TOSLINK ist kein eigenes Tonformat, sondern eine Bauweise: die optische
Ausführung von S/PDIF. Übertragen werden dieselben Daten wie über die
koaxiale Variante, nur nicht als Spannung durch Kupfer, sondern als rotes
Licht durch einen Kunststoff-Lichtleiter. Der Name geht auf Toshiba
zurück, das Verfahren ist als JEITA-Norm festgeschrieben.
In einfachen Worten
Die eckige Buchse mit der kleinen Klappe, aus der es rot leuchtet, wenn
das Gerät an ist — das ist TOSLINK. Darin steckt kein Draht, sondern
ein dünner Kunststofffaden, durch den Licht läuft. Weil kein Strom
fließt, gibt es zwischen den beiden Geräten keine elektrische
Verbindung, und typische Brummprobleme können über diesen Weg gar nicht
erst entstehen. Dafür darf das Kabel nicht besonders lang sein und
nicht scharf geknickt werden. Und es überträgt genau denselben Ton wie
das koaxiale Kabel daneben — nicht mehr.
Im Sendemodul sitzt eine rote Leuchtdiode mit einer Spitzenwellenlänge
von 650 nm, im Empfänger eine Fotodiode. Dazwischen liegt ein
Kunststoff-Lichtleiter, üblicherweise mit rund 1 mm Kerndurchmesser. Der
Steckverbinder ist die quadratische Bauform nach EIAJ RC-5720B, die
elektrische und optische Schnittstelle folgt der JEITA-Norm CP-1212 für
Digitalaudio in Consumer-Geräten. Ein rein optisches Bauteil ist das
nicht: Es sind zwei Wandlungen, elektrisch nach optisch und wieder
zurück, und die Grenzen der Strecke stehen im Datenblatt dieser Module,
nicht in einer Audio-Norm.
Drei dieser Grenzen sind planungsrelevant, und alle drei lassen sich am
verbreiteten Toshiba-Modul TOTX147 nachlesen.
Erstens die Länge. Toshiba gibt für dieses Modul mit passendem
Empfänger und einfacher Kunststofffaser eine Übertragungsdistanz von
0,2 bis 5 m an. Fünf Meter sind damit keine Schätzung, sondern der
spezifizierte Wert einer üblichen Bauteilpaarung. Längere Konfektionen
sind zu kaufen und funktionieren oft — aber sie funktionieren außerhalb
dessen, was der Hersteller zusichert, und ob sie es tun, hängt an den
Modulen beider Geräte.
Zweitens die Datenrate. Dasselbe Datenblatt nennt maximal 7,5 Mbit/s
für ein Biphase-Signal. Aus dem Rahmenaufbau von S/PDIF ergibt sich, was
das bedeutet: Ein Abtastframe belegt 64 Zeitschlitze, macht 3,072 Mbit/s
bei 48 kHz, 6,144 Mbit/s bei 96 kHz — und 12,288 Mbit/s bei 192 kHz. Die
letzte Zahl liegt über der Angabe des Moduls. Dass viele Geräte über
TOSLINK bei 96 kHz aufhören, ist deshalb keine Willkür der Hersteller,
sondern eine Eigenschaft der verbauten Optik.
Drittens die Mechanik. Kunststofffaser überträgt Licht durch
Totalreflexion an der Grenzfläche zwischen Kern und Mantel. Wird die
Faser zu eng gebogen, trifft ein Teil des Lichts diese Grenzfläche zu
steil und tritt aus — der Pegel am Empfänger sinkt. Ein scharfer Knick
kann die Faser dauerhaft schädigen, ohne dass man es von außen sieht.
Ein Lichtleiter ist deshalb nichts, was man in einer Wanddose eng
zurücklegt oder mit Zug durch ein enges Leerrohr zieht.
Was diese drei Einschränkungen aufwiegt, ist eine einzige Eigenschaft:
Zwischen Sender und Empfänger besteht keine elektrische Verbindung. Über
diesen Signalweg kann sich keine Masseschleife schließen, und
eingestreute elektromagnetische Störungen erreichen die Faser gar nicht
erst. In Anlagen, in denen Geräte an verschiedenen Stromkreisen hängen
oder in denen eine Antennen- oder Netzwerkzuleitung eine Verbindung nach
außen herstellt, ist das der Grund, warum TOSLINK überhaupt gewählt wird.
„Optisch löst Brummprobleme." Das gilt genau dann, wenn die Schleife
tatsächlich über diesen Signalweg läuft — und das ist häufig nicht der
Fall. Eine Masseschleife braucht zwei leitende Verbindungen zwischen
denselben Geräten. Trennt man die eine auf und lässt die andere stehen,
etwa den Antennenanschluss des Fernsehers oder den Schirm einer
Netzwerkleitung, bleibt das Brummen. Der optische Weg ist ein Werkzeug
gegen ein bestimmtes Problem, kein allgemeines Entstörmittel; die Frage
davor lautet immer, über welche zwei Pfade sich die Schleife schließt.
