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Raumakustik

Schalllaufzeit und Delay

Wie rechnet man eine Entfernung in eine Laufzeit oder Delay-Einstellung um?

Eingangsgrößen

Größenverzeichnis

Schall braucht Zeit für seinen Weg: bei 343 m/s rund 2,9 Millisekunden pro Meter. Aus dieser einen Zahl folgt, warum Lautsprecher mit unterschiedlichem Abstand elektronisch verzögert werden müssen und wie Du jede Distanzangabe in eine Verzögerungszeit umrechnest.

Schall ist schnell, aber nicht sofort da: Er braucht etwa drei Tausendstelsekunden pro Meter. Sitzt Du drei Meter vom einen Lautsprecher entfernt und vier vom anderen, kommt der zweite Ton messbar später bei Dir an. Für sich genommen hörst Du das kaum — aber wenn mehrere Lautsprecher zusammenspielen sollen, verschmiert es den Klang. Deshalb lässt man näher stehende Lautsprecher einen Wimpernschlag warten, bis alles gleichzeitig bei Dir ankommt. Diese Formel liefert genau diese Wartezeit.

Natürliche Erklärung

Dein Gehör ortet Schallquellen zu einem großen Teil über Zeitunterschiede. Kommt ein Signal am linken Ohr wenige Zehntel Millisekunden früher an als am rechten, entsteht daraus eine Richtungsinformation. Dieselbe Empfindlichkeit wirkt zwischen Lautsprechern: Steht ein Surround-Lautsprecher näher am Hörplatz als die Front, kommt sein Anteil früher an, und das Klangbild zieht in seine Richtung.

Die Korrektur ist unspektakulär. Der Prozessor verzögert die näheren Lautsprecher gerade so weit, dass alle Signale gleichzeitig am Hörplatz eintreffen. Bezugspunkt ist der am weitesten entfernte Lautsprecher; alle anderen bekommen die Differenz als Delay aufgeschlagen. Wenn Du im Setup Entfernungen einträgst, rechnet das Gerät genau diese Umrechnung — die Eingabe ist eine Distanz, gespeichert wird eine Zeit.

Ein Punkt geht dabei oft unter: Laufzeit entsteht nicht nur in der Luft. Ein Aktivsubwoofer mit DSP, eine Funkstrecke oder eine Einmesskorrektur brauchen selbst Verarbeitungszeit. Für die Rechnung heißt das: t = d / c liefert nur den Luftanteil. Zeigt das Einmesssystem eine größere Distanz an, als Du gemessen hast, steckt in der Differenz die Verarbeitungszeit der Kette — warum das kein Fehler ist, erklärt der Glossareintrag zu Delay.

Eingangsgrößen und Einheiten

SymbolGrößeEinheit
tSchalllaufzeits (in der Praxis ms)
dStrecke zwischen Lautsprecher und Hörplatzm
cSchallgeschwindigkeit in Luftm/s

Gemessen wird vom akustischen Zentrum des Lautsprechers — dem Punkt, von dem der Schall effektiv abzustrahlen scheint, in der Praxis die Region um die Chassis — zur Kopfposition am Hörplatz, nicht zur Wand oder zur Gehäusekante. Bei 343 m/s verschiebt ein Messfehler von 10 cm die Laufzeit um 0,29 ms.

Die Temperatur wirkt auch hier, aber schwach: Zwischen 15 °C und 25 °C ändert sich c um knapp 2 %. Auf 5 m Abstand sind das rund 0,3 ms — in der Größenordnung eines sauberen Maßbandfehlers und praktisch belanglos.

Gültiger Bereich und Annahmen

Die Formel gilt für die freie Ausbreitung in Luft und für den direkten Weg. Im Heimkino liegen die Strecken meist zwischen 0,5 m und 15 m, also zwischen rund 1,5 ms und 44 ms.

Angenommen wird, dass Du den Direktschall meinst. Reflexionen über Boden, Decke oder Seitenwände legen einen längeren Weg zurück und kommen entsprechend später an; sie sind der Grund, warum die Formel bei Reflexionsanalysen mit der jeweiligen Umwegstrecke gerechnet wird und nicht mit der Luftlinie.

