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UPC und APC
Was ist der Unterschied zwischen UPC- und APC-Glasfasersteckern, und warum darf man sie nicht zusammenstecken?
Zwei Glasfaserstecker können denselben Bauform-Namen tragen, in dieselbe Kupplung passen und trotzdem nicht zueinander gehören. Was sie unterscheidet, ist der Schliff der Faserendfläche in der Ferrule: UPC (Ultra Physical Contact) ist plan und leicht ballig geschliffen, APC (Angled Physical Contact) um acht Grad angeschrägt.
Damit Licht von einem Kabel ins nächste übergeht, müssen sich die beiden Faserenden berühren — sauber und ohne Luft dazwischen. Dafür werden sie poliert, und zwar in zwei Varianten. Die eine ist gerade abgeschliffen, die andere leicht schräg. Erkennen kannst Du das an der Farbe des Steckers, blau oder grün. Grün und blau passen mechanisch ineinander, gehören aber nicht zusammen, und wer sie trotzdem verbindet, macht beide Enden kaputt. Deshalb gilt im Technikraum die einfachste aller Regeln — Farbe auf Farbe.
Ausführliche Erklärung
Der Grund für den schrägen Schliff ist die Rückreflexion. An jedem Übergang zwischen zwei Medien wird ein Teil des Lichts zurückgeworfen, und bei einer geraden Endfläche läuft dieser Anteil genau dorthin zurück, wo er hergekommen ist — in den Kern und damit in den Sender. Angegeben wird das als Rückflussdämpfung: je höher der Dezibelwert, desto weniger Licht kommt zurück.
Der Achtgradwinkel dreht die Reflexion so weit von der Faserachse weg, dass sie den Kern verfehlt und im Mantel verlorengeht. Verbindlich dafür sind die Leistungsklassen aus IEC 61755-2-1:2022: Tabelle 2 der Norm staffelt die Rückflussdämpfung in vier Stufen — 60, 45, 35 und 26 dB. APC-Steckverbinder werden gegen die oberste Klasse geprüft. Die in mancher Herstellerangabe kursierende Zahl von rund 50 dB für UPC ist keine dieser vier Klassen — sie liegt zwischen der zweit- und der dritthöchsten Stufe und ist eine Rundung, keine normative Größe.
Ob das gebraucht wird, hängt am Signal. Ein digitaler Empfänger muss nur zwischen hell und dunkel unterscheiden und verträgt einiges an zurücklaufendem Licht; für eine übliche Ethernet-Strecke im Gebäude ist UPC unauffällig. Empfindlich wird es dort, wo die Lichtleistung hoch ist oder die Information in der Amplitude selbst steckt — bei analog überlagerten Videosignalen und in den passiven Glasfasernetzen der Netzbetreiber, wo viele Teilnehmer an einer Faser hängen. Genau deshalb ist der Hausanschluss eines Glasfaseranbieters in aller Regel grün und der Patchbereich im eigenen Rack blau.
Der Punkt, an dem es teuer wird
APC und UPC lassen sich in dieselbe Kupplung schieben. Genau das ist das Problem, denn die Mechanik warnt nicht.
Trifft eine um acht Grad angeschrägte Endfläche auf eine plane, liegen die beiden Flächen nicht aufeinander, sondern berühren sich an einer Kante. Zwischen ihnen bleibt ein keilförmiger Luftspalt, über den kaum Licht übergeht — die Strecke läuft schlicht nicht oder mit einer Dämpfung, die jede Fehlersuche in die falsche Richtung schickt. Der bleibende Schaden entsteht aber durch den Federdruck, mit dem jeder Steckverbinder die Ferrulen zusammenpresst. Weil die ganze Kraft auf dieser einen Kante liegt, wird die polierte Fläche verkratzt oder splittert aus. Beide Seiten, nicht nur eine, und der Schaden ist nicht reinigbar. Ein vorkonfektioniertes Patchkabel ist danach Ausschuss; bei einem gespleißten Anschluss oder einer Gerätebuchse ist es deutlich mehr als das.
