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Verstärkerklassen Class G und Class H
Was bedeuten Class G und Class H bei einer Endstufe — und was unterscheidet sie von Class AB und von Class D?
Class G und Class H bezeichnen lineare Endstufen, deren Versorgungsspannung dem Signal folgt, statt fest zu bleiben. Die Ausgangstransistoren regeln dabei stufenlos weiter wie bei Class AB — verändert wird allein die Spannung, aus der sie schöpfen. Bei einer Ausführung stehen zwei oder mehr feste Schienen bereit, zwischen denen umgeschaltet wird; bei der anderen läuft eine einzige Schiene mit dem Signalpegel mit. Welcher der beiden Buchstaben welches Verfahren meint, wird uneinheitlich gehandhabt.
Ein Verstärker hält im Inneren immer eine kräftige Spannung bereit, um auch die lautesten Stellen zu schaffen. Die meiste Zeit braucht er davon nur einen Bruchteil, und der Überschuss wird als Wärme verheizt — ungefähr so, als würdest Du eine Heizung voll aufdrehen und die Temperatur über das offene Fenster einstellen. Diese Bauart macht es anders: Sie hält nur so viel Spannung bereit, wie gerade gebraucht wird, und zieht bei lauten Stellen nach. Für Dich zählt vor allem eine Folge davon: Ein Gerät mit vielen Kanälen bleibt kühler und kann kleiner ausfallen.
Ausführliche Erklärung
Warum die feste Schiene Wärme erzeugt
Eine lineare Ausgangsstufe arbeitet wie ein regelbarer Widerstand zwischen Versorgung und Lautsprecher. Die Verlustleistung im Transistor ist das Produkt aus dem Strom, der zum Lautsprecher fließt, und der Spannung, die dabei am Transistor selbst abfällt — also der Differenz zwischen Versorgungs- und Ausgangsspannung.
Diese Differenz ist der Kern des Problems. Ein Verstärker muss seine Versorgung nach der lautesten Stelle auslegen, die er beherrschen soll. Musik und Filmton laufen aber im Mittel weit unter ihren Spitzen: Der Momentanwert liegt die meiste Zeit bei einem kleinen Bruchteil der Maximalspannung. Genau dann fällt fast die gesamte Versorgungsspannung am Transistor ab, und der Verstärker heizt am kräftigsten, während er scheinbar wenig zu tun hat.
Was Class G und Class H daran ändern
Beide Verfahren senken die Differenz, statt am Signalweg etwas zu verändern.
Umschalten zwischen festen Schienen. Das Netzteil hält zwei oder drei Spannungsstufen bereit. Bei kleinen Pegeln arbeitet die Ausgangsstufe aus der niedrigsten; überschreitet das Signal eine Schwelle, schaltet eine höhere Stufe zu. Die Umschaltung folgt dabei dem Signalverlauf selbst und muss deshalb so schnell arbeiten wie das Signal.
Mitlaufende Schiene. Statt fester Stufen erzeugt ein eigener Wandler eine Spannung, die dem Signal mit geringem Abstand folgt. Der Transistor sieht dann dauerhaft nur noch die kleine Differenz, die er zum Regeln braucht.
Die zweite Lösung ist die gründlichere und die aufwendigere, weil ein schnell reagierender Wandler dafür nötig ist. Beide teilen dieselbe Eigenschaft: Der Signalweg selbst bleibt eine lineare Endstufe, mit deren gewohntem Verhalten an schwierigen Lasten. Verändert wird die Stromversorgung.
Die Buchstaben sind nicht eindeutig belegt
An dieser Stelle wird die Fachliteratur unzuverlässig, und das gehört gesagt, statt eine Eindeutigkeit zu behaupten, die es nicht gibt. In vielen europäischen Darstellungen meint Class G die Umschaltung zwischen festen Schienen und Class H die mitlaufende Spannung; in anderen Quellen, überwiegend aus dem amerikanischen Raum, ist die Zuordnung vertauscht. Hersteller verwenden zusätzlich eigene Sprachregelungen, und manche führen dieselbe Schaltung je nach Marktregion unter beiden Namen.
Praktisch heißt das: Der Buchstabe allein sagt Dir noch nicht, welches Verfahren im Gerät steckt. Aussagekräftig ist die Beschreibung — hält das Netzteil mehrere Schienen bereit, oder wird eine Schiene geregelt? Für die Planung ist der Unterschied ohnehin kleiner als die gemeinsame Eigenschaft, die beide von Class AB und von Class D trennt.
Was daraus für ein Gerät folgt
Der erste Ertrag ist Wärme, die gar nicht erst entsteht. Damit werden Kühlkörper kleiner, und ein Gerät kommt eher ohne Lüfter aus. In einem Wohnraum oder in einem Kinoraum entscheidet das darüber, ob das Rack im leisen Dialog zu hören ist.
Der zweite betrifft das Netzteil und damit die Kanaldichte. Ein Mehrkanalgerät muss seine Stromversorgung nach dem Fall auslegen, in dem alle Kanäle gleichzeitig gefordert sind. Sinkt die Verlustleistung je Kanal, passen mehr Kanäle in dasselbe Gehäuse und hinter dasselbe Netzteil. Deshalb findet sich die Bauart vor allem in AV-Receivern und in mehrkanaligen Installationsendstufen, seltener im Stereo-Vollverstärker.
