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Vertikal ausgerichteter Fluessigkristall (VA, normally black)
Was bedeutet vertikal ausgerichteter Flüssigkristall — und warum ist ein Bildpunkt ohne Signal dabei dunkel statt hell?
Vertikale Ausrichtung beschreibt die Ruhelage der Flüssigkristallmoleküle in einem Bildpunkt: Ohne anliegende Spannung stehen sie senkrecht zu den beiden Trägerflächen, zwischen denen sie eingeschlossen sind. In dieser Lage verändern sie die Schwingungsrichtung des durchlaufenden Lichts kaum — zwischen zwei gekreuzten Polarisatoren bleibt der Bildpunkt deshalb dunkel. Die anliegende Spannung kippt die Moleküle aus der Senkrechten, und erst dadurch wird der Bildpunkt hell.
Stell Dir winzige Stäbchen vor, die in einer Flüssigkeit schwimmen und sich von einer Spannung ausrichten lassen. Ihre Aufgabe ist es, das Licht zu verdrehen — und nur verdrehtes Licht kommt am Ausgang des Bauteils heraus. In diesem Bauteil stehen die Stäbchen im Ruhezustand aufrecht, und aufrecht verdrehen sie nichts. Ein Bildpunkt ohne Signal bleibt deshalb von selbst schwarz; hell wird er erst, wenn Spannung anliegt. Für Dich heißt das: Schwarz ist hier der Normalzustand und nicht etwas, das mühsam abgedunkelt werden muss.
Ausführliche Erklärung
Das Umgekehrte war lange der Normalfall. In der Projektion arbeiteten Flüssigkristallpanels üblicherweise mit verdrillt-nematischem Material, bei dem die Moleküle im Ruhezustand eine Schraubenform bilden, die Schwingungsrichtung des Lichts also gerade drehen — dort ist der Bildpunkt ohne Signal hell, und die Spannung dunkelt ab. Die vertikale Ausrichtung dreht dieses Verhältnis um.
Der Unterschied wirkt sich genau dort aus, wo es im Heimkino zählt. Ein Bildpunkt, dessen Ruhezustand dunkel ist, muss für Schwarz nichts leisten. Was an der Ansteuerung ungenau bleibt — Spannungsreste, Toleranzen über die Fläche, Alterung —, macht ihn tendenziell etwas zu dunkel. Bei umgekehrter Ruhelage macht derselbe Fehler ihn etwas zu hell, und aufgehelltes Schwarz fällt im dunklen Raum sofort auf, während geringfügig zu dunkle Bildteile kaum jemand bemerkt.
Der dünne Spalt und die Orientierungsschicht
Zwei Bauteilgrößen hängen unmittelbar daran. Der Abstand zwischen den Trägerflächen bestimmt, wie weit die Moleküle kippen müssen und wie schnell das geht: Ein reflektives Panel aus der Erstankündigung dieser Bauweise arbeitet mit einem Zellabstand unter 2 µm und erreicht damit 5 Millisekunden für An- und Abschaltvorgang zusammen, bei einem Panelkontrast von 3000:1 — dem etwa Dreifachen dessen, was damals üblich war.
Damit die Moleküle ihre Ruhelage überhaupt einnehmen, braucht es eine hauchdünne Schicht auf beiden Trägerflächen, die ihnen diese Lage vorgibt. Üblich war dafür ein organischer Kunststofffilm aus Polyimid. Er sitzt an der hellsten und heißesten Stelle des Geräts, und genau dort altert organisches Material. Der Ersatz durch eine anorganische Schicht ist deshalb keine Kleinigkeit der Fertigung, sondern eine Aussage über die Lebensdauer — der Hersteller begründet den Wechsel ausdrücklich mit der Haltbarkeit.
Häufiges Missverständnis
„Vertikale Ausrichtung ist die Technik der reflektiven Panels." Das ist die naheliegende Verwechslung, weil die bekannten reflektiven Projektionsbauteile alle so arbeiten. Beschrieben sind damit aber zwei verschiedene Ebenen: Reflektiv oder durchleuchtet sagt, welchen Weg das Licht durch das Bauteil nimmt; vertikal oder verdrillt sagt, wie sich der Flüssigkristall darin verhält. Beides lässt sich frei kombinieren, und beides steht in Datenblättern nebeneinander.
Nicht zu verwechseln mit
- TN, verdrillt-nematisch: die andere Ruhelage. Ohne Signal hell, mit Signal dunkel — das genaue Gegenteil.
- VA-Panel im Fernseher: derselbe Modus, andere Gerätegattung. Ein Fernsehpanel ist so groß wie der Bildschirm und wird von hinten flächig beleuchtet, ein Projektionspanel misst weniger als einen Zoll und wird von einer sehr starken Quelle durchleuchtet oder angestrahlt. Erfahrungen mit dem einen lassen sich nicht auf das andere übertragen.
- LCoS: die Bauform des Bauteils — Flüssigkristall auf einem Siliziumträger mit spiegelnder Pixelelektrode. Welcher Modus darin arbeitet, ist eine zweite, davon unabhängige Angabe.
In der Planung
Für die Geräteauswahl ist die Ruhelage des Flüssigkristalls keine Größe, nach der gefragt wird — sie steht selten im Datenblatt und ist ohnehin keine Stellschraube. Nützlich ist der Begriff an einer anderen Stelle: beim Lesen von Kontrastangaben.
Wer weiß, dass ein Panel im Ruhezustand sperrt, versteht, warum der Panelkontrast solcher Bauteile hoch ausfällt und warum diese Zahl trotzdem wenig über den Raum aussagt. Der Panelkontrast beschreibt das Bauteil im Messaufbau. Im fertigen Gerät kommen Streulicht in der Optik dazu, im fertigen Raum die Wände, die Decke und die Bildfläche. Die Reihenfolge der Planung bleibt deshalb dieselbe: erst der dunkle Raum, dann das Verfahren, dann das Gerät. Ein Panel mit dunklem Ruhezustand in einem hellen Raum verschenkt genau die Eigenschaft, für die es gebaut wurde.
Verknüpfte Inhalte
Warum ein Flüssigkristallbauteil überhaupt Polarisatoren braucht, erklärt Polarisation des Lichts. Die Bauform, in der dieser Modus im Heimkino am häufigsten vorkommt, steht bei LCoS, das durchleuchtete Gegenstück bei transmissives LCD. Was ein tiefes Schwarz im Bild ausmacht, ordnet der Schwarzwert ein, die Deutung der Zahlen das Kontrastverhältnis.
Quellen
Die Beschreibung des Modus, der Ersatz des verdrillt-nematischen Materials, Zellabstand, Schaltzeit, Panelkontrast und der Wechsel auf eine anorganische Orientierungsschicht stammen aus der Erstankündigung eines reflektiven Projektionspanels und sind Herstellerangaben; gelesen wurde eine Momentaufnahme im Webarchiv, weil die Originalseite automatisierte Abrufe abweist. Dass der eingeschaltete Bildpunkt die Schwingungsrichtung umkehrt und nur dieses Licht den Analysator passiert, ist über eine Patentschrift zur Projektionsoptik belegt. Die physikalischen Voraussetzungen des Modus sind nicht am Objekt belegt und im Text entsprechend gekennzeichnet.
- Sony, Pressemitteilung zum SXRD-Bauteil vom 19. Februar 2003 — vertikale Ausrichtung, Zellabstand, Schaltzeit, Panelkontrast, anorganische Orientierungsschicht.
- US 5 914 817 A (1999) — Polarisationsumkehr am eingeschalteten Bildpunkt im reflektiven Projektionsweg.