliche Erklärung

Der Bantam — aus der Telefonvermittlung ins Studio

Die Bauform stammt aus derselben Linie wie die große 6,35-mm-Klinke: dem Steckfeld der manuellen Telefonvermittlung, in dem eine Vermittlerin Verbindungen von Hand steckte. Für Tonstudios war dieses Maß irgendwann zu groß — ein Rangierfeld mit hundert Wegen braucht Platz —, und die verkleinerte Ausführung mit 0,173 Zoll, also 4,4 Millimetern, setzte sich als Standard durch.

Elektrisch ist der Bantam ein gewöhnlicher TRS-Stecker: Spitze, Ring, Schaft. In der Studiotechnik führt er damit eine symmetrische Monoverbindung — Spitze und Ring die beiden Signalphasen, der Schaft Masse und Schirm. Von einer Klinke unterscheidet ihn die Auslegung und nicht die Elektrik: Ein Rangierfeld wird tausende Male gesteckt, und der Kontakt muss dabei seine Eigenschaften behalten. Die Konfektion ist darauf ausgelegt — bei einer verbreiteten Ausführung sind Spitze und Ring gelötet und der Schaft gecrimpt, weil dort die mechanische Last liegt.

Eine veröffentlichte Festlegung der Bantam-Belegung liegt für diese Seite nicht vor; deshalb steht hier keine Tabelle. Dass Spitze und Ring die beiden Signalphasen führen und der Schaft Masse, folgt der allgemeinen Konvention symmetrischer Klinkenverbindungen und nicht einer Norm.

Ein Rangierfeld hat außerdem eine Eigenschaft, die man dem Stecker nicht ansieht: Die Buchsen sind häufig normalisiert, das heißt, sie verbinden zwei Wege automatisch miteinander, solange kein Stecker steckt, und trennen diese Verbindung beim Stecken auf. Wer ein Rangierfeld plant, plant deshalb eine Verdrahtungslogik und nicht nur eine Steckerreihe.

Der Pentaconn — vier Signaladern statt zwei

Der Pentaconn löst ein anderes Problem. Ein symmetrisch angesteuerter Kopfhörer bekommt je Ohrmuschel zwei getrennte Leitungen, die gegenphasig angesteuert werden; eine gemeinsame Masse gibt es nicht mehr. Für Stereo sind das vier Signaladern, und dafür reicht ein dreipoliger Stecker nicht.

Die Belegung ist festgelegt, und das ist bei Kopfhöreranschlüssen keine Selbstverständlichkeit.

Die genormte Belegung

4,4-mm-Pentaconn nach JEITA RC-8141C

KontaktFunktionWas daraus folgt
Spitzelinker Kanal, nicht invertiertDie Spitze ist bei jedem Klinkenverwandten der linke Kanal — die Gewohnheit stimmt hier ausnahmsweise.
Ring 1linker Kanal, invertiertHier endet die Vergleichbarkeit mit einem Stereostecker: Auf diesem Kontakt liegt kein zweiter Kanal, sondern die Gegenphase des ersten. Ein Adapter, der ihn wie einen Stereo-Ring behandelt, legt beide Endstufenausgänge eines Kanals gegeneinander.
Ring 2rechter Kanal, nicht invertiertDer rechte Kanal beginnt erst hier. Wer von Stereo kommt und nach dem rechten Kanal auf Ring 1 sucht, findet die falsche Ader.
Ring 3rechter Kanal, invertiertDieselbe Falle wie bei Ring 1, für die andere Seite.
HülseMasse und SchirmBei symmetrischer Ansteuerung führt sie kein Signal und dient nur der Abschirmung. Genau deshalb bringt der Anschluss überhaupt etwas: Es gibt keinen gemeinsamen Rückweg, über den sich die beiden Kanäle beeinflussen könnten.

Festgelegt ist diese Zuordnung in der japanischen Norm JEITA RC-8141C aus dem Jahr 2016. Die Tabelle zeigt die Norm und kein Gerät: Ob ein konkreter Verstärker seine Buchse so beschaltet und ob er wirklich symmetrisch ansteuert oder nur so aussieht, steht in dessen Handbuch.

Verbreitet hat sich die Bauform als Ablösung des zuvor üblichen 2,5-mm-TRRS, der mechanisch zu schwach war. Zwischen 2018 und 2022 ist sie nach Angaben ihres Urhebers zum verbreiteten Anschluss dieser Geräteklasse geworden.