Der dritte Punkt ist der Preis dafür, und er liegt im Umschaltmoment. Wechselt die Versorgung die Stufe, muss die Regelung diesen Sprung auffangen, ohne dass er im Signal sichtbar wird. Gelingt das nicht sauber, entsteht eine Verzerrung, die es bei fester Schiene nicht gäbe — und zwar ausgerechnet bei mittleren Pegeln, an der Umschaltschwelle. Wie gut das gelöst ist, unterscheidet die Geräte dieser Bauart deutlich stärker als der Buchstabe auf dem Datenblatt.
Wo die Bauart im Bestand vorkommt
Hyperion Professional führt seine mehrkanaligen Endstufen mit vier, fünf und sieben Kanälen als Class-H-Geräte — ein typischer Fall: viele Kanäle, ein Gehäuse, ein Rack, in dem die Wärme abgeführt werden muss. Die Klasse steht bei diesen Geräten im Produktnamen und im Datenblatt; nach Bericht der Fachpresse stammt die Schaltung aus der Endstufenlinie der Vorgängermarke AudioControl, wo sie seit Jahren im Mehrkanalbau eingesetzt wird.
Der AV-Receiver desselben Hauses verstärkt seine elf Kanäle dagegen mit Gallium-Nitrid-Ausgangsstufen, also schaltend. Eine Marke kann beide Verfahren nebeneinander führen, und welches im Gerät steckt, sagt die Seite des einzelnen Modells — die Bauart gehört zum Gerät und nicht zum Markennamen.
Häufiges Missverständnis
„Class G und Class H sind Schaltverstärker." Der Name legt eine Verwandtschaft zu Class D nahe, weil in allen drei Fällen irgendetwas geschaltet wird. Der Unterschied ist grundlegend: Bei Class D schaltet die Ausgangsstufe selbst und erzeugt das Signal als schnelle Ein-Aus-Folge, die anschließend gefiltert wird. Bei Class G und Class H bleibt die Ausgangsstufe linear und verstärkt stufenlos; das Schalten passiert eine Ebene früher, in der Versorgung. Wer nach dem Signalweg fragt, bekommt hier also dieselbe Antwort wie bei Class AB und eine andere als bei Class D.
„Class H spart Strom." Das stimmt, taugt als Kaufgrund aber nicht. Wo der Gewinn wirklich zählt, ist die Wärmebilanz des Geräts und das, was daraus folgt: Baugröße, Kanalzahl, Lüfter oder kein Lüfter. Am Klang oder an der verfügbaren Leistung ändert die Bauart für sich genommen nichts.
Nicht zu verwechseln mit
- Class D: schaltende Ausgangsstufe mit Tiefpassfilter dahinter. Der Wirkungsgradgewinn ist dort größer, der Signalweg ein anderer.
- Class AB: dieselbe lineare Ausgangsstufe, aber mit fester Versorgungsspannung — die Bauart, gegen die Class G und Class H antreten.
- Schaltnetzteil: eine Frage der Stromversorgung, unabhängig von der Betriebsart der Endstufe. Ein Gerät kann ein Schaltnetzteil haben und trotzdem mit fester Schiene arbeiten.
- Limiter und Dynamikkompression: Eingriffe in das Signal. Hier wird am Signal nichts verändert, nur an der Spannung, aus der es geformt wird.
In der Planung
Ein Mediaroom mit neun Kanälen, die Elektronik in einem geschlossenen Sideboard, und der Kunde legt Wert darauf, dass im leisen Dialog nichts zu hören ist außer dem Film. Am Anfang steht die Frage, wie viel Wärme in diesem Möbel anfallen darf, ohne dass eine Zwangsbelüftung nötig wird — denn ein Lüfter im Sideboard ist genau das Geräusch, das der Kunde ausschließen will.
Daraus ergibt sich, welche Verstärkerbauarten überhaupt infrage kommen. Eine Class-AB-Endstufe mit neun Kanälen scheidet in diesem Möbel meist aus. Eine lineare Endstufe mit nachgeführter Versorgung kann passen, weil sie bei den mittleren Pegeln eines Filmabends deutlich weniger heizt; ein schaltendes Gerät geht in der Wärmebilanz noch weiter. Zwischen diesen beiden entscheiden dann die Güte der jeweiligen Umsetzung und das Verhalten an den vorgesehenen Lautsprechern.
Erst zum Schluss geht es um Modelle — und dort ist die Angabe „Class H" auf dem Datenblatt der Anfang der Prüfung und nicht ihr Ergebnis. Ob die vorgesehene Endstufe für die geplanten Pegel reicht, ist eine eigene Rechnung und steht unter Verstärkerleistung.
Verknüpfte Inhalte
Die andere Antwort auf dasselbe Wärmeproblem steht unter Class-D-Endstufe; die Bauteiltechnik, mit der dort heute an den Schaltverlusten gearbeitet wird, unter Gallium-Nitrid-Ausgangsstufen. Die Wattfrage selbst und die Rolle der angeschlossenen Last stehen unter Verstärkerleistung und Impedanz. Eine Marke, die ihre Endstufen so führt, ist Hyperion Professional.
Quellen
Die Verlustrechnung der linearen Ausgangsstufe, die Beschreibung der Schienenumschaltung und die Einordnung der Bauart im Installationsbau folgen der Standard-Verstärkerliteratur; beide Werke lagen für diesen Eintrag nicht am Objekt vor. Die Angabe, dass eine Marke im eigenen Bestand ihre mehrkanaligen Endstufen als Class H führt und ihren AV-Receiver schaltend aufbaut, steht auf den Produktseiten der Geräte und ist dort am 5. September 2026 nachgesehen worden; die Herkunft der Schaltung aus der Vorgängermarke belegt eine Fachpublikation vom 19. März 2026.