Dazu kommt eine Nebenannahme, die selten stimmt: dass die koaxiale
Variante zwangsläufig elektrisch durchverbunden ist. S/PDIF über Kupfer
war von vornherein mit einem Übertrager am Ausgang gedacht und wäre damit
ebenfalls getrennt — nur bauen längst nicht alle Geräte ihn ein. Optisch
ist also der sichere Weg, nicht der einzige.
Der zweite verbreitete Satz lautet: „Optisch klingt schlechter, wegen
Jitter." Richtig daran ist, dass jede Wandlung von elektrisch nach
optisch und zurück Unsicherheit in die Flankenlage einträgt. Die Daten
selbst sind davon nicht betroffen — sie kommen an oder gar nicht. Ob die
verbleibende Taktunsicherheit hörbar wird, hängt daran, wie der Empfänger
seinen Takt zurückgewinnt. Geräte, die den Datenstrom puffern und mit
einem asynchronen Sample-Rate-Converter (ASRC) wandeln, entkoppeln sich
davon weitgehend: Am Ausgang eines solchen Wandlers läuft ein
freilaufender Quarzoszillator, der mit dem ankommenden Takt nichts mehr
zu tun hat — der Eingangsjitter der optischen Strecke erreicht das
Ausgangssignal dadurch praktisch nicht mehr.
Eine perfekte Lösung ist das trotzdem nicht. Die Wandlung selbst — ob
D/A-Wandlung oder Resampling im ASRC — bringt eigene Unsicherheit und
eigenen Jitter mit, unabhängig davon, was auf der Zuleitung ankam. Die
Entkopplung verschiebt das Problem vom Kabel ins Gerät, sie löst es
nicht auf.
S/PDIF koaxial: dieselben Daten über 75-Ohm-Kupfer, mit größerer
Reichweite und ohne die Längenbegrenzung der Kunststofffaser.
Glasfaser im Datennetz: andere Fasertypen, andere Wellenlängen,
andere Steckverbinder — mit TOSLINK nur das Wort „optisch" gemeinsam.
Optische HDMI-Kabel (AOC): HDMI-Stecker mit Faser im Inneren, für
lange Bild- und Tonstrecken. Kein S/PDIF.
ADAT Lightpipe: benutzt denselben Steckverbinder, überträgt aber
ein anderes Format mit acht Kanälen. Der Stecker sagt auch hier nichts
über das Signal.
Ein Wohnzimmer brummt. Fernseher, Streamer und ein aktiver Subwoofer
hängen an derselben Anlage, der Ton kommt über den koaxialen
Digitalausgang des Fernsehers, und im Netz steht, optisch löse das
Problem. Der Kunde kauft ein optisches Kabel, steckt um — und das Brummen
bleibt.
Bevor irgendwo umgesteckt wird: Über welche zwei Wege ist
der Ring geschlossen? Meist läuft der zweite Weg gar nicht über das
Tonkabel, sondern über den Antennen- oder Kabelanschluss des Fernsehers
oder über die Cinch-Leitung zum aktiven Subwoofer, deren Schirm zwei
Schutzleiter miteinander verbindet. Solange dieser zweite Pfad steht,
ändert der optische Ersatz für den ersten nichts.
Die Abhilfe ist damit festgelegt: den Ring an genau einer Stelle
auftrennen, und zwar an der, über die er tatsächlich läuft —
Mantelstromfilter im Antennenweg, galvanische Trennung im
Subwoofer-Signalweg, oder eben der optische Digitalausgang, wenn die
Schleife dort verläuft. Erst danach kommt die Gerätefrage, und die ist
dann klein: ein Bauteil für unter fünfzig Euro statt eines neuen
Verstärkers.
Zwei Dinge sollte man bei dieser Gelegenheit gleich mit klären, weil sie
sonst als Folgeproblem wiederkommen: ob die gewünschten Tonformate über
S/PDIF überhaupt ankommen — bei objektbasiertem Ton tun sie das nicht —
und wie lang die optische Strecke werden soll. Fünf Meter sind die
spezifizierte Grenze, und ein Leerrohr mit engen Bögen ist für
Kunststofffaser der falsche Weg.
Was über diese Schnittstelle überhaupt übertragen wird und wo ihre
Formatgrenze liegt, steht bei S/PDIF; die professionelle Ausprägung
derselben Datenstruktur bei AES3. Warum Fasern nicht beliebig eng
gebogen werden dürfen, behandelt der Eintrag zum Mindestbiegeradius,
die Unterschiede zu den Fasern in Datennetzen der Eintrag zum
Lichtwellenleiter.
Wellenlänge, Fasertyp, Steckverbindernorm, Übertragungsdistanz und
Datenrate stammen aus dem Toshiba-Datenblatt zum Sendemodul TOTX147, das
für diese Seite am Objekt gelesen wurde. Die Zuordnung der optischen
Variante zu S/PDIF und zur Normreihe IEC 60958 folgt RaneNote 149; die
Rechnung von der Abtastrate zur Datenrate dem Rahmenaufbau aus dem
AES3-Normtext. Der Entkopplungsmechanismus eines asynchronen
Sample-Rate-Converters gegen Eingangsjitter und die Einschränkung durch
die eigene Unsicherheit der Wandlung folgen Dunn (Audio Precision /
Nanophon, TN-23 Jitter Theory).