Der einzige saubere Weg zwischen den beiden Welten ist ein Hybrid-Patchkabel, das an einem Ende APC und am anderen UPC hat — die Umsetzung passiert dann im Kabel und nicht in der Kupplung. Adapter, die zwei verschiedene Schliffarten in einer Kupplung zusammenführen, gibt es aus gutem Grund nicht.
Häufiges Missverständnis
„Die Farbe ist Herstellersache." Das ist der Irrtum, der den Schaden verursacht. Blau und grün sind bei Singlemode-Steckern eine Kennzeichnung nach TIA 568 und stehen für die Schliffart, nicht für den Lieferanten, die Faserklasse oder die Kabellänge. Wer zwei Patchkabel nach Länge sortiert und die Farbe für Dekoration hält, steckt früher oder später grün auf blau.
Der zweite Irrtum geht in die andere Richtung. „APC ist besser, also nehmen wir überall APC" klingt nach der sicheren Wahl, erzeugt aber genau die Mischbestände, aus denen der Fehler entsteht — spätestens wenn ein Gerät mit fest verbauter UPC-Buchse ins Rack kommt. Besser als die vermeintlich höhere Klasse ist eine Festlegung je Bereich, die auch in fünf Jahren noch erkennbar ist.
Nicht zu verwechseln mit
- Dem Steckverbindertyp: LC, SC oder ST beschreiben die Bauform des Steckers. Jede dieser Bauformen gibt es in beiden Schliffarten — „LC" allein sagt über die Endfläche nichts.
- Der Faserklasse: Ob OM4 oder OS2 in dem Kabel steckt, ist eine unabhängige Eigenschaft, siehe Faserklassen OM und OS. In der Praxis kommt APC fast nur an Singlemode-Strecken vor.
- Der Einfügedämpfung: Wie viel Licht die Verbindung im Durchgang kostet, ist eine andere Größe als die Rückflussdämpfung. Eine Verbindung kann im Durchgang gut und in der Reflexion schlecht sein.
Aus der Praxis
Der Netzbetreiber setzt den Hausübergabepunkt, der Integrator baut das Rack. Zwei Wochen später soll beides zusammenkommen — und im Karton liegen zehn blaue LC-Duplex-Patchkabel.
Die Frage vor dem ersten Steckvorgang ist nicht, welches Kabel lang genug ist, sondern welche Schliffart an welchem Ende der Strecke sitzt. Sie steht in der Dokumentation des Anschlusses und ist am grünen Gehäuse ablesbar; sie ist nicht verhandelbar, weil die Gerätebuchse feststeht. Zu entscheiden bleibt — wird im Rack durchgehend auf APC gepatcht, oder setzt ein Hybrid-Patchkabel am Übergabepunkt auf die hausinterne UPC-Welt um? Beides ist vertretbar, aber es muss entschieden und beschriftet sein, sonst entscheidet es die nächste Person mit dem Kabel in der Hand.
Erst dann kommt das Material. Und weil ein einziger falscher Steckvorgang eine Gerätebuchse ruiniert, gehört an dieser Stelle beides in die Übergabedokumentation — die Schliffart je Patchfeld und der Hinweis, dass grün und blau nicht zusammengehören.
Verknüpfte Inhalte
Die Grundlagen zur Faser selbst stehen beim Lichtwellenleiter, die Leistungsklassen des Kabels bei den Faserklassen OM und OS. Welches Modul die Faser ansteuert und welchen Steckertyp es mitbringt, klärt der SFP-Transceiver.
Quellen
Die Endflächengeometrie ist in IEC 61755-3-1 (plan) und IEC 61755-3-2 (acht Grad angeschrägt) beschrieben, die Leistungsklassen für die Rückflussdämpfung in IEC 61755-2-1:2022 (Tabelle 2); die Farbcodierung folgt TIA 568 in der Zusammenfassung der Fiber Optic Association.