Häufiges Missverständnis

„Symmetrisch klingt besser." Der Satz begegnet einem bei Kopfhörerverstärkern besonders oft, und er verwechselt zwei verschiedene Wirkungen. Bei einer langen Leitungsstrecke bringt die symmetrische Führung Störunterdrückung — das ist der Fall, für den das Verfahren erfunden wurde, und ein Kopfhörerkabel von anderthalb Metern ist er nicht. Was ein symmetrisch angesteuerter Kopfhörer tatsächlich gewinnt, ist der Wegfall des gemeinsamen Masserückwegs: Bei zwei getrennten Rückleitungen kann der Strom des einen Kanals keine Spannung erzeugen, die im anderen Kanal auftaucht. Ob man das hört, hängt am Gerät und am Hörer; die Wirkung ist jedenfalls eine andere als die, die der Satz behauptet.

Ein weiterer Fehlschluss nimmt die Baugröße als Auskunft. Zwei Steckverbinder mit demselben Nennmaß in derselben Werkstatt, beide schwarz beringt, beide aus der Audiotechnik — das ist ein Verwechslungsfall, den man durch Zählen löst und nicht durch Erfahrung. Zwei Ringe heißt drei Kontakte und damit Bantam, vier Ringe heißt fünf Kontakte und damit Pentaconn.

Nicht zu verwechseln mit

  • 6,35-mm-Klinke: Die große Bauform derselben Traditionslinie, ebenfalls als TRS und mit derselben Doppeldeutigkeit zwischen Stereo und symmetrisch Mono.
  • 2,5-mm-TRRS: Der Vorgänger des Pentaconn für denselben Zweck, vierpolig und mechanisch empfindlich.
  • 3,5-mm-Klinke: Der Standardanschluss im Konsumbereich, mit eigenen Belegungsvarianten für Headsets.
  • XLR-4: Der symmetrische Kopfhöreranschluss der Studiotechnik. Führt dieselben vier Signaladern, ist aber deutlich größer und verriegelbar.

Aus der Praxis

Ein Kunde bringt einen Kopfhörerverstärker mit, an dem neben der gewohnten 6,35-mm-Buchse eine zweite, kleinere sitzt. Sein Kopfhörerkabel hat einen 4,4-mm-Stecker, und er möchte wissen, ob er ihn auch an der Zuspielseite verwenden kann, wo im Rack ein Rangierfeld mit gleich aussehenden Buchsen liegt.

Zu klären ist zuerst, welche Signalart an welcher Stelle laufen soll. Am Kopfhörer geht es um vier Signaladern ohne gemeinsame Masse, im Rangierfeld um eine symmetrische Monoverbindung mit Masse. Das sind verschiedene Signalarten, und damit ist die Frage nach dem Stecker beantwortet, bevor sie gestellt wird.

Für die Ausführung bleibt damit eine Beschriftungsaufgabe. Wo beide Bauformen in derselben Anlage vorkommen, wird jede Buchse gekennzeichnet, und die Kabel bekommen dieselbe Kennzeichnung an beiden Enden. Das ist unspektakulär und spart die Situation, in der jemand im Halbdunkel hinter einem Rack einen Stecker mit Nachdruck in die falsche Buchse einführt.

Am Verstärker selbst ändert das nichts. Offen bleibt an ihm nur eine Prüfung: Steuert er über die kleine Buchse wirklich symmetrisch an, oder legt er die beiden Rückleitungen intern zusammen? Das steht im Handbuch und nirgends sonst.

Verknüpfte Inhalte

Die große Familie mit ihrer Doppeldeutigkeit zwischen Stereo und symmetrisch beschreibt der Klinkenstecker; warum die Differenzbildung überhaupt Störungen unterdrückt, die symmetrische Übertragung. Den verriegelbaren Gegenpol aus der Studiotechnik behandelt XLR, und wo Rangierfelder in Anlagen sitzen, die Matrix und Kreuzschiene.

Quellen

Normbezug, Polbelegung, Maße und zeitliche Einordnung des Pentaconn stammen von Nippon Dics als Urheber der Bauform. Die Ausführung und die Konfektionsweise des Bantam-Steckers sind über die Produktunterlagen eines etablierten Steckverbinderherstellers belegt. Die Herkunft beider Bauformen aus dem Steckfeld der Telefonvermittlung ist im Eintrag zum Klinkenstecker hergeleitet.

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