Und sie erfasst nur die Luft. Alles, was im Signalweg an Verarbeitung sitzt, kommt oben drauf.

Grenzen

Die Laufzeitkorrektur ist keine Phasenkorrektur. Ein Delay verschiebt alle Frequenzen um dieselbe Zeit. Der Phasengang eines Lautsprechers und die Überlagerung mit dem Raum sind dagegen frequenzabhängig. Wenn sich Subwoofer und Hauptlautsprecher im Übergangsbereich nicht sauber addieren, ist die richtige Distanzeinstellung die notwendige Bedingung — sie allein löst das Problem nicht.

Zweitens gilt eine Laufzeitkorrektur immer für genau einen Punkt. Alle Wege stimmen für den Platz, auf den eingemessen wurde. Ein Sitzplatz einen Meter weiter außen hat andere Differenzen, und die Korrektur ist dort teilweise wieder falsch. In einem Kino mit mehreren Reihen ist das eine Abwägung, kein lösbares Problem.

Drittens sagt die Formel nichts über den Pegel. Ein weiter entfernter Lautsprecher kommt nicht nur später, sondern auch leiser an. Zeit- und Pegelabgleich sind zwei getrennte Schritte.

Rechenbeispiel

Ein Hörplatz mit folgenden gemessenen Entfernungen:

KanalEntfernung dLaufzeit t = d / c
Subwoofer4,60 m13,41 ms
Front links und rechts3,20 m9,33 ms
Center3,00 m8,75 ms
Surround links und rechts1,50 m4,37 ms

text Subwoofer: t = 4,60 / 343 = 0,01341 s = 13,41 ms Surround: t = 1,50 / 343 = 0,00437 s = 4,37 ms

Der Subwoofer ist am weitesten weg und gibt damit den Takt vor. Alle anderen Kanäle werden auf seine 13,41 ms verzögert:

text Front: 13,41 − 9,33 = 4,08 ms Center: 13,41 − 8,75 = 4,66 ms Surround: 13,41 − 4,37 = 9,04 ms

Die Surrounds bekommen also gut 9 ms Verzögerung. Ohne diese Korrektur träfe ihr Anteil deutlich vor dem Rest ein, und Effekte lösten sich von der Bühne nach hinten.

Die Rückrechnung braucht man genauso oft. Ein Prozessor zeigt für einen Kanal 5,0 ms Delay an — welcher Distanz entspricht das?

text d = 343 · 0,0050 = 1,72 m

Für Dich heißt das in der Praxis: Distanz und Delay sind dieselbe Angabe in zwei Einheiten. Wirkt ein Wert im Setup unplausibel, rechne ihn mit t = d / c in die andere Einheit um — dann siehst Du sofort, ob eine Eingabe verrutscht ist. Wie empfindlich das Gehör auf solche Zeitdifferenzen reagiert, zeigt das Praxisbeispiel im Glossareintrag zu Delay.

Im MultiRoom-System taucht dieselbe Rechnung in anderer Größenordnung auf. Dort geht es nicht um Zentimeter im Raum, sondern darum, dass zwei benachbarte Zonen denselben Titel zeitgleich wiedergeben. Wanderst Du zwischen zwei Zonen, hörst Du einen Versatz als Echo, sobald er eine Schwelle überschreitet — und ein Teil dieses Versatzes ist schlicht die Luftstrecke zwischen den beiden Räumen: Zehn Meter Abstand sind nach t = d / c bereits rund 29 ms, ganz ohne Elektronik.

Verknüpfte Inhalte

Was Delay im Signalweg bedeutet und womit es verwechselt wird, steht im Glossareintrag zu Delay. Dieselbe Schallgeschwindigkeit steckt in der Wellenlänge und damit in den Raummoden. Warum die Laufzeit im Übergangsbereich zum Subwoofer besonders empfindlich wirkt, klären die Glossareinträge zu Phase, Bassmanagement und Übergangsfrequenz.

Quellen

Der Zusammenhang t = d / c ist elementare Physik; die Umsetzung in Distanz- und Delay-Einstellungen folgt der Dokumentation gängiger AV-Prozessoren.

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